Neue Lyrik: Sonnenflecken

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Sonnenflecken
(Für Vincent van Gogh)

Der Himmel tagelang grau
verhangen wie eine verwaschene Leinwand
bricht die Sonne wieder hervor
noch einmal loderndes Blätterfeuer in allen Farben
über alles erhaben

das Licht flirrt umher
wirft sprenkelnde Schatten
hebt empor webt hinein
verweht was vergeht
mit sacht lösender Geste

sehe die Lichtflecken und denke
an die Sonnenblumen das berühmte Gemälde
in einer Galerie in London
wie für die Ewigkeit gemalt sehen sie aus
doch nichts scheint mehr sicher heute

sehe den Anschlag auf das Kunstwerk
in einer Videoaufnahme im Netz
drehe immer wieder zurück zu der Stelle
wo zwei Umweltaktivistinnen mit gefärbten Haaren
mit Tomatensuppe aus der Dose die Sonnenblumen besudeln

was würde Vincent dazu sagen
vergib ihnen denn sie wissen nicht was sie tun
seine Bilder atmen Natur Leben Licht pur
mit jedem Pinselstrich lehren sie uns
sie zu sehen er liebte und malte seine Umwelt zeitlebens

sie vergreifen sich an wehrlosen Bildern
wollen die Welt retten und zerstören das Schöne
und Wertvolle in ihr
in blinder Wut und Fanatismus
gießen noch Öl ins Feuer

was kann ein Gemälde
für menschliche Dummheit und Unvernunft
es wird die Zeiten überdauern
mit der Strahlkraft seiner Farben als Spiegelbild der Natur
nie vergehen

wenn ihr die Natur schützen wollt
legt euch auf die Erde ehrt sie
pflanzt Sonnenblumen und Bäume
auch wenn das weniger aufsehenerregend ist
statt eure Hände an Wänden und auf Autobahnen
festzukleben

Lilli Vostry
20.10.2022

Fotos (lv)
P.S.: Die Bilder stammen aus der van Gogh-Ausstellung in der Zeitenströmung in Dresden Anfang 2022.

SchreibLust

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Zwischenbilanz meines Lebens

Schreiblust

Die Welt der Worte hat mich immer fasziniert. Als Kind sah ich bei meiner Oma Bücher in altdeutscher, schnörkeliger Schrift, die einen eigenen Zauber besaßen.
Wie eine Geheimsprache. Mich reizte, die Worte zu entziffern, auch wenn ich den Inhalt nicht verstand oder er mich langweilte. Ich wollte einfach wissen, was da steht. So weit ich denken kann, waren immer Bücher in meiner Nähe. Ich habe als Kind viel Zeit mit ihnen verbracht, weil ich viel allein war. Bergeweise holte ich sie aus der Bücherei der Kleinstadt. Märchen aus aller Welt, am liebsten von Andersen, außerdem die reichhaltige griechische Mythologie mit ihren vielen Göttern, Helden, Tragödien, Ober- und Unterwelt, Hades und Olymp. All die fremden, klangvollen Namen und zauberhaften, wandlungsreichen Geschichten las und kannte ich auswendig und zehre von diesem Wissen bis heute.

Bald kam zum Lesen das Schreiben hinzu. All die Gedanken, Eindrücke und Einfälle wollten festgehalten werden. Beim Schreiben höre ich mir selbst zu. Es ist wie ein Schüssel zu mir selbst. Ich schließe mich und andere auf. Betrete meine eigene und die Gedanken- und Gefühlswelt anderer. Sehe mich darin um, verweile, lausche, halte Zwiesprache. Das kann innig, zärtlich oder auch rau, heftig, ungeduldig, leise und laut, lustvoll, lakonisch, traurig, komisch und ironisch, verborgen in Metaphern oder klar und konkret geschehen. All das bin ich, die Worte sind mein Spiegel, Ausdruck meines Denkens und Fühlens und Selbstvergewisserung. Indem ich sie niederschreibe, teile ich sie, vertraue mich mit ihnen anderen an. Werde sichtbar mit meinem Sein, auch mein Inneres. Worte können wärmen, schützen, halten, befreien, aber auch herzlos sein, bloßstellen, verletzen.

Bücher und Schreiben sind für mich Schätze, die mich mein ganzes Leben begleiten. Soviel wie als Kind lese ich heute nicht mehr. Es bleibt nie Zeit für alles. Doch ich habe das Schreiben zu meinem Beruf gemacht. Bin aus der Enge der Kleinstadt in die große, weite Welt gegangen, um mir meinen Herzenswunsch zu erfüllen. Im Westen war ich das erste Mal 1990 zur Aufnahmeprüfung an der Deutschen Journalistenschule in München. Da wurden die Texte noch in klappernde mechanische Schreibmaschinen geschrieben. Alle zusammen in einem Raum. Das Geräusch höre ich heute noch. Die Reportagen von damals habe ich leider nicht mehr. Ich weiß aber noch, dass ich über zwei Museumswärter im Deutschen Museum und der Pinakothek in München schrieb und beeindruckt von den Sammlungen war. Ansonsten kam ich mir winzig vor in dieser neuen, fremden Welt. Die überbordende Warenfülle und der kalte Glanz der Einkaufspaläste, die hastenden Damen in Pelzmänteln mit ihren vielen Einkaufstüten, Reisende aus aller Welt und arme, umherirrende Menschen, Bettler und Straßenkünstler waren tägliche Kontraste. Ich hatte immer Angst, verloren zu gehen, unterzugehen. Mich nicht zurechtzufinden. Nicht bestehen zu können in solch einer schönen, wohlhabenden und widersprüchlichen Stadt. In der Journalistenklasse in München waren nur zwei Frauen aus Ostdeutschland. Ich war eine davon. Die erste Frage war: War im Osten wirklich alles so grau?! Es gab Neugier, Offenheit, aber auch Vorurteile und Unsicherheit auf beiden Seiten.

Ein  Leben im Westen für länger konnte ich mir nie vorstellen. Meine Heimatverbundenheit war immer groß. Ich würde nie meine Heimat verlassen,  egal was kommt. Man kann woanders hingehen, doch seiner Vergangenheit, dem was man mitbringt, sich selbst, kann man nicht entkommen, die nimmt man überallhin mit. Man kann sich jedoch wandeln, den Blick auf das eigene Leben mit den Erfahrungen und in anderem Umfeld immer wieder erneuern, sich selbst immer wieder neu und anders erfahren auch im Spiegel anderer Menschen. Den eigenen Horizont erweitern, die Außen- und Innenwelt immer mehr in Einklang bringen. Durch Schreiben erlebe ich die Welt bewusster, lebe intensiver.

Ein Leben ohne Schreiben kann ich mir nicht vorstellen. Vieles wird durch Aufschreiben erst greifbar, erkennbar für mich. Alles was Leben ausmacht. Jeden Tag neu. Sehen, entdecken, finden, sich schreibend immer wieder allem nähern, was einem begegnet, was gesehen und ergründet werden will. Anregungen zum Schreiben finden sich überall. Beispielsweise die Schriftzüge auf Schaufenstern von Läden, Schildern und Speisekarten von Cafés ebenso wie Sehenswürdigkeiten und Gedenkorte einer Stadt. „Geschichte macht Gesichte“ steht auf einer alten Hauswand. Ein Reimesprecher bietet Unterhaltung an, die aus dem Rahmen fällt. Wenn das Leben dir einen Korb gibt… Was dann. Dann nimm ihn und geh Blumen pflücken, schrieb eine der Frauen aus dem Gedicht-Workshop nach dem Stadtspaziergang. Sich einen eigenen Reim auf die Welt machen, Erlebtes und Erfahrenes zusammenbringen nach eigenem Sprachduktus und Empfinden.

Das rein intuitive Schreiben einmal unterbrechen, sich dem Formzwang oder besser Formwillen aussetzen, um gewohnte, festgefahrene Denkmuster aufzubrechen, offen zu sein und durch die Einschränkungen die Fantasie im Worte (er)finden, hin zu neuer Freiheit der Gedanken, Ideen und Ausdrucksformen noch mehr anzuregen und zu stärken. Das war, reizvoll, spannend und es waren einige Widerstände zu überwinden. Eine ganz neue Erfahrung, andere Herangehensweisen, Zugänge und Formen zum Schreiben kennenzulernen und zu erproben, war dieser Gedicht-Workshop im Rahmen eines Schreib-Festivals, das für alle offen war. Es war das erste Mal, dass ich in einer Gruppe mit anderen Leuten etwas schrieb, ich hatte große Scheu davor, dass ich es dann nicht schaffe, nach innen zu gehen oder mir nichts einfällt, andere schneller fertig und besser sind und mit meinen Texten nichts anfangen können. Doch es ging erstaunlich gut und zum Schluss hatten wir eine wunderbare, gut besuchte Lesung mit den im Gedicht-Workshop entstandenen Gedichten. Ich bin gerade auch in einer intensiven Schreibphase, erkunde neue Erzählgenres und die Worte fließen stetig. Ich spiele auch gern mit Worten, ihrem Sinn, drehe sie hin und her, stelle sie um. Doch nicht nach einem bestimmten Schema oder Ordnungsprinzip, sondern wie es sich aus dem Moment und meinem Befinden ergibt.

Ich sehe meine Gedichte auch als Momentaufnahmen, die in dem Moment so aus mir heraus geschrieben werden wollten und damit einen Sinn und Aussagekraft haben. Jede Änderung ist schon wieder ein neuer Moment, der die Aussage und das Gedicht verändert. Ein Bild wird nicht besser, wenn man es hundert Mal übermalt. Es kommt auf den Kern an, dass der erkennbar und plausibel ist, etwas anstößt beim Lesen. Neugier weckt und zum Weiterdenken, die eigene Fantasie und Tun des Lesenden anregt. Wenn ich das erreiche, bin ich glücklich.
Lilli Vostry
23.9.2022

(Dieser Text entstand zum Abschluss meines Fernstudiums Literarisches Schreiben an der Cornelia Goethe Akademie in Offembacb/Main, das zwei Jahre dauerte mit abschließendem Schriftstellerdiplom im Herbst 2022.)

Fotos (lv)

Worte die beflügeln…

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Text-Atelier Lilli Vostry

Worte geben Träumen Wurzeln um von ihnen zu erzählen.
(Lilli Vostry)

In allen Farben des Lebens geschrieben und gesprochen, abwechslungsreich, mit unverwechselbarer Feder

finde ich für Sie/Euch in vielfältiger Form:

. Texte für Leute mit Ideen, über Projekte und Veranstaltungen
. KünstlerPorträts
. Texte für Kataloge, Werbeflyer und -broschüren, für Websites und Firmenzeitschriften
. Presse- und PR-Texte
. Texte und Reden für Galerien und Künstler, für persönliche Jubiläen, Feste und
Firmenfeiern
. Ghostwriting/Lebensgeschichten festhalten
. Eigene Kurzprosa und Poesie für verschiedene Anlässe
. Schreibwerkstätten für Kinder, Senioren und andere Interessierte

Preise (auf Anfrage)

P.S.: Aktuell suche ich einen Raum in Dresden oder Umgebung für Schreibwerkstätten, der auch als Café & Kunst-Kiosk mit kreativen Angeboten nutzbar ist. Möglichst mit Schaufenster/Ausschank-Möglichkeit/Schiebefenster etc. Gern auch ein kleines Gartenhaus.

