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Kategorien-Archiv: Bildende Kunst

Ausstellung „Wer bin ich?“ mit Malerei & Zeichnung von Dorothee Kuhbandner in der Stadtteilbibliothek Radebeul-Ost im Kultur-Bahnhof

14 Sonntag Jun 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Natur, Zwischenmenschliches

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Eigener Bilder-Kosmos & Zauberhaftes Zusammenspiel von Mensch- und Tierwesen und Natur. Die Bilder von Dorothee Kuhbandner regen zum Schmunzeln, Staunen, Entdecken an, sie sprechen Herz, Geist und Sinne gleichermaßen an.


Worte & Bilder verbinden sich entdeckungsfreudig, machen sichtbar, und regen an zum Weiterdenken & Träumen: meinwortgarten-Inhaberin und freie Journalistin Lilli Vostry sprach gestern zur Ausstellungseröffnung von Dorothee Kuhbandner.

Farbreiche Bilder des Lebens

In leuchtenden Farben, fantasievoll, verschmitzt, vieldeutig und feinsinnig lädt die Ausstellung „Wer bin ich?“ von Dorothee Kuhbandner die Besucher zum Innehalten, Träumen und Nachdenken ein in der Stadtteilbibliothek Radebeul-Ost im Kulturbahnhof. Zu sehen bis 30. Oktober 2026.

Eine Figur, halb Mensch, halb Tier, schmiegen sich aneinander. Umhüllt von einem feuerroten Kopf. Die Farbe fließt, strömt, kreist und verknäult sich in schwarzen und weißen Linien wie Rauchzeichen. Wer beschützt oder bedroht hier wen? Hinter der nachtblauen Hauswand sitzt hinter vergittertem Fenster im hellen Lichtschein eine weiße Taube. Das warme Licht fließt zu einer erdbraunen Gestalt herüber, die klein und zart vor dem feurigen Gesicht steht.
Es ist das Titelbild zur Ausstellung „Wer bin ich?“ mit Malerei und Zeichnung von Dorothee Kuhbandner. Ich begrüße Sie herzlich in den Räumen der Stadtbibliothek Radebeul-Ost im Kultur-Bahnhof.

Farbreiche Bilder des Lebens, in denen Kunst, Natur und Zwischenmenschliches aufs Schönste miteinander verbunden sind, können Sie hier sehen. Fantasievoll, verschmitzt, vieldeutig und feinsinnig begegnen diese dem Betrachter. Dorothee Kuhbandner ist eine Bilderzauberin. Auf kleinen und großen Fomaten, Leinwänden und Papier entführen ihre Werke in leuchtenden Farben, symbolhaft und ausdrucksreich, in einen ganz eigenen Bilderkosmos zwischen Traum und Wirklichkeit, gemalt im „Dorealismus“, wie sie es nennt. Drei Fensterbilder, sacht bewegt vom Wind und gehalten von Drähten unter dem Blätterdach eines Baumes, drehen sich und erscheinen immer wieder anders im Spiel von Licht und Schatten. Auf dem Weg zu ihrem Wohnhaus und Atelier in Radebeul, in der Oberen Berggasse, unterhalb der Weinberge. Das erste Bild zeigt drei Figuren mit Augenbinde, Kopfhörern und Maske vorm Mund in einem Boot sitzend. Es trägt den Titel „Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen aber fühlen“, eine Hand liegt auf einer Mauer. Wie ein roter Lampion wirkt auf den ersten Blick die Maske mit den rot-weißen Signalbändern, auf der eine weiße Taube thront vor einem staunenden Gesicht. Im dritten Bild sind aufgespannte Rettungsschirme über lodernden Flammen, eine Taube, ein versteckter Gekreuzigter, eine waghalsige Dame, ein getarnter Uhu und, und, und zu sehen. Die Fensterbilder sind großformatig auch in dieser Ausstellung zu sehen.

Insgesamt neun Bilder in Tusche- und Acrylmalerei, die 2023 entstanden sind und einige kleinere und ältere Arbeiten, zeigt die in Radebeul lebende Künstlerin unter dem Titel „Wer bin ich?“ Angeregt wurde Dorothee Kuhbandner dazu von einem Gedicht von Dietrich Bonhoeffer, das der Theologe und Dichter 1944 im Gefängnis schrieb. Mit dem Thema ist sie schon lange vertraut. Als sie vor 20 Jahren in der Friedenskirche Radebeul ausstellte, machte sie der dortige Pfarrer Schleinitz auf das Bonhoeffer-Gedicht aufmerksam mit den Worten: „Das passt.“ Dorothee Kuhbandner beschäftigt ebenso die Frage: „Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen? Oder bin ich nur das, was ich selber von mir weiß? Unruhig, sehnsüchtig, krank wie ein Vogel im Käfig, ringend nach Lebensatem…“, wie es Bonhoeffer formulierte. Die Bilder ihrer Ausstellung „Wer bin ich?“ waren bereits in der Wuhlgartenkirche in Berlin im Jahr 2023 zu sehen, außerdem in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche in Chemnitz im Kulturhauptstadt-Jahr 2025 und in der Uniklinik der Medak in Dresden ein halbes Jahr lang. Zuletzt in der Full Moon-Gallery in Dresden. Dies ist nun die fünfte Station in der Stadtteilbibliothek Radebeul-Ost. Den Bildern hat Dorothee Kuhbandner eigene Texte hinzugefügt, die auch in einem Begleitheft zur Ausstellung „Wer bin ich ?“ in ihrem ZilpZalp Verlag Radebeul erschienen sind. Nicht um die Bilder zu erklären, sie sieht die Zeilen vielmehr als zusätzliche Ebene. Es sind gedankliche Reflexionen von ihr zu den Bildern: „Warum habe ich das gemalt?“

