Originelle Fassadengalerie am Lügenmuseum

Kunst zum Greifen nah

Das Lügenmuseum verlagert seinen Inhalt nach außen und hängt seine besten Kunstwerke an die Fassade des historischen Gasthofes Serkowitz in Radebeul. Besucher können nun die Freiluft-Galerie besichtigen. Mit Abstand Kultur zu genieße, ein coronatauglicher Kunstgenuss passt zielgenau in diese Zeit.

Die Fassadengalerie ist Teil des Kunstprojektes Labypoly 2020, Kunst rund um den Gasthof: Im Sommer wurden nach einem Aufruf Kunstwerke von Bürgern dem Lügenmuseum gespendet. Diese „unbrauchbaren“ Kunstwerke wurden von Künstlern umgeformt oder verfremdet. Labypoly wurde gefördert von der Stadt Radebeul, dem Kulturraum Meißen, der Sparkassenstiftung Meißen und dem Kunst der Lüge e. V.

Text + Foto: Reinhard Zabka

Weihnachtsgrüße 2020 aus dem Lügenmuseum

Ein Film über Labypoly, Kunst rund um das Lügenmuseum
https://youtu.be/fclxzEwPTrs

Labylysium, Interventionen auf dem Burgplatz Leipzig
https://youtu.be/Lhb8RY7UUdU

Interieur Underground, die Filme sind nun auch hier zu sehen:
https://luegenmuseum.de/film-interieur-underground/

Theater Junge Generation streamt Rotkäppchen


Rotkäppchen allein im Wald. Wird sie den grimmigen Wolf besiegen? Fotos: Marco Prill

Puppentheater für zuhause

Das Theater Junge Generation (TJG) stellt seine aktuelle Puppentheaterinszenierung „Rotkäppchen“ (nach den Brüdern Grimm, in einer Fassung von Frank Alexander Engel) als Stream zur Verfügung. Die eigens dafür aufgezeichnete Variante ist bis einschließlich 27.12. online (www.tjg-dresden.de) abrufbar. Dazu Intendantin Felicitas Loewe: „Die Inszenierung, die im Oktober Premiere feiern konnte, wäre Teil unseres diesjährigen Weihnachtsprogramms gewesen. Diese doch immer ganz besonderen Theatermomente mit den Dresdner Kindern und Familien in diesem Jahr nicht leibhaftig teilen und erleben zu können, schmerzt uns extrem.

Mit dem Stream möchten wir unserem wunderbaren Publikum einen weiteren Gruß senden und auch auf diesem Wege miteinander verbunden bleiben. Immer, aber in der Weihnachtszeit noch einmal mehr, möchte das TJG  für alle da sein.“
Ab diesem Sonntag (20.12.) ist der Stream zudem in einer Version mit Übersetzung in Gebärdensprache verfügbar, entstanden in Kooperation mit vigevo, Netzwerk für Gebärdensprachdienstleistungen, und Scouts, Gebärdensprache für Alle, gefördert vom Freistaat Sachsen.

Text: Norbert Seidel/TJG

www.tjg-dresden.de

tjg. theater junge generation
Kinder- und Jugendtheater Dresden
~ theatre for children and young audiences
Kraftwerk Mitte 1
~ 01067 Dresden
Postanschrift
~ Postfach 12 00 20 ~ 01001 Dresden
Tickets und Info +49 351 3 20 42 777
~ tjg-dresden.de

Vorhang weiter zu
Alle Vorstellungen, Veranstaltungen sowie die Freizeitangebote der Theaterakademie entfallen bis einschließlich So 28. Feb 2021.
Über neue Entwicklungen informieren wir auf tjg-dresden.de.

Lesung & Theater virtuell: Aus dem Leben von Charles Dickens & Der Zauberer von Oz im Staatsschauspiel Dresden

Weihnachtsgeschichten von Charles Dickens und abenteuerliche Reise mit Dorothy und ihren Freunden Scheuch, Blechmann und Löwe in die Smaragdenstadt

Die Spielstätten des Staatsschauspiels Dresden bleiben für das Publikum bis zum 28. Februar 2021 geschlossen – seine digitalen Angebote freuen sich aber auf zahlreiche Besucher*innen!

Am Sonntag, dem 20. Dezember 2020, steht auf der Webseite ww.staatsschauspiel-dresden.de von 10.00 bis 24.00 Uhr der kostenfreie Stream von Der Unnachahmliche – Lars Jung erzählt aus dem Leben von Charles Dickens – zur Verfügung. Lars Jung, der langjährige Darsteller des Ebenezer Scrooge in A CHRISTMAS CAROL – EIN WEIHNACHTSLIED, stellt in dieser Online-Lesung Leben und Werk von Charles Dickens vor, ein kleiner Ersatz und Trost für den Corona-bedingten Vorstellungsausfall im Palais im Großen Garten.

