GeschichtenAbenteuer: Fantasius Firlefanz im Weihnachtsland

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Märchentante & Geschichtenerzählerin: Die Kinder Klara und Artur sind schon gepannt auf neue GeschichtenAbenteuer mit dem kleinen Holzvogel Fantasius Firlefanz der Dresdner Autorin Lilli Vostry. Im neuen Jahr biete ich Schreib- und Geschichten-Werkstätten für Kinder in Dresden und Umland an. Interessierte Einrichtungen, Freizeittreffs und Eltern können sich gern bei mir melden. Foto: JN

Fantasius Firlefanz im Weihnachtsland
(Für Klara und Artur)

Etwas Weißes lugte unter dem geblümten Tischtuch hervor.
“Was war das?“, überlegte Fantasius Firlefanz. Eine Schneeflocke. Ein kleiner Schneemann gar oder ein weiß glasierter Pfefferkuchen? Er steckte seinen Kopf unter den Stubentisch und zwei gelbe Augen funkelten ihn an. Eine weiße Pfote reckte sich ihm entgegen. Auf dem Stuhl saß die grauweiß getigerte Jade und sah den kleinen Holzvogel aufmerksam an. Der flog lieber weg. Er wusste, was Katzen einmal in ihre Pfoten bekommen, lassen sie nicht so schnell wieder los. Sie spielen und erkunden eben gern. Auf dem Tisch in der Küche und in der Stube standen jetzt große rote Blütenkelche, Fichtenzweige und ein wundervoller Strauß mit weißen langen Blütenstengeln, Zweigen mit  roten Beeren und goldbemalten kleinen Äpfeln in den Vasen.

Fantasius staunte über all die wundersamen Dinge. Da musste etwas ganz Besonderes bevorstehen! Seine Augen leuchteten und sein Herz hüpfte vor Freude. Kerzenhalter mit Lichterengeln, ein kleines Pfefferkuchenhaus weiß verziert, aus dem duftender Rauch aufstieg und Spieldosen, aus denen fröhliche Weihnachtslieder erklangen, standen da. Auf einer Schokoladendose weckte eine Abbildung Fantasius` Neugier. Dort saßen in verschneiter Winterlandschaft ein Mann in rotem Kittel, roter Mütze mit weißer Bommel, rotweißen Strümpfen und Stiefeln und eine Frau in einem zartroten Kleid und Flügeln am Kaffeetisch. Eine Kaffeetasse mit Sahnehäubchen, Kuchen und ein kleines Bäumchen geschmückt mit roten Kugeln standen darauf. Ein kleines Eichhörnchen saß auf dem Tisch und hielt eine Nuss im Arm. Eine große und kleine Eule kuschelten sich aneinander, ein Eulenkind lief Schlittschuh auf dem Eis. Ringsherum blinkten Sterne, schwebten Schneeflocken, ragten bunte Geschenkeberge in die Höhe und ein kleiner Vogel mit Bommelmütze flog ein Kistchen am Schleifenband haltend durch die Lüfte. „Oh, wie schön! Dort will ich hin!“, rief Fantasius Firlefanz freudig. Doch wo befand sich dieses Wunderland? „Könnt ihr mir den Weg zeigen?“, fragte Fantasius den kleinen Stoffelch, der einen rotweißen Schal trug und eine rote Nase hatte und den golden schimmernden Engel, die neben ihm auf dem Stubentisch, neben dem Computer, saßen. „Ja, wir kommen mit Dir“, sagten sie.

Sie winkten der Frau zu und flogen zum Fenster im Wintergarten hinaus. Von der wunderweißen Pracht war fast nichts mehr zu sehen. Die Bäume standen wieder dunkel und kahl. Raben krächzten heiser im Geäst. „Nanu, ein paar Tage vor Weihnachten kein Schnee?! Wo war der Winter hin verschwunden?“, überlegte Fantasius Firlefanz und beschloss ihn ebenfalls zu suchen. Vielleicht brauchte er auch eine kleine Verschnaufpause und saß mit bei dem Weißbärtigen im roten Kittel gemütlich am Tisch bei einer dampfenden Tasse Kaffee. Ein süßer Duft stieg in Fantasius` Schnabel. Sie flogen über einer Stadt mit vielen glitzernden Buden und Lichterketten, vor denen viele Leute standen. Es roch nach gebrannten Mandeln, Glühwein und allerlei Gebrutzeltem und Gebackenen. Eine goldene Krone funkelte an einer Lichterkette in der Luft. “Ist die für den Geschenkekönig?!“, staunte Fantasius. Er sah Menschen vollbepackt mit Taschen über den Markt und durch die Straßen eilen. Kaum einer blieb vor dem hohen Lichterbaum und der Krippe mit dem Kind stehen.

Sie waren schon weit geflogen. Der kleine Holzvogel hielt sich am zottligen Elchfell auf seinem Rücken fest und der Engel begleitete sie. Es dunkelte bereits als sie ankamen. Tief versteckt im Wald stand eine Hütte, aus der Licht schien. Hinter den Fenstern  sahen sie rote Zipfelmützen. In der Wichtelwerkstatt ging es emsig zu. „Die Wunschzettel für Geschenke werden jedes Jahr länger“, seufzte der Weihnachtsmann. Bloß gut, dass er so viele fleißige Helfer hatte. Er saß tatsächlich am Tisch beim Kaffee und neben ihm im zartrosa Kleid der Weihnachtsengel Rosalie. „Erfüllt ihr wirklich die Träume der Menschen?“, fragte sie Fantasius Firlefanz. „Wir geben uns alle Mühe. Doch viele haben das Träumen verlernt. Dann lassen sie sich schwer erfüllen“, sagte der Weißbärtige.

“Wie schön, dass ihr uns besucht. Seht euch nur um im Land der Wunder“, sagte lächelnd der Weihnachtsengel Rosalie. „Weißt Du, wo der Winter sich versteckt hat? Die Menschen wünschen sich so sehr eine wunderweiße Weihnacht“, fragte Fantasius sie. „Oh, vielleicht hat der Winter auch gerade genug von Schnee und Kälte und ist in den Süden gereist oder zu Besuch bei Frau Holle und macht es sich in einem ihrer Federbetten bequem“, erwiderte Rosalie. Vor der Hütte im Wald stand schon der Rentierschlitten des Weihnachtsmannes voller schöner Geschenke, Spielsachen und anderer zauberhafter Dinge bereit. Ein Engel reichte ihm einen rotbäckigen Apfel. Bald würde er  lustig glockenschellend mit dem Rentierschlitten durch die Lüfte zu den Menschen sausen am Weihnachtsabend. Hoffentlich blieb er nicht in einer Schneewehe feststecken! Wenn der Winter genug vom Ausruhen hatte und wieder mit eisigem Vergnügen durch die Lande brauste. Hui, wie gern würde Fantasius einmal mit dem Rentierschlitten durch die Lüfte fliegen. Doch vorher musste er doch zurück in die Stadt zu der Frau und den Kindern Klara und Artur und ihren Eltern, die ihn schon sehnsüchtig erwarteten und denen er gleich von seinem neuen Geschichten-Abtenteuer erzählen würde.

Lilli Vostry
Geschrieben am 21.12.2022

Kontakt: lilli.vostry@web.de

GeschichtenAbenteuer: Fantasius Firlefanz fliegt zu den Sternen

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Fantasius Firlefanz fliegt zu den Sternen


Die Sonne funkelte golden hinten den dunklen Bäumen, deren Umrisse wie Scherenschnitte aussahen. Hoch über den Baumwipfeln zog sie eine Spur aus Licht himmelwärts. Ein paar Vögel flogen auf. „Juchhe, ich will mit euch fliegen zu den Sternen!“, jubelte Fantasius Firlefanz, der Ritter der Lüfte. „Sie kennen bestimmt den Weg.“ Der kleine Holzvogel wackelte lustig mit den Flügeln. Er konnte es kaum erwarten, sich in die Lüfte aufzuschwingen wie die anderen Vögel draußen. „Hui, das wird ein Spaß!“ Dabei vergaß er ganz, dass der Anlass ein trauriger war. Fantasius wollte in der Welt hinter den Sternen Lola besuchen, die schwarze, gelbäugige Sternkatze der Frau und die anderen Katzentiere, die nun dort waren. Das Licht im roten Kerzenglas, auf dem zwei Katzen im Mondschein abgebildet sind, vor Lolas Bild flackert lebhaft. Als wolle sie ihre Zustimmung signalisieren. Dass sie die Idee gut findet und sich auf Fantasius freut. Dann sieht er, wie es ihr und den anderen Katzen hier oben geht und kann es der Frau nach seiner Rückkehr erzählen. Damit sie nicht mehr so traurig ist, da Lola nun fort ist.

“Hast du denn gar keine Angst, allein loszufliegen ? Was ist, wenn du dich verirrst oder es dir bei den Sternen so sehr gefällt, dass du gar nicht mehr zurück zu mir auf die Erde möchtest?“, fragte ihn die Frau. „Oh, daran habe ich bisher gar nicht gedacht“, erwiderte Fantasius. Er sah die Frau mit großen Augen erstaunt an. Seine Freude auf den Flug, von dem er schon lange träumte, war so groß, dass er kein bisschen ängstlich war. Dafür war er aufgeregt und neugierig auf die Reise, was er wohl erleben würde. Außerdem hat Fantasius ja magische Fähigkeiten, die ihn vor Gefahren und Schattenwesen beschützen. Doch er hat noch wenig Erfahrung damit. Die Frau sah zum Fenster des Wintergartens hinaus. Der Lichtstrahl verblasste allmählich. Graue Wolken zogen auf. Es war noch Nachmittag. Gerade 16 Uhr. Und dämmerte schon. Wie sollte Fantasius sich im Dunkeln zurechtfinden, dachte die Frau. Ein kleiner Vogel flog auf eine der Tannenspitzen, die vor ihrem Fenster wippten, sah kurz zu ihr herein und flog weiter. Das stattliche Tannenbaumpaar breitete seine Zweigarme weit aus. Viele Singvögel, auch Tauben und Elstern fanden hier Unterschlupf das ganze Jahr über. Sie flogen von Ast zu Ast, schaukelten, neckten sich, haschten und saßen nah beisammen im Schutz des Baumes bei Sonne, Wind und Regen. Wenn dicke, weiße Wattepolster auf den Zweigen lagen, funkelten sie in der Wintersonne wie Diamanten.

Seit gestern Abend schien der Vollmond wieder. Hell und klar, voll und rund, strahlte er in der Dunkelheit zwischen den Bäumen im Hausgarten hervor. Und die Frau strahlte mit ihm, ihr Herz ging auf und eine tiefe Sehnsucht ergriff sie. Sie sah ein paar dunkle Flecken am Mond vorbeihuschen und stellte sich vor, es wären Lola und die anderen Katzentiere, die da oben im hellen Schein saßen. “Jetzt scheint der Vollmond endlich wieder! Jetzt kann ich mich auf den Weg machen zu den Sternen“, sagte Fantasius. Er lächelte die Frau an, sie strich ihm liebevoll über den orangenen Schnabel, die Feder auf der Kappe und die Flügel. Dann brachte sie ihn zum Fenster, setzte Fantasius auf den Lichtstrahl, der herein schien und schon war er verschwunden.

Fantasius flog lange, mit unendlicher Lichtgeschwindigkeit hinauf in den Weltraum. Wolken segelten neben ihm her, Vogelschwärme in zeichenreichen Formationen, Flugzeuge. Sterne funkelten, fremde Gestirne und Galaxien. Ein Meer aus Lichtern und grenzenloser Weite. Wie sollte Fantasius hier Lola und die anderen Katzentiere finden? Plötzlich war er von strahlendem Weiß umgeben. Unzählige weiße Punkte schwirrten am dunklen Himmel. „Sind das Sternschnuppen?“, überlegte Fantasius. Wenn man sie sah, konnte man sich etwas wünschen. Doch es waren Schneeflocken, die glitzernd wie Sterne zur Erde schwebten und alles mit ihrer weißen Pracht überzogen. Alles Grau und Unansehnliche verschwand unter einer weichen Decke aus Schnee. „Schneeflöckchen, Weißröckchen, wann kommst du geschneit…“, fiel dem kleinen Vogel ein bekanntes Kinderlied ein, das er bei der Frau gehört hatte. Sie sang es gern zur Weihnachtszeit und erinnerte sich an die Winter in ihrer Kindheit. Manchmal lag der Schnee meterhoch aufgetürmt am Wegrand und blieb viel länger liegen als heute. Dann holten die Kinder ihre Schlitten heraus und gingen zu einem Rodelberg, liefen Schlittschuh, schlitterten über gefrorene Pfützen und es gab Eisblumen an den Fenstern. Und der Schnee knisterte schön unter den Füßen.

Fantasius öffnete seinen Schnabel, ließ ein paar Schneeflocken auf der Zunge schmelzen und flog weiter hinauf in den Himmel. Er sah das Sternbild der Kassiopeia am Nordhimmel und am Osthimmel leuchtete das Siebengestirn der Plejaden, die sieben Sternschwestern lächelten Fantasius freundlich an. Dann wurde ihm auf einmal schwummrig vor Augen. Dichter grauer Nebel breitete sich aus und nahm ihm die Sicht. Riesige dunkle Schwingen und lautes, heiseres Krächzen umkreisten den kleinen Vogel. Es waren die Schattenvögel, in deren Reich er eindrang und die ihn nun verfolgten. Fantasius wurde Himmelangst und Bange. Die Schattenvögel konnten mit ihren spitzen Schnäbeln seinen kleinen Holzkörper durchstoßen. Dann könnte er nicht mehr fliegen, würde erfrieren und wie einer dieser dunklen Gesteinsbrocken zur Erde fallen und zerschellen. Dann würde die Frau vergebens auf Fantasius warten. Und auch die kleine Betti, die so gern wissen wollte, was der kleine Holzvogel als nächstes macht, würde dies nie erfahren. Sie wohnt in einer kleinen Stadt an der Elbe. Die Felsen dort sind so hoch, dass sie fast an den Himmel heranreichen.

