Neue Lyrik: Gedicht für Mutter Erde

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Gedicht  für Mutter Erde

Ich bin eine Frau
trag ein Kleid
blau wie der Himmel
das meine Mutter
mir einst schenkte

ich bin ein Kind der Erde
(umbuchen! verlangt die Tastatur)
auf der ich wandle
wachse und
werde
was ich noch
nicht bin

sie trägt mich
ihre und unsere Wunden
sie liebt alle Menschen
doch die sich im Dunkeln
verschanzen
sehen nichts
mehr

Menschen fliehen
Soldaten wissen nicht
wofür sie kämpfen
und sterben

ihr Anführer sitzt
im Ural weit weg
von den Schützengräben

wilde Tiere jagen
nur wenn sie hungrig sind
ich wünschte mir
die wilden Tiere kämen
ihn zu vertreiben

und wünsche mir
einen Sternenregen
damit mehr Licht
werde auf der Erde

Lilli Vostry
8.3.2022

Video

Video zur Lesung mit Musik „Vom Zauber endloser Anfänge“ in der Bücherei Großenhain

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Hier eine Live-Aufnahme  –
Momente meiner Lesung mit Musik „Vom Zauber endloser Anfänge“ zusammen mit Gabriel Jagieniak am 12. Oktober 2021 in der Karl-Preusker-Bücherei in Großenhain.

Herzlichen Dank an Jens Reichel für das Video!

Viel Freude beim Anschauen.

Lilli Vostry

Poesie & Musik: „Vom Zauber endloser Anfänge“ zu erleben in der Karl-Preusker-Bücherei Großenhain

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Mit viel Wortlust & Musizierfreude kommt die neue Gedicht-Lesung mit Musik „Vom Zauber endloser Anfänge“ mit Lilli Vostry, Autorin und Gabriel Jagieniak, Musiker, auf die Bühne. Zauberhaftes, abwechselnd fröhlich beschwingtes und leise, sehnsuchtsvolles Akkordeonspiel und lebhafte, helle, dunkle, zarte und raue Saxofonklänge begleiten und mischen sich mit bilderreicher Poesie und erzählender Lyrik über die Wandlungen im Leben und den Zauber des Augenblicks. Herzlichen Dank an Galeristin Janett Noack, die uns den Probenraum in ihrer Galerie Kunst & Eros auf der Hauptstraße 15 in Dresden zur Verfügung stellte und die Fotos aufnahm! Im Hintergrund Malerei von Helena Zubler in der derzeitigen Ausstellung „Sweet Spot“ (noch bis 20.11.2021)

Wort- und Klangzauber in der  Bücherei Großenhain

Mit der Premiere der Gedicht-Lesung mit Musik „Vom Zauber endloser Anfänge“ sind Lilli Vostry, Autorin und Gabriel Jagieniak, Musiker, am 12. Oktober, 19 Uhr in der Karl-Preusker-Bücherei Großenhain zu Gast.

Die Strandtasche flüstert was vom Meer, das unendlich weit erscheint. Fast allein am windzerzausten Strand mit den kreisenden, kreischenden und immer hungrigen Möwen, ist alles anders als sonst. Erinnerungen steigen auf an vertraute Orte, an Verlorenes, Liebgewordenes und das Meer kommt mit an den neuen Ort, wo die Zeit stehen geblieben scheint und wunderbare neue Entdeckungen warten.

Poesie und Musik lassen sich mitreißen vom Spiel der Wellen mit dem Wind, bewegen und davon tragen vom „Zauber endloser Anfänge“. So heißt die neue Gedicht-Lesung mit Musik, mit der Lilli Vostry, Autorin und Lyrikerin und Gabriel Jagieniak, Musiker (Akkordeon, Saxofon), am 12. Oktober, 19 Uhr in der Karl-Preusker-Bücherei in Großenhain zu Gast sind. Es ist die erste deutsche Volksbücherei, gegründet 1828.

Sie trägt den Namen ihres Gründers, auf dessen Spuren die Besucher im historischen Preusker-Zimmer ebenso wie im Lesegarten wandeln, verweilen und natürlich ausgiebig in Büchern blättern können. Auf dem Programm der Erlebnis-Bücherei stehen Führungen, Lesenächte für kleine Geschichtenlauscher, Buchvorstellungen, Autorenlesungen, Ausstellungen und Jahreszeitenfeste mit Spiel- und Bastelangeboten.
(www.buecherei-grossenhain.de )

Der Libèrtango von Astor Piazolla eröffnet die Lesung „Vom Zauber endloser Anfänge“. In den Gedichten geht es um Natur und Zwischenmenschliches, um die Veränderungen und Wandlungen im Leben und den Zauber des Augenblicks und Neubeginnens. Sie erzählen von „Bildern im Kopf“, vom „Garten Eden“, kleinen Faltern, ungestümen Katzen, wildem Mohn und einem seltsamen Hörnertier.

Lilli Vostry lebt und arbeitet als freie Journalistin, u.a. auch für die Sächsische Zeitung, in Dresden und schreibt seit zehn Jahren Lyrik. Sie hat bereits vier BilderGedichtKalender mit verschiedenen Künstlern im Zeitraum von 2013 bis `016 veröffentlicht. Zu hören in diesem Programm sind frühe und neue Gedichte und Texte, auch zum Leben in Corona-Zeiten.

Gabriel Jagieniak (soundcloud.com/gabriel-jagieniak) bewegt mit seinem virtuosen Akkordeonspiel, mit und ohne Gesang, bekannten Melodien und eigenen Kompositionen, auf humorvolle Weise frei vorgetragen, immer wieder das Publikum. Aktuelle Bandprojekte von ihm sind ein Trio „Gamaleon“ sowie ein Duett „Solna“, welches mit Lina Tayem an der Klarinette vorwiegend Klezmer, klassische Musik und osteuropäische Folkore interpretiert.

Na, neugierig geworden?

Wir freuen uns auf Euer Kommen!

Gern zeigen wir dieses Poesie-Programm mit Musik an weiteren Aufführungsorten in und außerhalb von Dresden und der Region.

Herzliche Grüße

Lilli Vostry & Gabriel Jagieniak

Text + Fotos (2) (lv)


Aus meinem Wortgarten in die Welt: Neues Gedicht-Programm „Vom Zauber endloser Anfänge“ startklar

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Den Zauber des Moments im Blick: meinwortgarten-Inhaberin Lilli Vostry
Schneckenreise. Einladung zum Innehalten, Interagieren und Neues ausprobieren.

Der Zauber endloser Anfänge geht weiter

Nach der Premiere des Gedicht-Programms „Vom Zauber endloser Anfänge“ im Mai im KlangLabor Dresden sind neue Texte zum Leben in Corona-Zeiten eingeflossen. Damit kommt die Autorin Lilli Vostry gern mit musikalischer Begleitung an neue Auftrittsorte in Dresden und der Region.

Ich werde ältere und neue Texte gemischt lesen, die vor und während der Zeit des Lockdowns entstanden sind. Die Zuhörer können die Lyrik und Kurzprosa auf sich wirken lassen und für sich herausfinden, wie zeitlos die Stimmungen sind, wie sie sich wandeln, wo es Berührungsmomente, Reibung und Brüche gibt und wie sich der Blick auf das eigene Leben und die Welt in Corona-Zeiten verändert. Zu den Gedichten aus den Jahren von 2012 bis 2020 sind außerdem Notizen aus meinem Corona-Tagebuch zu hören, die auch auf Einträge und Reaktionen auf Texte auf meiner FB-Seite zurückgreifen und diese reflektieren. Daraus entsteht ein Puzzlebild verschiedenster Stimmen und Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen von Menschen, die von ihrem Umgang mit dem rätselhaften Virus, den Auswirkungen im Alltag und der Gesellschaft erzählen. Die Puzzleteile kann jeder für sich betrachten, sortieren, anders und neu zusammensetzen.

Dieses Programm will anregen, den Blick über das Maske tragen hinaus wieder für Begegnungen, Gespräche, ein offenes, lebendiges Miteinander mit allen Facetten zu öffnen, um aus Abständen nicht neue Barrieren werden zu lassen, sondern gemeinsam zu schauen was möglich ist.

Während des Lockdowns und den sozialen Kontaktbeschränkungen waren das Internet und Facebook mit seinen sozialen Foren monatelang nahezu mein einziges Fenster zur Welt, um mit anderen Menschen in Kontakt zu sein.

Das Live-Erlebnis wie Lesungen haben bei mir immer Vorrang. Darüber hinaus betreibe ich bereits seit fünf Jahren einen eigenen Kultur-Blog im Internet:  www.meinwortgarten.com  Dieser bietet über das reale Leben hinaus  kulturinteressierten Lesern und Kulturmachern die Möglichkeit, miteinander in Verbindung zu bleiben und aktuelle Projekte und Veranstaltungen zu veröffentlichen.

Als neuestes, interaktives Angebot wird bald ein virtuelles Erzählcafé „Lebendige Beziehungen“ hier auf dem Blog eröffnen, wo man sich rund um Kunst, Kultur, Zwischenmenschliches und Umwelt austauschen, interagieren und neue
Formen der Kommunikation zusammen ausprobieren kann. Wo Platz ist für Ideen, Träume, Reifendes, das wahrgenommen und weiterentwickelt werden will. Natürlich gern auch Eindrücke und Feedback über das aktuelle Programm „Vom Zauber endloser Anfänge“ dalassen. Mit diesem komme ich gern auch mit musikalischer Begleitung in Spielstätten, Kultur- und Freizeiteinrichtungen, Cafés und Gartenlokale, Senioren- und Pflegeheime in Dresden und der Region (bitte an mich wenden per mail: lilli-vostry-journalistin@gmx.de )

Mein Gedicht-Programm „Vom Zauber endloser Anfänge“ und der interaktive Ausbau des Kultur-Blogs meinwortgarten.com werden gefördert mit einem zweimonatigen Arbeitsstipendium „Denkzeit“ der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.

Text + Fotos (lv)

Hier ein Gedicht aus dem neuen Programm:

Schneckenreise

Im Regenrauschen im Takt
der Tropfen tauchen sie
lautlos auf
im Schneckentempo aufwärts
am Stamm der alten Weide
gehen sie auf weite Reise

halb außen halb in ihrem farbflirrenden
Gehäuse
gleiten galant über rissige Rinde
auf der winzige Käfer vorbeiflitzen
schnellen Fühler vor und zurück
bei leiser Berührung
rollen sich ihre Körper feingliedrig
an Blättern ein und auf

fallen in Love
folgen ihrem Weg
sehr agile Winzlinge
Regenperlen gleich mit durchsichtig
schimmerndem Gehäuse
hinauf bis in die Weidenkrone

Lilli Vostry
22.8.2020

Überall Welt: Buchpremiere von Volker Sielaff im Zentralwerk & Neuer Gedichtband „Barfuß vor Penelope“

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Die Edition AZUR lädt ins neue Verlagsbüro im ZENTRALWERK – ein neues Domizil der Dresdner kreativen Szene – zur Vorstellung von Volker Sielaffs Journal „Überall Welt“ am 7. März 2017, um 20 Uhr auf der Riesaer Straße 32 ein. Mit Lesung und Gespräch mit dem Buchautor. Der Eintritt ist frei.