Eine kleine Weihnachtsüberraschung für die ganze Familie wartet an den Feiertagen! Gezeigt wird am Freitag, dem 25. Dezember 2020 ab 10.00 Uhr und am Samstag, 26. Dezember 2020 ganztägig eine Aufzeichnung der Generalprobe von DER ZAUBERER VON OZ in der Regie von Christina Rast. Die Aufführung der Familieninszenierung, ursprünglich nicht für einen Stream geplant, kann natürlich nur ein kleines Trostpflaster sein für den ersehnten Besuch im Theater. Wir freuen uns daher schon darauf, wenn wir in der nächsten Spielzeit den ZAUBERER VON OZ endlich so zeigen können, wie er gedacht ist: live und in Farbe – und mit vielen aufgeregten Kindern im vollbesetzten Saal des Schauspielhauses!

An den Feiertagen kann man damit zumindest virtuell Dorothy, die Vogelscheuche, den Blechmann und den Löwen in die Smaragdenstadt begleiten. Die abenteuerliche Reise der vier Freunde in dieser unglaublichen Welt ist eine große Geschichte über innere Stärke, den Glauben an sich selbst und die unbändige Kraft der Freundschaft.

Der Stream wird über die Webseite www.staatsschauspiel-dresden.de kostenfrei angeboten.

Am 14. Dezember 2020 fand die MONTAGSGALA DIGITAL des MONTAGSCAFÉS statt, in diesem Jahr per Livestream auf Facebook. Virtuelle Gäste waren u. a. Bernadette La Hengst, DOTA, Kriwi und 123comics. Moderiert wurde der Abend von Schauspieler Philipp Lux und Wanja Saatkamp, der Leiterin des Montagscafés. Wer den Livestream verpasst hat, kann sich das Video ab sofort auf Facebook oder YouTube anschauen. Im Rahmen der Gala wurde vom Förderverein Staatsschauspiel Dresden e. V. eine Spendenaktion für das MONTAGSCAFÉ initiiert, die auch weiterhin auf http://www.betterplace.org zu finden ist. Mit Hilfe von Spenden kann das Team des Montagscafé im ersten Quartal 2021 durchgängig weiterarbeiten.

MONTAGSCAFÉ@HOME heißt es wieder am Montag, 21. Dezember 2020 von 18.00 – 20.00 Uhr. Das Team des Montagscafés steht weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung. Angeboten wird u. a. die Möglichkeit, gemeinsam Deutsch zu üben, Hilfe bei Hausaufgaben und beim Briefeschreiben u.v.m. Wo? Auf https://meet.jit.si/montagscafe

„Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien trotz allem ein besinnliches Weihnachtsfest und erholsame Feiertage. Kommen Sie gut ins neue Jahr!“

Text: Gertrud Aringer

Leiterin Presse-und Öffentlichkeitsarbeit,
Staatsschauspiel Dresden
Theaterstraße 2, 01067 Dresden

Telefon +49 351 4913 755
Fax          +49 351 4913 760

www.staatsschauspiel-dresden.de

Spendengala via Livestream aus dem Montagscafé im Kleinen Haus

Ein Ort des Ankommens und der internationalen Verständigung

Spendenaktion für den Erhalt des Montagscafés im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden

Am 14. Dezember, von 20.00 bis 21.00 Uhr, veranstaltet das MONTAGSCAFÉ des Staatsschauspiels Dresden seine jährliche Spendengala als Livestream aus dem Kleinen Haus. Zu sehen ist die MONTAGSGALA DIGITAL auf der Facebook-Seite des MONTAGSCAFÉS unter www.facebook.com/montagscafedresden sowie www.staatsschauspiel-dresden.de.

Moderieren wird die Gala Ensemblemitglied Philipp Lux gemeinsam mit der Leiterin des MONTAGSCAFÉS Wanja Saatkamp. Ein buntes Programm aus aller Welt wird den Zuschauer*innen geboten: das Frauen-Trio „Kriwi“ aus Minsk stellt seine Musik vor, berichtet aber auch live von der Situation in Belarus und von der Rolle, die insbesondere Künstler*innen spielen. Liedermacherin Dota und Musikerin Bernadette La Hengst, beide seit Jahren Unterstützer*innen des MONTAGSCAFÉS, sorgen für musikalische Beiträge.