Fantasius seufzt beim Gedanken, dass seine Reise zu den Sternen schon wieder vorbei sein soll. Er versucht Luft zu holen und merkt, dass es ihm schwer fällt. Ein Brennen im Rachen und heftiger Husten schütteln ihn. Seine Kraft lässt nach. Er verliert an Höhe. Gleich wird er abstürzen. Wenn nicht ein Wunder geschieht. Fantasius hört ein leises Flügelrauschen hinter sich und spürt, wie ihn jemand hält. „Wer bist du ?“, fragt er. „Ich bin dein Schutzengel, der auf dich aufpasst und immer in deiner Nähe“, erwidert das Wesen, das zart wie eine Schneeflocke schimmert und Flügel trägt. Fantasius kann es kaum glauben. „Dann hast du ja noch mehr magische Fähigkeiten als ich und kannst mir einiges beibringen“, sagt er staunend. „Ich habe mich verirrt. Kannst du mir den Weg in die Welt der Sterne zeigen?“ Der Schutzengel hört es und nickt. „Ich begleite dich zu Lucina. Sie ist die römische Mondgöttin und Lichtgöttin. Sie bringt das Licht und die Kinder ans Licht der Welt“, sagt der Schutzengel. Und sie fliegen zusammen los. Fantasius trägt jetzt einen dicken, himmelblauen Wollschal um den Hals und fliegt auf einmal viel leichter. Am Sternentor angekommen, erwartet sie Lucina schon. Gleißendes Licht umfließt ihre grazile Gestalt. Auf dem Kopf trägt sie eine Mondsichel und ihr Körper strahlt hell wie Perlmutt und Mondstein. In den Händen hält Lucina ein warmes, gelbes Licht

„Das trifft sich ja gut“, sagt Lucina, „dann könnt ihr unser Lichtfest mitfeiern.“ Das Fest der Göttin Lucina, auch als heilige Luzia bekannt, wird in skandinavischen Ländern am 13. Dezember gefeiert. Sie verkörpert die Wiedergeburt der Sonne und des Lichts und die Frauen tragen bei dieser Feier Lichtkronen. Fantasius` Augen leuchten. Er spürt die Kälte und Dunkelheit um ihn herum nicht mehr. Alles erscheint ihm hell, strahlend und schwerelos leicht. Fantasius sieht Lichthüter, Sternbewohner und durchsichtige Lichtwesen, die Seelen der Menschen und Tiere und ihre geflügelten Begleiter. Sie schweben frei im Raum. Das Wissen und die Erinnerungen an ihr Erdenleben sind in ihren Energiekörpern gespeichert. Die Mensch- und Tierseelen können sich überallhin bewegen, ausbreiten, ausdehnen, in die Gedanken und Träume der Menschen schauen, ihnen Zeichen geben, mit ihnen innerlich reden und ihnen im Herzen weiter nahe sein. Doch wie soll er unter diesen vielen Seelen Lola wieder finden?, überlegt Fantasius. Er bittet die Lichtgöttin Lucina ihm zu helfen. Sie führt ihn zu ihr und den anderen Katzen, Paul, dem Draußenkater, Madame Blanche und einigen roten Katern. Angst vor ihnen hat Fantasius keine, auch wenn er ein Vogel ist. Die Tierseelen haben keinen Hunger und jagen keine anderen Tiere mehr, erlebt er. Sie streifen umher, frei, ohne irgendwo eingepfercht in einem Stall, Schlachthaus oder Tierversuchslabor zu leiden und enden, viele von ihnen sehen und genießen das erste Mal das Sonnenlicht hier oben.

Fantasius fragt sich, warum es auf der Erde nicht so hell und unbeschwert, sanft und friedlich zugeht wie in der Welt der Sterne. Warum die Liebe nicht für alle Menschen und Tiere wie eine warme Decke reicht. Warum die Liebe mal mehr, mal weniger stark ist. „Warum spüren die Menschen erst, wenn das andere Wesen nicht mehr da ist, wie sehr sie es vermissen und lieben?“, überlegt Fantasius. „Das wüsste ich auch gern“, sagt eine leise Stimme hinter ihm. Er sieht sich verwundert um. Und sieht direkt in die funkelnden Augen einer Sternkatze. „Bist du es, Lola!“, ruft Fantasius erfreut. Das gelbäugige Wesen mustert ihn neugierig, als es den Namen hört. „Ich lebte lange bei der Frau, die mir diesen Namen gab. Eines Tages wachte ich auf und war ganz woanders“, erzählt die Sternäugige. „Ich suchte überall nach ihr, wartete und vermisste sie. Bis heute.“ Sie vermisst dich auch sehr und schaut abends immer in den Sternenhimmel und denkt an dich und die schöne gemeinsame Zeit, sagt Fantasius. Und Lolas Augen leuchten, fast noch mehr als auf dem Bild vor dem roten Kerzenlicht, das auf dem Schreibtisch der Frau steht. „Sag ihr, es geht mir gut hier. Ich sende ihr alles Licht, das ich habe und möchte, dass sie glücklich ist“, gibt die Sternaugenkatze Fantasius mit auf den Weg und mit Lichtgeschwindigkeit fliegt er zurück zur Erde, um der Frau alles von seiner Reise zu den Sternen zu erzählen. Und sie sieht den kleinen Vogel mit warmem Lächeln an.

Text + Fotos: Lilli Vostry
Geschrieben am 8. und 11.12.2022

Neue Lyrik: Sonnenflecken

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Sonnenflecken
(Für Vincent van Gogh)

Der Himmel tagelang grau
verhangen wie eine verwaschene Leinwand
bricht die Sonne wieder hervor
noch einmal loderndes Blätterfeuer in allen Farben
über alles erhaben

das Licht flirrt umher
wirft sprenkelnde Schatten
hebt empor webt hinein
verweht was vergeht
mit sacht lösender Geste

sehe die Lichtflecken und denke
an die Sonnenblumen das berühmte Gemälde
in einer Galerie in London
wie für die Ewigkeit gemalt sehen sie aus
doch nichts scheint mehr sicher heute

sehe den Anschlag auf das Kunstwerk
in einer Videoaufnahme im Netz
drehe immer wieder zurück zu der Stelle
wo zwei Umweltaktivistinnen mit gefärbten Haaren
mit Tomatensuppe aus der Dose die Sonnenblumen besudeln

was würde Vincent dazu sagen
vergib ihnen denn sie wissen nicht was sie tun
seine Bilder atmen Natur Leben Licht pur
mit jedem Pinselstrich lehren sie uns
sie zu sehen er liebte und malte seine Umwelt zeitlebens

sie vergreifen sich an wehrlosen Bildern
wollen die Welt retten und zerstören das Schöne
und Wertvolle in ihr
in blinder Wut und Fanatismus
gießen noch Öl ins Feuer

was kann ein Gemälde
für menschliche Dummheit und Unvernunft
es wird die Zeiten überdauern
mit der Strahlkraft seiner Farben als Spiegelbild der Natur
nie vergehen

wenn ihr die Natur schützen wollt
legt euch auf die Erde ehrt sie
pflanzt Sonnenblumen und Bäume
auch wenn das weniger aufsehenerregend ist
statt eure Hände an Wänden und auf Autobahnen
festzukleben

Lilli Vostry
20.10.2022

Fotos (lv)
P.S.: Die Bilder stammen aus der van Gogh-Ausstellung in der Zeitenströmung in Dresden Anfang 2022.

SchreibLust

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Zwischenbilanz meines Lebens

Schreiblust

Die Welt der Worte hat mich immer fasziniert. Als Kind sah ich bei meiner Oma Bücher in altdeutscher, schnörkeliger Schrift, die einen eigenen Zauber besaßen.
Wie eine Geheimsprache. Mich reizte, die Worte zu entziffern, auch wenn ich den Inhalt nicht verstand oder er mich langweilte. Ich wollte einfach wissen, was da steht. So weit ich denken kann, waren immer Bücher in meiner Nähe. Ich habe als Kind viel Zeit mit ihnen verbracht, weil ich viel allein war. Bergeweise holte ich sie aus der Bücherei der Kleinstadt. Märchen aus aller Welt, am liebsten von Andersen, außerdem die reichhaltige griechische Mythologie mit ihren vielen Göttern, Helden, Tragödien, Ober- und Unterwelt, Hades und Olymp. All die fremden, klangvollen Namen und zauberhaften, wandlungsreichen Geschichten las und kannte ich auswendig und zehre von diesem Wissen bis heute.

Bald kam zum Lesen das Schreiben hinzu. All die Gedanken, Eindrücke und Einfälle wollten festgehalten werden. Beim Schreiben höre ich mir selbst zu. Es ist wie ein Schüssel zu mir selbst. Ich schließe mich und andere auf. Betrete meine eigene und die Gedanken- und Gefühlswelt anderer. Sehe mich darin um, verweile, lausche, halte Zwiesprache. Das kann innig, zärtlich oder auch rau, heftig, ungeduldig, leise und laut, lustvoll, lakonisch, traurig, komisch und ironisch, verborgen in Metaphern oder klar und konkret geschehen. All das bin ich, die Worte sind mein Spiegel, Ausdruck meines Denkens und Fühlens und Selbstvergewisserung. Indem ich sie niederschreibe, teile ich sie, vertraue mich mit ihnen anderen an. Werde sichtbar mit meinem Sein, auch mein Inneres. Worte können wärmen, schützen, halten, befreien, aber auch herzlos sein, bloßstellen, verletzen.

Bücher und Schreiben sind für mich Schätze, die mich mein ganzes Leben begleiten. Soviel wie als Kind lese ich heute nicht mehr. Es bleibt nie Zeit für alles. Doch ich habe das Schreiben zu meinem Beruf gemacht. Bin aus der Enge der Kleinstadt in die große, weite Welt gegangen, um mir meinen Herzenswunsch zu erfüllen. Im Westen war ich das erste Mal 1990 zur Aufnahmeprüfung an der Deutschen Journalistenschule in München. Da wurden die Texte noch in klappernde mechanische Schreibmaschinen geschrieben. Alle zusammen in einem Raum. Das Geräusch höre ich heute noch. Die Reportagen von damals habe ich leider nicht mehr. Ich weiß aber noch, dass ich über zwei Museumswärter im Deutschen Museum und der Pinakothek in München schrieb und beeindruckt von den Sammlungen war. Ansonsten kam ich mir winzig vor in dieser neuen, fremden Welt. Die überbordende Warenfülle und der kalte Glanz der Einkaufspaläste, die hastenden Damen in Pelzmänteln mit ihren vielen Einkaufstüten, Reisende aus aller Welt und arme, umherirrende Menschen, Bettler und Straßenkünstler waren tägliche Kontraste. Ich hatte immer Angst, verloren zu gehen, unterzugehen. Mich nicht zurechtzufinden. Nicht bestehen zu können in solch einer schönen, wohlhabenden und widersprüchlichen Stadt. In der Journalistenklasse in München waren nur zwei Frauen aus Ostdeutschland. Ich war eine davon. Die erste Frage war: War im Osten wirklich alles so grau?! Es gab Neugier, Offenheit, aber auch Vorurteile und Unsicherheit auf beiden Seiten.

Ein  Leben im Westen für länger konnte ich mir nie vorstellen. Meine Heimatverbundenheit war immer groß. Ich würde nie meine Heimat verlassen,  egal was kommt. Man kann woanders hingehen, doch seiner Vergangenheit, dem was man mitbringt, sich selbst, kann man nicht entkommen, die nimmt man überallhin mit. Man kann sich jedoch wandeln, den Blick auf das eigene Leben mit den Erfahrungen und in anderem Umfeld immer wieder erneuern, sich selbst immer wieder neu und anders erfahren auch im Spiegel anderer Menschen. Den eigenen Horizont erweitern, die Außen- und Innenwelt immer mehr in Einklang bringen. Durch Schreiben erlebe ich die Welt bewusster, lebe intensiver.

Ein Leben ohne Schreiben kann ich mir nicht vorstellen. Vieles wird durch Aufschreiben erst greifbar, erkennbar für mich. Alles was Leben ausmacht. Jeden Tag neu. Sehen, entdecken, finden, sich schreibend immer wieder allem nähern, was einem begegnet, was gesehen und ergründet werden will. Anregungen zum Schreiben finden sich überall. Beispielsweise die Schriftzüge auf Schaufenstern von Läden, Schildern und Speisekarten von Cafés ebenso wie Sehenswürdigkeiten und Gedenkorte einer Stadt. „Geschichte macht Gesichte“ steht auf einer alten Hauswand. Ein Reimesprecher bietet Unterhaltung an, die aus dem Rahmen fällt. Wenn das Leben dir einen Korb gibt… Was dann. Dann nimm ihn und geh Blumen pflücken, schrieb eine der Frauen aus dem Gedicht-Workshop nach dem Stadtspaziergang. Sich einen eigenen Reim auf die Welt machen, Erlebtes und Erfahrenes zusammenbringen nach eigenem Sprachduktus und Empfinden.

Das rein intuitive Schreiben einmal unterbrechen, sich dem Formzwang oder besser Formwillen aussetzen, um gewohnte, festgefahrene Denkmuster aufzubrechen, offen zu sein und durch die Einschränkungen die Fantasie im Worte (er)finden, hin zu neuer Freiheit der Gedanken, Ideen und Ausdrucksformen noch mehr anzuregen und zu stärken. Das war, reizvoll, spannend und es waren einige Widerstände zu überwinden. Eine ganz neue Erfahrung, andere Herangehensweisen, Zugänge und Formen zum Schreiben kennenzulernen und zu erproben, war dieser Gedicht-Workshop im Rahmen eines Schreib-Festivals, das für alle offen war. Es war das erste Mal, dass ich in einer Gruppe mit anderen Leuten etwas schrieb, ich hatte große Scheu davor, dass ich es dann nicht schaffe, nach innen zu gehen oder mir nichts einfällt, andere schneller fertig und besser sind und mit meinen Texten nichts anfangen können. Doch es ging erstaunlich gut und zum Schluss hatten wir eine wunderbare, gut besuchte Lesung mit den im Gedicht-Workshop entstandenen Gedichten. Ich bin gerade auch in einer intensiven Schreibphase, erkunde neue Erzählgenres und die Worte fließen stetig. Ich spiele auch gern mit Worten, ihrem Sinn, drehe sie hin und her, stelle sie um. Doch nicht nach einem bestimmten Schema oder Ordnungsprinzip, sondern wie es sich aus dem Moment und meinem Befinden ergibt.

Ich sehe meine Gedichte auch als Momentaufnahmen, die in dem Moment so aus mir heraus geschrieben werden wollten und damit einen Sinn und Aussagekraft haben. Jede Änderung ist schon wieder ein neuer Moment, der die Aussage und das Gedicht verändert. Ein Bild wird nicht besser, wenn man es hundert Mal übermalt. Es kommt auf den Kern an, dass der erkennbar und plausibel ist, etwas anstößt beim Lesen. Neugier weckt und zum Weiterdenken, die eigene Fantasie und Tun des Lesenden anregt. Wenn ich das erreiche, bin ich glücklich.
Lilli Vostry
23.9.2022

(Dieser Text entstand zum Abschluss meines Fernstudiums Literarisches Schreiben an der Cornelia Goethe Akademie in Offembacb/Main, das zwei Jahre dauerte mit abschließendem Schriftstellerdiplom im Herbst 2022.)

Fotos (lv)

Worte die beflügeln…

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Text-Atelier Lilli Vostry

Worte geben Träumen Wurzeln um von ihnen zu erzählen.
(Lilli Vostry)

In allen Farben des Lebens geschrieben und gesprochen, abwechslungsreich, mit unverwechselbarer Feder

finde ich für Sie/Euch in vielfältiger Form:

. Texte für Leute mit Ideen, über Projekte und Veranstaltungen
. KünstlerPorträts
. Texte für Kataloge, Werbeflyer und -broschüren, für Websites und Firmenzeitschriften
. Presse- und PR-Texte
. Texte und Reden für Galerien und Künstler, für persönliche Jubiläen, Feste und
Firmenfeiern
. Ghostwriting/Lebensgeschichten festhalten
. Eigene Kurzprosa und Poesie für verschiedene Anlässe
. Schreibwerkstätten für Kinder, Senioren und andere Interessierte

Preise (auf Anfrage)

P.S.: Aktuell suche ich einen Raum in Dresden oder Umgebung für Schreibwerkstätten, der auch als Café & Kunst-Kiosk mit kreativen Angeboten nutzbar ist. Möglichst mit Schaufenster/Ausschank-Möglichkeit/Schiebefenster etc. Gern auch ein kleines Gartenhaus.

