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Kategorien-Archiv: Poesie

Letzte Gelegenheit in die fantastische Welt im Lügenmuseum Radebeul einzutauchen

09 Mittwoch Sept 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Poesie, Projekte, Zwischenmenschliches

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Künstler Richard von Gigantikow reicht beim Radebeuler Künstlerfest Oberbürgermeister die Hand, 
Kunstpreisträger Reinhard Zabka, Prof. Ralf Kehrbach und Oberbürgermeister Bert Wendsche.Foto: K.Baum

Öffentliche Besichtigung im Lügenmuseum

Lügenmuseum erhält den Publikumspreis „Best Museum of Germany“

Für seine Besucher ist das Lügenmuseum eine unvergleichliche Erfahrung – ein Gesamtkunstwerk – das beste Museum in Deutschland.

Als das Künstlerpaar den ruinösen Gasthof Serkowitz mit der Perspektive eines Erbpachtvertrags von der Stadt übernahm, besuchten sie das Dalí-Museum in Figueras. Es ist das meistbesuchte Museum Spaniens. Dort hat der Bürgermeister gemeinsam mit dem Künstler Salvador Dalí ein leer stehendes Theater mit einer Inszenierung über das Innenleben eines Künstlers geschaffen. Ein solches Zusammenspiel von Kunst, Ort und Stadt war auch in Radebeul gedacht. Hat leider nicht geklappt.Am 10. September um 11 Uhr gibt es eine öffentliche Besichtigung des Lügenmuseums mit Gutachtern und Vertretern der Stadt. Außerdem öffnet von 11 bis 13 Uhr der Gasthof seine Türen. Alle Welt ist eingeladen, einzutreten, zu staunen und sich selbst ein Bild von diesem poetischen Ort zu machen. Letzte Gelegenheit, bevor dieses überwältigende Gesamtkunstwerk untergeht – wie die Titanic. Im Lügenmuseum ist auch der Originalsound zu hören: „Untergang der Titanic – 20 Minuten danach.“
Zum Abschied gibt das Lügenmuseum noch einen Katalog heraus mit neuen Fotos von Amac Garbe, dem es gelungen ist die fabelhafte Atmosphäre der Räume. einzufangen.https://www.betterplace.org/de/projects/184556-die-wahrheit-ueber-das-luegenmuseum-liebesbriefe-und-ein-neuer-katalog?utm_source=project&utm_medium=project_184556&utm_campaign=donate_btn&utm_content=bp

Text + Foto:
Reinhard ZabkaLügenmuseumKötzschenbrodaer Str. 3901445 Radebeul / Dresden0176 99 02 56 52luegenmuseum.de

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Wunderreiche Welt & unbequeme Wahrheiten: dem Lügenmuseum Radebeul droht die Räumung

27 Donnerstag Aug 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Natur, Poesie, Projekte, Zwischenmenschliches

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Einmaliger Kunstort & Wunderkammer voller skurriler Dinge & wechselnde Ausstellungen & Zeitgeschichte zum Anfassen aus dem DDR-Alltag und künstlerischen Underground: Das Künstlerpaar Dorota und Reinhard Zabka hat das Lügenmuseum Radebeul im früheren Gasthof Serkowitz jahrelang mit viel Liebe, Engagement und öffentlicher Förderung aufgebaut. Nach einem langen Rechtstreit und ausbleibender Einigung mit der Stadt Radebeul droht dem Lügenmuseum Ende September die Schließung.

Absurder Streit um das Lügenmuseum
Dem originellen und vielbesuchten Kunstort droht Ende September die Zwangsräumung durch die Stadt Radebeul per Gerichtsbeschluss. Obwohl bereits mehrere Verkaufsversuche scheiterten und Rettungsversuche ungehört bleiben.
Das ganze Haus ist eine Kunst-Baustelle. Wie auf einer großen Leinwand prangen überall Bilder, Ideen und Sprüche rings um den Eingang des Lügenmuseums Radebeul, das den ehemaligen Gasthof Serkowitz an der Kötzschenbrodaer Straße 39 seit vielen Jahren neu belebt. Jedoch weniger mit kulinarischen Genüssen, als mit kultureller und geistiger Nahrung werden die Gäste hier empfangen von Betreiber Reinhard Zabka und seiner Frau Dorota. Höchst lebendig, originell, vergnüglich, unterhaltsam, auch streitbar, zum Austausch anregend über das Gesehene geht es hier zu. Aufhorchen lässt schon der Name des Museums. Dazu liest der Besucher: “Wahre Dinge sind wie umgekehrt“ auf die Fassade geschrieben. „Die Zukunft war früher auch besser“, „ein bisschen stimmt es, aber nicht immer“ und „Es gibt Lügen, da hört der Spaß auf“. Auf einem Papierrollo steht der Titel einer Ausstellung: „Underground and Revolution of GDR“.

Vor dem strahlend weiße Gebäude stehen Installationen, aus Stühlen und Leitern errichtete Türme mit rot-weißer signalartiger Bemalung, kreisenden Rädern und ausschwirrenden Strahlen. Viele Schilder mit Pfeilen und Fragezeichen sieht man da. Da wird auf eine „Kultur-Schutz-Zone“ und auf Artikel 5 im Grundgesetz zur Kunstfreiheit verwiesen. Das Lügenmuseum ist noch bis 31. September geöffnet – dann Gnade uns Gott, schallt der eindringliche Hilferuf aus einem Bild. Dem Lügenmuseum droht nach einem bereits jahrelangen Rechtsstreit und einer Räumungsklage der Stadt Radebeul, welche nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Dresden nun rechtskräftig ist, die Schließung. Die angekündigte Zwangsräumung im Oktober würde das Ende dieses Kunstortes besiegeln. „Das Lügenmuseum kapituliert nicht vor der Komplexität der Welt. Mit Distanz, Humor und dem Blick auf das Ganze macht dieses Gesamtkunstwerk Widersprüche, Täuschungen und die Illusionen der Macht sichtbar“, sagt Richard von Gigantikow. So nennt sich der Künstler und „Ideenmillionär“ Reinhard Zabka, der Erfinder und Betreiber des Lügenmuseums vor den Toren Dresdens. „Das Lachen wird zum Erkenntnisinstrument, denn vom Wahren lässt sich heute oft nur noch über das Falsche, über die Lüge, sprechen. Diese Erfahrung macht das Lügenmuseum sinnlich erfahrbar.“

Viele Besucher nutzen derzeit die Gelegenheit, diesen außergewöhnlichen Kunstort noch einmal zu erleben. Sie beweisen einen besonderen Geschmack, so Zabka. Als Seismograf der Gegenwart mache dieser Kunstort gesellschaftliche Spannungen, Brüche und Widersprüche sichtbar und entwickelt daraus eine eigenständige künstlerische Sprache. Zwei Petitionen, fachliche Stellungnahmen von Bundes- und Landeseinrichtungen sowie zahlreiche Appelle und Gnadengesuche stießen jedoch auf taube Ohren. Dabei wird im Kulturentwicklungskonzept der Stadt Radebeul bis 2030 das Lügenmuseum ausdrücklich erwähnt als hervorragender Kunstort in der Region. Die Stadträte haben dieses Konzept einstimmig verabschiedet im Mai 2024. Doch der Radebeuler Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) hat dem Betreiber des Lügenmuseums zur gleichen Zeit gekündigt, so Zabka. „Er hat Verkaufsverhandlungen geführt, die sind gescheitert und der Käufer ist zurückgetreten. Die Stadt wirft dem Lügenmuseum vor, wir seien nicht kompromissbereit. Doch wir haben mit ihm verhandelt.“ Es habe mit dem Kaufinteressenten Unstimmigkeiten zur künstlerischen Ausrichtung des Lügenmuseums in Zukunft gegeben. Persönliche Befindlichkeiten spielen wohl auch eine Rolle. Der OB habe Zabka als Privatperson gekündigt, nicht dem Lügenmuseum an sich, das mit diesem Künstler nicht tragbar wäre, sagt er.

