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Keine für Alle! – Lara Finesse

Hervorgehoben

Kolumne: Neue Mauern…

Wie es zu meinem Namen kam, das bleibt mein Geheimnis. Ob es mich wirklich gibt? Nun ja. Wie heißt es so schön: Ich denke, also bin ich. Was auch nicht unbedingt selbstverständlich ist. Neulich hörte ich im Radio in einer Humorsendung, es war gerade Fasching, den unglaublichen Satz: Das Lachen unterscheide den Menschen vom Tier. Das habe kein Geringerer als Aristoteles einst festgestellt, wie auch die gefährliche und befreiende Wirkung auf die Lachenden und Ausgelachten zeitlos ist.

Wer lacht, zeigt, dass er etwas erkannt und verstanden hat. Oder es zumindest meint. Während Tiere, wenn sie lachen mit heraushängender Zunge oder fiependen Lauten,gar nichts denken, sondern sich einfach ihres Daseins freuen. Das unterscheidet Tiere tatsächlich sehr von Menschen.

Manche von letzteren verziehen keine Miene, egal was um sie herum passiert. Es ist ja nicht zu übersehen, dass sich gerade ein großer Wandel in der Welt von draußen nach drinnen – damit meine ich nicht nur die über Ländergrenzen hinweg ziehenden Flüchtlingsströme – vollzieht. Neue Mauern tun sich auf, mit denen wir uns selbst umgeben. Man sehe sich nur die Leute an, die draußen unentwegt nach unten auf diese glatten, flimmernden Teile starren und darauf herumtippen und die Ohren oft verstöpselt halten.

Wie ferngesteuert laufen sie durch die Gegend, manche rennen einen fast um. Ich frage mich dann immer: Was ist so ungeheuer wichtig, dass diejenigen dieses Teil kaum eine Minute mehr aus den Augen lassen?! Was würde passieren, wenn sie es verlieren? Was taten sie, bevor es Smartphones gab?

Mittlerweile braucht man gar nicht mehr aus dem Haus zu gehen. Man bekommt alles aus dem weltweiten Netz. Man kann Tag und Nacht einkaufen, mit den Augen überallhin reisen, sich vergnügen, den idealen Partner per Fragebogen zusammenpuzzeln, für zwischendurch, nur virtuell oder auch mal in echt. Heldenhafte Essensbringer aus dem Internet (die nennen sich wirklich so!) gibt es auch inzwischen.

Anderes wie Postkarten und Briefe schreiben, stirbt allmählich aus. Vielleicht werden Briefkästen deshalb auch immer seltener?

Neulich fragte tatsächlich jemand auf Facebook, ob es eigentlich noch Schreibpapier gäbe! Als ob es davon abhinge. Wenn man das Bedürfnis hat, kann man auf allem schreiben. Oder? Nur gehen mir leider allmählich die Empfänger aus. Es wird noch soweit kommen, dass ich mir selbst Karten und Briefe mit schönen Briefmarken schreibe, nur um mir die unverhoffte Freude, dass jemand an einen denkt und überrascht, zu erhalten neben all dem Werbekram und Rechnungen, die mir beim Gang zum Briefkasten täglich entgegen grienen.

Warum gehen wir manchmal trotzdem noch hinaus? Um zu schauen, ob da draußen noch alles da ist, noch andere außer uns und wie die Luft ist. Warm oder kalt. Auf den Wetterbericht ist ja kein Verlass mehr trotz moderner Technik. Das Wetter macht, was es will. Einmal richtig Schnee muss reichen, dann geht der Winter schon wieder. Statt Schlitten und Skier fahren schnelles Surfen im Internet. Merkt doch eh keiner. Seit Ende Januar, draußen ist noch alles kahl und grau, bestürmen einen schon in knallbunten Farben grinsende Schokohasen und Eierallerlei im Supermarkt, obwohl man gerade erst die Silvesterknallerei überstanden hat und das Schatzkästchen auf dem Tisch mit den erfüllten, vergessenen und neuen Wünschen für das neue Jahr noch auf Durchsicht wartet. Indes grüßen schon die ersten Schneeglöckchen auf der Wiese, wird es wieder früher hell und später dunkel. Was manche Nachbarn schon zu eifrig geräuschvollem Frühjahrsputz derart treibt, dass einem Hören und Sehen vergeht. Und das Leben rauscht vorbei.

Macht was draus.

Bis zum nächsten Mal!

Eure Lara Finesse

BilderGedichtKalender 2016 „Von Tier zu Mensch“

Hervorgehoben

Vom Raubtier Mensch

Skurill-poetische Gedichte und Bilder versammelt der neue BilderGedichtKalender von Lilli Vostry und Babak Nayebi.

Ein Mann mit Hahn im breitkrempigen Hut, den nichts zu erschüttern scheint, ist auf dem Titelblatt des Kalenders zu sehen. Gut behütet schaut er in die Welt. Skurril-poetische, heitere und ernsthafte, beherzt geborgene Gedankenflüge und Gefühlssprünge versammelt der neue BilderGedichtKalender für 2016 unter dem Titel „Von Tier zu Mensch“. 