Kontakt: Lilli Vostry, Tel.: 0177 – 524 88 48
e-mail: lilli-vostry-journalistin@gmx.de oder lilli.vostry@web.de

Freie Journalistin . Autorin . Poetin . Wortschmiedin . Redekünstlerin

Gedicht-Zyklus „Am Fluss“ anlässlich 20. Jahrestag der Jahrhundertflut in Sachsen

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Vom Leben am Fluss: Auf der Suche nach Hochwasser-Bildern von 2002 und 2013, die ich selbst in Dresden miterlebte, fand ich diese Aufnahmen von einer Open Air-Inszenierung an der Elbe. Ist es Undine, die aus dem Wasser steigt und von einem Leben in Liebe und Harmonie mit einem Menschen träumt? Fotos (lv)

Am Fluss

Blaue Inseln
kreiseln im Wolkenmeer
auf und ab tauchende Schwalben

über allen Wassern
führt mein Weg
zu Dir

der Fluss verschiebt
die Grenzen
hinter den Sandsackwällen

findet alles
Zeit

L.V.
4.6.2013

Überfließen

II
Der Fluss steigt
an Land
fließt über
vor Glück

breitet sein nasses Kleid
auf der Wiese zum Trocknen
mitten im Entengeschnatter
aufgeschreckter Menschen

schaukeln Stämme mit Raben
im Wasser
auf den Bänken im Fluss
sitzt keiner

Laternen und Verkehrsschilder
nur noch Zier
bis der Fluss ermattet
zurückkehrt in sein
Bett

L.V.
4.6.2013

Nach dem Regen

III
Los lassen
wir hinter uns

den grauen Glanz
der Regentage

zurückgeworfen
ins Licht

federleichte Laken
am Himmel

verwehen im
nächsten Moment

Lassen wir uns nicht mehr
zurück im rinnenden
Rauschen

L.V.
5.6.2013

Begegnung

IV
Wir stehen am Fluss
versperrt der Weg
am Ufer

Sehen uns an
kein Blick ertrinkt
im andern
segeln umeinander

Jeder auf seiner Insel
gehst du weiter
fließen wir uns
entgegen

L.V.
5.6.2013

Gebändigt

V
Unter mir
der tosende Strom
aufgewühlt
unterm Brückenbogen

aufgebrochen
zu anderen Ufern
bricht sich Bahn
in der Erinnerung

gebändigt
besänftigt
im Nachhall
verebbter Glut

L.V.
9.6.2013

Flussmelodie

VI
Mit dem uferlichten Tag
fängt der Flug der Schwalben

mein Sehnen nicht auf

flüstert der Fluss
sein Lied
trocknet ein Klavier
tonlos am Straßenrand

L.V.
17.6.2013

Wolkenmeer

VII
Auf blau strahlendem Parkett
drehen sich die Wolkentänzer
schließen Wetten ab
mit dem Fluss

wie nah sie noch
heranrücken können
mit vollen Segeln
im Baurausch

Goldgräber am noch schlamm
verklebten Ufer hängen
Lamettagrasbüschel
Mülltütenfetzen in den Bäumen
am Wasser ein verlorener Regenschirm

ein staubiges Sofa mit
Blick auf den glänzenden Wasserspiegel
sonst alles wie immer
in der Abenddämmerung versinkt
die goldene Kugel im Strom

L.V.
18.6.2013

Steinwüste

VIII – Fortsetzung des Gedicht-Zyklus „Am Fluss“ *

Von allen verlassen überdauerten
sie noch das alte Jahr
nun reißt ein gefräßiger Greifarm
die letzten Reste
der alten Speicherhallen am Hafen
aus dunklen Dämmerträumen
erbarmt sich ihrer die seit hundert Jahren
dort standen nicht einfallen wollten

die ihnen neues Leben einverleiben wollten
standen allein
letzten Sommer flatterten noch grünweiße Jalousien
vor einem der Fenster nebenan am City Beach
wurde nächtelang gefeiert
nun starren Fensterrahmen ins Leere
in den Dachnischen der Hallen brüten keine Vögel mehr
der Greifarm gräbt tief ins Innere
zurück bleibt eine Steinwüste
bizarr aufgerichtete Innereien
der Geruch von Holzgebälk Staub und Ziegelsteinen

mittendrin ein mächtiger alter Baum
mit schwarzem Geäst sieht alles mit an
wird er bleiben im Baugewirr graublaue Wasserlachen
ausgerissene Grünsprösslinge winden sich aus Schuttbergen
empor dazwischen ein Stück himmelblauer Zaunsrest
der Bücherscheune hebe es auf mit ein paar Steinen

eine weiß blättrige Gestalt Göttin des Zerfalls
oder Zufalls des nie ganz vertreibbaren Schönen
erhebt sich von einem gelben Steinsrest der früheren Speicher
aus den Trümmern schauen zwei metallene Wächter
wiegen ihre rostigen Baggerschaufelköpfe

L.V.
16.1.2019

* Die Texte I – VII entstanden während des zweiten großen Hochwassers an der Elbe in Dresden im Juni 2013, das erste war im August 2002 und ich wurde aus meiner damaligen Wohnung in der Leipziger Straße ca. 14 Tage evakuiert.
Text VII entstand am 16.1.2019, abends, nach dem Abriss der letzten Speicherhalle in Elbnähe, an der Leipziger Straße. An Stelle der alten Hallen wird das Großbauprojekt Hafencity (Investor USD – Unser Schönes Dresden) mit mehrstöckigen Wohn- und Geschäftshäusern vorbereitet. Die ersten Neubauten stehen schon. Fragen des Hochwasserschutzes im Überschwemmungsgebiet der Elbe sind bis heute nicht ausreichend geklärt. (lv)

Wort & KlangZauber: Gedicht-Lesung „Vom Zauber endloser Anfänge“ mit Lilli Vostry & Musiker Gabriel Jagieniak im Melli Beese-Haus in Laubegast

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Herzlich willkommen zu meiner nächsten Gedicht-Lesung „Vom Zauber endloser Anfänge“ im Melli Beese-Haus, im Atelier von Eckhard Kempin, Österreicher Straße 84 in Dresden-Laubegast. Ein wunderschöner Leseort mit zauberhaftem Garten.

Natur, Kunst, Musik & Poesie in zauberhafter Umgebung

Zu erleben bei der Gedicht-Lesung „Vom Zauber endloser Anfänge“ mit Lilli Vostry, freie Autorin und Musiker Gabriel Jagieniak mit Akkordeon und Stimme am 23. Juni, 19.30 Uhr im Melli Beese-Haus, im Atelier von Eckhard Kempin, Österreicher Straße 84 (gegenüber der Schiffswerft) in Dresden-Laubegast.

Der Zauber endloser Anfänge geht weiter. Diesmal sind wir mit unserer Gedicht-Lesung mit Musik in einem Haus mit besonders bewegender Geschichte zu Gast. Im Melli Beese-Haus, dem Geburtshaus der ersten deutschen Motorfliegerin, in Dresden-Laubegast. Eine Gedenktafel mit ihrem Bildnis an der Gartenmauer am Eingang erinnert an die berühmte Bewohnerin. Umgeben ist das Haus von einem wundervollen, urwüchsigen Garten mit hohen alten Bäumen, blühenden Sträuchern, Blumen und seltenen Pflanzen. Ein beflügelnder Ort wie geschaffen für Kunst, Musik und Poesie, begleitet von Vogelgezwitscher. Das von seinen neuen Besitzern liebevoll, detailgetreu sanierte, denkmalgeschützte Haus lädt ein zum Träumen, Innehalten und Verweilen. Die Besitzer öffnen die Türen gern für Besucher zu kulturellen Anlässen wie Ausstellungen, Lesungen und Musikabenden. Diese finden statt im Atelier- und Ausstellungsraum des Künstlers Eckhard Kempin, der hier seit der Sanierung des Gebäudes wohnt. Durch ihn wurde ich auf diesen besonderen Ort und seinen zauberhaften, naturnah belassenen Garten aufmerksam.

Um so größer die Freude, nun hier meine Gedichte, begleitet von Musiker Gabriel Jagieniak mit Akkordeon und Stimme, wieder lesen zu können. Zu hören sind ältere und neue Texte, darunter aus den bereits vier veröffentlichten GedichtBilderKalendern, die zwischen 2010 und 2022 entstanden.

Meine Wortgebilde sehe ich wie Wolken, die beständig ihre Form ändern,
in offener Weite die Fantasie anregen und in denen man immer etwas Neues entdecken kann. Die mal unbeschwert, mal bewölkt, von den Wandlungen im Leben, von Licht und Schatten, dem Zauber des Augenblicks und Neuanfangs erzählen.

Gabriel Jagieniak (soundcloud.com/gabriel-jagieniak) bewegt mit seinem virtuosen Akkordeonspiel, mit und ohne Gesang und eigenen Kompositionen, auf humorvolle Weise frei vorgetragen, immer wieder das Publikum.

Kommt, schaut, lauscht und genießt.

Wir freuen uns auf Euer Kommen!

Herzliche Grüße
Lilli Vostry und Gabriel Jagieniak

Hier vorab eines meiner neuen Gedichte zur Einstimmung auf die Lesung im Melli-Beese-Haus:

Nahe bei Dir

Ich saß in einem Garten
ganz in deiner Nähe
und dachte wie es wäre
wenn wir uns noch einmal
alles erzählen
wie es begann
dein und mein Leben
wir uns aus den Augen verloren
doch nicht aus dem Sinn

ein Wasserstrahl flüstert
in einem Brunnen
sitzt du manchmal
auf einer der Bänke
beschirmt von hohen Bäumen
verblüht schon die  Rhododendron
die Blumen aus Kindertagen

locken vor mir weiße Blütensterne
der Duft von Holunder in der Luft
greife nach den hoch hängenden
Blütendolden
und vergesse einen Moment
die unsichtbare Grenze
zwischen uns

LV
2.6.2022

Text + Fotos (lv)

Neue Lyrik: Gedicht für Mutter Erde

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Gedicht  für Mutter Erde

Ich bin eine Frau
trag ein Kleid
blau wie der Himmel
das meine Mutter
mir einst schenkte

ich bin ein Kind der Erde
(umbuchen! verlangt die Tastatur)
auf der ich wandle
wachse und
werde
was ich noch
nicht bin

sie trägt mich
ihre und unsere Wunden
sie liebt alle Menschen
doch die sich im Dunkeln
verschanzen
sehen nichts
mehr

Menschen fliehen
Soldaten wissen nicht
wofür sie kämpfen
und sterben

ihr Anführer sitzt
im Ural weit weg
von den Schützengräben

wilde Tiere jagen
nur wenn sie hungrig sind
ich wünschte mir
die wilden Tiere kämen
ihn zu vertreiben

und wünsche mir
einen Sternenregen
damit mehr Licht
werde auf der Erde

Lilli Vostry
8.3.2022

Video

Video zur Lesung mit Musik „Vom Zauber endloser Anfänge“ in der Bücherei Großenhain

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Hier eine Live-Aufnahme  –
Momente meiner Lesung mit Musik „Vom Zauber endloser Anfänge“ zusammen mit Gabriel Jagieniak am 12. Oktober 2021 in der Karl-Preusker-Bücherei in Großenhain.

Herzlichen Dank an Jens Reichel für das Video!

Viel Freude beim Anschauen.

Lilli Vostry

Poesie & Musik: „Vom Zauber endloser Anfänge“ zu erleben in der Karl-Preusker-Bücherei Großenhain

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Mit viel Wortlust & Musizierfreude kommt die neue Gedicht-Lesung mit Musik „Vom Zauber endloser Anfänge“ mit Lilli Vostry, Autorin und Gabriel Jagieniak, Musiker, auf die Bühne. Zauberhaftes, abwechselnd fröhlich beschwingtes und leise, sehnsuchtsvolles Akkordeonspiel und lebhafte, helle, dunkle, zarte und raue Saxofonklänge begleiten und mischen sich mit bilderreicher Poesie und erzählender Lyrik über die Wandlungen im Leben und den Zauber des Augenblicks. Herzlichen Dank an Galeristin Janett Noack, die uns den Probenraum in ihrer Galerie Kunst & Eros auf der Hauptstraße 15 in Dresden zur Verfügung stellte und die Fotos aufnahm! Im Hintergrund Malerei von Helena Zubler in der derzeitigen Ausstellung „Sweet Spot“ (noch bis 20.11.2021)

Wort- und Klangzauber in der  Bücherei Großenhain

Mit der Premiere der Gedicht-Lesung mit Musik „Vom Zauber endloser Anfänge“ sind Lilli Vostry, Autorin und Gabriel Jagieniak, Musiker, am 12. Oktober, 19 Uhr in der Karl-Preusker-Bücherei Großenhain zu Gast.

Die Strandtasche flüstert was vom Meer, das unendlich weit erscheint. Fast allein am windzerzausten Strand mit den kreisenden, kreischenden und immer hungrigen Möwen, ist alles anders als sonst. Erinnerungen steigen auf an vertraute Orte, an Verlorenes, Liebgewordenes und das Meer kommt mit an den neuen Ort, wo die Zeit stehen geblieben scheint und wunderbare neue Entdeckungen warten.

Poesie und Musik lassen sich mitreißen vom Spiel der Wellen mit dem Wind, bewegen und davon tragen vom „Zauber endloser Anfänge“. So heißt die neue Gedicht-Lesung mit Musik, mit der Lilli Vostry, Autorin und Lyrikerin und Gabriel Jagieniak, Musiker (Akkordeon, Saxofon), am 12. Oktober, 19 Uhr in der Karl-Preusker-Bücherei in Großenhain zu Gast sind. Es ist die erste deutsche Volksbücherei, gegründet 1828.

Sie trägt den Namen ihres Gründers, auf dessen Spuren die Besucher im historischen Preusker-Zimmer ebenso wie im Lesegarten wandeln, verweilen und natürlich ausgiebig in Büchern blättern können. Auf dem Programm der Erlebnis-Bücherei stehen Führungen, Lesenächte für kleine Geschichtenlauscher, Buchvorstellungen, Autorenlesungen, Ausstellungen und Jahreszeitenfeste mit Spiel- und Bastelangeboten.
(www.buecherei-grossenhain.de )

Der Libèrtango von Astor Piazolla eröffnet die Lesung „Vom Zauber endloser Anfänge“. In den Gedichten geht es um Natur und Zwischenmenschliches, um die Veränderungen und Wandlungen im Leben und den Zauber des Augenblicks und Neubeginnens. Sie erzählen von „Bildern im Kopf“, vom „Garten Eden“, kleinen Faltern, ungestümen Katzen, wildem Mohn und einem seltsamen Hörnertier.

