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Start der Schreib- und Geschichtenwerkstatt für Kinder „Fantasius Firlefanz“

Hervorgehoben

Geschichten-Abenteuer erleben – Jeder hat Fantasie!

Für alle, die in den Sommerferien noch nichts vorhaben, startet für neugierige, spiel- und erzählfreudige Kinder und Jugendliche die Schreib- und Geschichtenwerkstatt „Fantasius Firlefanz“ mit Lilli Vostry, freie Journalistin und INhaberin des KulturBlogs meinwortgarten.com als neues Angebot im KlangLabor auf der Lommatzscher Straße 6 in Dresden. Heute am 4.7., von 16 – 18 Uhr das erste Mal. Ab 11. Juli dann immer mittwochs von 17 – 19 Uhr. Ich freu mich auf Euch.

Hallo, liebe Kinder!

Hier könnt Ihr die kreative Schreibwerkstatt für Kinder und Jugendliche „Fantasius Firlefanz“ kennen lernen. Der bewegliche kleine Holzvogel ist unser Begleiter, der unsere Fantasie beflügeln möchte. Bei den Geschichten-Abenteuern, die uns zuflattern aus der großen Welt der Worte.

Gemeinsam entdecken wir den Spaß am Erzählen, sprachlichen Gestalten in spielerischer Form und Umsetzen der selbsterdachten Geschichten.

Wenn Ihr gern träumt, erfindet, neugierig seid, Euch lesend und schreibend ausprobieren wollt, ist die Schreib- und Geschichtenwerkstatt ein guter Ort, dies miteinander zu tun.

Zu meiner Person: Ich heiße Lilli Vostry, schreibe selbst gern seit meiner Kindheit und arbeite hauptberuflich als freie Journalistin, außerdem als Kinderbetreuerin und in der Deutsch-Nachhilfe in Dresden. Es sind auch spezielle Angebote für Kinder mit ADHS möglich.

Kosten pro Teilnehmer pro Nachmittag: 5 Euro

Kontakt: Lilli Vostry, Tel. (0351) 848 75 03 oder 0177 – 524 88 48
email: Lilli.Vostry@freenet.de

 

 

Keine für Alle! – Lara Finesse

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Kolumne: Neue Mauern…

Wie es zu meinem Namen kam, das bleibt mein Geheimnis. Ob es mich wirklich gibt? Nun ja. Wie heißt es so schön: Ich denke, also bin ich. Was auch nicht unbedingt selbstverständlich ist. Neulich hörte ich im Radio in einer Humorsendung, es war gerade Fasching, den unglaublichen Satz: Das Lachen unterscheide den Menschen vom Tier. Das habe kein Geringerer als Aristoteles einst festgestellt, wie auch die gefährliche und befreiende Wirkung auf die Lachenden und Ausgelachten zeitlos ist.

Wer lacht, zeigt, dass er etwas erkannt und verstanden hat. Oder es zumindest meint. Während Tiere, wenn sie lachen mit heraushängender Zunge oder fiependen Lauten,gar nichts denken, sondern sich einfach ihres Daseins freuen. Das unterscheidet Tiere tatsächlich sehr von Menschen.

Manche von letzteren verziehen keine Miene, egal was um sie herum passiert. Es ist ja nicht zu übersehen, dass sich gerade ein großer Wandel in der Welt von draußen nach drinnen – damit meine ich nicht nur die über Ländergrenzen hinweg ziehenden Flüchtlingsströme – vollzieht. Neue Mauern tun sich auf, mit denen wir uns selbst umgeben. Man sehe sich nur die Leute an, die draußen unentwegt nach unten auf diese glatten, flimmernden Teile starren und darauf herumtippen und die Ohren oft verstöpselt halten.

Wie ferngesteuert laufen sie durch die Gegend, manche rennen einen fast um. Ich frage mich dann immer: Was ist so ungeheuer wichtig, dass diejenigen dieses Teil kaum eine Minute mehr aus den Augen lassen?! Was würde passieren, wenn sie es verlieren? Was taten sie, bevor es Smartphones gab?

Mittlerweile braucht man gar nicht mehr aus dem Haus zu gehen. Man bekommt alles aus dem weltweiten Netz. Man kann Tag und Nacht einkaufen, mit den Augen überallhin reisen, sich vergnügen, den idealen Partner per Fragebogen zusammenpuzzeln, für zwischendurch, nur virtuell oder auch mal in echt. Heldenhafte Essensbringer aus dem Internet (die nennen sich wirklich so!) gibt es auch inzwischen.

Anderes wie Postkarten und Briefe schreiben, stirbt allmählich aus. Vielleicht werden Briefkästen deshalb auch immer seltener?

Neulich fragte tatsächlich jemand auf Facebook, ob es eigentlich noch Schreibpapier gäbe! Als ob es davon abhinge. Wenn man das Bedürfnis hat, kann man auf allem schreiben. Oder? Nur gehen mir leider allmählich die Empfänger aus. Es wird noch soweit kommen, dass ich mir selbst Karten und Briefe mit schönen Briefmarken schreibe, nur um mir die unverhoffte Freude, dass jemand an einen denkt und überrascht, zu erhalten neben all dem Werbekram und Rechnungen, die mir beim Gang zum Briefkasten täglich entgegen grienen.