Ein Tagebuch kann vieles sein: Archiv, Versuchslabor, Ideenspeicher. Volker Sielaffs Journal passt in keine dieser Schubladen – und sein Schreibgrund ist wohl am ehesten mit dem vergleichbar, den Victor Klemperer einmal für seine Tagebücher formulierte: »Nur Leben sammeln. Immer sammeln. Eindrücke, Lektüre, Gesehenes, alles. Und nicht fragen, wozu und warum.«
Nach den gefeierten Lyrikbänden »Selbstporträt mit Zwerg« und »Glossar des Prinzen« legt Volker Sielaff erstmals eine Auswahl von Prosaaufzeichnungen aus zehn Jahren vor: unverstellte, berührende Notate vom Rand der Wahrnehmung. Sie berichten vom Glück des Lebens mit einem Kind, von Begegnungen, Streifzügen, Lektüren und Beobachtungen. Überall Welt!

ISBN: 978-3-942375-24-5
152 S., Klappenbroschur, 19,90 EUR

Der Chamisso-Preisträger Gino Chiellino schrieb in einer DNN-Kritik unter dem Titel „Ein Entwicklungsroman besonderer Art: Volker Sielaff legt mit „Überall Welt“ ein außergewöhnliches Buch vor“ u.a.: „Zwar werden Reisberichte, Tagebücher und Autobiographien wichtiger und unwichtiger Akteure mit Erfolg veröffentlicht, aber welcher Schriftsteller würde es wagen, wie es Volker Sielaff getan hat, ausgehend von einer existentiellen Veränderung im Leben des Protagonisten eine elfjährige Beobachtung der Welt um das Leben des Journalverfassers niederzuschreiben? Mir ist auf jeden Fall kein zweiter bekannt!“

Siehe dazu auch den Text auf meinwortgarten.com zur Lesung „Unmöglich, gegen eine Amsel anzulesen…“ von Volker Sielaff aus seinem Buch „Überall Welt“.

Mehr Text zu diesem Buch folgt.

Rezension zum neuen Gedichtband „Barfuß vor Penelope“ von Volker Sielaff (edition Azur, 2020)

Kleiner Vorgeschmack: In diesen Texten, freien Versen und mit End- und Binnenreim, spricht oft die Liebe, in allen Facetten, zärtlich, rau und sanft. Diogenes spricht zu einem Maler; eine wortwitzreiche-poetische Welt- und Alltagsreise ist der Zyklus „Mystische Aubergine“ und kleine schöne Momentaufnahmen des Seins verankert Sielaff im letzten Kapitel mit dem Bekenntnis: „Ich bin in hohem Bogen ein Diesseitiger“.
Ein luftig-leichtes, gedankenreiches Buch für warme und kühle Tage, voller Farb- und Sprachreichtum über die Liebe zu allem, zum Leben mit allen Höhen und Tiefen. Prägnant und geheimnisvoll wie im Klappentext auf der Buchrückseite mit dem doppeldeutigen Titel „Liebe endlich“: „zum Umbruch, zur Wut. Zu den achtzig Thesen des Pandas zum Blut. Zu jedem, der noch gern barfuß geht. Zum Hut, zur Kokotte, zum Widergänger, zum Nestbeschmutzer und Zettelaufhänger. Zu Aphrodites Tattoo. Zu allen Tasten auf deiner Haut, zu jedem Ganoven, jeder Braut. Zu Else Laske-Schüler und dem Blauen Klavier auf deinem Kühler.“

Text (lv)

Genuss pur. Poesie & Kuchen – auch zu buchen…

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Genuss für Geist & Sinne. Mit Rhabarber – Ein Gedicht aus dem Backofen fing alles an. meinwortgarten-Inhaberin und Autorin Lilli Vostry liebt Poesie & Kuchen und bringt beides gern zu Lesungen mit.

Wenn die Worte und Aromen auf der Zunge tanzen

Die erste Kostprobe gab es bei der Premiere meiner Gedicht-Lesung „Vom Zauber endloser Anfänge“ am 16. Mai im KlangLabor in Dresden, das angesichts Corona-Einschränkungen gut gefüllt war. Vom ersten selbst gebackenen Rhabarberkuchen, dem ich ein eigenes Gedicht widmete, blieb fast kein Krümel übrig. Das spornte mich an zu weiteren Backversuchen. Ich mag Poesie & Backen. Das Spiel mit Worten & Zutaten & der betörende Duft & Aromen, die auf der Zunge tanzen & Gestalt annehmen. Zum Zuhören, Probieren und Genießen einladen und etwas Bleibendes schaffen.

So entstand mein neues Angebot unter dem Motto: „Poesie & Kuchen – auch zu buchen“ eigene Gedichte und selbst gebackenen Kuchen zu Lesungen mitzubringen. Und diese zwei Leidenschaften zu verbinden. Genuss für Geist und Sinne.

Ich lese gern vor neugierig aufgeschlossenem Publikum, ob in Spielstätten, in einem Gartenlokal, auf privaten Feiern oder in Senioren- und Pflegeheimen in Dresden und der Region. Gedichte über Zauberhaftes in der Natur und Zwischenmenschliches, Veränderungen und Wandlungen im Leben und den Zauber des immer wieder Anfangens. Viele meiner Gedichte, die in den letzten zehn Jahren entstanden und für die ich als nächstes einen passenden Verlag suche, stehen hier auf meinem wortgarten-Blog.

Wer Interesse an meinen Lesungen hat, auch mit musikalischer Begleitung möglich, kann mir gern schreiben an folgende e-mail-Adresse:
lilli-vostry-journalistin@gmx.de

Text + Fotos (lv)

Licht & Schatten: meinwortgarten in der Corona-Krise

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Liebe LeserInnen meines wortgartens,

zuerst das Erfreuliche: dieser Kultur-Blog nähert sich der 70 000-Marke an Aufrufen. Es geht stetig aufwärts. Mein Traum-Ziel ist die 100 000 bald zu erreichen und hoffentlich auch mal Einnahmen, auch aus den täglichen Anzeigen, die bereits seit einer Weile rings um meine vielen Beiträge stehen…

Es sind besondere, zwiespältige Zeiten gerade. Ich lebe, genieße im Moment, doch die Sonne vertreibt die existenziellen Sorgen nicht… Habe kaum Einnahmen momentan aufgrund der einschneidenden Corona-Maßnahmen.

Daher meine Bitte an Euch, vor allem die langjährigen Stammleser: Wenn Ihr meine Arbeit als freie Journalistin schätzt und unterstützen möchtet, könnt Ihr das jetzt mit einer Spende für das Weitergedeihen meines Kultur-Blogs: http://www.meinwortgarten.com tun.

Dieser wird seit nunmehr fünf Jahren von mir liebevoll gehegt und wächst… Das alles unentgeltlich. Viel Zeit steckt im wortgarten, bin oft unterwegs und Ihr bekommt immer neue, vielfältige Kulturgewächse zu lesen und sehen in Form von Bildern…
(Die Tagesmedien haben längst Bezahlsperren für ihre online-Angebote eingerichtet.)

Doch allein von Luft und Liebe kann auch ich nicht leben.

Herzlichen Dank an alle Leser und Unterstützer.

Bleibt schön neugierig, teilt und empfehlt meinwortgarten.com weiter.

Eine gute Zeit und Bleibt gesund!

Lilli Vostry
Inhaberin meinwortgarten.com

Herzlichen Dank für ihre Spende:

Kathrin Krüger-Mlaouhia, Redakteurin in Großenhain

Hartmut Maihöfer vom mai hof puppentheater in Dresden-Weißig

Günter Gläser, Emaillebilder-Künstler in Radebeul

Michele Cyranka, Malerin, Grafikerin und Keramiikerin in Tharandt

Spendenkonto:

Lilli Vostry
Bankverbindung: IBAN DE 88 8707 0024 0525 231700 bei Deutsche Bank
Kennwort: wortgarten-Spende

Fotos (lv)

Start der Schreib- und Geschichtenwerkstatt für Kinder „Fantasius Firlefanz“

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Geschichten-Abenteuer erleben – Jeder hat Fantasie!

Für alle, die in den Sommerferien noch nichts vorhaben, startet für neugierige, spiel- und erzählfreudige Kinder und Jugendliche die Schreib- und Geschichtenwerkstatt „Fantasius Firlefanz“ mit Lilli Vostry, freie Journalistin und INhaberin des KulturBlogs meinwortgarten.com als neues Angebot im KlangLabor auf der Lommatzscher Straße 6 in Dresden. Heute am 4.7., von 16 – 18 Uhr das erste Mal. Ab 11. Juli dann immer mittwochs von 17 – 19 Uhr. Ich freu mich auf Euch.

Hallo, liebe Kinder!

Hier könnt Ihr die kreative Schreibwerkstatt für Kinder und Jugendliche „Fantasius Firlefanz“ kennen lernen. Der bewegliche kleine Holzvogel ist unser Begleiter, der unsere Fantasie beflügeln möchte. Bei den Geschichten-Abenteuern, die uns zuflattern aus der großen Welt der Worte.

Gemeinsam entdecken wir den Spaß am Erzählen, sprachlichen Gestalten in spielerischer Form und Umsetzen der selbsterdachten Geschichten.

Wenn Ihr gern träumt, erfindet, neugierig seid, Euch lesend und schreibend ausprobieren wollt, ist die Schreib- und Geschichtenwerkstatt ein guter Ort, dies miteinander zu tun.

Zu meiner Person: Ich heiße Lilli Vostry, schreibe selbst gern seit meiner Kindheit und arbeite hauptberuflich als freie Journalistin, außerdem als Kinderbetreuerin und in der Deutsch-Nachhilfe in Dresden. Es sind auch spezielle Angebote für Kinder mit ADHS möglich.
Ich gebe auch Kurse in spielerischem Schreiben für Kinder auf Anfrage in Schulen.

Kosten pro Teilnehmer pro Nachmittag: 5 Euro

Kontakt: Lilli Vostry, Tel. (0351) 848 75 03 oder 0177 – 524 88 48
email: Lilli.Vostry@freenet.de

 

Keine für Alle! – Lara Finesse

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Kolumne: Neue Mauern…

Wie es zu meinem Namen kam, das bleibt mein Geheimnis. Ob es mich wirklich gibt? Nun ja. Wie heißt es so schön: Ich denke, also bin ich. Was auch nicht unbedingt selbstverständlich ist. Neulich hörte ich im Radio in einer Humorsendung, es war gerade Fasching, den unglaublichen Satz: Das Lachen unterscheide den Menschen vom Tier. Das habe kein Geringerer als Aristoteles einst festgestellt, wie auch die gefährliche und befreiende Wirkung auf die Lachenden und Ausgelachten zeitlos ist.

Wer lacht, zeigt, dass er etwas erkannt und verstanden hat. Oder es zumindest meint. Während Tiere, wenn sie lachen mit heraushängender Zunge oder fiependen Lauten,gar nichts denken, sondern sich einfach ihres Daseins freuen. Das unterscheidet Tiere tatsächlich sehr von Menschen.