„Kunstfreiheit bedeutet, dass der OB ein fachliches Gutachten einholt. Das ist eine ganz persönliche Entscheidung von ihm“, so Zabka. „Nach der Kündigung hat uns die Radebeuler Kulturamtsleiterin noch gefördert mit einer Ausstellung.“ Reinhard Zabka ist Kunstpreisträger der Stadt Radebeul von 2016. „Zabkas Kunst kreist um Menschheitsthemen: das Rätsel, das Geheimnis, die Erinnerung, die Illusionen des Lebens und die Beseeltheit der Welt, und nicht zuletzt die Heiterkeit, die Freude“, sagte die Laudatorin Dr. Susanne Köstering in ihrer Rede zur Kunstpreis-Verleihung. Seine Kunst erreiche deshalb Menschen aller Weltgegenden, aller Altersgruppen und aller sozialen Millieus.

Dennoch ist das Lügenmuseum in seinem Fortbestand gefährdet. Die Stadt Radebeul hat das Haus zum Verkauf ausgeschrieben mit der Auflage an den Eigentümer, drei Millionen Euro für die Sanierung aufzubringen. Vier Verkaufsversuche sind bereits gescheitert. „Die haben keinen Bewerber, keine Idee und kein Konzept“, weiß Zabka. Nach ausbleibenden Einigungen kündigte die Stadtverwaltung Radebeul den Mietvertrag mit Zabka und setzte den Auszug juristisch durch. Für ein Statement über die Hintergründe, warum keine Einigung oder andere Möglichkeit als die Räumung des Lügenmuseums gefunden werden konnte, war OB Wendsche nicht erreichbar. Er hoffe nun, dass der Mieter und Betreiber des Lügenmuseums nun das Gebäude in der gewährten Frist räumt. teilte er schriftlich über die Pressestelle der Stadtverwaltung Radebeul mit.

Während es hinter den Kulissen des Lügenmuseums wackelig zugeht, schauten sich in den Sommerferien noch mehr Besucher als sonst dort um und tauchten in eine wunderreiche Welt ein, die ihresgleichen sucht in dieser Weise. Seit nunmehr 35 Jahren besteht das Lügenmuseum. In einer alten Landarbeiterkate in Babe, einem brandenburgischen Dorf 1990 gegründet, beginnt Zabkas Traum vom Künstlerhaus und Lügenmuseum als Wunderkammer mit skurrilen Objekten. Sieben Jahre später zieht er ins Gutshaus nach Gantikow und wiederum 14 Jahre später nach Radebeul in den historischen, denkmalgeschützten Gasthof Serkowitz. Diese Wanderschaft wohnt auch den Kunstobjekten selbst inne. Oft sind es mobile Objekte auf Rädern und mit Reiseattributen versehen wie Koffer, Wanderapotheken oder Wanderschuhe  – wie angeblich dem von Fontane!

Seit 2012 öffnet das Lügenmuseum in Radebeul als ein Ort der Kunst und Fantasie, Träume und Visionen für kleine und große Besucher seine Türen. Den sie eigenständig erkunden, entdecken und erfahren können mit allen Sinnen und eigenständiges Denken und Wahrnehmen wird hier großgeschrieben. „Wir sind ein Lernort für visuelles Denken. Museen sind aber meist auf Design, Didaktik und Archiv ausgelegt“, so Zabka. „Wir haben eine Kunstsammlung, mehrere Künstlernachlässe und das Lügenmuseum zeigt den Geist der Friedlichen Revolution atmosphärisch.“ Alles authentisch. Zeitgeschichte zum Anfassen und Hineinbegeben. Zabka, 1950 in Erfurt geboren als Sohn von Flüchtlingen aus Schlesien und Ostpreußen, hat viele Dinge selbst zusammengetragen aus jener Zeit. Als ein Akteur der Erfurter und Berliner Subkultur befasste er sich und kennt die Mechanismen der Lüge als Machtinstrument, aber auch als Überlebensmittel. Lüge bedeutet hier nichts weniger als Gegenwelt.

Die Zeitreise in die DDR-Vergangenheit und ihren Alltag führt durch 16 Räume voller wundersamer und paradoxer Dinge. Der erste Raum erinnert an den übermächtigen Wunsch nach Reisefreiheit, anderen Kulturen und Eindrücken mittels mechanischen, akustischen und optischen Effekten, wunderlichen Apparaten, exotischen Souvenirs und farbenfrohen Assemblagen. Zu sehen ist außerdem das Atelier eines Dissidenten, das man über einen begehbaren „Giftschrank“ voller Bücher betritt, hinter einer Art Geheimtür. Dort sieht man auf Regalen zumeist illegal fabrizierte Drucksachen, Poster von Ausstellungen und Bilder an den Wänden z.b. von Manfred Butzmann, Elke Erb, Martin Hofmann, Cornelia Schleime oder Robert Rehfeldt. Per Knopfdruck an einer Art Radio kann der Betrachter sich dazu einen Sound aus DDR-Geräuschen aus Tonkonserven selber mixen. Durch fantastische Bilderwelten reisen und ein Sammelsurium seltsamer, witzig-skurriler Kunstobjekte und Installationen zwischen ironischem „Happy Ossy Land“ und absurd-komischem „Welttheater“ voller Schaukästen und Altäre mit originalen Zeitzeugnissen und kurios sinnverwandelten Alltagsdingen erwartet die Besucher treppauf, treppab auf den Gängen und im Saal im Obergeschoss. Ehemals ein Ballsaal mit noch erhaltener, stuckverzierter Jugendstildecke, Säulen und hohen Bogenfenstern. Die prunkvolle, gläsern schimmernde Kugellampe an der Decke in der Raummitte stammt aus dem abgerissenen Friedrichstadtpalast in Berlin.

Die Stimmung wandelt sich stetig mit den rings herum bunt aufleuchtenden und wieder verlöschenden Lämpchen, drehenden Windspielen mit Fähnchen, Händen und Füßen in der Luft, leise surrenden, klopfenden und trommelnden Klängen der Installationen im Wechsel von Stille und Bewegung, Ergriffensein und Verzauberung. Derzeit laufen dort zwei Ausstellungen, eine mit dem Titel „Tanz auf dem Holzweg“ zeigt kinetische, schwebende und schwingende Objekte von Reinhard und Dorota Zabka, Sophie Cau, Klaus Liebscher, Justus Ehras, Jan Heinke, Jola Brejdak und unter dem Motto „Skeleton Dance“ werden mittelalterliche Totentanz-Darstellungen in die Gegenwart transformiert in Bildern und Objekten. Hinter dem Lügenmuseum steht man plötzlich in einem urwüchsig prächtigen Garten, den Zabkas vor Jahren angelegt haben. Eine blühende Oase mit Betonboden, aber dennoch wachsen Bäume darauf. Überall stehen hoch rankende Pflanzentöpfe, dazwischen Holzbänke. Es wäre schade, wenn dieser zauberhafte Platz verlorengeht zumal Radebeul als Gartenstadt sich sieht. Einen Teil des Grundstücks am Lügenmuseum hat die Stadt schon abgeteilt. Ein Feigenbaum steht dort. Die Stadt will das Grundstück verkaufen.