Lilli Vostry lebt und arbeitet als freie Journalistin, u.a. auch für die Sächsische Zeitung, in Dresden und schreibt seit zehn Jahren Lyrik. Sie hat bereits vier BilderGedichtKalender mit verschiedenen Künstlern im Zeitraum von 2013 bis `016 veröffentlicht. Zu hören in diesem Programm sind frühe und neue Gedichte und Texte, auch zum Leben in Corona-Zeiten.

Gabriel Jagieniak (soundcloud.com/gabriel-jagieniak) bewegt mit seinem virtuosen Akkordeonspiel, mit und ohne Gesang, bekannten Melodien und eigenen Kompositionen, auf humorvolle Weise frei vorgetragen, immer wieder das Publikum. Aktuelle Bandprojekte von ihm sind ein Trio „Gamaleon“ sowie ein Duett „Solna“, welches mit Lina Tayem an der Klarinette vorwiegend Klezmer, klassische Musik und osteuropäische Folkore interpretiert.

Na, neugierig geworden?

Wir freuen uns auf Euer Kommen!

Gern zeigen wir dieses Poesie-Programm mit Musik an weiteren Aufführungsorten in und außerhalb von Dresden und der Region.

Herzliche Grüße

Lilli Vostry & Gabriel Jagieniak

Text + Fotos (2) (lv)


Aus meinem Wortgarten in die Welt: Neues Gedicht-Programm „Vom Zauber endloser Anfänge“ startklar

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Den Zauber des Moments im Blick: meinwortgarten-Inhaberin Lilli Vostry
Schneckenreise. Einladung zum Innehalten, Interagieren und Neues ausprobieren.

Der Zauber endloser Anfänge geht weiter

Nach der Premiere des Gedicht-Programms „Vom Zauber endloser Anfänge“ im Mai im KlangLabor Dresden sind neue Texte zum Leben in Corona-Zeiten eingeflossen. Damit kommt die Autorin Lilli Vostry gern mit musikalischer Begleitung an neue Auftrittsorte in Dresden und der Region.

Ich werde ältere und neue Texte gemischt lesen, die vor und während der Zeit des Lockdowns entstanden sind. Die Zuhörer können die Lyrik und Kurzprosa auf sich wirken lassen und für sich herausfinden, wie zeitlos die Stimmungen sind, wie sie sich wandeln, wo es Berührungsmomente, Reibung und Brüche gibt und wie sich der Blick auf das eigene Leben und die Welt in Corona-Zeiten verändert. Zu den Gedichten aus den Jahren von 2012 bis 2020 sind außerdem Notizen aus meinem Corona-Tagebuch zu hören, die auch auf Einträge und Reaktionen auf Texte auf meiner FB-Seite zurückgreifen und diese reflektieren. Daraus entsteht ein Puzzlebild verschiedenster Stimmen und Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen von Menschen, die von ihrem Umgang mit dem rätselhaften Virus, den Auswirkungen im Alltag und der Gesellschaft erzählen. Die Puzzleteile kann jeder für sich betrachten, sortieren, anders und neu zusammensetzen.

Dieses Programm will anregen, den Blick über das Maske tragen hinaus wieder für Begegnungen, Gespräche, ein offenes, lebendiges Miteinander mit allen Facetten zu öffnen, um aus Abständen nicht neue Barrieren werden zu lassen, sondern gemeinsam zu schauen was möglich ist.

Während des Lockdowns und den sozialen Kontaktbeschränkungen waren das Internet und Facebook mit seinen sozialen Foren monatelang nahezu mein einziges Fenster zur Welt, um mit anderen Menschen in Kontakt zu sein.

Das Live-Erlebnis wie Lesungen haben bei mir immer Vorrang. Darüber hinaus betreibe ich bereits seit fünf Jahren einen eigenen Kultur-Blog im Internet:  www.meinwortgarten.com  Dieser bietet über das reale Leben hinaus  kulturinteressierten Lesern und Kulturmachern die Möglichkeit, miteinander in Verbindung zu bleiben und aktuelle Projekte und Veranstaltungen zu veröffentlichen.

Als neuestes, interaktives Angebot wird bald ein virtuelles Erzählcafé „Lebendige Beziehungen“ hier auf dem Blog eröffnen, wo man sich rund um Kunst, Kultur, Zwischenmenschliches und Umwelt austauschen, interagieren und neue
Formen der Kommunikation zusammen ausprobieren kann. Wo Platz ist für Ideen, Träume, Reifendes, das wahrgenommen und weiterentwickelt werden will. Natürlich gern auch Eindrücke und Feedback über das aktuelle Programm „Vom Zauber endloser Anfänge“ dalassen. Mit diesem komme ich gern auch mit musikalischer Begleitung in Spielstätten, Kultur- und Freizeiteinrichtungen, Cafés und Gartenlokale, Senioren- und Pflegeheime in Dresden und der Region (bitte an mich wenden per mail: lilli-vostry-journalistin@gmx.de )

Mein Gedicht-Programm „Vom Zauber endloser Anfänge“ und der interaktive Ausbau des Kultur-Blogs meinwortgarten.com werden gefördert mit einem zweimonatigen Arbeitsstipendium „Denkzeit“ der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.

Text + Fotos (lv)

Hier ein Gedicht aus dem neuen Programm:

Schneckenreise

Im Regenrauschen im Takt
der Tropfen tauchen sie
lautlos auf
im Schneckentempo aufwärts
am Stamm der alten Weide
gehen sie auf weite Reise

halb außen halb in ihrem farbflirrenden
Gehäuse
gleiten galant über rissige Rinde
auf der winzige Käfer vorbeiflitzen
schnellen Fühler vor und zurück
bei leiser Berührung
rollen sich ihre Körper feingliedrig
an Blättern ein und auf

fallen in Love
folgen ihrem Weg
sehr agile Winzlinge
Regenperlen gleich mit durchsichtig
schimmerndem Gehäuse
hinauf bis in die Weidenkrone

Lilli Vostry
22.8.2020

Überall Welt: Buchpremiere von Volker Sielaff im Zentralwerk & Neuer Gedichtband „Barfuß vor Penelope“

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Die Edition AZUR lädt ins neue Verlagsbüro im ZENTRALWERK – ein neues Domizil der Dresdner kreativen Szene – zur Vorstellung von Volker Sielaffs Journal „Überall Welt“ am 7. März 2017, um 20 Uhr auf der Riesaer Straße 32 ein. Mit Lesung und Gespräch mit dem Buchautor. Der Eintritt ist frei.

Ein Tagebuch kann vieles sein: Archiv, Versuchslabor, Ideenspeicher. Volker Sielaffs Journal passt in keine dieser Schubladen – und sein Schreibgrund ist wohl am ehesten mit dem vergleichbar, den Victor Klemperer einmal für seine Tagebücher formulierte: »Nur Leben sammeln. Immer sammeln. Eindrücke, Lektüre, Gesehenes, alles. Und nicht fragen, wozu und warum.«
Nach den gefeierten Lyrikbänden »Selbstporträt mit Zwerg« und »Glossar des Prinzen« legt Volker Sielaff erstmals eine Auswahl von Prosaaufzeichnungen aus zehn Jahren vor: unverstellte, berührende Notate vom Rand der Wahrnehmung. Sie berichten vom Glück des Lebens mit einem Kind, von Begegnungen, Streifzügen, Lektüren und Beobachtungen. Überall Welt!

ISBN: 978-3-942375-24-5
152 S., Klappenbroschur, 19,90 EUR

Der Chamisso-Preisträger Gino Chiellino schrieb in einer DNN-Kritik unter dem Titel „Ein Entwicklungsroman besonderer Art: Volker Sielaff legt mit „Überall Welt“ ein außergewöhnliches Buch vor“ u.a.: „Zwar werden Reisberichte, Tagebücher und Autobiographien wichtiger und unwichtiger Akteure mit Erfolg veröffentlicht, aber welcher Schriftsteller würde es wagen, wie es Volker Sielaff getan hat, ausgehend von einer existentiellen Veränderung im Leben des Protagonisten eine elfjährige Beobachtung der Welt um das Leben des Journalverfassers niederzuschreiben? Mir ist auf jeden Fall kein zweiter bekannt!“

Siehe dazu auch den Text auf meinwortgarten.com zur Lesung „Unmöglich, gegen eine Amsel anzulesen…“ von Volker Sielaff aus seinem Buch „Überall Welt“.

Mehr Text zu diesem Buch folgt.

Rezension zum neuen Gedichtband „Barfuß vor Penelope“ von Volker Sielaff (edition Azur, 2020)

Kleiner Vorgeschmack: In diesen Texten, freien Versen und mit End- und Binnenreim, spricht oft die Liebe, in allen Facetten, zärtlich, rau und sanft. Diogenes spricht zu einem Maler; eine wortwitzreiche-poetische Welt- und Alltagsreise ist der Zyklus „Mystische Aubergine“ und kleine schöne Momentaufnahmen des Seins verankert Sielaff im letzten Kapitel mit dem Bekenntnis: „Ich bin in hohem Bogen ein Diesseitiger“.
Ein luftig-leichtes, gedankenreiches Buch für warme und kühle Tage, voller Farb- und Sprachreichtum über die Liebe zu allem, zum Leben mit allen Höhen und Tiefen. Prägnant und geheimnisvoll wie im Klappentext auf der Buchrückseite mit dem doppeldeutigen Titel „Liebe endlich“: „zum Umbruch, zur Wut. Zu den achtzig Thesen des Pandas zum Blut. Zu jedem, der noch gern barfuß geht. Zum Hut, zur Kokotte, zum Widergänger, zum Nestbeschmutzer und Zettelaufhänger. Zu Aphrodites Tattoo. Zu allen Tasten auf deiner Haut, zu jedem Ganoven, jeder Braut. Zu Else Laske-Schüler und dem Blauen Klavier auf deinem Kühler.“

Text (lv)

Genuss pur. Poesie & Kuchen – auch zu buchen…

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Genuss für Geist & Sinne. Mit Rhabarber – Ein Gedicht aus dem Backofen fing alles an. meinwortgarten-Inhaberin und Autorin Lilli Vostry liebt Poesie & Kuchen und bringt beides gern zu Lesungen mit.

Wenn die Worte und Aromen auf der Zunge tanzen

Die erste Kostprobe gab es bei der Premiere meiner Gedicht-Lesung „Vom Zauber endloser Anfänge“ am 16. Mai im KlangLabor in Dresden, das angesichts Corona-Einschränkungen gut gefüllt war. Vom ersten selbst gebackenen Rhabarberkuchen, dem ich ein eigenes Gedicht widmete, blieb fast kein Krümel übrig. Das spornte mich an zu weiteren Backversuchen. Ich mag Poesie & Backen. Das Spiel mit Worten & Zutaten & der betörende Duft & Aromen, die auf der Zunge tanzen & Gestalt annehmen. Zum Zuhören, Probieren und Genießen einladen und etwas Bleibendes schaffen.

So entstand mein neues Angebot unter dem Motto: „Poesie & Kuchen – auch zu buchen“ eigene Gedichte und selbst gebackenen Kuchen zu Lesungen mitzubringen. Und diese zwei Leidenschaften zu verbinden. Genuss für Geist und Sinne.

Ich lese gern vor neugierig aufgeschlossenem Publikum, ob in Spielstätten, in einem Gartenlokal, auf privaten Feiern oder in Senioren- und Pflegeheimen in Dresden und der Region. Gedichte über Zauberhaftes in der Natur und Zwischenmenschliches, Veränderungen und Wandlungen im Leben und den Zauber des immer wieder Anfangens. Viele meiner Gedichte, die in den letzten zehn Jahren entstanden und für die ich als nächstes einen passenden Verlag suche, stehen hier auf meinem wortgarten-Blog.

Wer Interesse an meinen Lesungen hat, auch mit musikalischer Begleitung möglich, kann mir gern schreiben an folgende e-mail-Adresse:
lilli-vostry-journalistin@gmx.de

Text + Fotos (lv)

Licht & Schatten: meinwortgarten in der Corona-Krise

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Liebe LeserInnen meines wortgartens,

zuerst das Erfreuliche: dieser Kultur-Blog nähert sich der 70 000-Marke an Aufrufen. Es geht stetig aufwärts. Mein Traum-Ziel ist die 100 000 bald zu erreichen und hoffentlich auch mal Einnahmen, auch aus den täglichen Anzeigen, die bereits seit einer Weile rings um meine vielen Beiträge stehen…

Es sind besondere, zwiespältige Zeiten gerade. Ich lebe, genieße im Moment, doch die Sonne vertreibt die existenziellen Sorgen nicht… Habe kaum Einnahmen momentan aufgrund der einschneidenden Corona-Maßnahmen.

Daher meine Bitte an Euch, vor allem die langjährigen Stammleser: Wenn Ihr meine Arbeit als freie Journalistin schätzt und unterstützen möchtet, könnt Ihr das jetzt mit einer Spende für das Weitergedeihen meines Kultur-Blogs: http://www.meinwortgarten.com tun.

Dieser wird seit nunmehr fünf Jahren von mir liebevoll gehegt und wächst… Das alles unentgeltlich. Viel Zeit steckt im wortgarten, bin oft unterwegs und Ihr bekommt immer neue, vielfältige Kulturgewächse zu lesen und sehen in Form von Bildern…
(Die Tagesmedien haben längst Bezahlsperren für ihre online-Angebote eingerichtet.)

Doch allein von Luft und Liebe kann auch ich nicht leben.

Herzlichen Dank an alle Leser und Unterstützer.

Bleibt schön neugierig, teilt und empfehlt meinwortgarten.com weiter.

Eine gute Zeit und Bleibt gesund!

Lilli Vostry
Inhaberin meinwortgarten.com

Herzlichen Dank für ihre Spende:

Kathrin Krüger-Mlaouhia, Redakteurin in Großenhain

Hartmut Maihöfer vom mai hof puppentheater in Dresden-Weißig

Günter Gläser, Emaillebilder-Künstler in Radebeul

Michele Cyranka, Malerin, Grafikerin und Keramiikerin in Tharandt

Spendenkonto:

Lilli Vostry
Bankverbindung: IBAN DE 88 8707 0024 0525 231700 bei Deutsche Bank
Kennwort: wortgarten-Spende

Fotos (lv)

Start der Schreib- und Geschichtenwerkstatt für Kinder „Fantasius Firlefanz“

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Geschichten-Abenteuer erleben – Jeder hat Fantasie!

Für alle, die in den Sommerferien noch nichts vorhaben, startet für neugierige, spiel- und erzählfreudige Kinder und Jugendliche die Schreib- und Geschichtenwerkstatt „Fantasius Firlefanz“ mit Lilli Vostry, freie Journalistin und INhaberin des KulturBlogs meinwortgarten.com als neues Angebot im KlangLabor auf der Lommatzscher Straße 6 in Dresden. Heute am 4.7., von 16 – 18 Uhr das erste Mal. Ab 11. Juli dann immer mittwochs von 17 – 19 Uhr. Ich freu mich auf Euch.