Sie sei selbst oft überrascht von dem, was sie sieht. Malen ist ein intuitiver, spontaner Vorgang. Manche Besucher lesen nur die Texte und sehen die Bilder nicht an, sagt sie. Idealerweise ergänzt sich beides, Worte und Bilder. Bäume, Pflanzen, Tiere und immer wieder Gesichter, die sich ansehen wie im Spiegel, aus Trichtern, Tunneln oder Megaphonen hervorschauen, oft im schwarz-weißen Schachbrettmuster und Fabelwesen, halb Mensch, halb Tier, mit buntem Gefieder, Flügeln, Hörnern, Knospen und Jahresringen, besiedeln und beäugen auf den Leinwänden den Betrachter offen, wundersam und neugierig. Auerdem zeigt sie ein Porträt von ihrem Sohn Friedrich, mit nachdenklichem Blick und hervorquellenden Gedankengängen, aus denen weiße Tauben flattern und ein Selbstporträt, das eine Frau zeigt, aus deren Kopf Blumen sprießen bis hinunter auf die schwarz-weiß karierte Halskrause mit Harlekinglöckchen. In den Bildern von Dorothee Kuhbandner nehmen Erlebtes, Träume, Ängste, Zweifel und Hoffnungen farbenfroh und vieldeutig, oft mit leisem Schmunzeln, Gestalt an. Sie möchte, dass die Betrachter sich selbst Gedanken zu den Bildern machen, sich verbinden und etwas entdecken, wiederfinden von sich selbst in den Bildern. Man muss sie nicht sofort und völlig verstehen. Diese Bilder wollen vor allem gefühlt werden. Sie sind eine Einladung an die Betrachter, das Staunen und Träumen in einer zunehmend technisierten, widerspruchsvollen und kalten Gegenwart nicht zu verlernen, vielmehr den eigenen Sinnen und Erfahrungen zu vertrauen.

Die Malerin, Grafikerin, Objektkünstlerin und Illustratorin wurde 1964 als Dorothee Friedrich in Dresden geboren und ist in Radebeul aufgewachsen, verheiratet und Mutter von vier Söhnen. Sie hat Ausbildungen als Buchbinderin, Krankenschwester, Tagesmutter und Entspannungspädagogin. Dorothee Kuhbandner ist äußerst gestaltungs- und experimentierfreudig und verwandelt alles, was ihr zwischen die Finger kommt, liebe- und kunstvoll. Sie ist Autodidaktin und seit 2010 freischaffend als Bildende Künstlerin tätig. Seit 2012 hat sie die „Galerie mit Weitblick“ in Radebeul betrieben, die sie letztes Jahr wegen neuer Besitzer des Grundstücks aufgeben musste. Doch so wie Vögel fliegen wollen und sie es zurückgezogen im Schneckenhaus nicht lange aushalten würde, hält Dorothee Kuhbandner immer wieder Ausschau nach neuen Wundern und Möglichkeiten, sie glaubt weiterhin an Träume für eine bessere Welt ohne ein „Traumtänzer“ zu sein. Das spricht aus all ihren Bildern, die unbeschwert, feinfühlig und fröhlich, aufmunternd und wagemutig sind
und die Welt ein Stück freundlicher, farbenfroher und heller machen.
Nun bleiben mir noch die magischen vier Worte: Die Ausstellung ist eröffnet!

Text + Fotos (lv)
Porträtaufnahmen: Annette Richter

Geöffnet: Mo, Do, Fr 10-19 Uhr, Di 13-19 Uhr, Mi geschloissen


Bücher, kleine und grpße, farbenfroh illustriert aus dem ZilpZalp-Verlag Radebeul von Dorothee Kuhbandner. Auch online bestellbar.

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Ausstellung „Stille Post“ von Gudrun Trendafilov auf Schloss Burgk in Freital

11 Donnerstag Jun 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Unterwegs, Zwischenmenschliches

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„Das Herz nach außen tragen.“ Das spiegeln die Malerei und Zeichnungen von Gudrun Trendafilov reizvoll und verlockend, sinnlich, kraftvoll und verletzlich.

Wo Träume fantasiereich flüstern

Um Verbundensein zwischen Mensch, Natur und allen Lebewesen und die Suche nach Glück, Balance und Geborgenheit geht es in der Ausstellung „Stille Post“ mit Arbeiten aus 40 Schaffensjahren von Gudrun Trebdafilov derzeit auf Schloss Burgk in Freital.

Zwischen zwei Gesichtern mit langen Haarzöpfen geht eine schwarze, gelbäugige Katze in der Mitte vor tiefblauem Himmel hin und her, als würde sie eine Botschaft übermitteln. Es ist das Titelbild der Ausstellung „Stille Post“ mit Malerei, Collagen und Zeichnungen von Gudrun Trendafilov auf Schloss Burgk in Freital (noch bis 28. Juni zu sehen).

Der Ausstellungstitel Stille Post bezieht sich auf ein beliebtes Kinderspiel, bei dem man dem anderen ein Wort ins Ohr flüstert, der sagt es weiter und der Letzte in der Runde sagt laut, was er gehört hat. Je nach der Länge und Schwere des Begriffes kommt er klar und vollständig an oder abgewandelt, nur halb verstanden oder völlig anders. Wie sehr können wir unseren Sinnen noch trauen in dieser lauten, schnelllebigen Gegenwart? Fragt die Künstlerin mit ihren Bildern, die einladen zum Flüstern, Lauschen und Zuhören, damit die leisen Töne nicht verloren gehen. Ihre Figuren begegnen einem oft mit versunkenem Blick, sie hören in sich hinein, halten Zwiesprache mit sich selbst. Ihre vieldeutige Bilderwelt ist reizvoll und spannend in der Schwebe zwischen Traum, Fantasie und Wirklichkeit in vorwiegend leuchtend warmen, erdigen, blauen und zarten Farbtönen gehalten.

Da geht es um das Verbundensein zwischen Mensch, Natur und allen Lebewesen und die Suche nach Balance, Glück und Geborgenheit, um Innehalten, Hingabe und Weitergabe des Empfangenen. Die Ausstellung versammelt eine Auswahl von rund 60 Arbeiten aus 40 Schaffensjahren von Gudrun Trendafilov, die in Dresden lebt und arbeitet und zu den herausragenden zeitgenössischen Künstlerinnen hierzulande gehört. Sie wurde 1958 inm erzgebirgischen Bernsbach geboren und kam mit 18 Jahren nach Dresden, um an der hiesigen Kunsthochschule zu studieren. Bei Professor Gerhard Kettner studierte sie Malerei und Grafik. Seit 1981 ist sie als freischaffende Künstlerin in Dresden tätig. Zu sehen sind im Schloss Burgk in Freital bekannte und frühe, noch nie gezeigte Arbeiten von ihr. „Dies ist die erste museale Einzelausstellung von Gudrun Trendafilov in Deutschland. Bisher hatte sie lediglich Ausstellungsbeteiligungen“, sagt Kristin Gäbler, Leiterin der Städtischen Sammlungen Freital im Schloss Burgk. Die Bilder mit ihrer unverkennbaren Handschrift geben außerdem einen Einblick in das wandlungsreiche Schaffen und den Werdegang der Zeichnerin umd Malerin.

