Aus meinem Wortgarten in die Welt: Neues Gedicht-Programm „Vom Zauber endloser Anfänge“ startklar

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Den Zauber des Moments im Blick: meinwortgarten-Inhaberin Lilli Vostry
Schneckenreise. Einladung zum Innehalten, Interagieren und Neues ausprobieren.

Der Zauber endloser Anfänge geht weiter

Nach der Premiere des Gedicht-Programms „Vom Zauber endloser Anfänge“ im Mai im KlangLabor Dresden sind neue Texte zum Leben in Corona-Zeiten eingeflossen. Damit kommt die Autorin Lilli Vostry gern mit musikalischer Begleitung an neue Auftrittsorte in Dresden und der Region.

Ich werde ältere und neue Texte gemischt lesen, die vor und während der Zeit des Lockdowns entstanden sind. Die Zuhörer können die Lyrik und Kurzprosa auf sich wirken lassen und für sich herausfinden, wie zeitlos die Stimmungen sind, wie sie sich wandeln, wo es Berührungsmomente, Reibung und Brüche gibt und wie sich der Blick auf das eigene Leben und die Welt in Corona-Zeiten verändert. Zu den Gedichten aus den Jahren von 2012 bis 2020 sind außerdem Notizen aus meinem Corona-Tagebuch zu hören, die auch auf Einträge und Reaktionen auf Texte auf meiner FB-Seite zurückgreifen und diese reflektieren. Daraus entsteht ein Puzzlebild verschiedenster Stimmen und Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen von Menschen, die von ihrem Umgang mit dem rätselhaften Virus, den Auswirkungen im Alltag und der Gesellschaft erzählen. Die Puzzleteile kann jeder für sich betrachten, sortieren, anders und neu zusammensetzen.

Dieses Programm will anregen, den Blick über das Maske tragen hinaus wieder für Begegnungen, Gespräche, ein offenes, lebendiges Miteinander mit allen Facetten zu öffnen, um aus Abständen nicht neue Barrieren werden zu lassen, sondern gemeinsam zu schauen was möglich ist.

Während des Lockdowns und den sozialen Kontaktbeschränkungen waren das Internet und Facebook mit seinen sozialen Foren monatelang nahezu mein einziges Fenster zur Welt, um mit anderen Menschen in Kontakt zu sein.

Das Live-Erlebnis wie Lesungen haben bei mir immer Vorrang. Darüber hinaus betreibe ich bereits seit fünf Jahren einen eigenen Kultur-Blog im Internet:  www.meinwortgarten.com  Dieser bietet über das reale Leben hinaus  kulturinteressierten Lesern und Kulturmachern die Möglichkeit, miteinander in Verbindung zu bleiben und aktuelle Projekte und Veranstaltungen zu veröffentlichen.

Als neuestes, interaktives Angebot wird bald ein virtuelles Erzählcafé „Lebendige Beziehungen“ hier auf dem Blog eröffnen, wo man sich rund um Kunst, Kultur, Zwischenmenschliches und Umwelt austauschen, interagieren und neue
Formen der Kommunikation zusammen ausprobieren kann. Wo Platz ist für Ideen, Träume, Reifendes, das wahrgenommen und weiterentwickelt werden will. Natürlich gern auch Eindrücke und Feedback über das aktuelle Programm „Vom Zauber endloser Anfänge“ dalassen. Mit diesem komme ich gern auch mit musikalischer Begleitung in Spielstätten, Kultur- und Freizeiteinrichtungen, Cafés und Gartenlokale, Senioren- und Pflegeheime in Dresden und der Region (bitte an mich wenden per mail: lilli-vostry-journalistin@gmx.de )

Mein Gedicht-Programm „Vom Zauber endloser Anfänge“ und der interaktive Ausbau des Kultur-Blogs meinwortgarten.com werden gefördert mit einem zweimonatigen Arbeitsstipendium „Denkzeit“ der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.

Text + Fotos (lv)

Hier ein Gedicht aus dem neuen Programm:

Schneckenreise

Im Regenrauschen im Takt
der Tropfen tauchen sie
lautlos auf
im Schneckentempo aufwärts
am Stamm der alten Weide
gehen sie auf weite Reise

halb außen halb in ihrem farbflirrenden
Gehäuse
gleiten galant über rissige Rinde
auf der winzige Käfer vorbeiflitzen
schnellen Fühler vor und zurück
bei leiser Berührung
rollen sich ihre Körper feingliedrig
an Blättern ein und auf

fallen in Love
folgen ihrem Weg
sehr agile Winzlinge
Regenperlen gleich mit durchsichtig
schimmerndem Gehäuse
hinauf bis in die Weidenkrone

Lilli Vostry
22.8.2020

Überall Welt: Buchpremiere von Volker Sielaff im Zentralwerk & Neuer Gedichtband „Barfuß vor Penelope“

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Die Edition AZUR lädt ins neue Verlagsbüro im ZENTRALWERK – ein neues Domizil der Dresdner kreativen Szene – zur Vorstellung von Volker Sielaffs Journal „Überall Welt“ am 7. März 2017, um 20 Uhr auf der Riesaer Straße 32 ein. Mit Lesung und Gespräch mit dem Buchautor. Der Eintritt ist frei.

Ein Tagebuch kann vieles sein: Archiv, Versuchslabor, Ideenspeicher. Volker Sielaffs Journal passt in keine dieser Schubladen – und sein Schreibgrund ist wohl am ehesten mit dem vergleichbar, den Victor Klemperer einmal für seine Tagebücher formulierte: »Nur Leben sammeln. Immer sammeln. Eindrücke, Lektüre, Gesehenes, alles. Und nicht fragen, wozu und warum.«
Nach den gefeierten Lyrikbänden »Selbstporträt mit Zwerg« und »Glossar des Prinzen« legt Volker Sielaff erstmals eine Auswahl von Prosaaufzeichnungen aus zehn Jahren vor: unverstellte, berührende Notate vom Rand der Wahrnehmung. Sie berichten vom Glück des Lebens mit einem Kind, von Begegnungen, Streifzügen, Lektüren und Beobachtungen. Überall Welt!

ISBN: 978-3-942375-24-5
152 S., Klappenbroschur, 19,90 EUR

Der Chamisso-Preisträger Gino Chiellino schrieb in einer DNN-Kritik unter dem Titel „Ein Entwicklungsroman besonderer Art: Volker Sielaff legt mit „Überall Welt“ ein außergewöhnliches Buch vor“ u.a.: „Zwar werden Reisberichte, Tagebücher und Autobiographien wichtiger und unwichtiger Akteure mit Erfolg veröffentlicht, aber welcher Schriftsteller würde es wagen, wie es Volker Sielaff getan hat, ausgehend von einer existentiellen Veränderung im Leben des Protagonisten eine elfjährige Beobachtung der Welt um das Leben des Journalverfassers niederzuschreiben? Mir ist auf jeden Fall kein zweiter bekannt!“

Siehe dazu auch den Text auf meinwortgarten.com zur Lesung „Unmöglich, gegen eine Amsel anzulesen…“ von Volker Sielaff aus seinem Buch „Überall Welt“.

Mehr Text zu diesem Buch folgt.

Rezension zum neuen Gedichtband „Barfuß vor Penelope“ von Volker Sielaff (edition Azur, 2020)

Kleiner Vorgeschmack: In diesen Texten, freien Versen und mit End- und Binnenreim, spricht oft die Liebe, in allen Facetten, zärtlich, rau und sanft. Diogenes spricht zu einem Maler; eine wortwitzreiche-poetische Welt- und Alltagsreise ist der Zyklus „Mystische Aubergine“ und kleine schöne Momentaufnahmen des Seins verankert Sielaff im letzten Kapitel mit dem Bekenntnis: „Ich bin in hohem Bogen ein Diesseitiger“.
Ein luftig-leichtes, gedankenreiches Buch für warme und kühle Tage, voller Farb- und Sprachreichtum über die Liebe zu allem, zum Leben mit allen Höhen und Tiefen. Prägnant und geheimnisvoll wie im Klappentext auf der Buchrückseite mit dem doppeldeutigen Titel „Liebe endlich“: „zum Umbruch, zur Wut. Zu den achtzig Thesen des Pandas zum Blut. Zu jedem, der noch gern barfuß geht. Zum Hut, zur Kokotte, zum Widergänger, zum Nestbeschmutzer und Zettelaufhänger. Zu Aphrodites Tattoo. Zu allen Tasten auf deiner Haut, zu jedem Ganoven, jeder Braut. Zu Else Laske-Schüler und dem Blauen Klavier auf deinem Kühler.“

Text (lv)

Genuss pur. Poesie & Kuchen – auch zu buchen…

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Genuss für Geist & Sinne. Mit Rhabarber – Ein Gedicht aus dem Backofen fing alles an. meinwortgarten-Inhaberin und Autorin Lilli Vostry liebt Poesie & Kuchen und bringt beides gern zu Lesungen mit.