Warum gehen wir manchmal trotzdem noch hinaus? Um zu schauen, ob da draußen noch alles da ist, noch andere außer uns und wie die Luft ist. Warm oder kalt. Auf den Wetterbericht ist ja kein Verlass mehr trotz moderner Technik. Das Wetter macht, was es will. Einmal richtig Schnee muss reichen, dann geht der Winter schon wieder. Statt Schlitten und Skier fahren schnelles Surfen im Internet. Merkt doch eh keiner. Seit Ende Januar, draußen ist noch alles kahl und grau, bestürmen einen schon in knallbunten Farben grinsende Schokohasen und Eierallerlei im Supermarkt, obwohl man gerade erst die Silvesterknallerei überstanden hat und das Schatzkästchen auf dem Tisch mit den erfüllten, vergessenen und neuen Wünschen für das neue Jahr noch auf Durchsicht wartet. Indes grüßen schon die ersten Schneeglöckchen auf der Wiese, wird es wieder früher hell und später dunkel. Was manche Nachbarn schon zu eifrig geräuschvollem Frühjahrsputz derart treibt, dass einem Hören und Sehen vergeht. Und das Leben rauscht vorbei.

Macht was draus.

Bis zum nächsten Mal!

Eure Lara Finesse

BilderGedichtKalender 2016 „Von Tier zu Mensch“

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Vom Raubtier Mensch

Skurill-poetische Gedichte und Bilder versammelt der neue BilderGedichtKalender von Lilli Vostry und Babak Nayebi.

Ein Mann mit Hahn im breitkrempigen Hut, den nichts zu erschüttern scheint, ist auf dem Titelblatt des Kalenders zu sehen. Gut behütet schaut er in die Welt. Skurril-poetische, heitere und ernsthafte, beherzt geborgene Gedankenflüge und Gefühlssprünge versammelt der neue BilderGedichtKalender für 2016 unter dem Titel „Von Tier zu Mensch“. 

Es ist der nunmehr dritte Kalender, den Lilli Vostry, freie Journalistin und SZ-Autorin, zusammen mit dem iranischen, in Dresden lebenden Bildenden Künstler Babak Nayebi in limitierter Auflage herausgegeben hat im Typostudio SchumacherGebler in Dresden. In Abwandlung der Redewendung „Von Mensch zu Mensch“ wird in reizvollem Kontrast von Bildern und Lyrik das Verhältnis von Mensch und Tier betrachtet. Das Raubtier Mensch, der mal Jäger, mal Getriebener ist, mal innige Nähe und Ausgeliefertsein, Stärke und Ohnmacht erfährt und die verletzte, leidende Kreatur stehen sich gegenüber in den farbigen Ölzeichnungen auf Papier. Es geht außerdem facettenreich, vieldeutig um Zwischenmenschliches. Etwa im Gedicht „Frei Wild“ um Fortschnurren in fremde Galaxien, um Fortträumen, Sehnsucht nach der Ferne und Neues entdecken. Da tauchen Fledermäuse am Strand auf, ergibt sich ein Admiral auf Landgang duftenden Blüten. Da bringt ein rätselhaftes Wesen mit roten Augen, das sich Lori nennt, Schatten zum Leuchten. Und begrüßt eine Robbe das neue Jahr und sucht im unendlichen Weiß nach wärmenden Worten. 

Dieser zeitlose BilderGedichtKalender „Von Tier zu Mensch“ ist jetzt zum Schnäppchenpreis erhältlich. Einige Exemplare sind noch über die Autorin Lilli Vostry auf Anfrage zu beziehen.

Hereinspaziert zum 21. Scheune-Schaubuden-Sommer!


Wandlungsfreudig: Pantomime Elias Elastisch

Härtetest mit Maus.


Budenzauber-Vergnügen für klein & groß: Mittendrin Helmut Raeder, künstlerischer Leiter des Scheune-Schaubuden-Sommers.


Komischer Magier und rasanter Jongleur: Aaron Dewitz


Witzig-romantisch: „Biene“ umschwirrt „Blume“

Düsteres Fantasy-Spektakel mit Puppen und Musik: Die Gruppe „Dirty Granny Tales“ aus Griechenland.


Schlagendes Tanz-Duell: Wer schlägt den anderen am besten und schönsten aus dem Ring, Rampenlicht?! Performance mit der Joshua Monten Dance Company.

Laute Stille und tanzende Schläge

Von vielfältiger Pantomime bis zu ausgelebter Kampffreude reicht die Bandbreite beim 21. Scheune-Schaubuden-Sommer vom 12. bis 22. Juli.

Luftakrobaten, hangelnde Harlekine und auf vielerlei Art vergnügte Wesen schweben, auf durchsichtige Gaze gezeichnet, hoch über den Zuschauerköpfen auf dem Platz. Die witzig-fantasiereiche Figurenwelt für den 21. Scheune-Schaubuden-Sommer hinter dem Kulturzentrum Scheune in der Neustadt gestaltete das chilenische Künstlerpaar César und Muriel Olhogaray. Leuchtend beringte Laternen hängte KETE auf und die originelle Beschilderung stammt von Spacke.