Zu sehen sind Arbeiten von Gudrun Trendafilov aus der Städtischen Galerie Dresden, von privaten Leihgebern und aus dem Besitz der Künstlerin. Darunter ein frühes Bild „Familie“ von 1984, expressiv figürlich in Rosé- und Grautönen zeigt es ein junges Paar, während sie das Baby stillt. In ähnlicher Farbgebung und aus dem selben Jahr stammt das Bild „Karneval“, mit einer Frau im enganliegenen Trägerkleid und schwarzen Hut, umgeben von kostümierten Gestalten. Immer wieder tauchen in ihren Bildern Köpfe und Gesichter auf, oft mit Blüten, Früchten, wippenden Zöpfen, wogendem oder aufgetürmtem Haar, das manchmal zum Vogelnest wird. Frauenakte in wenigen, markanten Linien und Paare, die sich halten, anlehnen, innig, kraftvoll und verletzlich. Frauen mit Tieren, Vogel in der Hand, Eule auf der Schulter oder keck ungebändigten Katzen an ihrer Seite. Ein großformatiges Bild zeigt drei nackte, goldenschimmernde Grazien am Meer vor zwei Äpfeln sitzend, sinnlich und verlockend. Zwei Frauen halten und wärmen sich in einen grauen Mantel gehüllt.

Eine wunderbar aus der Bewegung gezeichnete, kraftvolle wie tanzende „Kassandra“, ihrem inneren Ruf folgend, mit erhobenen Händen und um ihren Körper sanft fließendem Haarschwung zeigt eine Tusche- und Kreidezeichnung auf Seidenpapier von 2015, eine Leihgabe der Künstlerin. Eindrucksvoll und berührend auch ihre Selbstbildnisse, in denen sich Licht und Schatten mischen. „Das eigene Herz nach außen tragen“, darum geht es Gudrun Trendafilov. „Ich male und zeichne, um Formen zu finden für das, was mich im Innersten umtreibt, die Liebe, Träume, Wut und Melancholie“, sagt sie über ihr Schaffen. „Die Zeichnung ist für mich das direkteste Mittel, Emotionen in künstlerische Form zu bringen.“  Zur Ausstellung „Stille Post“ ist ein Katalog erschienen.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Di bis Fr 12 bis 16 Uhr, Sa, So und Feiertag 10 bis 17 Uhr

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Plenair-Ausstellung auf dem Künstlerhof Kunath in Röhrsdorf bei Meißen

06 Samstag Jun 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Musik, Natur, Projekte, Zwischenmenschliches

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„Ich lasse die Natur auch mitreden.“ Die Verbindung von Kunst & Landschaft spiegelt sich facettenreich in der diesjährigen Plenair-Ausstellung auf dem Künstlerhof von Franziska Kunath in Röhrsdorf bei Meißen.

Über die Leinwände wandert der Blick weiter in die Natur
Der Künstlerhof von Franziska Kunath in Röhrsdorf bei Meißen wird dieses Jahr zum zwölften Mal zum Plenair- und Ausstellungsort. 21 Künstlerinnen und Künstler zeigen derze ddort ihre in der Landschaft entstandenen Arbeiten.

Eine Frau mit Zeichenblock und Stift sitzt auf der Wiese, auf einem morschen Stamm vor einem Baum. Sie sieht ihn an, seine letzten Äste, die wie Arme emporragen. Er trägt noch ein paar blühende weiße Zweige. Es wirkt wie ein Gespräch. Es ist das Titelbild zum Plenair. „Ich brauche diese Unmittelbarkeit zur Natur wie eine Zwiesprache, das spiegelt sich auf dem Hof auch wider“, sagt Franziska Kunath. „Ich lasse die Natur auch mitreden. Es wächst mit meinem Zutun und von selber. Ich lasse mich immer wieder überraschen, was die Natur hervorbringt.“

Die Verbindung zwischen Natur und Kunst steht im Mittelpunkt auf dem Künstlerhof Kunath, der dieses Jahr zum zwölften Mal zum Plenair- und Ausstellungsort wird auf der Pinkowitzer Straße 10 in Klipphausen, OT Röhrsdorf bei Meißen. 21 Künstlerinnen und Künstler aus Sachsen und eine Künstlerin aus dem Harz trafen sich im Frühjahr zur künstlerischen Arbeit in der Landschaft mehrere Tage lang. Gastgeberin ist die Künstlerin  Franziska Kunath. Die entstandenen Arbeiten sind derzeit in einer Ausstellung in der Atelierscheune zu sehen. Am 24. Mai, von 12 bis 19 Uhr gibt es Führungen mit Künstlerinnen und Künstlern. Am 31.5., 15 bis 17 Uhr einen Impulsvortrag von Professor Oliver Kossak, Rektor der Dresdner Kunthochschule und anschließend ein Künstlergespräch.

Zur Finissage am 7.Juni, um 20 Uhr findet ein Solokonzert mit Matthias Macht am Schlagzeug statt.

Seit 2015 veranstaltet Franziska Kunath Künstlerplenairs mit Begleitveranstaltungen auf dem ehemaligen Bauernhof, den sie 2008 entdeckte, der lange Zeit leer und verfallen stand und den sie günstig erwerben konnte von der ortansässigen Agrargesellschaft. Finanziell geholfen hat ihr dabei ihre Mutter, die ein Grundstück besaß und es verkaufte. „Es sah schlimmer aus als es war, die Bausubstanz auf dem Hof“, erzählt Franziska Kunath. „Es war genau der richtige Zeitpunkt, um die Gebäude noch zu retten.“