Gemeinsam mit dem Vorstand des Fördervereins Staatsschauspiel Dresden e. V. wird im Rahmen der MONTAGSGALA DIGITAL eine Spendenaktion gestartet. Auf der Website www.betterplace.org kann mit einer Spende das MONTAGSCAFÉ unterstützt und damit ein wertvoller Beitrag zur interkulturellen Verständigung und kulturellen Teilhabe in Dresden geleistet werden. Konkret werden diese Spenden dafür verwendet, die ersten Monate des nächsten Jahres zu überbrücken, da beantragte Fördergelder pandemiebedingt nicht rechtzeitig ausgezahlt werden können und das MONTAGSCAFÉ als Ort des Ankommens und zivilgesellschaftlichen Dialoges gerade in der heutigen Zeit dringend gebraucht wird.

Wir freuen uns sehr auf Besuch – bei der MONTAGSGALA DIGTIAL am 14. Dezember 2020 von 20.00 bis 21.00 Uhr live auf Facebook unter www.facebook.com/montagscafedresden/live_videos/ oder natürlich auf der gemeinnützigen Spendenplattform unter: www.betterplace.org und zum Nachschauen unter www.youtube.com/staatsschauspieldd/.

Text:  Gertrud Aringer,

Leiterin Presse-und Öffentlichkeitsarbeit
Staatsschauspiel Dresden
Theaterstraße 2, 01067 Dresden

Telefon +49 351 4913 755
Fax          +49 351 4913 760

www.staatsschauspiel-dresden.de

Keine Gewissheiten. Der Roman „Schäfchen im Trockenen“ von Anke Stelling

Wie Schwaben in Berlin leben

Anke Stelling erzählt in ihrem Roman „Schäfchen im Trockenen“  – für den sie den Preis der Leipziger Buchmesse für Belletristik letztes Jahr erhielt – was passiert, wenn man als kinderreiche Schriftstellerin allzu Privates in einem Buch ausplaudert. Die Rezensentin ist hin und her gerissen.

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Die Ich-Erzählerin ist verheiratete Mutter von vier Kindern und arbeitet zu Hause in der Speisekammer. Früher ist sie das jedenfalls gewesen. Die Schriftstellerin verbringt ihren Tag damit, Dingen auf den Grund zu gehen. „Ich habe beschlossen, alles zu erzählen“, verkündet Anke Stelling in ihrem Roman „Schäfchen im Trockenen“ (Verbrecher Verlag Berlin, 2018, 272 Seiten, 22 Euro) unumwunden. Im Buch erzählt sie es fiktiv ihrer Tochter Bea. Doch dem Leser wird schnell klar: Hier ist einiges passiert zwischen einstigen Schulfreunden aus dem Schwäbischen, die gemeinsam nach Berlin gezogen sind. Man kennt ja die Geschichten der reichen Westler, die den alteingesessenen Ostlern die Miete unbezahlbar machen und sie aus dem Prenzlauer Berg in der Stadtmitte vertreiben.

Im Roman wird die schwäbische Autorin mit ihrer Familie selbst zur Vertriebenen. Ein Freund kündigt ihren Mietvertrag. Sie hat die Regel verletzt, dass schmutzige Wäsche nicht in der Öffentlichkeit gewaschen wird. Doch diese Wäsche ist höchstens angegraut. Keiner hat einen ermordet, fremdgegangen ist auch niemand. Das Ganze spielt sich einige Ebenen tiefer ab: „Wer bist du, dass du deine Sicht über andere stellst?“

Lange weiß man nicht, worauf die zumeist in amüsantem Plauderton und auch selbstkritisch geschriebene Geschichte hinausläuft. Manchmal verliert sie sich in Banalitäten – die alltäglichen Sorgen einer kinderreichen Familie – dann wieder werden Gewissheiten und Bequemlichkeiten, wie wir sie alle kennen, sprachkritisch entlarvt. Man merkt schon, dass es Anke Stelling daran gelegen ist, allgemeine Floskeln und dahinter verborgene Haltungen auf dem literarischen Seziertisch auseinanderzunehmen. Doch wohin führt das?

Genau diese grundsätzliche Aufgabe eines guten Schreibers wird der Ich-Erzählerin zum Verhängnis. Dass sie alles „gnadenlos aufklären“ will, noch dazu öffentlich und offenkundig ohne Verfremdung, passt den handelnden Personen natürlich nicht. Es ist eine Stärke des Buches, dass dabei offenbleibt, ob das richtig ist oder nicht. Ob die Ich-Erzählerin ihrer Tochter Bea in dieser Direktheit ein gutes Vorbild ist. Oder nicht. Das muss jeder selbst für sich beantworten. Eine deutliche Schwäche des Buches ist es aber, dass nach Ansicht der Autorin materielle und Standesunterschiede Menschen eigentlich nicht trennen sollten. Anke Stelling selbst hat sie aber total verinnerlicht und reitet ständig darauf herum.