Kontakt: Lilli Vostry, Tel.: 0177 – 524 88 48
e-mail: lilli-vostry-journalistin@gmx.de oder lilli.vostry@web.de

Freie Journalistin . Autorin . Poetin . Wortschmiedin . Redekünstlerin

Gedicht-Zyklus „Am Fluss“ anlässlich 20. Jahrestag der Jahrhundertflut in Sachsen

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Vom Leben am Fluss: Auf der Suche nach Hochwasser-Bildern von 2002 und 2013, die ich selbst in Dresden miterlebte, fand ich diese Aufnahmen von einer Open Air-Inszenierung an der Elbe. Ist es Undine, die aus dem Wasser steigt und von einem Leben in Liebe und Harmonie mit einem Menschen träumt? Fotos (lv)

Am Fluss

Blaue Inseln
kreiseln im Wolkenmeer
auf und ab tauchende Schwalben

über allen Wassern
führt mein Weg
zu Dir

der Fluss verschiebt
die Grenzen
hinter den Sandsackwällen

findet alles
Zeit

L.V.
4.6.2013

Überfließen

II
Der Fluss steigt
an Land
fließt über
vor Glück

breitet sein nasses Kleid
auf der Wiese zum Trocknen
mitten im Entengeschnatter
aufgeschreckter Menschen

schaukeln Stämme mit Raben
im Wasser
auf den Bänken im Fluss
sitzt keiner

Laternen und Verkehrsschilder
nur noch Zier
bis der Fluss ermattet
zurückkehrt in sein
Bett

L.V.
4.6.2013

Nach dem Regen

III
Los lassen
wir hinter uns

den grauen Glanz
der Regentage

zurückgeworfen
ins Licht

federleichte Laken
am Himmel

verwehen im
nächsten Moment

Lassen wir uns nicht mehr
zurück im rinnenden
Rauschen

L.V.
5.6.2013

Begegnung

IV
Wir stehen am Fluss
versperrt der Weg
am Ufer

Sehen uns an
kein Blick ertrinkt
im andern
segeln umeinander

Jeder auf seiner Insel
gehst du weiter
fließen wir uns
entgegen

L.V.
5.6.2013

Gebändigt

V
Unter mir
der tosende Strom
aufgewühlt
unterm Brückenbogen

aufgebrochen
zu anderen Ufern
bricht sich Bahn
in der Erinnerung

gebändigt
besänftigt
im Nachhall
verebbter Glut

L.V.
9.6.2013

Flussmelodie

VI
Mit dem uferlichten Tag
fängt der Flug der Schwalben

mein Sehnen nicht auf

flüstert der Fluss
sein Lied
trocknet ein Klavier
tonlos am Straßenrand

L.V.
17.6.2013

Wolkenmeer

VII
Auf blau strahlendem Parkett
drehen sich die Wolkentänzer
schließen Wetten ab
mit dem Fluss

wie nah sie noch
heranrücken können
mit vollen Segeln
im Baurausch

Goldgräber am noch schlamm
verklebten Ufer hängen
Lamettagrasbüschel
Mülltütenfetzen in den Bäumen
am Wasser ein verlorener Regenschirm

ein staubiges Sofa mit
Blick auf den glänzenden Wasserspiegel
sonst alles wie immer
in der Abenddämmerung versinkt
die goldene Kugel im Strom

L.V.
18.6.2013

Steinwüste

VIII – Fortsetzung des Gedicht-Zyklus „Am Fluss“ *

Von allen verlassen überdauerten
sie noch das alte Jahr
nun reißt ein gefräßiger Greifarm
die letzten Reste
der alten Speicherhallen am Hafen
aus dunklen Dämmerträumen
erbarmt sich ihrer die seit hundert Jahren
dort standen nicht einfallen wollten

die ihnen neues Leben einverleiben wollten
standen allein
letzten Sommer flatterten noch grünweiße Jalousien
vor einem der Fenster nebenan am City Beach
wurde nächtelang gefeiert
nun starren Fensterrahmen ins Leere
in den Dachnischen der Hallen brüten keine Vögel mehr
der Greifarm gräbt tief ins Innere
zurück bleibt eine Steinwüste
bizarr aufgerichtete Innereien
der Geruch von Holzgebälk Staub und Ziegelsteinen

mittendrin ein mächtiger alter Baum
mit schwarzem Geäst sieht alles mit an
wird er bleiben im Baugewirr graublaue Wasserlachen
ausgerissene Grünsprösslinge winden sich aus Schuttbergen
empor dazwischen ein Stück himmelblauer Zaunsrest
der Bücherscheune hebe es auf mit ein paar Steinen

eine weiß blättrige Gestalt Göttin des Zerfalls
oder Zufalls des nie ganz vertreibbaren Schönen
erhebt sich von einem gelben Steinsrest der früheren Speicher
aus den Trümmern schauen zwei metallene Wächter
wiegen ihre rostigen Baggerschaufelköpfe

L.V.
16.1.2019

* Die Texte I – VII entstanden während des zweiten großen Hochwassers an der Elbe in Dresden im Juni 2013, das erste war im August 2002 und ich wurde aus meiner damaligen Wohnung in der Leipziger Straße ca. 14 Tage evakuiert.
Text VII entstand am 16.1.2019, abends, nach dem Abriss der letzten Speicherhalle in Elbnähe, an der Leipziger Straße. An Stelle der alten Hallen wird das Großbauprojekt Hafencity (Investor USD – Unser Schönes Dresden) mit mehrstöckigen Wohn- und Geschäftshäusern vorbereitet. Die ersten Neubauten stehen schon. Fragen des Hochwasserschutzes im Überschwemmungsgebiet der Elbe sind bis heute nicht ausreichend geklärt. (lv)

Wort & KlangZauber: Gedicht-Lesung „Vom Zauber endloser Anfänge“ mit Lilli Vostry & Musiker Gabriel Jagieniak im Melli Beese-Haus in Laubegast

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Herzlich willkommen zu meiner nächsten Gedicht-Lesung „Vom Zauber endloser Anfänge“ im Melli Beese-Haus, im Atelier von Eckhard Kempin, Österreicher Straße 84 in Dresden-Laubegast. Ein wunderschöner Leseort mit zauberhaftem Garten.

Natur, Kunst, Musik & Poesie in zauberhafter Umgebung

Zu erleben bei der Gedicht-Lesung „Vom Zauber endloser Anfänge“ mit Lilli Vostry, freie Autorin und Musiker Gabriel Jagieniak mit Akkordeon und Stimme am 23. Juni, 19.30 Uhr im Melli Beese-Haus, im Atelier von Eckhard Kempin, Österreicher Straße 84 (gegenüber der Schiffswerft) in Dresden-Laubegast.

Der Zauber endloser Anfänge geht weiter. Diesmal sind wir mit unserer Gedicht-Lesung mit Musik in einem Haus mit besonders bewegender Geschichte zu Gast. Im Melli Beese-Haus, dem Geburtshaus der ersten deutschen Motorfliegerin, in Dresden-Laubegast. Eine Gedenktafel mit ihrem Bildnis an der Gartenmauer am Eingang erinnert an die berühmte Bewohnerin. Umgeben ist das Haus von einem wundervollen, urwüchsigen Garten mit hohen alten Bäumen, blühenden Sträuchern, Blumen und seltenen Pflanzen. Ein beflügelnder Ort wie geschaffen für Kunst, Musik und Poesie, begleitet von Vogelgezwitscher. Das von seinen neuen Besitzern liebevoll, detailgetreu sanierte, denkmalgeschützte Haus lädt ein zum Träumen, Innehalten und Verweilen. Die Besitzer öffnen die Türen gern für Besucher zu kulturellen Anlässen wie Ausstellungen, Lesungen und Musikabenden. Diese finden statt im Atelier- und Ausstellungsraum des Künstlers Eckhard Kempin, der hier seit der Sanierung des Gebäudes wohnt. Durch ihn wurde ich auf diesen besonderen Ort und seinen zauberhaften, naturnah belassenen Garten aufmerksam.

Um so größer die Freude, nun hier meine Gedichte, begleitet von Musiker Gabriel Jagieniak mit Akkordeon und Stimme, wieder lesen zu können. Zu hören sind ältere und neue Texte, darunter aus den bereits vier veröffentlichten GedichtBilderKalendern, die zwischen 2010 und 2022 entstanden.

Meine Wortgebilde sehe ich wie Wolken, die beständig ihre Form ändern,
in offener Weite die Fantasie anregen und in denen man immer etwas Neues entdecken kann. Die mal unbeschwert, mal bewölkt, von den Wandlungen im Leben, von Licht und Schatten, dem Zauber des Augenblicks und Neuanfangs erzählen.

Gabriel Jagieniak (soundcloud.com/gabriel-jagieniak) bewegt mit seinem virtuosen Akkordeonspiel, mit und ohne Gesang und eigenen Kompositionen, auf humorvolle Weise frei vorgetragen, immer wieder das Publikum.

Kommt, schaut, lauscht und genießt.

Wir freuen uns auf Euer Kommen!

Herzliche Grüße
Lilli Vostry und Gabriel Jagieniak

Hier vorab eines meiner neuen Gedichte zur Einstimmung auf die Lesung im Melli-Beese-Haus:

Nahe bei Dir

Ich saß in einem Garten
ganz in deiner Nähe
und dachte wie es wäre
wenn wir uns noch einmal
alles erzählen
wie es begann
dein und mein Leben
wir uns aus den Augen verloren
doch nicht aus dem Sinn

ein Wasserstrahl flüstert
in einem Brunnen
sitzt du manchmal
auf einer der Bänke
beschirmt von hohen Bäumen
verblüht schon die  Rhododendron
die Blumen aus Kindertagen

locken vor mir weiße Blütensterne
der Duft von Holunder in der Luft
greife nach den hoch hängenden
Blütendolden
und vergesse einen Moment
die unsichtbare Grenze
zwischen uns

LV
2.6.2022

Text + Fotos (lv)

Neue Lyrik: Gedicht für Mutter Erde

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Gedicht  für Mutter Erde

Ich bin eine Frau
trag ein Kleid
blau wie der Himmel
das meine Mutter
mir einst schenkte

ich bin ein Kind der Erde
(umbuchen! verlangt die Tastatur)
auf der ich wandle
wachse und
werde
was ich noch
nicht bin

sie trägt mich
ihre und unsere Wunden
sie liebt alle Menschen
doch die sich im Dunkeln
verschanzen
sehen nichts
mehr

Menschen fliehen
Soldaten wissen nicht
wofür sie kämpfen
und sterben

ihr Anführer sitzt
im Ural weit weg
von den Schützengräben

wilde Tiere jagen
nur wenn sie hungrig sind
ich wünschte mir
die wilden Tiere kämen
ihn zu vertreiben

und wünsche mir
einen Sternenregen
damit mehr Licht
werde auf der Erde

Lilli Vostry
8.3.2022

Video

Video zur Lesung mit Musik „Vom Zauber endloser Anfänge“ in der Bücherei Großenhain

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Hier eine Live-Aufnahme  –
Momente meiner Lesung mit Musik „Vom Zauber endloser Anfänge“ zusammen mit Gabriel Jagieniak am 12. Oktober 2021 in der Karl-Preusker-Bücherei in Großenhain.

Herzlichen Dank an Jens Reichel für das Video!

Viel Freude beim Anschauen.

Lilli Vostry

Poesie & Musik: „Vom Zauber endloser Anfänge“ zu erleben in der Karl-Preusker-Bücherei Großenhain

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Mit viel Wortlust & Musizierfreude kommt die neue Gedicht-Lesung mit Musik „Vom Zauber endloser Anfänge“ mit Lilli Vostry, Autorin und Gabriel Jagieniak, Musiker, auf die Bühne. Zauberhaftes, abwechselnd fröhlich beschwingtes und leise, sehnsuchtsvolles Akkordeonspiel und lebhafte, helle, dunkle, zarte und raue Saxofonklänge begleiten und mischen sich mit bilderreicher Poesie und erzählender Lyrik über die Wandlungen im Leben und den Zauber des Augenblicks. Herzlichen Dank an Galeristin Janett Noack, die uns den Probenraum in ihrer Galerie Kunst & Eros auf der Hauptstraße 15 in Dresden zur Verfügung stellte und die Fotos aufnahm! Im Hintergrund Malerei von Helena Zubler in der derzeitigen Ausstellung „Sweet Spot“ (noch bis 20.11.2021)

Wort- und Klangzauber in der  Bücherei Großenhain

Mit der Premiere der Gedicht-Lesung mit Musik „Vom Zauber endloser Anfänge“ sind Lilli Vostry, Autorin und Gabriel Jagieniak, Musiker, am 12. Oktober, 19 Uhr in der Karl-Preusker-Bücherei Großenhain zu Gast.

Die Strandtasche flüstert was vom Meer, das unendlich weit erscheint. Fast allein am windzerzausten Strand mit den kreisenden, kreischenden und immer hungrigen Möwen, ist alles anders als sonst. Erinnerungen steigen auf an vertraute Orte, an Verlorenes, Liebgewordenes und das Meer kommt mit an den neuen Ort, wo die Zeit stehen geblieben scheint und wunderbare neue Entdeckungen warten.

Poesie und Musik lassen sich mitreißen vom Spiel der Wellen mit dem Wind, bewegen und davon tragen vom „Zauber endloser Anfänge“. So heißt die neue Gedicht-Lesung mit Musik, mit der Lilli Vostry, Autorin und Lyrikerin und Gabriel Jagieniak, Musiker (Akkordeon, Saxofon), am 12. Oktober, 19 Uhr in der Karl-Preusker-Bücherei in Großenhain zu Gast sind. Es ist die erste deutsche Volksbücherei, gegründet 1828.