Wenn die Worte und Aromen auf der Zunge tanzen

Die erste Kostprobe gab es bei der Premiere meiner Gedicht-Lesung „Vom Zauber endloser Anfänge“ am 16. Mai im KlangLabor in Dresden, das angesichts Corona-Einschränkungen gut gefüllt war. Vom ersten selbst gebackenen Rhabarberkuchen, dem ich ein eigenes Gedicht widmete, blieb fast kein Krümel übrig. Das spornte mich an zu weiteren Backversuchen. Ich mag Poesie & Backen. Das Spiel mit Worten & Zutaten & der betörende Duft & Aromen, die auf der Zunge tanzen & Gestalt annehmen. Zum Zuhören, Probieren und Genießen einladen und etwas Bleibendes schaffen.

So entstand mein neues Angebot unter dem Motto: „Poesie & Kuchen – auch zu buchen“ eigene Gedichte und selbst gebackenen Kuchen zu Lesungen mitzubringen. Und diese zwei Leidenschaften zu verbinden. Genuss für Geist und Sinne.

Ich lese gern vor neugierig aufgeschlossenem Publikum, ob in Spielstätten, in einem Gartenlokal, auf privaten Feiern oder in Senioren- und Pflegeheimen in Dresden und der Region. Gedichte über Zauberhaftes in der Natur und Zwischenmenschliches, Veränderungen und Wandlungen im Leben und den Zauber des immer wieder Anfangens. Viele meiner Gedichte, die in den letzten zehn Jahren entstanden und für die ich als nächstes einen passenden Verlag suche, stehen hier auf meinem wortgarten-Blog.

Wer Interesse an meinen Lesungen hat, auch mit musikalischer Begleitung möglich, kann mir gern schreiben an folgende e-mail-Adresse:
lilli-vostry-journalistin@gmx.de

Text + Fotos (lv)

Start der Schreib- und Geschichtenwerkstatt für Kinder „Fantasius Firlefanz“

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Geschichten-Abenteuer erleben – Jeder hat Fantasie!

Für alle, die in den Sommerferien noch nichts vorhaben, startet für neugierige, spiel- und erzählfreudige Kinder und Jugendliche die Schreib- und Geschichtenwerkstatt „Fantasius Firlefanz“ mit Lilli Vostry, freie Journalistin und INhaberin des KulturBlogs meinwortgarten.com als neues Angebot im KlangLabor auf der Lommatzscher Straße 6 in Dresden. Heute am 4.7., von 16 – 18 Uhr das erste Mal. Ab 11. Juli dann immer mittwochs von 17 – 19 Uhr. Ich freu mich auf Euch.

Hallo, liebe Kinder!

Hier könnt Ihr die kreative Schreibwerkstatt für Kinder und Jugendliche „Fantasius Firlefanz“ kennen lernen. Der bewegliche kleine Holzvogel ist unser Begleiter, der unsere Fantasie beflügeln möchte. Bei den Geschichten-Abenteuern, die uns zuflattern aus der großen Welt der Worte.

Gemeinsam entdecken wir den Spaß am Erzählen, sprachlichen Gestalten in spielerischer Form und Umsetzen der selbsterdachten Geschichten.

Wenn Ihr gern träumt, erfindet, neugierig seid, Euch lesend und schreibend ausprobieren wollt, ist die Schreib- und Geschichtenwerkstatt ein guter Ort, dies miteinander zu tun.

Zu meiner Person: Ich heiße Lilli Vostry, schreibe selbst gern seit meiner Kindheit und arbeite hauptberuflich als freie Journalistin, außerdem als Kinderbetreuerin und in der Deutsch-Nachhilfe in Dresden. Es sind auch spezielle Angebote für Kinder mit ADHS möglich.
Ich gebe auch Kurse in spielerischem Schreiben für Kinder auf Anfrage in Schulen.

Kosten pro Teilnehmer pro Nachmittag: 5 Euro

Kontakt: Lilli Vostry, Tel. (0351) 848 75 03 oder 0177 – 524 88 48
email: Lilli.Vostry@freenet.de

 

Keine für Alle! – Lara Finesse

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Kolumne: Neue Mauern…

Wie es zu meinem Namen kam, das bleibt mein Geheimnis. Ob es mich wirklich gibt? Nun ja. Wie heißt es so schön: Ich denke, also bin ich. Was auch nicht unbedingt selbstverständlich ist. Neulich hörte ich im Radio in einer Humorsendung, es war gerade Fasching, den unglaublichen Satz: Das Lachen unterscheide den Menschen vom Tier. Das habe kein Geringerer als Aristoteles einst festgestellt, wie auch die gefährliche und befreiende Wirkung auf die Lachenden und Ausgelachten zeitlos ist.

Wer lacht, zeigt, dass er etwas erkannt und verstanden hat. Oder es zumindest meint. Während Tiere, wenn sie lachen mit heraushängender Zunge oder fiependen Lauten,gar nichts denken, sondern sich einfach ihres Daseins freuen. Das unterscheidet Tiere tatsächlich sehr von Menschen.

Manche von letzteren verziehen keine Miene, egal was um sie herum passiert. Es ist ja nicht zu übersehen, dass sich gerade ein großer Wandel in der Welt von draußen nach drinnen – damit meine ich nicht nur die über Ländergrenzen hinweg ziehenden Flüchtlingsströme – vollzieht. Neue Mauern tun sich auf, mit denen wir uns selbst umgeben. Man sehe sich nur die Leute an, die draußen unentwegt nach unten auf diese glatten, flimmernden Teile starren und darauf herumtippen und die Ohren oft verstöpselt halten.

Wie ferngesteuert laufen sie durch die Gegend, manche rennen einen fast um. Ich frage mich dann immer: Was ist so ungeheuer wichtig, dass diejenigen dieses Teil kaum eine Minute mehr aus den Augen lassen?! Was würde passieren, wenn sie es verlieren? Was taten sie, bevor es Smartphones gab?

Mittlerweile braucht man gar nicht mehr aus dem Haus zu gehen. Man bekommt alles aus dem weltweiten Netz. Man kann Tag und Nacht einkaufen, mit den Augen überallhin reisen, sich vergnügen, den idealen Partner per Fragebogen zusammenpuzzeln, für zwischendurch, nur virtuell oder auch mal in echt. Heldenhafte Essensbringer aus dem Internet (die nennen sich wirklich so!) gibt es auch inzwischen.

Anderes wie Postkarten und Briefe schreiben, stirbt allmählich aus. Vielleicht werden Briefkästen deshalb auch immer seltener?

Neulich fragte tatsächlich jemand auf Facebook, ob es eigentlich noch Schreibpapier gäbe! Als ob es davon abhinge. Wenn man das Bedürfnis hat, kann man auf allem schreiben. Oder? Nur gehen mir leider allmählich die Empfänger aus. Es wird noch soweit kommen, dass ich mir selbst Karten und Briefe mit schönen Briefmarken schreibe, nur um mir die unverhoffte Freude, dass jemand an einen denkt und überrascht, zu erhalten neben all dem Werbekram und Rechnungen, die mir beim Gang zum Briefkasten täglich entgegen grienen.

Warum gehen wir manchmal trotzdem noch hinaus? Um zu schauen, ob da draußen noch alles da ist, noch andere außer uns und wie die Luft ist. Warm oder kalt. Auf den Wetterbericht ist ja kein Verlass mehr trotz moderner Technik. Das Wetter macht, was es will. Einmal richtig Schnee muss reichen, dann geht der Winter schon wieder. Statt Schlitten und Skier fahren schnelles Surfen im Internet. Merkt doch eh keiner. Seit Ende Januar, draußen ist noch alles kahl und grau, bestürmen einen schon in knallbunten Farben grinsende Schokohasen und Eierallerlei im Supermarkt, obwohl man gerade erst die Silvesterknallerei überstanden hat und das Schatzkästchen auf dem Tisch mit den erfüllten, vergessenen und neuen Wünschen für das neue Jahr noch auf Durchsicht wartet. Indes grüßen schon die ersten Schneeglöckchen auf der Wiese, wird es wieder früher hell und später dunkel. Was manche Nachbarn schon zu eifrig geräuschvollem Frühjahrsputz derart treibt, dass einem Hören und Sehen vergeht. Und das Leben rauscht vorbei.

Macht was draus.

Bis zum nächsten Mal!

Eure Lara Finesse

BilderGedichtKalender 2016 „Von Tier zu Mensch“

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Vom Raubtier Mensch

Skurill-poetische Gedichte und Bilder versammelt der neue BilderGedichtKalender von Lilli Vostry und Babak Nayebi.

Ein Mann mit Hahn im breitkrempigen Hut, den nichts zu erschüttern scheint, ist auf dem Titelblatt des Kalenders zu sehen. Gut behütet schaut er in die Welt. Skurril-poetische, heitere und ernsthafte, beherzt geborgene Gedankenflüge und Gefühlssprünge versammelt der neue BilderGedichtKalender für 2016 unter dem Titel „Von Tier zu Mensch“. 