Es ist der nunmehr dritte Kalender, den Lilli Vostry, freie Journalistin und SZ-Autorin, zusammen mit dem iranischen, in Dresden lebenden Bildenden Künstler Babak Nayebi in limitierter Auflage herausgegeben hat im Typostudio SchumacherGebler in Dresden. In Abwandlung der Redewendung „Von Mensch zu Mensch“ wird in reizvollem Kontrast von Bildern und Lyrik das Verhältnis von Mensch und Tier betrachtet. Das Raubtier Mensch, der mal Jäger, mal Getriebener ist, mal innige Nähe und Ausgeliefertsein, Stärke und Ohnmacht erfährt und die verletzte, leidende Kreatur stehen sich gegenüber in den farbigen Ölzeichnungen auf Papier. Es geht außerdem facettenreich, vieldeutig um Zwischenmenschliches. Etwa im Gedicht „Frei Wild“ um Fortschnurren in fremde Galaxien, um Fortträumen, Sehnsucht nach der Ferne und Neues entdecken. Da tauchen Fledermäuse am Strand auf, ergibt sich ein Admiral auf Landgang duftenden Blüten. Da bringt ein rätselhaftes Wesen mit roten Augen, das sich Lori nennt, Schatten zum Leuchten. Und begrüßt eine Robbe das neue Jahr und sucht im unendlichen Weiß nach wärmenden Worten. 

Dieser zeitlose BilderGedichtKalender „Von Tier zu Mensch“ ist jetzt zum Schnäppchenpreis erhältlich. Einige Exemplare sind noch über die Autorin Lilli Vostry auf Anfrage zu beziehen.

3. Talk im Kunstkeller zur Kunst des Liebens: „Liebe ist die größte Kraftquelle“


Moderatorin Kirsten Balbig im Gespräch mit einem Besucher. Im Hintergrund
Galerist und Fotokünstler Volkmar Fritzsche.

„Liebe ist die größte Kraftquelle“

Männer und Frauen wollen nur das Eine. Geliebt werden und lieben. Warum fällt es ihnen dann heutzutage so schwer, zusammen zu finden? Was braucht es für erfüllenden Sex und beglückende Partnerschaften? Darum ging es beim 3. Talk im Kunstkeller Dresden unter dem Titel „Die Kunst des Liebens oder Sex als Gebet“ am Sonnabend.

Die Liebe kommt, die Liebe geht… Mal überfällt sie einen blitzartig, mal kommt sie leise, unauffällig, fast unbemerkt. Mal lodert sie heftig, mal flimmert sie unruhig und unbeständig. Ihre Sprache ist so vielfältig wie es Menschen gibt auf der Welt.

Kann man dann überhaupt über Liebe reden? Man kann. Das zeigte dieser Abend im Kunstkeller auf der Radeberger Straße 15, bei dem es anfangs scheu, später offener, lockerer, zuhörend und Fragen stellend, eigene Erfahrungen schildernd, einfühlsam und mitfühlend zuging. Erstaunlicherweise waren mehr ältere Zuhörer als jüngere erschienen. Erfreulich jedenfalls, dass die Liebe kein Lebensalter kennt.

„Liebe und Sex ist die größte und schönste Sache der Welt und kann eine Kraftquelle für die Menschen sein“, sagt Kirsten Balbig, die Moderatorin der Gesprächsrunde. Sie hat viele ihrer Leidenschaften zum Beruf gemacht wie Erzählkunst, Gesang, Musik, Tanz. Außerdem hat sie eine Ausbildung als ganzheitliche Lebens- und Paarberaterin absolviert. Sie erzählte unbefangen und freimütig von ihren eigenen Beziehungserfahrungen und ihrem schon immer vorhandenen Forscherdrang rund um Lust und Liebe. Sie kennt tiefe Nähe ebenso wie pures Begehren.

„Wenn man sich wirklich öffnet und einem Mann beim Sex in die Augen schaut, dann sieht man sein Leben, seine Seele“, sagt sie. In diesen Momenten könne sie ganz klar sehen. Freilich habe sie manches auch nicht gesehen aus Unwissenheit.

Doch erst im Zusammensein lernt man seine Bedürfnisse kennen und Grenzen setzen.
„Wirklich bewusster, liebevoller, in die Tiefe gehender Sex nutzt sich nicht ab“, glaubt Kirsten Balbig. Je länger man zusammen sei, um so schöner und intensiver könne er werden. Nach einem Jahr werde es erst richtig spannend.

Mehr Text folgt.

Text + Fotos (lv)

 

 

 

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Peter Rösel spielt Mozart: „Unauslöschliches“ im 2. Philharmonischen Konzert an den Landesbühnen

Foto: Koichi Miura

Klänge, die man nicht vergisst

Der bekannte Dresdner Pianist Peter Rösel ist in einem neuen Klavierkonzert mit der Elblandphilharmonie Sachsen am 18. November, 19 Uhr in den Landesbühnen Sachsen zu erleben.

Das 2. Philharmonische Konzert der Elbland Philharmonie Sachsen unter dem der Leitung ihres Chefdirigenten Ekkehard Klemm steht unter dem Motto „Unauslöschliches“. Der 2016 verstorbene Komponist Einojuhanni Rautavaara gehört zu den ganz bedeutenden Meistern Finnlands in der Nachfolge von Jean Sibelius. Die 5. Sinfonie ist ein zentrales Werk seines Schaffens. Geprägt sind Rautavaaras weltweit gespielte Werke von einem überlegenen sinfonischen Zugriff und klarer Dramaturgie.