Sie trägt den Namen ihres Gründers, auf dessen Spuren die Besucher im historischen Preusker-Zimmer ebenso wie im Lesegarten wandeln, verweilen und natürlich ausgiebig in Büchern blättern können. Auf dem Programm der Erlebnis-Bücherei stehen Führungen, Lesenächte für kleine Geschichtenlauscher, Buchvorstellungen, Autorenlesungen, Ausstellungen und Jahreszeitenfeste mit Spiel- und Bastelangeboten.
(www.buecherei-grossenhain.de )

Der Libèrtango von Astor Piazolla eröffnet die Lesung „Vom Zauber endloser Anfänge“. In den Gedichten geht es um Natur und Zwischenmenschliches, um die Veränderungen und Wandlungen im Leben und den Zauber des Augenblicks und Neubeginnens. Sie erzählen von „Bildern im Kopf“, vom „Garten Eden“, kleinen Faltern, ungestümen Katzen, wildem Mohn und einem seltsamen Hörnertier.

Lilli Vostry lebt und arbeitet als freie Journalistin, u.a. auch für die Sächsische Zeitung, in Dresden und schreibt seit zehn Jahren Lyrik. Sie hat bereits vier BilderGedichtKalender mit verschiedenen Künstlern im Zeitraum von 2013 bis `016 veröffentlicht. Zu hören in diesem Programm sind frühe und neue Gedichte und Texte, auch zum Leben in Corona-Zeiten.

Gabriel Jagieniak (soundcloud.com/gabriel-jagieniak) bewegt mit seinem virtuosen Akkordeonspiel, mit und ohne Gesang, bekannten Melodien und eigenen Kompositionen, auf humorvolle Weise frei vorgetragen, immer wieder das Publikum. Aktuelle Bandprojekte von ihm sind ein Trio „Gamaleon“ sowie ein Duett „Solna“, welches mit Lina Tayem an der Klarinette vorwiegend Klezmer, klassische Musik und osteuropäische Folkore interpretiert.

Na, neugierig geworden?

Wir freuen uns auf Euer Kommen!

Gern zeigen wir dieses Poesie-Programm mit Musik an weiteren Aufführungsorten in und außerhalb von Dresden und der Region.

Herzliche Grüße

Lilli Vostry & Gabriel Jagieniak

Text + Fotos (2) (lv)


Aus meinem Wortgarten in die Welt: Neues Gedicht-Programm „Vom Zauber endloser Anfänge“ startklar

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Den Zauber des Moments im Blick: meinwortgarten-Inhaberin Lilli Vostry
Schneckenreise. Einladung zum Innehalten, Interagieren und Neues ausprobieren.

Der Zauber endloser Anfänge geht weiter

Nach der Premiere des Gedicht-Programms „Vom Zauber endloser Anfänge“ im Mai im KlangLabor Dresden sind neue Texte zum Leben in Corona-Zeiten eingeflossen. Damit kommt die Autorin Lilli Vostry gern mit musikalischer Begleitung an neue Auftrittsorte in Dresden und der Region.

Ich werde ältere und neue Texte gemischt lesen, die vor und während der Zeit des Lockdowns entstanden sind. Die Zuhörer können die Lyrik und Kurzprosa auf sich wirken lassen und für sich herausfinden, wie zeitlos die Stimmungen sind, wie sie sich wandeln, wo es Berührungsmomente, Reibung und Brüche gibt und wie sich der Blick auf das eigene Leben und die Welt in Corona-Zeiten verändert. Zu den Gedichten aus den Jahren von 2012 bis 2020 sind außerdem Notizen aus meinem Corona-Tagebuch zu hören, die auch auf Einträge und Reaktionen auf Texte auf meiner FB-Seite zurückgreifen und diese reflektieren. Daraus entsteht ein Puzzlebild verschiedenster Stimmen und Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen von Menschen, die von ihrem Umgang mit dem rätselhaften Virus, den Auswirkungen im Alltag und der Gesellschaft erzählen. Die Puzzleteile kann jeder für sich betrachten, sortieren, anders und neu zusammensetzen.

Dieses Programm will anregen, den Blick über das Maske tragen hinaus wieder für Begegnungen, Gespräche, ein offenes, lebendiges Miteinander mit allen Facetten zu öffnen, um aus Abständen nicht neue Barrieren werden zu lassen, sondern gemeinsam zu schauen was möglich ist.

Während des Lockdowns und den sozialen Kontaktbeschränkungen waren das Internet und Facebook mit seinen sozialen Foren monatelang nahezu mein einziges Fenster zur Welt, um mit anderen Menschen in Kontakt zu sein.

Das Live-Erlebnis wie Lesungen haben bei mir immer Vorrang. Darüber hinaus betreibe ich bereits seit fünf Jahren einen eigenen Kultur-Blog im Internet:  www.meinwortgarten.com  Dieser bietet über das reale Leben hinaus  kulturinteressierten Lesern und Kulturmachern die Möglichkeit, miteinander in Verbindung zu bleiben und aktuelle Projekte und Veranstaltungen zu veröffentlichen.

Als neuestes, interaktives Angebot wird bald ein virtuelles Erzählcafé „Lebendige Beziehungen“ hier auf dem Blog eröffnen, wo man sich rund um Kunst, Kultur, Zwischenmenschliches und Umwelt austauschen, interagieren und neue
Formen der Kommunikation zusammen ausprobieren kann. Wo Platz ist für Ideen, Träume, Reifendes, das wahrgenommen und weiterentwickelt werden will. Natürlich gern auch Eindrücke und Feedback über das aktuelle Programm „Vom Zauber endloser Anfänge“ dalassen. Mit diesem komme ich gern auch mit musikalischer Begleitung in Spielstätten, Kultur- und Freizeiteinrichtungen, Cafés und Gartenlokale, Senioren- und Pflegeheime in Dresden und der Region (bitte an mich wenden per mail: lilli-vostry-journalistin@gmx.de )

Mein Gedicht-Programm „Vom Zauber endloser Anfänge“ und der interaktive Ausbau des Kultur-Blogs meinwortgarten.com werden gefördert mit einem zweimonatigen Arbeitsstipendium „Denkzeit“ der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.

Text + Fotos (lv)

Hier ein Gedicht aus dem neuen Programm:

Schneckenreise

Im Regenrauschen im Takt
der Tropfen tauchen sie
lautlos auf
im Schneckentempo aufwärts
am Stamm der alten Weide
gehen sie auf weite Reise

halb außen halb in ihrem farbflirrenden
Gehäuse
gleiten galant über rissige Rinde
auf der winzige Käfer vorbeiflitzen
schnellen Fühler vor und zurück
bei leiser Berührung
rollen sich ihre Körper feingliedrig
an Blättern ein und auf

fallen in Love
folgen ihrem Weg
sehr agile Winzlinge
Regenperlen gleich mit durchsichtig
schimmerndem Gehäuse
hinauf bis in die Weidenkrone

Lilli Vostry
22.8.2020

Überall Welt: Buchpremiere von Volker Sielaff im Zentralwerk & Neuer Gedichtband „Barfuß vor Penelope“

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Die Edition AZUR lädt ins neue Verlagsbüro im ZENTRALWERK – ein neues Domizil der Dresdner kreativen Szene – zur Vorstellung von Volker Sielaffs Journal „Überall Welt“ am 7. März 2017, um 20 Uhr auf der Riesaer Straße 32 ein. Mit Lesung und Gespräch mit dem Buchautor. Der Eintritt ist frei.

Ein Tagebuch kann vieles sein: Archiv, Versuchslabor, Ideenspeicher. Volker Sielaffs Journal passt in keine dieser Schubladen – und sein Schreibgrund ist wohl am ehesten mit dem vergleichbar, den Victor Klemperer einmal für seine Tagebücher formulierte: »Nur Leben sammeln. Immer sammeln. Eindrücke, Lektüre, Gesehenes, alles. Und nicht fragen, wozu und warum.«
Nach den gefeierten Lyrikbänden »Selbstporträt mit Zwerg« und »Glossar des Prinzen« legt Volker Sielaff erstmals eine Auswahl von Prosaaufzeichnungen aus zehn Jahren vor: unverstellte, berührende Notate vom Rand der Wahrnehmung. Sie berichten vom Glück des Lebens mit einem Kind, von Begegnungen, Streifzügen, Lektüren und Beobachtungen. Überall Welt!

ISBN: 978-3-942375-24-5
152 S., Klappenbroschur, 19,90 EUR

Der Chamisso-Preisträger Gino Chiellino schrieb in einer DNN-Kritik unter dem Titel „Ein Entwicklungsroman besonderer Art: Volker Sielaff legt mit „Überall Welt“ ein außergewöhnliches Buch vor“ u.a.: „Zwar werden Reisberichte, Tagebücher und Autobiographien wichtiger und unwichtiger Akteure mit Erfolg veröffentlicht, aber welcher Schriftsteller würde es wagen, wie es Volker Sielaff getan hat, ausgehend von einer existentiellen Veränderung im Leben des Protagonisten eine elfjährige Beobachtung der Welt um das Leben des Journalverfassers niederzuschreiben? Mir ist auf jeden Fall kein zweiter bekannt!“

Siehe dazu auch den Text auf meinwortgarten.com zur Lesung „Unmöglich, gegen eine Amsel anzulesen…“ von Volker Sielaff aus seinem Buch „Überall Welt“.

Mehr Text zu diesem Buch folgt.

Rezension zum neuen Gedichtband „Barfuß vor Penelope“ von Volker Sielaff (edition Azur, 2020)

Kleiner Vorgeschmack: In diesen Texten, freien Versen und mit End- und Binnenreim, spricht oft die Liebe, in allen Facetten, zärtlich, rau und sanft. Diogenes spricht zu einem Maler; eine wortwitzreiche-poetische Welt- und Alltagsreise ist der Zyklus „Mystische Aubergine“ und kleine schöne Momentaufnahmen des Seins verankert Sielaff im letzten Kapitel mit dem Bekenntnis: „Ich bin in hohem Bogen ein Diesseitiger“.
Ein luftig-leichtes, gedankenreiches Buch für warme und kühle Tage, voller Farb- und Sprachreichtum über die Liebe zu allem, zum Leben mit allen Höhen und Tiefen. Prägnant und geheimnisvoll wie im Klappentext auf der Buchrückseite mit dem doppeldeutigen Titel „Liebe endlich“: „zum Umbruch, zur Wut. Zu den achtzig Thesen des Pandas zum Blut. Zu jedem, der noch gern barfuß geht. Zum Hut, zur Kokotte, zum Widergänger, zum Nestbeschmutzer und Zettelaufhänger. Zu Aphrodites Tattoo. Zu allen Tasten auf deiner Haut, zu jedem Ganoven, jeder Braut. Zu Else Laske-Schüler und dem Blauen Klavier auf deinem Kühler.“

Text (lv)

Genuss pur. Poesie & Kuchen – auch zu buchen…

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Genuss für Geist & Sinne. Mit Rhabarber – Ein Gedicht aus dem Backofen fing alles an. meinwortgarten-Inhaberin und Autorin Lilli Vostry liebt Poesie & Kuchen und bringt beides gern zu Lesungen mit.

Wenn die Worte und Aromen auf der Zunge tanzen

Die erste Kostprobe gab es bei der Premiere meiner Gedicht-Lesung „Vom Zauber endloser Anfänge“ am 16. Mai im KlangLabor in Dresden, das angesichts Corona-Einschränkungen gut gefüllt war. Vom ersten selbst gebackenen Rhabarberkuchen, dem ich ein eigenes Gedicht widmete, blieb fast kein Krümel übrig. Das spornte mich an zu weiteren Backversuchen. Ich mag Poesie & Backen. Das Spiel mit Worten & Zutaten & der betörende Duft & Aromen, die auf der Zunge tanzen & Gestalt annehmen. Zum Zuhören, Probieren und Genießen einladen und etwas Bleibendes schaffen.

So entstand mein neues Angebot unter dem Motto: „Poesie & Kuchen – auch zu buchen“ eigene Gedichte und selbst gebackenen Kuchen zu Lesungen mitzubringen. Und diese zwei Leidenschaften zu verbinden. Genuss für Geist und Sinne.

Ich lese gern vor neugierig aufgeschlossenem Publikum, ob in Spielstätten, in einem Gartenlokal, auf privaten Feiern oder in Senioren- und Pflegeheimen in Dresden und der Region. Gedichte über Zauberhaftes in der Natur und Zwischenmenschliches, Veränderungen und Wandlungen im Leben und den Zauber des immer wieder Anfangens. Viele meiner Gedichte, die in den letzten zehn Jahren entstanden und für die ich als nächstes einen passenden Verlag suche, stehen hier auf meinem wortgarten-Blog.