Über 70 Künstler aus aller Welt laden seit Donnerstagabend die Besucher wieder zum Wandeln, Wundern, Träumen und Genießen in den Zelten und auf Freisitzen unter Bäumen ein. Jeden Abend stehen zwölf bis fünfzehn verschiedene Shows – von Körper- und Objekttheater, Puppenspiel über Tanz, Clownerie, Beatboxern bis zum Honig-Bad im Selbsterfahrungsraum – zur Auswahl. Am Eröffnungsabend bildeten sich lange Schlangen vor den Buden. Rund 1200 Leute passen auf den Platz. „Wir freuen uns auf elf Budennächte voller Zauber, Schönheit und Frohsinn“, sagt Helmut Raeder, der künstlerische Leiter des Schaubuden-Sommers. „Regen schreckt uns nicht, die Aufführungen sind gut bedacht. Bis auf die Arena als neuer Spielort.“ Unbedingt sehenswert ist „Herr Kasimir“ alias Aaron Dewitz als rasant jonglierender Komiker mit Bällen, Keulen, Hut und weißem Stöckchen umherwirbelnd wie Charlie Chaplin, und als kurioser Magier mit Lampion auf dem Kopf, kein Fettnäpfchen auslassend, begeisterte er das Publikum.

Wie reichhaltig „Laute Stille“ sein kann und dass Pantomime weitaus mehr als „weiße Haut“ ist, zeigt der Schauspieler und Pantomimekünstler Elias Elastisch sehr wandlungsfreudig im Spiel hinter und vor einer schwarzen Wand. Er verblüfft von Szene zu Szene, begleitet von Klassik- bis Hardrockklängen als genervt festsitzender Reisender, einsamer Genießer, Geheimagent und schriller Zirkusdirektor im Härtetest mit einer Maus. Im Saal sorgt ein düster-albtraumhaftes Fantasy-Spektakel mit vier Musikern mit gespenstischen Masken und einer mittendrin zappelnden weißen Tänzerin und einer monsterhaften Puppe für Gänsehaut, inszeniert von der Gruppe „Dirty Granny Tales“ aus Griechenland. Mehrere Zuschauer verließen vorzeitig die Vorstellung.

In der Arena im „Graffiti Rondelli“ geht es buchstäblich schlagfertig zu. Ein Mann und eine Frau in kurzen Hosen, Hemd und Krawatte ohrfeigen sich heftig, strahlen dabei und verteilen Flyer an die Zuschauer. Sie befestigen Absperrband vor den Zuschauerreihen wie in einem Boxring. Dann hagelt es Schläge formvollendet in getanzter Choreografie, reihum zwischen zwei Männern und einer Frau, zu mal sanften Geigen- und feurigen Balkanklängen. Die Schweizer Joshua-Monten-Dance-Company nimmt unter dem Motto „Little Joy“ lustvoll-humorvoll Kämpfe jeder gegen jeden, Mann gegen Frau aufs Korn in ihrer umjubelten Performance. Der Scheune-Schaubuden-Sommer geht noch bis 22. Juli. Der Festival-Platz ist täglich ab 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt  kostet 3 Euro. Das Einzelticket pro Show  5 Euro, das Dreierticket 12 Euro. Nach Mitternacht gibt es außerdem Konzerte für Nachtschwärmer im Festivalclub.

Text + Fotos (lv)

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Erste WortKlänge aus dem KlangLabor


Bilder, Wortspiele und Klänge entstehen aus dem Moment heraus – mit viel Spaß und Fantasie im KlangLabor: meinwortgarten-Autorin Lilli Vostry und Elias freuen sich auf weitere neugierige. erzählfreudige Kinder.
Die nächsten Male der Schreib- und Geschichtenwerkstatt „Fantasius Firlefanz“ sind am 18. und 25.7., von 17 – 19 Uhr auf der Lommatzscher Str. 6 in Dresden.

Hier könnt Ihr unsere ersten gemeinsamen Reimgedichte lesen. Mit getextet hat Aerdna Harp, Mama von Elias, die außerdem Harfe spielt und malt.

Roter Flitzer

Siehst du mich blinken
ich kann nur noch hinken

oh wei
mein Rad ist entzwei

gib schnell das Abschleppseil
dann flitz ich wieder
wie ein Pfeil

der Fahrer hat `nen Knall
den schieß ich ins All

(11.7.2018)

Aerdna

Aschenbrödel
nudeldick
liebt das Reisen sehr
wenn es nur nicht
solch ein Angsthase wär

sie hört einen Klang
ihr ist nicht mehr bang
wen sieht sie dort
einen Dudelsackspieler
am holden Ort

und sie gesteht sich ein:
Das könnte Einer für immer sein!

(11.7.2018)

LiebesSchläge

Interessant ist die Liebe
sie versetzt Hiebe (und Berge)
blaugefleckt voller Ideen
bleibe ich
nicht mehr stehen

lache ihr locker
ins Gesicht

lebendig ohne Kriege
nehme ich die Liebe

(11.7.2018)

Auf zu neuen Geschichten-Abenteuern… Fotos (2): Aerdna HarpOffen für neue KlangWelten: Andrea Dorschner alias Aerdna Harp mit ihrer Harfe. Foto: lv

 

 

 

 

 

 

 

21. Scheune-Schaubuden-Sommer: ein Kosmos aus Kleinkunst & Poesie lockt wieder


Foto: Lilli Vostry

Bühne frei für neuen Budenzauber!

