Bemerkenswert

Keine für Alle! – Lara Finesse

Kolumne: Neue Mauern…

Wie es zu meinem Namen kam, das bleibt mein Geheimnis. Ob es mich wirklich gibt? Nun ja. Wie heißt es so schön: Ich denke, also bin ich. Was auch nicht unbedingt selbstverständlich ist. Neulich hörte ich im Radio in einer Humorsendung, es war gerade Fasching, den unglaublichen Satz: Das Lachen unterscheide den Menschen vom Tier. Das habe kein Geringerer als Aristoteles einst festgestellt, wie auch die gefährliche und befreiende Wirkung auf die Lachenden und Ausgelachten zeitlos ist.

Wer lacht, zeigt, dass er etwas erkannt und verstanden hat. Oder es zumindest meint. Während Tiere, wenn sie lachen mit heraushängender Zunge oder fiependen Lauten,gar nichts denken, sondern sich einfach ihres Daseins freuen. Das unterscheidet Tiere tatsächlich sehr von Menschen.

Manche von letzteren verziehen keine Miene, egal was um sie herum passiert. Es ist ja nicht zu übersehen, dass sich gerade ein großer Wandel in der Welt von draußen nach drinnen – damit meine ich nicht nur die über Ländergrenzen hinweg ziehenden Flüchtlingsströme – vollzieht. Neue Mauern tun sich auf, mit denen wir uns selbst umgeben. Man sehe sich nur die Leute an, die draußen unentwegt nach unten auf diese glatten, flimmernden Teile starren und darauf herumtippen und die Ohren oft verstöpselt halten.

Wie ferngesteuert laufen sie durch die Gegend, manche rennen einen fast um. Ich frage mich dann immer: Was ist so ungeheuer wichtig, dass diejenigen dieses Teil kaum eine Minute mehr aus den Augen lassen?! Was würde passieren, wenn sie es verlieren? Was taten sie, bevor es Smartphones gab?

Mittlerweile braucht man gar nicht mehr aus dem Haus zu gehen. Man bekommt alles aus dem weltweiten Netz. Man kann Tag und Nacht einkaufen, mit den Augen überallhin reisen, sich vergnügen, den idealen Partner per Fragebogen zusammenpuzzeln, für zwischendurch, nur virtuell oder auch mal in echt. Heldenhafte Essensbringer aus dem Internet (die nennen sich wirklich so!) gibt es auch inzwischen.

Anderes wie Postkarten und Briefe schreiben, stirbt allmählich aus. Vielleicht werden Briefkästen deshalb auch immer seltener?

Neulich fragte tatsächlich jemand auf Facebook, ob es eigentlich noch Schreibpapier gäbe! Als ob es davon abhinge. Wenn man das Bedürfnis hat, kann man auf allem schreiben. Oder? Nur gehen mir leider allmählich die Empfänger aus. Es wird noch soweit kommen, dass ich mir selbst Karten und Briefe mit schönen Briefmarken schreibe, nur um mir die unverhoffte Freude, dass jemand an einen denkt und überrascht, zu erhalten neben all dem Werbekram und Rechnungen, die mir beim Gang zum Briefkasten täglich entgegen grienen.

Warum gehen wir manchmal trotzdem noch hinaus? Um zu schauen, ob da draußen noch alles da ist, noch andere außer uns und wie die Luft ist. Warm oder kalt. Auf den Wetterbericht ist ja kein Verlass mehr trotz moderner Technik. Das Wetter macht, was es will. Einmal richtig Schnee muss reichen, dann geht der Winter schon wieder. Statt Schlitten und Skier fahren schnelles Surfen im Internet. Merkt doch eh keiner. Seit Ende Januar, draußen ist noch alles kahl und grau, bestürmen einen schon in knallbunten Farben grinsende Schokohasen und Eierallerlei im Supermarkt, obwohl man gerade erst die Silvesterknallerei überstanden hat und das Schatzkästchen auf dem Tisch mit den erfüllten, vergessenen und neuen Wünschen für das neue Jahr noch auf Durchsicht wartet. Indes grüßen schon die ersten Schneeglöckchen auf der Wiese, wird es wieder früher hell und später dunkel. Was manche Nachbarn schon zu eifrig geräuschvollem Frühjahrsputz derart treibt, dass einem Hören und Sehen vergeht. Und das Leben rauscht vorbei.

Macht was draus.

Bis zum nächsten Mal!

Eure Lara Finesse

 

Bemerkenswert

BilderGedichtKalender 2016 „Von Tier zu Mensch“

Vom Raubtier Mensch

Skurill-poetische Gedichte und Bilder versammelt der neue BilderGedichtKalender von Lilli Vostry und Babak Nayebi.

 Ein Mann mit Hahn im breitkrempigen Hut, den nichts zu erschüttern scheint, ist auf dem Titelblatt des Kalenders zu sehen. Gut behütet schaut er in die Welt. Skurril-poetische, heitere und ernsthafte, beherzt geborgene Gedankenflüge und Gefühlssprünge versammelt der neue BilderGedichtKalender für 2016 unter dem Titel „Von Tier zu Mensch“. 