Peu a peu begann sie mit dem Ausbau. „Ich kann auch mit Härten leben, wie kalte Winter. Zuerst war nur eine Bautür auf der Vorderseite des Wohngebäudes, es zog und zog. Da gerade eine neue Ziegelwand in das alte Fachwerkhaus eingebaut wurde.“ Beim Ausbauen habe sie das alte Gemäuer liebgewonnen, so Franziska Kunath, und dass die Zeit darüber gegangen ist. Und sie hat das Gefühl, dass es ein Ort ist, wo gut gelebt wurde. Ihr Sohn mit Familie lebte eine Zeitlang mit auf dem Hof. „Danach habe ich mir eine Künstlerfamilie herbeigeholt. Das hat gut funktioniert, der Austausch vor Ort und die Naturnähe. Man kommt aus der Haustür und kann sofort anfangen. Ein idealer Ort, um schöpferisch und kreativ zu sein“, sagt die Künstlerin glücklich. Sie hat auch schon an anderen Plenairs teilgenommen. Anfangs waren es ca. fünf bis acht Teilnehmer bei den Plenairs auf ihrem Künstlerhof. Inzwischen seien es so viele Interessierte, dass sie nicht alle berücksichtigen könne. Erst kamen nur Maler, jetzt auch Fotografen und Bildhauer. „Ich schaue wie es passt und versuche verschiedene Künste und Generationen zusammenzubringen“, so Franziska Kunath. Die Plenair-Teilnehmer sind zwischen 40 und 70 Jahre alt. Sie sind nicht alle auf einmal da. Manche Künstler übernachten auf dem Hof, andere kommen wieder. Wie es ihre Zeit und andere Arbeiten erlauben und je nachdem, wie intensiv sie sich auf den Ort einlassen wollen, sagt sie. Sie freue sich, wenn dabei schöne Begegnungen entstehen, man sich gegenseitig anregen und konzentriert arbeiten kann.

„Die Arbeiten sehen wir oft erst zur Plenair-Ausstellung“, sagt Franziska Kunath. Sie sitzt auf der Wiese im Garten hinter der Kunstscheune. Ein großes, farbiges Ölbild von ihr hängt auf eine Wäscheleine gespannt, gestützt von zwei Stöcken. Über die bemalte Leinwand hinaus wandert der Blick weiter in den urwüchsigen Garten, mit Bäumen, blühenden Sträuchern und Blumen auf der Wiese und weiter hinten zu Wald und Feldern. Hier ist ihr Hauptplatz derzeit zum Malen, erzählt sie. Sie arbeitet fast nur draußen an ihren Bildern. „Es ist wie eine Befragung. Licht, Stimmung, Farbigkeit und ein gewisser Rhythmus spielen hinein. Ebenso der ganze Zyklus von Werden, Wachsen und Vergehen“, sagt Franziska Kunath über ihr Herangehen. All das holt sie in ihre Bilder, Blühendes, Grünendes ebenso wie Vergängliches, Sterbendes. Auch die toten Bäume sind es ihr wert, gezeichnet zu werden und seien auch ästhetisch. „Sie sind interessant und man sieht viel mehr, wie so ein Baum gewachsen ist“, sagt sie. Deshalb veranstaltet Franziska Kunath das Plenair auch im zeitigen Frühjahr. „Eine Zeit, in der diese Übergänge, alle Phasen und Zustände gegenwärtig sind in der Natur.“ Der Künstlerhof ist Refugium und Schaffensort zugleich für sie.

“Ich hatte schon immer diese Sehnsucht, möglichst nah an der Natur zu sein“, sagt Franziska Kunath. Sie ist eigentlich eine Städterin. 1964 wurde sie in Dresden geboren, nach einer Lehre und Arbeit als Maschinenbauzeichnerin absolvierte sie ein Abendstudium an der Dresdner Kunsthochschule und hat hier Malerei und Grafik von 1992 bis `97 bei den Professoren Ralf Kerbach und Max Uhlig studiert mit Diplomabschluss. Bei ihm war sie außerdem Meisterschülerin von 1997 bis ´99. Seit 1999 arbeitet Franziska Kunath als freischaffende Künstlerin,  seit 2008 auf dem eigenen Hof in Röhrsdorf im Landschaftskulturraum der „Lommatzscher Pflege“. Die Gegend kannte sie schon. Scharfenberg und Schloss Batzdorf sind in der Nähe, wo die Künstlerin Bettina Zimmermann auch Plenairs veranstaltet, zusammen mit Musik und Theateraufführungen. Franziska Kunath hat ihren Künstlerhof mit viel Zeit, Mühe und der Hilfe von Freunden aufgebaut und die Gebäude nuzbar hergerichtet. Es bleibt noch viel zu tun. „Ich habe großes Glück mit dem vielen Platz, das ist mein Luxus. Auf Komfort kann ich verzichten. Dafür mitten in der Natur leben“, so die Künstlerin. Malmotive finden sich überall auf dem urigen Hof. Überall stehen Stühle und kleine Tische. In der Mitte steht ein großer Weidenbaum mit weitem Blätterdach, davor eine bunte Hängematte zum Ausruhen und Träumen. Ringsum sprießen Sträucher, Flieder, Blumen auf der Wiese und in Planztöpfen vor dem Haus. Eine orange-schwarz-weiß gefleckte Glückskatze namens „Mimi“ spaziert über den Hof, betrachtet Besucher neugierig, zutraulich und lässt sich gern streicheln.

Wir gehen ein Stück in den Garten hinter der Kunstscheune, vorbei an der Hollywoodschaukel mit meerblauer, muschelverzierter Decke, an einem Teich umrahmt von welkem und grün hervor lugendem Schilf, aus dem es plätschert und wo eine Kröte und ein Frosch wohnen, die bald Junge bekommen. Dahinter stehen weitere hohe Weidenbäume und weiter unten Obstbäume. Der Kirchturm von Röhrsdorf ragt hervor hinter den Zweigen. Ein umgestürzter Baum liegt im Gras. Schwarz ragt der geborstene Stamm, die Äste und Zweige hängen über dem Boden. Letztes Jahr habe der Apfelbaum noch geblüht, sagt Franziska Kunath. Der Baum bleibt noch liegen. Er wirkt wie eine Skulptur. Es geht ihr auch um die Wandlungen. „Die Frage mit dem Eingreifen und wie man Maß hält. Man kann die Ordnung der Natur lassen“, sagt Franziska Kunath. „Ich lasse mich gezielt inspirieren davon und bereichern. Viele Besucher schätzen das und kommen extra deswegen her. Da sie es auch vermissen, ein Stück gesunde Natur. Da vieles überpflegt ist in den Städten.“ Sie greife erst ein, wenn es unwegsam wird. Die Künstlerin hat ein paar Schafe und gelernt, die Wiese zu sensen. Krachgeräte wie Rasenmäher gebe es auch hier auf dem Lande.