Die Ich-Autorin kann beim Leser auch auf Unverständnis stoßen, wenn der sich vorstellt, Teil des beschriebenen Freundeskreises zu sein. Vielleicht bildet sie sich zu viel ein, was gar nicht stimmt. Vielleicht ist sie nur neidisch. Was steckt dahinter, wenn sie gesagt bekommt, sie soll sich nicht so anstellen?‘

„Schäfchen im Trocknen“ ist kein handlungsreicher Roman. Es ist ein Buch der selbsternannten „Königin des Verstehens“, die dem „Ausweich- und Abwehrverständnis“ für das (unschöne) Handeln von sich selbst und anderen „gerechten Zorn und schneidende Erkenntnis“ entgegensetzt. Sie bezahlt es damit, dass ihre Familie in den Berliner Außenbezirk Ahrensfelde ziehen muss. Dorthin, wo kein Schwabe, der was auf sich hält, wohnen würde…

Ausstellung „Miteinander“ in der Galerie Ines Schulz

     Schöne Unbekannte und Wachsende Flügel

Die neue Ausstellung MITEINANDER versammelt Malereien, Grafiken und Skulpturen von Künstlern der Galerie Schulz. Gezeigt werden neue Skulpturen von Hans Scheib, neue Malereien von Hans Scheuerecker, Bronzeskulpturen von Helge Leiberg, ungesehene Werke des Berliner Malers Peter Herrmann und weitere bemerkenswerte Arbeiten von Andreas Homberg, Vivian Kahra, Danny Linwerk, Lucas Oertel, Ulrike Pisch, Kathrin Schötz, Georg Schulz, Reinhard Stangl und Hannelore Teutsch. Die Galeristin Ines Kübler-Schulz freut sich auf Euren Besuch.

Neue Kunstwerke in der
Galerie Ines Schulz

Hinzugekommen sind neue Arbeiten von Kathrin Schötz – Berlin und Veit Hofmann – Dresden.

Sie wurde 1974 in Cottbus geboren. Die Künstlerin studierte in Berlin Malerei und war bei Prof. Hanns Schimansky Meisterschülerin.  Seit einigen Jahren arbeitet Kathrin Schötz an einer Serie von Wasserbildern. Die Motive der Serie sind künstliche und natürliche Wasserlandschaften, inszeniert als idyllische Paradiese unserer Zeit. Spiegelungen auf der Wasseroberfläche einer Flusslandschaft oder die Verzerrung der Formen in der transparenten Raumtiefe eines Swimmingpools, manifestieren sich in Malerei.

Eine der neuesten Arbeiten des Dresdner Malers Veit Hofmann „St. Louis“ zeigt in spielerischer Hofmann-Manier die Skyline von St. Louis, formal dominiert vom Bogen des berühmten Gateway Arch, dem Tor zum Westen der USA.

Text + Fotos: Ines Kübler-Schulz
Gallery director

 


Peter Herrmann, Am italienischen Strand, 2014, Öl auf Leinwand, 115 x 290 cm (zweiteilig)

Hans Scheuerecker, Neue Frisur, Acryl auf Leinwand, 2020, 100 x 80 cm
Ulrike Pisch, Wachsende Flügel, Öl auf Leinwand, 2020, 100 x 70 cm


Danny Linwerk, Fallada, Öl auf Leinwand, 2020, 130 x 97 cm


Hans Scheib, Schöne Unbekannte, 2020, Holz/Farbe, 103 x 15 x 16 cm

 

 

 

MITEINANDER
KÜNSTLER DER GALERIE

07.11.–19.12.2020

Peter Herrmann | Andreas Homberg | Vivian Kahra | Helge Leiberg | Danny Linwerk | Lucas Oertel | Ulrike Pisch | Hans Scheib | Hans Scheuerecker | Kathrin Schötz | Georg Schulz | Reinhard Stangl | Hannelore Teutsch

alle Werke

INES SCHULZ
CONTEMPORARY ART

Obergraben 10+21
01097 DresdenTel:  0351–801 22 43
Mobil: 0170–475 71 88
info@galerie-ines-schulz.de
www.galerie-ines-schulz.deÖffnungszeiten
Dienstag–Freitag 10.00–18.00 Uhr
Samstag 11.00–14.00 Uhr

 

Neue Lyrik: Farbbewegung & Spätlese-Erdäpfel & Abschied von Lola & Advent ohne Schnurren…