Der XXI. Scheune Schaubudensommer  – Internationales Festival für Theater, Vergnügen und Musik lädt mit prallem kunterbunten Programm wieder zum Wandeln, Wundern und Genießen vom 12. bis 22. Juli auf dem Platz hinter dem Kulturzentrum Scheune auf der Alaunstraße in der Dresdner Neustadt. 

Es ist wieder soweit: der 21. Scheune Schaubudensommer steht auf dem 10-Meter-Turm und ist bereit mit vierfachem Doppel-Salto dem Sommer die Krone aufzusetzen und mit Furore dem Theater, dem Tanz, der Kunst und dem Skurrilen Raum zu schenken.

Fast ein Dutzend Sollkuckstellen rund um die Scheune baut er auf und freut sich auf ein herrliches Programm. Es gilt hierbei nichts zu verpassen, denn neben feinsten Mulitmedia-Shows in Containern, über Strickwelten im Saal, lurchige Weisheiten, melancholischem Puppenspiel, avantgardistischen Performances bis hin zu Mit-Tanz-Zelten hat er sich große Mühe gegeben der Abwechslung den ersten Platz einzuräumen.

Der Kosmos aus großer Kleinkunst lädt in diesem Jahr erneut zum Ausbruch aus der Realität und wird sich wie immer in ein neues noch geheimes Gewand hüllen. Die Zelte sind frisch gemangelt, der Saal gelüftet und die Container mit Elsterglanz zur Höchstform poliert. In ihnen trifft man bekannte und geliebte Künstler und Künstlerinnen, aber es gibt auch die große Chance sich in neue Menschen zu verlieben und schwebend den Platz zu verlassen.

Genre-sprengend, manchmal aber auch ganz klar spartenbezogen hält der 21. Scheune Schaubudensommer einen Platz voller Abwegigkeiten, Freude, Sonderlichem und Überraschungen bereit. Über 70 internationale Künstler und Künstlerinnen sorgen für elf spannende Sommernächte. Jeden Abend stehen zwölf bis fünfzehn verschiedene Aufführungen, Shows, Performances zur Auswahl. Bis zu vier Darbietungen kann man hintereinander erleben und dann um Mitternacht im Festival-Club den heißesten Bands lauschen.

Das ausführliche Programm gibt es unter www.schaubudensommer.de und
unter
www.facebook.com/SchaubudenSommer.

Der Festival-Platz an der Scheune Dresden ist ab 18:30 Uhr geöffnet.
Der Eintritt auf den Platz kostet 3,00 € für Erwachsene.
Tickets für die Shows gibt es ausschließlich an der Abendkasse.
Der Eintritt für eine Vorstellung (ca. 20 – 30 Minuten) kostet 5 €.
Das Dreierticket kostet 12 €.
Das ermäßigte Ticket für Kinder (abends 5-12 Jahre, Familiennachmittag 2-12 Jahre) kostet 2 €.

Text: Dana Bondartschuk/Presse – und Öffentlichkeitsarbeit Scheune-Schaubuden-Sommer

Premiere „Die Csárdásfürstin“ in der Staatsoperette Dresden


Gehen oder Bleiben? Fürstensohn Edwin hat sich in die schöne Varietésängerin Sylva verliebt.


Feuer, Temperament und Lebenslust: Die Csárdásfürstin und der „Teufelsgeiger“  Alexander Bersutsky. Fotos: Stephan Floss/Staatsoperette

Viel Feuer und Komik auf der Show- und
Politikbühne

Als witzig-ironische Farce über die Launen und Macht der Liebe, Heuchelei und Etikettenschwindel kam Emmerich Kálmáns berühmte Operette „Die Csárdásfürstin“
auf die Bühne der Staatsoperette Dresden.

Sie ist ein Weib mit Feuer, voll Temperament und Lebenslust. Die Chansonette Sylva Varescu hat rumänisches Zigeunerblut und ist ein gefeierter Star im Varieté-Theater „Romanum“ in Wien. Als ausgerechnet der Sohn des Fürsten und Chefs der rechtsradikalen Partei sich leidenschaftlich in sie verliebt, löst das reichlich Wirbel und Verwicklungen aus in der Operette „Die Csárdásfürstin“ von Emmerich Kálmán. Die Premiere war am Sonnabend in der Staatsoperette Dresden im Kulturkraftwerk Mitte.

Sobald die flott feurigen Csárdás-Melodien erklingen, ist aller Kummer vergessen. Im Glanz der Bühne gibt die lebensfrohe Sängerin Sylva (voll Stolz und Hingabe: Elvia Hansanagic) im roten Glitzerdress, inmitten von Showgirls und jubelnden Varietégästen, ihre Abschiedsvorstellung. Sie will nach Amerika auf Tournee gehen, um ihrer aussichtslos scheinenden Liebe zu entfliehen. Doch sie hat längst das Herz des Fürstensohns Edwin (naiv-trotzig: Daniel Szeili) erobert, der eilends ein Eheversprechen an Sylva im Amüsierlokal abgibt und damit gegen seinen Vater Fürst Lippert-Wylersheim (als scheinheiliger Despot: Alois Walchshofer) aufbegehrt.