Wer Interesse an meinen Lesungen hat, auch mit musikalischer Begleitung möglich, kann mir gern schreiben an folgende e-mail-Adresse:
lilli-vostry-journalistin@gmx.de

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Licht & Schatten: meinwortgarten in der Corona-Krise

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Liebe LeserInnen meines wortgartens,

zuerst das Erfreuliche: dieser Kultur-Blog nähert sich der 70 000-Marke an Aufrufen. Es geht stetig aufwärts. Mein Traum-Ziel ist die 100 000 bald zu erreichen und hoffentlich auch mal Einnahmen, auch aus den täglichen Anzeigen, die bereits seit einer Weile rings um meine vielen Beiträge stehen…

Es sind besondere, zwiespältige Zeiten gerade. Ich lebe, genieße im Moment, doch die Sonne vertreibt die existenziellen Sorgen nicht… Habe kaum Einnahmen momentan aufgrund der einschneidenden Corona-Maßnahmen.

Daher meine Bitte an Euch, vor allem die langjährigen Stammleser: Wenn Ihr meine Arbeit als freie Journalistin schätzt und unterstützen möchtet, könnt Ihr das jetzt mit einer Spende für das Weitergedeihen meines Kultur-Blogs: http://www.meinwortgarten.com tun.

Dieser wird seit nunmehr fünf Jahren von mir liebevoll gehegt und wächst… Das alles unentgeltlich. Viel Zeit steckt im wortgarten, bin oft unterwegs und Ihr bekommt immer neue, vielfältige Kulturgewächse zu lesen und sehen in Form von Bildern…
(Die Tagesmedien haben längst Bezahlsperren für ihre online-Angebote eingerichtet.)

Doch allein von Luft und Liebe kann auch ich nicht leben.

Herzlichen Dank an alle Leser und Unterstützer.

Bleibt schön neugierig, teilt und empfehlt meinwortgarten.com weiter.

Eine gute Zeit und Bleibt gesund!

Lilli Vostry
Inhaberin meinwortgarten.com

Herzlichen Dank für ihre Spende:

Kathrin Krüger-Mlaouhia, Redakteurin in Großenhain

Hartmut Maihöfer vom mai hof puppentheater in Dresden-Weißig

Günter Gläser, Emaillebilder-Künstler in Radebeul

Michele Cyranka, Malerin, Grafikerin und Keramiikerin in Tharandt

Spendenkonto:

Lilli Vostry
Bankverbindung: IBAN DE 88 8707 0024 0525 231700 bei Deutsche Bank
Kennwort: wortgarten-Spende

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Start der Schreib- und Geschichtenwerkstatt für Kinder „Fantasius Firlefanz“

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Geschichten-Abenteuer erleben – Jeder hat Fantasie!

Für alle, die in den Sommerferien noch nichts vorhaben, startet für neugierige, spiel- und erzählfreudige Kinder und Jugendliche die Schreib- und Geschichtenwerkstatt „Fantasius Firlefanz“ mit Lilli Vostry, freie Journalistin und INhaberin des KulturBlogs meinwortgarten.com als neues Angebot im KlangLabor auf der Lommatzscher Straße 6 in Dresden. Heute am 4.7., von 16 – 18 Uhr das erste Mal. Ab 11. Juli dann immer mittwochs von 17 – 19 Uhr. Ich freu mich auf Euch.

Hallo, liebe Kinder!

Hier könnt Ihr die kreative Schreibwerkstatt für Kinder und Jugendliche „Fantasius Firlefanz“ kennen lernen. Der bewegliche kleine Holzvogel ist unser Begleiter, der unsere Fantasie beflügeln möchte. Bei den Geschichten-Abenteuern, die uns zuflattern aus der großen Welt der Worte.

Gemeinsam entdecken wir den Spaß am Erzählen, sprachlichen Gestalten in spielerischer Form und Umsetzen der selbsterdachten Geschichten.

Wenn Ihr gern träumt, erfindet, neugierig seid, Euch lesend und schreibend ausprobieren wollt, ist die Schreib- und Geschichtenwerkstatt ein guter Ort, dies miteinander zu tun.

Zu meiner Person: Ich heiße Lilli Vostry, schreibe selbst gern seit meiner Kindheit und arbeite hauptberuflich als freie Journalistin, außerdem als Kinderbetreuerin und in der Deutsch-Nachhilfe in Dresden. Es sind auch spezielle Angebote für Kinder mit ADHS möglich.
Ich gebe auch Kurse in spielerischem Schreiben für Kinder auf Anfrage in Schulen.

Kosten pro Teilnehmer pro Nachmittag: 5 Euro

Kontakt: Lilli Vostry, Tel. (0351) 848 75 03 oder 0177 – 524 88 48
email: Lilli.Vostry@freenet.de

 

Keine für Alle! – Lara Finesse

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Kolumne: Neue Mauern…

Wie es zu meinem Namen kam, das bleibt mein Geheimnis. Ob es mich wirklich gibt? Nun ja. Wie heißt es so schön: Ich denke, also bin ich. Was auch nicht unbedingt selbstverständlich ist. Neulich hörte ich im Radio in einer Humorsendung, es war gerade Fasching, den unglaublichen Satz: Das Lachen unterscheide den Menschen vom Tier. Das habe kein Geringerer als Aristoteles einst festgestellt, wie auch die gefährliche und befreiende Wirkung auf die Lachenden und Ausgelachten zeitlos ist.

Wer lacht, zeigt, dass er etwas erkannt und verstanden hat. Oder es zumindest meint. Während Tiere, wenn sie lachen mit heraushängender Zunge oder fiependen Lauten,gar nichts denken, sondern sich einfach ihres Daseins freuen. Das unterscheidet Tiere tatsächlich sehr von Menschen.

Manche von letzteren verziehen keine Miene, egal was um sie herum passiert. Es ist ja nicht zu übersehen, dass sich gerade ein großer Wandel in der Welt von draußen nach drinnen – damit meine ich nicht nur die über Ländergrenzen hinweg ziehenden Flüchtlingsströme – vollzieht. Neue Mauern tun sich auf, mit denen wir uns selbst umgeben. Man sehe sich nur die Leute an, die draußen unentwegt nach unten auf diese glatten, flimmernden Teile starren und darauf herumtippen und die Ohren oft verstöpselt halten.

Wie ferngesteuert laufen sie durch die Gegend, manche rennen einen fast um. Ich frage mich dann immer: Was ist so ungeheuer wichtig, dass diejenigen dieses Teil kaum eine Minute mehr aus den Augen lassen?! Was würde passieren, wenn sie es verlieren? Was taten sie, bevor es Smartphones gab?

Mittlerweile braucht man gar nicht mehr aus dem Haus zu gehen. Man bekommt alles aus dem weltweiten Netz. Man kann Tag und Nacht einkaufen, mit den Augen überallhin reisen, sich vergnügen, den idealen Partner per Fragebogen zusammenpuzzeln, für zwischendurch, nur virtuell oder auch mal in echt. Heldenhafte Essensbringer aus dem Internet (die nennen sich wirklich so!) gibt es auch inzwischen.

Anderes wie Postkarten und Briefe schreiben, stirbt allmählich aus. Vielleicht werden Briefkästen deshalb auch immer seltener?

Neulich fragte tatsächlich jemand auf Facebook, ob es eigentlich noch Schreibpapier gäbe! Als ob es davon abhinge. Wenn man das Bedürfnis hat, kann man auf allem schreiben. Oder? Nur gehen mir leider allmählich die Empfänger aus. Es wird noch soweit kommen, dass ich mir selbst Karten und Briefe mit schönen Briefmarken schreibe, nur um mir die unverhoffte Freude, dass jemand an einen denkt und überrascht, zu erhalten neben all dem Werbekram und Rechnungen, die mir beim Gang zum Briefkasten täglich entgegen grienen.

Warum gehen wir manchmal trotzdem noch hinaus? Um zu schauen, ob da draußen noch alles da ist, noch andere außer uns und wie die Luft ist. Warm oder kalt. Auf den Wetterbericht ist ja kein Verlass mehr trotz moderner Technik. Das Wetter macht, was es will. Einmal richtig Schnee muss reichen, dann geht der Winter schon wieder. Statt Schlitten und Skier fahren schnelles Surfen im Internet. Merkt doch eh keiner. Seit Ende Januar, draußen ist noch alles kahl und grau, bestürmen einen schon in knallbunten Farben grinsende Schokohasen und Eierallerlei im Supermarkt, obwohl man gerade erst die Silvesterknallerei überstanden hat und das Schatzkästchen auf dem Tisch mit den erfüllten, vergessenen und neuen Wünschen für das neue Jahr noch auf Durchsicht wartet. Indes grüßen schon die ersten Schneeglöckchen auf der Wiese, wird es wieder früher hell und später dunkel. Was manche Nachbarn schon zu eifrig geräuschvollem Frühjahrsputz derart treibt, dass einem Hören und Sehen vergeht. Und das Leben rauscht vorbei.

Macht was draus.

Bis zum nächsten Mal!

Eure Lara Finesse

BilderGedichtKalender 2016 „Von Tier zu Mensch“

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Vom Raubtier Mensch

Skurill-poetische Gedichte und Bilder versammelt der neue BilderGedichtKalender von Lilli Vostry und Babak Nayebi.

Ein Mann mit Hahn im breitkrempigen Hut, den nichts zu erschüttern scheint, ist auf dem Titelblatt des Kalenders zu sehen. Gut behütet schaut er in die Welt. Skurril-poetische, heitere und ernsthafte, beherzt geborgene Gedankenflüge und Gefühlssprünge versammelt der neue BilderGedichtKalender für 2016 unter dem Titel „Von Tier zu Mensch“. 

Es ist der nunmehr dritte Kalender, den Lilli Vostry, freie Journalistin und SZ-Autorin, zusammen mit dem iranischen, in Dresden lebenden Bildenden Künstler Babak Nayebi in limitierter Auflage herausgegeben hat im Typostudio SchumacherGebler in Dresden. In Abwandlung der Redewendung „Von Mensch zu Mensch“ wird in reizvollem Kontrast von Bildern und Lyrik das Verhältnis von Mensch und Tier betrachtet. Das Raubtier Mensch, der mal Jäger, mal Getriebener ist, mal innige Nähe und Ausgeliefertsein, Stärke und Ohnmacht erfährt und die verletzte, leidende Kreatur stehen sich gegenüber in den farbigen Ölzeichnungen auf Papier. Es geht außerdem facettenreich, vieldeutig um Zwischenmenschliches. Etwa im Gedicht „Frei Wild“ um Fortschnurren in fremde Galaxien, um Fortträumen, Sehnsucht nach der Ferne und Neues entdecken. Da tauchen Fledermäuse am Strand auf, ergibt sich ein Admiral auf Landgang duftenden Blüten. Da bringt ein rätselhaftes Wesen mit roten Augen, das sich Lori nennt, Schatten zum Leuchten. Und begrüßt eine Robbe das neue Jahr und sucht im unendlichen Weiß nach wärmenden Worten. 

Dieser zeitlose BilderGedichtKalender „Von Tier zu Mensch“ ist jetzt zum Schnäppchenpreis erhältlich. Einige Exemplare sind noch über die Autorin Lilli Vostry auf Anfrage zu beziehen.

Ding-Lyrik & Poesie des Gelebten: Der neue Kalender von Fotograf Michael Lange

Die Schönheit des Vergänglichen

Ausrangierte Alltagsdinge, Fundstücke, Reste barocker Tapeten, Blütenblätter und Rilke-Gedichte inspirierten den Fotografen Michael Lange zu einer Symbiose aus zauberhaft geheimnisvollen Collagen voller reizvoller Details und Geschichten im  Kalender für 2023.

Eine kopflose Libelle schwirrt durch eine urzeitliche Landschaft, die sich lila, grün und gelb bis zum Horizont erstreckt. Blumen blühen zart, rankende Lianen breiten sich bedrohlich aus. Die Flucht ist vorbereitet: Eine fliegende Untertasse wartet auf den Start in die sternenübersäte Unendlichkeit. Wenig später verschwinden Raumschiff und Insekt in einem Schwarzen Loch im Universum.