Es ist der nunmehr dritte Kalender, den Lilli Vostry, freie Journalistin und SZ-Autorin, zusammen mit dem iranischen, in Dresden lebenden Bildenden Künstler Babak Nayebi in limitierter Auflage herausgegeben hat im Typostudio SchumacherGebler in Dresden. In Abwandlung der Redewendung „Von Mensch zu Mensch“ wird in reizvollem Kontrast von Bildern und Lyrik das Verhältnis von Mensch und Tier betrachtet. Das Raubtier Mensch, der mal Jäger, mal Getriebener ist, mal innige Nähe und Ausgeliefertsein, Stärke und Ohnmacht erfährt und die verletzte, leidende Kreatur stehen sich gegenüber in den farbigen Ölzeichnungen auf Papier. Es geht außerdem facettenreich, vieldeutig um Zwischenmenschliches. Etwa im Gedicht „Frei Wild“ um Fortschnurren in fremde Galaxien, um Fortträumen, Sehnsucht nach der Ferne und Neues entdecken. Da tauchen Fledermäuse am Strand auf, ergibt sich ein Admiral auf Landgang duftenden Blüten. Da bringt ein rätselhaftes Wesen mit roten Augen, das sich Lori nennt, Schatten zum Leuchten. Und begrüßt eine Robbe das neue Jahr und sucht im unendlichen Weiß nach wärmenden Worten. 

Der BilderGedichtKalender „Von Tier zu Mensch“ ist jetzt zum Schnäppchenpreis in ausgewählten Galerien erhältlich, darunter bei Kunst & Eros, Hauptstraße 15 in Dresden, bei Büchers Best, Louisenstraße (Äußere Neustadt) und in der Galerie mit Weitblick auf der Oberen Bergstraße 13 in Radebeul. Einige Exemplare sind außerdem über die Autorin Lilli Vostry auf Anfrage zu beziehen.

Ein Hut genügt… Ausstellung mit Aktfotografie im Kunstkeller Dresden

Eine sommerlich-heitere Aktbilderschau rund um Kopfbedeckungen und auch nicht immer nur auf Köpfen von Galerist und Fotokünstler Volkmar Fritzsche.

Am Dienstag, dem 7. Mai, 20 Uhr, findet die Vernissage zur Ausstellung: „Ein Hut genügt…“ im Kunstkeller auf der Radeberger Straße 15 statt. 

„Manchmal reicht schon eine Kopfbedeckung aus. Das zeigte sich in meiner oft experimentellen fotografischen Zusammenarbeit mit zahlreichen Modellen jeden Alters“, sagt Volkmar Fritzsche über die Bilder. So entwickelte sich die Idee für ein Ausstellungsprojekt, in dem mal ganz gezielt mit Hüten, aber auch allen möglichen anderen Kopfbedeckungen auf vorrangig originell-witzige Weise experimentiert werden sollte. Das Ergebnis dessen zeigt nun diese Ausstellung.

Die fotografischen Arbeiten versuchen – in Natürlichkeit und auf ästhetische Weise – den oft weitgehend nackten Körper mit viel pointierter Heiterkeit zu fusionieren, getreu dem Credo: schon Hüte machen Leute. Die Exposition mit etwa 80 Bildern beinhaltet vorwiegend Originalfotografien in s/w oder Farbe, sowie Fotocollagen und experimentelle Verfremdungen.

Neu in dieser Ausstellung: Wir suchen Ihren Favoriten! Jeder Besucher kann, wenn er mag, ein Bild favorisieren (lt. Bildnummer). Auf diese Weise wird zum Ausstellungsende ein Gesamt-Favorit ermittelt. Sie erhalten am Eingang ein Kärtchen, auf dem Sie Ihre gewählte Bildnummer, Rufnummer oder Mailadresse hinterlassen, sodass wir Sie kontaktieren können, falls Sie richtig getippt hatten. Beim Verlassen der Galerie stecken Sie Ihr Favoritenkärtchen in ein bereitgestelltes Kästchen.

Diese „Sieger-Fotografie“ erhalten alle Besucher – auf Fotopapier ca. A4 oder digital – die den Gesamt-Favoriten richtig getippt hatten.

Text + Fotografik: Volkmar Fritzsche/Kunstkeller

http://www.kunstkeller-dresden.de

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Dieter Beckert eröffnet seine „Brachialromantische Probebühne“ im Zentralwerk

Mit dabei im neuen Kunst- und Kulturquartier in Dresden: Der Sänger, Musiker, Autor und Entertainer Dieter Beckert eröffnet am 5. Mai eine kleine Spielstätte mit erlesenem Programm im Zentralwerk auf der Riesaer Str. 32. Um 11 Uhr ist die offizielle Zeremonie mit Führung durchs Gelände. Am 6. Mai ab 11 Uhr bis abends öffnen die Künstler und andere Kreative ihre Ateliers, Büros und Projekträume und außerdem der alte Baalsaal im Areal. Es lockt ein überaus reichhaltiges Programm mit Bildender Kunst, Theater, Performance, Tanz, Fotografie, Musik, Literatur und vielem mehr. Neu belebt werden die alten Fabrikgebäude, deren erhaltene Hochbunker noch an das einstige Dasein als Rüstungsbetrieb mit Zwangsarbeitern erinnern (von 1939 bis 1945) und später zog der VEB Grafische Großbetrieb Völkerfreundschaft mit Druckerei ein, von der Zentralwerk Kultur- und Wohngenossenschaft Dresden.

Mehr Text folgt.

Weitere Infos zum Zentralwerk und Eröffnungs-Programm am 5. und 6. Mai unter http://www.zentralwerk.de

Text + Fotos (lv)

Konzert im Chinesischen Pavillon auf dem Weissen Hirsch

Auftakt der Konzertreihe HOCHSCHULPODIUM im Chinesischen Pavillon auf dem Weissen Hirsch.

Die Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden (HfM) hat ab Ende April mit dem Chinesischen Pavillon auf dem Weißen Hirsch eine neue Außenspielstätte gefunden. Als Auftakt der Konzertreihe wird am 30. April 2017, 16.00 Uhr „Deutsch-Französisches für Klarinette“ zu Gehör gebracht.