Unauslöschlich sind Mozarts Klavierkonzerte im Gedächtnis der Musikwelt festgehalten. Mit Peter Rösel kehrt ein weltbekannter Pianist zurück zur Elbland Philharmonie Sachsen, seine Aufnahmen der Mozart-Klavierkonzerte mit den Dresdner Kapellsolisten sind gerade in Japan erschienen und werden mit begeisterten Kritiken gefeiert. Carl Nielsens 4. Sinfonie entstand mitten im 1. Weltkrieg zwischen 1914 bis 1916 und ist dramatisch und kämpferisch angelegt. Höhepunkt ist ein veritabler ‚Kampf‘ zweier Paukisten, die in einer ausgedehnten Kadenz des letzten Satzes das ‚Unauslöschliche‘ zu einem triumphalen Schluss führen. Dazwischen erstrecken sich lange und wundervolle lyrische Passagen mit den typisch skandinavischen endlosen Melodien. Das Werk wurde 1917 uraufgeführt und feiert somit sein 100. Jubiläum, wie es uns am Vorabend von 2018 an das Kriegsende von 1918 erinnert.

Text: Petra Grubitzsch/Landesbühnen

PROGRAMM

Einojuhani Rautavaara- 5. Sinfonie , dem 2016 verstorbenen Komponisten in memoriam

Wolfgang Amadeus Mozart –  Klavierkonzert c-Moll KV 491

Carl Nielsen – 4. Sinfonie op. 29 „Das Unauslöschliche“ aus Anlass des 100. Jubiläums der Uraufführung

SOLIST

Peter Rösel (Klavier)

DIRIGENT

Ekkehard Klemm

Einführungsveranstaltung 30 Minuten vor Konzertbeginn

Informationen und Tickets, Kasse der Landesbühnen Sachsen GmbH ,
Meißner Str. 152, 01445 Radebeul; Tel. 0351/ 89 54 214, Fax 0351/ 89 54 213, www.landesbuehnen-sachsen.de

Felsenbühne Rathen, Amselgrund 17, 01824 Kurort Rathen,  Tel. 035024/ 777-0 www.felsenbuehne-rathen.de

 

 

Die Zunft der Künste im Ostragehege

Erneut Leben im Ostrale-Gelände

In die Futterställe zieht nochmals zeitgenössische Kunst im November und Dezember. Die Hochschule für Bildende Künste Dresden ist auch mit einem kreativem Projekt vor Ort.

Die OSTRALE – Zentrum für zeitgenössische Kunst – unterstützt diverse Institutionen, gemeinsam werden sehenswerte Veranstaltungen und Ausstellungen ausgerichtet. In den nächsten Wochen gibt es insgesamt drei Möglichkeiten zum Kunsterlebnis, darunter zwei auf dem ehemaligen Veranstaltungsgelände der internationalen Ausstellung zeitgenössischer Künste. Ebenso sind derzeit ausgewählte Werke der OSTRALE – Biennale im Dresdner Universitätsklinikum zu sehen.

Out of OSTRALE – Edition „re-zept“ (09.10.2017-26.01.2018)

Im Rahmen der langjährigen Kooperation der OSTRALE mit dem Universitätsklinikum Carl Gustav Carus findet an der Fetscherstraße derzeit noch bis 26.01.2018 die Ausstellung re_zept statt. Gemeinsam mit dem Vorstand des Uniklinikums wurden zwölf Werke der diesjährigen OSTRALE Biennale O’17 „re_form“ ausgewählt. „re_zept“ bindet die OSTRALE-Kunstwerke in einen anderen Kontext ein und bietet den Betrachtern somit veränderte Perspektiven und die Möglichkeit neuer Rezeption. Ebenso öffnet sich die OSTRALE damit erneut einem erweiterten Publikum.
Am 12.12.2017, um 17:00 wird es einen feierlichen Empfang mit Begrüßung des medizinischen Vorstands Prof. Dr. med D. Michael Albrecht geben. Eine Einführung in die Ausstellung gibt einer der Kuratoren der OSTRALE 2017, Oliver Kratz.

Geöffnet: Mo.-Fr. 07:00 – 18:00 Uhr, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Fetscherstr. 74, Verwaltungsgebäude/Haus 1, 1. OG

“Unknown Pleasure Under Pressure II” (10.11.–19.11.2017), Eröffnung Freitagabend

Die OSTRALE begrüßt die Studierenden der Bildhauerklassen Prof. Susanne Windelen (Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart) und Prof. Monika Brandmeier (Hochschule für Bildende Künste Dresden). „Unknown Pleasure Under Pressure II“ ist eine Ausstellung von Werken, die derzeit während einer gemeinsamen Arbeitswoche von Studierenden beider Bildhauerklassen für den Ausstellungsort der Ostrale entwickelt und realisiert werden. In kleinen Arbeitsgruppen begegnen sich die studierenden Künstler beider Klassen, tauschen sich aus, suchen nach einem gemeinsamen Ausgangspunkt und entwerfen zusammen ein neues Projekt.