Wir sitzen am Tisch unter dem grünen Blätterdach. Dorota Zabka, die Frau des Künstlers und selbst Künstlerin, serviert Salat und leckere Quiche, dazu Zitronenwasser. Zusammen haben sie diesen Kunstort mit viel Liebe, in Eigeninitiative größtenteils mit vielen Helfern jahrelang aufgebaut. Sie mag sich nicht vorstellen, wenn dies alles bald wegfiele, sagt Dorota Zabka leise. Ihre kleine Hündin „Ella“ bellt fröhlich als wolle sie den Garten und das Haus bewachen. Viele Projekte, Symposien für Kreative und Kunstfeste fanden hier schon statt. Das Künstlerpaar Zabka erfährt viel Unterstützung von Freunden, Förderern und Kennern dieses besonderen Museums, die sich für seinen Erhalt einsetzen. „Wir haben über 100 Briefe bekommen und an die Stadt Radebeul geschickt“, erzählt Reinhard Zabka. Darunter von der Akademie der Künste, vom ehemaligem Rektor der Dresdner Kunsthochschule, Matthias Flügge, vom Landesamt für Denkmalpflege bis zur Bundesstiftung Aufarbeitung von SED-Unrecht. Selbst der sächsische Ministerpräsident  Michael Kretschmer versuchte im Rechsstreit Zabkas mit dem Radebeuler OB Wendsche zu vermitteln. Ohne Erfolg. Da es eine Sache der Komnune sei, so Zabka.

„Wir haben einen interessierten Käufer gefunden, der für 300 000 Euro ohne Sanierungsauflagen das Lügenmuseum übernehmen möchte. Ein Museumsbetreiber aus der Schweiz. Der Name ist dem OB bekannt und wird ignoriert!“ Zabka hat der Stadt Radebeul in einem Brief an die Stadträte im Mai sogar die Schenkung des Lügenmuseums als Gesamtkunstwerk angeboten, das Arbeiten von über 500 Künstlerinnen und Künstlern vereint, verbunden mit dem Ziel, das Lügenmuseum zu erhalten und weiterzuentwickeln. „Zurzeit ist ein Gast aus Schwaben bei uns. Er kommt aus der Finanzwelt und macht ein Sabbatjahr. Ihn arbeiten wir gerade als neuen Museumsdirektor ein. Er macht Führungen, begrüßt die Gäste und kommt gut an bei den Besuchern“, so  Reinhard Zabka. Vorstellbar sei auch eine temporäre Ausstellung für etwa zwei Jahre mit Rauminstallationen des Lügenmuseums im Japanischen Palais in Dresden, dessen schöne Räume damit auch wieder mehr mit Leben erfüllt würden.

Text + Fotos (lv)

Öffnungszeiten: Sa und So, Ferien und Feiertag von 13 bis 17 Uhr

http://www.luegenmuseum.de

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Neue Lyrik: Gedichte von Zoe Nora Goerges

11 Dienstag Aug 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Natur, Poesie, Unterwegs

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Eine Auswahl der Gedichte von Zoe Nora Goerges, die bisher noch unveröffentlicht sind, erscheinen hier erstmals mit ihrer Erlaubnis auf meinem wortgarten-Blog. Diese Autorin ist eine großartige Entdeckung für mich! Doch lest selbst.

Über dem golden glimmenden Gipfel
im Nebel, rauchig und flach
tanzt eines zarten Kleides Zipfel
wird wilde Welt langsam wach
du tanzt über Berges Wiesen
mit Malven, Schaumkraut und Löwenzahn
meine Gedanken werden zu Riesen
doch du folgst deiner schwebenden Bahn
Kaum berühren den Tau deine Zehen
was flüstern die Halme sich zu
pflückst meine Träume im Gehen
verströmst unendliche Ruh
Du sammelst die Farben des Morgens
und ich nenne sie grüblerisch mein
aber es ist nur ein Akt des Borgens
Deine Silhouette wird kleiner und klein
für Lilli am 8.8.202

Clara Schumann

Aufrecht sitzen
vor Auftritten schwitzen
sie trägt allein aller Takte Gewicht
doch ohne Pathos im Gesicht
Schumann zerfällt währenddessen
in der Anstalt in seine Einzelteile
man wird ihn nicht vergessen
aber ruhigstellen, für eine Weile
Clara hat acht Kinder, die spielen hinter der Bühne
möglicherweise liebt sie einen andern, möglicherweise betreibt sie hier Sühne
aber groß ist es, was sie da tut, auf dem Klavier
führt einen Kanon ein, nach neuer Manier:
Beethoven, Schumann und Brahms
auch der letzte Hörer vernahm’s
das Repertoire es folgt einem Sinn,
der war in Konzerten vorher nicht drin
Vater Wieck – mit größter Disziplin
er formte die Tochter (die kriegen wir schon hin!)
seine Rechnung ging nicht auf, aber Europa lauscht
sie verbeugt sich bescheiden,
und der Beifall, er rauscht

Frida Kahlo

Diese niedlichen Zehen, vom dampfenden Badewasser umspült
rot rot rot bleiben sie zur Betrachtung bis das Wasser auskühlt
und sich Frida erhebt
und die Erde erbebt
unter ihrem Tritt, sprießen die Blumen
sie heben die Köpfe, aus Schmerz geboren
Nägel im Fleisch, unterm Tisch liegen Krumen
von denen sich Frida ernährt, die Diego verloren
Sie malt sich selbst, rahmt unsägliche Pein
aufgespießt von Stangen, eigentlich von zwein,
der aus der Straßenbahn und der ihres Mannes
aber sie gibt nicht auf, sie ist es, sie kann es
umformen, transformieren,
sie benutzt ihr eigenes Blut
versuchst du ihre Bilder zu interpretieren
findest du Kraft,
Leidenschaft,
Mut
Zersprungenes Glas, Tehuana-Tracht
sie kennt sich selbst, sie kennt ihre Macht,
das Schöne zu finden in jeglichem Schmutz
der sie stets beschattet
sie selbst hat’s gestattet,
doch nur um zu stehen, wo andere fallen
hängt sie am Leben mit Klauen und und Krallen
Wächst drüber hinaus, über Schmerz und Leid
und wird uns Symbol einer neuen Zeit
die mit ihr begann, sie breitet sich aus
und leuchtet uns heim, in das prächtige Haus
von Menschen bewohnt, die Verantwortung tragen
geistig nicht mehr am Hungertuch nagen
Gemeinschaften bilden, die blühen und schützen
und letztendlich uns allen nützen

Gustav Klimt

Gegenwart, Wille – vollkommene Präsenz
Paare auf Augenhöhe
Balance, Gewichtung und Transzendenz
Der Kuss in absoluter Nähe
Stilistisch geht Klimt den Weg, den er muss
Akademische Mauern, er meidet sie
Schöpft aus Emotionen im Überfluss
Man fragt sich: Dekoration oder reine Magie?
Würde, codiert, und tiefes Begehren
Szenen, die Erotik nähren
Beschwört der Maler im sakralen Glanz
ganz byzantinisches Mosaik
hält Judith Holofernes lässig beim Schopf
eben durchtrennt sie brutal sein Genick
Das Weib bedrohlich, sinnlich, bewusst
Klimt stellt sie dar im Triumph ihrer Lust
erschöpft vom mörderischen Genuss
weil Liebe auch mal weh tun muss
Skandalös, was er zeigt
existenzielle Intensität
weibliches autonomes Subjekt
der Bürger fragt, wo kommen wir denn hin,
wenn sich die Frau nicht mehr versteckt

John Cage

Nur Husten im Saal
da wird Musik zur Qual
4’33 sitzen die Leute herum
und alles bleibt stumm
keine Melodie kommt uns zu retten
er streift sie ab, jegliche Ketten
der Definition
war es das jetzt schon
ist da wer, der an Nägeln kaut?
Und wer atmet da so laut?
Selbstkonfrontation bis zum Erbrechen
lässt er die Gebrechen sprechen
Knarrende Stühle, kratzende Hände
hat denn das hier nie ein Ende
und dann klatschen sie enthusiastisch
alles löst sich, was vorher spastisch
und verkrümmt gewartet hat
mir was es eigentlich zu platt
das Schweigen
der Geigen

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BilderAlbum: Gedicht-Lesung mit Zoe Nora Goerges & Jazzmusiker Hartmut Dorschner beim Musiksommer in Bärenstein

11 Dienstag Aug 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Musik, Natur, Poesie, Unterwegs, Zwischenmenschliches

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Farb- und klangreiche Poesie & Musik: die Autorin Zoe Nora Goerges und Jazzmusiker Hartmut Dorschner begeisterten bei ihrer Lesung das Publikum am vergangenen Sonnabend im Kunsthaus Bärenstein.