Schüler des Landesgymnasiums für Musik und Studenten der Musikhochschule präsentieren u.a. Werke von Beethoven, Burgmüller, Poulenc und Bozza, Rabaud und Debussy. Am Klavier Cheng Tai Chang, Prof. Sonja Gimaletdinow, die Künstlerische Leitung hat Prof. Joachim Klemm.

Die nächste Veranstaltung ist für den 28. Mai 2017, 16.00 Uhr vorgesehen und wird einen Mix aus Popsongs und elektronischer Musik mit dem Duo Summerer-Rosenbach präsentieren.

Die Konzertreihe soll im Sommersemester jeden Monat stattfinden. Ab Oktober ist die Fortsetzung auch im Wintersemester geplant.

Der Verein Chinesischer Pavillon e.V. ist sehr erfreut über die Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber und erhofft sich viele Synergieeffekte sowie einen regen Besuch der Konzerte durch die Mitglieder und interessierten Besucher.

Die Konzertkarten zum Preis von 4,00 € sind an der Tageskasse im Pavillon erhältlich.

Text + Fotos: Monika Alexandra Kämpfer,
Presse und Marketing Chinesischer Pavillon e.V.

http://www.chinesischer-pavillon.de

„In Gottes eigenem Land“ – ein Stück über Fremdheit und Ankommen an den Landesbühnen Sachsen

Das Schauspiel von Olaf Hörbe nach dem gleichnamigen historischen Roman von Eberhard Görner feiert am 29. April, um 19 Uhr Uraufführung an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul. 

Europa und Nord-Amerika im 18. Jahrhundert. Tausende Menschen verlassen Europa. Armut und Hunger, politische und religiöse Verfolgung oder Abenteurertum lassen sie den gefährlichen Schiffsweg nach Amerika wagen. Angekommen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sind sie auf sich gestellt, treffen auf unterschiedliche Kulturen, Lebensweisen, Glaubensgemeinschaften.

Im Auftrag der Franckeschen Stiftungen Halle geht der lutherische Theologe und Prediger Heinrich Melchior Mühlenberg (1711 – 1787) im Jahr 1742 nach Pennsylvania, um die dort ansässigen deutschen Gemeinden zu betreuen. Nach seiner Ankunft in Philadelphia beginnt er mit dem Aufbau einer institutionalisierten lutherischen Kirche.

Doch seine Mission durchzusetzen, ist schwerer als gedacht. Machtkämpfe zwischen unterschiedlichen religiösen Sekten, persönliche Entbehrungen, Kriege, die wechselvolle Beziehung zu dem Delawaren-Häuptling «Fliegender Pfeil» – aber auch die große Liebe zu seiner Frau, die ihm eine starke Partnerin ist, bestimmen sein Leben. Überzeugt von der Vision einer toleranten, friedlichen Gesellschaft beteiligt er sich maßgeblich an der Gründung der neuen amerikanischen Demokratie.

Für die Inszenierung bietet der historische Stoff, basierend auf dem Leben und dem Werk des lutherischen Predigers Mühlenberg, Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit Künstlern, Historikern, politischen Institutionen und Ausbildungsstätten sowie Kirchenvertretern in Deutschland und in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Dieses besondere Theaterprojekt zum Reformationsjubiläum 2017 bringt der britische Regisseur Damian Cruden mit einem großen Ensemble von Schauspielern, Laiendarstellern und Chören aus der Region auf die Bühne. Die Soldaten, Matrosen, Farmer, Indianer, Gemeindemitglieder, Männer, Frauen und Kinder werden von sogenannten „Community Players“ und Studierenden der Theaterakademie Sachsen gespielt. Die Rolle des Delawarenhäuptlings „Fliegender Pfeil“ übernimmt der aus vielen DEFA-Indianerfilmen bekannte Schauspieler Gojko Mitic. Moritz Gabriel vom Ensemble der Landesbühnen spielt die Hauptrolle des Pfarrers Mühlenberg.

Ab 29. April 2017 sind sie dann in Radebeul, Meißen, Großenhain, Torgau, Wittenberg mit dem Ensemble der Landesbühnen und zahlreichen Laienmitspielern aus den Regionen unterwegs.

Gojko Mitic: „Ich freue mich diese Rolle übernehmen zu können und erstmals für das sächsische Publikum auf der Bühne zu spielen. Für den Film „Söhne der Großen Bärin“ habe ich bereits vor 50 Jahren 1966 in der Sächsischen Schweiz gedreht. Ich habe mich gern vom Intendanten Manuel Schöbel für die Rolle des Delawarenhäuptlings  „Fliegender Pfeil“ im Stück „In Gottes eigenem Land“ verpflichten  lassen.“

Damian Cruden, Regisseur

Damian Cruden studierte am Royal Scottish Academy of Music and Drama in Glasgow, 1982–1986. Danach arbeitete er für das Tron Theatre und die TAG Theatre Company, und wurde Dozent des Scottish Youth Theatre. Damian zog nach England, wo er Co-artistic Director des Liverpool Everyman Youth Theatre wurde, übernahm dann die Aufgaben des Directors für Hull Truck in den frühen 1990er Jahre. Seit 1997 ist Damian Cruden Artistic Director des York Theatre Royal. Einige seiner Regiearbeiten wurden mit Preisen ausgezeichnet, wie z.B. die Inszenierung „Railway Children“, die den Laurence Olivier Award for Best Entertainment 2011 gewann.