„Unknown Pleasure Under Pressure II“ ist der zweite Teil eines Projekts, das in seiner ersten Arbeitsphase im Januar 2017 in Stuttgart stattfand, dessen Arbeitsergebnisse bereits im Kulturzentrum Karlskaserne in Ludwigsburg gezeigt wurden. In den Futterställen des OSTRALE Geländes findet das Projekt nun eine neue kreative Plattform.

Geöffnet: 11.11.–19.11.2017, Mo–So 11–17 Uhr

Öffentliche Verkehrsmittel: Linie 10 bis „Messe Dresden“,
Auto: Dresden, Zur Messe 9, Parkplatz P2 (Messering 8)

„Zunft der Künste“ – Der Eisengraf lädt ein! (18.+19.11.2017)

Das Atelier Eisengraf schließlich hat seine Heimat schon lange auf dem OSTRALE Gelände. Zum dritten Mal präsentiert hier die „Zunft der Künste“ – am 18. und 19. November von 11 – 19 Uhr – nun Skulpturen, Schmuck, Malerei, Grafik, Holz- und Keramikarbeiten verschiedener Künstler zum Ansehen und zum Kauf im außergewöhnlichen Ambiente der alten Schlachthofhallen. Die Veranstalter versprechen „den ersten Glühwein der Saison, ein kostenfreies Kuchenbuffet und nachmittags handgemachte Musik“.

Nachdem die Biennale dieses Jahr mit mehr als 30.000 äußerst erfolgreich vorerst letztmalig im Ostragehege stattgefunden hatte (ein neuer Ort steht noch nicht fest), bereitet das Team derzeit bereits die OSTRALE 2019 vor. Ebenso wird aktuell an der Präsentation der zeitgenössischen Künste im Rahmen der europäischen Kulturhauptstadt Valletta auf Malta 2018 gearbeitet, wo die OSTRALE unter anderem zahlreiche Werke sächsischer Künstler präsentieren wird.

WEITERE INFORMATIONEN / KONTAKT:

OSTRALE Zentrum für zeitgenössische Künste
OSTRALE / Büro, Messering 20, 01067 Dresden, Tel +49 351 653 37 63, post@ostrale.dewww.ostrale.de, OSTRALE: / Ausstellung: Zur Messe 9, D-01067 Dresden, Förderverein: www.ostrale-freunde.de

Text: Tobias Blaurock für die Ostrale

 

3. Talk im Kunstkeller – Die Kunst des Liebens oder Sex als Gebet

Kirsten Balbig, Musikerin, Moderatorin und Paarberaterin

Plädoyer für eine neue Liebes- und Beziehungskultur

Was ist „guter Sex“? Kunst? Gekonnte Technik? Gebet? Wie kann Sex zu einem tief beglückenden Geschehen werden – weit über den Orgasmus hinaus? Ist tief berührender Sex auch ohne Liebe, nur auf Basis gegenseitiger Sympathie möglich? Kann Sex ein „heiliger Akt“ sein, der Glücksgefühle – über nur körperliche Lust hinausgehend – ermöglicht?

Wenn ja, wie gelangt man zu einer solchen erfüllten Sexualität? Um diese und weitere thematisch naheliegende Fragen soll es am 17. November, um 20.30 Uhr (Einlass: ab 20 Uhr) im 3. Talk im Kunstkeller Dresden auf der Radeberger Straße 15 gehen, den diesmal Kirsten Balbig moderiert. Sie ist u.a. als Paarberaterin tätig.

Sie dürfen mitdiskutieren oder auch nur zuhören. Niemand wird zur Meinungsäußerung genötigt.

Die Veranstalter bitten um Verständnis, dass zur Kostendeckung des Abends ein Eintritt von 7 Euro (inkl. Ausstellungsbesichtigung) erhoben wird.

Text: Volkmar Fritzsche/Kunstkeller
Foto: Kirsten Balbig

BilderAlbum: Wohlfühlort – SingTrommeln im Atelier von Antje Seewald in der Kümmelschänke Omsewitz

Musik und Kunst bringen ein Lächeln in den Alltag

Im Atelier von Antje Seewald kann man zusammen mit Freunden, Kollegen oder Familie in individueller Atmosphäre feiern und schöne Dinge gestalten.

Vor den farbenfrohen Bilderwänden und meditativen Objekten im Kerzenschein macht das gemeinsame Musizieren gleich noch mehr Freude: Rund ein Dutzend Menschen saßen zusammen in der SingTrommelrunde mit Corynna Kilian, die sich diesmal am Sonntag abend im Atelier von Antje Seewald in der Kümmelschänke Omsewitz am westlichen Stadtrand von Dresden traf. An der großen Tischtrommel erklangen schöne alte, kraftvolle Natur- und Erdlieder, Lieder der Hoffnung und eines für den Tanz von Shiva und Skakti, das Männliche und Weibliche in aller Vielfalt.