Ihre oft großformatigen Bilder, Naturansichten mit lebhaft, konkret und abstrahiertem, zeichenreich leuchtenden Farben- und Formenspiel, hängen und lehnen an den Wänden auf dem geräumigen Dachboden mit Holzverkleidung und neu eingebauten Fenstern der Kunstscheune. Auf dem Fensterbrett steht ein ausgestopfter Vogel, ein Reiher. Der wohl mal Modell stand und den sie von ihrer Mutter, die Biologielehrerin war, bekam. Davor lehnt ein großes Bild von Maja Nagel, auf dem Figuren fröhlich unerschrocken auf einem Drahtseil balancieren, einer mit großer Leinwand und Pinseln unter dem Arm, ein anderer holt weit aus, wie um die vorbeifliegenden Gebilde aus der Natur einzufangen und eine Figur verschnauft kurz auf dem Seil. Gegenüber steht eine Installation aus leeren Käfigen aus Holz und Metall, kleine und größere, um- und übereinander aufgetürmt. Angeregt vom Märchen „Jorinde und Joringel“ ebenso wie den grafischen Formen, Schichtungen und Überlagerungen der Gitter und Durchblicke ist dieses Objekt von Künstlerin Else Gold aus Meißen.

Sie hat außerdem einige Bündel mit filigranen, blätterlosen Stöcken von der Weide in rote Bänder gebunden, die wie ein Windspiel frei schwebend, übereinander hängen an einem Holzbalken. Ein Stück weiter lädt eine gemütliche Sitzecke mit Sofa, Polstern und Stehlampe nahe am Fenster zum Verweilen in der Plenair-Ausstellung ein. Franziska Kunath wird farbige Tuschezeichnungen und das Ölbild aus dem Garten zeigen.“Es ist eine Gemeinschaft auf Zeit“, so die Künstlerin. Vor und nach dem künstlerischen Arbeiten treffen sich die Teilnehmer vom Plenair, sie kochen zusammen die Mahlzeiten und reden über das, was gerade ansteht. „Künstler wollen immer Gestaltungsraum haben. Den gibt es hier reichlich“, sagt Franziska Kunath. Das Plenair wird gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Außerdem unterstützt der Kulturraum Meißen, Sächsische Schweiz, Osterzgebirge zum zweiten Mal das Plenair. „Die Bildenden Künstler bekommen für dieses Projekt ein Teilnahmehonorar“, das ist Franziska Kunath besonders wichtig. Es sei ja nichts Kommerzielles, daher ist das Plenair außerdem auf finanzielle Zuwendung und Spenden der Besucher als „Hutkasse“ zur Kostendeckung angewiesen. In Kooperation mit dem Verein „Land gestalten“, der sich als Vernetzungsprojekt versteht, kann Franziska Kunath für Unterstützer des Plenairs auch Spendenquittungen ausstellen. Damit auch Kunst auf dem Land sich entwickeln, wachsen und blühen kann und noch mehr Menschen anzieht.

„Es kommen schon auch Bewohner aus der Umgebung, zuerst neugierig, inzwischen regelmäßig zu den Ausstellungen auf dem Künstlerhof. Doch es gibt auch Berührungsängste, weil sie es nicht gewohnt sind und weil sie einen anderen Umgang mit der Natur haben“, erlebt Franziska Kunath. Daher sei es wichtig, präsent zu bleiben. Im Frühjahr und Winter veranstaltet sie Ausstellungen, Führungen mit den Künstlern, Lesungen und Livemusik. Auch Arbeiten von Max Uhlig, ihrem damaligen Kunstprofessor, sind bei den Winterausstellungen immer mit zu sehen. Der Naturbezug verbindet sie. „Es ist eine große Freude und beglückend, auch wenn es manchmal beschwerlich ist, mit der Natur zu leben und wie eine Partnerschaft einzugehen, verbunden mit künstlerischem Arbeiten“, sagt Franziska Kunath. Die Plenair-Ausstellung ist bis 7. Juni auf dem Künstlerhof Kunath zu sehen und geöffnet zu den Veranstaltungen.

Text + Fotos (lv)

Weitere Infos unter http://www.franziska-kunath.de


Urwüchsiger Platz in der Natur mit viel Kunst & schönen Begegnungen: meinwortgarten-Inhaberin und Autorin Lilli Vostry mit Glückskatze „Mimi“.

Der Mensch als Wolf: Der Videofilm „Wolf“ von Heinz Schmöller untersucht performativ das Spannungsverhältnis zwischen Natur und Zivilisation.

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Ausstellung „Alles so schön bunt hier!“ von Holger John in der Kunsthochschule Dresden & „66 x John“ in der Galerie Holger John

29 Freitag Mai 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Allgemein, Bildende Kunst, Lebensart, Zwischenmenschliches

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„Alles was Spaß macht“: Darin sind sich Otis Hagen, Sohn der Sängerin und Punk-Ikone Nina Hagen, Schauspieler und DJ und Holger John, Künstler und Galerist einig. Er legte zur Ausstellungseröffnung von John in der Kunsthochschule Musik auf und ein Bild von Otis Hagen hängt auch dort.
Mit buntem Pappfisch, viel Humor & Biss & Fantasie führt der Künstler Holger John durch seine Ausstellung in der Kunsthochschule Dresden. Noch bis diesen Sonntag. Geöffnet: 11 bis 18 Uhr.

Ein Kunst-Tsunami, der auf die Leute zurollt

Die Ausstellung „Alles so schön bunt hier!“ des Zeichners und Galeristen Holger John zeigt einen fantasiereich eigenwilligen Bilderkosmos und löste schon kurz nach der Eröffnung eine Protestaktion von Studenten in der Dresdner Kunsthochschule aus. Ein Bild eines Gastkünstlers musste sogar abgehangen werden.

Die Farbe fließt im Überfluss, sprengt spielerisch leicht Formen und Konventionen, schert sich nicht um Akribie und Ebenmaß, zerschneidet Bilder im Kopf und lässt immer wieder neue entstehen. In seinen ganz eigenen Bilderkosmos voller fantastischer, witzig skurriler und ironischer Blicke auf das Leben und die Kunst nimmt der Zeichner und Galerist Holger John die Besucher seiner Ausstellung „Alles so schön bunt hier!“ mit – eine Retrospektive seiner Malerei auf Papier, die erstmals in dieser farbigen Fülle zu sehen ist und zu Walpurgis am Donnerstagabend letzte Woche im Oktogon der Dresdner Hochschule für Bildende Künste auf der Brühlschen Terrasse vor reichlich Publikum eröffnet wurde.