Farbbewegung

Ich mal mir den Tag aus
der Sonne entgegen
tausend Schritte gehn
doch ich bleibe liegen

das kleine schwarzfellige mal murrende mal schnurrende
Knäuel vor mir stärker als ich
hält mich mit seiner ganzen Liebe fest
doch es hält die Schatten nicht fern
die immer näher rücken

seh der Sonne hinter den Bäumen
beim Untergehen zu
wie sie in tausend Farben
zerfällt die am Himmel
verglühen und neu aufgehen
und finde mich in jeder Farbe
ein Stück wieder

LV
14.11.2020

Spätlese-Erdäpfel

Der Himmel golden gefärbt
Goldmarie zieht ihre Spur
ein paar Lichtfunken verstreut
im dunklen Geäst im Park
das verwaiste alte Märchenschloss
leuchtet einen Moment auf
träumt ruhelos weiter
das Gemäuer an dem täglich
so viele vorbeifahren
und kein Weg hineinführt

im Dämmerlicht die knorrigen Bäume
auf den Streuobstwiesen fast blätterleer
tragen keine Früchte mehr
die Goldmarie hat wohl einiges übersehen
worüber ich stolpere im Gehen
vor der Winterruhe regt sich noch viel

ein Kind fragt was ich suche
halb im Laub versteckt verdreckt
grabe ich Äpfel aus der Erde
erst einer dann zwei immer mehr
gelbe rotbäckige kleine große
glatt rau gefleckt gesprenkelt geflammt
voller Zeichen der Natur
aus verlorenen Paradiesen
lächeln mich an

weiter hinten auf der Wiese
grummeln eingezäunt ein paar Schafe
in der Dämmerung als ich mich ihnen nähere
die Äpfel aufhebe
bevor sie faulen

LV
16.11.2020

Diagnose: Freier Fall

Die Sonne versteckt sich
in der gelben Blätterfülle
ich trage schwer an dem was ist

die Beine bleiern
brennen beim Gehen
angeschwollen wie Flüsse
kurz vorm Überlaufen

die Lebensadern angespanntes Sehnen
will aus der Haut
voll roter Punkte
wie Warnlichter

kreiseln und schmerzen
bei jeder Berührung
letzte Nacht träumte ich
wieder vom Fliegen und Fallen
konnte nicht mehr stehen

der Boden unter den Füßen weggerissen
der Arzt sagt: vermutlich eine Bindegewebsentzündung
und ich soll der Führung vertrauen
meiner inneren oder der von außen

er wolle nicht in meiner Haut sein
meinem Freisein
als hieße das schon freier Fall
und streicht mir beim Gehen
mit der Hand über die Regenjacke

draußen fließt alles Grau
aus mir mit dem Regen

LV
4.11.2020

Geborgen

Auf den Ästen der alten Weide
sitzt schon länger kein Vogel mehr
halb verborgen unter ihrem Blätterkleid
leuchtet etwas Weißes hervor
ein Tuch vielleicht eine Windel vom nahen Balkon
wie kurz abgelegte Flügel
wiegen im Wind in den filigranen Zweigen
die sich über den Fremdkörper beugen
hin und her schaukeln und im dichten Zweiggeflecht halten

wie den welken Ast halb abgebrochen
bei einem schweren Frühjahrssturm
den goldgelbe und noch grüne Blätter
umarmen in der Baummitte glänzt hoch
aufgerichtet die Weidenkrone in der Herbstsonne

und auf einmal wiegt alles Schwere leicht
mit diesem Aufgehoben und Gehalten sein
so sehr der Wind auch rüttelt an den Zweigen
sie geben das weiße Etwas nicht her

LV
7.11.2020

Abschied von Lola
(Für mein Fellmädchen)

Du siehst mich an
ganz nah bei mir doch bist nicht mehr hier
könnte ich Dich doch aus den Bildern
zu mir holen
die Zeit zurück drehen
oder mit Dir zu den Sternen fliegen

doch nur die Stunden verfliegen
der erste Tag ohne Dich
unerträglich lang
all Deine Sachen stehen noch da unberührt
die Plätze wo Du gern weiltest und wärmtest
schweigen mich verlassen an

gehe von Raum zu Raum
überall Deine Spuren
Futterteller verstreute Haare auf dem Bett
das unfeine Hingemachte nun anrührend und die Kuscheldecke
gleich kommst Du hervor
bin versucht Dich zu rufen
und lege Bilder von Dir in die Leere

die Jahren schienen an uns
vorbeizugehen
unsere Zeit endlos
als würde er vergessen
Dich zu holen
dabei stand er schon länger
mit einem Bein in der Tür
der dunkle ungebetene Gast
hab ihn beflissen übersehen
wer will schon wissen wann es Zeit ist
zu gehen