Hallo, liebe Kinder!

Hier könnt Ihr die kreative Schreibwerkstatt für Kinder und Jugendliche „Fantasius Firlefanz“ kennen lernen. Der bewegliche kleine Holzvogel ist unser Begleiter, der unsere Fantasie beflügeln möchte. Bei den Geschichten-Abenteuern, die uns zuflattern aus der großen Welt der Worte.

Gemeinsam entdecken wir den Spaß am Erzählen, sprachlichen Gestalten in spielerischer Form und Umsetzen der selbsterdachten Geschichten.

Wenn Ihr gern träumt, erfindet, neugierig seid, Euch lesend und schreibend ausprobieren wollt, ist die Schreib- und Geschichtenwerkstatt ein guter Ort, dies miteinander zu tun.

Zu meiner Person: Ich heiße Lilli Vostry, schreibe selbst gern seit meiner Kindheit und arbeite hauptberuflich als freie Journalistin, außerdem als Kinderbetreuerin und in der Deutsch-Nachhilfe in Dresden. Es sind auch spezielle Angebote für Kinder mit ADHS möglich.
Ich gebe auch Kurse in spielerischem Schreiben für Kinder auf Anfrage in Schulen.

Kosten pro Teilnehmer pro Nachmittag (2 Stunden): 10 Euro

Kontakt: Lilli Vostry, Tel. (0351) 848 75 03 oder 0177 – 524 88 48
email: Lilli.Vostry@freenet.de

Keine für Alle! – Lara Finesse

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Kolumne: Neue Mauern…

Wie es zu meinem Namen kam, das bleibt mein Geheimnis. Ob es mich wirklich gibt? Nun ja. Wie heißt es so schön: Ich denke, also bin ich. Was auch nicht unbedingt selbstverständlich ist. Neulich hörte ich im Radio in einer Humorsendung, es war gerade Fasching, den unglaublichen Satz: Das Lachen unterscheide den Menschen vom Tier. Das habe kein Geringerer als Aristoteles einst festgestellt, wie auch die gefährliche und befreiende Wirkung auf die Lachenden und Ausgelachten zeitlos ist.

Wer lacht, zeigt, dass er etwas erkannt und verstanden hat. Oder es zumindest meint. Während Tiere, wenn sie lachen mit heraushängender Zunge oder fiependen Lauten,gar nichts denken, sondern sich einfach ihres Daseins freuen. Das unterscheidet Tiere tatsächlich sehr von Menschen.

Manche von letzteren verziehen keine Miene, egal was um sie herum passiert. Es ist ja nicht zu übersehen, dass sich gerade ein großer Wandel in der Welt von draußen nach drinnen – damit meine ich nicht nur die über Ländergrenzen hinweg ziehenden Flüchtlingsströme – vollzieht. Neue Mauern tun sich auf, mit denen wir uns selbst umgeben. Man sehe sich nur die Leute an, die draußen unentwegt nach unten auf diese glatten, flimmernden Teile starren und darauf herumtippen und die Ohren oft verstöpselt halten.

Wie ferngesteuert laufen sie durch die Gegend, manche rennen einen fast um. Ich frage mich dann immer: Was ist so ungeheuer wichtig, dass diejenigen dieses Teil kaum eine Minute mehr aus den Augen lassen?! Was würde passieren, wenn sie es verlieren? Was taten sie, bevor es Smartphones gab?

Mittlerweile braucht man gar nicht mehr aus dem Haus zu gehen. Man bekommt alles aus dem weltweiten Netz. Man kann Tag und Nacht einkaufen, mit den Augen überallhin reisen, sich vergnügen, den idealen Partner per Fragebogen zusammenpuzzeln, für zwischendurch, nur virtuell oder auch mal in echt. Heldenhafte Essensbringer aus dem Internet (die nennen sich wirklich so!) gibt es auch inzwischen.

Anderes wie Postkarten und Briefe schreiben, stirbt allmählich aus. Vielleicht werden Briefkästen deshalb auch immer seltener?

Neulich fragte tatsächlich jemand auf Facebook, ob es eigentlich noch Schreibpapier gäbe! Als ob es davon abhinge. Wenn man das Bedürfnis hat, kann man auf allem schreiben. Oder? Nur gehen mir leider allmählich die Empfänger aus. Es wird noch soweit kommen, dass ich mir selbst Karten und Briefe mit schönen Briefmarken schreibe, nur um mir die unverhoffte Freude, dass jemand an einen denkt und überrascht, zu erhalten neben all dem Werbekram und Rechnungen, die mir beim Gang zum Briefkasten täglich entgegen grienen.

Warum gehen wir manchmal trotzdem noch hinaus? Um zu schauen, ob da draußen noch alles da ist, noch andere außer uns und wie die Luft ist. Warm oder kalt. Auf den Wetterbericht ist ja kein Verlass mehr trotz moderner Technik. Das Wetter macht, was es will. Einmal richtig Schnee muss reichen, dann geht der Winter schon wieder. Statt Schlitten und Skier fahren schnelles Surfen im Internet. Merkt doch eh keiner. Seit Ende Januar, draußen ist noch alles kahl und grau, bestürmen einen schon in knallbunten Farben grinsende Schokohasen und Eierallerlei im Supermarkt, obwohl man gerade erst die Silvesterknallerei überstanden hat und das Schatzkästchen auf dem Tisch mit den erfüllten, vergessenen und neuen Wünschen für das neue Jahr noch auf Durchsicht wartet. Indes grüßen schon die ersten Schneeglöckchen auf der Wiese, wird es wieder früher hell und später dunkel. Was manche Nachbarn schon zu eifrig geräuschvollem Frühjahrsputz derart treibt, dass einem Hören und Sehen vergeht. Und das Leben rauscht vorbei.

Macht was draus.

Bis zum nächsten Mal!

Eure Lara Finesse

BilderGedichtKalender 2016 „Von Tier zu Mensch“

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Vom Raubtier Mensch

Skurill-poetische Gedichte und Bilder versammelt der neue BilderGedichtKalender von Lilli Vostry und Babak Nayebi.

Ein Mann mit Hahn im breitkrempigen Hut, den nichts zu erschüttern scheint, ist auf dem Titelblatt des Kalenders zu sehen. Gut behütet schaut er in die Welt. Skurril-poetische, heitere und ernsthafte, beherzt geborgene Gedankenflüge und Gefühlssprünge versammelt der neue BilderGedichtKalender für 2016 unter dem Titel „Von Tier zu Mensch“. 

Es ist der nunmehr dritte Kalender, den Lilli Vostry, freie Journalistin und SZ-Autorin, zusammen mit dem iranischen, in Dresden lebenden Bildenden Künstler Babak Nayebi in limitierter Auflage herausgegeben hat im Typostudio SchumacherGebler in Dresden. In Abwandlung der Redewendung „Von Mensch zu Mensch“ wird in reizvollem Kontrast von Bildern und Lyrik das Verhältnis von Mensch und Tier betrachtet. Das Raubtier Mensch, der mal Jäger, mal Getriebener ist, mal innige Nähe und Ausgeliefertsein, Stärke und Ohnmacht erfährt und die verletzte, leidende Kreatur stehen sich gegenüber in den farbigen Ölzeichnungen auf Papier. Es geht außerdem facettenreich, vieldeutig um Zwischenmenschliches. Etwa im Gedicht „Frei Wild“ um Fortschnurren in fremde Galaxien, um Fortträumen, Sehnsucht nach der Ferne und Neues entdecken. Da tauchen Fledermäuse am Strand auf, ergibt sich ein Admiral auf Landgang duftenden Blüten. Da bringt ein rätselhaftes Wesen mit roten Augen, das sich Lori nennt, Schatten zum Leuchten. Und begrüßt eine Robbe das neue Jahr und sucht im unendlichen Weiß nach wärmenden Worten. 

Dieser zeitlose BilderGedichtKalender „Von Tier zu Mensch“ ist jetzt zum Schnäppchenpreis erhältlich. Einige Exemplare sind noch über die Autorin Lilli Vostry auf Anfrage zu beziehen.

Ausstellung „Kaltnadel trifft Textiles“ im Einnehmerhaus Freital

Facettenreiche Malerei mit Nadel und Faden

Die Ausstellung „Kaltnadel trifft Textil“ vereint Arbeiten aus den Zirkeln für Radierung von Jürgen Filla und Textilgestaltung von Annerose Schulze im Einnehmerhaus Freital.

Ein kreisendes Labyrinth oder strömendes Wasserspiel erhält durch weiße, graue, sandfarbene und blaue Fäden, aufgestickt auf Leinen seine bewegten, strudelnden Konturen im Titelbild der Ausstellung „Kaltnadel trifft Textil“, die am vergangenen Sonnabend im Einnehmerhaus Freital eröffnete. Eine ungewöhnliche Mischung, die dementsprechend großes Besucherinteresse zur Ausstellungseröffnung fand.

Erstmals stellen sich hier die Zirkel Kaltnadelradierung von Jürgen Filla und Textilgestaltung von Professor Annerose Schulze unter dem Dach des Kunstvereins Freital e.V. vor mit ihren Arbeiten. So unterschiedlich die künstlerischen Techniken, gemeinsam ist ihnen das facettenreiche Wechselspiel von Farbe, Form und Linie und teils gehen sie sogar eine Verbindung ein in einigen bedruckten Textilbildern. „Die Ausstellung wurde noch mit Barbara Hornich zusammen geplant. Die Arbeiten, in denen sich zwei Formen von Nadeln begegnen, sind etwas Besonderes und ein Verdienst der beiden Zirkelleiter, die langjährig im Einnehmerhaus arbeiten und immer Leben mitbringen ins Haus“, sagte Bettina Liepe, die neue Vorsitzende des Kunstvereins zur Eröffnung. Zurzeit habe der Verein wie viele zu kämpfen mit höheren Betriebskosten. Daher freue sich die „klapprige“ Einnehmer-Figur am Eingang über jede Spende von Besuchern. Für leicht beschwingte Klänge passend zu den Arbeiten sorgte die Bronson-Kammerband an Gitarre und Geige. Zu sehen sind Gesticktes und Gedrucktes in großer Ausdrucksvielfalt.

Auffallend, faszinierend und bestechend sind vor allem die Zartheit und Feinheit in den Textilbildern und Radierungen, die mit Näh- und Stahlnadel gestickt, gezeichnet, appliziert oder bedruckt werden auf Stoffen und Papier, wie man sie selten antrifft in der heutigen schnelllebigen Zeit. Wer hat da noch Muße für derartige akribische Handarbeiten? Beim Anblick der Stoffkunstwerke kommen Erinnerungen an die eigene Schulzeit und die ersten Versuche mit Nadel und Faden umzugehen hoch und die mit farbigen Garnen ausprobierten Näharten von Heft-, Ketten- Knopfloch-, Reih- bis Spannstich. Form- und variantenreich kommen diese zum Einsatz in den textilen Fadenmalereien mit Landschaften, floralen und abstrakt-geometrischen Bildmotiven, fliegenden Regenschirmen, Gingkoblättern und Winterblüten bis zum gestickten Gedicht von Nazim Hikmeth, einem türkischen Dichter, in den Werken von sechs Kursteilnehmerinnen.

„Es wird nicht vorgezeichnet, sondern sofort ins Material gegangen und je nach Gustus in Szene gesetzt“, sagte Kursleiterin Annerose Schulze. Die Arbeiten entstanden zu den drei Themenbereichen Wellenspiel, bei dem das Spritzen, Blubbern und Fließen des Wassers sichtbar wird, Kreise und derzeit das klassische Herren- oder das besondere Taschentuch als Bildträger. Ein auf die Spitze gestelltes, quadratisches Tuch zeigt Knoten und eine liegende Acht in einer Schnurapplikation von Birgit Weber. Von ihr stammen auch die zwei blau karierten Arbeiterschnupftücher mit zarter weißer Zackenlitze-Stickerei. Ruth Heine, eine geübte Stickerin, zeigt eine fulminante Welle, große Tropfen, Wasserperlen, Voll- und Halbmonde am Nachthimmel in ihrer filigranen Seidenstickerei auf Blaudruck. „Das Leichte und das Schwere“ finden beeindruckend zusammen in textilen Geweben wie einem geklöppeltem Landschafts-Leporello von Barbara Zscheile. Sie zeigt außerdem überstickte Handdrucke auf Baumwolle mit kreisenden und fließenden Formen.

Eine Bilderwand mit Fotos zeigt die „Kaltnadler“ um Jürgen Filla, neun Frauen und ein Mann, beim Zeichnen und Drucken und luftig-leichte, schwarz-weiße und farbige Radierungen mit Lampionblumen und auf Blüten umherschwirrenden Schmetterlingen. Wie Illustrationen aus einem Kinderbuch wirken die Bilder voll fröhlich-fantasievoller Figuren und einer Traumspielstadt von Beatrice Günther. Sie ist Bauzeichnerin von Beruf, zeichnet gern seit ihrer Kindheit und ist von Anfang an, seit zehn Jahren, dabei im Kaltnadelkurs im Einnehmerhaus. „Vielleicht wird auch mal ein Bilderbuch daraus“, sagt sie und lächelt. Die wechselnden Farbstimmungen in der Landschaft hält Karl-Heinz Haberkorn, Ingenieur und Konstrukteur im Ruhestand, gern in seinen Radierungen fest. Ein Wanderer angelehnt an das bekannte Gemälde von Caspar David Friedrich steht vor einem Feld mit weitem Himmel und Wald. Ein Blick auf die Magnolienblüten im Schlosspark Freital-Burgk und auf das „abendliche Dresden“ mit tiefgelber Wolkenlandschaft über der Brühlschen Terrasse hängt da neben einem augenzwinkernden Bild „Ökostrom in Freital“.

Eine japanische „Geisha“ und eine Ente zwischen Gräsern auf gefrorenem Teich hielt Angelika Teubel in ihren Radierungen fest. Kraniche im Licht, einen wie tänzelnden uralten Baum und ein lustiges Apfelstillleben mit Mitbewohner zeigt Steffi Hübschmann. „Interessierte sind auch zu Schnupperkursen willkommnen“, so Jürgen Filla.  Kommenden Sonnabend, am 21. Januar trifft sich die Gruppe zum Zeichnen. Die Ausstellung ist noch bis 25. Februar  im Einnehmerhaus zu sehen. Die Finissage mit Künstlergespräch findet am 25. Februar, um 15 Uhr statt.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Do und Fr von 16 – 18 Uhr und Sa und So von 14 – 17 Uhr


Farben- und Formenreich Gesticktes und Gedrucktes: Bettina Liepe dankte den beiden Zirkelleitern Annerose Schulze und Jürgen Filla mit blühenden Zweigen und Tulpen nach der Eröffnung für diese besondere Ausstellung im Einnehmerhaus Freital.