Worte, Farben und Klänge aus Licht zwischen den Himmeln

„Spot an!“, so heißt das erste Gedicht. Ein Scheinwerfer geht an. Worte und Klänge wandern und schweben durch den Raum, streifen umeinander, lassen Bilder erstehen in vielen Farbtönen in ganz eigener Sprachmelodie. Sanft, intensiv und kraftvoll ist der Sog dieser Gedichte, in denen Kunst, Klang, Malerei, Musik und das Leben mit allen Licht- und Schattenseiten eine Rolle spielen, die Autorin Zoe Nora Goerges nicht nur vortrug, sondern zelebrierte bei ihrer Lesung am vergangenen Sonnabend beim Musiksommer in Bärenstein. Begleitet wurde sie klangreich von Jazzmusiker Hartmut Dorschner, dem Initiator des Musiksommer im Kunsthaus Bärenstein. Die Lesung war erfreulich gut besucht bei hochsommerlichem Wetter.

In dem angenehm kühlen Veranstaltungssaal im Obergeschoss verbanden sich die poetischen Texte mit elektronischen, sphärischen, pulsierenden Klängen und Saxofonspiel. Da verweben sich Fäden aus Licht zwischen den Himmeln und erschaffen Räume aus Licht, heißt es in einem Gedicht von Goerges über Palestrina, einen berühmten italienischen Komponisten der Renaissance. Ihre Verse erzählen oft von Künstlerinnen und Künstler, Forschern und Erfinderinnen und berühren mit knappen, starken Aussagen. In einem Gedicht über Frida Kahlo schreibt sie: Sie malt sich selbst/umrahmt von Pein/Sie gibt nicht auf/benutzt ihr eigenes Blut/findet Kraft Leidenschaft und Mut/das Schöne zu finden/in jeglichem Schmutz/dort wo andere fallen/steht sie und wird zum Symbol einer neuen Zeit.

Text + Fotos (lv)
Mehr Text zur Lesung folgt.

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Musiksommer Bärenstein: Autorenlesung mit Zoe Nora Goerges & Klängen von Hartmut Dorschner am Sonnabend

06 Donnerstag Aug 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Musik, Poesie, Unterwegs

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Wort & Kunst & Klang verbinden sich in der Lesung mit Zoe Nora Goerges diesen Sonnabend, den 8. Juni, um 17 Uhr im Kunsthaus Bärenstein. Foto: privat

Poetisches Panorama aus Malerei und Musik, Kunst und Leben

Eine Autorenlesung mit Zoe Nora Goerges und musikalischer Begleitung von
Hartmut Dorschner gibt es beim Musiksommer Bärenstein am 8. August, um 17 Uhr im Kunsthaus Bärenstein.

Kunst und Klang verbinden sich in der Lyrik von Zoe Nora Goerges auf besondere Weise. Sie nimmt den Leser und Zuhörer mit auf eine poetische und zugleich reflektierende Reise durch Kunst, Musik, Mythologie und menschliche Emotionen. Ihre Gedichte, häufig in Versform gestaltet, greifen eine Vielzahl bedeutender Persönlichkeiten aus Kunst und Musik auf, begonnen bei Hieronymus Bosch über Hilma af Klint, Gustav Klimt und Claude Monet bis hin zu Frida Kahlo, Mozart und Clara Schumann.

Dabei entsteht ein vielschichtiges Panorama der Kunstgeschichte, in dem Malerei, Musik und Poesie auf eindrucksvolle Weise miteinander verschmelzen, heißt es in einer Rezension von Mariangela Di Grado von Europa Edizioni über die Gedichte von Zoe Nora Goerges. Besonders gelungen sei die dichte symbolische Ebene ihrer Texte: Allegorien, wiederkehrende Motive wie Licht und Schatten sowie die Auseinandersetzung mit künstlerischem Schaffen und persönlichem Leiden verleihen ihren Gedichten eine große Tiefe.

Ihr Schreibstil zeichne sich durch eine ausgeprägte Musikalität aus. „Die Sprache ist bildreich, von Metaphern und kulturellen Anspielungen durchzogen und bewegt sich souverän zwischen gehobenem und bewusst gebrochenem Ton, was den Texten zusätzliche Dynamik verleiht“, hebt die Rezensentin hervor.

Insgesamt wirken die Texte der Autorin als ein vielschichtiges, poetisches Mosaik, das Kunst und Leben, Vergangenheit und Gegenwart sowie Schmerz und Schönheit auf überzeugende Weise verbindet.

Zoe Nora Goerges ist studierte Musikerin und Opernsängerin. In ihrer Freizeit schreibt sie gern Lyrik. Sie stellte ihre Texte bereits auf Lesebühnen vor. An diesem Sonnabend, dem 8. August, um 17 Uhr ist sie zu Gast beim Musiksommer Bärenstein mit einer Autorenlesung gemeinsam mit dem Jazzmusiker und Initiator des Musiksommer, Hartmut Dorschner, im Kunsthaus Bärenstein. Die Zuhörer dürfen gespannt sein, wie sich ihre Poesie- und Klangwelten miteinander verbinden.

Text (lv)

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Musiksommer Bärenstein: Gedicht-Lesung von Lilli Vostry mit Harfenspiel von Aerdna Harp

27 Montag Jul 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Genießen, In eigener Sache, Lebensart, Musik, Natur, Poesie, Projekte, Unterwegs, Zwischenmenschliches

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Meer-Klänge und Poesie beim Musiksommer Bärenstein

Mit neuen Gedichten war die Autorin Lilli Vostry aus Dresden, begleitet an der Harfe von Aerdna Harp am vergangenen Sonnabend zu Gast in dem kleinen Ort im Osterzgebirge.

Beschwingt, bewegt, wild und sanft ging es zu bei unserer Lesung mit neuen Meer-Gedichten von Lilli Vostry, begleitet von wundervollem Harfenspiel von Aerdna Harp am Sonnabend im Kunsthaus Bärenstein. Es war mir ein Vergnügen vor aufmerksam lauschenden Publikum zu lesen. Überschaubar, doch jede Reihe war besetzt. Es muss sich wohl noch mehr herumsprechen, dass hier in der Sommerzeit ganz besondere Kulturerlebnisse locken, als Sahnehäubchen zur wunderbaren Landschaft des Erzgebirges, viel Wald, Wanderwege, wildblühende Wiesen, Weite, Stille, kleine schöne Orte mit alten Fachwerkhäusern, hier und da Ausschank, Zeit zum Innehalten und Verweilen und Genießen der Ruhe und Natur.

Herzlichen Dank an Hartmut Dorschner, Jazzmusiker und Initiator des Musiksommer Bärenstein. Der mit Konzerten mitten in der Natur, Autorenlesungen und Ausstellungen Kunst und Kultur auch in den ländlichen Raum bringt. Noch den ganzen Sommer über bis Mitte September.

Die nächste Autorenlesung und Musik gibt es mit Zoe Nora Goerges und Hartmut Dorschner am Saxophon am 8. August, um 17 Uhr im Kunsthaus Bärenstein.

Text + Fotos (lv)

Weitere Infos zum Programm unter http://www.kult-ur-art.eu
Natur & Kunst: Ein Bild von Anita Rempe im Kunsthaus Bärenstein.
Sonntagsfrühstück in Bärenstein: Gastgeber Hartmut Dorschner. Brot selbst gebacken, erlesene Früchte und himmlische Ruhe luden ein zum Verweilen und Genießen. Mittags gab es leckere selbstgemachte Pizza von Aerdna Harp.
Poesie pur und ein erfrischendes Bad in einem See in Zinnwald nach einem wunderbaren Sonnentag erfreuten das Herz nach meiner Gedicht-Lesung mit Musik am Sonnabend in Bärenstein.