Die kosmische Ausfahrt findet im Juni kommenden Jahres statt – in Michael Langes Kalender für 2023. Der Fotograf hat das Ereignis in diesem Frühjahr auf seinem Lichttisch in Quohren inszeniert. Mit einer polierten Scheibe versteinerten Holzes, Tapetenresten und Blütenblättern. Wie jedes seiner aufwendig arrangierten Monatsblätter erzählt auch dieses eine Geschichte, und jedem eine andere. Die Poesie und das Abenteuer liegen im Auge und im Kopf des Betrachters.

Mancher analysiert freilich nur ganz nüchtern die Zutaten, was auch spannend ist und zu unverhofften Aha-Erlebnissen führen kann. Etwa die Zuordnung eines verrosteten kreisrunden Etwas mit zwei Stummelbeinen und einer Schnauze. Durch die raffinierte Lichtführung und dem fehlenden Größenvergleich zu bekannten Gegenständen wirkt es zunächst wie eine Lupe oder ein Monokel. Ein Irrweg. Tatsächlich handelt es sich um den kläglichen Rest eines Wasserkochers, der im Oktober als Fabelwesen auf einem korrodierten Zinkblech zu neuem Leben erwacht

Michael Lange hat es auf dem Schrottplatz von Jürgen Unger  in Lungkwitz gefunden. Seit Jahren schon sind die sich meterhoch auftürmenden Berge aus Metall eine Fundgrube für den Fotografen. Ein ramponierter Topfdeckel, ein Propeller, ein plattgetretener Eimer, glänzendes Blech, das wie eine Ziehharmonika gefaltet ist, oder eine grünpatinierte Kappe finden sich im Kalender wieder. Losgelöst und ihres Verwendungszweckes beraubt, sind die Dinge kaum als das zu erkennen, was sie ursprünglich waren und wozu sie dienten.

Darum geht es Michael Lange auch nicht. Er ist kein Archäologe, der Fundstücke nummeriert und beschreibt und wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnt. Als Künstler interessieren ihn vielmehr Formen und Farben, wenngleich ihm die Herkunft der Gegenstände nicht gleichgültig ist – ihre Lebensläufe, aber auch eigene biographische Versatzstücke schwingen in den Kompositionen mit. So fügt Michael Lange nicht nur mit sicherem und langjährig geschultem Blick, sondern auch spielerisch und intuitiv Papier an Papier, Stoff an Stoff, Objekt an Objekt. Kopf und Bauch, Verstand und Gefühl gehen eine kreative Symbiose ein. Mitunter bleibt er unentschlossen – dann bittet er seine Frau Ina oder die neunjährige Enkeltochter Flora um ihre Meinung: „Bitte nicht schon wieder den Topfdeckel!“

Michael Lange verhilft in dadaistischer Tradition ausrangierten und unbeachteten Resten des Alltags, die miteinander gar nichts zu tun haben, zu einer zeitlosen Wiedergeburt. Er holt sie ins Rampenlicht und gibt ihnen eine Bühne für ein Theaterstück, dass weder verstören noch provozieren will. Der Künstler löst die Grenzen zwischen Gestern, Heute und Morgen auf und feiert in seinen Landschaften und Szenen, die er mit überraschenden Effekten ausleuchtet und mit einer Großformatkamera ablichtet, die Schönheit des Morbiden und Verlebten, die Eleganz des Endes, ja, des Todes. Hier ist Michael Lange der Romantiker, allerdings einer mit Kanten und Widerhaken.

Die Musik, die Michael Lange bei seiner Arbeit hört, ist indes modern, in gewisser Weise aber doch romantisch. Er bevorzugt das mittlerweile fünf Alben umfassende „Rilke Projekt“ der Komponisten Richard Schönherz und Angelica Fleer, die Gedichte von Rainer Maria Rilke vertont haben. „Das inspiriert mich“, sagt Michael Lange, der Rilke 2021 den Kalender „in der ferne blau“ gewidmet hat. Die von der bildenden Kunst beeinflusste Dinglyrik des vor rund einhundert Jahren gestorbenen Dichters lässt den Fotografen nicht los. Er plant ein Projekt, in dem die Texte Rilkes nicht nur Anregung sind, sondern in seinen reliefartigen Collagen sichtbar werden.

Rilke ist sozusagen die sphärische Komponente der dreizehn Fotografien des aktuellen Kalenders, den Michael Lange „verortet 4“ betitelt hat. Für den Monatsreigen, der farblich und inhaltlich die wechselnden Jahreszeiten aufgreift, hat er nicht nur in seinem Fundus gekramt, der über Jahre durch Gaben von Freunden, Orgelbauern, Sichtungen auf Flohmärkten oder auch Grabungsfunde auf dem Grundstück gewachsen ist. Der Künstler durfte sich auf seinen Wunsch hin im Schloss Moritzburg barocke Ledertapeten ausleihen. Es handelt sich dabei um Fragmente geprägter und bemalter Wandbespannungen aus dem 18. Jahrhundert. Michael Lange reizte es, mit diesem Material zu arbeiten, das er noch aus Zeiten kannte, als es weitgehend unbeachtet in Stapeln auf dem Dachboden des Schlosses lagerte. Ein kunsthistorischer Schatz, der längst gesichert ist.

Nun erzählen die Tapeten mit ihren floralen Motiven ihre Geschichten, vor allem im Sommer und im Herbst. Der Winter ist kühl und nur verhalten farbig, im April wird die 13 gekrönt mit Blüten der Traubenhyazinthe, und im August kehrt die Urzeit zurück, nur die fliegende Untertasse nicht. Die gibt es indes in mehreren Inkarnationen das ganze Jahr über. Die Ufos stammen vom Planeten Weißer Hirsch und wurden von der Kunsthandlung Kühne nach Quohren entsandt. Sie sind viele Millionen Jahre alt und heißen Amethyst und Achat oder tragen phantastische Namen wie „Psaronius mit Fluoridkern“ und „Dadoxylon“ – es ist das Raumschiff, das im Juni vom Schwarzen Loch verschluckt wird.

Text: Thomas Morgenroth
Fotos: Michael Lange

Der Kalender kostet 55 Euro zzgl. Versandkosten, zu beziehen über Michael Lange, E-Mail: kontakt@michael-lange.net

Kalender „verortet4“ für 2023


Kalenderblatt Januar


Kalenderblatt Juni


Kalenderblatt November

Premiere „Tausend Sonnen“ im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden


In der Geschichte der Wismut graben zwischen Idealen, Illusionen und Wirklichkeit: die Akteure der Aufführung „Tausend Sonnen“ im Kleinen Haus. Foto: Sebastian Hoppe

Spannende Reise mit viel bodenständigem Humor
in die Welt der Bergleute

Rührende, ernste, nachdenkliche und komische Szenen, persönliche Erinnerungen und Erfahrungen mischen sich  in der Inszenierung „Tausend Sonnen“, einem Theaterprojekt der Bürger:Bühne im Kleinen Haus und holen bisher wenig bekannte sächsiscbe Bergbau- und Industriegeschichte ins Licht.

Ein funkelnder Schatz liegt tief unter der Erde im Erzgebirge. Verlockend, geheimnisvoll und gefährlich zugleich, ranken sich viele Geschichten, Wahres und Legenden um ihn. Licht ins Dunkel versucht die Aufführung „Tausend Sonnen“ zu bringen – ein Projekt zur Wismut und zur Uranförderung, das in einer Produktion der „Bürger:Bühne“ am Sonnabend Premiere hatte im Kleinen Haus des Staatschauspiels Dresden.

Eine Mauer aus grauen Pappkartons mit zwei Wachtürmen, durchzogen von Gesteinsblöcken und auf und ab schlängelnden Förderbändern umschließt wie eine Festung die Bühne unterm Dach. Vier Männer und zwei Frauen, deren Leben auf verschiedene Weise mit der Wismut – dem ehemals weltgrößten Unternehmen für Uranförderung in der DDR für das sowjetische Atomprogramm – verbunden sind, agieren mit viel Elan und Spielfreude in grell gelben Arbeitsanzügen. Eine ältere Dame in schwarzem Kleid erzählt eingangs eine nahe gehende Geschichte von einem jungen Bergmann, der bei einem Grubenunglück verschüttet und nach 60 Jahren gefunden wurde, sein toter Körper wurde nahezu unversehrt mit jungem Antlitz zurückgebracht zu seiner Braut, die ihn als alte Frau an ihr Herz schließt. Romantisch verklärte, traurige, ernste, nachdenkliche und komisch absurde Szenen zum Alltag der Bergleute bei der Wismut und persönliche Erinnerungen der Akteure fließen eindrucksvoll und spannend zusammen in dieser Inszenierung unter Regie von Tobias Rausch, dem Bürgerbühnenleiter.

Zwei Männer schauen, verkleidet als Kakerlaken mit langen, dunklen Fühlern ab und zu hervor aus dem Bergwerk und frohlocken, dass sie selbst die radioaktive Strahlung des Urans überlebt haben. Jeder der sechs Akteure hat seinen ganz eigenen Blick auf die Wismut und schildert seine Erlebnisse und Erfahrungen. Sven Sczibilanski wollte die Welt sehen und ein aufregendes Leben. Nachdem sein Traum bei der Handelsmarine geplatzt war, entschied er sich für eine Ausbildung zum Bergmann. „Rammeln, Leistung und Kohle zählten“, sagt er ohne Umschweife. Heinz Richter, der in der Handelsorganisation der Wismut arbeitete, hält ein Schild  mit der Aufschrift „Bananen“ hoch, die es wie andere Südfrüchte, Prämien und akzisefreien Trinkbranntwein, genannt „Kumpeltod“ für die Bergleute und ihre Familien als Anerkennung für die körperliche Schufterei gab. Er telefoniert sich die Finger und Stimme wund, wenn die Ware wieder mal ausgeht.

Vor den immer noch unter Tage lauernden Schadstoffen im Grundwasser und den Folgen für Mensch und Umwelt warnt der promovierte Gewässerkundler Kai-Uwe Ulrich. Christa Härtel kam als Kind mit ihrer Mutter nach Johanngeorgenstadt, die als Garderobenfrau mit ihr in einer Bergarbeiterbaracke wohnte und erlebte den Niedergang der Stadt durch Bodensenkungen mit. Bis heute verbindet sie eine Hassliebe mit diesem Ort. Silvia Weißbach erzählt von ihrer Zeit als Facharbeiterin für Geologie, von ihrer Faszination für die fossilen Gesteine, Geschichten von Berggeistern, die mit Musik und Lichtern wie tausend Sonnen die Menschen in den Berg locken und von der Suche nach Uranvorkommen. Doch es wurde nur von „Erz“ gesprochen und alles war „streng geheim“.

Mal ganz offen, mal flüsternd bei der Raucherpause geben sie alle nur Bruchteile ihrer Arbeit wie einst weiter, streiten, tanzen ausgelassen bei der Brigadefeier zu Salsa-Klängen und posieren als Bergmänner und heroische Helden: „Wismut, das ist Erz für den Frieden!“ Da geht es auf Zeitreise im ratternden Förderkorb zurück in die Geschichte des Erzbergbaus bis zur Schließung des unrentablen Wismutbetriebes 1991 und stehen die Akteure plötzlich mitten in der Gegenwart mit Energiekrise und dem Weiterbetrieb von Atomkraftwerken. Da prallen Ideale, Illusionen, Gerüchte, Halbwahrheiten und Widersprüche heftig aufeinander bei der gemeinsamen Annäherung an die Wahrheit. Schönes wie Schmerzliches, Traditionen wie Bergparaden und Stolz auf den Zusammenhalt verbinden die Wismuter bis heute.

Zum Schluss fragen die Akteure sich rückblickend, ob es das wert war. Sie wollten Teil von etwas Besonderem sein. Zusammen summen sie erst leise das Steiger-Lied, dann laut und kraftvoll mit dem zeitlosen Mutspruch: „Er hat sein helles Licht bei der Nacht…“ Reichlich Beifall gab es für einen Theaterabend, der offen, authentisch und mit viel bodenständigem Humor Einblick gewährt in ein spannendes, bewegendes, schwieriges und immer noch wenig bekanntes Stück Bergbaugeschichte und Lebensalltag im Osten Deutschlands.

Text (lv)

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

Ausstellung „Wintersalon“ in der Galerie des Kunstvereins Meißen

Wild wuchernde Fantasie und Farben

In der Ausstellung Wintersalon zeigen 57 sächsische Künstlerinnen und Künstler erfrischend unkonventionelle, vieldeutige Arbeiten in der Galerie des Kunstvereins Meißen.