Gedicht-Lesung mit Musik „Vom Zauber endloser Anfänge“ im Einnehmerhaus Freital

Wort- und Klangzauber im Einnehmerhaus

Mit ihrer neuen Gedicht-Lesung mit Musik „Vom Zauber endloser Anfänge“ sind Lilli Vostry, Autorin und Gabriel Jagieniak, Musiker, am 28. Januar, 17 Uhr im Einnehmerhaus des Kunstvereins Freital zu Gast.

Hinter dunklem Baumgeäst frohlockt wirbelndes Weiß, auf und nieder tauchend über dem Fluss – die weiß Gefiederten sind zurück und hissen die Flagge des verschollenen Winters. Mittendrin steht ein alter Mann mit Schal um  den Kopf gewickelt gegen den Wind und füttert die Tauben und Wildgänse.

Fast allein am Elbestrand mit den Wassertieren, steigen Erinnerungen auf an vertraute Orte, an Verlorenes, Liebgewordenes und das Meer, das mit den Möwen überall mitkommt. Poesie und Musik lassen sich mitreißen vom Spiel der Wellen mit dem Wind, bewegen und davon tragen vom „Zauber endloser Anfänge“.
So heißt die neue Gedicht-Lesung mit Musik, mit der Lilli Vostry, Autorin und Lyrikerin und Gabriel Jagieniak, Musiker (Akkordeon und Obertongesang) am 28. Januar, 17 Uhr, im Einnehmerhaus des Kunstvereins Freital, Dresdner Straße 2, zu Gast sind (Eintritt frei. Wilkommen sind Spenden für den Kunstverein Freital).

In den Gedichten geht es um Natur und Zwischenmenschliches, um die Veränderungen und Wandlungen im Leben und den Zauber des Augenblicks und Neubeginnens. Sie erzählen von „Bildern im Kopf“, vom „Garten Eden“, kleinen Faltern, ungestümen Katzen, wildem Mohn und einem seltsamen Hörnertier. Ein Gedicht erzählt von ihren Eindrücken in Freital.

Lilli Vostry lebt und arbeitet als freie Journalistin, auch für die SZ, in Dresden
und schreibt seit zehn Jahren Lyrik. Sie hat bereits vier BilderGedichtKalender mit verschiedenen Künstlern im Zeitraum von 2013 bis `016 veröffentlicht.
Zu hören in diesem Programm sind frühe und neue Gedichte und Texte.

Gabriel Jagieniak (soundcloud.com/gabriel-jagieniak) bewegt mit seinem virtuosen Akkordeonspiel, mit und ohne Gesang, bekannten Melodien und eigenen Kompositionen, auf humorvolle Weise frei vorgetragen, immer wieder das Publikum.

Wir freuen uns auf Euer Kommen!

Herzliche Grüße
Lilli Vostry & Gabriel Jagieniak

Text + Fotos (lv)


Brunnen vor dem Bahnhof in Freital-Potschappel

Winterlesenacht mit neuen Gedichten & Geschichten im Stadtmuseum

Schneemann, Sake und Sonett

Zur Winterlesenacht des Literaturforums Dresden – Neue Gedichte und Geschichten laden neun AutorInnen am 17. Januar, 19 Uhr ins Stadtmuseum auf der Wilsdruffer Straß 2  ein.

Was gibt es Schöneres, als in den langen kalten Winternächten in einem beheizten Raum der Literatur zu frönen? Was gibt es schöneres, als tief in der Poesie zu versinken? Was Schöneres, als berauscht von Versen zu taumeln wie eine Schneeflocke? Auf geht’s, Schnee schauen, Verse trinken und taumeln!

Es lesen Jayne-Ann Igel, Undine Materni, Carla Schwiegk, Dieter Krause, Marcus Neuert, Frank Norton, Volker Sielaff, Patrick Beck, Patrick Wilden.

Büchertisch der Buchhandlung LeseZeichen

Die Lesung ist barrierefrei zugänglich.

Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei!

https://literaturnetz-dresden.de/veranstaltungen/schneemann-sake-und-sonett/

Mit besten Empfehlungen,
Jörg Scholz-Nollau

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Unsere Ladenöffnungszeiten:

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01099 Dresden

Inh.: Jörg Scholz-Nollau

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Ausstellung „Was wird“ von Gudrun Trendafilov in der Galerie Mitte


Traumhaft-surreale Figurenwelt, farbenfreudig und fantasievoll, in der auch Lebensspuren sichtbar werden: Galeristin Karin Weber und Praktikant Adolar Schuster, der gern Musiker werden will, in der Ausstellung von Gudrun Trendafilov, zu der auch ein umfangreiches Katalogbuch erschienen ist.

Ein Bilderreigen voller Sinnlichkeit, Sehnsucht und Farblust

Von der Schönheit, Fülle und Zerbrechlichkeit des Seins erzählen erzählt die Ausstellung „Was wird“ zum 65. Geburtstag von Gudrun Trendafilov in der Galerie Mitte.

In traumblauen Gefilden hält eine Frau ein hell schimmerndes Ei, Symbol des Werdens und Wagens, in der Hand im Titelbild der Ausstellung „Was wird“ in der Galerie Mitte, Striesener Straße 49/1. Etage. Die derzeitige Werkschau zum 65. Geburtstag von Gudrun Trendafilov am 13. Februar ist ein Bilderreigen voller Sinnlichkeit, über die Fülle und Zerbrechlichkeit des Seins und zugleich spannende Selbstbefragung der Künstlerin (noch bis 18.2. zu sehen).

Gezeigt werden insgesamt 66 Arbeiten, Malerei, Zeichnung und Druckgrafik aus dem Zeitraum von 1977 bis 2022 von einer der bekanntesten zeitgenössischen sächsischen Künstlerinnen. Die figürlichen Arbeiten von Gudrun Trendafilov spiegeln ausdrucksreich Schönheit, Lebenslust, Träume, Verletzlichkeit und Sehnsucht nach Geborgenheit und Halt in einer Welt voller Widersprüche, Krisen und Konflikte wider. Da erscheinen auf den Leinwänden und Papier in türkisblau, lichtem Grün bis zu erdigen, grauen und violetten Farbtönen immer wieder Frauen mit Tieren, Fischen, Raben, Katze, Vögeln und Pflanzen an ihrer Seite. Sie tragen anmutig und würdevoll eigentümliche Kopfbedeckungen wie weise Zauberinnen, zeigen sich auch mal als „Biest“ mit Insekt im Haar, außerdem mit wild wirbelnder Wasserkrone, aus einem Hut hervor sprießendem Glücksklee und verlockenden Perlenketten und Ohrringen.

Da sieht man innige, träumende und zugeknöpfte Paare. Die „Blaue Stunde“ trifft auf „Virales“: Rot im Gesicht betrachtet eine Frau die umherschwirrenden Viren, die zart wie Pusteblumen aussehen, in diesem Corona-Blatt von 2022. Auf einem großformatigen Bild von 2021 rennt eine Frau in Pumps und schwarzweiß geflecktem, spitzen Hut in weitem Sprung vor rot lodernder Wand und fragt sich: „Woher Wohin Wofür“, so der Bildtitel. „Wenn ich mein Vöglein wär..“, nennt die Künstlerin das liebevoll-versponnene, gegenüber hängende Bildnis einer Dame in sonnengelbem, rot umrandeten Kleid, mit sichtbar feinrissigen Pinselspuren und einer Amsel auf dem Kopf, das 2019 entstand.

Traumhaft-surreal der Blick auf eine Landschaft mit sonnengelbem Strand und aufgezogenem Vorhang, davor kniet eine Frau in meerblauen Sachen neben einem Boot. „Irgendwann irgendwohin“ heißt dieses unverkäufliche Unikat von 2021. “Gudrun Trendafilov ist eine herausragende Zeichnerin in sinnlichem Zwiegespräch mit der Form, Farbe und Linie“, sagt Galeristin Karin Weber zu den Bildern. Ihre Malerei ist in der neuen Sachlichkeit angesiedelt und die Stilistik greife teilweise wieder Formen aus den 1980er Jahren auf, die  etwas sperriger im Ausdruck, vielleicht auch Zeitzeichen seien.

„Sie zeichnet die Suche nach der verborgenen oder sogar schon verlorenen Heimat und beschreibt das Wandern, das Irren, die einsamen Versprechen, die Abgründe und die Sehnsucht nach Erlösung“, so Karin Weber über die Arbeiten. „Sie drückt darin das Verlangen nach Harmonie und Verständigung aus.“ Mit dem “Be-flecken“ von Papieren durch Tuschflecken und dem Spiel mit Farben erschafft sie ihre Figurenwelt, die atmosphärisch viel Raum für Fantasie und eigene Gedanken dem Betrachter lassen. Gudrun Trendafilov wurde 1958 in Bernsbach/Erzgebirge geboren, studierte von 1976 bis `81 an der Dresdner Kunsthochschule Malerei und Grafik bei Professor Gerhard Kettner und ist seitdem freiberuflich, von 1990 bis 2014 in Dresden und Nürnberg, künstlerisch tätig. Inzwischen wohnt und arbeitet sie wieder in Dresden. Zur Ausstellung erschien ein umfangreiches Katalogbuch.

Ein Künstlerinnengespräch mit Gudrun Trendafilov findet am 19.1., um 19.30 Uhr in der Galerie Mitte statt.

Text + Foto (lv)


„Virales“, Mischtechnik auf Papier von Gudrun Trendafilov.


„Irgendwann irgendwohin“…

BilderAlbum: Chor für alle trifft Banda & Offene Bühne für alle im Kulturcafé des Kulturhauses Freital


Fröhliche Gesangsrunde für klein und groß im Kulturcafé im Stadtkulturhaus Freital.


Vom lustigen Kinder- bis zum Mutmachlied: Friedemann Röber (stehend) leitet den Chor für alle.

Grashüpfer, Laurentia und Lebensfreude

Musikalisch bunt und schwungvoll ging es zu im ersten Kulturcafé im neuen Jahr im Stadtkulturhaus Freital.

Freude am Singen und lächelnde Gesichter in der Runde. Das verbindet. „Es ist schön, dich wiederzusehen…“, tönt es fröhlich an diesen Dienstagnachmittag im Chor für alle. Das Kulturcafé im Stadtkulturhaus Freital auf der Lutherstraße 2 hat auch im neuen Jahr wieder seine Türen geöffnet für Menschen, die schon länger oder seit kurzem hier leben. Die Kinder treffen sich zum Spielen, die Großen sitzen beisammen an Tischen bei Kaffee und Tee und unterhalten sich. Und jeden Dienstag ab 16.30 Uhr sind kleine und große BesucherInnen zum gemeinsamen Singen eingeladen. Friedemann Röber leitet den offenen Familienchor. Auf einer Tafel stehen die Liedverse. Er schnippt rhythmisch mit den Fingern.

Lustige Kinder- und Begrüßungslieder. Bekannte und neue, von der Affenbande und der spannenden Frage: „Wer hat die Kokosnuss geklaut?“, von einer Familienfeier, zu der alle kommen vom Baby bis zur Oma mit entsprechender Sangesstimme dargestellt. Ein Lied erzählt über drei kleine Wolfskinder, die nur nachts im Wald umher tapsen können und sich die Pfoten wund stoßen an Baumwurzeln. Bis hin zum bewegungsreichen, hoch und runter in die Knie gehenden Lied „Laurentia“, bei dem sich alle freuen, wenn sie durchgehalten haben. Mit in der Runde sitzt Sophia Mix. Die Künstlerin und Musikerin leitet und moderiert zusammen mit Vincent Oertel das Open Mic – die offene Bühne im Kulturcafé, die jeden ersten Dienstag im Monat ab 19 Uhr offensteht. Für alle selbstgeschriebenen und traditionellen Texte, Lieder, Witze, Zaubertricks, Tanzeinlagen, Gedichte, Theaterstücke o.a. Technik und Klavier sind vorhanden. Instrumente gerne mitbringen. Ohne Voranmeldung. Eintritt frei.

Diesmal singt und musiziert Sophia Mix erstmals zusammen mit Antonia, ihrem Akkordeon Songs auf englisch. „Am Ende geht es immer um Liebe…“ Ein kleines Mädchen, Raja, zeigt kess eine Tanzeinlage zu Popklängen und singt später noch ein Lied am Mikro, auf dem Barhocker sitzend mit sichtlicher Freude. Ein Duo, sie auf der Geige und er auf einer Art Mandoline, musizieren geneinsam traditionelle Weisen aus Skandinavien, die von der Sehnsucht nach Licht, Grashüpfern und Lebensfreude erzählen. Eine junge Frau spielt ein Stück am Klavier. Der Autor und Altenpfleger Stefan Döhnert liest wortwitzige Alltagsbeobachtungen, und spielt mit Wortklang und Tönen. Ein Mädchen, Asia liest eine spontan ausgedachte Krimigeschichte.

Ich las meine neue, romantisch-skurrile Kurzgeschichte „Die Frau an der Haltestelle“ und einige neue Gedichte in schöner Atmosphäre und aufmerksamem Publikum.

Nächsten Dienstag, am 17.1., ab 16.30 Uhr bekommt der Chor für alle musikalische Verstärkung im Kulturcafé. Dann werden zwei Musiker der Banda Comunale die Gesangsrunde begleiten. Neue Gesangsfreudige sind immer wollkommen.

Das nächste Open Mic findet am 7.2., um 19 Uhr statt.

Das Kulturcafé im Stadtkulturhaus Freital wird veranstaltet in Kooperation mit der Bürgerbühne des Staatsschauspiels Dresden, der Integrationskoordination Freital und dem „Regenbogen“ Familienzentrum e.V. und gefördert durch den Kulturraum Meißen, Sächsische Schweiz – Osterzgebirge und die Stadt Freital.

Text + Fotos (lv)


LeseLust. Die Autorin und meinwortgarten-Inhaberin Lilli Vostry las neue Texte beim Open Mic im Kulturcafé in Freital. Foto: Bettina Liepe

Halb gelesen, halb erzählt: Asia trug eine selbst erdachte Krimigeschichte vor.
Mit viel Vergnügen sang Raja ein Lied auf der offenen Bühne.
 Ein Lied aus dem Chor für alle. 

Kunst & Kuriositäten: Jubiläumsausstellung „40 Jahre Stadtgalerie Radebeul“


Zeit zum Erinnern & Blicke in die Gegenwart & Zukunft: Besucher zur Eröffnung der Jubiläumsausstellung am 16.12.2022 in der Stadtgalerie Radebeul in Altkötzschenbroda 21.

“Alle Macht den Musen“

Die Jubiläumsausstellung „40 Jahre Stadtgalerie Radebeul“ zeigt Bilder und Zeitdokumente zur Geschichte und Gegenwart und wagt Blicke in die Zukunft.