Es ist der nunmehr dritte Kalender, den Lilli Vostry, freie Journalistin und SZ-Autorin, zusammen mit dem iranischen, in Dresden lebenden Bildenden Künstler Babak Nayebi in limitierter Auflage herausgegeben hat im Typostudio SchumacherGebler in Dresden. In Abwandlung der Redewendung „Von Mensch zu Mensch“ wird in reizvollem Kontrast von Bildern und Lyrik das Verhältnis von Mensch und Tier betrachtet. Das Raubtier Mensch, der mal Jäger, mal Getriebener ist, mal innige Nähe und Ausgeliefertsein, Stärke und Ohnmacht erfährt und die verletzte, leidende Kreatur stehen sich gegenüber in den farbigen Ölzeichnungen auf Papier. Es geht außerdem facettenreich, vieldeutig um Zwischenmenschliches. Etwa im Gedicht „Frei Wild“ um Fortschnurren in fremde Galaxien, um Fortträumen, Sehnsucht nach der Ferne und Neues entdecken. Da tauchen Fledermäuse am Strand auf, ergibt sich ein Admiral auf Landgang duftenden Blüten. Da bringt ein rätselhaftes Wesen mit roten Augen, das sich Lori nennt, Schatten zum Leuchten. Und begrüßt eine Robbe das neue Jahr und sucht im unendlichen Weiß nach wärmenden Worten. 

Dieser zeitlose BilderGedichtKalender „Von Tier zu Mensch“ ist jetzt zum Schnäppchenpreis erhältlich. Einige Exemplare sind noch über die Autorin Lilli Vostry auf Anfrage zu beziehen.

Premiere „Ein Meter Fünfzig“ – eine Theaterphantasie mit Abstand von Rainald Grebe im Schauspielhaus


Nicht zu bremsende Spielleidenschaft: Ahmad Mesgarha und Anna-Katharina Muck glänzen witzig-komisch bis dramatisch und unverdrossen in der Inszenierung „Einmeterfünfzig – eine Theaterphantasie mit Abstand“ von Rainald Grebe im Schauspielhaus Dresden. Foto: Sebastian Hoppe

„Es heilt nur Menschen, wo Menschen sind“

Die Aufführung „Einmeterfünfzig“ – eine wunderbar komödiantische und zugleich wehmütige Vorschau auf die neue Spielzeit im Staatsschauspiel Dresden ist heute, am 29. Oktober, 19.30 Uhr zum vorerst letzten Mal im Schauspielhaus Dresden zu sehen. Wegen erneutem Lockdown ungeachtet der genehmigten Hygienekonzepte sollen die Kultureinrichtungen ab 2. November wieder schließen.

„Was ist schöner als ein tobender, ausverkaufter Saal“, sagt eine Stimme aus dem Off. „Von Hundert auf Null“, eine andere. „Manchmal ist 1,50 Meter viel zu viel… Wir sollten auch nachdenken, für wen wir das Theater machen“, sagt eine Frauenstimme. „Hier im Haus wartet keiner. Das war schon komisch. Besonders abends“, fügt eine andere hinzu. Die O-Töne am Anfang der Vorstellung aus der Zeit des ersten Lockdowns im Frühjahr sind nicht vorbei, sondern wieder erschreckend nah.

Nachdem die neue Spielzeit im Herbst gerade begonnen hat, sollen die Theater und andere Kultureinrichtungen erneut schließen aufgrund neuer Maßnahmen aus der Politik zur Eindämmung des Corona-Virus. Ab 2. November sollen sie in Kraft treten. Obwohl bisher kein Fall von Corona-Infizierten aus Theatern bekannt geworden ist und mit genehmigten Hygienekonzepten gearbeitet wird.

Eine seltsame, geisterhafte Situation. Neben Sitzreihen mit schwarz verhangenen Stühlen sitzen Pappfiguren neben den Zuschauern im halbleeren Theatersaal. Symbolisch für die Misere und all diejenigen, die nicht mehr ins Theater kommen. Eigentlich wollte Rainald Grebe ein Stück über den legendären Lügenbaron von Münchhausen auf die Bühne bringen. Doch dann kamen die Corona-Einschränkungen.  So heißt die witzig-absurde, der Misere voll Spiellust trotzende Inszenierung nun bezeichnenderweise „Einmeterfünfzig – Eine Theaterphantasie mit Abstand“ von Rainald Grebe.

Die Schauspieler sitzen vor der Bühne. Zwischen Kantinenstimmung und Warten auf den langersehnten Auftritt erzählen, singen und spielen sie abwechselnd Ausschnitte aus Stücken, die wegen der Corona-Situation abgesagt oder verschoben werden mussten. Begleitet mit melancholischen Klängen am Cello und Piano von zwei Musikern (Jens-Karsten Stoll und Dietrich Zöllner). Immer wieder fährt ein Megaphon von der Bühnendecke grell tönend: „Halten Sie Abstand!!“ Manchmal blinkt ein rotes Warnlicht auf, wenn die Schauspieler sich ein paar Zentimeter zu nahe kommen.

Eine Schauspielerin mit Visier vor dem Gesicht (Birte Leest) teilt eifrig die KollegInnen für die Proben ein. Irgendwann platzt ihr der Kragen, dass all die Mühen der Probenarbeit umsonst gewesen sein sollen und sie fragt in einem leidenschaftlichen Gefühlausbruch, was denn eigentlich der Begriff „systemrelevant“ bedeute und für die Kultur etwa nicht zutreffe?!

Die Bühnentechnik mit ihrem riesigen Räderwerk bewegt sich auf und ab, auf die Leinwand projiziert zu Spieluhrklängen. Der Sternenhimmel funkelt aufs Schönste von der Bühnenwand. Ein Schlagzeug bricht donnernd in die wehmütige Atmosphäre ein. Die Schauspielerin Anna-Katharina Muck tritt als Venus im blauen Kleid aus einer Muschel und singt ein Lied über das „Spiel im Dunkel…“, das Dunkles ins Licht holt.
Drei Schauspielerinnen singen wie Sirenen, ein Spielmann zerreißt den Bogen.

„Die Probleme beginnen alle mit dem Mensch! Weil wir atmen…“, verkündet einer. Auf einem rollenden, bunt blümchengeschmückten, eingezäunten Podest, das heile Welt vorgaukelt, taucht unversehens ein körperlich behinderter Mann auf, der weiß, dass er hier Spielverderber ist und zugleich auf das Mitgefühl der anderen setzt.  „Sie sehen mit der Geburt beginnt schon die Gefahr des Todes“, sagt Klaus-Dieter Werner.

Ihre Spielleidenschaft lassen die Schauspieler sich dennoch nicht nehmen. Ein junger Schauspieler stürmt auf die Bühne mit zwei Degen. Kämpfen, lieben, leiden… mit ganzem Körpereinsatz für das Publikum, dafür gibt er alles.

Voll abgründigem Humor eine Szene aus der noch bevorstehenden Inszenierung „Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss“, ein Stück über einen Tanzmarathon, der Ruhm und Geld verspricht, gebrochene Leiber und Träume hinterlassen wird und in den 1930er Jahren spielt. Die Darsteller tragen dick aufgeblasene Hüllen und tanzen wie Aufziehfiguren ununterbrochen auf der Stelle. Einer nach dem anderen fällt um, der letzte zappelt noch im Liegen mit den Beinen in der Luft.

Anna-Katharina Muck will ihr Kostüm aus ihrer Glanzrolle der „Heiligen Johanna der Schlachthöfe“ von Bertolt Brecht versteigern. „Was, nur 30 Euro für ein Bühnenleben?! Das war eine meiner besten Rollen“, ringt sie fassungslos nach Luft. Das sei 20 Jahre her, doch die Wände vergessen doch nichts.  „Ich kauf`s mir selber und hungere mich rein“, sagt sie sarkastisch. „Es heilt nur Menschen, wo Menschen sind“, zitiert sie Johanna.

Höhepunkt des Theaterabends ist der Auftritt von Ahmad Mesgarha in seiner legendären Rolle als Frank`n`Furter aus der Rocky Horror Show mit Federboa, Strapsen und schwarzem Mieder, der sich als extravaganter Star aufspielt und Anna-Katharina Muck steht mit vielsagendem Blick daneben und bietet ihm trocken humorvoll Paroli in einer Szene aus dem Stück „Wer hat Angst vor Virginia Woolf ?“. Köstlich komisch-romantisch schweben beide als Romeo und Julia als reifes Paar in großen Seifenblasenbällen auf der Bühne umher und schmachten sich liebevoll an. Und in schneller Verwandlung als altes Liebespaar Philemon und Baucis hocken sie nebeneinander, rührend, weise, nachdenklich. Wenn es nicht anders geht, gehen die Schauspieler ihrem Spieltrieb in einem Legofiguren-Spiel, festgehalten in Videoaufnahmen nach. Und Abstand hin oder her. Zum Schluss rennt ein junges Schauspielerpaar schreiend auf die Bühne und nun ja, küsst sich.
Reichlich Beifall für eine wunderbare Aufführung voller Theaterzauber trotz Abstand.