Jane Taubert, Projektleiterin

„In Gottes eigenem Land“ – Schauspiel von Olaf Hörbe nach dem gleichnamigen Roman von Eberhard Görner – ist ein spannender Stoff, der aufgrund der historischen Parallele zur gegenwärtigen Flüchtlingsthematik ein ungeahntes Maß an Aktualität gewinnt. Durch die Mitarbeit vieler und durch die Förderung der Ostsächsischen Sparkassenstiftung kann nun das Konzept des Gastregisseurs Damian Cruden – nämlich eine inszenatorische Vision der „Community Ownership“ – in einem multilingualen Probenprozess verwirklicht werden. Dirk Strobel und das Theaterpädagogische Zentrum Sachsens werden uns bei der Einbindung der Laiendarsteller wichtige Partner in diesem Arbeitsprozess sein, denn das internationale Theaterprojekt bietet zahlreiche Gelegenheiten, das Ensemble der Landesbühnen Sachsen mit Veranstaltungspartnern, Vereinen, Kirchgemeinden und Bildungsinstitutionen sowie zahlreichen Laiendarstellern zu vernetzen.“

Zu den Laienmitspielern:

Das Konzept des Regisseurs Damian Cruden sieht eine Mitwirkung von zahlreichen Laienspielern – „Community Players“ genannt – vor. Diese werden gemeinsam mit dem Ensemble der Landesbühnen Sachsen und einigen Gastkünstlern wichtige Massenszenen der Inszenierung gestalten. Sie haben die letzten 12 Monate in Theaterworkshops und Proben trainiert. Diese Arbeit übernimmt ein Team von Mitarbeitern, das in Kooperation mit dem Theaterpädagogischen Zentrum Sachsen e.V. organisiert und koordiniert wird – sogenannte „Team Leiter“, die in den Disziplinen „Schauspiel“, „Tanz“, „Chorgesang“ und „Bühnenkampf“ mit den „Community Players“ probieren. Koordinator dieser Arbeit ist Dirk Strobel.

„Wir leben in einer bewegten Zeit. Viele Menschen sind unterwegs – auf langen Wegen durch Länder und über Meere, und auch innerlich, so und so fort von Konflikten und zu Konflikten hin. Wo – in der Welt, der Gemeinschaft und wo in sich selbst – findet man seinen Platz?“ Das ist eine Frage, die das Theaterpädagogische Zentrum Sachsen, immer bewegt und ein wesentlicher Antrieb seiner Arbeit ist. „Unsere Aufgabe war es, Menschen zusammenzubringen, die Lust haben, mit auf diese Reise zu gehen, mit uns in Workshops zu erkunden, wie Fremdheit und Ankommen sich anfühlen. Wie es ist, alles hinter sich zu lassen und neu anzufangen in einem fremden Land. Die sich erproben möchten in Schauspiel, Tanz, Kampf und Gesang. Und die in dieser großen Theaterproduktion auf der Bühne stehen möchten gemeinsam mit dem Ensemble der Landesbühnen Sachsen zu spielen und den Siedlern, Indianern und Soldaten Gesicht und Stimme zu geben.“  Außerdem sind mehrere Chöre aus der Region an dieser Theateraufführung beteiligt.

Vorstellungen :

Sa 29.04.2017 19:00 Hauptbühne; So 30.04.2017 19:00 Hauptbühne; Mo 01.05.2017 19:00 Hauptbühne; Fr 05.05.2017 20:00  Hauptbühne; Sa 03.06.2017 19:30 Hauptbühne; So 04.06.2017 15:00 Hauptbühne

So 11.06.2017 18:00 Kulturschloss Großenhain.
Fr 16.06.2017 20:30 Neue Burgfestspiele Meissen; Sa 17.06.2017 20:30 Neue Burgfestspiele Meissen
Do 22.06.2017 20:00 Schloss Hartenfels Torgau; Sa 24.06.2017 19:30 Eisleben Kulturwerk
Freitag, 30.06.2017, 20.00 Uhr und Sonnabend,1.7.2017, 20.00 Uhr Franziskaner Kloster Zeitz
07.07.2017 20:00 Storkow/Burg; Sa 08.07.2017 20:00 Storkow/Burg

Text: Petra Grubitzsch, Pressereferentin Landesbühnen Sachsen
Foto: Landesbühnen

Kasse: Tel. 0351/8954 214; Fax: 0351/8954 213

Landesbühnen Sachsen GmbH, Meißner Str. 152, 01445 Radebeul,
Tel. 0351/8954-0
http://www.landesbuehnen-sachsen.de

 

 

Malerei von Frank Panse zum 75. Geburtstag in der Stadtgalerie Radebeul

 


„Strandepisode“ von 1978

Alles fließt

Farbreiche und vieldeutige Bilderlandschaften von
Frank Panse zeigt derzeit eine Ausstellung in der
Stadtgalerie Radebeul.

Ein Bild zeigt die schwarzen Umrisse eines Kopfes, aus dem unentwegt Farben strömen, intensiv, brodelnd, wirr, selten ruhig und klar. So sieht der
Maler Frank Panse sich „Selbst“ in einem Porträt von 2011. Alles fließt, so ein weiterer Bildtitel, auf seinen Leinwänden und Mischtechniken, Arbeiten
auf Papier. Seine derzeitige Ausstellung in der Stadtgalerie Radebeul in Altkötzschenbroda 21 heißt einfach „Malerei“.