Üppige, farbenfrohe Fantasiegewächse sprießen auf schwarzem Grund auf einem großformatigen Wandbild im Eingangsraum. Adam und Eva umarmen sich unter einem Baum mit umgarnender Schlange, Schmetterlingen und einem seine Schwingen ausbreitenden Paradiesvogel. Die paradiesische Landschaft haben die Künstlerinnen Christiane Latendorf und Manuela Neumann 2007 gemalt für eines der vielen Sommerprojekte der Stadtgalerie Radebeul. An der Wand gegenüber erinnert eine Ansicht mit grau verfallener Häuserzeile, erhellt von Sonnenlicht und einer Baumallee an das frühere „Kötzschenbroda“ auf einem kleinen Ölbild auf Pappe von 1958 von Werner Wittig. Davor steht ein Modell vom jetzigen Galeriegebäude im längst sanierten Fachwerkhaus. An prägnante Ausstellungen, Aktionen und Initiativen von den Anfängen bis heute erinnert die Jubiläumsausstellung „40 Jahre Stadtgalerie – Reflexionen zwischen gestern, heute und morgen“, die nach der Weihnachtspause ab 8. Januar wieder zu sehen ist in den Galerieräumen in Altkötzschenbroda 21.

Die Geschichte der Stadtgalerie Radebeul wird eindrucksvoll lebendig für die Besucher anhand von Fotos, Filmen, Texten, Dokumenten, Modellen, Objekten und Kunst, auch wenn letztere etwas zu kurz kommt in dieser Ausstellung. Begonnen hat es mit der Kleinen Galerie Radebeul in einem ehemaligen Tapetenladen auf der Ernst-Thälmann-Straße 20 (jetzt Hauptstraße) im Dezember 1982 bis Juni 1995. Danach war die Stadtgalerie im Exil an verschiedenen Orten bis zum feierlichen Einzug im September 1997 ins jetzige Domizil. Am Treppenaufgang und im Obergeschoss hängen einige farbige und schwarzweiße Ausstellungsplakate von Radebeuler Künstlern von Mitte der 1980er Jahre, der Aufbruchszeit nach der Wende bis zur Gegenwart. Darunter von Harald Hauswald und Peter Pit Müller, die in Foto-Grafik und Malerei  1986 in der Galerie Treptow unter dem Titel „Zwischen-Stationen“ Bilder von wie ins Leere rollenden Zügen und Menschen hinter den Glasfenstern der Wartehalle auf dem Bahnsteig zeigten.

Auf einem Plakat mit einer Zeichnung von Claus Weidensdorfer klettern schwarze, schemenhafte Gestalten auf Leitern traumwandlerisch empor ins Freie. Leicht beschwingt kommt ein Ausstellungsplakat mit dem Titel „Alle Macht den Musen“ des Malers und Grafikers Michael Hofmann daher, ein weiteres von ihm entführt farbreich ins „Eigenland“ und auf einer Grafik greift eine grazile Frauenfigur nach Sonne, Mond und Sternen innerhalb der Sommerausstellung „Mittendrin der Mensch und die Elemente“. Eine Lithografie auf Bütten in schwarzen und roten Farbtönen von Gudrun Trendafilov, das Titelbild vom 41. Radebeuler Grafikmarkt 2021, zeigt ein Frauenbildnis mit gespitztem Bleistift als Kopfschmuck und einem aus der Perlenkette reizvoll erhobenen Zeigefinger. Von Jochen Fiedler stammt eine winterliche Ansicht der Weinberge aus seiner Ausstellung „Radebeuler Landschaften“ 1995.

Originell der Entwurf für einen Wegweiser zur Galerie auf dem Anger von dem verstorbenen Künstler Ingo Kuczera, der eine Staffelei mit kleinen wie Fühler ausgestreckten, farbigen Papierlämpchen oder Lautsprechern an feinen Drähten zeigt. „Diese Jubiläumsausstellung ist ein wilder Ritt durch die Radebeuler Stadtkultur und einmal mehr wird Zwischenbilanz gezogen“, sagte die ehemalige Stadtgaleristin Karin Baum bei der Ausstellungseröffnung. „Kunst entsteht durch Reibung und Widerspruch und die Arbeit mit Künstlern ist kein Verwaltungsakt, sondern lebt von kreativem Geist.“ Die Stadtgalerie sei auch immer ein Impulsgeber in Altkötzschenbroda gewesen.

Alles was diese ausmacht und schon bewegte, steht in einer illustren Begriffe-Sammlung an der Wand im Foyer. Von der „Ma(h)lzeit in Farbe“, Kunst im Außenraum, Basiskultur im Dialog, Bürgertreff, Kulturbörse, Künstlerfesten, Kunstverein Radebeul (2018 aufgelöst), Galeriekino, Jazzgeflüster, Abendakt, Kunst geht in Gärten bis zur Kunstpreis-Verleihung und kuriosen Preisen wie „Silberner Kötzschbär“ und „Goldenes Radebeilchen“ ist viel passiert und gibt es noch viele Ideen. OB Bert Wendsche würde gern auch Ausstellungen innerhalb der Städtepartnerschaft Radebeuls zeigen und Platz schaffen für eine dauerhafte Präsentation der Städtischen Kunstsammlung Radebeul. Diese umfasst rund 1 500 Werke von 100 Künstlern.

Bisher kaum zu sehen sind jedoch Arbeiten junger Künstler in Radebeul. „Ich werde oft danach gefragt und sie werden vermisst“, sagte Thomas Gerlach, Autor und Laudator. Er übergab symbolisch einen „Ziegelstein des Anstoßes“ an die Stadtgalerie, um den Stein ins Rollen zu bringen. Ein Anbau für die Stadtgalerie Radebeul im hinteren Teil des Grundstücks sei schon länger im Gespräch, aber noch keiner nahm sich des Problems an und es wurde noch kein entsprechender Antrag im Stadtrat Radebeul eingebracht, so Gerlach. „Die Jubiläumsausstellung bietet auch Gelegenheit, einen Blick in die Zukunft zu werfen“, sagte Stadtgalerist Alexander Lange. So gibt es eine „Offene Galerie“ mit Denkwerkstatt und Diskussionsforum am 21.1., ab 16 Uhr und am 5.2., um 16 Uhr eine Kuratorenführung mit Alexander Lange und Karin Baum. Die Ausstellung ist noch bis 5. Februar zu sehen. Die Finissage findet am 6.2., 18 Uhr statt.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Di, Mi, Do von 14 – 18 Uhr, So von 13 – 17 Uhr
Fröhliche Musik gegen die Kälte: Der Musiker Gabriel Jagieniak musizierte und sang zum Akkordeon nach der Ausstellungseröffnung für die Besucher bei Glühwein und Fettbemmen am offenen Feuer und anschließend ging es im Galerieraum weiter und verlockten die Klänge einige sogar schwungvoll zum Tanzen. Darunter die Bildende Künstlerin Mechthild Mansel, die hier bereits eine Einzelausstellung hatte und sich auch gesangsfreudig zeigte. Schön war`s!

Neue Lyrik: Was bleibt von 2022 & mehr

Was bleibt vom Jahr 2022

Zur Hälfte schon verstrichen
ging dieses Jahr erst los
standen alle Wege wieder offen

es war prall gefüllt mit Schönem
Licht und Schatten
manchmal war ich glücksbesoffen

ein Lichtblick als ich den roten Kater seh
er liegt blinzelnd im Fenster in der Sonne
welche Wonne

der Sonnenball kreist
wie ein Glücksrad über dunklem Geäst
ein leeres Vogelnest

zwei Enteriche schlagen
mit ihren Flügeln im funkelnden Wasser
wild aufeinander ein

die anderen Wasservögel ziehen ihre Spur
putzen ihr Gefieder
und lassen ihr Schnattern nicht sein

die Knaller fliegen immer weiter
schon lange vor Silvester
Krakeeler werden nicht gescheiter

LV
30.12.2022

Abschied von 2022

Meine Ängste im Spiel
der Flammen ringen
verzehren sich noch einmal
nach mir

bis aufgelöst das beschriftete
dunkle Häuflein Papier
vor mir liegt

ich lass 2022 ungern los
liebe die Magie der Doppel-Zahlen
nächstes Jahr wird ungerade

viele Wünsche fürs neue Jahr
steigen als lodernde Flamme empor
einmal entfacht nicht mehr zu bremsen
vom Wind in die Welt getragen

stell dir vor eines Tages liegt
dein Traummann neben dir
sagen die Frauen in der Rauhnächte-Runde
ich kann ihn mir kreieren
damit er in mein Leben kommt

ich stell mir vor und vertrau
er wird mein Sehnen hören

LV
30.12.2022

Oh Tannenbaum

Das Grün sticht ins Auge
die Bäume liegen
übereinander am Boden
der Gitterzaun vor dem Fest
ist weg

sie haben es in keine Stube geschafft
keinen Raum erhellt
im Lichterschein am Heiligabend

unbeachtet unbehaust
wie Abfall weggeworfen
wieder ein Stück Natur
bedecken sie die Erde

ich nehme ein paar Zweige mit
sie duften noch
ein Mann bleibt stehen und schwärmt
wie Familie und Freunde früher die
Tannenbäume zu ihm brachten
das gab ein schön prasselndes Feuer

vielleicht bekommen sie die Elefanten
zum Fressen als besondere Delikatesse –
Weihnachtsbäume die keiner wollte

LV
27.12.2022

Schweigen

Reden ist Silber
Schweigen ist Gold
ich wünsch mir
du wärst König Midas

Worte lassen sich nicht
in Gold aufwiegen
nicht rückgängig machen
sie glänzen nicht mehr
verlaufen im Sand
reiben und scheuern
wund auf der Zunge

am Schweigen zerbricht
erstickt so viel
Ungesagtes
stürzt ins Nichts

wie eine Straße
die nirgends hinführt
die man dennoch weitergeht
gegen das Schweigen angeht

ich sammle einige Tannennadeln
im Flur auf sie sind weich
stechen nicht wäre dein Schweigen
doch auch so

könnte ich es einfach fallen
lassen
lautlos
ohne Widerhall

LV
27.12.2022

Bild von Dir

Ein Paket kam an
einen Tag vor Weihnachten
die Katzen schnupperten daran
behüteten es wie einen Schatz

die kleine schwarz-weiße setzte
sich darauf
meine Hand strich über die warme Stelle
Erinnerungen steigen auf
im Herzen wohlverwahrt

und im Paket dieses Bild
von dir und mir
in dunklem Rahmen
könnte ich es nur tauschen

ins Helle übergehen
mich an deine Funkelaugen halten
aus dem offenen Paket schaut
eine Katze heraus
graugetigert als lese sie meine Gedanken

die schwarz-weiße sieht verwundert aus
als ahnte sie
Du warst nie fort
und bist wieder zuhaus

LV
24./25.12.2022

Texte + Fotos: Lilli Vostry

Für alle, die gern Post bekommen: Poesie-Briefe von Max Prosa

Briefe voller Leben

Auch 2023 gibt es wieder ein Gedichtabo des Berliner Singer- Songwriters Max Prosa mit überraschendem Inhalt.

„Zu fest bist du geworden,
trommelt dir der Regen,
zwitschern die Vögel dir zu,
„es reicht nicht, dass du
uns gerade noch hörst…“ –
Zeilen aus dem Gedicht „Zum Jahreswechsel“ vom Max Prosa. Es lag aber schon im August-Brief von ihm. Im Begleittext dazu steht, dass es sein ganz eigener Jahreswechsel war. Er schrieb dieses Gedicht am Vorabend seines 33. Geburtstages. Und stellte sich Fragen wie: „Bin ich noch auf dem Weg? Korrespondiert, was ich an jedem Tag tue, mit meinen inneren Wünschen?“ Seine Gefühle dazu stecken in dem Gedicht. Es ist doch egal, womit wir neu anfangen, schreibt er, der erste Tag davon kann immer der nächste sein, oder gar keiner. So gesehen, passt das Gedicht immer.

Nun ist das Jahr 2022 fast um. Vor einigen Tagen kam der zwölfte und letzte Poesie-Brief dieses Jahres von Max Prosa, einem Sing- und Songwriter in Berlin. Vor einem Jahr hab ich sein Gedichtabo im Internet gefunden und es sprach mich gleich an. Weil ich gern Poesie jeder Art mag, selber schreibe und gern Briefe bekomme. Leider schreiben heutzutage immer weniger Menschen Briefe. Nahe Menschen, mit denen ich mich schrieb, leben nicht mehr oder haben keine Zeit. Mit etwas Glück kommt mal eine Urlaubskarte oder eine Glückwunschkarte zum Geburtstag. So freute ich mich um so mehr, wenn wieder ein neuer Poesie-Brief von Max Prosa in meinem Kasten lag. Jeden Monat einer. Man weiß nie genau den Tag, wann er eintrifft. Um so größer dann die Überraschung, Neugier und Staunen, dass sie oft an Tagen kommen, wo man etwas Zuspruch und Aufmunterung gut gebrauchen kann und das Gefühl hat, da hat jemand an mich gedacht und verschickt etwas Schönes, das ich lesen, anschauen, mich anregen lassen und weiterdenken und träumen kann.

Nun liegen alle Briefe zum Jahresende vor mir ausgebreitet, draußen knallen und zischen die Silvesterraketen, ich blättere rückblickend in den Texten, Gedanken, Gedichten, Liedtexten, Bildern und kleinen Signets mit Hörproben von neuen Songs und Infos zu neuen Projekten des Sängers und Songschreibers. Immer geht es darin in mal poetischer Sprache, mal klaren und kraftvollen Worten um die Liebe zum Leben, allem Sein und wie wir es schaffen, die Welt zu einem schönen, besseren, friedlichen Ort für alle zu machen.

„Diese Briefe sind für viele Nahrung für die Seele, die wir brauchen, wie Nahrung für den Körper“, weiß Max Prosa. „Die Themen, die uns bewegen, scheinen sich selbst über Jahrhunderte kaum zu ändern. Es verändern sich nur Umstände, Gesichter und fast unbemerkt auch die Worte dazu. Als wären es jeden Tag andere, mit denen wir versuchen, dasselbe große Leben zu fassen.“

In Max Prosas Gedicht „Zum Jahreswechsel“ heißt es im letzten Vers:

„Schmelze dich ein
zum Jahreswechsel,
schmelze die fest
gewordene Form ein,
bevor sie unerbittlich
auf feine Herzen trifft.
Schmelze sie ein
während es noch dunkel ist,
den Kindern zuliebe und
in einem großen Ritual.“

Das neue Gedichtabo für 2023 von Max Prosa kann noch bis 31. Dezember 2022 bestellt werden. Mit etwas Glück geht es danach bestimmt auch noch. Da auch wieder Menschen für dieses Projekt gespendet haben, kann auch denjenigen, die sich aufgrund von steigenden Preisen im kommenden Jahr kein Gedicht-Abo leisten können, dieses dennoch ermöglicht werden. So dass jeden Monat wieder ein neuer Poesie-Brief mit offenen, erfrischenden und inspirierenden Gedanken und Texten in den Briefkasten geflattert kommt.

Das Gedichtabo kann man noch bestellen, allerdings nur noch ein paar Tage, bis die Umschläge gedruckt werden.
In dem Fall bitte schnell Bescheid sagen, 70€ per Überweisung oder Paypal an team@maxprosa.de und  per Mail die Adresse schicken.
Dann klappt das noch.