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Musiksommer Bärenstein lockt zum vierten Mal mit Konzerten an ungewöhnlichen Spielorten & Autorenlesungen & Ausstellungen

27 Montag Jul 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Genießen, Lebensart, Literatur, Musik, Natur, Poesie, Projekte, Unterwegs, Zwischenmenschliches

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Jede Menge Jazz & gute Laune: Die Macher des Musiksommer Bärenstein Matthias Macht, Schlagzeug; Initiator Hartmut Dorschner am Saxophon, Agnes Ponizil, Sängerin und Akkordeon/Klavier und Aerdna Harp an der Harfe.
Freejazz und Klangwanderung im Widerhall des Miriquidi
Der 4. Musiksommer Bärenstein lockt mit Konzerten, Musizier-Workshop, Lesungen und Ausstellungen noch bis Mitte September.
Jede Menge Jazz, gute Laune und Konzerte an urigen, ungewöhnlichen Spielorten vor zauberhafter Naturkulisse – Dafür steht der Musiksommer Bärenstein. Unter dem Motto „Hört auf!“ lockt von Juli bis September in dem kleinen Ort im Osterzgebirge bereits zum vierten Mal ein pralles Programm mit Konzerten, ein Workshop zum Mitmusizieren und einer musikalischen Wanderung, Ausstellungen und Autorenlesungen. Zu erleben sind Musiker aus Italien, Spanien und Deutschland.

Der Titel des Musiksommers spielt auf den Bergmannsgruss Glück auf an, steht aber auch für ländliche Abgeschiedenheit und Ruhe, Skepsis gegenüber Neuem und für Aufhorchen. Als Logo sieht man auf den Veranstaltungsplakaten statt Schlägel und Eisen zwei Noten. Letztes Jahr wurde beim Musiksommer unweit vom Kunsthaus Bärenstein ein neuer Spielort in einem leeren Ladengeschäft in der Kirchgasse 2 feierlich eingeweiht. Mit einem Konzert mit Freejazz, improvisierter Musik vom Feinsten, mit den zwei Musikern Hartmut Dorschner am Saxophon und Matthias Macht am Schlagzeug.

„Das Haus öffnet sich zum Markt hin. Dadurch sind wir als Veranstaltungsort präsenter“, sagt Hartmut Dorschner, Musiker und Initiator des Musiksommer Bärenstein. Veranstaltet wird dieser vom „kult-ur-art“ Kunstverein zu Bärenstein mit derzeit 30 Mitgliedern. Das alte Gebäude am Markt wollte die Stadt Altenberg schon vor 20 Jahren verkaufen. Dorschner hat es erworben vor zwei Jahren und einen Raum mit großem Schaufenster hergerichtet als „Musikladen“. Dort ist Platz für ca. 50 Besucher. Einen Vorgeschmack auf den diesjährigen Musiksommer Bärenstein gaben die Musiker schon beim Fototermin. Sie holen ihre Instrumente aus dem Haus, darunter eine alte Pioniertrommel aus DDR-Zeiten, die wohl aus einem Spielmannszug stammt und sich noch auf dem Dachboden fand. Die Freude am Musizieren steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Sie stellen sich auf am Wahrzeichen von Bärenstein, dem steinernen Bären auf der Wiese am Markt.

Die Skulptur stammt von dem ortsansässigen Künstler und Vereinspräsident Mario Nitschke. Schlagzeuger Matthias Macht hält die Trommel in der Hand und in der anderen einen Klöppel. Es ist sehr warm an diesem Tag. Mit nacktem Oberkörper und kurzen Jeans sitzt der Musiker auf seiner olivgrünen „Schwalbe“, mit der er aus dem elterlichen Wohnhaus in Freital nach Bärenstein gefahren ist. Er selbst wohnt in Dresden. Das Motorrad aus den 1980er Jahren aus dem Osten hat er für 2 500 Euro letztes Jahr auf einem Flohmarkt gekauft. Hartmut Dorschner spielt Saxophon. Er trägt offenes, schulterlanges Haar und einen himmelblauen, seidenen und blumenbestickten Anzug, den er von einer Reise nach Indien mitgebracht hat. Seit dem ersten Musiksommer Bärenstein dabei ist außerdem Agnes Ponizil.

Die Komponistin, Jazzsängerin und Musikerin, sie spielt Klavier und Akkordeon, hat seit 2022 ein altes Haus in der Kirchgasse, das sie ausbaut und nun auch für Ausstellungen öffnet. Mit Hartmut Dorschner arbeitet sie schon länger zusammen. Sie lädt diesmal zu einem „Wander-Workshop und Freiluftkonzert im Widerhall des Miriquidi“, dem lateinischen Wort für Erzgebirge ein. „Wir wandern rund um Bärenstein, singen Lieder, werden pfeifen, jodeln und tönen“, sagt Agnes Ponizil.
Start ist am 29. August, um 14.30 Uhr vom Markt Bärenstein aus bis zur Sachsenhöhe und zurück. „Mitmachen können Laien und musikalische Profis, Sängerinnen und Sänger aus dem Osterzgebirge und natürlich auch urbane Sangesbegeisterte, die Sommerfrische schnuppern wollen“, so die Sängerin.

Außerdem gab es gleich drei Ausstellungseröffnungen an einem Tag in Bärenstein. Es werden Bilder von Else Gold, einer Meissner Künstlerin, in der Kirchgasse 10 zu sehen sein. Agnes Ponizil kennt sie seit 20 Jahren, seit ihrem Musikstudium. Es wird auch eine Klanginstallation von Felix Ermacora in der Kirchgasse 12 gezeigt sowie Porträts von Eleni Haase und Keramik-Köpfe und Fische aus Ton von Karin Dorschner im „Musikladen“ in der Kirchgasse 2.

Hartmut Dorschner kommt aus einer musischen Familie. Seine Mutter ist gestalterisch tätig. Seine Schwester Andrea Dorschner musiziert mit Leidenschaft an der Harfe. Sie begleitet eine Gedicht-Lesung am 25. Juli, um 17 Uhr und ein Konzert mit ihr und dem Musiker Sven Haubold am Klavier gibt es am 26.7., um 17 Uhr im Kunsthaus Bärenstein. Eröffnet wurde der Musiksommer traditionell mit dem Dozentenkonzert zum Workshop mit Matthias Macht und Hartmut Dorschner am 12. Juli, um 15 Uhr. Die beiden sind befreundet seit nunmehr 40 Jahren, sie lernten zusammen Steinmetz im damaligen VEB Elbe Naturstein in Dresden und haben beide an der Dresdner Musikhochschule studiert. Matthias Macht spielt seit 1986 Schlagzeug. „Weil ich intuitiv in der Familie die Vermittlerrolle habe und die Leute zusammenhalte auch in der Band und das Thema, den Takt vorgebe“, erzählt er. „Die Inspiration und vor allem die Freiheit, die wir immer gespürt haben beim Musizieren, wollen wir weitergeben in unserem Workshop“, sagt Matthias Macht. Er und Hartmut Dorschner feierten letztes Jahr ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum. Zusammen leiteten sie als Dozenten wieder die Werkstatt mit dem BärensteinOrchester vom 13. bis 18. Juli im Kunsthaus Bärenstein.

Dieses Jahr mit dem Thema „Pausen“. „Die Stille, das Schweigen. Das Wichtigste an der Musik steht nicht in den Noten, sondern im Raum dazwischen“, weiß Matthias Macht. Große Komponisten und Musiker wie Claude Debussy, Leonard Bernstein und Miles Davis wissen das. Ebenso Vertreter der Minimal Music wie Eric Satie, Philipp Glass und Steve Reich. „Spannung kann ja nur in der Stille entstehen“, so Matthias Macht. Inspiriert habe ihn im Jazz dabei sehr Gunter „Baby“ Sommer, der auch sein Lehrer und Professor an der Musikhochschule war. Doch die eigentlichen Lehrjahre seien 1987/88 bei Konzerten noch im alten Jazzclub Tonne im damaligen Kellergewölbe des inzwischen wiederaufgebauten Kurländer Palais, nahe der Kunsthochschule, gewesen.