Hinter dem eher nüchternen Titel sind tatsächlich schwer in Worte fassbare, überaus vieldeutige, kontrastreiche und spannende Bilderlandschaften zu sehen anlässlich des 75. Geburtstages des in Pethau/Zittau geborenen Künstlers. Die zumeist abstrakten Werke von Frank Panse widerspiegeln das Schnelle, Flüchtige und Brüchige der Gegenwart und die Sehnsucht nach einem Ort der Ruhe, Harmonie und Geborgenheit. Die Farben wuchern wild und oft grell auf den Leinwänden wie um die tägliche Fülle an Gedanken und Eindrücken zu bannen und sammeln in den Bildern. Teils übermalt er Zeitungsausschnitte, denen er seine leuchtendfarbige, skurill-poetische Welt entgegensetzt.

Oft versieht er sie mit einem Rahmen im Bild wie um dem unbändigen Farbstrom einen Halt zu geben. Zu sehen sind vorwiegend neuere Arbeiten von 2007 bis `016 und einige frühe figürliche Arbeiten wie „Strandepisode“ von 1978. Andere Bilder zeigen maskenhafte Figuren und nächtliche Traumgestalten. Seine Zeichensprache ist angeregt von einer Studienreise 1996 nach Mexiko. Er malt Stillleben, Weinberge, Dünen, Augen, eine Katze und Künstlerkollegen wie Peter Graf. Ein Bild widmet er Dante, ein anderes Bacon. Ein anderes mit dem Titel „Zeit kommt, Zeit geht“ zeigt eine Figur mit dunklem Vogel auf dem Kopf, ein Feuerzeug in der Hand und abgetrennten Füßen in der Luft und auf der Erde lodernde Farbe.

„Adam wohin gehst Du“, fragt Panse in einem Bild von 2008. Neben den kräftig lodernden Bildern gibt es auch stillere wie “Gartenstück“, in erdigen und hellen Farbtönen mit feingeäderten Blattspuren. Naturgewachsenes und Farben braucht der Maler offensichtlich, um mit der Welt klarzukommen. Wunderschön auch die rot getupften „Rosen“ an langen Stielen, die den Feingeist und Genießer erkennen lassen. „Figürliche Elemente, Zeichen und Farbrinnsale ergeben Bildstrukturen, die letzten Endes den ursprünglichen Faden sichtbar machen“, sagt Frank Panse über seine Malerei. Er will auf dem Blatt “alles im Fluss halten bis eine Ordnung hergestellt ist – dann kann die Arbeit sich setzen und innerlich beruhigen.“ Frank Panse studierte ab 1968 Theatermalerei an der Dresdner Kunsthochschule und wohnte von 1971 bis 1972 in einer Künstlerbehausung in Altkötzschenbroda. 1972 hatte er seine erste Ausstellung in Dresden.

Seit 1999 lebt und arbeitet er auf einem selbst ausgebauten Bauernhof in Mutzschwitz. Die Ausstellung ist noch bis 5. Mai zu sehen. Zur Finissage gibt es an diesem Tag um 19.30 Uhr eine Lesung mit Wein, Gespräch und Musik mit dem Künstler.

Text + Fotos (lv)

Öffnungszeiten der Stadtgalerie Radebeul: Di., Mi., Do, So von 14 – 18 Uhr.

 

Buchpremiere: „Was willst Du denn auf Island“ mit Ahmad Mesgarha im Kleinen Haus

„Die Naturgewalt ist unsere Apotheke“

Wie schön und einfach das Leben sein kann, wenn man es im Gleichklang der Schritte mit offenem Herzen immer wieder neu erkundet, darüber las und erzählte der Schauspieler, Langstreckenläufer und jetzt auch Buchautor Ahmad Mesgarha am Sonntagabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Kann es ein schöneres Land für einen Schauspieler geben? Die Landschaft ist karg, aber voller Naturwunder und ändert malerisch ihre Farben im Sekundentakt im hell gleißenden Sonnenlicht. Moosbewachsene Felsen, die teils wie Figuren und Gesichter in die Höhe ragen, Wasserfälle, Steppe, Schlammlöcher und die schwarze Lava erinnert an eine Mondwüste. Ahmad Mesgarha war im Land der Elfen und Trolle in Island und hat sich einen Traum erfüllt: „Laufen in unberührter Natur zwischen Gletscher und Steppe. Sieben Tage lang nur Tag in einem Land aus Feuer und Eis!“ Denn neben der Bühne ist der Langstreckenlauf seine Leidenschaft.

Das Laufabenteuer liegt schon eine Weile zurück. Im Juli 2013 flog Mesgarha nach Island. Mit ihm trat noch ein laufverrückter deutscher Tourist, Volkmar, Triathlet und Chef einer Firma in Leipzig an sowie zwei Reiseführer aus Island und Deutschland (von der Agentur „LaufKultTour“ in Ausgburg). Über seine Laufreise – 187 Kilometer durch das Land der Gnome und Geysire hat Ahmad Mesgarha ein Buch geschrieben, erfrischend locker, ehrlich, offenherzig, mit lakonischem Humor, episodenreich, bildhaft anschaulich und mit vielen beeindruckenden Fotografien der geheimnisvoll-schönen Landschaft.

Bei der Buchpremiere „Was willst Du denn auf Island“ (soeben erschienen im Zwiebook Verlag in Dresden – ein Imprint von salomo publishing, 50 S., 12,90 Euro) am Sonntag abend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden steht eine lange Besucherschlange am Eingang. Vorbestellen ging nicht, die Lesung war gratis. Alle sind auf gut Glück gekommen. Und nicht alle finden Platz im Theaterraum.

Mesgarha verspricht die Lesung zu wiederholen. Während er lebhaft, immer noch berührt von dem gewaltigen Erlebnis der Natur und seinen Erfahrungen, liest und erzählt, durchlebt er alles noch einmal und lässt seine Zuhörer ergreifend daran teilhaben. Auf einer Leinwand erscheinen die Bilder aus dem Buch von seiner Reise, die der Musiker Philipp Makolies an der Gitarre mit versonnen-versunkenen, dem beglückenden Gleichklang des Körpers beim Laufen nachempfundenen Tönen begleitet.