Text und Fotos (lv)

http://www.maxprosa.de/pages/gedichtabo

Kurzgeschichte: Die Frau an der Haltestelle

Die Frau an der Haltestelle

Rings um die Haltestelle herrschte reges Gewimmel. Menschen stiegen ein, aus und um in die Straßenbahnen und Busse. Auf einer Bank saß eine Frau mit unbewegter Miene. Sie war um die Mitte 50, trug halblanges braunes Haar, einen schwarz-weiß gepunkteten Anorak, der offen stand und eine Bluse, die so weit geöffnet war, dass man tief in ihr Dekolleté sehen konnte. Der Anblick wirkte zugleich aufreizend und nachlässig. Es war ein sonniger Frühlingstag im Mai, aber die Luft noch kühl, so dass ihr nicht zu warm sein konnte.

Sie hielt den Blick gesenkt, ganz konzentriert auf die Pappbox in ihrer Hand aus einem Asiaimbiss. Es sah aus wie Glasnudeln mit Hühnerfleisch, die sie aß. Sie sah niemanden an und schien Zeit zu haben. Der Trubel schien sie nicht zu stören. Es war ihr angenehmer, dachte die Frau bei sich, mitten im Großstadtlärm, als den ganzen Tag allein zu Hause zu sitzen. Ihre erwachsene Tochter meldete sich kaum. Die vielen Bücher auf Schränken und Regalen waren ihr wie langjährige, gute Vertraute, zu denen sie jederzeit gehen, in ihnen lesen, still mit ihnen reden und ihren eigenen Gedanken nachhängen konnte, die sie nie verließen, immer da waren. Doch in letzter Zeit waren die Bücher fast nur noch Kulisse, lieblose Dekoration, die sie kaum anrührte. Wie sollte sie es jemals schaffen, all diese Bücher zu lesen oder genügte es ihr, sie um sich zu wissen, weil sie sich dann weniger allein fühlte.

Sie saß schon eine Weile auf der Bank, als sie plötzlich eine Stimme hörte:
“Sie sind genau die Frau, von der ich immer geträumt habe!“ „Was?!“, wunderte sie sich. „Sie sind mir ja Einer!“, sagte sie zu dem Mann, der vor ihr stand. “Bin ich der Eine, auf den Sie warten?!“, fragte er sie erfreut. „Nein! Einer von vielen. Träumen Sie weiter“, erwiderte die Frau an der Haltestelle.

“Einer von vielen“, wiederholte er. „Einer von vielen, die hier vorbeigehen, als ob ich gar nicht vorhanden wäre“, antwortete sie. „Doch ich bin ja stehengeblieben“, sagte der Mann. „Warum?“, fragte die Frau. „Weil Sie mir aufgefallen sind“, antwortete er. „Sie sitzen so ruhig und versonnen mitten im Trubel, als würde der Ihnen gar nichts ausmachen.“ Sie zuckte innerlich zusammen. Das Wort „auffallen“ klang für sie nicht wie ein Kompliment. Es hatte einen unschönen Beigeschmack, auch wenn das Wort „gefallen“ mit drinsteckte. Auffallen klang für sie verrucht. Aufsehen, Anstoß erregen.
Sie sah ihn einen Moment an. Die Augen leicht zusammen gekniffen, als wenn die Sonne sie blende. Was war er für ein Typ?

Gehörte er zur Sorte Getrennt, Geschieden, Verwitwet oder Verkorkst? Mehr Auswahl blieb nicht mehr in ihrer Altersgruppe. Sie war hin und her gerissen. Wer trinkt schon gern aus einer benutzten Tasse!, fiel ihr ein Satz wieder ein, den sie als Kind einmal von einer der Frauen in ihrer Familie gehört hatte. Es ging dabei eigentlich um das Vorleben, die Vorgeschichte eines Menschen. Dass man beim Kennenlernen nicht unbedingt gleich wissen möchte, wie oft der oder diejenige schon vergeben waren, liebten oder geliebt wurden. Das würden sie mit der Zeit schon selbst mitbekommen, erfahren. Die Gebrauchsspuren des anderen bemerken, sie mögen lernen oder gehen. Eine benutzte Tasse kann man abwaschen, dann ist sie wie neu, dachte sie. Bei einem Menschen geht das nicht.

“Kommen Sie mich einmal besuchen?“, riss der Mann sie aus ihren Gedanken.
Sie sah ihn schweigend an. Träumte sie oder stellte ihr wirklich jemand diese Frage. Sie zögerte. Gleich würde sie aufwachen. “Träumen Sie gerade?“, fragte der Mann die Frau an der Haltestelle. „Lassen Sie sich ruhig Zeit.“ „Wo wollen Sie denn hin? Und wo finde ich Sie?“, fragte sie ihn. „Ich wollte einfach ein wenig an die frische Luft, unter Menschen sein“, antwortete er. Er wohnte in einem Haus außerhalb der Großstadt, erzählte er ihr. Ein verfallenes kleines Schloss. Mit einem wild sprießenden Garten ringsherum. Sie werde es schon sehen. “Sind Sie oft an der Haltestelle?“, fragte er sie. „Es scheint, als ob Sie gern hier sitzen.“ Wenigstens merkt es mal einer, dachte sie still bei sich.

Es klingelte an der Tür. Die Frau von der Haltestelle stand vor dem hell gestrichenen, verfallenen Schloss, umgeben von einem wild verwunschenen Garten. Die ersten Knospen in den Bäumen sprangen auf. Der Mann öffnete und führte die Frau in einen Raum voller Bilder an den Wänden, einige lehnten davor. Figürliche Szenen und Porträts. Intensiv farbig und expressiv im Pinselstrich, oft nur schemenhaft angedeutete Gesichter, Gesten und Körperumrisse. „Sind die Bilder von Ihnen?“ „Ja.“ „Darf ich Sie malen?“, fragte er sie, „Sie sind doch geübt im Stillsitzen.“
“Na, Sie sind mir ja Einer!“, sagte sie verblüfft. „Was soll das denn werden?“
“Keine Ahnung. Wir werden sehen“, sagte er lächelnd. „Setzen Sie sich einfach so wie auf der Bank an der Haltestelle. Ihre Jacke und Bluse kann ruhig auch so bleiben.“ Sie sah an sich herunter. Erst jetzt bemerkte sie den weiten Ausschnitt. Verlegen strich sie mit einer Hand darüber. „Lassen Sie es ruhig. Das sieht reizend aus“, sagte er. „Was wollen Sie mit meinen Reizen!“, fragte sie energisch. „Ich finde es schön, wie selbstverständlich Sie damit umgehen. Es wirkt ganz natürlich und anziehend“, erwiderte er.

Das war ihr noch gar nicht aufgefallen. Wie sie sich anzog. Was sie mit ihrem Körper anstellte und wie sie auf andere wirkte. Wenn sie sich ihren Blicken aussetzte. Sie fühlte sich dann wie durchleuchtet bis ins Innerste und mied diese Blicke. Meist sah sie nach unten oder vor sich hin. Wenn sie jemand ansah, sah sie weg oder tat als bemerke sie es nicht. Es war wie eine Schutzhülle, die sie im Laufe ihres Lebens um ihren Körper gelegt hatte. Wenn ihr danach war, Wärme sie durchflutete, öffnete sie die Hülle ein wenig, fühlte den kühlen Luftzug. Wie ein inneres Aufatmen, Aufleuchten.
“Na gut, dann malen Sie mal los meine Reize“, sagte die Frau und setzte sich auf einen Stuhl vor der Leinwand.

Sie musste wohl einen Farbklecks ins Gesicht abbekommen haben, denn als die Frau wieder draußen vor dem verfallenen Gemäuer stand, lief ihr vergnügt ein Kind entgegen. „Du hast Farbe im Gesicht!“, rief es fröhlich. „Oh“, sagte die Frau. „Da bin ich wohl zu nahe an die Leinwand gekommen.“ „Ist es ein Bild von Dir?“, fragte das Kind. „Ja, ein Bild von mir. Doch ein anderer hat es gemalt“, erwiderte die Frau. „Kann ich mich auch malen lassen?“, fragte das Kind. „Kann passieren“, antwortete die Frau. „Wir können auch zusammen ein Bild malen.“ Sie gingen gemeinsam den Weg bis zur Haltestelle. „Wie heißt Du denn?“ Als das Kind seinen Namen sagte, stutzte die Frau. Sie wollte wissen, wo es wohne und wie es seiner Mutter gehe. „Mama ist viel auf Arbeit, Papa verreist. Ich bin viel allein und lese viel, da vergeht die Zeit schneller“, sagte das Kind. Mich hat sie schon fast vergessen, dachte die Frau, ich wusste gar nicht, dass sie ein Kind hat.

Die Tage vergingen. Sie saß fast täglich an der Haltestelle. Einmal sprach sie ein Mann an. Ob er sich neben sie setzen dürfe. Oder ob sie auf jemanden warte? „Nein“, erwiderte die Frau. „Der Platz ist wieder frei.“ Sie stand auf von der Bank. Sie hatte schon viel zu lange gesessen. Sie ging bedächtig, als lausche sie jedem Schritt nach. Mit leicht wiegendem Gang und tiefem Dekolleté. Der Mann sah ihr lange nach. Ihr Gesicht kam ihm bekannt vor. Sie erinnerte ihn an ein Bild, das er vor kurzem in einer Ausstellung gesehen hatte und das ihm aufgefallen war mit seiner lebhaften Farbigkeit und zugleich der spannungsvoll vibrierenden Ruhe, Sanftheit, Stärke und Sinnlichkeit, welche die Frau auf dem Bild verkörperte und wovon eine große Anziehungskraft ausging. Er wollte ihr nachlaufen und seine Eindrücke von dem Bild erzählen. Doch sie war schon im Gewimmel der Ein- und Aussteigenden an der Haltestelle verschwunden an diesem Frühlingstag.

Lilli Vostry
Geschrieben am 30.12.2022

Premiere „Winterspeck“ in der Comödie Dresden


Knallhartes Trio der Besinnlichkeitsverweigerinnen: Drei sehr verschiedene Damen knebeln Santa Claus und entdecken Weihnachten für sich neu. Foto: Robert Jentzsch

Eine verrückt-komische Alternative für Weihnachtsmuffel

Mit reichlich schrägem Humor und Herzblut parodiert die Komödie „Wnterspeck“ scheinheilige Weihnachtsseligkeit. Zu erleben in der Comödie Dresden.

Alle Jahre wieder kommt der Heilige Abend. Doch nicht bei allen kommt Vorfreude auf. Drei Frauen entfliehen vor der verklärt romantischen Familienidylle unterm Lichterbaum, heimischen Fressorgien und Festtafelverhören und treffen aufeinander in Hardys Fitnessstudio als letzte Zuflucht in der Trash-Weihnachtskomödie „Winterspeck – Gans oder gar nicht“ von Lo Malinke. Die Premiere war am Mittwochabend in der Comödie Dresden.

Zwei Jahre nach der coronabedingten Spielpause kam die reichlich schräge, verrückt-komische Weihnachtskomödie unter Regie von Christian Kühn auf die Bühne. Ein kleiner Leuchtelch auf dem weißen Tisch und Lichterglanz hinter dem Schaufenster bilden die Kulisse im Sportstudio. Die Sportgeräte und der Sandsack sind das Mittel gegen Kummer- und Winterspeck der drei höchst verschiedenen Frauen. Sandra (krankhaft erfolgshungrig: Julia Alsheimer) trimmt ihren Körper zu flotten Klängen mit Gymnastikübungen und strampelt sich wie besessen auf dem Fahrradtrainer ab. Sie hungert, schreit auf bei Reizworten wie Schokolade und Braten und beißt heißhungrig in einen Deko-Lebkuchen aus Bauschaum. Das pralle Gegenteil von ihr ist Gudrun (reichlich überdreht: Mackie Heilmann). Sie bekam die Mitgliedschaft im Fitnessstudio letztes Jahr von ihrer Firma geschenkt und beschwert sich, dass sie noch kein Kilo abgenommen hat, ihr Schrittzähler ist meist Stand by. Gudrun ist Dauersingle, derb, direkt und flippt aus wie eine Furie bei jedem Anzeichen von Romantik oder Besinnlichkeit und verdrängt mit der rauen Art ihre Einsamkeit.

Mehr unfreiwillig platzt Karin herein, die auf der Fahrt zu ihrer Familie ausgerechnet den Geschenkekoffer stehenließ und aufgeregt mit der Bahn telefoniert, doch da meldet sich nur eine künstliche Ansagestimme. Humorvoll, kess, offen heraus und munter sächselnd, spielt die Rolle als weihnachtsgestresste Mutter und Oma die Schauspielerin Claudia Schmutzler, bekannt durch die Wendekomödie „Go Trabi Go“ (1991) an der Seite von Filmvater Wolfgang Stumph. Mit der Komödie „Winterspeck“ kehrt sie das erste Mal seit ihrer Jugend auf eine Bühne in ihrer Heimatstadt Dresden zurück und sorgt für reichlich Heiterkeit, wenn sie keuchend am Fitnessgerät rudert samt Einkaufstaschen, die wie Gewichte an ihren Armen hängen oder sie naiv selig lächelt als „Schaf“ in eine Decke gehüllt im Krippenspiel. Doch vorher fesselt und knebelt das knallharte Trio der Besinnlichkeitsverweigerungen Santa Claus, den Fitnesstrainer Hardy spielt (Benedikt Ivo) mit weiß blinkender Bommel im Mund. Auf Fitnessgeräten und Trampolin umherspringend, lassen sie zu Hardrockklängen ihren Frust heraus.

Im Kreis bei Kerzenschein erzählt jede von ihnen von Freud und Leid, Enttäuschungen und Trauer. Karin hat Panik hat vor dem ersten Weihnachtsfest ohne ihren Mann Tommy, will ihren Kindern nicht mit ihrer Heulerei das Fest vermasseln und sie will auch einfach mal nur die Karin sein und das tun, wozu sie  Lust hat. Sie essen Karins selbstgebackene, köstliche Speckschmalzstullen. Und sie entschenken sich, jede gibt ein ungeliebtes Geschenk in den Müllsack. Höhepunkt der Aufführung ist das flugs improvisierte Krippenspiel mit der Weihnachtsgeschichte für Senioren aus dem Pflegeheim. Einfallsreich und rasant komisch in Szene gesetzt, ziehen Maria und Joseph umher, schwebt Gudrun als Engel mit Flimmerkranz bibbernd vor Höhenangst am Seil.  Und liegt nach der frohen Botschaft Hardy als Jesuskind verzückt lächelnd in der Krippe. Nostalgische Weihnachtsmelodien mit Glöckchenklang und Glitzerkugel mit Lichtern, die wie Flocken tanzen, zaubern doch noch Weihnachtsstimmung und es wird warm um Herz. Auf der Bühne umarmen sich alle, tanzen ausgelassen und Weihnachtsmuffel Gudrun ruft Frohe Weihnachten! in den Saal. Viel Beifall für einen besonderen Theaterabend nach dem Motto: Weihnachten ist das, was wir daraus machen!

Text (lv)

http://www.comoedie-dresden.de