Manche von letzteren verziehen keine Miene, egal was um sie herum passiert. Es ist ja nicht zu übersehen, dass sich gerade ein großer Wandel in der Welt von draußen nach drinnen – damit meine ich nicht nur die über Ländergrenzen hinweg ziehenden Flüchtlingsströme – vollzieht. Neue Mauern tun sich auf, mit denen wir uns selbst umgeben. Man sehe sich nur die Leute an, die draußen unentwegt nach unten auf diese glatten, flimmernden Teile starren und darauf herumtippen und die Ohren oft verstöpselt halten.

Wie ferngesteuert laufen sie durch die Gegend, manche rennen einen fast um. Ich frage mich dann immer: Was ist so ungeheuer wichtig, dass diejenigen dieses Teil kaum eine Minute mehr aus den Augen lassen?! Was würde passieren, wenn sie es verlieren? Was taten sie, bevor es Smartphones gab?

Mittlerweile braucht man gar nicht mehr aus dem Haus zu gehen. Man bekommt alles aus dem weltweiten Netz. Man kann Tag und Nacht einkaufen, mit den Augen überallhin reisen, sich vergnügen, den idealen Partner per Fragebogen zusammenpuzzeln, für zwischendurch, nur virtuell oder auch mal in echt. Heldenhafte Essensbringer aus dem Internet (die nennen sich wirklich so!) gibt es auch inzwischen.

Anderes wie Postkarten und Briefe schreiben, stirbt allmählich aus. Vielleicht werden Briefkästen deshalb auch immer seltener?

Neulich fragte tatsächlich jemand auf Facebook, ob es eigentlich noch Schreibpapier gäbe! Als ob es davon abhinge. Wenn man das Bedürfnis hat, kann man auf allem schreiben. Oder? Nur gehen mir leider allmählich die Empfänger aus. Es wird noch soweit kommen, dass ich mir selbst Karten und Briefe mit schönen Briefmarken schreibe, nur um mir die unverhoffte Freude, dass jemand an einen denkt und überrascht, zu erhalten neben all dem Werbekram und Rechnungen, die mir beim Gang zum Briefkasten täglich entgegen grienen.

Warum gehen wir manchmal trotzdem noch hinaus? Um zu schauen, ob da draußen noch alles da ist, noch andere außer uns und wie die Luft ist. Warm oder kalt. Auf den Wetterbericht ist ja kein Verlass mehr trotz moderner Technik. Das Wetter macht, was es will. Einmal richtig Schnee muss reichen, dann geht der Winter schon wieder. Statt Schlitten und Skier fahren schnelles Surfen im Internet. Merkt doch eh keiner. Seit Ende Januar, draußen ist noch alles kahl und grau, bestürmen einen schon in knallbunten Farben grinsende Schokohasen und Eierallerlei im Supermarkt, obwohl man gerade erst die Silvesterknallerei überstanden hat und das Schatzkästchen auf dem Tisch mit den erfüllten, vergessenen und neuen Wünschen für das neue Jahr noch auf Durchsicht wartet. Indes grüßen schon die ersten Schneeglöckchen auf der Wiese, wird es wieder früher hell und später dunkel. Was manche Nachbarn schon zu eifrig geräuschvollem Frühjahrsputz derart treibt, dass einem Hören und Sehen vergeht. Und das Leben rauscht vorbei.

Macht was draus.

Bis zum nächsten Mal!

Eure Lara Finesse

BilderGedichtKalender 2016 „Von Tier zu Mensch“

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Vom Raubtier Mensch

Skurill-poetische Gedichte und Bilder versammelt der neue BilderGedichtKalender von Lilli Vostry und Babak Nayebi.

Ein Mann mit Hahn im breitkrempigen Hut, den nichts zu erschüttern scheint, ist auf dem Titelblatt des Kalenders zu sehen. Gut behütet schaut er in die Welt. Skurril-poetische, heitere und ernsthafte, beherzt geborgene Gedankenflüge und Gefühlssprünge versammelt der neue BilderGedichtKalender für 2016 unter dem Titel „Von Tier zu Mensch“. 

Es ist der nunmehr dritte Kalender, den Lilli Vostry, freie Journalistin und SZ-Autorin, zusammen mit dem iranischen, in Dresden lebenden Bildenden Künstler Babak Nayebi in limitierter Auflage herausgegeben hat im Typostudio SchumacherGebler in Dresden. In Abwandlung der Redewendung „Von Mensch zu Mensch“ wird in reizvollem Kontrast von Bildern und Lyrik das Verhältnis von Mensch und Tier betrachtet. Das Raubtier Mensch, der mal Jäger, mal Getriebener ist, mal innige Nähe und Ausgeliefertsein, Stärke und Ohnmacht erfährt und die verletzte, leidende Kreatur stehen sich gegenüber in den farbigen Ölzeichnungen auf Papier. Es geht außerdem facettenreich, vieldeutig um Zwischenmenschliches. Etwa im Gedicht „Frei Wild“ um Fortschnurren in fremde Galaxien, um Fortträumen, Sehnsucht nach der Ferne und Neues entdecken. Da tauchen Fledermäuse am Strand auf, ergibt sich ein Admiral auf Landgang duftenden Blüten. Da bringt ein rätselhaftes Wesen mit roten Augen, das sich Lori nennt, Schatten zum Leuchten. Und begrüßt eine Robbe das neue Jahr und sucht im unendlichen Weiß nach wärmenden Worten. 

Dieser zeitlose BilderGedichtKalender „Von Tier zu Mensch“ ist jetzt zum Schnäppchenpreis erhältlich. Einige Exemplare sind noch über die Autorin Lilli Vostry auf Anfrage zu beziehen.

BilderAlbum: Zeitreise zum 150 +2-jährigen Eisenbahnjubiläum der Strecke Cottbus – Großenhain


Schön in Schale geworfen: Als Reisende aus dem Bürgertum anno 1870 wandelten Darsteller der Spielbühne Großenhain zum 150 + 2 (coronabedingt)jährigen Eisenbahnjubiläum am Sonnabend rings um das schmucke Bahnhofsgebäude und begrüßten die Reisenden der modernen Zeit.

Reisen im Zug der Zeit

Der Zug von Dresden fuhr 150 + 2 Jahre zurück… Zum Eisenbahnjubiläum der Strecke Cottbus – Großenhain an diesem Wochenende. Am Bahnhof Großenhain empfingen gestern bei Bilderbuchwetter historisch kostümierte Damen und Herren die Reisenden, wandelten umher und drehten eine Runde im Stadtpark mit der K- und K-Kleinbahn und winkten den Spaziergängern huldvoll zu. Kurzer Halt. Gruppenfoto vor den farbenprächtigen und betörend duftenden Azaleen und Rododendronbüschen.  Ein Vergnügen für die jungen Darsteller der Spielbühne Großenhain e.V. und für die Besucher.

Dampflok fuhr leider keine zum Jubiläum, die hatte die Deutsche Bundesbahn wegen Waldbrandgefahr vorsorglich abgesagt. Kein Schaffner mit roter Mütze, Kelle und Trillerpfeife am Bahnsteig mehr. Dafür gab es eine Modelleisenbahn mit originalen Zuggeräuschen von einst, fröhlich schnaufend und mit Pfiffen der Lok. Am späten Nachmittag sollte noch ein Zug mit historischen Wagen eintreffen. Mal schauen.

Weiterging`s mit dem Oldtimerbus. Ich durfte mich sogar kurz ans Steuer setzen. Als der Bus noch fuhr, war ich gerade fünf… Wie die Zeit vergeht. Man kann das hübsche Gefährt auch mieten für Sonderfahrten, sich sogar im Bus trauen lassen. Ins Seenland, ins renaturierte ehemalige Tagebaugebiet nach Hoyerswerda, wollte ich schon immer mal. Dann fuhr der Jubiläumszug Punkt 17 Uhr auf dem Großenhainer Bahnhof ein, die Wagen noch aus DDR-Zeiten mir DR-(Deutsche Reichsbahn)Aufschrift. Gemütliche, separate Sitzabteile mit Schiebetüren statt Großraumwagen und Speisewagen mit weißen Spitzengardinen… Die Sitzbezüge schon mit den blauen Kästchen der Deutschen Bundesbahn. Stille Übernahme nach der Wende. Reisende steigen ein und aus. Der Schaffner schließt als letzter die Tür. Die historische Reisegesellschaft  winkt den Weiterreisenden zum Abschied. Rund zehn Minuten dauerte der Ausflug in die Vergangenheit inklusive freie Plätze im Zug finden, sich kurz setzen und die Zeit anhalten. Der Zug sah wie neu aus. Und ist doch Historie. Die Erinnerungen an die Zugerlebnisse, die über viele Lebensgleise führten, bleiben.

Heute, am Sonntag wird noch mal Bahnjubiläum in Großenhain gefeiert mit historischen Reisenden, Oldtimerbus und Sonderzügen von 10 bis 17 Uhr.

Text + Fotos (lv)


meinwortgarten-Inhaberin Lilli Vostry und Winnie Rudolph von der Spielbühne Großenhain, sie leitet dort die Kindergruppe, in einem Zugabteil der Deutschen Reichsbahn, aber schon mit blauem Kästchenbezug der Deutschen Bundesbahn. Früher waren es grüne und rötlich braune Ledersitze.

„Vorwärts immer! Jubiläumsshow !“ der Seniorentheatergruppe „Ohne Verfallsdatum“ im Theaterhaus „Rudi“ in Dresden


Spielfreude kennt kein Alter: Drei Damen in barocken Kleidern umgarnen und tanzen Twist mit dem König (Gert Knieps). Eine Szene aus dem Märchen „Aschenputtel“.

Spielfreudige Senioren

Mit einem herzerfrischend heiteren Programm feierte die Seniorentheatergruppe „Ohne Verfallsdatum“ mit ihrem Leiter Gert Knieps aus Freital unlängst ihr 15-jähriges Jubiläum im Theaterhaus „Rudi“ in Dresden.

“Der erste Lack ist ab, wir sind nicht mehr die Jüngsten. Uns stört`s nicht im geringsten. Kein Mensch kann ewig glänzen…“, singen die Akteure auf der Bühne
zu beschwingten Akkordeonklängen zu Beginn. Es ist für sie mehr als ein Lied, eine Lebenshaltung. Es spricht ihnen selbst und den Zuschauern aus dem Herzen. Der Theaterraum im „Rudi“ ist voll besetzt. Im Publikum sitzen viele Familienangehörige, Bekannte und frühere Arbeitskollegen der Darsteller. An diesem Abend und auch sonst staunen sie und sind begeistert über das frische Theaterspiel, mit wie viel Witz und Schwung man auch im Alter noch etwas bewegen kann, für sich und andere.

Eindrucksvoll zeigte dies die Seniorentheatergruppe „Ohne Verfallsdatum“ auch in ihrem Programm unter dem Motto: „Vorwärts immer! Die Jubiläumsshow!“, einer kurzweilig vergnüglichen Mischung aus kurzen Spielszenen, Gesangsparodien, Musik und Tanz mit Gästen, mit dem sie unlängst ihr 15-jähriges Bestehen nach zwei Jahren coronabedingter Pause im Theaterhaus „Rudi“ in Dresden feierten. Seit nunmehr 20 Jahren treten in dieser städtischen Spielstätte viele Künstler und Gruppen der freien Szene in Sachsen auf. Regelmäßig dabei seit mehreren Jahren sind die  spielbegeisterten Senioren. Die Gruppe wurde als „Älterntheater“ im Jahr 2005 gegründet. Seitdem entstanden zwölf Inszenierungen. Darunter Stücke für Erwachsene, die über das Älterwerden erzählen mit eigenen Texten der Gruppe und Märchen.