Abschließend singen sie gemeinsam den Song „Immer weiter“ zum Buch von Philipp Makolies feat. Ahmad Mesgarha (als kostenloser Download unter http://www.philippmakolies.bandcamp.com)

http://www.salomo-publishing.de

Mehr Text zum Buch folgt

Text + Fotos (lv)

 

 

 

„Sommer der Liebe“ – Die neue Spielsaison in der St. Pauli Ruine

Mephisto steht feuerrot mit breitem Grinsen hinter Gretchen und Faust. Der Drachentöter Siegfried mit Punkfrisur umarmt kurz seine Kriemhild und tut kurz darauf wieder das, was ein Mann tun muss, nämlich Held spielen. Die widerspenstige Katharina legt sich mit den Männern an. Und die romantische Idylle im Elfenwald täuscht auch. König Oberon und seine Gattin Titania werfen sich gegenseitig Untreue vor und zwei junge Paare verirren sich im Wald. Dort sorgt Diener Puck mit einer Liebes-Zauberblume für ein lustvoll-komisches Verwirrspiel der Gefühle. Willkommen zum „Sommer der Liebe“ – unter diesem Motto eröffnete die neue Spielsaison in der urigen St. Pauli Ruine am Königsbrücker Platz im Hechtviertel in Dresden am Freitag abend.

Bei ihrem Theaterfest zeigten gestandene und neue Akteure, die in ihrer Freizeit Theater spielen, mit reichlich Herzblut, Spielfreude, Einfallsreichtum und Humor Ausschnitte aus dem Repertoire und den zwei bevorstehenden Premieren „Der Widerspenstigen Zähmung“, eine Komödie von Peter Dehler nach William Shakespeare (5.5., 20 Uhr) und „Ein Sommernachtstraum“, ein Liebesspiel ebenfalls von Shakespeare (16.6., 20 Uhr). Außerdem gab es vielfältige musikalische Kostproben von Gästen der Theaterruine. Darunter die Dresdner Band „enVivo“ um die Sängerin Alexandra Kayser, die von den Philippinen stammt und mit glasklar-fragiler und zugleich kraftvoller Stimme Lieder aus eigener Feder aus ihrem Programm „Nothing left to say“ sang (zu erleben am 23.4., 19.30 Uhr).
Ein Magier auf der Gitarre ist der Leipziger und jetzt in Dresden lebende Musiker Christian Buchmann, der stilistisch stimmungsreiche Klangbilder erzeugt mit Eigenkompositionen wie „Der Joker“, „Wüstenplanet“, „Der Schamane“ oder „Spieluhr“. Mehr davon gibt es bei einer „Guitarmania“ (Gitarrennacht) mit ihm solo und zusammen mit dem mehrfach preisgekrönten Musiker Falk Zenker, der Buchmanns erster Gitarrenlehrer war. Sie präsentieren außerdem ein außergewöhnliches Nachwuchstalent mit dem französischen Musiker Antoine Boyer an der Gipsy-Gitarre (am 26.4., 19 Uhr).

Text + Fotos (lv)

http://www.pauliruine.de

„Das falsche Leben“: Hans-Joachim Maaz sprach über sein neues Buch in der Frauenkirche Dresden

„Leben wir alle falsch, Herr Maaz?“, fragte Frank Richter, Moderator der Veranstaltung von der Stiftung Frauenkirche zu Beginn der Buchvorstellung am Donnerstag abend. Stoff zum Aufhorchen, Nachdenken und Diskutieren bietet das neueste Buch: „Das falsche Leben – Ursachen und Folgen unserer normopathischen Gesellschaft“ (Verlag C.H. Beck, 256 S., 16,95 Euro) des bekannten Hallenser Psychoanalytikers Hans-Joachim Maaz jedenfalls reichlich. Mit Büchern wie „Der Gefühlsstau“ und „Die Liebesfalle“ stellte er bereits Spielregeln für eine neue Beziehungskultur durch Ehrlichkeit und Offenheit auf. Das Interesse war so groß, dass die Veranstaltung von der Unterkirche in den Hauptkirchenraum verlegt wurde.

In seinem Buch hinterfragt Maaz die Gründe von Angepasstheit und Selbstentfremdung, Ängsten und Feindbildern, die immer mehr um sich greifen in der bundesdeutschen Gegenwart.

Mehr Text folgt

Text + Fotos (lv)

Vor vollen Rängen sprach Hans-Joachim Maaz über unbequeme Wahrheiten in unserer Gesellschaft. Rechts im Bild: Frank Richter, Moderator des Abends von der Stiftung Frauenkirche und Kathrin Krüger-Mlaouhia, Journalistin. Zeitweise konnte man eine Stecknadel fallen hören, so gebannt lauschten die Zuhörenden.

Freakstadt 1 im Dresdner Barockviertel

  
Vier Tage Theater und Tanz zum Träumen und Staunen mit Cie. Freaks und Fremde & befreundeten Künstlerteams aus aller Welt im Societaetstheater.
Auch wenn die Temperaturen gerade nicht verlockend sind, wir tanzen in den Frühling! In der FREAKSTADT, beim neuen Format der Cie. Freaks und Fremde im Societaetstheater Dresden.