Im Atelier von Antje Seewald ist Malerei und Papierkunst zum Träumen und Innehalten zu sehen. Es ist ihr ein Bedürfnis, die Welt mit ihren Werken ein wenig freundlicher und lichtvoller werden zu lassen. „Kunst bringt ein Lächeln in den Alltag“, so lautet ihr Motto. Jeder Mensch trage eine schöpferische Kraft in sich, die ihn zu mehr Freude uns Ausgeglichenheit führen kann.

In ihren Kursen begleitet sie Kinder und Erwachsene dabei, dieses Potenzial ans Licht zu bringen. Dazu stehen verschiedene Materialien zur Verfügung, um in anregender Atmosphäre zu malen und schöne Dinge zu gestalten oder sich einem bestimmten Thema auf künstlerische Art zu nähern. Wer mag, kann hier einen Malkurs mit Freunden, Kollegen oder Familie vereinbaren oder eine Geburtstagsfeier mit Kindern kreativ gestalten.

Interessierte können die Künstlerin Antje Seewald nach Absprache im Atelier besuchen, um ihre Arbeiten anzuschauen und sie kennenzulernen (www.antje-seewald.de).

Sie ist auch dabei bei der Adventskümmelei, ein Markt mit vielen regionalen Künstlern und Kunsthandwerkern, Weihnachtsmusik und gemeinsamem Singen mit der Gruppe Zugabe am Lagerfeuer, märchenhaften Lesungen und Klanggeschichten im Gewölbekeller und natürlich lukullischen Genüssen aus der Kümmelschänke. Zu erleben am 10. Dezember, von 11 bis 19 Uhr in der urgemütlichen Kneipe auf dem Kümmelschänkenweg 2.

Text + Fotos (lv)

Hinter dem Weg – Malerei und Grafik von Rita Geißler und Plastik von Petra Graupner in der Galerie drei

Petra Graupner, am Fluss (Detail), 2015

Petra Graupner, o.t., (Detailaufnahme der Kleinplastik), 2017

Landschaft von Rita Geißler

Vielschichtig wispernde Farblust

Gemeinsame Ausstellung von Rita Geißler und Petra Graupner in der Galerie drei noch bis 18. November mit Künstlerinnengespräch zur Finissage.

Auf den ersten Blick scheinen ihre Arbeiten wenig gemeinsam zu haben. Doch ihre unbändige, teils figürliche und abstrakte Farben- und Formlust verbindet die Malerei und Grafik von Rita Geißler und die Plastiken aus Gips, Draht, Aluminium und Holz, bemalt mit Acrylfarben, Pigmenten, farbiger Tusche und weißem Farbsand behandelt von Petra Graupner. Die Zartheit und Kraft der Pinselstriche, Kargheit und Klarheit im Linienfluss, aber ebenso vieldeutig Aufschimmerndes, Ahnungs- und Verheißungsvolles begegnen sich, in vielen Farbtönen wispernd, raunend, eigensinnig, sinnierend, kontrastierend und ergänzend, in den Werken der beiden Künstlerinnen. Es sind Blicke auf Mensch und Natur, oft Landschaften am Fluss als Spiegelbilder des Seins, Sichtbares und Unsichtbares, Sicheres und Unwägbarkeiten.

Zu sehen sind sie in der Ausstellung „… hinter dem Weg“ noch bis 18. November 2017 in der Galerie drei auf der Prießnitzstraße 43 in Dresden.

Zur Finissage am 18. November 2017, um 11.00 Uhr gibt es ein  Künstlerinnengespräch. Rita Geißler ist bis 14 Uhr in der Galerie anwesend.

Text (lv)

Fotos: Rita Geißler, Petra Graupner

Dresdner Sezession 89 e.V. | galerie drei Prießnitzstraße 43 | 01099 Dresden |
Telefon 0351. 80 26 710 sezession89@googlemail.com | http://www.sezession89.com

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 15 – 18 Uhr + Samstag 12 – 14 Uhr

Premiere – Tanztheater „Gräfin Cosel“ an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul

Das Tanzstück über das Leben der berühmten Mätresse des sächsischen Königs August des Starken, choreografiert von Carlos Matos und Wencke Kriemer de Matos mit Musik von Antonio Vivaldi und Johann Adolph Hasse bis hin zu Kompositionen der Gegenwart feierte am Sonnabend Premiere in den Landesbühnen Sachsen in Radebeul. Außerdem eröffnete dort die Ausstellung „Begegnungen“ mit Arbeiten von Schülern der Palucca Hochschule für Tanz Dresden.

Das bewegte Leben der Gräfin Cosel und Blicke auf Dresden heute

Anlässlich des 115. Geburtstages Paluccas präsentieren SchülerInnen und Studierende der Palucca Hochschule für Tanz Dresden eigene Werke, die im Kunstunterricht der integrierten Oberschule entstanden sind. Die jungen Kreativen haben in Installationen, Plastiken, Fotografien und Grafiken ihre eigene Interpretation Dresdens als einen Ort für «Begegnungen» verbildlicht und sich dabei vorrangig mit der Form- und Farbsprache des Expressionismus auseinander gesetzt.