versuchte alles ihn aufzuhalten
mit gut zureden streicheln und Tabletten
eines Nachts bist Du vor der Wasserschale umgefallen
hab Dich aufgefangen
Du schriest vor Schmerz
bei jeder Bewegung konntest nicht mehr stehen
und schliefst am nächsten Tag
sanft ein in meinen Armen

ein Teil von mir ist mit Dir fort
und ein Teil von Dir mir anverwandelt
wir sind wesenseins
Das alles bist Du mir: ein sonniges Wesen seidig schwarzfellig
willensstark eigenwillig
Kobold Kuschelmaus Kratzbürste Königin Kämpferin
Engel Biest Dame kleine Madame
Fellmädchen Scharwänzelchen Genießerin Seelentier
Zicke Freundin Weise Wegbegleiterin
Mein Liebstes

Dein Sternaugenlächeln funkelt
jetzt von weit oben zu mir
abends werde ich ein Licht anzünden
dass wir uns immer wiederfinden

LV
6.12.2020
(am 5.12., ca. 11 Uhr musste ich meine geliebte Miezi verabschieden. Sie wurde stolze 18,5 Jahre alt.)

Advent ohne Schnurren

Die Sonne scheint mir
ins Gesicht hinter den dunklen Bäumen
in denen Raben heiser krächzen
nach Essbarem suchen

Du hast mich immer zum Futternapf gedrängelt
konntest es kaum erwarten
doch seit Tagen wurde der Teller nicht mehr leer
versuchtest mit schwerem Atem
ein paar Happen zu haschen
gingst weg kamst wieder
gingst immer öfter leer aus
und trugst so viel mit mir

als Du die geliebten zarten Stücke vom Hähnchenmann
nicht mehr anrührtest
schien die Welt still zu stehn
nichts half mehr
weder Globoli Pastete Leberwurst Milch Schokolade

ich überhöre mein Magenknurren
kann kein Hähnchen mehr sehn
sah Bilder von uns aus glücklichen Tagen
mein sanft verschmust verspielt energisch fragiles Seelentier

der nächste Abend war unser letzter
vieles bleibt ungeschehen
einmal zusammen ins Grüne
auf der fast menschenleeren Hauptstraße die Lichterketten und Weihnachtssterne
ohne Buden flackern einsam

nur einmal spielte ich an meinem Geburtstag auf der geschenkten
Kalimba wir lauschten den zauberhaften Klängen
werde sie wieder hervorholen
doch nichts kann Dein Schnurren Gurren und Murren
ersetzen

zwei Tage ohne Dich
der erste Gang durch die Tür
die Du gerade verließest
zurück mit dem Wissen
Du empfängst mich nicht mehr

beneide die Frau die einen Berg Katzennahrung
auf das Kassenband in der Drogerie legt
an Deinem Futternapf steht jetzt ein großer Blumentopf

LV
8.12.2020

Texte + Fotos: Lilli Vostry

,

Herzgehäuse

Als die Nachtschatten mich
kurz verließen
ich eine Hülle für mein Liebstes suchte
es wohlverwahrt in die Erde
zu legen
zersprang mein Herzgehäuse
in zwei Teile

der kleine Froschkönig
der mich sonst hinter Glas
anlächelte
steht mir plötzlich
frei gegenüber
die Kugel kann wieder rollen

unzählige winzige Herzen und Schimmer
rieselten zu Boden
löste sie aus dunklem Geschling
die Herzen haften an meinen Händen
jedes eine Möglichkeit ein Traum
ein Weg zu anderen

LV
13.12.2020

Verlockendes für die Sinne – Weihnachtsausstellung in der Galerie Kunst & Eros

„Flamenca“, Steffen Fischer

»EROTISCHER ADVENT«

Weihnachtsausstellung

4. Dezember bis 30. Januar 2021

In dieser traditionellen Gruppenausstellung werden Zeichnungen, Grafik, Malerei und Plastik zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler vorgestellt:
Tina Wohlfarth · Wieland Richter · Viktoria Graf · Steffen Fischer · Gudrun Trendafilov · Oskar Staudinger · & weitere Künstler
Zudem werden neue lust- und liebevoll bemalte Schmuckstücke und Gefäße aus edlem Porzellan von der Künstlerin und Galeristin Janett Noack gezeigt.

Aufgrund der aktuellen Situation ist leider keine Vernissage möglich. Am Eröffnungstag – Freitag, den 4. Dezember – bieten wir Ihnen daher zusätzliche Öffnungszeiten von 18 bis 22 Uhr an, damit alle Kunstinteressierte die Möglichkeit haben, die neue Ausstellung unter Einhaltung der aktuellen Regelungen zu besuchen.