Text (lv)

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

Premiere „Wunderblock – eine Trilogie der Erinnerung“ im Kleinen Haus


„Wunderblock I: Roswitha“ – die Unverzagte
„Wunderblock II: Dörte“ – die Lebenslustige
„Wunderblock III: Thomas“ – NichtmehrStotterer
Fotos: Sebastian Hoppe

Echtes Leben auf der Bühne

Drei Menschen. Drei Stücke. In „Wunderblock I  – III – eine Trilogie der Erinnerung“ von Miriam Tscholl nehmen Roswitha, Dörte und Thomas die Zuschauer mit in ihre ganz persönliche Welt mit allen Höhen und Tiefen, mit mal witzigen, wehmütigen, offenherzigen, schönen, traurigen und nachdenklichen Momenten in einem Theaterprojekt der Bürgerbühne im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Es ist ein Wagnis und Experiment zugleich: Menschen erzählen auf der Bühne ihre Lebensgeschichte mit allen Höhen und Tiefen, sie agieren allein oder zu zweit. Ein besonderes Theatererlebnis für Akteure und Zuschauer gleichermaßen sind die Aufführungen „Wunderblock I – III – eine Trilogie der Erinnerung“ von Miriam Tscholl, die als ein Projekt der Bürgerbühne Premiere hatten im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Für das Theaterprojekt bewarben sich über 50 Interessierte, aus denen
sie drei auswählte. Der Titel spielt an auf die Notizen zum “Wunderblock“
von Siegmund Freud, der in der vielschichtig beschriebenen Wachstafel ober- und unterhalb der Folie mit ihren Wischspuren ein Modell vom menschlichen Gedächtnis sah. Davon angeregt, interessierte die Regisseurin und ehemalige Leiterin der Bürgerbühne Miriam Tscholl, wie diese Leben sich zu einer Biographie fügen. Welche Ereignisse hinterlassen Spuren, verändern und prägen eine Person und ihren Lebensweg? Aus langen Interviews mit den Protagonisten entstanden die Textvorlagen. Die drei Stücke – „I: Roswitha“, „II: Dörte“ und „III: Thomas“ –  sind Teil eines Ganzen. Jedes ist in sich abgeschlossen, lässt aber in den sehr verschiedenen Lebensgeschichten dennoch Verbindendes entdecken, wenn man alle Aufführungen anschaut. Es fühlt sich zunächst seltsam an, wie offen und selbstverständlich Roswitha Bach, Dörte Kleinbeckes und ihre Mutter Gudrun und Thomas Brockow dem Publikum die Tür in ihr Leben öffnen, das sie von kleinauf bis heute betrachten und reflektieren über ihre Träume und Traumata, Glück und Unglück, Freude, Schmerz, Enttäuschungen und Erfahrungen. Ebenso neugierig, gespannt und staunend erlebt man, wie die sprunghaft zwischen Vergangenheit und Gegenwart pendelnden Erzählteile sich sortieren, verknüpfen zu einem roten Lebensfaden und Zusammenhänge sichtbar werden.

Die Kulisse bleibt immer die gleiche. Ein Wohnzimmer. Der Inhalt des Kühlschranks, der Fensterausblick und die Gegenstände an den Wänden wechseln mit dem Mensch, der dort auftritt und die Zuschauer in seine ganz persönliche Welt mitnimmt für eine Stunde. Den Anfang macht Roswitha, der man ihre 72 Jahre nicht ansieht. Sie trägt ein geblümtes Kleid und Strickjacke und summt vor sich hin, während sie strickt und erzählt über ihre Familie, die sie früh verlor, ihre Einsamkeit, sexuellen Missbrauch, verpasste Chancen und neuen Lebensmut. Eine Uhr tickt und ein Wecker klingelt. Zeit für die Tabletten. Und für eine „Puddingpause“. Wie einst als junge Frau bei den Diakonissen. Sie isst genussvoll und erzählt mit ruhiger Stimme schöne und traurige, entsetzliche Dinge. Manchmal lacht sie, heiter und bitter zugleich. Begleitet von Cellospiel. Ergriffen hört man ihr zu, fühlt mit und wünscht sich, dass ihr großes Herz und warmes Lächeln die Schatten besiegen. Ein grandioser Schlussmoment, als Roswithas Wunsch sich erfüllt, einmal eine „Nussknacker“-Aufführung zu erleben. Der steht in Ballettrock und Pelzkappe auf dem Tisch und spielt hingebungsvoll Geige für sie.

In Teil zwei stehen Tochter und Mutter zusammen auf der Bühne. Dörte verkörpert mit ihrer prallen Körperfülle pure Lebensfreude und Sinnlichkeit, das ganze Gegenteil ihrer Mutter, die der Tochter im Hintergrund zuschaut, laut staubsaugt und sie immer wieder zurechtweist: “Dörte, dein Schild hängt hinten raus !“ Dörte ist Mitte 40, kinderlos und tut was ihr gefällt. Schönheitsideale sind ihr egal, sie isst gern und viel und hat Spaß am Sex. Sie erzählt wie es im Swingerclub war, wo sie ihren Schatz fand. Sie lacht, tanzt und stellt ihrer Mutter provozierende Fragen, warum sie so ernst und prüde ist, beide reden über ihre Beziehungen und tragische Verluste. Toll, amüsant und beeindruckend sind diese unverschämt ehrlichen Mutter-Tochter-Gespräche, mit denen sie sich wieder näher kommen.

In Teil drei erzählt Thomas Brockow, Mediziner und Musiker, selbstbewusst und unterhaltsam über seine Reiseabenteuer als Student und seine Erfahrungen mit dem Stottern, dem Hängenbleiben der Worte, geht den Gründen nach und spielt mit seiner Sprechstörung. Seine langsam bedächtige Stimme, ernsthaft und komisch zugleich vortragend, erinnert ein wenig an Loriot. Ob das nun Zufall oder Absicht ist. Es kommt gut an beim Publikum. Auch sein Spiel an Keyboard und Gitarre von Swing, Blues, zarten Mozart-Sonaten bis zu lebhaft vibrierendem Jazz und tiefe, vielsagende Blicke, die anziehend auf Frauen wirken. Er kennt die befreiende Wirkung sowohl von Musik als auch Sexualität, welche die unsichtbare Wand der Sprechbarriere auf wundervolle Weise durchbreche. Er weiß aber auch, dass es eine eingeübte Bühnenshow ist und ein Monolog, den er kennt, anders als die Realität mit ihren unvorhersehbaren Situationen, immer wenn Stress und Emotionen dazukommen, fällt ihm das Sprechen schwer, gerät er ins Stottern. Doch Thomas weicht nicht mehr aus. Die unsichtbare Wand zwischen ihm und dem Gegenüber ist durchlässiger geworden, er selbst nahbarer. Alle drei Aufführungen stecken wie eine Wundertüte voller Überraschungen, Erkenntnisse, wecken eigene Erinnerungen und machen Lust auf weitere Lebenserzählungen auf der Bühne. Für alle drei gab es reichlich Beifall vom Publikum.

Text (lv)

Nächste Vorstellungen:

„Wunderblock I: Roswitha“, 29.10., 19.30 Uhr;
„Wunderblock II: Dörte“, 30.10., 19.30 Uhr;
„Wunderblock III: Thomas“, 31.10., 19.30 Uhr.

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

Neue Comedy-Pop-Show „KannMannSutra“ mit den NotenDealern im Dresdner Comedy & Theater Club


Zum Anbeißen komisch: die NotenDealer geben kurz vor Inkrafttreten der neuen Corona-Maßnahmen mit Veranstaltungsverboten an diesem Wochenende noch zwei Vorstellungen im Dresdner Comedy & Theater Club. Foto: PR

Der Humor blüht weiter

Mir / uns fehlen eigentlich die Worte, ich bin geschockt … Dem sowieso schon grauen November werden nun noch die letzten Farben genommen. Unser vorsichtiger Optimismus, alle Mühen, Hygienekonzepte etc. – irgendwie nutzlos, mit Füßen getreten. Unsere Künstler*Innen sind sehr traurig, daß sie nun wieder einige Wochen nicht auf der Bühne stehen dürfen. Alle Vorstellungen ab 2. November 2020 müssen abgesagt werden L

Doch es muss weitergehen … Klopapier wächst ja nicht aus der Wand 😉 Also schauen wir mal, was wir retten können.
Und so haben sich die wunderbaren NotenDealer spontan bereit erklärt, noch an diesem Wochenende Doppelvorstellungen ihrer großartigen neuen ComedyPopShow „KannMannSutra?“ zu spielen.

Es stehen zwei neue Termine an, für die noch Karten zu haben sind:

Samstag, 31.10. 2020 um 16 Uhr
Sonntag, 01.11. 2020 um 20 Uhr

Ticketreservierungen unter: Telefon 0351-46 44 877

Lassen Sie uns gemeinsam Spaß haben, so lange es noch geht. Wir freuen uns auf unser Publikum!

Aktuell spielt der DRESDNER COMEDY & THEATER CLUB selbstverständlich für Wohlbefinden und Sicherheit noch mit reduzierter Platzanzahl und angemessenem Hygienekonzept am angestammten Spielort.
Es sollten aber Gäste mit Symptomen unsere Vorstellungen bitte nicht besuchen, im Theaterkeller einen Mund-Nasen-Schutz tragen, Abstände eingehalten und die Hände desinfiziert werden.

Text: Heike Jack

DRESDNER COMEDY & THEATER CLUB
Gewölbekeller im Kügelgenhaus
Hauptstraße 13
01097 Dresden
Telefon 0351-46 44 877

www.comedytheaterclub-dresden.de 

Die Freiheit des Jazz & die Freiheit anderer Meinungen: Vortrag und Diskussion mit Daniele Ganser bei den Jazztagen Dresden im Ostra-Dome fanden viel Resonanz


Dr. Daniele Ganser bei seinem Vortrag am Sonntagnachmittag bei den Jazztagen Dresden.