Schöne und kluge Verführerin und Gefangene des Königs

Jeder Dresdner, der einmal die Burg Stolpen besucht hat, weiß, dass es sich bei der Reichsgräfin von Cosel um eine Frau mit einem äußerst tragischen Schicksal handelt: Fast 50 Jahre lebte sie eingesperrt auf dieser Burg! Und das, nachdem sie jahrelang die verwöhnte Mätresse des sächsischen Königs August des Starken gewesen war und ihm zudem drei Kinder geboren hatte. Wer brachte die schöne, intelligente aber auch ehrgeizige Frau zu Fall?

War sie es selbst, da sie sich – ihrer herausragenden Rolle bei Hofe sicher – in die Politik einzumischen begann? Verspielte sie die Gunst des Königs persönlich oder hatte sie sich mächtige Feinde geschaffen, die sie vom Hof zu entfernen trachteten? Das Eheversprechen, das sie dem verheirateten König abgerungen hatte für den Fall, dass er Witwer würde und auf dem sie trotzig bestand, wurde ihr schließlich zum Verhängnis …

Der Tanzabend von Carlos Matos gibt Einblick in die bewegte Jugend einer der schillerndsten Gestalten der sächsischen Geschichte: Von ihrem Gefängnis aus erinnert sich Anna Constantia an die aufregende Zeit, als sie – noch Gattin des Freiherrn von Hoym – König August bei dem Brand ihres Hauses zum ersten Mal begegnete, an ihre glücklichen Jahre bei Hofe bis hin zu ihrer Verbannung nach Pillnitz und an ihren Fluchtversuch, der sie schließlich die Freiheit kostete. Eine Freiheit, mit der sie nach dem Tode des Königs allerdings nichts mehr anzufangen weiß: Selbst wenn sie könnte – sie wird die Burg nicht mehr verlassen.

Text: Petra Grubitzsch/Landesbühnen Sachsen

Nächste Vorstellungen:

Fr, 17.11.2017,  20:00 Uhr, 2.12., 19.30 Uhr, LB Radebeul,
So  26.11.2017,  18:00 Uhr, Großenhain/Kulturzentrum.

www.landesbuehnen-sachsen.de 

Doppel-Buchpremiere: „Krähenbeißer“ und „Bescherung“ im Literaturhaus Villa Augustin in Dresden

Zur Buchvorstellung mit zwei Neuerscheinungen der Dresdner Autoren Wiete Lenk und Ulf Großmann lädt der Dresdner Buchverlag am 18. November, um 19 Uhr ins Literaturhaus Villa Augustin, Lesecafé 1. Etage, am Albertplatz ein.

Wiete Lenk „Krähenbeißer“:
Einundzwanzig Geschichten von Menschen, die sich ihrer ganz persönlichen Gegenwart stellen müssen, deren Werdegang überrascht und berührt.
Eine Melange aus sprachlicher Ökonomie und beredsamer Dichte, die sich mit leisem Augenzwinkern verbindet und ohne Umschweife mitten in schicksalhafte Geschehnisse führt.

Die in Dresden geborene Autorin Wiete Lenk war nach dem Abitur zunächst als Stewardess tätig, studierte später Betriebswirtschaft und arbeitete an­schließend im kaufmännischen Bereich unter anderem als Bilanzbuchhalterin. Außerdem erwarb sie an der Berliner Alice-Salomon-Hochschule ihren Master of Arts im Biografischen und Kreativen Schreiben. Heute ist sie Autorin, freie Dozentin und Lehrbeauftragte.
Seit Jahren werden ihre Texte (vorwiegend Kurzprosa) in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht. Im Frühjahr 2013 erschien ein erster Erzählband „Drei Wochen drüber“ beim Kölner Schroer-Verlag.
Wiete Lenk ist Preisträgerin mehrerer Literatur-Ausschreibungen, unter anderem Gesswein, Zürcher FRAZ, Würth-Anthologie, Nordhessischer AutorInnenpreis, Münchner Kurzgeschichten, Klartextverlag, Dresdner Miniaturen und erhielt 2016 den Kammweg­preis. 2011 weilte sie als Stipendiatin der Kulturstif­tung Sachsen in Höfgen (studios international, Denkmalschmiede) und 2016 zwei Monate in der At Home Gallery bei Bratislava/Slowakei.

Ulf Großmann „Bescherung“:
In der Familie, der Liebe, in Albträumen und in der Kultur passiert so einiges. Es geschehen familiäre, erotische, märchenhafte und obskure Dinge.
Ernesto fühlt sich zum Stellvertreter Gottes berufen und trifft bis zu seinem tragischen Ende nur auf Unverständnis. Ein anderer Mann verliert seine Frau an die Volksmusik und ist selbst schuld.
Ulf Großmanns satirische Erzählungen zeigen, dass das Leben komisch, tragikomisch und immer wieder eine Bescherung in allen Bereichen ist.

Ulf Großmann, geboren 31.12.1968 in Freiberg (Sachsen). Zahlreiche Veröffentlichungen von Lyrik, Belletristik und Rezensionen in Zeitschriften und Anthologien. Mehrere literarische Preise. Mitherausgeber (mit Axel Helbig) von „Skeptische Zärtlichkeit“ (zur jungen deutschsprachigen Lyrik) im Leipziger Literaturverlag. Lebt als Autor und Herausgeber in Dresden.

Musikalisch wird der Abend umrahmt von Thomas Lautenknecht („Oh alter Knaben Herrlichkeit“).