Die Bilderwände sind gut gefüllt. Die ersten Besucher schauen sich um.
“Was kostet das Huhn?“, fragt eine Frau. Seine Federn leuchten grauweiß vor
blauviolettem Himmel auf dem kleinen Ölbild von Anita Rempe. Das große
Porträtbild daneben von Lisa Wölfel zeigt ein weißes, maskenhaftes Gesicht im Profil, über die Augen, rote Nase und Wangen tropft Farbe. Vor einem Baumstamm steht ein Junge in kurzer, schwarzer Turnhose mit einem roten Apfel auf dem Kopf. Darüber trägt eine Taube die Weltkugel auf schmalem Grat, gemalt von Robert Richter. Von ihm stammt auch die Druckgrafik mit dem Pinguin, der ein Schiff auf dem Rücken trägt an Seilen, an Land vor geschmolzenen Eisbergen. Ringsherum Ansichten vom Meer, Bohrinseln, Landschaften mit und ohne Menschen. Weiter unten in der Ecke ragt auf einer Leinwand ein bedrohlich aufgerissenes Maul mit gefletschten Zähnen, schon halb verschlungen sieht man Wald, Bäume und See und davor sitzt wie in einer Höhle eine urwüchsige weibliche Figur mit wilden Tieren an ihrer Seite am Feuer. „Maulhelden“ heißt dieses surrreal vieldeutige Bild von Anja Herzog.

Wild wuchernde Fantasie und Farben und überraschend viel neue und junge Kunst gibt es zu entdecken in der diesjährigen Gruppenausstellung „Wintersalon“ des Kunstvereins Meißen in den Räumen auf der Burgstraße 2, die am Sonnabend ihre Türen öffnete. Erfrischend unkonventionell, witzig, fantastisch, fragil, verletzlich und kraftvoll kommen die Arbeiten von 57 sächsischen Künstlerinnen und Künstlern zwischen 29 und 81 Jahren daher. Zu sehen sind Malerei, Grafik, Fotografie, Skulptur und Objekte in großartiger Vielfalt. Auf dem gemütlich gelben Chaiselongue am Fenster sitzend, kann man einen Blick auf das schöne Wandbild nahe dem Weihnachtsmarkt draußen werfen, sich entspannt zurücklehnen und die wundervolle Fülle an Ausdrucksformen betrachten und genießen. „Wir möchten mit der Ausstellung einen Überblick über die derzeitige zeitgenössische Kunstlandschaft geben, zu der wir sachsenweit Künstler eingeladen haben“, sagt Maren Marzilger. Sie ist Kunsthistorikerin und seit März diesen Jahres Geschäftsführerin  vom Kunstverein Meißen. Die Wintersalon-Ausstellung hat sie gemeinsam mit Mattias Lehmann, Vorstandsvorsitzender des Vereins kuratiert. Aus über 80 Bewerbungen wählten sie die Kunstwerke aus.

Der Kunstverein Meißen hat die Konzeptförderung der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen bekommen für drei Jahre, noch bis 2024. Maren Marzilger hat vorher als freie Kuratorin Ausstellungen für den Kunstverein vorgeschlagen und organisiert. Nun kümmert sich die 36-Jährige mit viel Elan auch um die Aquise und Förderung für die Kunstprojekte. Sie ist seit elf Jahren in der Kunstszene in Dresden und der Region unterwegs und leitet hier den „Saloon“, ein Internationales Netzwerk für Frauen in der Kunst, das 2012 in Berlin gegründet wurde und bereits in zwölf Städten, acht Ländern und drei Kontinenten aktiv ist. Rund ein Dutzend der  ausstellenden, jüngeren Künstler um die Dreißig kommen aus Leipzig und haben an der Kunsthochschule in Dresden studiert. Ihre Arbeiten reflektieren und setzen sich mit aktuellen Themen wie Klimawandel, dem Umgang zwischen Mensch und Natur und menschlichen Beziehungen auseinander. Um das Verhältnis von Mensch und Tier, ihre Freundschaft und um die Darstellung von Niedlichkeit geht es Josefine Schulz in ihren Hundeporträts, darunter einem weißen Hund vor blauem Himmel auf einer Blumenwiese und ein liegendes Mädchen mit Hund, die gerade durch ihre reduziert einfache Formensprache anrührend wirken. Schön spiegelgleich sind auch ihre „Zwillinge“. Theresa Rothe zeigt einen farbigen Wurm an der Wand und ein skurriles, kafkaesk anmutendes Mischwesen, halb Mensch und Tier aus schwarzem Fellstoff, mit sechs Händen und modelliertem Gesicht kriechend. „Sluggish“ (übers.: „träges Ungeziefer“) nennt sie ihre Kreation. In ihren Skulpturen vereinen und spiegeln sich spielerisch grotesk Körperliches, Kuriositäten des Alltags, Traumbilder und Realität.

Susanne Hampe lässt den Betrachter rätseln mit ihren perlenförmig wuchernden Wandobjekten und einem fünflagigen weißen Scherenschnitt mit netzartigen Strukturen. Ein bronzen glänzender Octopus mit langen Fangarmen von Doreen Wolff steht als Blickfang am Fenster. Daneben eine kleine schwarze, archaische Figur mit Trommelkörper auf einem Wandbord und winzige schwebende, ebenfalls schwarze Kostüme an Kleiderbügeln von Soyong Park, einer südkoreanischen Künstlerin. Apart und sinnlich wirkt die Zuckerdose aus Porzellan mit weiblicher Rundung als Deckel von Dana Berg. Eine wie zum Sprung ausholende, nackte Frauenskulptur und Tänzerinnen mit erhobenen Armen aus bemaltem Porzellan zeigt die aus Meißen stammende Künstlerin Dagmar Langer. Schwarz-weiße Fotografien mit zauberhaft spiegelnden Moorlandschaften von Steffen Lipski hängen an der Wand neben assoziationsreich formspielerischen Holzobjekten von Markus Lange, in denen er mechanisches Räderwerk und Naturformen verbindet. Eins erinnert von der Seite gesehen an ein Fischskelett, das andere an ein Schiff oder Spielburg mit dem Titel „Time out for fun“.

Geheimnisvoll in der Schwebe zwischen Traum und Realität stößt eine große weiße Wolke an eine gelbe Figur in einer expressiven Tuschezeichnung von Stephanie Laeger. Außerdem verwandeln sich die Ausstellungsräume in der Adventszeit (vom 3. – 17.12.) auch in ein Atelier für Workshops, wo die Teilnehmer Leuchtbilder und Theatermasken aus Verpackungsmaterial und vieles mehr mit Künstlerinnen wie Nadine Wölk, Hanne Lange oder Michaela Möller selbst gestalten können. Die Angebote sind kostenfrei. Die Ausstellung Wintersalon ist noch bis 21. Januar 2023 zu sehen.

Text + Fotos (lv)

Öffnungszeiten: Mi bis Sa 12 – 18 Uhr.

http://www.kunstverein-meissen.de

Teddybären erobern Schloss Burgk in Freital


Einfach zum Gernhaben: Gemütliche Bärenrunde in der diesjährigen Weihnachtsausstellung auf Schloss Burgk in Freital.
Abenteuerfreudig: Teddys bei der Mondlandung.

Begegnung mit Außerirdischen.

Bezaubernde, liebevoll zusammengestellte Szenen mit Teddybären: Sammler und Ausstellungskurator Lutz Reike und Kristin Gäbler, Leiterin der Städtischen Sammlungen Freital auf Schloss Burgk.

Ewig schön: Der Kleine auf dem Stühlchen ist einer der ältesten Kuschelbären der Welt. Lutz Reike mit einem selbst entworfenen Reisebär, der in der Ausstellung auch  erworben werden kann.

Stilecht: Die Teddys reisen in originalen Überseekoffern.

Teddys auf Reisen zum Mond und übers Meer

Die diesjährige Weihnachtsausstellung zeigt  rund 300 flauschige Gesellen aus der Sammlung von Lutz Reike und erzählt die Geschichte des Teddys fantastisch und liebevoll in Szene gesetzt.

Kuschelweich und bärenstark, mit Knopfaugen und offenen Armen sitzen sie da.
Schauen freundlich, gutmütig, aber auch abenteuerfreudig verwegen in die Welt, sorgen als fröhliche Gute-Laune-Macher und Spielgefährten für leuchtende Kinderaugen, wärmen, trösten und öffnen Herzen. Manchmal sind Teddybären auch unterwegs, auf der Straße, auf Reisen, sogar bis zum Mond. Vor funkelndem Sternenhimmel fahren sie in einem Mondmobil, ganz modern ausgestattet mit Headsets, Mikrofon und Kopfhörer am Ohr. Damit sie sich auch im Weltraum unterhalten können. Ein Teddy mit durchsichtigem Helm und Sauerstoffflasche auf dem Rücken hisst eine gelbe Fahne mit Pfötchenabdruck und sie treffen und befreunden sich mit Außerirdischen. Der wundersame E.T. aus dem bekannten Science-Fiction-Film begegnet ihnen als 1,40 Meter große Plüschfigur und sein Kind, das seinen Leuchtfinger nach dem Teddy ausstreckt.

Fantastisch, liebevoll, witzig und anrührend in Szene gesetzt, erobern Teddys zurzeit Schloss Burgk in Freital in der diesjährigen Weihnachtsausstellung. Rund 300 flauschige, lustige und liebenswerte Gesellen, der älteste von 1909 bis zur Gegenwart aus der Sammlung von Lutz Reike, tummeln sich in der heute ihre Türen öffnenden Schau, die kleine und große Besucher erfreut, staunen, lächeln und in die eigene Kindheit zurückträumen lässt. Die Teddys sieht man in Automobilen, mit der Eisenbahn, dem Schiff, auf Skiern und Schlitten mit wehendem Schal den Rodelberg hinabsausen, außerdem in der „guten Stube“ in gemütlicher Runde auf dem Sofa und am Kaffeetisch, mit Grammophon und Weihnachtsbaum, fein zurechtgemacht am Schminktisch und bei der Mondlandung. „Wir sind glücklich, dass wir dieses Jahr zur Adventszeit wieder eine Weihnachtsausstellung haben, nachdem während der Corona-Pandemie zwei Mal keine Weihnachtsausstellungen stattfinden konnten“, sagt Kristin Gäbler, die Leiterin der Städtischen Sammlungen Freital im Schloss Burgk. „Dieses Jahr steht der Teddy im Mittelpunkt, das beliebteste Spielzeug und eine Figur, die für Familienglück und für eine friedvolle Zeit steht.“

Der begeisterte Teddysammler Lutz Reike ist ein ehemaliger Arbeitskollege von ihr. Er ist Museologe und als Museumspädagoge bei den Städtischen Museen in Dresden tätig. Seit 2005 tourt er außerdem zu Ausstellungen mit seinen Teddys deutschlandweit. Da trifft man auf eine gemischte Gesellschaft aus nostalgischen und neuen Bären, kostbare und seltene Exemplare. Wie den kleinen, honiggelben Teddy mit sogenannten Donutaugen wie kleine Perlen, der auf einem Stühlchen sitzt und dem man sein Alter als einer der ältesten Bären der Welt nicht ansieht. Einer aus der Steiff-Bärenfamilie mit Knopf im Ohr als Markenzeichen. Die für die Räume im Schloss Burgk neu gestaltete Ausstellung erzählt eindrucksvoll auch die Geschichte des Teddys von den ersten Bären bis heute. Zu sehen sind Bären aus verschiedenen Zeitepochen mit ihren jeweiligen Moden und Designs neben historischen Fotografien an den Wänden, die Reisenden am Hafen zeigen und nachgebaute Schiffsmodelle vom Segelschiff Santa Maria bis zur Titanic. Eine schöne Idee und erstmals in dieser Form gezeigt werden die stimmungsvollen Szenen in großen, aufgeklappten und originalen Überseereisekoffern mit vielen Schubfächern aus der Anfangszeit der Bären. Fast gleichzeitig, etwa um 1900, wurden in Amerika und Deutschland die ersten Teddybären erfunden, die seither im Reisegepäck als Mitbringsel und Begleiter zwischen den Kontinenten hin und her wandern.

Die Bären tragen historische Reisekleider, mal Schultermantel und Pluderhosen als Spanier um 1700, mal Kapitänsuniform, mal schicke und schlichte Sachen, fesche Schleifen und oft gar nichts auf ihrem hellen, grauen, gelben oder braunen, plüschig samtigen oder zottligen Fell. Erzählt wird in der Ausstellung auch die berührende Geschichte von „Polar, der Titanic Bär“ und einem Jungen, der mit seiner Familie und dem geliebten Stofftier das Schiffsunglück überlebte, jedoch drei Jahre später tragisch sein Leben bei einem Autounfall verlor. In einer Vitrine erinnern ein Familienfoto, das dazu erschienene Kinderbuch und ein ähnlicher, weißer Seebär in blauem Seemannsmantel neben einem schwarzen Trauerbär an das traurige Ereignis.