In der Jubiläumsshow waren Ausschnitte aus dem ersten Programm des Seniorentheaters, den „Hochhausgeschichten“ zu sehen und Szenen aus den Aufführungen „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ und „Alle werden älter – nur wir nicht“. Den größten Erfolg hatte die Theatergruppe „Ohne Verfallsdatum“ 2009 mit der Teilnahme am 3. Europäischen Seniorentheaterfestival in Pforzheim mit ihrem Stück „Heim oder Daheim“.

Die zehn Spielerinnen und Spieler sind zwischen 68 und 80 Jahre alt. Ein Tisch und Stühle und farbige Lichteffekte auf einer Leinwand genügen als Kulisse. In einer Szene geht es um Schnäppchenkauf, drei Frauen zeigen stolz ihre neueste schicke Bluse, leider alle dieselbe und man erlebt drei ältere, lebensfrohe Damen, die in einer WG zusammen leben und sich ihren persönlichen Wellnesscoach leisten, der sie massiert. Sie sind gerade beim Sektfrühstück, als der Doktor ihnen ihre nicht so tollen Blutwerte aus dem Labor überbringt, der ein Gläschen mit den Damen ablehnt und hinter vorgehaltener Hand bekennt, er habe schon drei Gläser heute morgen geleert.

Durchs Programm führte, garniert mit Witzen und Anekdoten aus der Jugendzeit, dem Alltag und Theaterleben Gert Knieps. Der 73-Jährige, gebürtige Freitaler ist  Kabarettist, Conferencier und Autor seit vielen Jahren. Er war von 1991 bis 2011 der Leiter des Kulturhauses Freital, musste aufgrund einer schweren Erkrankung aufhören. Seinen Humor hat er behalten. Seit neun Jahren ist Knieps Leiter der Seniorentheatergruppe „Ohne Verfallsdatum“.  Er erheiterte als König im Märchen „Aschenputtel“, der mit zwei Damen in roten, barocken Kleidern flott tanzt bis ihn beim Twist ein Hexenschuss trifft, und lustig-prall als einer der „Wildecker Herzbuben“. Im Wechsel mit Monika Bethge, Gesangspädagogin, viele Jahre Leiterin der Freitaler Musikschule und Vorsitzende des Vereins „Ohne Verfallsdatum“ moderierte Knieps die Jubiläumsshow im Theaterhaus „Rudi“.

Als Gäste und Gratulanten waren der Sänger Mario Boden mit mal sanften und rockig-bluesigen Liedern von Ina Deter und Rio Reiser zur Gitarre und schwungvoll am Akkordeon begleitet von seiner Tochter Hannah zu erleben. Mit flott kessen Tanzeinlagen von Charleston bis Showtanz glänzten sechs junge Tänzerinnen des Dresdner Tanzstudios „Dance Art“ von Dagmar Deke. Das Seniorentheater trifft sich immer dienstags Vormittag zum Proben im „Rudi“.

“Wir könnten noch einen Herren gebrauchen und noch ein, zwei Damen“, so
Knieps. Im Juli spielen sie hier wieder „Aschenputtel“ als Familienvorstellung.
Als nächstes soll ein heiter musikalisches Programm mit dem Titel „Frühling, Sommer, Herbst und Windeln…“ aus seiner Feder im Oktober Premiere haben.
Das Jubiläumsprogramm würde das Seniorentheater auch gern weiter spielen,  wenn sich Spielorte dafür finden. Er denkt dabei an die Spielstätte „Laterne“ unterm Dach im Kulturhaus Freital. Die Spielfreude der Akteure kennt eben kein Verfallsdatum.

Text + Fotos (lv)

Weitere Infos:

www.Ohne-Verfallsdatum.de
http://www.Theaterhaus-Rudi.de

Mit Charme & Schwung begeisterten die jungen Tänzerinnen des Dresdner Tanzstudios „Dance Art“, das es schon 30 Jahre gibt.

Als Gäste der Jubiläumsshow traten außerdem Sänger Mario Boden mit sanft rockigen Songs zur Gitarre und am Akkordeon begleitet von seiner Tochter Hannah auf.

Unterwegs: „Erinnerung und Gefühl. Ein Interim im Schlosspark“ von Burgk mit Fühlskulpturen von Steffen Petrenz


„Ursprung“, „Aufbruch“ und „Ankunft“: der Freitaler Künstler Steffen Petrenz vor seiner dreiteiligen Blechskulptur „memories“ im Schlosspark Burgk.

Reizvoller Raum für Erinnerungen

Eine dreiteilige Skulptur mit dem Titel „memories“ und „Fühlskulpturen“ des Freitaler Künstlers Steffen Petrenz laden zum Innehalten und Erinnern mit allen Sinnen ein im Schlosspark Burgk. Zum Internstionalen Museumstag am Sonntag, dem 15. Mai, ist in den Ausstellungen der Städtischen Sammlungen auf Schloss Burgk in Freital ganztags freier Eintritt. Vormittags gibt es ein Konzert mit dem Musikverein Freital im Schlosshof.

Lebensgroß, filigran und mit rostbrauner Patina überzogen stehen die Figurenumrisse frei im Raum. Scherenschnittartig ist eine Figur aus der anderen heraus gewachsen. Sie stehen für sich, scheinbar losgelöst und bilden doch ein Ganzes, das man wie ein Spiegelbild nacheinander anschauen kann. „Erinnerung und Gefühl. Ein Interim im Schlosspark“, unter diesem Titel zeigt der Freitaler Künstler Steffen Petrenz erstmals öffentlich seine dreiteilige Blechskulptur „memories“ aus den Jahren 2009/20012.

Diese steht auf einer Anhöhe unter hohen Bäumen im Gelände von Schloss Burgk. Ein faszinierendes, offen vieldeutiges, reizvolles und buchstäblich berührendes Erlebnis, Geflüster und Zwiegespräch im Zusammenspiel von Natur, Kunst und Betrachter. Im Wechsel von Licht und Schatten verändern sich Formen und Ausdruck der Skulpturen immer wieder, wenn man sich ihnen aus verschiedenen Blickwinkeln nähert. Mal steht die hintere Figur mit ihren wellenartigen Körperrundungen klar sichtbar, mal halb versteckt unter Blätterzweigen, die sich im Sonnenlicht flimmernd auf der Figur wie Lebenslinien abzeichnen und auf dem Boden verzweigen.

„Erinnerungen sind ja auch versteckt. Wenn man durch das Gedächtnis streift, kommen sie wieder hoch ans Licht“, sagt Steffen Petrenz zu seinen Skulpturen. Sie haben weniger mit dem historischen Gedächtnis zu tun, auch wenn die Aufstellung am 8. Mai dies nahe legt. Das Datum sei zufällig, die Ausstellungseröffnungen bei den Städtischen Kunstsammlungen auf Schloss Burgk finden immer sonntags statt, ergänzt deren Leiterin Kristin Gäbler. Jeder kann die Erinnerungs-Skulpturen individuell für sich erkunden. Erinnerungen sind vielschichtig, persönlich wie kollektiv, greifen ineinander, wandeln sich und sind nicht an Ort und Zeit gebunden. Als die Skulpturengruppe fertig war, gab es im Atelier von Steffen Petrenz eine Performance, bei der er das zugemauerte Mittelteil mit dem Vorschlaghammer aufbrach, sinnbildlich für die Auseinandersetzung mit Erinnerungen, sich ihnen stellen und verarbeiten.

„Wenn man in die 40 kommt, die Kinder langsam aus dem Haus gehen, wird der Blick ein anderer“, so Petrenz. Seine drei Skulpturen im Schlosspark nennt er dementsprechend „Ursprung“, „Aufbruch“ und „Ankunft“. Der Betrachter kann durch die offenen Figuren hindurch schauen und gehen und dabei eigenen Eindrücken, Empfindungen und Erinnerungen nachgehen. Einige Spaziergänger bleiben stehen, gehen heran an die Skulpturen, fotografieren sich mit ihnen. Weitaus mehr Besucher sitzen aber unter den blühenden Kastanienbäumen im Schlossinnenhof an den Tischen vor dem Schlosscafé und genießen Eis, Kaffee und Kuchen bei strahlendem Sonnenschein.

Weiter hinten auf dem Weg zum Besucherschaubergwerk kann man außerdem sogenannte „Fühlskulpturen“ von Steffen Petrenz entdecken. Sie entstanden  ursprünglich für das Seniorenheim „Herbstsonne“ in Freital-Hainsberg und sind ausdrücklich zum Anfassen und buchstäblich Be-greifen gedacht. Die keramischen Objekte und Formen sind der Natur abgeschaut. Da finden sich Planet, Apfel und Mohnkapsel. Eine Besucherin fragt, ob die originellen Kugeln nicht immer da stehen bleiben können. „Es ist eine temporäre Kunstaktion“, so Kristin Gäbler, „wir wollen unsere Besucher immer neu überraschen.“ Die Skulpturen sind noch bis 24. Juli frei zugänglich im Schlosspark Burgk zu sehen. Steffen Petrenz öffnet außerdem beim „Kunst: offen in Sachsen“ am 5. Juni von 10 bis 23 Uhr sein Atelier auf der Dresdner Straße 166 hinter der Aral-Tankstelle mit Livemusik und Einblicken in sein vielfältiges Schaffen.

Text + Fotos (lv)

http://www.freital.de/museum

Schloss Burgk mit blühenden Kastanienbäumen im Innenhof. Dort kann man gemütlich an Tischen sitzen und Kaffee, Kuchen, Eis, das beste weit und breit, vom Schlosscafé genießen.

Ausstellungseröffnung „Geflüster“ von Gudrun Trendafilov in der Galerie Kunst & Eros


„Wilde Gabe“: Ein Rabe überbringt eine Kirsche. Foto: Galerie Kunst & Eros

»GEFLÜSTER« Gudrun Trendafilov

Malerei · Grafik

  1. Mai bis 9. Juli 2022

Vernissage am Freitag, 13. Mai 2022 · Beginn 19.00 Uhr

Begrüßung: Janett Noack
Einführung: Katharina Arlt, Freie Kunsthistorikerin
Musik: Musik-Duo mit Klara Fabry (Klarinette/ Percussion) & Elena Schoychet (Klavier/ Gesang)

Zur Vernissage der Ausstellung »GEFLÜSTER« der Dresdner Künstlerin Gudrun Trendafilov am Freitag, den 13. Mai 2022 um 19.00 Uhr sind Kunstinteressierte herzlich eingeladen.

Die Künstlerin ist anwesend.

Gudrun Trendafilov gehört zu den bekanntesten und bedeutendsten Dresdner Künstlerinnen unserer Zeit. In dieser Ausstellung präsentiert sie neue Malerei und Grafik. Ihre Bildsprache ist von unverwechselbarer Handschrift, die uns mit Lebendigkeit, Schönheit und sinnlicher Ausdruckskraft verzaubert.