Wir wünschen Ihnen trotz der derzeitigen Einschränkungen eine schöne vorweihnachtliche Zeit und freuen uns auf Ihren Besuch!

Text: Janett Noack & Team

Galerie kunst & eros, Hauptstraße 15, 01097 Dresden – Mo bis Sa 11 bis 15 Uhr

kunstunderos.de, info@kunstunderos.de – 0351 8024785

Sonderöffnungszeiten auch am Samstag, 5. 12. von 11 bis 18 Uhr!

Die Puppen bleiben im Koffer. Wie Bianka Heuser in der Zeit des Lockdowns ihren Optimismus behält


Fantasievolles Figurentheater über den Wert der kleinen Dinge. Puppenspielerin Bianka Heuser kann ihr neuestes Stück „Die Salzprinzessin“ zurzeit leider nicht aufführen, da alle Spielstätten durch den Lockdown geschlossen sind. Foto: PR

Kein Figurenzauber in der Adventszeit

Doch die „Salzprinzessin“ lehrt die Schau- und Puppenspielerin Bianka Heuser auch die kleinen Glücksmomente zu sehen.

Die „Salzprinzessin“ hatte nur wenige Auftritte in diesem Jahr. Nach dem Lockdown im Frühjahr packte Bianka Heuser ihre Puppen zum Kindertag im Juni wieder aus. Das letzte Mal spielte sie am 30. Oktober in Grimma. Nun sind die Figuren wieder im Koffer verschwunden und müssen warten bis es weitergeht auf ihrer schönen himmelblauen Küchenschrank-Bühne: König Kohledampf, seine Tochter Rosalie und Prinz Fabién, der Sohn des Salzkönigs, der sich in sie verliebt.

Dabei passt das Figurentheater nach einem slowakischen Volksmärchen und Motiven der Gebrüder Grimm gerade so gut in diese Zeit. “Das Märchen erzählt davon, dass man anstatt zu streiten nach Lösungen und gegenseitigem Verständnis suchen sollte“, sagt die Schau- und Puppenspielerin über die Aufführung. Und es gehe darum, wie schnell wir in unserem komfortablen Alltag scheinbar kleine Dinge und deren Werte vergessen.

Bianka Heuser hat Schauspiel an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg studiert und war von 2000 bis 2007 an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul engagiert. Im gleichen Jahr gründete sie die Theatermanufaktur Dresden und ist seitdem freischaffend mit ihrer mobilen Bühne mit Stücken für Kinder und Erwachsene in und außerhalb Sachsens unterwegs. Die erneute Schließung von Spielstätten als auch das Veranstaltungsverbot in Kitas und Grundschulen treffen Bianka Heuser hart.

„Die Wintermonate und speziell die Weihnachtszeit sind sonst die vollsten Monate im Jahr für mich“, sagt sie. 35 Vorstellungen sind im November ausgefallen, im Dezember würden es noch mehr werden. In Neustadt/Sa. und auch in der Johannstadthalle in Dresden hätte sie an einem Puppentheaterfest teilgenommen. „Sicher nervt es, wenn mittlerweile Absagen bis in den Februar hinein kommen. Wenn man sieht wie leer der Kalender jetzt ist, gerät man schon ins Grübeln“, erzählt sie.

Es gebe Momente, da werde sie traurig und wütend. „Dann muss ich rausgehen. Holzhacken, spazieren gehen oder einfach nur einen guten Film schauen. „Wenn ich den ganzen Tag jammere und mich aufrege, was man alles nicht mehr darf, wird die Situation auch nicht besser.“

Bianka Heuser versteht die Einschränkungen, die wegen der Pandemie derzeit nötig sind und hofft, dass durch diese die Infektionszahlen bald runtergehen werden. Sie kennt Menschen aus ihrem Umfeld, die an Corona erkrankt sind, die zuhause kämpfen und denen jeder Schritt schwerfällt. Und die sind nicht im Risikoalter.

Sie hofft, dass es in der Zeit des erneuten Lockdowns ein praktikables Hilfsprogramm für Soloselbstständige geben wird, um die Einnahmeverluste auszugleichen. Für drei ausgefallene Vorstellungen können Veranstalter oft nur eine neue anbieten. “Im Prinzip fehlt ein ganzes Jahr.“ 2020 sollte eigentlich das Märchen „Die Gänsemagd“ herauskommen. “Aber das ist momentan nicht finanzierbar. Es fehlen die Einnahmen, um Bühnenbild und Puppen bauen zu lassen.“

Außerdem sollte im November eine Voraufführung für den neuen Kabarettabend “Rendezvous mit Damenschuh“ zusammen mit Jörg Bretschneider und dem Musiker Tino Liebe im Dresdner Comedy & Theaterclub stattfinden. Natürlich mit aktuellem Bezug zur Corona-Zeit. Eine Frau hat Geburtstag und ihr Mann spielt ähnlich wie in Dinner for one alle Geburtstagsgäste, die wegen der Kontakteinschränkung nicht kommen können. Vielleicht kann die Premiere Ende Dezember auf die Bühne, hofft Bianka Heuser.