Nach dem Vortrag gab es eine Gesprächsrunde mit Daniele Ganser. Mit lebhafter Diskussion über Verschwörungstheorien, Aufrufe zum Boykott der Jazztage Dresden, etablierte und alternative Medien und Umgang mit unliebsamen Themen.


Historiker Daniele Ganser und Sängerin Julia Neigel bei der Podiumsdiskussion.

Keine Scheu vor Querköpfen und Widerworten

Zwei vielbeachtete Vorträge mit Blicken hinter die Kulissen der Macht mit dem Schweizer Zeithistoriker Daniele Ganser waren bei den 20. Jazztagen Dresden am Sonntagabend im Ostra-Dome zu hören. Hinterher gab es eine lebhafte, dreistündige Diskussion mit dem Publikum über Verschwörungstheorien, die Rolle der Medien und den Umgang mit schwierigen Themen, zu der Jazztage-Intendant Kilian Forster auch die Kritiker von Gansers Vortrag eingeladen hatte. Doch die kamen nicht.

Die Wellen schlugen hoch schon im Vorfeld des Vortrages „Geostrategie. Der Blick hinter die Kulissen der Macht“ von Daniele Ganser bei den diesjährigen Jazztagen Dresden (noch bis 23. November). „Der Medienrummel trug dazu bei, dass der zweite Vortrag noch besser besucht war als der erste, was sicher nicht die Absicht der Kritiker war“, sagte Kilian Forster, Musiker und Intendant der Jazztage erfreut zu Beginn. 600 und 700 Besucher seien zu den beiden Vorträgen in der Veranstaltungsstätte am Sonntag im Ostra-Dome gewesen.

In den letzten Wochen hatten Forster diesbezüglich sowohl „viel Kritik als auch viel Zuspruch erreicht.“ Daher schloss sich an die Veranstaltung eine Diskussion mit Zuschauern und Gesprächsrunde auf der Bühne in den Ostra-Studios an, um dem Phänomen von Verschwörungstheorien und deren mögliche Auswirkungen auf die Gesellschaft gemeinsam auf den Grund zu gehen. Unter dem Motto: „Wir reden miteinander, nicht übereinander.“

„Ganser sagt selber, prüft das selbst nach, seid kritisch und das passt wunderbar zur Freiheit des Jazz“, so Forster. „Wir brauchen die Dissonanz, ein bisschen Spannung, um wieder zur Harmonie zu finden.“ Das 20-jährige Jubiläums-Jazzfestival stellte Forster mit kleinem Team vor zwei Monaten auf die Beine dank der Corona-Hilfe von Stadt und Land. Ursprünglich war neben den Konzerten eine Vortrags- und Gesprächsreihe mit „Querköpfen“ und ihren Gedanken zum Zeitgeschehen geplant. Darunter der Schweizer Historiker und Friedensforscher Daniele Ganser, der schon letztes Jahr da war und gut ankam. Der Vortrag Gansers unterstütze auch finanziell die Jazztage. „Wenn man für eine sechsstellige Summe Technik reinstellt in die leeren Räume, muss sich das ja auch rentieren. Indem man sich die Kosten teilt durch viele Veranstaltungen“, so Forster. „Die Musik steht aber weiterhin im Vordergrund der Jazztage.“

Daniele Ganser wurde vom Vortragspublikum, junge und ältere Zuhörer bunt gemischt im vollbesetzten Saal, mit langem Beifall begrüßt. Er zeigte sich „überrascht von dem Tumult im Vorfeld.“  Er ist 48 Jahre alt, hat zwei Kinder und lebt mit seiner Familie in der Schweiz. Ganser ist Historiker für Zeitgeschichte, mit dem Spezialgebiet verdeckte Kriegsführung. Das ist ebenso spannend wie heikel, weiß er. Wenn er zur  Mittelaltergeschichte wechselte, würde er ruhiger leben. Doch er habe sich der Aufklärung kriegerischer Konflikte und der Friedensforschung verschrieben. Er veröffentlichte bereits vier Bücher und 50 Vorträge von ihm sind auf Youtube zu hören.

Diesmal sprach Daniele Ganser über sein neues Buch mit dem Titel „Imperium USA – die skrupellose Weltmacht“. Darin geht er bis heute ungelösten Fragen zum Kennedy-Mord vor nunmehr 60 Jahren nach. „Manches sieht man heute klarer.“ Er stellt zwölf Thesen zu den Auftraggebern und Hintergründen des Mordes am amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy 1963 in Dallas auf, gestützt auf Aussagen einstiger Zeitzeugen, Berichte aus Untersuchungsausschüssen und anderer Buchautoren wie Mark Lane, Rechtsanwalt und Bürgerrechtsaktivist mit seinem 1966 erschienenen Bestseller „Rush To Judgement“ über den Kennedy-Mord. Eine langwierige Wahrheitssuche. Ganser rekonstruierte das Verbrechen in seinem Vortrag anhand von historischen Fotos, die den Präsidenten und seine Frau in offener Limousine zeigen, denen die Leute zujubeln. Wenig später fielen auf der seltsamerweise kurz vorher noch geänderten Fahrtroute die tödlichen Schüsse, von vorn und hinten im Kreuzfeuer, wie in der einzigen kurzen Liveaufnahme vom Tatort ersichtlich.

Doch noch immer sei umstritten unter Historikern, ob es die Tat eines Einzeltäters war oder mehrere schossen, dann war es eine Verschwörung, so Ganser. Alles deute auf letzteres hin, doch 100 %ig beweisen könne er es nicht. Ganser erklärte und rekonstruierte die damaligen Ereignisse anschaulich, locker und teils bissig ironisch, was ihm auffiel an Ungereimtheiten und Vertuschungsversuchen seitens des Geheimdienstes CIA, der eine eigene Abteilung für Mordanschläge auch auf ausländische Staatschefs hatte. Den damaligen CIA-Chef Allen Dulles sieht Ganser als Auftraggeber des Mordes an Kennedy, der ihn vorher entlassen hatte. Der Demokrat Kennedy lehnte die versuchte Militärinvasion in Kuba ab, er wollte die US-Berater aus Vietnam abziehen und die Lage entspannen und er war entsetzt über den Mord am ersten frei gewählten Präsidenten im Kongo, Patrice Lumumba. „Daher musste Kennedy weg, da er nicht mitmachen wollte, mit der Militärmacht USA Kriege führen“, so Ganser. Er weiß, dass er mit seinen Theorien und Nachforschungen, ob zu NATO-Geheimarmeen oder dem Einsturz des World Trade Centers am 11. September 2001 in New York bei manchen aneckt.

„Ich bringe schwierige Themen in den öffentlichen Raum und dann bekomme ich den ganzen Wind ab“, so Ganser. „Ich hab die Türme nicht gesprengt. Das muss man auseinander halten.“ Nur weil er eine Verschwörung des Geheimdienstes mit dem Kennedy-Mord aufdeckte, sei er kein Verschwörungstheoretiker.

Der Trick mit der Wiederholung zur Gewöhnung

In seinem Vortrag zog Ganser auch Parallelen zu heute, wie aktuelle Ereignisse in der Öffentlichkeit reflektiert werden, wie das allgegenwärtige Thema Corona und der Umgang mit Kritik. „Alles in der Kommunikation funktioniert bekanntlich über Repetitio. Und jetzt haben wir Corona-Repetitio“, so Ganser. Politik und Medien nutzen die Wiederholung und könnten damit gezielt die Gedanken im Gehirn steuern und lenken. Schon in der Schule lernt man durch ständiges Wiederholen. Schmunzeln im Publikum, als er hin und wieder fragte und erinnerte: „Habe ich schon erwähnt, dass ich ein Buch herausgebracht habe…“ und Einzelheiten zum Kennedy-Mord wiederholte.

Doch es birgt die Gefahr, wenn man immer das Gleiche hört, dass es sich erschöpft, abnutzt und man nicht mehr hinhört. Den „Trick mit den Nervenzellen“ erklärte er so: „Das was Sie lesen und hören, formt Ihre Nervenzellen im Gehirn. Also überlegen Sie sich, was Sie lesen.“ Er übt sich auch schon länger in der Technik der Achtsamkeit. „Glauben Sie nicht alles, was Sie denken! In dem Moment stehen Sie hinter dem Wasserfall, wie sich die unentwegt auf einen einhämmernden Gedanken anfühlen.“

„Bleiben Sie achtsam. Bleiben Sie friedlich !“, sagte Ganser abschließend in seinem mit viel Beifall bedachten Vortrag. Nach einer Verschnaufpause fand unter dem Titel „Concertare!“ eine Diskussion & Session von Jazzmusikern mit Daniele Ganser und interessierten Vortragsbesuchern in den etwas kleineren Ostra-Studios statt. Vollbesetzt die Sitzreihen auch hier. „Wir nehmen Kritik ernst und wollen über die Vorwürfe reden“, so Kilian Forster. Er hatte Kritiker des Ganser-Vortrages zu der Gesprächsrunde eingeladen, die jedoch nicht kamen. Darunter eine junge Musikerin, Laura Totenhagen aus Köln, die Forster die Absage der Veranstaltung nahelegte und mit anderen Musikern auf Facebook zum Boykott der Jazztage aufrief, obwohl Forster gerade jungen Musikern auch ein Podium geben will. Durch dem Aufruf zum Boykott seien Sponsoren abgesprungen und zwei Künstler sagten Auftritte ab bei den Jazztagen Dresden. Das habe sich derart hochgeschaukelt, so Forster, dass sogar der neugegründete Jazzverband Sachsen e.V. , eine Stellungnahme von ihm verlangte (nachzulesen auf meinwortgarten.com in der Ankündigung zum Ganser-Vortrag.)