Vom 27. bis 30. April verkünden sie zum ersten Mal den monatlichen Ausnahmezustand im Barockviertel. Vier Tage lang sind aktuelle Produktionen der Compagnie und befreundeter Künstlerteams aus aller Welt zu erleben. Gemeinsam mit den Zuschauern wird mit Theater und Tanz experimentiert und geforscht, kühne Redner erklettern das Podium von Speaker’s Corner und für die Serienfreaks unter den Theaterbesessenen gibt es jeden Monat eine neue Folge der FREAKSTADT-SAGA. Mit dabei u.a. Heiki Ikkola, Sabine Köhler, Jule Oeft, Sønderling, Ahsan Nadeem Sheikh, Daniel Williams, Frieder Zimmermann und Suse Wächter….

Alle Vorstellungen / Veranstaltungen eines Abends gibt es für EIN Ticket / Wer alle vier Abende erleben will, zahlt nur für drei. Schnell Tickets unter 0351 – 803 68 10 sichern.

Text  + Foto: Isolde Matkey/tristan production

 

BilderAlbum: Auf dem Lande

Über Ostern war ich endlich mal wieder weg. Raus aus dem Großstadttrubel aufs Land. Ich wollte endlich einmal die Osterreiter sehen und sah dabei auch die Landschaft meiner Kindheit in der Oberlausitz wieder. Es lebt keiner mehr dort aus unserer engeren Familie. Mit dem Zug reiste ich zurück in eine andere Zeit, mit jeder Bahnstation rückte sie näher, tauchten Bilder und Erinnerungen auf, pochte das Herz schneller.

Was ich unterwegs erlebte während dieser kleinen Auszeit, was mir am Landleben gefällt, warum es allein auch nicht das Gelbe vom Ei ist und was ich von hier für meinen Alltag in der Großstadt mitnahm, lest Ihr hier.

Die Namen der Orte sind unverändert, die Bahnstrecke ist ausgebaut, es sieht aus wie überall. Ich vermisse die alten Backsteinbahnhöfe, die Kioske mit Zeitungen und Krimskrams und Gaststätten, wo sich Reisende und Einheimische trafen, es immer nach Zigarettenrauch, Essen und Bier roch. Wo wir als Kinder scheu vorbeiliefen, aber doch auch neugierig hinein lugten.

Der Zug nach Kamenz hält nicht mehr in Arnsdorf zum Umsteigen, wir machten gern Witze, wer gleich dort bleiben könnte. Auf dem Bahnsteig standen manchmal ein paar Verrückte aus der nahegelegenen Anstalt, die Ausgang hatten, vor sich hin erzählten, umher liefen und den Zügen nachwinkten. Sie wirkten immer irgendwie traurig und verloren. Ob dort heute noch welche stehen weiß ich nicht. Das Leben ist inzwischen so bunt und verrückt, dass kaum mehr auffällt, wer es tatsächlich ist. Der Zug ist fast leer an diesem Ostersonntag gegen Mittag. Ein kleiner Junge macht als er mich sieht Faxen, versteckt und zeigt sich auf seiner Sitzbank und ich denke an die Zeit als es noch keine Computerspiele, kein Internet und nicht mal Telefon zu Hause gab. Als man sich spontan verabredete auf der Straße, von der Telefonzelle aus zuhause oder Freunde anrief, dass man vorbei kommt oder Zettelchen an der Wohnungstür hinterließ. Das Haus meiner Kindheit, wo meine Oma wohnte mit dem großen Hof mit vielen Winkeln zum Spielen und Verstecken, gibt es nicht mehr. Die ganze Häuserzeile wurde abgerissen, dort ist jetzt ein Parkplatz. Leer und öde wirkt die Fläche.

Ich fühle mich fremd in meiner Heimatstadt. Vertraut sind mir nur die Landschaft und die noch erhaltenen Gebäude von einst rund um den Marktplatz. Meine Jugendfreundin Kathrin holt mich ab vom Bahnhof, wir fahren mit dem Auto über die Dörfer und sehen die Osterreiter in Crostwitz, die gerade eintreffen. Sie reiten um den Friedhof und die Kirche und dann die Dorfstraße hinunter in den Ort, wo die Bewohner, Freunde und Familienangehörige sie schon erwarten, einige grüßen die Osterreiter auf sorbisch. Die Reiterprozession ist feierlich, altehrwürdig, ihr dunkler Aufzug wird aufgelockert durch die farbenfroh mit Blüten und Bändern, schönen Halftern und Schleifen geschmückten Pferde. Zwischendurch halten sie inne und singen hingebungsvoll alte Kirchenlieder. Dann ziehen sie weiter. Und hinterlassen Freude und lächelnde Gesichter.

Wir fahren weiter, begleitet von Sonne und Regen im Wechsel, zu Kathrins Eltern, die auf dem Lande leben. Es werden Ostereier versteckt auf dem Hof für jeden. Ich schaue vom Küchenfenster aus Hühnern und einem Hahn in der Abendsonne in Nachbars Garten zu, die zwischen den blühenden Obstbäumen spazieren und schon bald in ihrem Holzhäuschen mit dem langen Gang verschwunden sind. Die anderen spielen Rommée in der Stube. Während sie das Abendbrot vorbereitet, erzählt Kathrins Mutter, dass es im Ort keine Kirche gibt, auch keine Geschäfte oder Gaststätte. Zum Einkaufen und anderen Anlässen muss man mit Auto oder Bus ein ganzes Stück fahren in den nächst größeren Ort. Einfach mal schnell an der Ecke in den Laden oder zurück laufen, wenn noch etwas fehlt, geht hier nicht.