„Da haben wir Günter Baby Sommer gesehen und waren begeistert. Da er eine unglaubliche Präsenz hat“, erinnert sich Macht. „Das Ziel im Workshop ist es, gemeinsam mit den Teilnehmern wieder schöne Musik zu machen, die es noch nie gegeben hat“, so Macht. Seine Zwillinge, 15 Jahre jung, spielen Gitarre und Bass im BärensteinOrchester. „Dieses dauernde Repitieren, Wiederholen ist nicht unser Anspruch“, sagt Jazzmusiker Hartmut Dorschner. „Wir erfinden alles neu.“
Im BärensteinOrchester spielen maximal zwölf Teilnehmer. Acht Musikbegeisterte aus der Umgebung zwischen zwölf und 66 Jahren haben sich schon angemeldet. Viele Teilnehmer kennen sich bereits. Darunter etliche Bläser am Saxophon, andere musizieren am Klavier, Triola, Gitarre und Bass. Geprobt wird kreativ mit Spiel- und Bewegungsimpulsen. Mit bemalten Karten mit Symbolen und Begriffen und Laute tönen, aus denen eigene Songs entstehen. Das „Grusel Solo“ ist Matthias Machts Lieblingskarte. „Weil das fetzt!“

Dorschner mag besonders die Karte mit dem Wort „Explosion“. „Da machen alle etwas und reagieren, kann man die ganze angestaute Angst und Unsicherheit rauslassen“, erlebt er. „Es gibt keine Fehler. Außerdem sind sie dazu da, dass man sie macht und etwas erfährt. Bei uns auf der Bühne ist alles erlaubt.“ Ganz egal, was andere Leute darüber denken. Hartmut Dorschner, Jahrgang 1970, fühlt sich sehr dem Freejazz verbunden. Er hat zusammen mit dem Jazzmusiker Dietmar Diessner und Matthias Macht beim Musikfestival „Bedrohte Art“ die frei improvisierten Klänge in der damaligen Blauen Fabrik auf der Priesnitzstrasse in der Äußeren Neustadt Mitte der 90er Jahre gespielt. „Jazz war vorher in der DDR etwas Besonderes. Da diese Musik keine Worte hat, war es für viele eine Nische für Freiheit“, so Dorschner. So gab es ein großes Jazzfestival in Peitz bei Cottbus, genannt „Woodstock am Karpfenteich“, zu dem um die 30 000 Zuschauer jährlich strömten. Nach der Wende sank die Besucherzahl schlagartig auf rund 100 Besucher. „Die Leute verwechseln Geld mit Freiheit“, sagt Matthias Macht zu dieser Entwicklung. Hartmut Dorschner spielte in Peitz im Trio mit großartigen Musikern aus drei Saxophon-Generationen: zusammen mit dem schon verstorbenen Ernst-Ludwig Petrowsky und Dietmar Diessner. Im Zusammenspiel im Jazz gehe es um Expressivität im Ausdruck und Gespür für die Musik, so Dorschner.

Das Workshopkonzert mit dem BärensteinOrchester, mit eigenen Songs der Teilnehmer, fand am 17. Juli, um 17 Uhr im Kunsthaus Bärenstein statt. Ein besonderes Freiluftkonzert gibt es vor dem Milchschafhof Bärenstein. Während die Schafe auf der Weide grasen, spielen vor dem Gebäude die Musikerinnen Andrea Hofmann an der Violine, Karoline Schulz verschiedene Flöten und Sabine Grüner Cello am 16.8., 15 Uhr. Inklusive Vogelzwitschern, Blätterrauschen inmitten hoher Bäume und Heuduft in der Nase. Ein weiterer Höhepunkt beim Musiksommer ist das Konzert an zwei Klavieren mit klassischer und neuer Musik mit Andreas Scotty Böttcher aus Dresden und der spanischen Musikerin Hada Benedito am 22.8., 17 Uhr.
„Die meisten Bewohner sehen den Musiksommer Bärenstein wohlwollend. Einige sind noch scheu und schauen von weitem“, so Dorschner. Das liege wohl an der allgemeinen Unsicherheit. „Da es kein Mainstream ist, sondern handgemachte Musik. Das ist im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz, KI, fast schon subversiv.“ Matthias Macht ergänzt: „Wir machen Musik von Menschen für Menschen mit Herz. Die Leute zieht es auch zu gemeinsamen Erlebnissen. Gerade die kleinen Formaten laden ein zum Genießen und miteinander ins Gespräch zu kommen.“
Rund 30 Besucher kommen jeweils zu den Veranstaltungen, so Dorschner. Der Musiksommer Bärenstein bringt auch mehr Leben in den Ort. Früher gab es hier mal vier Kneipen, jetzt keine einzige mehr und nur wenige Läden. Die meist älteren Betreiber finden keine Nachfolger im ländlichen Raum. „Das führt dazu, dass manche jetzt in Garagen zu zweit mit einem Kasten Bier sitzen und sich schon daran gewöhnt haben“, sieht Dorschner bei Bekannten. „Ich glaube, die wollen die Leute auch weg von Gemeinschaft haben, die Globalisten“, so Dorschner und findet diesen Trend der Vereinzelung bedenklich. Aus seiner Generation gebe es keinen mehr im Ort. Die seien weggezogen wegen der Arbeit in den Westen.

„Die Alten sterben. Die Häuser stehen leer. Das ist Diebstahl auch an Menschen, Humankapital.“ Hartmut Dorschner hat Jazzsaxophon und Komposition an der Dresdner Musikhochschule studiert und wohnt und arbeitet schon seit längerem als freischaffender Musiker in Bärenstein. Im ehemaligem Pfarrhaus gegenüber der Kirche hat er das Kunsthaus Bärenstein eingerichtet, das er noch saniert. Ein urwüchsiger Garten mit Obstbäumen gehört dazu und man hat aus den Räumen im Obergeschoss eine wundervolle Aussicht auf die hügelige Landschaft und weiten Himmel und himmlische Ruhe. Dorschner organisiert ehrenamtlich den Musiksommer Bärenstein und stellt die Räume im Kunsthaus wie den Saal mietfrei zur Verfügung. Der Musiksommer wird von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen aus dem Projektefond zur Kunstförderung im ländlichen Raum mit 5 000 Euro wieder gefördert. Die Ostsächsische Sparkasse gibt 2 000 Euro dazu. Die Heidehof-Stiftung möchte  2 400 Euro geben und fördert damit den Musikworkshop und ein Konzert mit elektronischer Musik. Alle Veranstaltungen und der Musikworkshop sind für die Teilnehmer und Besucher eintrittfrei.

„Es wäre schön, wenn noch mehr Künstler nach Bärenstein kommen. Im Kunsthaus ist Platz genug als Wohngemeinschaft und für weitere kreative Projekte und auch Unterstützung beim Vorrichten der Räume gern gesehen“, hofft Hartmut Dorschner auf noch mehr Initiative. Gelegenheit zum Umschauen, Anregen lassen, Austausch und Genießen von Kunst und Natur bietet der Musiksommer Bärenstein für alle Besucher reichlich.

Text + Fotos (lv)

Weitere Infos unter http://www.kult-ur-art.eu

Einige Konzerte mit improvisierter Musik finden im Musikladen in der Kirchgasse 2 am Markt in Bärenstein statt. Es gibt auch eine Klangwanderung in dem Wald. Bären gibt es hier keine mehr, wohl aber Rehe und Firmen, die gern die Bodenschätze im Osterzgebirge abbauen würden, ohne Rücksicht auf die Natur! Jazzmusiker Hartmut Dorschner zeigt einen Rehkopf, das einst sein Großvater in Oschersleben schoss. Es war sein erstes Wild als Jäger.