Haltung zeigen und verschiedene Meinungen aushalten

In der Diskussionsrunde saßen neben Ganser eine Moderatorin, Julia Sszarvasy, die in alternativen Medien unterwegs ist. Außerdem Sängerin Julia Neigel und Werner Patzelt, emeritierter Professor für Politikwissenschaften, der bis 2019 an der TU Dresden lehrte und dort als AfD- und Pegida-Experte wegen angeblich „zu großer Nähe“ zu seinem „Untersuchungsgegenstand“ umstritten war. Zu Verschwörungstheoretikern nannte er seinen „Freund Machiavelli“, ein italienischer Philosoph, Politiker, Chronist, Schriftsteller und Dichter, der vor 500 Jahren lebte und Ideal und Wirklichkeit von Macht und Moral in der Politik seiner Zeit untersuchte und entlarvte. „Warum soll es keine Theorien über Verschwörungen geben, wenn es Verschwörungen gibt?“, fragt Patzelt. Ein junger Zuhörer fragte, ob es eine „neue Welle der Aufklärung jetzt gibt? Und wie man von präsentativer Demokratie zu echter, bürgerlicher Mitbeteiligung komme?“ Patzelt meinte dazu, eine neue Welle von Aufklärung sei zu hoch gegriffen.

„Es braucht eher eine neue Welle schon mit der Fähigkeit, kritisch mit Informationen umzugehen und wieder die Bereitschaft, sich des eigenen Verstandes zu bedienen.“ Wenn man woanders als in den etablierten Medien Informationen höre, werde es schnell als „Verschwörungstheorien“ abgetan. „So tragen die Medien, die eigentlich aufklären sollten, bei zu Polarisierung und Spaltung der Gesellschaft“, sagte Patzelt unter Beifall der Diskussionsteilnehmer. Er beobachtet ein „Kampf- und Abwehrverhalten und Glaubwürdigkeitsprobleme der etablierten Medien gegenüber Kritik.“

Das Wort Verschwörungstheoretiker sei inzwischen zum „Schimpfwort, Kampfbegriff und Erkennungszeichen für Corona-Leugner ebenso wie Kritiker der derzeitigen Politik geworden“, sagte ein älterer Zuhörer und erinnerte an das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern.

„Es ist grundsätzlich richtig, Haltung zu zeigen gegen Gewalt“, sagte die Sängerin Julia Neigel. „Doch wenn man eine Haltung haben will, muss man erst mal wissen, um was es geht, fundiert und sachlich.“ Die Aufforderung auf FB an die Jazztage Dresden, den Vortrag mit Ganser abzusagen, sei aber keine Haltung. „Das ist öffentliche Erpressung!“ Ähnlich problematisch sieht sie das sogenannte „Framing“, dh. das Umdrehen von Begriffen und fälschlich jemand bezichtigen. „Das benutzen immer diejenigen, die keine Widerworte wollen“, so Julia Neigel. „Wir sollten dabei bleiben, offen unsere Meinung zu vertreten, sonst kommen wir in die Situation wie vor vielen Jahren in Deutschland.“ Zur Rolle der Medien sagt sie: „Der investigative Journalismus mit seinem Qualitätsanspruch wird auf ein Minimum heruntergefahren und gespart. Wenn die Medien nicht mehr finanziell und wirtschaftlich unabhängig arbeiten können, gibt es keinen Korrektiv mehr in der Gesellschaft.“

Daniele Ganser sieht sich verunglimpft als angeblicher „Verschwörungstheoretiker“ und „Neurechter“. Keiner habe vor seinem Vortrag mit ihm gesprochen, weder Journalisten noch Buchautoren. Er müsse als Historiker auch mit Rechtsextremen reden z.B. für sein Buch „Geheime Armeen in Deutschland“. Ein entsprechendes Gespräch wurde von Compact aufgezeichnet. Danach wurde Ganser mit dem Vorwurf der „Kontaktschuld“ konfrontiert. Michael Butter, ein Professor für amerikanische Literatur in Tübingen, der Ganser noch nie sah, bezeichnete den Historiker in Artikeln und einem Buch mehrmals als „Verschwörungstheoretiker“. „Die haben keine Dossier-Kenntnis und Tiefe über die Hintergründe“, sagt Ganser über seine Kritiker.

Auf die Frage Forsters, warum er sich nicht von rechten und rassistischen Kommentaren auf seiner FB-Seite distanziere oder solche Leute rausschmeiße aus seinen Vorträgen, sagte Ganser, seine Vorträge und Aussagen seien dokumentiert und für jeden auf Youtube einsehbar. Er wolle niemanden rausschmeißen, das sei unhöflich und die Leute haben sich ein Ticket gekauft. „Alle die in der Massenkommunikation tätig sind, haben dieses Phänomen. Ich finde diese Durchmischung verschiedener Meinungen gut und cool“, so Ganser.

Miteinander reden statt übereinander

„Es wird Ganser vorgeworfen, er spalte die Gesellschaft, dabei tut er genau das Gegenteil mit seinen Vorträgen“, so Jazztage-Intendant Kilian Forster. Im Januar diesen Jahres, noch vor Corona und dem Lockdown, hielt Daniele Ganser einen Vortrag vor rund 500 Zuhörern im Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen. Ein Fernsehteam von Ostsachsen TV zeichnete nun die Veranstaltung und Diskussion mit Ganser bei den Jazztagen Dresden auf.

Es gelang leider nicht, Kritiker seines Vortrages auf die Bühne zu bringen und es gab auch keine Sessionband mit Gegenstimmen an diesem Abend, bedauert Forster. „Wir hätten uns auch gern zusammen gestritten.“ Während es doch unterschiedliche Meinungen zur Corona-Thematik gebe in Bands, wodurch Proben mitunter schwierig seien, ebenso in der Öffentlichkeit bis in die Familien, dass sie sich nicht mehr verstehen und miteinander reden. Manche junge Musiker trauten sich auch nicht, öffentlich in der Corona-Debatte konträre Ansichten zu äußern, da sie Nachteile befürchten. Daher sollten wir alle überlegen, wie wir diese neue Spaltung überwinden, uns wieder verbinden, so Forster.

Drei Stunden dauerte die streitbare, sehr sachliche und nachdenkliche Gesprächsrunde. Zum Schluss gab es noch eine spontane Session der Forster-Brüder an Piano und Kontrabass, nebst einem Schlagzeuger und dem demnächst bei den Jazztagen auftretenden Saxofonisten Volker Schlott aus Berlin gemeinsam mit Julia Neigel. Sie sang mit warmer tiefer Stimme den Ohrwurm „What a wonderful World“ von Louis Armstrong. Ein schönes Zeichen das regenbogenfarbene Banner mit der Aufschrift Peace, das die Teilnehmer der Gesprächsrunde zusammen mit Daniele Ganser hielten.

Text + Fotos (lv)

Weitere Infos und Programm unter http://www.jazztage-dresden.de


Session & Gesprächsrunde mit Daniele Ganser bei den Jazztagen Dresden. Motto: „Miteinander, nicht übereinander reden.“

Lesung aus „Johnny Ohneland“ mit Judith Zander im Landhaus

Sprachwitziger Selbsterfahrungs-Trip

In der Reihe Lesungen/Literarische Alphabete stellt Judith Zander ihren neuen Roman „Johnny Ohneland“ und ihren Gedichtband „manual numerale“ am 27. Oktober, um 19.30 Uhr im Landhaus Dresden (Stadtmuseum, Städtische Galerie), Wilsdruffer Straße 2 vor.

Judith Zander liest aus ihrem neuen Roman „Johnny  Ohneland“ und ihrem Gedichtband  „manual numerale“. Joana Wolkenzin weiß früh, dass sie anders ist. Sie liest stundenlang und lernt Songtexte auswendig; später verliebt sie sich in Jungs und in Mädchen. Im vorpommerschen Niemandsland der Neunziger gibt sie sich einen neuen Namen: Johnny. Aber bringt ein neuer Name auch neues Glück? Als die Mutter über Nacht die Familie verlässt, kreisen Johnny, ihr Bruder Charlie und ihr Vater auf wackligen Bahnen um eine leere Mitte. Schließlich macht Johnny sich auf die Suche nach einem Leben und einer Erzählung, die ihren eigenen Vorstellungen entsprechen, in Deutschland, Finnland und Australien.