Wir freuen uns auf dieses Wiedersehen, Ihre Neugier und auf die anschließende Geselligkeit in der Galerie.

Text: Janett Noack & Team

Galerie kunst & eros, Hauptstraße 15, 01097 Dresden – Mo bis Sa 11 bis 15 Uhr

http://www.kunstunderos.de, info@kunstunderos.de – 0351 8024785

Veranstaltungstipp

„Lange Nacht der Galerien und Museen im Barockviertel Dresden“ am Donnerstag, dem 16. Juni, von 18 bis 23 Uhr. Ein kleines Überraschungskonzert begleitet die aktuelle Ausstellung bei Kunst & Eros an diesem Abend.

Neue Lyrik: Flieg Taube flieg & Der Junge mit den Tauben

Flieg Taube flieg
bring den Menschen
überall auf der Welt
Freude Farben die aus dem Rauch
aufsteigen
Schenk ihnen das Himmelblau
zurück
Lass sie mit deinen Schwingen
fliegen
und den Frieden siegen

LV
7.5.2022

Der Junge mit den Tauben

Er stand eine Zeitlang
wie ein Schatten
stumm beobachtend
hinter mir
mit verächtlicher oder gleichgültiger
Miene schien mir
als ich die Tauben fütterte

gleich wirft er einen Stein nach ihnen
verscheucht sie selbst hungrig
doch der Junge fragt in gebrochenem
Deutsch ob er die Tauben
mitfüttern darf

ich gebe ihm ein halbes Brötchen
es ist schon hart meine Knöchel blutig
als ich es durchbreche
vorsichtig gibt der Junge den Tauben die
Krumen
ich hab ihn nicht wiedergesehen

ich denke an die Menschen in Mariupol und
die anderen zerstörten ukrainischen Städte
in den Bildern liefen Tauben neben Wracks
von Panzern
Vögel sangen in den Bäumen zwischen
Häusertrümmern

Glasscherben liegen am steinigen Flussufer
wo die Wasservögel landen
Hundegebell Lachen fremde Sprachlaute
Grillgeruch und Flügelschlagen sich mischen

Tauben und Sperlinge schwirrend die
Brotkrumen aufpicken Kinder mittendurch
rennen mit Eis in den Händen
ein Junge tritt mit den Füßen
nach den Tauben
ein Mädchen tritt über die Krumen

die Tauben fliegen auf
über dem Wasser
in dem sich weiß gefiederte Wolken
spiegeln und der leere Steinstrand
im Abendlicht glänzend
zurückbleibt

LV
7.5.2022

Texte + Fotos: Lilli Vostry

Premiere „Zwei Krawatten“ – Die Revue vom Großen Los in der Staatsoperette Dresden


Ganz oben auf der Showtreppe: Zwischen Glamour, Vergnügen, Sehnsucht nach Liebe und Überdruss vom Überfluss. „Wir haben alles, nur keine Zeit… Und wenn wir heut` mal leben, dann gehn wir gleich zu  weit,..“, heißt eine Liedzeile aus der Revue „Zwei Krawatten“. Fotos: Pawel Sosnowski

Vom großen Los, glücklich zu sein

Rauschhaft bunt, turbulent und witzig-komisch entführt die Revue „Zwei Krawatten“ von Georg Kaiser und Mischa Spoliansky ins Berlin der Goldenen Zwanziger mit allen Höhen und Tiefen in der Regie von Matthias Reichwald in der Staatsoperette Dresden.

Auf der Showtreppe geht es geschäftig zu. Revuegirls mal in schillernden Kostümen, in Charlestonkleidern mit Fransen und mal in schwarzen Bodys und Netzstrümpfen tanzen zu flotter Tingeltangelmusik. Ein Herrenquintett, „Die Kristallkehlen aus Moabit“ in schwarzen Anzügen singen mit samtigen Stimmen à la Comedian Harmonists den Ohrwurm „Einmal möcht` ich keine Sorgen haben…“ Ein Gentleman in pinkfarbenem Umhang flirtet mit einer Frau im weißen Abendkleid und blonden Haar, die Marlene Dietrich ähnelt und stürmt im nächsten Moment mitten durch die Ballgesellschaft davon. Gerade erst kennengelernt, schon auf der Flucht?!, wundert sich die Blondine.
Doch es kommt noch verrückter. Nichts ist wie es scheint, alles ist möglich in dieser rauschhaft bunten, turbulenten und witzig-komischen Vergnügungs-  und Verwechslungskomödie „Zwei Krawatten – Die Revue vom großen Los“ aus der Feder von Georg Kaiser und mit Musik von Mischa Spoliansky. Auf die Bühne der Staatsoperette Dresden kam das Revuestück unter Regie von Matthias Reichwald, der sonst als Schauspieler am Staatsschauspiel Dresden auf der Bühne steht und auch bereits inszenierte.

1929 in Berlin uraufgeführt, sorgte Marlene Dietrich in der Rolle der kühl-extravaganten Amerikanerin Mabel in diesem Revuestück für Furore, bevor sie als verführerische Nachtklubsängerin Lola im Ufa-Film „Der blaue Engel“ (1930) den Männern den Kopf verdreht und der sittenstrenge Lehrer Prof. Rath ihr vollends verfällt. Der Film „Der blaue Engel“ ist neben dem Revuestück im Zentralkino im Gelände des Kraftwerks Mitte am 11. und 12. Juni wieder zu sehen. „Zwei Krawatten“ ist eine musikalische Zeitreise ins Berlin der Goldenen Zwanziger Jahre mit all ihren Gegensätzen und in die Metropolen New York und Chicago. Beidseits der Bühne und der Showtreppe sitzen die Musiker.  Die Palette reicht von schwungvoller Varietémusik, schmissigen Bläserklängen, Oldtimejazz bis zu greller Marschmusik (musikalische Leitung: Johannes Pell).

Die Kellner eilen treppauf, treppab und werfen sich die Tabletts hin und her. Einer sieht wie der andere aus in adrett weißer Montur. Ein Ballgast, der mit dem pinkfarbenen Umhang, schlägt auf der Flucht vor der Polizei dem Kellner Jean ein unglaubliches Angebot vor. Für 1 000 Mark soll er seine schwarze Krawatte gegen die elegante weiße des Gastes tauschen. Außerdem gewinnt Jean auch noch ein Tombola-Los für eine Reise in die Neue Welt, nach Amerika. Die beiden Männer tauschen mit den Krawatten Aussehen und Identität. Tatsächlich erkennen Jean seine Kellnerkollegen nicht mehr, da er jetzt eine schwarze Weste über dem weißen Hemd trägt.

Der Gauner entkommt als Kellner getarnt durch die Katakomben. Als Hochstapler sprang an dem Abend Andreas Sauerzapf für den erkrankten Kollegen Marcus Günzel ein. Singend zur Seite stand ihm Christian Grygas mit einschmeichelnder Tenorstimme. Kellner Jean (gewitzt-blauäugig: Jörn-Felix Alt) hat vermeintlich das große Los gezogen, auf dem Weg in die Welt der Reichen und Schönen. Mit an Bord auf der Überfahrt mit dem Ozeandampfer nach Amerika, durch ein ovales Holzpodest mit Liegestühlen an Deck und geringelte Badeanzüge der Damen angedeutet, sind der Herrenchor, der zünftige Lieder schmettert und säuselt. Außerdem Jeans Freundin Trude (kess mit Bubikopf und lebenslustig: Devi-Ananda Dahm), die ihm heimlich hinterherreist, nachdem sie von seinem Abschiedsgeschenk, den 1 000 Mark eine Fahrkarte kaufte und der umtriebige Rechtsanwalt Bannermann (Elmar Andree), der auf der Suche nach einer Millionenerbin ist. Die gutbetuchte Mabel (weniger elegant als forsch: Stefanie Dietrich) lässt Jean nicht aus den Augen. Alle träumen sie von Liebe, Glück, Aufstieg und einem Leben in Wohlstand. Immer kommt etwas dazwischen. Das Glück lässt sich nicht fassen, und kommt es dann unverhofft, glaubt man es kaum und will man es festhalten, ist es schon fast wieder vorbei.

In diesem Auf und Ab-Gefühl von Sehnen, Bangen, plötzlicher Glückseligkeit, Vergnügen und Maßlosigkeit bewegen sich die Revue und die verträumt-ironischen, zeitlosen Liedtexte. Da tanzen abwechselnd Matrosen und Revuegirls, gibt es eine Showeinlage mit einem halbnackten Tänzer mit Stierkopf an einer Stange, äußert sich Mabel abfällig über die fünf „Gesangsnasen aus Europa“ und ihre „Hochkultur“ bei einer Party im Club der Chicagoer „Fleischfürstin“ Mrs. Robinson, rothaarig und derb-deftig gespielt und gesungen von Silke Richter. Die reichen Damen umgarnen und Geschäftsleute umlagern Jean. Außerdem ist er immer in Sorge, dass seine Rolle als Gentleman auffliegt und er als Kellner entlarvt wird. Schön ironisch sein Lied und Seitenhieb auf den Senator und Moralapostel, der den Abbruch des Vergnügens fordert und den Jean noch als Gast aus Berlin kennt: „Es kommt nicht auf den Inhalt an, die Verpackung ist alles…“ Und setzt noch eins drauf: „Wenn man es nur servieren kann,  dann frisst die Menschheit alles.“

Sehr komödiantisch und wandlungsfreudig in schnellem Rollenwechsel als Flitzer, Kellner, Kneipengäste, Matrosen, Advokaten und Reporter agieren die zwei Schauspieler Christian Clauss und Benjamin Pauquet. Witzig-schräge Slapstikeinlagen als Agenten in grünen Mänteln und Sonnenbrillen und hinter Zeitungen verschanzt, dem Hochstapler dicht auf den Fersen, liefern die Pantomimen Wolfram von Bodecker und Alexander Neander.

Dann erbt Trude überraschend 40 Millionen, vom Rechtsanwalt beglaubigt, der zunehmend ungeduldig wird, nun müsste sie doch endlich glücklich sein! Doch allein im Geld schwimmen ist langweilig! Die Sehnsucht nach Liebe führt beide wieder nach Berlin zurück. Eines Tages steht Trude wieder in dem Kellerlokal, in Jeans Stammkneipe, die sich durch eine Bühnenluke mit Tresen und Bierflaschen öffnet und schließt, wo es direkt und schnodderig zugeht und man sich schon mal wegen einer Frau prügelt. Trude ist jetzt reich und liest Jean erst mal die Leviten, bevor sie ihren Geldkoffer öffnet und Jean seinen Hauptgewinn Trude in die Arme schließen kann. Reichlich Beifall vom Publikum für einen glanzvoll vergnüglichen Abend voller Schwung, Wehmut, Leichtigkeit und Hintersinn und der Aufforderung, das eigene Glück nicht leichtfertig zu verspielen.

Text (lv)

Nächste Aufführungen: 3. und 4. Mai. 19.30 Uhr, Staatsoperette Dresden im Kraftwerk Mitte. 5 Euro Rabatt erhalten Zuschauer für das Stück „Zwei Krawatten“ in der Staatsoperette Dresden am 11. und 12. Juni gegen Vorlage ihrer Kinokarte von „Der blaue Engel“ im Zentralkino.

http://www.staatsoperette.de


Vom Kellner zum Gentleman, umgarnt von den Damen und immer in Angst, aufzufliegen.