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Garten der Erinnerung: Vater-Gedichte

18 Samstag Jul 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Natur, Poesie, Zwischenmenschliches

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Kinderbild

Hoch über den Baumwipfeln
hältst Du mich
als wolltest Du mir den Himmel
zu Füßen legen

zwei Handvoll Leben
im Arm noch einen Hosenmatz
sieht aus wie ein Kinderspiel
das war es nie

wir haben oft Verstecken gespielt
immer ohne Dich
hab Dich überall gesucht
in mir und anderen Männern

hasste und vermisse Dich
obwohl ich Dich nie kannte
die Tür verschlossen
blieb zu Dir

stand meine offen
ich sehe Dein Bild
vor mir bin
mit Dir auf der Welt
mein Vater

25.6.2013, einen Tag vor seinem Geburtstag geschrieben.

Nahe bei Dir

Ich saß in einem still
verträumten Garten
ganz in Deiner Nähe
und dachte wie es wäre
wenn wir uns noch einmal
alles erzählen
wie es begann
dein und mein Leben
wir uns aus den Augen verloren
doch nicht aus dem Sinn

ein Wasserstrahl flüstert
in einem Brunnen mir zu
sitzt du manchmal hier
auf einer der Bänke
beschirmt von hohen Bäumen
verblüht schon die Rhododendron
die Blumen aus Kindertagen

locken vor mir weiße Blütensterne
der Duft von Holunder in der Luft
greife nach den hoch hängenden Blütendolden
und vergesse einen Moment
die unsichtbare Grenze
zwischen uns

2.6.2022

Gedichte: Lilli Vostry

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Neue Meer-Gedichte: Ein Gesicht im Sand & Abschied von Kater Franz & Traumversunken & Dem Wind entgegen & mehr

16 Donnerstag Jul 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Natur, Poesie, Unterwegs, Zwischenmenschliches

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Ein Gesicht im Sand

Angekommen am Meer
find ich unzählige Federn
helle dunkle gefleckte
und windzerzauste
ein Gesicht im Sand
wie eingemeißelt
Wasser rinnt unaufhaltsam
ringsherum
Möwen fliegen auf
reißen sich um die Krumen
ausgehungert mir fast
das Futter aus den Händen
mit spitzen Schnäbeln
erschrocken weiche
ich zurück
ihre Freudenschreie begleiten
mich auf Schritt und Tritt
wollte hier vergessen
die Schatten der letzten Zeit
stattdessen beginne ich zu leben
Ganz von vorn

5.7.2026

Abschied von Kater Franz

Früh der Aufbruch
endlich wieder ans Meer
drei Wirbelwinde ließ
ich zuhause
geriet schon fast in Seenot
kaum fort
kommt die Sehnsucht wieder
unterwegs ein Wetter
als stürze der Himmel ein
aus grauschweren Wolken
bricht immer wieder Sonnenlicht
sonst saßst Du oft schon vorm Haus
an der Tür
oder unter einem Strauch im Garten
diesmal nicht
der große zottlige Schlappohrenhund Joschi
stürmt ins Ferienzimmer herein
mit der Gastgeberin
doch kein Kater Franz
schwarzsamtig mollig keck
und gelbäugig wie meine Sternaugenkatze Lola
der in mein Herz schlich
durchs Tor schnurstracks galant an der Agave vorbei
wird mehr kommen
er ging schon im Januar
für immer fort
all meine Freude
auf einmal verloren
das Meer braust und
schickt mir seine schönsten Wellen
es hält und bricht keine Versprechen
doch kann es meinen Kummer nicht fortspülen

5.7.2026

Traumversunken

Die Möwen riefen
noch lange
eine Taube gurrte
draußen auf dem Giebel
schon halb im Traum
zog wieder alles
vorbei
was ist und war
wie auf einer Bühne
als probten wir
für ein neues Stück
ohne Zurück
die Darsteller ringsumher
schwiegen
verkauften ihre Schuhe
und Taschen
keiner wollte ihre
Kunst sehen
Ich erzählte was ich schreiben
wollte
doch keiner hörte zu

ich träumte unter
dem Meerbild
darauf weiße hohe Wellen
reichen fast
bis zum Himmel
das Meer groß weise
und weit sagt:
Alles hat seine Zeit
und draußen strömt der Regen

6.7.2026

Dem Wind entgegen

Der Wind zaust mein Haar
seh nichts mehr nichts steht mehr fest
durchkämmt das Meer
hohe weiße Schaumkronen
aufbrausend
schleudern mir
ihre ganze Kraft entgegen
als wollten sie
mich aus mir
heraus
erheben
die Wellenberge scheinen
unüberwindlich
der Boden unter den Füßen
gibt nach
Wellen prallen
gegen meine Haut
werde nicht sanft
wie sonst hineingezogen
sondern fast gerissen
falle fast hinein
und auf einmal
fühlt sich alles
leicht an
die Wellen wogen
ich überspringe sie
vertraue mich an
der Wind wirft mich zurück
an Land
doch bin gewachsen
ein Stück

8.7.2026

Sonnentag am Meer

Die Sonne kam wieder
am dritten Tag und
hielt lange
der Himmel immer noch
azurblau voller Federwölkchen
Möwen kreisen über dem Ferienzimmer
den leckeren Düften nach
Schwalben schwirren umher
Raben krächzen heiser
eine winzige helle Spinne seilt
sich ab an meinem Stift
eine lange schwarze und eine Tigerfeder
die von Euch aus dem Himmel flogen
liegen vor den Bildern
meiner Katzen
ein heller Falter flog Mittag
übers Dach sah kurz nach
mir und verschwand
und noch einer ein Zitronenfalter
flirtete kurz
mit mir am Strand
bevor der Wind
den Sand aufwirbelte
das Meer den Schleudergang einlegte
Ich allein blieb mit den Möwen
die es verstehen
zu bitten schreien und flehen
alles nehmen wie es kommt
noch in der Dämmerung
hallt ihr Lachen

8.7.2026

Geborgen/Ückeritz

Das Meer schimmert
blau hinter den Bäumen
der Lärm von der Promenade
verebbt
die Anhöhe hoch
in den Wald
Wege voller Sonnenflecke
auf und abwärts
das Rad hält mich
dann endlich das Tor am Waldrand
Zurück in meiner Welt
langersehnt und vermisst
all die Leinwandvillen
Wäsche hängt auf der Leine
wo sie unter Sonnensegeln
beisammen sitzen
zusammen essen feiern
ausruhen
es duftet nach Kartoffelsalat
Gurken und manchmal verbrannten
Fleisch auf dem Grill
und hohe Kiefern säumen
den Weg zum Strand

das kleine Wäldchen an der Steilküste
wuchert und schlummert
vor sich hin
zwischen den Buchen
der offene freie Meerblick
immer noch
endlos weit
die weiße Treppe
hinunter
zum Strand
führt in eine
andere Zeit
zum Ursprung meiner
Meerliebe
viele Bäume Licht
und Wellen die immer
wiederkehren
wie die Möwen
und manchmal offene alte Strandkörbe
mit Blümchenbezug oder Streifen
mehr brauchte ich nicht
zum Glück

der Sand am Strand
weicher und höher
neu aufgeschüttet
bildet Wälle zum Wasser hin
viele Steine liegen drin
und der Sand gibt nach
Ich schwanke in den Wellen
bernsteinfarben funkelnd
in der Sonne
kräuseln sich wiegen
und tragen mich sanft
Abends kommen die Möwen
und ein paar Raben
freuen sich über das Festmahl
und drehen ihre Runden
als wollten sie
wie ich
das Meer umarmen

10.7.2026

Blütensegel

Euer Leuchten
weithin
begleitet
meinen Weg
kleine Blütensegel
im Wind
öffnen und schließen
sich geschwind
klimpern mit den Wimpern
rote Irisschimmer
auf den Blättern
zarte Berührung
schon verwehen sie
im Wind
abends färben
sie den Himmel
rot unzählige kleine Flügel
hoch über dem Meer
mit den Möwen