Für den Ausstellungstitel nahm John eine Zeile aus dem Lied „Ich glotz TV“ von Nina Hagen. „Ich hab ihr davon erzählt. Sie findet es großartig und beglückwünscht mich dazu“, so Holger John. „Alles so schön bunt hier!“ sei auch eine Kampfansage an die zeitgenössische Kunst, sagte er zur Ausstellungseröffnung. Eine Anspielung auf bunt beliebige Oberflächlichkeit und Effekthascherei. Holger John ist ein Bilderzauberer, ein grandioser Zeichner und Magier der Farben und Formen, der sich äußerst experimentierfreudig, humorvoll und selbstironisch auf den Leinwänden und Papier austobt. Es ist seine bisher größte Ausstellung, mit rund 600 überwiegend farbigen Arbeiten aus 66 Lebensjahren des Künstlers Holger John. Abstrakte und konkrete, figürliche Malerei und Zeichnungen in vorwiegend kräftigen Farbtönen, in großen, kleinen, runden und eckigen Formaten. In Bildergruppen, einzeln und oberhalb der Wände gehängt sind die stark farbigen, comichaften Bilder. Daneben und darunter ist viel weiße Freifläche. Bis in neun Meter Höhe hängen die Bilder verteilt unter der Kuppel des Oktogon, bei den Dresdnern auch als Zitronenpresse bekannt mit dem darauf schwebenden, goldenen Famaengel mit der Fanfare.

Zur Ausstellungseröffnung kam Nina Hagen zwar nicht selbst, doch sie entsandte Otis „Oski“ Hagen Chevalier, deutsch-französischer Schauspieler, DJ und Sohn der Punk-Ikone Nina Hagen. Er legte bei der anschließenden Walpurgisnacht-Party im Innenhof der Kunsthochschule als DJ einen bunten Mix aus Funk, Soul, HipHop und Reggae auf. Vorher spielten Luys & Dream-Rock, eine Leipziger Newcomer-Band punkigen Gitarrenrock und natürlich auch das Lied „Ich glotz TV“ von Nina Hagen mit dem Vers: „Ich kann mich gar nicht entscheiden. Alles so schön bunt hier. Ich glotz TV.“ Otis Hagen und Holger John sahen sich das erste Mal zur Ausstellungseröffnung und verstanden sich auf Anhieb, gut gelaunt saßen sie zusammen auf der Treppe im Innenhof mitten im Trubel. „Holger John ist ein guter Familienfreund von meiner Mama“, sagt Otis Hagen im Gespräch mit der OAZ. Er ist 35 Jahre alt, geboren in der Nähe von Paris und als Kind mit seinen Eltern viel gereist, auch nach Spanien und Ibiza. Jetzt wohnt er in Berlin.

„Es ist sehr schön hier zu sein“, sagt er über Dresden. Sonst sei er immer nur durchgefahren und zwischen Berlin und Prag gependelt, wo er zweieinhalb Jahre gelebt hat. Er fühlt sich als Kosmopolit. „Halb deutsch, halb französisch. Ich bin stolz, beides zu sein und beide Sprachen zu sprechen“, so Otis Hagen. Doch seine Muttersprache sei eigentlich Englisch, das sie zusammen in der Familie sprechen. Als Schauspieler hat er kürzlich im TV im „Tatort Bremen“ eine kleine Rolle als Türsteher gespielt. Als DJ legt er auf bei Partys und in Galerien. Er malt auch. Ein Bild von Otis Hagen, mit Hochhäusern, Fernsehturm und rätselhaftem Zeichen, wie ein schwarzer Vogel, hängt auch in der Ausstellung zusammen mit Arbeiten von Künstlerkollegen und Wegbegleitern Johns. „Alles was Spaß macht“, sagt Otis über sein Schaffen. Darin ähnelt er seiner Mutter Nina Hagen sehr. „Ich mag den Charme, ihre Kreativität und Lebensfreude. Es ist ein Glück, so eine Mutter zu haben“, sagt er. Mit ihrer manchmal etwas verrückten Art komme er gut klar. „Sie ist wie sie ist, eine starke Frau, lustig und sie glaubt immer an ihren eigenen Weg“. Sagt Otis John und geht auf die Bühne und legt stimmungsvolle sphärische Klänge an diesem lauen Frühlingsabend auf.

„Die Ausstellung von Holger John ist ein Rückblick auf sein künstlerisches Schaffen, die Wahrnehmung der DDR-Zeit, die Wende und ein Blick in den bunten Westen, als Künstler und Zeitzeuge“, sagte Professor Oliver Kossack, Rektor der HfBK Dresden zur Eröffnung. „Seine Arbeiten erzählen vom Suchen und Finden und Perspektiven dazwischen.“ Einfälle habe er wie Sand an der Ostsee, wo er ja herstammt, so der Laudator, Kunsthistoriker und Kurator der Ausstellung, Professor Raimund Stecker. Kunst sehe Holger John immer auch als sozialen Akt, nach dem Spektakel. „Nicht die Message steht im Vordergrund, sondern, dass es gemacht wird. Er macht es ohne Angst zu haben. Weil diejenigen, die Macht haben, oft nichts machen.“ Wir sollten diese Differenzen zwischen Ost und West, die es historisch und mental gibt, als Bereicherung sehen, um nach vorne zu kommen, so Stecker. Geboren wurde Holger John 1960 als Sohn des Grafikers Joachim John in Schollene im Havelland und ist aufgewachsen am Meer auf der Insel Usedom. Frühen Zeichenunterricht erhielt John bei dem Maler Otto Niemeyer-Holstein in Koserow und erlernte zunächst das Töpferhandwerk bei Hedwig Bollhagen von 1977 bis 1982. Einige bemalte Keramiken von ihm und seiner Lehrerin sind auch in der Ausstellung zu sehen. 1988 begann er sein Studium an der Dresdner Kunsthochschule bei Gerhard Kettner. 1993 erhielt John bei Ralf Kerbach das Diplom für Malerei und Grafik. Von 1993 bis ´96 und 2007 bis `09 wurde John zum künstlerischen Assistent und zum Dozent an die Kunstakademie Dresden berufen.