Unterwegs: Begegnung mit einem Berggeist & In der Tiefe des Schaubergwerks auf Schloss Burgk in Freital


Bezaubernder Blickfang: Berggeist & Musikus. Das 150 Jahre alte Denkmal steht umgeben von hohen alten Bäumen im Garten von Schloss Burgk in Freital.

Tor zur Unterwelt: Kristin Gäbler, die Leiterin der Städtischen Sammlungen im Schloss Burgk vor der Schaubergwerksanlage, zu der auch ein Technikpark mit historischer Bergbautechnik gehört.

„Schwarzes Gold“: Axel Rüthrich, Mitarbeiter für Regionalgeschichte bei den Städtischen Sammlungen Freital zeigt stolz ein Steinkohleflöz, dass nur noch hier zu sehen ist.

In der Welt untertage

Einer wundersamen Berggeist-Sage lauschen, in die Tiefe steigen und in die Geschichte des Steinkohlenbergbaus eintauchen, können Besucher im wiedergeöffneten Schaubergwerk auf Schloss Burgk in Freital.

Die zwei Gestalten im Schlosspark Burgk in Freital ziehen die Blicke der Besucher auf sich. Die meisten Einheimischen werden sie kennen. Die anderen staunen und sehen sie mit einem Lächeln. Den bärtigen, hutzeligen Mann mit Schaufel, der auf Gestein steht und versucht, einen verwegen drein schauenden Mann mit Fidel und hingehaltenem Hut, zu sich auf den Berg zu ziehen. Das Denkmal erinnert an die Sage vom Berggeist und dem Musiker Rotkopf Görg und ist schon über 150 Jahre alt. Es steht unter hohen alten Bäumen im idyllischen Park des ehemaligen Freiherren von Burgk, Carl Friedrich Dathe, der Hauptförderer des hiesigen Kohlebaus war.

„Rotkopf Görg, der ein beliebter Musikus auf Festen in Freital und Umgebung war, begegnete der Sage nach einmal nachts auf dem Heimweg einem Berggeist, der ihn in den Windberg einlud zum Spielen. Drinnen glänzte es wie in einem Zauberschloss und er spielte den ganzen Abend für die Hofgesellschaft. Als Lohn bekam er eine Schaufel voll glühender Kohlen in den Hut geschüttet, die er enttäuscht vor seinem Häuschen auskippte. Es kam ihm vor wie ein Traum. Doch als er am nächsten Tag in den Hut schaute, lag noch ein Goldstück drinnen. Die anderen, die er wegwarf, waren nur noch Asche“, erzählt Axel Rüthrich, Mitarbeiter für Regionalgeschichte bei den Städtischen Sammlungen Freital die denkwürdige Begebenheit.

Vor diesem Denkmal beginnt die einstündige Führung durch die Schaubergwerksanlage, die nach zwei Jahren Schließung coronabedingt nun wieder für Besucher geöffnet hat. Es ist die erste Führung für Axel Rüthrich. Er hat Industriearchäologie in Freiberg studiert und ist seit zwei Jahren als Museologe auf Schloss Burgk beschäftigt. Als Jugendlicher kam er in seinem Heimatort Höckendorf zu einem Bergbau-Verein, wo es ihn zunächst aus einer „gewissen Abenteuerlust“ hinzog und später wollte er auch mehr über die Gesteine erfahren. An diesem sonnenstrahlenden Dienstagnachmittag kommt jedoch nur eine Familie zur Führung und eine Muselogin, die neu auf Schloss Burgk ist. In einem Umkleideraum ziehen wir uns grubentauglich an, setzen gelbe Schutzhelme auf und schlüpfen in blaue Umhänge. Dann öffnet sich die Tür, steigen wir hinab in die Welt untertage oder „fahren ein“ wie die Bergleute sagen. Die Lüftungsanlage rauscht am Eingang.

Drinnen ist es sehr niedrig, schmal und stockfinster zunächst. Prompt stoße ich mit dem Helm an die Gewölbedecke! Ungewohnt, gebückt zu gehen. Ein Tunnel führt immer weiter hinunter, in reichlich 30 Meter Tiefe. Die Wände sind spärlich erhellt von Grubenlampen. In den 1830/40er Jahren war die Kohle in den vorderen Bereichen schon abgebaut und die Arbeiten wurden in Richtung Windberg und Bannewitz fortgesetzt, erzählt Rüthrich. Die Steilstrecke hatte früher hölzerne Stufen, die Bergleute gingen über einen Kilometer zu Fuß zu ihren Arbeitsstellen im Bergwerk. Der Schlossturm mit der Uhr läutete wie eine Schichtglocke. Acht Stunden täglich arbeiteten sie, immer gebückt und kaum Licht. Bei einer Schlagwetterexplosion mit Methangas starben beim größten sächsischen Grubenunglück in Sachsen 1869 276 Bergleute im Segen-Gottes-Schacht. Fünf Leute überlebten, unter ihnen drei Jugendliche, die sich noch retten konnten. Eine Erinnerungstafel am Eingang der Schaubergwerksanlage erinnert an das Unglück. Danach gab es Wetterlampen für die Bergleute, deren Flamme die Sauerstoffkonzentration anzeigt.

Die Kohle wurde über die Schächte ausgefördert. „Hier ist die einzige Stelle in Sachsen, wo man noch untertägig Steinkohle sehen kann“, so Rüthrich. Er zeigt Werkzeuge für den Kohleabbau. Ein Junge darf mit Schlegel und Eisen ein Stück Kohle aus der Wand herausschlagen. Dort sieht man auch bräunlich ausgespülte Minerale. Das Schaubwergwerk wurde zuletzt 2018 saniert und das Mauerwerk durch Ziegel stabilisiert. Dann geht es auch schon wieder zurück. 76 hohe Treppenstufen führen wieder hinauf ans Tageslicht. Noch ein Blick in den Technikpark auf die einstigen Bergbaugeräte, eine Grubenbahn mit Anhänger, die überdachte Teilschnittmaschine und den Förderturm mit Sowjetstern aus der Zeit der Urangewinnung der SAG Wismut. Dann ist die Führung schon zu Ende. Etwas mehr aus dieser Epoche, zum Arbeitsalltag und Einsatz der Technik unmittelbar vor Ort zu erfahren, wäre schön gewesen. Anschauen kann man sie ja auch selber im Technikgarten.

„Es läuft gerade erst wieder an“, sagt Axel Rüthrich angesichts der noch verhaltenen Nachfrage bei den Führungen. Im Schlossinnenhof warten drei Personen auf den nächsten Rundgang, der um 14.30 Uhr beginnt. Auf der Bank vor dem Bergbaudenkmal sitzt eine ältere Dame in Begleitung und genießt ein Eis in der Sonne. Ihr Großvater mütterlicherseits war Bergmann und ein Vorfahr von ihr kam bei dem Grubenunglück 1869 um, mit 27 Jahren und hinterließ seine Frau und zwei Kinder, erzählt sie. „Man hat nur eine Hand und eine Hacke von ihm gefunden, darin war die Nummer von dem Berg. Sonst hätte man gar nicht gewusst, wer er ist.“ Ihren Namen will sie nicht nennen. 84 Jahre alt ist sie jetzt und eine „echte Hainsbergerin“. Ihr Großvater erzählte ihr als Kind viel vom Bergbau. „Für mich war es immer ein Stück Heimat und Geschichte“, sagt sie. „Nach `45 haben wir die Kohlen geholt auf der anderen Seite auf den Halden. Wir hatten ja ein Bergwerk am anderen, nicht nur die Wismut.“

Sie habe schon Respekt vor dem Bergmannsberuf mit seiner harten Arbeit. An das Grubenunglück erinnert ein Denkmal auf dem Windberg, wo sie mit ihrem Sohn zum Jubiläum Freitals eine rote Rose für ihren Vorfahr niederlegte. Sein Name Ackermann steht an erster Stelle auf der Gedenktafel. Wenn die Bergleute mit ihren  Grubenlampen früher vom Windberg abends nachhause gingen, sah es aus wie eine endlose Glühwürmchenkette, weiß die alte Dame von ihrem Vater. Heute gäbe es bei jungen Leuten leider kaum noch Interesse für Bergbaugeschichte, bedauert sie. „Der Bezug fehlt, wenn ältere Leute in den Familien nichts vermitteln, geht es verloren.“

Text + Fotos (lv)

Führungen im Besucherbergwerk: Di und Do jeweils 13.30 und 14.30 Uhr und jeden 1. Sonntag im Monat von 10 – 16 Uhr

http://www.freital.de/museum

Jazz Open Air: Summertime im SchillerGarten


„Pop, Soul, Jazz & More“ mit der „Forster Family“ eröffnete am 30. April den Summerkonzert-Reigen im SchillerGarten am Blauen Wunder in Dresden. Foto: Veranstalter

Jazztage Dresden starten Open-Air-Saison

Rund 20 Konzerte von Swing-Jazz über feurige Bläserklänge bis Bossa Nova und Blues locken zum Zuhören und Tanzen bis Mitte Juli.

Noch vor Veröffentlichung des Gesamtprogramms des diesjährigen Herbstfestivals vom 21. Oktober bis zum 20. November 2022 und weiterer Summertime-Konzerte beginnt bei den Jazztagen Dresden am 30. April der Sommer und damit die Festival-Open-Air-Saison. Nach zwei Jahren „Künstler für Künstler“ heißt es nun im dritten Jahr „Summertime im SchillerGarten” und erneut präsentieren die Jazztage Dresden hier eine Spezialausgabe ihrer Sommerkonzerte mit eintrittsfreien Konzerten. Bereits im vergangenen Jahr luden feinste Konzerte auf Spendenbasis zum Genießen, Staunen
und Tanzen an die malerisch an der Elbe gelegene Bühne im SchillerGarten.

Kilian Forster, Intendant der Jazztage Dresden, hat ein vielfältiges Programm zusammengestellt, das durch die Unterstützung des SchillerGartens und avisierter Corona-Förderungen möglich wird. Dennoch benötigen Kunst und Kultur weiterhin Unterstützung zum Wiederaufbau – auch durch regen Publikumszuspruch zu Konzerten und Ticketkauf. Es gibt daher in diesem Jahr zwei eintrittspflichtige Veranstaltungen in der SchillerGarten-Reihe. Bei FANFARE CIOCARLIA, der rumänischen Blaskappelle, die kein Publikum jemals auf den Stühlen gehalten hat, und dem Jubiläumsauftritt des
ZWINGERTRIOS können Tickets sowohl im Vorverkauf als auch an der Abendkasse erworben werden.

Das Programm startet in diesem Jahr bereits am 30. April mit der Forster Family und „Pop, Soul, Jazz & More“ und präsentiert bis Mitte Juli knapp 20 Konzerte unterschiedlichster Stilrichtungen. Swing-Jazz ist natürlich beliebt und stark vertreten, wie beispielsweise mit Krambambuli, der Dresden Bigband & Peter Flache oder auch der Eastside Bigband mit dem Staatsoperetten-Solisten Christian Grygas. Petra Ernyei, die tschechische Sängerin mit der samtweichen Jazzstimme, verzaubert gemeinsam mit ihrem Quintett in einem Programm voller großartiger Swing-, Bossa Nova- und Bluesstandards. Das „Wunderkind am Klavier”, der blinde Ausnahmekünstler Matthew Whitaker, der bereits im Alter von 16 Jahren zum Geburtstag von Stevie Wonder aufspielte und in die Fußstapfen seines großen Vorbildes tritt, lädt ein zu seinem brillanten Programm Connections.