Lutz Reike hat inzwischen 800 Teddybären in seiner Sammlung. Jeder von ihnen habe ein eigenes, charakteristisches Aussehen. „Ich sammle auch immer weiter, damit die Kinder von heute als Erwachsene später auch Spielsachen aus ihrer Zeit wiederfinden“, so Reike. In sein besonderes Hobby investiert er auch einiges an Geld, vor allem aber viel Zeit und Liebe stecken in der stilvoll und detailreich echtes Leben widerspiegelnden Bärenwelt. „Die glücklichen Gesichter der Besucher sind der schönste Lohn“, sagt er. In einer Vitrine erhält man auch Einblick in das Innenleben der Teddys, die zuerst mit Holzwolle ausgestopft wurden, später mit weicherem Kapok, einer Baumwolle ähnlichen Faser und heute mit waschbarer Füllwolle. Lutz Reike ist auch als Bärendoktor im Einsatz, dem die Kinder ihre flauschigen Patienten mit beschädigten Gliedmaßen, fehlenden Augen, lichtem Fell oder Stimmverlust zur Behandlung mitbringen können in die Ausstellung am 11. Dezember, von 12 bis 16 Uhr.

Einen Reisebären, extra für die Ausstellung nach Reikes Entwurf gefertigt, können die Besucher auch erwerben. Außerdem locken beim Freitaler Schlossadvent ein Weihnachtsmarkt mit Budenzauber, Eisenbahn, Bergmann und Lichterengel im Schlossinnenhof an den nächsten zwei Adventswochenenden (26. und 27.11. und 3. und 4.12.), Pflaumentoffel  basteln und kleine süße Überraschungen in mitgebrachten, blank geputzten Schuhen und Stiefeln am Nikolaustag (6.1.2., 14 Uhr, mit Voranmeldung unter Tel. 0351 – 649 15 62). Das Museum bleibt während des Schlossadvents bis 19 Uhr geöffnet. Die Ausstellung „Teddy auf Schloss Burgk“ ist bis 8. Januar 2023 zu sehen.

Text + Fotos (lv)


In schöner Gesellschaft: meinwortgarten-Inhaberin Lilli Vostry bei den flauschigen Gesellen in der „Guten Stube“.

Winterzauber im Schlosspark Burgk

Weihnachtsausstellung „Erotischer Advent“ in der Galerie Kunst & Eros


Traumversunkene Zweisamkeit. Titelbild von Gudrun Trendafilov zur Gruppenausstellung „Erotischer Advent“. Foto: Galerie Kunst & Eros

Verlockendes für die Sinne

Die neue Weihnachtsausstellung »EROTISCHER ADVENT« eröffnet heute, 25. November, 19 Uhr und ist bist 28. Januar 2023 zu sehen.

Begrüßung: Janett Noack, Galeristin

Musik: Kleines Konzert mit Stephan Pankow Gitarre/ Mandoline & Ruslan Krachkovsky Akkordeon in den Räumen der Galerie

Das Duo spielt an diesem Abend eine Melange aus traditioneller brasilianischer Folklore und Eigenkompositionen

In dieser traditionellen Gruppenausstellung werden Grafik, Malerei und Plastik zeitgenössischer Künstler vorgestellt:

Rita Geißler · Anita Voigt · Udo Haufe · Konstanze Feindt Eißner · Gudrun Trendafilov · Horst Hille · Tina Wohlfarth & weitere Gäste

Wir freuen uns auf dieses Wiedersehen, Ihre Neugier und auf die anschließende Geselligkeit in der Galerie.

Text: Janett Noack

Galerie kunst & eros, Hauptstraße 15, 01097 Dresden – Mo bis Sa 11 bis 15 Uhr

kunstunderos.de, info@kunstunderos.de – 0351 8024785

Neue Lyrik: Neues Lebensjahr & Kinderbild & weitere

Neues Lebensjahr

Alle Farben des Himmels
maltest Du mir
im tiefen Rot gemischt mit Grau
sass ein dunkler Vogel
in der Dämmerung

mir wuchsen Farnflügel
hin zu Dir
nun sitz ich mit dem Vollmond
allein hier
die Gäste längst fort

die Stile lässt mir
keine Ruh die brennende Kerze
im Dunkel umschleichen mich
meine Wünsche wie Katzen
die Geschenke noch unausgepackt

keine Spur von Dir
dem anderen Teil meiner Existenz
Spross und Spiegelbild
das sich nach Ganzheit sehnt

warum können wir
uns nicht lassen
wie wir sind
ohne uns aus den Augen
zu verlieren

warum kann ich mein Gepäck nicht
einfach abstellen
und dem Meer übergeben

LV
11./12.11.2022

Der erste Schnee

Gestern fiel der erste Schnee
ich sah ihn nicht
fuhr vorher noch entlang
einer gelben Baumallee
mitten im November

heute wieder strahlender Sonnenschein
winzige weiße Flecken festgeklebt
auf dem Efeudach vom Gartenhaus
rote Kaktusblüten im Wintergarten läuten
den Winter ein

LV
19.11.2022

Zuneigung

Tiefrote Blütensterne
fielen nacheinander ein
ihre Köpfe hingen
Geburtstagsblumen
sah nicht mehr ihr Leuchten
nur mehr den fallenden Schein

riss sie um noch tiefer
in die dunkle Erde
und richtete die Blüten
wieder auf
hielt sie in den Händen
kann aufrichtige Schönheit
je enden

LV
20.11.2022

Kinderbild

Als ich Dir heute morgen
von der Teddy-Ausstellung erzählte
fiel ein Stück heraus aus dem Bild
es hatte  schon einen Riss
ein weißer Fleck nahe am Gesicht
verlor sich irgendwo zwischen Decke und
Falten des Bettes Büchern und Notizen

suchte fassungslos alles ab
nach dem kleinen Fizzelchen
das mich vollständig sein lässt
Müdigkeit splitterte aus den Augen
obwohl schon Tag
draußen die Müllabfuhr entleerte die Behälter
ich bin es müde in Erinnerungen zu kramen

Teddywärme hatte ich
aber wer hielt mich sonst
der Teddy sitzt mit grau abgewetztem Fell
vor dem Fenster
und hütet das Kinderbild
von einst

LV
22.11.2011

BilderAlbum: Atelierbesuch bei Ralf Uhlig in Radebeul


Farbreich & feinsinnig bezaubernde Landschaften & Lebensmomente: Der Maler und Grafiker Ralf Uhlig vor einem neuen Bild in seinem Atelier in Radebeul. Im kommenden Jahr ist eine Einzelausstellung seiner Bilder in der Stadtgalerie Radebeul geplant.

Lebensbaum
(Für Ralf Uhlig)

Ein Holzscheit ragt auf
vor dem Atelierfenster
vis a vis zum letzten gelben Blattgefunkel
die letzten Gartenrosen stehen
halb verblüht auf dem Tisch bereit zum Malen
bestückt das Holz mit alten Zahnrädern und Taschenuhren
sie ticken lautlos
Farben halten verrinnende Zeit auf dem Papier fest
Augenblicke Landschaften Orte

der Blick hält inne ruht aus
verweilt wandert über die Bilder
schlängelnde Waldwege Baumalleen Berge
Wiesen Wolken und Wasser Spiegelungen
fließen warm hell und dunkel
ineinander im Licht und Schatten des Tages

strahlendes Gelb mischt sich mit fahl grüngrauem Nebeldunst
eisblau schimmert der See umrahmt von Schilf
und den schwarz und violetten Umrissen der Bäume
am Ufer
vielfarbiges Leuchten und Raunen sich überlagernder
Farbgespinste wie ein Traum aus ferner Zeit
führt eine blaue Tür in verwitterter Steinmauer
zu einem von Bäumen umstandenen Gehöft
was verbirgt sich im Inneren

LV
20.11.2022

Fotos (lv)

Mehr Text zum Schaffen und Werk von Ralf Uhlig folgt.

Weitere Infos: http://www.ralfuhlig-malerradebeul.de

Premiere „Der brave Soldat Schwejk“ in der Comödie Dresden


Von einer pikant brenzligen Situation in die nächste: In einer Paraderolle als „Soldat Schwejk“ glänzt der Komiker Thomas Böttcher. Fotos (2); Robert Jentzsch

Unerschütterlicher Humor gegen blinden Gehorsam

Von gemütlich zu explosiv, fröhlichen Klängen zu Marschmusik wechselt die Stimmung in der Komödie „Der brave Soldat Schwejk“ nach dem Schelmenroman von Jaroslav Hasek, der letzten Freitag Premiere in der Comödie Dresden feierte. Das beste Stück seit langem auf einer Dresdner Bühne und die Geschichte hochaktuell.

Er trägt sein Herz auf der Zunge und sein unerschütterlicher Humor ist Munition für die Mächtigen dieser Welt. Von beidem gibt es reichlich in der Komödie „Der brave Soldat Schwejk“ nach dem autobiographischen Schelmenroman von Jaroslav Hasek, der in einer Bearbeitung von Robert Gillner und Dominik Paetzholdt Premiere am Freitagabend in der Comödie Dresden feierte.

Die ebenso berührende wie bissige Satire um Obrigkeitshörigkeit, blinden Gehorsam, verlogene Doppelmoral der Befehlsgeber und bodenständige, gewitzte und untrügliche Volksweisheit ist im 100. Jubiläumsjahr der Romanvorlage aktueller denn je. Das Buch wurde in über 50 Sprachen übersetzt, verfilmt und für Theater und TV adaptiert. In einem Schwejk-Film von 1960 spielte Heinz Rühmann die Titelrolle. Die Inszenierung von Dominik Paetzholdt schafft das Kunststück, lustig und leicht bitterernste Themen wie die Angst vor Krieg, soziale Gräben und Spannungen und menschliche Zivilcourage auf die Bühne zu bringen. Sieben Schauspieler spielen um die 20 Rollen in kurzen Episoden, in schnellem Wechsel der Kostüme und Stimmungen und mit viel Situationskomik. Das turbulente Geschehen zwischen bierernst und tieftraurig vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges wird begleitet von abwechselnd flotten und schmissigen Walzerklängen wie dem Radetzkimarsch, volkstümlicher Blasmusik und romantischen, beschwingten Melodien. Vor der Kulisse eines Wirtshauses mit trist grauen Wänden und hohen Bogengängen trifft sich Freund und Feind, geht es offen und direkt, gemütlich und explosiv zu von einem Moment zum anderen.

Da sitzt Schwejk (herrlich schalkhaft-verschmitzt: Thomas Böttcher) in Jackett, Hut und Fliege beim Bier, bestellt gleich noch ein Dunkles aus Pietätsgründen, als er vom Attentat auf Herzog Ferdinand in Sarajevo erfährt und wird prompt von einem mithörenden Spitzel verhaftet, als er über den „beschissenen Kaiser“ von Österreich herzieht, obwohl es doch nur die Fliegen waren. Schwejk bittet um Handschellen, damit die Leute nicht denken, er gehe freiwillig mit einem Spitzel und bekommt Szenenapplaus dafür. Furchtlos, voll trockenem Humor, deftig und anrührend naiv-komisch spielt Thomas Böttcher, bekannt als Radiomoderator und Komiker, in einer Paraderolle wie auf den Leib geschrieben den „behördlich anerkannten Idioten“ Schwejk, der doch immer den Nagel auf den Kopf trifft. Als kluger Dummkopf bringt er Polizeibeamte, Ärzte und Oberste derart in Rage, dass ihnen reihum die angeklebten Schnauzbärte abfliegen zum Gaudi des Publikums. Ob bei der Musterung fürs Militär, im Spital bei den kriegsverweigernden, verschiedenste Krankheiten vortäuschenden Simulanten oder aus dem Zug an die Front geworfen, da er die Notbremse zog, überall trumpft Schwejk auf mit pointierten Sprüchen wie: „Nur mit Klisieren kann die Monarchie existieren!“ oder „Der Krieg ist nur was für reiche Leute!“

Mal ist er der Trottel, mal ein gefeierter patriotischer Held als Krüppel im Rollstuhl. Als Laufbursche des galanten Oberleutnants und Schürzenjägers Lukasch mit Wiener Dialekt (Ferdinand Kopeinig) hilft Schwejk ihm immer wieder aus der Bredouille, aus pikanten Situationen und springt notfalls samt seiner Manneskraft selbst ein bei gar zu liebeshungrigen Damen. Alle Frauenrollen wie auch eine spendable, geleimte Baronin und die fesche, besorgte Wirtin, spielt Dorothea Kriegl. Ein bisschen mehr Liebe und keiner hätte mehr Zeit für den saublöden Krieg!, kommentiert Schwejk dazu. Er entführt einen – echten – sehr lieben und folgsamen Hund für den Oberleutnant, den sein Herrchen jedoch beim Gassi gehen wieder erkennt und ihn strafversetzt an die Front. Schwejk begleitet den Oberleutnant bis zum letzten Atemzug. Nahegeht auch  die Szene mit dem russischem Soldat Ossip (Ulrich Milde), die beide die Gewehre niederlegen, sich nebeneinander setzen am Bühnenrand, ihre Geschichte erzählen und die Uniformen tauschen. Schwejk wird deswegen zum Tod verurteilt. In letzter Minute der erlösende Ruf: Der Krieg ist aus! Und Schwejk kann doch noch zur Verabredung mit seinem besten Freund Woditschka im Gasthaus. Er hat nur noch ein Bein. Der Spitzel sitzt auch wieder am Nebentisch. Alles ist so wie es war, nur bissl schlechter, sagt Schwejk. Und er hofft, dass mit dem Frieden auch der Verstand zurückkommt. Reichlich Beifall und stehende Ovationen gab es für einen Theaterabend, der großartig Unterhaltung und Haltung vereint. Bitte mehr von diesen Schwejks!