Johns Eltern hatten eine Fischräucherei in Zempin. „Dort waren Wolf Biermann und Eva-Maria Hagen einige Male zu Gast. Biermann hat Gitarre gespielt. Ich hab dann im Garten mit Nina gespielt“, erzählt Holger John. „Aber wir konnten nicht soviel miteinander anfangen. Nina, die Berlinerin aus der Hauptstadt, ich der naive Bube vom Fischerdorf.“ Immer mal wieder haben sie dennoch bis heute Kontakt und telefonieren, so John. In der Ausstellung steht auch ein Vitrinentisch mit Fotos, Bildern und Erinnerungsstücken aus der Hagenfamilie, auch ein Porträt seiner Mutter Lissy John, gemalt auf einem Hutkarton von Niemeyer-Holstein und Fotos von den legendären Faschingsfesten in der Kunsthochschule in den 50er Jahren sind dort zu sehen. Außerdem eine alte Orwo-Filmverpackung zu ihrem legendären „Farbfilm“-Hit und ein Farbfoto von Nina Hagen und Band bei einem Konzert bei Orwo in Bitterfeld. Von ersten farbigen Kinderzeichnungen bis zu neuen Arbeiten reicht die Bandbreite der Bilderschau. Mit einem der Bilder, das einen Zug mit Wagen voller lustiger märchenhafter Figuren und Tiere zeigt, gewann John als Fünfjähriger bei einem Malwettbewerb der Ostsee-Anrainerstaaten den ersten Preis und bekam eine Urkunde und einen hässlichen Keramikteller, erzählt er.

Er hält einen bunten Pappfisch mit bissigen Zähnen am Stab hoch, als Erkennungszeichen wie ein Reiseführer, bei seiner persönlichen Führung für die Besucher in der Ausstellung. Zu jedem Bild und bemalten Requisit erzählt John unterhaltsam eine Anekdote. Darunter eine von ihm mit zehn Jahren bemalte, alte Schranktür mit beflügelten Fabelwesen. Schön witzig-hintergründig auch seine Zirkusbilder zwischen Sensationslust, Dressur und Unangepasstheit. Kunst kennt für Holger John keine Grenzen. „Die  Schlummernde Venus mit Schere und fliegenden Toastscheiben hat alle Bedenkenträger überzeugt“, so John. „Der Rektor war glücklich.“ Schmunzeln lassen auch seine eigenwilligen Zeichnungen auf bemalten Dosen mit dem Schokoladenmädchen und der Altdresdner Kulisse unter einer Glasglocke. Das Bild „Der Doppelschrei“ frei nach Edvard Munch zeigt zwei Mickymäuse in gelben Trikots und Dynamo-Fußballschals.

Irgendwann beschloss Holger John, die Farbe in seinen Bildern wegzulassen. Seine Zeichenlust tritt dadurch um so stärker, klarer, nuancierter, dabei immer spielerisch leicht und detailfreudig erzählerisch, hervor in den schwarz-weißen Arbeiten in der Geburtstagsausstellung „66 x John“ in der Galerie Holger John, noch bis 7. Juni zu sehen in der Rähnitzgasse 17 im Barockviertel unweit vom Goldenen Reiter. Als Gäste zeigt er Arbeiten von Elke Hopfe, seiner Lehrerin und Professorin für Zeichnung an der Dresdner Kunsthochschule und von seinem Schüler Kurt Kern, 16 Jahre jung. Die Galerie Holger John sei ein Unikat in Dresden, die weit über die Grenzen Dresdens hinaus strahlt, sagte Barbara Klepsch, die sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus bei der Ausstellungseröffnung in der Kunsthochschule. „Er schafft Räume für herzliche Begegnungen, Erlebnisse und Austausch, die man nicht vergisst. Er holt Künstler aus dem Ausland nach Dresden, inspiriert und begeistert Menschen für Kunst“, so Klepsch über Holger John. Und er sei auch ein Unruhestifter für eine lebendige Kulturszene in Dresden und Sachsen.

Es gab sogar eine Protestaktion einiger Kunststudenten kurz nach der Ausstellungseröffnung. „Eine kleine Studentenrevolte. Manche Besucher dachten auch noch, das sei von mir inszeniert“, sagt Holger John dazu. Er musste sogar ein Bild eines Gastkünstlers wegen angeblich sexistischer Darstellungen abnehmen. Das ausgerechnet an einem Ort wie der Kunsthochschule, die sich weltoffen und aufgeklärt gibt nach außen. Wo Kunstfreiheit eigentlich selbstverständlich sein sollte. „Da gibt es nur zwei Varianten: Umschulung oder Weiterbildung“, so John zur Akion der Kunststudenten. „Ich möchte mit der Ausstellung anregen, auch mal die eigene Scholle zu verlassen und ins kalte Wasser zu springen.“ Oliver Estavillo, ebenfalls Künstler, sagt dazu: „Die Ausstellung ist ein Kunst-Tsunami, der auf die Leute zurollt, sie beinahe verschluckt und sehr kraftvoll ist.“ Holger John war selbst überrascht von den teils heftigen Reaktionen auf die Bilder. Er nimmt es locker und gelassen auch das Älterwerden. Sein Vater Joachim John habe mit 80 Jahren noch einmal ganz neu angefangen zu malen, farbig kolorierte Zeichnungen. „Jetzt fängt es erst richtig an!“, sagt Holger John schelmisch lächelnd. Den Kopf immer noch voller Ideen und Pläne für Bilder, Ausstellungen und Kulturevents in Dresden.
Text + Fotos (lv)

Die Ausstellung „Alles so schön bunt hier!“ ist noch bis 31. Mai zu sehen. Führungen mit Holger John gibt es täglich um 13 Uhr in der Ausstellung. Geöffnet hat sie Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr, Eingang am Georg-Treu-Platz 1 hinter der Hochschule.


Eine Aufnahme vom Fasching an der HFBK aus den 50er Jahren: Die Dame mit dem Hut ist Lissy, die Mutter von Holger John. Sie studierte dort einige Semester.

Geburtstagsausstellung „66 x John“: Dichtes Gedränge zur Eröffnung der Bilderschau in der Galerie Holger John in der Rähnitzgasse 17 in Dresden. Noch bis 7. Juni zu sehen.

Die Kunst hält ihn frisch: Holger John hält es wie sein Vater und probiert gern Neues. Joachim John begann mit 80 Jahren noch mal von vorne – mit farbig kolorierten Zeichnungen. Zwei seiner Bilder hängen in Johns Ausstellung in der HfBK.