„Judith Zander erzählt diese Coming-of-Age-Geschichte auf eine ebenso witzige wie anrührende Art und mit großer Lust am Sprachspiel. Neben bildhaften Namen – „Ohneland“, Wolkenzin“ – gehören Lautmalerei und Kalauer ebenso zu ihrem Repertoire wie Zitate aus Pop- und Hochkultur. Auch der Name Johnny Ohneland ist ein Zitat: eine Anspielung an den britischen King John, den bösen Bruder von Richard Löwenherz, der den Beinamen „Lackland“ – „Ohneland“ – bekam. Kein Robin Hood-Film kommt ohne diesen Johann Ohneland aus, aber auch Shakespeare hat ihn verewigt.“

(Christel Wester, Deutschlandfunk)

Judith Zander wurde 1980 in Anklam geboren und lebt heute in Jüterbog. Für ihre Werke wurde sie vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem 3sat-Preis des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs und mit dem Uwe-Johnson-Förderpreis.

Text: Volker Sielaff

Literaturforum Dresden e.V. in Kooperation mit den Museen der Stadt Dresden.
Gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Landeshauptstadt Dresden und dem Amt für Kultur- und Denkmalschutz.
Anreise: Linien 1, 2, 3, 4, 7, 12, 62, 75 Pirnaischer Platz
Die Lesung ist barrierefrei zugänglich. 

Online-Salon „Auf Eierschalen gehen? Über politisch korrektes Schreiben in der Literatur“ des Literaturnetzwerks Wortwechsel

Zu Gast im literarischen Salon „Wortwechsel“ sind die Autorinnen
Volha Hapeyeva und Nele Pollatschek

Einladung zum Online-Salon der Reihe „Wortwechsel. Gespräche über Literatur und Politik“ & Diskussion mit den Zuschauern am Bildschirm am 28.10.2020 von 19.30 bis 21.15 Uhr.

“Politische Korrektheit” beinhaltet moralische Vorstellungen, die von manchen als Einengung, von anderen als Leitplanken respektvollen Umgangs verstanden werden. Der literarische Salon „Wortwechsel“ am 28.10.20 fragt von 19.30 Uhr bis 21.15 Uhr nach dem Einfluss der aktuellen Debatten über “politische Korrektheit” auf das künstlerische Schaffen von Schriftsteller*innen. Die Autorinnen Volha Hapeyeva und Nele Pollatschek diskutieren mit den Teilnehmer*innen des Online-Salons über heikle Fragen des Anstands in der Literatur, moderiert von Cornelius Pollmer (Schriftsteller und Journalist).

Wer mitdiskutieren möchte, kann sich bis 26.10.2020 unter kontakt@kaestnerhaus-dresden.de anmelden und erhält einen Link zur Veranstaltung, die über den Videokonferenz-Dienst ZOOM stattfinden wird. Benötigt wird ein internetfähiges Gerät (PC, Laptop, Handy, Tablet) mit Kamera und Mikrofon. Der Einlass und der technische Support finden von 19.15 – 19.30 Uhr statt. Wer einfach nur zuschauen möchte, kann den Livestream bei Facebook verfolgen, der über die Seite des Dresdner Literaturner e.V. geteilt wird.

Über die Autorinnen

Volha Hapeyeva, geboren 1982 in Minsk, ist Autorin, Übersetzerin und Linguistin und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Ihre Werke wurden in mehr als zehn Sprachen übersetzt. Ihre linguistische Forschung beinhaltet die Philosophie der Sprache, Körpersoziologie und Geschlechterfragen in Sprache und Kultur.

Nele Pollatschek wurde 1988 in Berlin geboren und studierte Englische Literatur und Philosophie in Heidelberg, Cambridge und Oxford. Für ihren Debütroman “Das Unglück anderer Leute” erhielt sie den Friedrich-Hölderlin-Förderpreis.

Dieser Online-Salon ist eine Veranstaltung des Literaturnetzwerks Wortwechsel und wird durch die Kooperation mit dem Verein Dresdner Literaturner e.V.  sowie dem Erich Kästner Haus für Literatur ermöglicht. Für die Projektförderung danken wir der Landeshauptstadt Dresden.

Die Veranstalter freuen sich, Euch am 28.10. bei ZOOM zu begrüßen und mit Euch zu diskutieren. Gern auch zum Weiterempfehlen.
In Vertretung des Literaturnetzwerks Wortwechsel:
Michael Bartsch, Beate Baum, Willi Hetze, Jayne-Ann Igel, Torsten König, Andrea O’Brien,  Petra Schweizer-Strobel, Hans-Haiko Seifert, Ju Sobing, Justus Ulbricht, Noëlle Waibel

Das Erich Kästner Haus für Literatur e.V.
Villa Augustin
Antonstraße 1
01097 Dresden
Tel 0351 / 8045087

kontakt@kaestnerhaus-literatur.de
www.kaestnerhaus-literatur.de

Neu: mit #kaestnerathome gibt es jetzt auch #kaestnerimnetz: Literatur in all ihren vielfältigen Facetten online jederzeit abrufbar – zum Auftanken & Mitmachen in Lesungen, Gesprächen, Interviews und Museumsschätzen auf @kaestnerhaus und @Erich.Kaestner.Museum.

Auch das MuMo ist nun virtuell unterwegs – hereinspaziert & mitgekästnert! Hier geht’s zum Fahrplan und allen Beiträgen: @KaestnerMuMo

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Lesung aus dem neuen Gedichtband „Wildniß“ von Daniela Danz im Landhaus Dresden

Verse voll wilder Experimentierlust

In der Reihe Literarische Alphabete des Literaturforum Dresden e.V. liest Daniela Danz (Kranichfeld) aus „Wildniß“ am 20. Oktober, um 19.30 Uhr im Landhaus Dresden (Stadtmuseum,  Städtische Galerie), Wilsdruffer Straße 2.

Daniela Danz zählt seit langem zu den wichtigsten Lyrikerinnen dieses Landes. Ihr neuer Gedichtband ist ein Ereignis. Der Titel „Widniß“ in dieser Schreibweise ist eine Anspielung auf Hölderlin. Streng formbewusst und voll wilder Experimentierlust sind ihre Verse, sie greifen weit aus in die Landschaft, in die Welt, in die Geschichte, und doch führen sie immer auch in enge Räume zurück, in das Haus, die Wohnung, das innerste Fühlen. Oder vielleicht gehen sie eher davon aus? Als eine Sehnsucht? Ins Offene? Wenn zeitgenössische Lyrik eine Dringlichkeit hat, dann in den Versen von Daniela Danz.

Literaturforum Dresden e.V. in Kooperation mit den Museen der Stadt Dresden.
Gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Landeshauptstadt Dresden und dem Amt für Kultur- und Denkmalschutz.
Anreise: Linien 1, 2, 3, 4, 7, 12, 62, 75 Pirnaischer Platz
Die Lesung ist barrierefrei zugänglich.

Text: Volker SIelaff

Eröffnung der 20. Jazztage Dresden & Überblick über Konzert Highligths


Die Klazzbrothers spielen zum Auftakt der Dresdner Jazztage und das Abschluss- und Jubiläumskonzert des Festivals am 23. November, um 20 Uhr in den Ostra-Studios.


Die Sängerin Julia Neigel & Band ist mit ihrem neuem Album „Ehrensache“ am 24. Oktober, um 20 Uhr im Ostra-Dome zu erleben.


Luca Stricagnoli, einer der besten Akustikgitarristen aus Italien spielt am 5. November, um 19.30 Uhr in den Ostra-Studios.


Tom Gaebel & His Orchestra zelebrieren 15 Years of Singing & Swinging am 22. Oktober, um 20 Uhr im Ostra-Dome.


Dirty Loop geben ihr einziges Deutschland-Konzert mit furiosem Fusion Pop am 13. November, um 20 Uhr im Ostra-Dome. Fotos/PR: Jazztage Dresden

Maske im Gesicht, Jazz im Blut

Die Jazztage Dresden eröffnen am Mittwoch mit Kurzkonzerten das Festival in der QF-Passage an der Frauenkirche.

In normalen Jahren zelebrieren die3 Jazztage Dresden ihre alljährliche Eröffnung mit zahlreichen, eng gedrängten Gästen, die verschiedenen Künstlern des Festivals in der QF-Passage an der Frauenkirche lauschen. Für den Auftakt im Corona-Jahr mussten sich die Veranstalter ein neues Konzept überlegen, das den Zuhörern genauso viel Lust auf die immerhin schon 20. Ausgabe der Jazztage Dresden macht. Das Festival findet in diesem Jahr vom 21. Oktober bis 23. November statt. Eingeladen sind Neugierige bei freiem Eintritt und unter Einhaltung der allgemeinen Gesundheitsmaßnahmen zur großen Eröffnung diesen Mittwoch, 21. Oktober, ab 16 Uhr in das QF-Quartier an der Frauenkirche.