Text + Fotos (2) (lv)

http://www.comoedie-dresden.de


Spielte brav mit im Stück und bekam hinterher viel Applaus und Leckerli: Hund Charly, im Stück heißt er „Rosine“.

Neue Lyrik & Wiedergefundenes: Berührung & Traum & LichtSegel & Erinnerung & Nachts

Berührung

Ungewohnt
dass einer neben mir liegt
auf diese Weise

dreh mich auf den Bauch
wie Strandgut
angeschwemmt
zu keiner Regung fähig

dann auf der Seite
liegend zeichnest du
mit einer Hand
Körperumrisse nach

sanft verhalten
wie ein feiner Luftzug
fächelnder Wind am Meer
auf durchlässiger Haut

wozu Hände gut sind
sie streifen streichen entlang
auf der Hülle rühren etwas an
in mir
lauernd wie Katzen

auf ein Zeichen Zugreifen
das Unfassbare
das sich in uns
nach Nahrung sehnt

eingerollt unter der Decke
aus rotem Samt
die Krallen eingezogen

überlasse ich mich diesen Händen
die mir erzählen was ich noch nicht
oder nicht mehr weiß

LV
28.10.2022

Traum

Letzte Nacht sah
ich dich im Traum
schemenhaft
lange vermisst

saßest du da
ich legte mich
auf deine Knie
wiegte mich wie Wellen
sanft hin und her

griff nach deiner Hand
du nahmst und hieltst meine
ergriffen sah ich es

später stand ich
allein mit viel Gepäck
angesammelt in all den Jahren
du kannst es nicht für mich tragen
weiß ich es ist dir zu viel

ich kann eins nach dem anderen tragen
nichts wiegt schwerer als Versäumtes
Unversuchtes Ungelebtes Erträumtes

es wird leichter wenn du siehst
ich gehe diesen meinen Weg mit all
den Unwägbarkeiten großen und kleinen Schritten
schaukle getragen von den Wellen
überwundener Hindernisse auf und ab vor Glück

nun trag ich diesen Traum mit mir
mein Gepäck kannst du mir nicht abnehmen
doch mit mir sein
Anteil nehmen
am Leben das dir und mir
noch bleibt

LV
28.10.2022


LichtSegel

Nun reist das Papierschiffchen
mit dem Blattsegel
aus goldenem Licht
herzoffen
gleich fort
zu Dir

überbringt meine Grüße
ich wünschte
Du wärst hier

LV
7.11.2022

Erinnerung

Ein Junge mit greisem Gesicht
grauem Haar und zu langen Hemdsärmeln
unter schwarzer Weste

den Kinderschuhen nie entwachsen
doch zeitig erwachsen
seine Tränen sieht keiner

zwischen den Zeilen
die Bücher der Vergangenheit
stehen zugeschlagen

der Junge altert nie
sich zu erinnern durch alle Zeit

LV
17.1.2014, nach der Premiere von „20 000 Seiten“ von Lukas Bärfuss, einem Stück über Erinnern und Vergessen

 

Nachts

Die Nacht schleicht
auf Samtpfoten heran
im Fell die letzten
Sonnenstrahlen löschen
den Tagstaub

in der wachen Stille
wandern Sternaugen
halten mich in der Dunkelheit
umarme die Schatten

im Verborgenen bergen sie
meine Geheimnisse
in der Tiefe auf dem Herzgrund
fallen aus der Schwärze Perlen

die ich bei Tag nicht sehe

LV
21.6. 2014, zum Sommeranfang,
der kürzesten Nacht des Jahres

Hereinspaziert zum Open Mic – der offenen Bühne für alle im Kulturcafé Freital


Das erste Mal auf einer Bühne: Gudi, sechs Jahre, hat viel Freude am Musizieren zusammen mit der Musikerin Sophia Mix beim Open Mic im Kulturcafé im Kulturhaus Freital. Später kamen auch noch ihre Schwester Asia, zwölf Jahre, und ihr Vater ans Mikro. Er sang ein Lied aus seiner Heimat Syrien.

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Herzerwärmende Lieder und humorvolle Verse

Beim Open Mic, einer offenen Bühne für alle überraschen sich Akteure und Zuschauer gegenseitig. Jeden ersten Dienstag im Monat, ab 19 Uhr im Kulturcafé Freital.

Die Scheinwerfer sind schon an. Gudi, sechs Jahre, sitzt schon probehalber auf dem Hocker am Mikro. An ihrer Seite steht die Musikerin Sophia Mix mit der Gitarre und stimmt eine Melodie an. Die ersten Zuschauer nehmen Platz. Zur Tonprobe kommen auch noch ihre Schwester Asia, zwölf, und ihr Vater auf die Bühne. Er singt ein Lied aus seiner Heimat Syrien. Mit seiner Familie ist er vor dem Krieg geflohen, zuerst waren sie neun Monate in Griechenland in einem Camp. Seit zwei Jahren wohnen sie in Deutschland. Zuerst in Kreischa und seit einem Monat in Freital. Asia spricht arabisch, englisch, lernt gerade französisch, versteht auch schon gut Deutsch und übersetzt für ihren Vater. Sie sind schon das vierte Mal im Kulturcafé im Kulturhaus Freital, Lutherstraße 2, das immer dienstags ab 16.30 Uhr offen steht für alle Interessierten.

Jeden ersten Dienstag im Monat, ab 19 Uhr ist Open Mic. Eine offene Bühne für alle, für selbst erdachte und traditionelle Texte, Lieder, Gedichte und Performances aller Sprachen und Formen. Ein Experimentierraum für Neues. Jeder, der mag und Spaß daran hat, kann etwas vortragen vor Zuschauern. Egal ob Laien oder Profis. Technik und ein Klavier sind vorhanden. Instrumente gerne mitbringen. Ohne Voranmeldung kann man auf die Bühne. Eintritt frei. Das macht die Sache auch so spannend und überraschend für Zuschauer wie Akteure, wer kommt und wie es wird. Man braucht nur Neugier, Offenheit und etwas Mut dafür. Je mehr sich trauen, um so bunter und ausdrucksreicher wird der Abend. Gern überraschen von neuen Teilnehmern und Beiträgen lässt sich auch Sophia Mix, die Gastgeberin der offenen Bühne. „Ich bin ein Bühnenmensch“, sagt die 36-Jährige. Ihre Mutter hatte ein kleines Theater in Würzburg. Seit kleinauf konnte Sophia sich dort ausprobieren.

Seit 13 Jahren ist sie freischaffend tätig als Bildende Künstlerin und Musikerin und arbeitet auch im Montagscafé im Kleinen Haus in Dresden mit. „Dort wurde ich auch eingeladen, das Kulturcafé in Freital mitzugestalten“, erzählt sie. „Multidilletantin“ nennt Sophia Mix sich. Sie schreibt eigene Lieder und gern dadaistische Texte. Einige davon trägt sie witzig, wortspielerisch und temporeich an diesem Abend vor, die von einer „Flaschenpost“ erzählen und wie sie den Swing wiederfand. Und ringt köstlich sprachakrobatisch nach Worten im Liebesgedicht „Frag nicht“. Sie begleitet außerdem zusammen mit Vincent Oertel durch den Abend, stellt die Akteure vor und er stellt originelle Fragen. Der 35-Jährige schreibt auch, „Reflexionen über sich und die Welt“. Er  moderierte die „Open Mic`s“, die es einige Jahre in der Spielbühne Freital gab, und unterstützt jetzt Sophia bei der offenen Bühne im Kulturcafé. Zwischen fünf und 30 Zuschauer kamen bisher. Jeder Akteur hat eine viertel Stunde Zeit für seine Darbietung. „Man kann das Angebot auch als Netzwerk sehen. Man lernt Leute kennen, andere Musiker, Dichter und Autoren, kommt miteinander ins Gespräch und kann sich verbinden für andere Veranstaltungen“, sagt Sophia Mix. Wer schon einmal da war, kann gern wieder auf die Bühne.

Bevor es losgeht, gibt es  Tee, Kaffee oder Wasser und belegte Brote, die auf einem Tisch für die Besucher bereitstehen. Diesmal gehen sechs Akteure ans Mikro. Rund ein Dutzend kleine und große Zuhörer sitzen davor, hören aufmerksam zu und alle erhalten viel Beifall. Die Kinder sitzen in der ersten Reihe. Auch Asia, Gudi und ihr Bruder Abdul, der noch seine Fußballsachen trägt. Makeda, sieben Jahre,  malt nebenbei lustige Bilder mit fliegenden Herzen, Häusern, Mond, Sonne und Sternen auf kleine Notizblätter und verschenkt sie an die Zuschauer. Friedemann Röber aus Pretzschendorf leitet den offenen Familienchor im Kulturcafé und lauscht mit seinem kleinen Sohn Adrian im Arm der Musik. Beim Open Mic spielt an diesem Abend sein Bruder Christoph am Klavier und begleitet eine Sängerin. Sie singt mit sanfter, herzerwärmender Stimme Lieder von Tori Amos und Gundermann, die von Abschied, vom Wandel in der Natur und im Leben erzählen.

Franziska Mühr aus Tharandt las aus ihrem Buchmanuskript „Pocket Guide Grundschulzeit“ über ihre eigene Erfahrungen und von anderen Eltern, wie Kinder und Erwachsene durch einfühlsames Reden und Geduld, ohne vergleichen und bewerten, aktiver und lernfreudiger werden. René Seim aus Dresden ist zum zweiten Mal beim Open Mic im Kulturcafé Freital dabei. Seine Texte erscheinen, von ihm und anderen Künstlern illustriert, im eigenen „Windlust“-Verlag. Außerdem lädt er regelmäßig zum Wildblumenblues auf seine Lesebühne „Wildes Parfüm“ mit Texten anderer Autoren und Musik in die Spielstätte „Wanne“ im Stadtteilhaus Äußere Neustadt in Dresden ein. Das nächste Mal am 12. November um 16 Uhr. Seim las kurzweilig gereimte Verse mit viel Humor, Lust und Hintersinn und bekam reichlich Applaus. Das Spektrum reicht von Naturbetrachtungen, Liebesbriefen, Gedanken über Leben und Schreiben bis zu Geschichten über bunte Vögel, Dämmerlicht und Kneipenflair, Großmäuler und Genießer.

Stefan Döhnert blätterte lange bis er endlich seinen skurrilen Text für ein Kinderlied mit dem Titel „Ich liebe dich nicht“ fand und sorgte mit einem ironischen Dialog zum Thema Gender-Sprachverwirrung mit eigenen Wortschöpfungen wie „Spieli“ und „Mitbewohni“ für Heiterkeit. Und auch ich las spontan drei neue, auf dem Handy gespeicherte Gedichte: „Sonnenflecken (Für Vincent van Gogh), „Bericht an die Nachgeborenen“ (nach Brecht) und „Der Zwitscherbaum“. Das nächste „Open Mic“ findet am 6. Dezember als spezielle „Nikolaus-Edition“ statt. Nächste Woche Dienstag, den 8. November, von 18 bis 19.30 Uhr wird zum offenen Spieleabend für alle im Kulturcafé Freital eingeladen.

Text + Fotos (lv)