Regelmäßig treibt das Ensemble Habana Tradicional sein Publikum auf die Tanzfläche mit traditionell kubanischer Musik – und wer es noch einen Zacken schärfer haben möchte, für alle Fans für Mochito, Cuba Libre und tanzbeinbeschwingte Enthusiasten, dem sei der Abend mit dem energetischen jungen Afrofusion-Ensemble Mokoomba empfohlen. Jörg Seidel huldigt in seinem Programm „A Tribute to Udo Jürgens” musikalisch dem zu Beginn als Jazzmusiker gestarteten großartigen Künstler. In Jörg Seidels erfrischenden Arrangements, nicht verkopft, sondern gut hör- und erkennbar, erklingen die Songs des großen Barden vertraut wie eh und dennoch ganz neu gefasst. Die Klazz Brothers präsentieren ihr Programm Disco Lounge II nach dem großen Erfolg des letzten Jahres: Fein verjazzt zum abchillen, virtuos gespielt zum Staunen und schweißtreibend groovend zum energiegeladenen Tanz. Und auch Dixie darf im SchillerGarten nicht fehlen, zu erleben mit dem Schillerwitzer Elbe Dixie und Biergarten Dixie. Mit den Dresden All Stars – Made in Dresden – erfährt eine ganz besondere Serie – hier die neunte Ausgabe – ihre Fortsetzung: mit den besten Musikern der Dresdner Swing- und Jazzszene gibt es Ohrwürmer von Duke Ellington, Glenn Miller, George Gershwin und Count Basie, die Herzen und Tanzbeine höherschlagen lassen.

Weiterhin gibt es in diesem Jahr auf vielfachen Wunsch hin die Möglichkeit, vordere Plätze für alle Konzerte fest zu buchen für 19 Euro pro Person. Damit hat man einen garantierten Sitz- und Sichtplatz auf die Bühne. Alle Besucher ohne gebuchten Sitzplatz werden wie bisher gebeten, Künstler, Technik, Techniker und den gesamten Produktionsaufwand über Spenden zu unterstützen. Eine Spendenbox steht permanent an der Schirmbar sowie an den Ausgängen bereit und wird im Laufe des Abends auch durchs Publikum gereicht. Wer die „Summertime im SchillerGarten”-Konzerte generell unterstützen möchte, kann dies gerne auch konzertunabhängig über eine absetzbare Spende an die „Jazztage Dresden gemeinnützige UG“ tun. Ticketkauf sowie Kontonummer für die Spende unter http://www.jazztage-dresden.de.

Text: Peter Dyroff/meeco Communication Services

Weitere Informationen: http://www.jazztage-dresden.de

Eintauchen in andere Lebenswelten: Mit der Lesung „Aufgetaucht“ stellte sich die Schreibwerkstatt von Michael G. Fritz im Erich Kästner Haus für Literatur vor


Fröhlich beschwingte, zauberhafte Klänge der „Waldmüslikanten“ begleiteten die
Lesung.

Zuhören und Lesen im Wechsel.

Wenn Worte wie Pfeile treffen: Die Erzählerin Wiete Lenk las eine Kurzgeschichte von Anja Haase. Vorgestellt wurden die Autoren und neue Texte
aus der Schreibwerkstatt von Schriftsteller Michael G. Fritz.

Ergreifend und schockierend: Vom Umgang mit schmerzlichen Erinnerungen erzählte der Autor Jakob Möbius.

Lebhaft, witzig und anrührend schilderte Hans-Haiko Seifert, wie er unverhofft zu einem eisigen Hähnchen unter seinem Hemd kam zur Zeit der politischen Unruhen in Warschau Anfang der 80er Jahre.

Von Herzenspfeilen im Wald und einem eisigen Hähnchen unterm Hemd

Berührende, humorvolle, lustige, traurige und nachdenkliche Geschichten aus dem Lebensalltag hier und anderswo lasen acht AutorInnen aus der Schreibwerkstatt von Michael G. Fritz im Erich Kästner-Literaturhaus in Dresden.

Für die einen war es ein Wiedersehen nach längerer Zeit, für andere ein erstes Kennenlernen. Allen gemeinsam war an diesem Abend ihre Neugier, Interesse und Freude an ungeahnten, überraschenden und mitgebrachten Geschichten, die das Leben schreibt. Unter dem Titel „Aufgetaucht“ stellten acht Autorinnen und Autoren aus der Schreibwerkstatt von Michael G. Fritz neue Texte vor am Dienstagabend im Erich Kästner Haus für Literatur am Albertplatz in Dresden. Nachdem sie sich während der Corona-Pandemie nicht treffen konnten, sind sie nun zurückgekehrt. „Der Reiz liegt im Unsortierten der Texte, im Alter der Beteiligten und in den Themen“, sagte Fritz, der als Schriftsteller in Dresden und Berlin lebt und die Lesung moderierte. Das sei ein Vergnügen für Autoren wie Publikum gleichermaßen. „Wir lernen alle voneinander, weil wir alle etwas abgeben, offen sind für den anderen und dessen Vorstellungen von Literatur.“ Die Schreibwerkstatt sei ein geschützter Raum, in der Texte besprochen werden und Kritik immer nur am Werk, nicht am Autor geübt werde.

Die Gründe zu schreiben sind so vielfältig wie die Texte und ihre Verfasser, die zumeist neben ihrem Beruf oder Studium, aus ihrem Alltag heraus schreiben. „Ein Unbehagen an den Umständen, nicht Ausgeschöpftsein, der Drang sich mitzuteilen“, so war es bei G. Fritz. „Weil wir keine Wahl haben, wir können nicht anders! Schreiben ist eine Angewohnheit, von der man nicht lassen kann.“

Schreiben ist ebenso ein Abenteuer, von dem man nie weiß, was einen unterwegs erwartet, wohin es einen führt  und wie andere darauf reagieren. Ein Einlassen, Zulassen, sich ausliefern mit dem Erzählten, ein Sehen, Erkennen für sich und gemeinsam mit anderen. Lesen und Zuhören im Wechsel. Eintauchen in ganz verschiedene Lebens- und Erfahrungswelten. Wunderbar musikalisch begleitet mit mal fröhlich beschwingten, mal leise, zarten, zauberhaften Melodien aus südlichen und osteuropäischen Gefilden von den „Waldmüslikanten“, die an Geige, Akkordeon, Banjo, Gitarre, Drehleier und Ukulele musizierten. Für mich die Entdeckung des  Abends mit betörender, fast hypnotischer Wirkung!

Die gelesenen Kurzgeschichten und Romanausschnitte führten die Zuhörer nach Thailand, Äthiopien, Argentinien und Polen. Begonnen mit der geheimnisvollen Geschichte von Steffen Wartner über einen Mann, der nach Bangkok reist, dort vergebens auf seine Freundin wartet und ein anderes Paar trifft auf der Plattform des Hotels. Er baut Spannung auf, man fürchtet Schlimmes, er werde sich hinab stürzen, doch nein, er verbringt den Abend mit den beiden an der Bar und auf einer Partymeile, zahlt alles und dann ist plötzlich sein Portemonnaie weg und die Situation eskaliert und schwarze Skorpione spielen auch eine Rolle… Eine Geschichte, die viele Fragen aufwirft und einen etwas ratlos zurücklässt.

Von einer Frau, die mit Pfeil und Bogen in den Wald geht und herausfinden will, wer sie wirklich ist, erzählt die Geschichte „Der Weg“ von Anja Haase, berührend und mit leisem Humor gelesen von Wiete Lenk, die schon einen Erzählband „Krähenbeißer“ veröffentlicht hat. Die Bogenschützin hat aufgehört zu sprechen und will erst wieder damit beginnen, wenn sie sich wieder spürt. Kann man sich selbst verlieren und wiederfinden?!, fragt sie sich mit Blick auf die Natur und Bäume, die im Frühjahr neu erwachen. Dann taucht auch noch ihre Freundin auf und die Ruhe ist dahin. Schön beschrieben das Gleichnis, wie sie das Spannen des Bogens mit Öffnen des Herzens vergleicht: „Man macht es weit und lernt wieder zur vertrauen. Die Angst geht mit dem Pfeil auf die Reise, man lässt sie los. Man vergisst zu denken und ist einfach nur Mensch in dem Moment.“

Eine witzig-satirische Geschichte, „Sachsens Glanz“ über die Begegnung mit einem Straßenkünstler las Geralf Grems, der als Maler, Musiker und Autor freischaffend tätig ist. Er spielt auf selbst gebauten Instrumenten wie der Drehleier urig klangreich mit bei den „Waldmüslikanten“. Er betrachtet die lebende grausilberne Zinnfigur, die als „August der Schwache“ mit Münzteller auf der Brühlschen Terrasse auftritt und nimmt Befindlichkeiten, Mentalitäten und Vorurteile gebrochen deutsch sprechend wie der polnische Straßenkünstler humorvoll auf die Schippe. Mittlerweile gäbe es ebenso viele Deutsche mit polnischen (Zahn)Kronen wie Polen mit deutschen Wurzeln. Man erntet, was man sät, wissen beide. Was ich gebe, bekomme ich zurück, sagt der Straßenkünstler. Gemeinsam stützen sie sich auf die Balkonbrüstung Europas und schauen auf das Fließen des Stroms…

Diana Wolff arbeitet als Pastorin in der Nähe von Annaberg-Buchholz im Erzgebirge, ist Mutter von vier Kindern und war mit ihrem Mann eine Zeitlang als Entwicklungshelferin in Äthiopien. Das dort Erlebte schildert sie anschaulich und bewegend, streckenweise zu ausschweifend und wiederholend, in ihrem entstehenden Roman, aus dem sie ein Kapitel, Täuschung und Enttäuschung las über ein 12jähriges Mädchen, das aus einem Dorf in die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba kommt, um dort in die Schule zu gehen. Bei einer Tante findet sie Unterkunft hat, schält Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch für das Essen und wartet sehnsüchtig auf ihre Schuluniform. Doch es kommt anders als erhofft. Ihre Tante kommt auf den Geschmack, so muss Virtokan (dt.: Orange) fortan als Hausmädchen die Familie versorgen und kann nur in die Abendschule gehen, wo der Unterricht oft ausfällt. Einige Mädchen laufen weg aus Angst vor Strafen und Schlägen, zurück nach Hause oder landen auf dem Straßenstrich. Wie es weitergeht mit Virtokan, ob sie ihren Weg schafft, bleibt  als spannende Frage.

Wenn er nachts nicht schlafen kann, schreibt Harald Lämmel Geschichten. Er wohnt in Radeberg, hat Theologie und Sozialpädagogik studiert und inzwischen pensioniert. Seine ironisch-surreale Geschichte „Die fehlende Antwort“ erzählt über eine Frau, die seine Blicke anzog, eine Zeitung hatte von ihr berichtet, sie überragte ihn an Größe und er unterhält sich mit der bronzenen Figur, die einen Hammer in der Hand hält über ihr Vorleben, warum sie nicht fortging in ein anderes Land und so viel auf sich nahm.