10.7.2026

Schneckenleben

Die Sonne stand
schon tief
der Sand leuchtete
rot golden am fast menschenleeren
Strand
winzige weiße Federn
flogen umher
landeten in den Seegräsern
dort fand ich Dich
klein kugelrund
dunkelbraun hellgelbes Gehäuse
voller Sand
doch es schien als wohne
noch jemand
darin

nahm Dich mit
obenauf mit den
flaumigen Federn
so viel Leichtigkeit
schwer zu halten
legte Dich in den Pflanztopf
weiße Rosen Lavendel
Vergissmeinnicht wachsen dort
in der Nacht klettertest Du
am Rosenstrauch empor

hängst nun mitten in den Blättern
und Wassertropfen
halt Dich
gut fest

11.7.2026

Gedichte: Lilli Vostry
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Gedichte für den Wal Hope

22 Montag Jun 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Natur, Poesie

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Gestrandet oder
Für immer im Meer
(Für den Wal Timmy Hope)

Du willst nicht mehr
in irgendeinen Hafen schwimmen
auch nicht gezogen
von einem Schiff
weg von der Küste Dänemarks
vor Anholt wo Du gestrandet bist
Dein Anblick stört sie der Gestank
ein Schandfleck am Strand
für die Touristen
gar Explosionsgefahr
doch es hielt manche nicht ab
auf dem toten Tier herumzusteigen
und zu posieren vor der Kamera

eigentlich wolltest Du zurück
aus der Ostsee in den Nordatlantik
nachhause
nun  liegst Du
leblos da seit Tagen
schutzlos
und sie rätseln
wer das angespülte Walmädchen ist
sie glaubten Du wärst ein Bulle
vielen warst Du egal
sie wollten Dich liegenlassen
auf der Sandbank in Poel
Pech gehabt falsch abgebogen
andere hörten Deine Hilferufe
und gaben viel Dich zu retten

die kleine Karawane mit zwei Schiffen
vorneweg und dem Lichterkahn mit Sonnensegel
in dem Du schwammst
im Sonnenuntergang bei der Abreise
alles sah so friedlich und schön aus
doch dann zogen raue Winde auf
stürmische Wogen
ließen die Seeleute Dich zu früh
hinaus
ein paar kräftige Wasserfontänen
stiegen in die Luft über dem Meer
dann warst Du fort

Noch einmal zeigst Du
Deine Kraft
ein letztes Mal
mehrere Versuche Dich
in den Hafen zu schleppen
schlugen fehl
Du willst zurück ins Meer
zeigst es allen Zweiflern
Mögen ein kräftiger Wind
und Wellen Dich hinaustragen
wundervoller sanfter Riese
und gib Deine Kraft und Hoffnung
weiter all den anderen Meerestieren

LV
21..5.2026

Dunkler Traum
(Für Timmy Hope)

Ich sah eine Frau
die Blumen an Deiner Schwanzflosse
im Sand ablegte
und Dein Name Hope
mit Muscheln geschrieben
im Netz
gestern einen Mann im Schutzanzug
und blauen Handschuhen
mit einer Nadel oder Bohrer
stach er in Deine Haut
schon ganz braun verfärbt
vierzehn Tage lagst Du
tot am Strand der dänischen Küste
von Anholt
nach Deiner Odyssee durchs Meer
mehrmals gestrandet
vorher in Poel

letzte Nacht träumte
ich von Walen
was Tiere aus der Sicht
der Menschen falsch machen
und sterben
sie streiten ob Du es bist
oder nicht
um die Unterschiede
ein Männchen oder Weibchen
kein sanfter Ton des Abschieds
steht mir zu keine Rückkehr ins Meer
hörte ich Dich
leise fragen
legte mich im Traum
zu Dir
alles dunkel und wund
Lasst sie Lebewesen sein wie wir

LV
9.6.2026

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Lilli Vostry

Ich bin als Freie Journalistin (Wort/Foto) seit 1992 in Dresden tätig. Schreibe für Tageszeitungen und Monatsmagazine vor allem Beiträge über Bildende Kunst, Theater, soziale Projekte und Zwischenmenschliches. Außerdem Lyrik und Kurzprosa. Bisher vier BilderGedichtKalender zusammen mit Künstlern veröffentlicht. Fernstudium Literarisches Schreiben im Herbst 2022 erfolgreich abgeschlossen, Schriftstellerdiplom. Kindheitstraum erfüllt. Fotografiere gern Menschen, Landschaften, besondere Momente.

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  • Die Sprache des Steins: Ausstellung zum Abschluss des Internationalen Bildhauer-Symposiums auf dem Campus der Fachhochschule Dresden
  • Restaurace "Babicka" eröffnet mit tschechisch-böhmischer Küche in Pirna
  • BilderAlbum: Bilder & Klänge für alle im KlanGLaboR
  • "Mut schöpfen": Kurzgeschichte & Dialog-Szene "Wenn aus Liebe Gewalt wird"
  • Premiere "Leonce und Lena" nach Georg Büchner auf der Bürgerbühne im Kleinen Haus
  • Ausstellung "Mittendrin" von Peter Pit Müller & André Uhlig im Sächsischen Weinbaumuseum Hoflößnitz
  • Premiere "Die Laborantin" von Ella Road im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden
  • Premiere "Einige fühlen den Regen, andere werden nass" & Festivaltag mit Stücken von Jugendlichen im Theater Junge Generation
  • Ausstellung "Gotthardt Kuehl. Ein Lichtblick für Dresden" auf Schloss Burgk Freital
  • Ein Abend für Thomas Brasch im Minckwitzschen Weinberghaus in Radebeul

Top-Beiträge & Seiten

  • BilderAlbum: Zu Besuch bei dem Künstler Eckhard Kempin im Melli Beese-Haus in Dresden-Laubegast & Neue Ausstellung
  • Ausstellung "Zauberhaft" von Rita Goldschmidt in der Galerie mit Weitblick in Radebeul
  • Tango in Dresden: "Die Szene ist sehr bunt und offen."
  • Premiere "Achtsam morden" - Krimikomödie in der Comödie Dresden
  • Lesung mit dem Dichter Andreas Reimann im Landhaus Dresden
  • Atelierbesuch bei Renate Winkler in Radebeul & Reisebilder
  • BilderAlbum: 22. Dresdner Weihnachts-Circus - Grandiose Artisten, Elefanten als Rechenkünstler, verschmitzte Seelöwen und charmante Pferde
  • Kabarett-Premiere "Nur die Harten komm` in Garten" der Herkuleskeule im Gewächshaus
  • Ausstellung "Franzosen in Dresden - Malerei des Impressionismus und Fauvismus"
  • Gedicht-Zyklus "Am Fluss" anlässlich 20. Jahrestag der Jahrhundertflut in Sachsen

Aktuelle Beiträge

  • Opera en miniature: „Abu Hassan“ – Musiktheater mit Puppen im Schloss Lauenstein
  • Letzte Gelegenheit in die fantastische Welt im Lügenmuseum Radebeul einzutauchen
  • „Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat“ – Vielleicht bringt die 25. Vorstellung Glück!
  • Klangwanderung & Konzert mit Agnes Ponizil & Anne Kathrin Wagler an zwei Klavieren beim Musiksommer Bärenstein
  • Start in die neue Spielsaison im Mittelsächsischen Theater: José Luis Gutiérrez dirigiert das Orchester mit viel Schwung
  • Wunderreiche Welt & unbequeme Wahrheiten: dem Lügenmuseum Radebeul droht die Räumung
  • Gastspiel „Manche mögen`s heiss“ in Hoppes Hoftheater in Weissig
  • BilderAlbum: Konzert im Milchschafhof Bärenstein & Ausstellungen beim Musiksommer
  • Ausstellungs-Eröffnung: „Wenn Farben Liebe machen“ mit Malerei von Oliver Estavillo in der Galerie Holger John in Dresden
  • Neue Lyrik: Gedichte von Zoe Nora Goerges

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