Die Buchvorstellung moderiert Willi Hetze.

Der Eintritt ist frei.

Text + Fotos: Katharina Salomo/Dresdner Buchverlag

Die Sprache der Scherben

„Dicker Mann am Fenster. Und ein kleiner Vogel.“

„Drei Tänzer“

„Geflatter“

„Die Hexe im Flug“

„Hund im Grünen“

„Rückenschwimmen“

Kaputte Scheiben sind nicht schön – oder doch? Der SZ-Fotograf Klaus-Dieter Brühl entdeckt dabei ganz interessante Motive.

Zerfallende Gebäude, Ruinen und alles, was damit in Verbindung steht, habe ich eigentlich schon immer gern fotografiert – seit ich aktiv die Lichtbildnerei mit der Spiegelreflexkamera betreibe, also seit 1978. Das hatte so was Elegisches und passte eigentlich gut in die Zeit der 80er Jahre, eine Zeit, in der die triste Realität des real existierenden Sozialismus immer weniger mit den hehren Ansprüchen des Systems in Übereinstimmung zu bringen war. Man musste nur die zerfallenden Altbauten in Leipzig oder die zahlreichen veralteten Industriebetriebe in der DDR gesehen haben, um das zu wissen. Natürlich war mit solchen Fotos kein Blumentopf bei großen Fotoausstellungen zu gewinnen. Aber das eine oder andere Bild habe ich schon auch bei Fotozeitschriften oder Ausstellungen untergebracht.

Und wo unbewohnte, verfallende Häuser sind, gibt es auch zerschlagene Scheiben. Die fotografiert man so nebenher, und irgendwann nimmt die zerbrochene Glasfläche Gestalt an und erheischt Aufmerksamkeit. Das ist doch ? , sagte mein Sohn, und erklärte das Gesehene wahlweise zu Fledermaus, Elefant, Stiefel oder Kopf. Auch andere Kinder fanden, das sei ein lustiges Spiel. Ist es auch. Gerade das Foto der zerschlagenen Scheibe an sich ist ja grundsätzlich etwas Besonderes.

Täter – Fotograf – Betrachter

Denn: Drei Personen sind es, die das Bild „produzieren“: Zunächst kommt einer, der eine vorher intakte Scheibe einschmeißt. Dabei kommt der Zufall ins Spiel. Je nach Glasqualität entsteht aus den Scherben eine Form. Der Fotograf sieht das Ergebnis und hält es aus einem bestimmten Winkel und zu einer bestimmten Zeit fest. Damit nicht genug: Jetzt kommt der Betrachter ins Spiel, dessen Fantasie ebenfalls gefragt ist. Er kann ja in seinem Kopf die Vorstellung entwickeln, was die entstandene Leerfläche darstellen könnte. Hier kann dann auch ein origineller Titel vom Bildautor spannend sein.

Natürlich könnte man beliebige derartige Formen zersplitterten Glases auch mit Fotoshop künstlich herstellen. Aber so interessant wie die natürlich Erzeugten sind die nicht, das hat sich immer wieder bestätigt. Der Werkstoff Glas ist in seinen Eigenschaften so diffus und unwägbar, dass er immer wieder überrascht. Man denkt, dieser Riss – da muss jemand nachgeholfen haben, jener Splitter ist so gar nicht darstellbar … Aber nein, manipuliert wird nicht, alles habe ich so belassen, wie ich es vorfand. So habe ich einige der Bilder zerschlagener Scheiben aus den Archiven gekramt und ein Poster daraus gemacht. Die Ältesten sind um 1980 entstanden, die Neuesten sind höchstens ein paar Monate alt.

Manche Fotos entstanden bei meiner Tätigkeit in Großenhain, viele in meinem Wohnort Riesa sowie in Dresden und Leipzig. Das große Geflatter entdeckte ich am Straßenbahnhof Dresden-Mickten vor seinem Umbau zur Markthalle. Die drei Tänzer: Das Foto entstand am Rande einer Feuerwehrübung im ehemaligen Citycenter Großenhain, bevor die Gebäude abgerissen wurden. Die Zweifach-Verglasung bietet schöne Doppelkonturen.

Nicht nur in der Stadt gibt’s interessante Motive: Die „Hexe“ fand ich in Ebersbach an der alten Molkerei. Manche Scherbenbilder wie der Mann mit seinem Vogel erzählten ganze Geschichten. Zum Bild SUZ: Das war ursprünglich mal eine bekannte Automarke. Der Rückenschwimmer ist an einer ehemaligen Russenkaserne unterwegs gewesen.