Der strikt gegen eine Heirat mit der fremden Tingel-Tangel-Sängerin ist, vor allem weil er die bevorstehende Wahl zum Bundeskanzler gewinnen will. Der die verstoßene Csárdásfürstin dann aber kurioserweise als vermeintliche Gräfin in schicker Abendrobe galant hofiert auf dem Ball im Wahlkampf. Dies führt zu allerhand komisch-dramatischen Turbulenzen und verblüffenden Wahrheiten im Wechsel von Show- und Politikbühne in der Kulisse von Varieté-Theater und Wiener Hofburg in dieser Inszenierung unter Regie von Axel Köhler.

Das Publikum wird in eine Welt des schönen Scheins und der Illusionen entführt, man feiert und vergnügt sich als gäbe es kein Morgen, Unheilvolles wird ausgeblendet. Das macht das Spannende wie Zwiespältige der kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges entstandenen, zeitlos gültigen Operette aus. Zu erleben waren bezaubernd schöne Stimmen in einer witzig-ironischen Farce über die Launen und Macht der Liebe, Heuchelei und Etikettenschwindel in der sogenannten feinen Gesellschaft. Für Würze im Liebes-Poker sorgt auch noch Sylvas quirliger Manager (Hauke Möller), der als Graf  Boni Káncsiánu mit gekauftem Adelstitel aus den USA zurückkehrt und sie als seine Frau ausgibt, doch eigentlich hat er es auf Edwins süß-kesse Verlobte, Komtesse Anastasia (Annika Erhards) abgesehen. Edwin erkennt Sylva und will eifersüchtig und erzürnt über die angebliche Untreue des Freundes selbst die falsche Gräfin heiraten, die seine Eltern eher als die Zigeunerin Sylva akzeptieren würden.

Doch es kommt zum Eklat. Sylva will ihr Glück nicht auf einer Lüge aufbauen und enthüllt auf der Wahlparty des Fürsten ihre wahre Herkunft. Dort tischt auch noch seine trinkfreudige Gemahlin (Ingeborg Schöpf) ihm einige Wahrheiten auf, die ihn vollends ruinieren. Fast hätte Edwin sich aus Liebeskummer schon erschossen.
Doch er knallt nur mit der Tür, um seine Csárdásfürstin endlich über alle Hindernisse hinweg doch noch in die Arme zu schließen.

Die Handlung kommt zunächst etwas schleppend in Gang, doch dann steigert sich die Musik im zweiten Teil furios, klanggewaltig, romantisch, beschwingt und mitreißend, der Kriegsausbruch wird nur mit ein paar militärischen Trommelwirbeln angedeutet (musikalische Leitung: Peter Christian Feigel). Und in Gestalt des düster sittenstrengen Generals in schwarzer Uniform, Edwins Onkel (Jürgen Mai), der ihn aus dem Varieté-Theater abführt. Einen modernen Anstrich verpassen der Operette die Tänzer, die mal als frivol-rückenfreie Kellner und Großaufgebot von Bodygards in dunklen Anzügen und Sonnenbrillen, mit Handys und Pistolen herum fuchteln und steppen. Höhepunkt der Aufführung sind die fröhlich-übermütigen Csárdas-Tänze samt „Teufelsgeiger“, mittendrin die Liebespaare. Begeisterter Beifall vom Publikum für einen schillernd farbreichen Abend der großen Gefühle.

Text (lv)

http://www.staatsoperette.de

 

 

Premiere „Freibier wird teurer“ im Kabarett-Theater Herkuleskeule


Foto: Hans-Ludwig Böhme

„Wir schenken der Welt eine Schönheits-OP!“

Voller Witz und Widersinn, Lust und Frust streiten und parodieren Birgit Schaller, Hannes Sell und Jürgen Stegmann all die täglichen großen und kleinen Katastrophen in Politik und Privatem im neuen Programm „Freibier für alle“ im Kabarettkeller Herkuleskeule im Kulturpalast.

Ist die Welt noch zu retten? In einer Zeit, wo das Wetter immer verrückter spielt, ganze Landstriche veröden und mit ihren die Menschen, weil es dort nichts mehr gibt. Sogar „Freibier wird teurer“! Komische Aussichten, so der Untertitel, und Gründe zum Aufregen, Streiten und Wundern gibt es also reichlich im neuen Programm des Kabaretts Herkuleskeule im Kulturpalast, das am Donnerstag Abend Premiere feierte.

Da wird die Bühne zur Kneipe und umgekehrt, in der die verschiedensten Typen und Meinungen aufeinander prallen in bekannten und neuen Texten von Autor und Produzent Wolfgang Schaller und vielen anderen Autoren in der Regie von Matthias Nagatis. In den Szenen, Liedern und Tanzeinlagen wechseln Katastrophen und Unterhaltung, Politik und persönliche Haltung, Lust und Frust, Albernes und Berührendes voller Witz und Widersinn, mit der Themenfülle und dem schnelllebigem Zeitgeist ringend. Da geht allerdings manche Feinheit und Pointe im temporeichen Wortwechsel verloren.