„Die Ungewissheit, wie es weitergeht, erschwert das Proben.“ Zurzeit sitzt sie viel im Büro am Computer, bearbeitet die Absagen, stellt Anträge und organisiert neue Termine für Veranstaltungen. Die künstlerische Arbeit ruht vorerst. So kommen erst einmal andere Sachen dran wie Kostüme waschen oder Lager aufräumen mit den Stückrequisiten. Manchmal freut sie sich auch einfach über die Zeit, die sie geschenkt bekommt für etwas anderes, zu dem man sonst nicht kommt, sagt Bianka Heuser.

„Ich versuche jeden Tag mit einem Lächeln auch die schönen Momente zu sehen und etwas zu tun, woran ich mich erfreuen kann. Sonnenstrahlen, umgetopfte Pflanzen oder ein geputztes Fenster“, bleibt sie optimistisch. Nach der letzten Vorstellung der „Salzprinzessin“ in Grimma bekam Bianka Heuser von Zuschauern einen Adventskalender, der sie mit jedem Türchen daran erinnern soll, welche Freude sie den Kindern bereitet hat und eine Kerze, die ihr Licht und Hoffnung schenkt. Wer weiß, vielleicht kann sie doch noch vor Weihnachten die Puppen wieder aus dem Koffer holen.

Text (lv)

http://www.theatermanufaktur.de


Ungewissheit wie es weitergeht: Bianka Heuser versucht aber wie ihre „Salzprinzessin“ auch die schönen Momente, die auch das Salz in der Suppe sind, zu sehen. Foto: PR

BilderAlbum: Wartende Weihnachtsfiguren in der Stadtgalerie Radebeul

Zauber einer anderen Welt

Eigentlich wollte ich mir die neue Ausstellung „An den Rändern“ mit Zeichnungen und Malerei von Stefan Voigt in der Stadtgalerie Radebeul ansehen. Am Rande fiel mir eine zauberhafte Figurenschar auf, die zweifelsohne aus einer anderen Welt hier gelandet waren. An der Fensterseite im Eingangsraum standen sie kurz vorm Ersten Advent aufgereiht, abgestellt und abwartend allein im Galerieraum und erhellten diesen mit ihrer Anwesenheit. Die Figuren hielten stumme Zwiesprache mit sich selbst und als ich näher auf sie zutrat und sie länger betrachtete, sprachen sie auch zu mir. Wieso sie so vereinzelt herum stehen und keiner sie sehen könne…

Dieses Jahr ist alles anders, flüsterte ich ihnen zu. Immer öfter sei zu hören, dass wir jetzt eine „andere Zeit haben“, die „fordernd“ sei. Bedeutet das, dass Orte, die zu Kultur- und Kunstgenuss einladen, bald nur noch am Rand vorkommen oder nur aus der Ferne, im Internet zu betrachten sind?!

Ein Tier, wohl ein Kamel, reckt seinen langen Hals und Kopf, umschwirrt von kleinen Figuren mit ausgestreckten Flügeln. Neben ihnen ein umgefallener Engel und einer, der seine Schwingen über ihn hält. Ein anderer Engel sitzt mit gesenktem Blick. Um ihn herum stehen Gestalten mit Krone, Päckchen in den Händen und in Tücher gehüllt. Eine Frau hält ein Kind im Arm. Neben ihr hocken ein gehörntes Tier und ein Schaf, davor eine Sternschnuppe am Boden, auf die eine Gestalt blickt, die etwas wie einen Koffer in den Händen hält.

Sonnenlicht fällt durchs Fenster auf die Flügel und in die Gesichter und lässt sie noch mehr leuchten. Bald werden sie ihr Licht und ihren Zauber in die Welt bringen. Wenn die Figuren rings um die Weihnachtskrippe wieder an ihrem angestammten Platz auf dem Dorfanger in Radebeul-Altkötzschenbroda stehen und die Besucher zur Adventszeit erfreuen. Geschaffen hat die kunstvollen Wesen aus Papier und Weidengeflecht der chilenische, in Dresden lebende Künstler César Olhagaray. Zur Weihnachtskrippe führt ein Lichterpfad mit wundersamen Installationen entlang der Baumallee von Bärbel Voigt.

Text + Fotos (lv)