Petra Schweizer-Strobel ist Archäologin, Fachbuchlektorin und Schriftstellerin, sie stammt aus Schwaben und lebt seit 22 Jahren in Dresden. Ihre Geschichten kreisen darum, was Menschen an- und umtreibt, um die Suche nach der eigenen Identität. Sie las  einen Auszug aus ihrem Romanmanuskript mit dem Arbeitstitel „Vater, Mutter, Kind“ über einen Mann, David, der nach Jahren wieder ins Leben von Hannah tritt und erfährt, dass er eine Tochter hat. Eines Abends, sie ist müde und abgespannt, steht er in verschmutzter Motorradkluft vor ihrer Tür. Er hat immer Angst, das Richtige zu tun, erfährt man über ihn und er ist zwischen zwei Frauen hin und hergerissen. Was führt ihn nun zu ihr? Wie wird er sich entscheiden und will sie ihn überhaupt noch?! Wie schafft man es überhaupt in turbulenten Zeiten wie diesen, den Glauben an die Liebe und Miteinander nicht zu verlieren? Fragt man sich unterschwellig, ungeduldig beim Zuhören.

Herausragend für mich sind zwei Geschichten, in denen es um Erinnerungen, schöne wie schmerzliche und den Umgang mit Vergangenheit geht. Die Kurzgeschichte „Flüge“ von Jakob Möbius, er stammt aus Freiberg, hat in Dresden Psychologie studiert, arbeitete in Kliniken und als Krankenpfleger in Corduba in Argentinien und schreibt außerdem erfolgreich Kurzfilme, entstand bereits 2013.  Er erzählt ebenso trocken, klar wie schockierend und ergreifend über den Konflikt einer Frau, deren Vater Menschen im Gefängnis folterte während der Militärdiktatur in Argentinien. Die Erinnerungen an die Grausamkeiten, die er beging in einem „Rausch von Macht und Verachtung“, lassen ihn nicht los, erzürnen und quälen ihn rückblickend. Er liest einige Worte auf spanisch und denkt nach über die Gedichtzeilen auf dem blutigen Zellenboden, dass das Böse in jedem von uns stecke, auch in denen, die wir lieben. Etwas undurchsichtig und vage bleibt, wer die Gefangenen sind im Flugzeug. die immer noch auf Gnade hoffen, wohin der Flug geht und warum der Mann am Ende nicht an Bord ist.

Einen lebhaft heiteren Kontrast dazu bildete die Kurzgeschichte „Der Laden“ von Hans-Haiko Seifert zum Abschluss der Lesung. Eine Alltagsszene aus seinem gerade abgeschlossenen Roman „Joanna“, der von seiner Zeit in Warschau von 1979 bis in 1980er Jahre während des Volksaufstandes unter der Solidarnosc-Bewegung in Polen erzählt. Einer Zeit, in der die Welt im Osten aus den Fugen geriet und zurzeit wieder erschreckend aktuell ist. Not, Mangel, Gewalt und Entbehrungen. Mit viel Witz und Gespür für Land und Leute, sehr lebendig und anrührend beschrieben und gelesen, wobei man dem Autor seine Spielerfahrung in der damaligen freien Theatergruppe „Traumzeit“ am projekttheater in Dresden in den 1990er Jahren anmerkte, brachte Seifert die Geschichte zu Gehör. Wie die üppige Verkäuferin ihn, den jungen Mann, der sich im Laden umsieht, zuerst grob ansieht, als wolle er alles leerkaufen, ihn beargwöhnt wie einen Dieb und dann alles Mögliche aufschwatzt und neugierig nebenbei erkundigt sich nach ihm, halb mitleidig und mütterlich. Während draußen eine Schlange von 20  Frauen auf Fleisch wartet.  Sie stopft ihm schließlich ein eisiges Hühnchen unters Hemd, nach außen trägt er nur eine Zwiebel und ein Mohnbrot, wenn die Frauen in der Schlange nur wüssten!, und warnt ihn wachsam zu sein, vor Drogendealern und anderen zwielichtigen Gestalten auf der Hut zu sein. Seifert sucht noch einen Verlag sucht für seinen Roman, von dem man sogleich Lust bekam mehr zu hören. Alles in allem konnten Zuhörer und Lesende eine bunte Mischung aus weit gespannten Themen und Blicken auf das Leben und die Welt in und um uns herum erleben, mitnehmen und nachklingen lassen.

Für weitere, tiefergehende Einblicke in die Schreibwerkstatt blieb an diesem Abend keine Zeit. Diese sei mit rund einem Dutzend AutorInnen zurzeit ganz gut gefüllt, so Fritz. Die Teilnehmer treffen sich alle sechs Wochen. Die Schreibwerkstatt sei aber dennoch offen für neue Interessierte, die Talent und Lust am Schreiben mitbringen, ihre Texte in der Gruppe lesen, besprechen und hinzulernen wollen und denen der persönliche Austausch wichtig ist.

Text + Fotos (lv)

http://www.kaestnerhaus-literatur.de

Fantasievolle Sitz- und Leseplätze für kleine und große Besucher im Garten vom Erich Kästner-Literaturhaus:


Schöne Ein- und Ausblicke im Grünen.

Ausstellung „Mail Art Projekt – Stimmen aus dem Lockdown“ in der Stadtgalerie Radebeul


Fasziniert von der Vielfalt der „Postkarten-Kunst“: die Initiatoren des Mail Art-Projekts Petra und Burkhard Schade im Gespräch mit der Radebeuler Kulturamtsleiterin Gabriele Lorenz (2. von links im Bild).

Ängste, Wut und Lebensfreude verwandelt in Postkarten-Kunst

Die Ausstellung „Mail Art Projekt“ zeigt 700 einfallsreich berührende Postkarten aus dem Corona-Alltag derzeit in der Stadtgalerie Radebeul.

„Kein Mensch ist eine Insel!“, steht auf einer der vielen Postkarten.
Erstaunlich wie viel darauf passt. Alles was plötzlich nicht mehr ging, schmerzlich vermisst und bewusst wurde, wie sehr es gebraucht wird: Augen-Blicke des Miteinanders, Kunst, Theater, Musik, Natur, Reisen, und, und… Insgesamt 700 von Hand kunst- und liebevoll, witzig, fantasievoll, traurig und nachdenklich gestaltete Postkarten von Künstlern und Laien, Jung und Alt, versammelt die Ausstellung “Mail Art Projekt – Stimmen aus dem Lockdown“ derzeit in der Stadtgalerie Radebeul in Altkötzschenbroda 21.

Eine vielfältige und vielstimmige Reflexion der Lockdown-Monate Januar bis März 2021 wird in der gezeigten „Postkarten-Kunst“ sichtbar. Initiiert haben die Aktion die Malerinnen und Grafikerinnen Petra Schade, Anita Voigt und der Fotograf Burkhard Schade. Es scheint schon wieder eine gefühlte Ewigkeit her, doch die Folgen der Corona-Pandemie wirken weiter. Jeder hat seine Erlebnisse und Erfahrungen damit und kann hier mit zeitlichem Abstand noch einmal auf diese Zeit blicken, manches neu oder anders sehen, Ermunterung, Trost, Hoffnung und Anregungen finden, das eigene Leben mit allem Drum und Dran zurückzuerobern. Da ihre Malkurse in Radeburg wegen des Lockdown nicht stattfinden konnten, suchte Petra Schade nach einer Möglichkeit, sich zu vernetzen und weiter etwas zusammen zu tun.

“Die Postkarten-Kunst kann man untereinander weitergeben. Die Idee wurde in den Chatgruppen von den Malschülern begeistert aufgenommen und die ersten Postkarten entstanden“, erzählt Petra Schade. „Ich wollte möglichst viele ins Boot holen, die Arbeit und die Freude mit anderen Menschen teilen.“ Auch im Kindergarten und der Mittelschule in Radeburg fand sie Interesse für die Mail-Art-Aktion. „Sie verbreitete sich vor allem über Mund zu Mund-Propaganda. Wir waren selbst überrascht, ebenso der Postbote, über die Menge an Karten, die bei uns ankamen“, sagt Burkhard Schade. Mitte Januar letzten Jahres ging es los. Täglich kamen 15 bis 20 Postkarten bei Petra Schade und Anita Voigt an. „Dann wurde so eine Welle daraus, dass die Aktion bis Ende März verlängert wurde.“ Es kamen Karten von überall her, so Schade, aus der Dresdner Region und sogar aus Finnland und Norwegen. Es gab keine Jury und keine Bewertung. Alle Postkarten sind in der Ausstellung zu sehen, sie wurden zudem eingescannt und ins Netz gestellt zur Ansicht für alle Beteiligten. „Sie zeigen das große Bedürfnis, sich wieder zu beteiligen, etwas Kreatives zu tun und eigenes Befinden. Es gab viele Bedenken, Ängste, Wünsche, Wut, Hoffnung und kritische Stimmen“, so Burkhard Schade.

In faszinierender Vielfalt spiegeln sich diese in Form von Malerei, Grafiken, Fotografie, Texten und Collagen. Da ist auf einer Karte nur ein roter Faden aufgeklebt. Sieht man eine Winterlandschaft wie durch ein Gitter, balancieren und vergraben sich Menschen in abgekapselten Räumen. Kommen sich ein Mann und eine Frau auf einer Bank durchs Fernglas näher bei ihrer „Liebeserklärung mit Abstand“. Irrt ein Mann in schwarzem Mantel, Sonnenbrille, Stock und umgehängtem Schild umher: „Ich kann keine Kunst mehr sehen!“ Eine Frau geht mit einem Notenschirm durch den Regen neben einem träumenden Tangopaar. Gesichter und Stoffmasken sind mit Blumen, Wellen, Fischen und Liedzeilen bemalt und beklebt.

„Die Ausstellung zeigt auch, dass sich Formate ändern, neue Ausdrucksformen entstehen und dass Kultur nicht nur eine Freizeitbeschäftigung ist, welchen Stellenwert sie besitzt und wie essenziell wichtig sie für die Gesellschaft ist“, sagt die Radebeuler Kulturamtsleiterin Gabriele Lorenz. Das „Mail Art Projekt“ ist als Wanderausstellung konzipiert und wird danach als besonderes Zeitdokument im Stadtarchiv Dresden aufbewahrt. Die Bilderrahmen wurden aus Mitteln der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen finanziert. Für den geplanten Katalog zur „Postkarten-Kunst“ werden noch Sponsoren gesucht. Eine Spendenbüchse steht bereits in der Stadtgalerie. Die Ausstellung ist noch bis 22. Mai in der Stadtgalerie Radebeul zu sehen.

Texte + Fotos (lv)

Geöffnet: Di., Mi, Do von 14 – 18 Uhr, So von 13 – 17 Uhr,


Neue Ausdrucksformen & herausragendes Zeitdokument: der Radebeuler Stadtgalerist Alexander Lange (Bildmitte) und die Initiatoren Petra und Burkhard Schade betrachten die einfallsreich bemalten, beklebten und beschrifteten Postkarten, oft schon wahre Objektkunstwerke.