Text + Fotos: Klaus-Dieter Brühl, Fotograf bei der Sächsischen Zeitung in Großenhain

Vielen Dank für die Bereitstellung von Beitrag und Bildern für meinwortgarten.com

Buchvorstellung: Ein Nervenarzt als Buchautor

Dr. Bernd Sachs ist in Rente und blickt auf seine berufliche Laufbahn zurück. Dabei spielt auch der gesellschaftliche Umbruch eine große Rolle.
Einer der schonungslosen Abschnitte kommt fast am Ende des Buches. Da schreibt Bernd Sachs: „Trotz aller Widrigkeiten und Hemmnisse … bekam ich das Gefühl, etwas bewegen zu können, wie ich es in den folgenden Jahren auch nach der politischen Wende nie wieder hatte. Heute denke ich manchmal, dass wir trotz der Bedingungen im System DDR auf unserem Fach- und Arbeitsgebiet auch gegen Widerstände gefahrlos mehr hätten tun können, dass wir unsere Möglichkeiten, die sicher begrenzt waren, trotzdem nicht ausgeschöpft haben und uns unnötigerweise zu sehr angepasst und untergeordnet haben.“

Dass der 76-jährige Großenhainer zu solchen Einsichten kommt, macht sein jetzt erschienenes Buch „Mensch, Arzt und Psychiater“ interessant. Es trägt stark autobiografische Züge, ist also vor allem für Leser geeignet, die mehr über den bekannten Großenhainer Bernd Sachs wissen wollen und die sich für Psychologie und Psychiatrie interessieren. Oder eben für die Erlebnisse eines aktiven Menschen, der ärztlicher Direktor des psychiatrischen Großkrankenhauses Arnsdorf war. Von 1967 bis 1991 hat Dr. Sachs dort gewirkt, bis 2010 arbeitete er als niedergelassener Facharzt in Großenhain, danach bis voriges Jahr als Angestellter im MVZ der Elblandkliniken.

Einblick in sein Leben

Als Rentner hat der Großenhainer nun Zeit zur Reflexion. Ein Jahr lang arbeitete er an seinem Lebensrückblick. Das machen viele Pensionäre. Bernd Sachs gehört zu denen, die der Öffentlichkeit auch etwas zu sagen haben. Ein selbstverliebter Schwätzer ist er nicht. Allerdings mutig genug, die Öffentlichkeit in sein Leben blicken zu lassen: in seine Hobbys Astronomie, Anthropologie, Geschichte, Philosophie und klassische Musik. Auch seine Familie lernen wir näher kennen: seine Frau Elfi und drei Kinder.

Die Frage eines neuen Buches ist aber immer: Braucht das die Welt? Hat es nicht schon ein anderer geschrieben? Die Biografie von Bernd Sachs ist sicher nicht einzigartig in Deutschland. Auch schreibt der Großenhainer nicht literarisch, sondern meist sachlich nüchtern. Dennoch wirft er selbstbewusst und eben auch manchmal selbstkritisch viele Schlaglichter auf die Nachkriegszeit, die politisch geprägte Sozialisierung in der DDR und die Geschehnisse nach der Wiedervereinigung. Wenngleich er schon im Vorwort verkündet: „Also erwarten Sie keinen quotenträchtigen Abenteuerroman oder einen Politthriller eines alternden, ehemaligen Dissidenten der DDR, der nach Jahrzehnten immer noch nicht die Kränkungen und seinen Frust darüber abgearbeitet hat. Zu beidem fühle ich mich weder befähigt, berufen noch gehörte ich dazu.“

Bernd Sachs tritt vor den Leser als „real denkender Mensch“. Seine Autobiografie notierte er ausschließlich aus der Erinnerung – was schon mal beachtlich ist. Ein Tagebuch als Quelle hatte er nicht verfasst. Sein intellektuelles Niveau begeistert, seine Erfahrungen sind spannend und sehr detailreich. Kurzweilig liest sich, wie Familie Sachs 1991 nach Großenhain übersiedelte und eine eigene Praxis einrichtete. Da kommen viele Wendeerinnerungen hoch. Manch anderer hat sie vielleicht schon längst wieder vergessen.

Bernd Sachs beschreibt die Behandlung von Depression und Demenz, von Angststörungen und weiteren psychischen Leiden. Und er stellt fest: „dass die Menschen immer weniger in der Lage sind, Konflikte mal selbst und ohne externe Hilfe zu lösen.“ Aufschlussreich, dass der Großenhainer das Phänomen als „Massentrauer“ bezeichnet. Gesellschaftlich brisant und bedeutsam ist seine Feststellung: „Diese Massenphänomene könnten für Soziologen und Psychologen ein interessantes Forschungsthema dafür sein, wie es eigentlich mit der emotionalen Grundbefindlichkeit im Volke aussieht, von der die Regierenden meiner Meinung nach keine Ahnung haben.“ Damit finden sich Sachs` Lebenserinnerungen mitten in der aktuell-politischen Diskussion wieder. Nicht von ungefähr setzt sich der Nervenarzt nach 50 Berufsjahren auch mit der menschlichen Dummheit auseinander: „Sie ist eine allgemeine gesellschaftliche Erscheinung, die in allen Schichten jederzeit und nicht unbedingt an den Bildungsgrad gebunden zu finden ist“, schreibt er und zitiert Sokrates: „Der Kluge lernt aus allem und von jedem, der Normale aus seinen Erfahrungen und der Dumme weiß alles besser!“ Es bedarf wohl nicht weiterer Beispiele, um zu belegen, dass die Lektüre von „Mensch, Arzt und Psychiater“ gewinnbringend sein kann.

Erschienen im Novum Verlag, 19,50 Euro

Text: Kathrin Krüger-Mlaouhia, Redakteurin bei der Sächsischen Zeitung in Großenhain

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