Mit und ohne Bierflasche, aufgespanntem Regenschirm für alle Fälle und Zeitung in der Hand, streiten und parodieren die Vollblutkabarettistin Birgit Schaller, ihr junger, sehr agiler Kollege Hannes Sell und Schauspieler Jürgen Stegmann, der erstmals auf der Herkuleskeulbühne steht, mal derb-komisch bis geschliffen satirisch über alte und neue Feindbilder in Ost und West, Wohlstandsmüll und geistige Armut, Angst vor Terror, Fitness- und Selbstoptimierungswahn, Wahrheit und Lüge in Politik, Medien und sozialen Netzwerken. Die Kabarettisten animieren die Zuschauer zum Mitsingen, im Kanon schmettern sie zusammen: „Allen geht es gut, aber allen geht es schlecht. Keiner weiß Bescheid, aber alle haben recht.“ Und sie werden klangreich, von Schlager über Tango bis Rap, begleitet von den Musikern Jens Wagner und Volker Fiebig an Klavier, Saxofon, Geige und Akkordeon. Da fragt Birgit Schaller die
Zuschauer, ob sie noch Kästner kennen. Nein, nicht den gleichnamigen
Kondomversand! Schön auch, wie sie einen übereifrigen Polizisten im Antiterroreinsatz (Sell) mit ihren weiblichen Waffen abblitzen lässt. Verrucht und krass nimmt sie frei nach dem Brecht-Song „Nur keine Scham, Johnny!“ hemmungslose Gier nach Barem aufs Korn und fragt mit einem Ohrwurm von Helga Hahnemann: „Wo sind die Taler geblieben…“

Zu Herzen gehen auch Schallers Auftritte als erzgebirgische Klöpplerin, die die moderne Welt nicht versteht und ihre poesievoll-clowneske Bewunderung für den Erd-Luftballon, den sie hält und düsterem Zukunftsszenario mit fühllosen Robotern. „Am besten, wir schenken der ganzen Welt eine Schönheits-OP“, überlegt Jürgen Stegmann. Er sorgt mit trockenem Humor als gemütlich waschechter Sachse, aberwitzig spekulierender „Islamexperte“ im Stil von Loriot und als wiederauferstandener, abgeklärter Jesus mit Dornenkrone für viele Lacher. Als Überraschung zum Schluss begeistern zwei Breakdancer, Thomas und Patrick von den „Beat fanatics“ kraftvoll-bewegungsreich, auf und ab über den Boden wirbelnd, immer wieder aufstehend. Reichlich Beifall für einen wunderbar lebensprallen Abend.

Text (lv)

http://www.herkuleskeule.de

Ein Dickhäuter hält die Stadt in Bann: „Die Nashörner“ im Kleinen Haus


Fotos: Sebastian Hoppe/Staatsschauspiel Dresden

Ein Nashorn in der Stadt! Ein Fall höherer Gewalt!

Das absurd-komische Stück „Die Nashörner“ von Eugène Ionesco über Individualität, graue Masse, gefährliche Hirngespinste und die Kraft der Einbildung ist heute, am 20. Juni, um 19.30 Uhr nochmals im Kleinen Haus in Dresden zu sehen.

Eine Gruppe Gestalten, nach hinten geneigt, mit starren Körpern und weit ausholenden Schritten marschiert an den Bühnenrand. Stoppt kurz vor dem Publikum. Sie strömen
auseinander, treten in Spielflächen die Lage- oder Stadtplänen ähneln. Ein Mann lässt einen anderen über seinen Rücken nach unten rutschen. Ein anderer sagt, er habe nur Vertrauen zu Tierärzten. Eine Frau hält ein Fell in der Hand, redet mit ihm wie einem „Kätzchen“und legt es sich um den Hals.
Plötzlich bleiben alle schreckerstarrt stehen: „Ein Nashorn! Das ist die Höhe!“, ruft die Menge entsetzt. Ein Nashorn, das frei herumläuft in der Stadt, das geht doch nicht!

Sie rätseln woher es kommt, was es will von ihnen, ob es ein oder mehrere Hörner hat, wie es sich verhält und was man von der ganzen Sache halten soll. Denn nach und nach zeigen immer mehr Bewohner des kleinen Ortes nashornähnliches Gebaren und wer sich anders verhält, wird ausgegrenzt, verfolgt, für verrückt oder krank erklärt. Das ominöse Tier wirbelt mächtig Staub auf in der ebenso absurd-komischen wie beklemmend-düsteren, metapherreichen Inszenierung „Die Nashörner“ nach dem Stück von Eugène Ionesco unter Regie von Juliane Kann mit Studenten des Schauspielstudios der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy Leipzig am Staatsschauspiel Dresden.

Ein grotesk-abgründiges Stück über (Un)Sinn, Logik, Willen, Naturgesetze, Moral, Träume und Realität mit tollen, eigensinnigen Darstellern.

Letztmals in dieser Spielzeit zu sehen am 20. Juni, um 19.30 Uhr im Kleinen Haus.

Text (lv)

Ausstellung „Tonungen“ in der Galerie mit Weitblick Radebeul

Farbklänge der Natur

Feinsinnige Fotographik von Hartmut Opitz und filigrane  Plastiken von Frank Schauseil vereint die Ausstellung „Tonungen“ in der Galerie mit Weitblick Radebeul.