Der Vater füttert einstweilen die Kaninchen in den selbst gezimmerten Stallgehegen, füllt Gras, Heu und Wasser auf. Früher hatten sie auch ein Schwein und noch mehr Hühner, erzählt er. Die Kaninchen haben keine Namen, sie werden als Nutztiere gehalten und je nach Bedarf auch verzehrt. Bei unserer Oma gab es sonntags manchmal auch Kaninchen. Doch die sahen wir nicht lebend. Wenn ich diesen hier in die Augen schaue, könnte ich sie nicht mehr essen. Vielleicht wenn ich keine andere Wahl hätte.

Als ich die Kaninchen anfassen und streicheln will, ziehen sie sich scheu in eine Ecke zurück. Sie mümmeln friedlich vor sich hin und wissen nicht was auf sie zukommt. Wir Menschen ja auch nicht. Im Unterschied zu den Tieren machen wir uns aber immerzu Gedanken darum, was ist und sein könnte, was fehlt und was wir uns wünschen. Betrachte ich sie aber nur in diesem Moment, sehen sie einfach nur zufrieden und glücklich aus.

Auf dem Land vergeht die Zeit anders, sie dehnt sich mit der Weite der Felder und des Himmels. Plötzlich hab ich alle Zeit der Welt, während ein Tag in der Stadt oft schnell um ist, angefüllt mit Erledigungen und dem Gefühl, nie alles zu schaffen.

Letzten Sonntag vor Ostern erst sind Kathrin und ich uns in Dresden zufällig über den Weg gelaufen. Wir stammen nicht nur aus der gleichen Gegend und kennen uns schon lange, sondern sind beide seit vielen Jahren auch Journalistinnen mit Leib und Seele. Sie als Redakteurin bei der SZ in Großenhain, ich freiberuflich für verschiedene Redaktionen. Sie hatte sich die Ausstellung „Macht und Mode“ im Residenzschloss angesehen und wollte gerade zum Bahnhof, ich schnell in den Supermarkt und dann zu einer Theaterpremiere. Es blieb nur Zeit für ein kurzes Hallo. Weg waren wir.

In der Stadt ist viel Abwechslung und Ablenkung, auf dem Land, in der Natur finde ich die ersehnte Ruhe und Klarheit, wird der Blick fürs Wesentliche wieder gestärkt. Nur noch das zu tun, was einem gut tut und wirklich Freude bereitet. Das ist bei mir nun mal hauptsächlich das Schreiben. Wird aber immer schwieriger davon zu leben angesichts der derzeitigen Umbrüche und Einsparungen in der Medienlandschaft. Daher hab ich seit über einem Jahr meinen wortgarten-Blog eingerichtet, um etwas Eigenes aufzubauen. Mit erfreulich wachsender Leserschar und fast 17 000 Aufrufen jetzt schon. Aber leider noch keinen Einnahmen. Ich hab mal überlegt,  wenn jeder Leser für seinen Lieblingstext im wortgarten nur einen symbolischen Euro (darf gern auch mehr sein) überweist auf das Blog-Spendenkonto, das am Seitenrand steht neben den täglich neuen Beiträgen, wäre mir schon sehr geholfen. Da geht doch was oder?

Ich werde auch weiter fleißig wortgärtnern mit immer neuen besonderen Kulturgewächsen.

Ich übe mich ebenso darin, mich an einfachen Dingen zu erfreuen, räume gerade innen und außen gründlich auf, will mir Wohlfühlinseln im Alltag einrichten. Die in Kathrins Garten überall zu finden sind. Wie das kleine Tonkamel mit Laterne vor der urigen Laube, filigrane Vogelwesen im Gras, knorrige Baumfiguren und der kleine Teich mit den sich aalenden Zipfelmützen. Wir haben außerdem Rehe im Stadtpark in Großenhain gesehen und ein Storch flog vor unseren Augen vorbei. Hier auf dem Land gibt es noch viele freie Gärten, sagt Kathrin, während sie in der Stadt rar sind. Doch die Jobs und das Kulturangebot sind eben dort und am liebsten würde man alles nebeneinander haben. Doch alles ist nie beisammen. Leider.

Dafür kann man kann sich hin und wieder Auszeiten gönnen und auch in der Stadt nach Orten Ausschau halten, wo man beides verbinden kann. Grüne Oasen mit Möglichkeiten zum Kreativsein, Selber gestalten und Genießen wie urbane Gartenprojekte oder den internationalen Golgi Park hinter dem Festspielhaus Hellerau. Dort war ich noch nie.

Diesen Donnerstag abend (20.4., 20 Uhr, Frauenkirche, Eintritt frei) wollen ich und Kathrin zusammen zur Lesung mit Hans-Joachim Maaz aus seinem neuen Buch „Das falsche Leben: Ursachen und Folgen unserer normopathischen Gesellschaft“. Es geht darum, was uns daran hindert das Leben zu führen, das wir wollen und uns erfüllt.

Text + Fotos (lv)

Herzlichen Dank an Kathrin Krüger-Mlaouhia und ihre Familie für die schöne Zeit.

Im Garten von Kathrin

Im Stadtpark Großenhain

Balkon als Bühne: Kathrins Sohn Danny (14) zaubert (auch auf Youtube unter dem Namen Creepy hd) und spielt gern Theater. Er spielt den Bösewicht Balor im Märchenstück „Arkadien“ der Spielbühne Großenhain im Alberttreff und in der Inszenierung „In Gottes eigenem Land“ an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul an der Seite von Gojko Mitic einen Häuptling der Sasqueaner und einen Bewohner eines Indianerdorfes. Die Premiere ist dort am 29.4. und die Matinee zur Aufführung am 23.4. um 15 Uhr.

Zeit zum Genießen bei Kathrin auf dem Land: Lilli Vostry von meinwortgarten.com

Wieder zu Hause