Mit einem etwas kleineren und dennoch nicht weniger beschwingten Festakt eröffnen die Jazztage Dresden ihre diesjährige Ausgabe. Gemeinsam mit ihren Partnern, der QF-Passage, Dresden-Information und der Sächsischen Zeitung, bieten sie einen musikalischen Nachmittag inmitten des Dresdner Zentrums. Bis 19 Uhr stehen einige Kurzkonzerte sowie moderierte Gespräche auf dem Programm. Anstatt auf mehreren Ebenen und in einzelnen Geschäften der Einkaufsmeile finden die Veranstaltungen in diesem Jahr allesamt auf der Bühne im Untergeschoss der QF-Passage statt. Das Team der Jazztage Dresden bietet währenddessen die Möglichkeit des lockeren Austausches vor Ort. Angekündigt haben sich bereits die Klazzbrothers, Ive Kanew & Friends sowie die Forster Family. Als „Special guest“ wird in diesem Jahr Entertainer Tom Gaebel mit seiner Stimmgewalt das Publikum fesseln. Parallel zum Bühnenprogramm zeigt der Festival-Fotograf Hans-Joachim Maquet seine Bilderausstellung in der Passage.

Damit das strahlende Lächeln der Zuschauer auch für die Musiker deutlich sichtbar ist, bieten die Jazztage Dresden erstmals hauseigene „Smile@Jazztage“-Transparentmasken an. Außerdem gibt es während der dreistündigen Festivaleröffnung im Shop der Dresden-Information 50% Ermäßigung auf Konzerttickets des Festivals, außer auf Restkarten. Bei der Veranstaltung gelten die allgemeinen Regeln der Corona-Schutz-Verordnung. Das Tragen einer Mund-Nasen-Maske ist verpflichtend, außer bei Einnahme von Getränken unter Wahrung des Mindestabstands.

Tickets für alle Konzerte der Jazztage Dresden gibt es an allen Dresdner und deutschlandweiten ReserviX-Vorverkaufsstellen. Ebenso steht die ReserviX-Hotline unter 01806 700733 (0,20 Euro aus dem Festnetz, mobil 0,60 Euro) zur Verfügung.

Text: meeco Communication Services GmbH

Weitere Informationen: www.jazztage-dresden.de

Kunst aus Tschechien in der Galerie Rainar Götz


Anästhesist, Kunst- und Weinliebhaber und Galerist Rainar Götz weiß ästhetische Genüsse zu schätzen. Zurzeit stellt er Arbeiten von Markéta Safáriková, darunter auch unikate Kleider mit bedruckten Motiven von ihr in den Räumen auf der Westendstraße 16 in Dresden-Plauen aus. Fotos: Susanna Lotte Henken

Faszinierende Fotomalerei voller Verwandlung

Bilder zwischen Traum und Realität zeigt die Künstlerin Markéta Safáriková zurzeit im Rahmen der Tschechisch-Deutschen Kulturtage in der Galerie Rainar Götz in Dresden-Plauen. Die Ausstellung ist noch bis 12. November zu sehen.

Bunte Herbstblätter wirbeln auf grauer, fast menschenleerer Leinwand. Ein intensivrotes Stillleben mit Äpfeln. Drei schwarze, knorrige Bäume stehen geheimnisvoll beisammen wie „Schicksalsgöttinnen“. Faszinierend verwandelt,
in starken Farbkontrasten zwischen Traum und Realität schwebend,Grenzen auslotend, geht es auf die Suche nach dem “Gleichgewichtszustand“. So heißt die Ausstellung mit Malerei auf Fotografie von Markéta Safáriková, zu sehen im Rahmen der Tschechisch-Deutschen Kulturtage in der Galerie Rainar Götz auf der Westendstraße 16 in Dresden-Plauen.

Zwei Wochen lang locken außerdem Konzerte und Lesungen an vielen Orten in der Stadt noch bis 18. Oktober. Gerade stand der selbstständige Narkosearzt noch im OP-Saal einer Klinik, drei Stunden später eröffnete der Anästhesist und Galerist Rainar Götz (62) die Ausstellung der aus Prag stammenden Künstlerin. Mit ihren Arbeiten öffnete zugleich die erste und älteste Galerie in der Südvorstadt wieder ihre Türen als
Kunst- und Begegnungsort. Im Mai 2006 begann Götz neben seiner Anästhesiepraxis mit seiner Galerie im Souterrain des von ihm sanierten Hauses. Er zeigt zeitgenössische Werke internationaler Künstler unter dem Motto: „Ausland in Dresden“.

Seit 2009 stellten bereits Künstler aus Argentinien, Chile, Russland, England, Iran und Italien in der Galerie Rainar Götz aus. Einerseits, weil er selbst weiß, was es heißt angenommen und willkommen zu sein in der Fremde. Er hat eine Zeitlang in Italien und der Schweiz gelebt. “Die Ausstellungen sind ein Angebot, Kultur aus anderen Ländern als Bereicherung zu sehen, nicht nur den Elbe-Barock, schließlich erweitert dies den Blick des Verständnisses für die Welt“, sagt Rainar Götz. In diese Galerietradition passt nahtlos die Ausstellung mit Kunst aus Tschechien. „Ein Land, das aktuell aufhorchen lässt in der Corona-Krise und auch mit den sensiblen Arbeiten und der beeindruckenden Technik der Fotomalerei“, so Götz.

Markéta Safáriková lernte er durch seine jetzige Galeriemitarbeiterin Susanna Lotte Henken kennen, ebenfalls Tschechin, bei einer Lesung mit der bekannten Schriftstellerin Radka Denemarková im letzten Jahr in Dresden. Die Ausstellung mit rund 120 Bildern erstreckt sich über zwei Etagen. Sie hängen im hinzugekommenen medizinischen Schönheitsatelier „Curabella“ und in der neuen Weingalerie mit edlen Tropfen aus Portugal, Spanien und Österreich und demnächst auch Elsässer und Schweizer Käse.

„Vom Galerismus satt werden kann ich nicht, aber ohne ihn würde ich verhungern“, sagt Rainar Götz über seine Kunstleidenschaft. Im Titelbild der Ausstellung sind helle und dunkle Farbflächen wie Traumgespinste verwoben. Die Farbe überdeckt oft Teile der Landschaft und Gesichter, mal wie ein Hauch, mal gitterartig und wie mit einer Schutzhülle versehen. Markéta Safáriková malt gegen das Dunkle an. Das Pierrot-Motiv des traurigen Clowns ist auch auf Kleidung gedruckt.

Insekten schwirren in zart farbigen Aquarellen im Weinregal und wundersame, skurrile Wesen wie Scherenkäfer und „Keimlinge“ blinzeln aus vielfarbigen kleinen Zeichnungen den Betrachter an. Außerdem gibt es ein Galeriedinner für Kunstliebhaber am 28.10., um 18 Uhr (Voranmeldung erforderlich. Mehr dazu unter www.galerierainargoetz.de ) Dann kocht Rainar Götz ein Vier-Gänge-Menü für maximal 16 Personen. Die Finissage (mit Kunstauktion) der Ausstellung von Markéta Safáriková findet am 12. November ab 18 Uhr statt.

Text (lv)

http://www.galerierainargoetz.de


Galeriedinner & edle Tropfen. Dabei kocht Rainar Götz ein Vier-Gänge-Menü für Besucher in seiner Kunst- und Weingalerie. Das nächste findet am 28.10., um 18 Uhr statt. Voranmeldung erforderlich über die Galerie Götz.

Buchpremiere: „Alte Karten von Flandern“ von Patrick Wilden in der Buchhandlung LeseZeichen

Eine Reise entlang unsichtbarer Grenzen

Zur Lesung mit Patrick Wilden aus seinem Gedichtband „Alte Karten von Flandern“ lädt die Buchhandlung LeseZeichen heute, am 15. Oktober, um 20 Uhr in die Priessnitzstr. 56 ein. Moderation und Gespräch: Jayne-Ann Igel.

Im Dunkeln leuchtende Wörter, die Verheißungen alter Bücher und Landkarten, die letzten Geheimnisse einer von Google Maps kartierten Welt – all das findet in Patrick Wildens Debüt ganz selbstverständlich zusammen. Er nimmt uns mit auf Reisen entlang unsichtbarer Grenzen, spürt Verwandtschaften und vergessenen Bezeichnungen nach. Doch es ist Vorsicht geboten: Die Zuverlässigkeit der „Alten Karten von Flandern“ ist äußerst fragwürdig. Sie spielen mit unserer räumlichen Vorstellung, verbinden die entlegensten Gegenden miteinander oder verschweigen deren Existenz. Diese Gedichte durchstoßen die Oberfläche unserer Gegenwart.

Patrick Wilden, geboren 1973 in Paderborn, aufgewachsen in der Region Kassel. Nach einem Studium in Tübingen und einem Verlagsvolontariat in Stuttgart arbeitete er viele Jahre in einem Antiquariat in Dresden und ist dort heute für eine Bibliothek und ein Archiv sowie als Redakteur der Literaturzeitschrift Ostragehege tätig.Er erhielt im Jahr 2000 den Würth-Literatur-Preis und 2019 das Raniser Debüt Stipendium. Der Gedichtband „Alte Karten von Flandern“ erschien im Jahr 2019.

Die Teilnehmerzahl ist auf 15 Personen begrenzt.
Bitte um Anmeldung unter 0351-803 39 14 oder info@buchlesen.de

Eintritt frei.

Text: Jörg Scholz-Nollau

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Buchhandlung LeseZeichen
Priessnitzstrasse 56
01099 Dresden

Inh.: Jörg Scholz-Nollau

Tel. 0351-8033914
Fax 0351-8033915
www.buchlesen.de
info@buchlesen.de