Knorrige, uralte Baumriesen in markantem Schwarzweiß,
eine Allee in gleißendem Licht, Boote vor dem Aufbruch, 
bizarre Felswände, das rätselhaft-schemenhafte Innere einer Höhle faszinieren in feinabgestuften „Tonungen“.

So heißt die neue Ausstellung in der „Galerie mit Weitblick“auf der Oberen Bergstraße 13 in Radebeul. Dort hält die Fotographik von Hartmut Opitz derzeit Zwiesprache mit den filigranen Bronzeplastiken voll archaischem Zauber, romantisch, skurril und versponnen-hintersinnig, von Frank Schauseil. Beide Künstler lernten sich erst in der „Galerie mit Weitblick“ kennen. Ihre Arbeiten kontrastieren und ergänzen sich mit ihrem Blick auf Schönheit, Erhabenheit, Berührtsein von der Natur, ihren Urkräften ebenso wie ihrer Gefährdung und Umweltzerstörung. Die Aufnahmen von Hartmut Opitz sind analog und auf Silbergelantine Barytpapier gefertigt. Der Reiz liegt für ihn nicht nur im Fotografieren, er entwickelt auch alle seine Bilder selber und verleiht
ihnen eine ganz eigene, edle Wirkung und Stimmung mittels der heute nur noch selten angewandten Technik der Tonung. Im schnelllebigen digitalen Zeitalter 
ist der Gang in die Dunkelkammer für Opitz immer noch ein Abenteuer und jedes entstandene Bild ein Unikat.

Das Foto wird dabei in ein Kupfertonbad aus Metallsalz gelegt, erklärt er, und je nach Verweildauer entstehen Farbtöne von hell bis intensiv, sepia- oder kupferfarben und graublaue bis grüne Nuancen. Noch aufwendiger sind die Mehrfachtonungen, die in vielen kleinen Zwischenschritten die grafische Wirkung der Fotografien verstärken. Wie in den Ansichten mit verwitterten dunklen Buhnen im Gegenlicht, die Abendstimmung am Meer mit schwarzem Boot am Strand, der von Bergwänden umgebene Stausee Mattmark in der Schweiz mit aufgeschichteten Steinskulpturen oder die gewaltig-formreichen Tyssaer Wände I – V. 

Die Aufnahmen entstehen meist im Urlaub. Den acht Kilo schweren Rucksack mit der Fotoausrüstung und seine Pentacon Six-Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven noch aus DDR-Zeiten hat er immer dabei. Diese sei bei Fotografen nicht besonders beliebt gewesen, da sie auf minimalste Erschütterungen reagiere. „Es ist wie bei einem Maler mit etwas ausgefranstem Pinsel, der trotzdem beachtliche Bilder malt“, sagt Hartmut Opitz schmunzelnd. 

Jetzt als Rentner habe er auch mehr Zeit für seine fotografische Passion. Er hat als Handwerker in der Sächsischen Baumschule gearbeitet, beschäftigt sich seit den 1980er Jahren mit Fotomontage und Tonung, ein Schlüsselerlebnis war für ihn eine Ausstellung mit Fotografik von Ullrich Lindner im Dresdner Schloss/Pretiosensaal. In der Sächsischen Landesbibliothek suchte Opitz nach alten Rezepturen für die Tonungen seiner Fotoaufnahmen und entdeckte in einem Buch des amerikanischen Fotokünstlers Tom Worobic die Technik der Mehrfachtonung, die er seither intensiv nutzt.

Urwüchsig und gegenwärtig zugleich erscheinen die grazilen Bronzefiguren des Bildhauers Frank Schauseil. Nach einer Lehre als Steinmetz hat er an der Dresdner Kunsthochschule von 1993 – 1999 studiert, erwarb sein
Diplom bei Professor Martin Honert und lebt und arbeitet als freischaffender Künstler in Dresden. In der Ausstellung begegnen einem ein Komoranfischer 
auf einem langen Boot, ein Vogel sitzt auf einer Angel mit ausgebreiteten Schwingen. Ein „Sternenguckerpaar“ trifft auf archaische „Paddelbootromantik“, ein „Tornado“-Trichter auf einen emporankenden „Wächter“. Die Urform entsteht in Wachs oder Gips, danach die Silikonform und der Bronzeguss. Die Einzelteile schweißt, bohrt und fügt Schauseil zusammen zu seinen luftig-leicht wirkenden Plastiken, oft mit einer Prise Humor.

Dies ist die nunmehr 15. Schau im 6. Jahr der Galerie mit Weitblick, die derzeit ums Überleben kämpft. Mit besonderen Kunsterlebnissen und einmaliger Aussicht aus der Höhe aufs Elbtal ist die Wochenendgalerie von Dorothee Kuhbandner ein Anziehungspunkt für Kultur- und Naturliebhaber, die den etwas weiteren Weg herauf nahe der Weinberge nicht scheuen. Doch es fehlt regelmäßiges, die Galerieangebote nutzendes Laufpublikum. Die Ausstellung „Tonungen“ ist noch bis 23. September zu sehen. 

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Sa & So von 14 – 18 Uhr und nach Vereinbarung

http://www.doro-malerei.de

Reise ins persönliche Universum – Ausstellung „Indiversen“ im Lügenmuseum Radebeul

              

Was die Welt im Innersten zusammenhält

Mit Objekten von 20 Künstlern können die Besucher wie durch einen Zeittunnel in die „Indiversen“, Eigenwelten von Künstlern, und wieder zurück ins große Ganze reisen. Am 20. Juni, um 19.30 Uhr wird der neue Ausstellungsraum im Lügenmuseum Radebeul im alten Gasthof Serkowitz eröffnet von Thomas Gerlach und Richard von Gigantikow.

Die letzte Ausstellung „Poetische Orte“ präsentierte 22 internationale Künstler mit eigenen Museen. Die neue Ausstellung „Indiversen“ widmet sich den Innenwelten der Künstler und knüpft an das Phänomen der Kunst- und Wunderkabinette an. Künstler treten in der künstlerischen Praxis in Opposition zur Logik der Universalien und erforschen die lebendige Sinnlichkeit und zeitgemäße Sinnhaftigkeit von Kunst. Sie positionieren ihre Ausstellungsstücke wie Symbole unbewusster Erfahrungen. Als Gegenteile des Universums sind Indiversen jeweils in sich geschlossene Eigenwelten der Individuen – kurz das persönliche Universum: die gesamte Raumzeit, welche sich im Augenblick der Beobachtung auf ihren Mittelpunkt – die Gegenwart der Beobachtung – bezieht. Nur Künstlern ist die Möglichkeit gegeben, die – teils verhärteten – Schalen aufzubrechen.

Die Objekte von 20 Künstlern lassen die Besucher wie durch einen Zeittunnel in die „Indiversen“ und von dort wieder zurück ins große Ganze reisen. Perry Argel, Philippinen, Mark Divo, Schweiz, Muriel Cornejo und César Olhagaray, Chile, Sophie Cau, Frankreich, Komatsu Tsunetaka, Japan, Jola Brejdak, Polen, Popke Backer, Niederlande, Otis Laubert, Slowakei, Getulio Damado, Brasilien, Caroline Wilkins und Thierry Noir, England und von hier Holger John, Anna Maria Scholz, Lutz Fleischer, Frank Herrmann, Edda Kallweit, Stefan Voigt, Nils Duemke und Justus Ehras, Jan und Thomas von Arx.

Kurator der Ausstellung ist Richard von Gigantikow. Als Nationaltherapeut erforschte er die Abgründe deutscher Befindlichkeiten. Sein Forschungsgebiet: Nationalismus, eine regional verbreitete Hysterie, durchaus heilbar. Künstler sind für diesen Heilungsprozess besonders geeignet, denn sie können mit Gefühlen spielen, sie können auch die Wut, die die Bürger auf die Straße treibt, dressieren.

Die fabelhafte Welt des Lügenmuseums empfiehlt sich in verunsichernden Zeiten unbedingt als Heilbehandlung. Lassen Sie sich eine Visite verschreiben, ihre Krankenkasse wird sicherlich die Kosten übernehmen.

Text + Foto: Reinhard Zabka

Kunst der Lüge e.V.
Telefon: 0176 – 99 02 56 52
E-Mail: info@luegenmuseum.de
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Witzig-poetische Familiensaga: „Wo ein Vogel am schönsten singt“ im Kleinen Haus


Foto: Sebastian Hoppe/Staatsschauspiel Dresden

„Die Wirklichkeit ist eine Umwandlung unserer Träume“

Eine bewegend-bilderreiche Familiengeschichte im Spannungsfeld von Unterwegssein und Ankommen, Tradition und Moderne erzählt das Stück „Wo ein Vogel am schönsten singt“ nach dem Roman von Alejandro Jodorowsky im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

In der Bühnenmitte steht ein Baum mit Ästen voller Kleidungsstücke. Der Ich-Erzähler nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise zu den Wurzeln seiner Familie, seines Vaters und seiner Mutter und erlebt am Ende der Geschichte seine eigene Geburt. „Die Wirklichkeit ist eine allmähliche Umwandlung unserer Träume“, sagt er zu Beginn. Dichtung und Wahrheit liegen nah beieinander in dieser mit viel Witz und Poesie, fröhlichen, temperamentvollen und sehnsuchtsvoll-schwermütigen Akkordeonmelodien und Tango-Klängen erzählten, russisch-jüdischen Einwanderungsgeschichte Anfang des 20. Jahrhunderts in Chile und Argentinien.

„Wo ein Vogel am schönsten singt“ nach dem gleichnamigen Roman von Alejandro Jodorowsky, der 1992 erschien, setzt sich in der Inszenierung unter Regie von Mina Salehpour mit Flucht, Heimatlosigkeit, Unterwegssein und Ankommen, Religion und  Identität auseinander in einem farb- und fantasiereichen Bilderreigen mit schnellem Figurenwechsel. Es agieren fünf Schauspielerinnen und Schauspieler, die Männer- und Frauenrollen spielen, angeführt vom gewitzt-ironisch über die Bräuche wachenden Rebbe (Philipp Lux), als gutem Geist aus der Zwischenwelt, der die Familie auf ihrem gefahrvollen Weg voller Träume, Auf- und Umbrüche und Konflikten zwischen Tradition und Moderne begleitet. Viel Beifall vom Publikum.

Text (lv)

Nächste Vorstellungen: 17.6., 19 Uhr und 25.6., 19.30 Uhr im Kleinen Haus.