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Jubiläumsausstellung „handsam“ von Angela Hampel in der Galerie Mitte in Dresden

25 Mittwoch Mär 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Natur, Zwischenmenschliches

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„Die eigenen Wertvorstellungen behalten und hochhalten“: Die Malerin Angela Hampel vor den Arbeiten ihrer Jubiläumsausstellung „handsam“ in der Galerie Mitte in Dresden. Sie gehört zu den herausragendsten Künstlerinnen in Ostdeutschland.


Mit Bildern berühren und Besinnung auf eigene Werte
Sinnlich expressive figürliche Arbeiten über die Licht- und Schattenseiten des Menschseins zeigt die Künstlerin Angela Hampel derzeit in ihrer Jubiläumsausstellung „handsam“ zum 70. Geburtstag in der Galerie Mitte in Dresden. Noch bis 4. April zu sehen.

Zärtlich, wild, furchtsam, sanft und gelassen schauen ihre Figuren in die Welt. Paarweise schmiegen sie sich aneinander, in erdig warmen und intensiv roten und schwarzen Farbtönen. Um Berührungen innen wie außen geht es in der Jubiläumsausstellung „handsam“ mit Malerei, Zeichnung und Druckgrafik von Angela Hampel zum 70. Geburtstag in der Galerie Mitte, Striesener Straße 49 in Dresden (noch bis 4. April zu sehen).

Dort zeigt außerdem der Künstler Michael Klose derzeit unter dem Titel „Reflexion“ seine Bilderlandschaften in wunderbar schwebenden Farben, die in einen Zustand zwischen Wachen und Träumen entführen im Stil der Romantik, in dem Sehnsucht, Fantasie und Reales Gestalt annehmen. Im Kabinett der Galerie sind aktuelle, sinnlich expressive figürliche Arbeiten mit Acryl und sibirischer Kreide gezeichnet von 2025/26 von Angela Hampel aus der Serie „handsam“ zu sehen. Es sind Ausschnitte aus ihrem laufenden Werk, in denen es um die Licht- und Schattenseiten des Menschseins geht. Sie gehört zu den herausragendsten Künstlerinnen in Ostdeutschland. In ihren Bildern setzt die Malerin sich mit ihrer unverkennbar kraftvoll, energiegeladenen Handschrift oft mit zwischenmenschlichen Beziehungen, Mann-Frau-Rollenbildern, der Ohnmacht und Kraft des Weiblichen oft in mythologischen Gleichnissen auseinander.

Immer wieder tauchen Paare und Frauen mit Tieren auf, die an Naturgöttinnen erinnern, wundersam, erhaben und selbstbewusst, begleitet von vielerlei Getier wie Raben, Mäuse, Ratten, Schlangen, Fische, Geparden und Katzen. Auch der Kasper ist „als Spiegelbild der Gesellschaft“ in einem Bild zu sehen, mit herabhängender roter Mütze, der auch immer etwas Trauriges hat, und sich selbst umarmt oder auf die Schulter klopft selbstverliebt. „Wenn sich der Kasper liebt…“, heißt der vieldeutige Titel. Das Gesicht ist nachdenklich, versunken, weiblich. Es könnte auch ein Selbstbildnis der Malerin sein. „Die eigenen Wertvorstellungen behalten, hochhalten“, ist ihr wichtig. Der Titel „handsam“ bezieht sich darauf, dass es Handzeichnungen sind. „Ich kann das machen, was mir nahe ist. Die Quintessenz ist das freundliche, zärtliche Miteinander zwischen allen Lebewesen, die Anteilnahme, das Akzeptieren des Anderen. Das Sosein. Dazu ist man kaum noch in der Lage“, sagt Angela Hampel zu ihren Bildern. „Ich gehöre ja zu einer Generation von Menschen aus dem Osten, deren Werte am Verschwinden sind. Die Kunst auch mit einer gewissen Haltung machen und die Dinge auch anders sehen.“ Es gebe auch so etwas wie Herzanstand. Berühren hat mit anfassen, die Hand geben zu tun.

„Ich will die Leute berühren mit meiner Kunst. Mir geht es um die Verbindung von Mensch und Tier. Aber wir werden der Verantwortung nicht gerecht und sind gar nicht auf ein Zusammenleben vorbereitet“, sagt sie. Erst wurden sie geschützt, jetzt wolle man Wölfe wieder schießen statt ihnen Respekt zu zollen. Angela Hampel weiß: „Ich kann mit den Blättern nur meine Empfindungen ausdrücken, aber keinen Krieg verhindern.“ Dennoch malt und zeichnet sie weiter. Trotz alledem und mit Frühlingsbeginn auch wieder in ihrem Gartenatelier in Struppen bei Pirna. „Ich kann mich in den Garten setzen, erfreue mich an den Märzenbechern, jedem Blümchen, das wächst. Nur Vögel sind weniger als sonst da.“

In Dresden gibt es bald eine kleine Ausstellung zu christlichen Themen von ihr in der Tolkewitzer Betlehemkirche, die am 14. Juni, um 11 Uhr eröffnet. Es war die erste Kirche, die nach dem Zweiten Weltkrieg neu aufgebaut wurde. In ihrer Heimatstadt Kamenz hat Angela Hampel außerdem eine Ausstellung (Eröffnung am 23.7. im Malzhaus) mit Zeichnungen aus der Serie „Laookon“, dem weisen Seher, der auf Kassandra trifft. Ihre Mutter lebt noch dort, die unlängst ihren 90. Geburtstag feierte. Über das Älterwerden sagt Angela Hampel ganz unsentimental: „Man muss es akzeptieren, auch um Hilfe fragen. Der Blick verändert sich, man weiß die kleinen Dinge mehr zu schätzen und die Zeit, wo nichts weh tut.“ Für die Welt wünscht sie sich Frieden, sagt die Malerin. „Wir versuchen ja auch ein bisschen Schönheit in die Welt zu setzen. Das ist ja auch eine Lebensaufgabe.“

Text + Fotos (lv)
Öffnungszeiten: Di bis Fr 15 bis 19 Uhr, Sa 10 bis 14 Uhr

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Ausstellung „Reflexion“ von Michael Klose & Bilder von Angel Hampel mit dem Titel „Handsam“ im Kabinett in der Galerie Mitte in Dresden

07 Samstag Mär 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Literatur, Musik, Poesie, Zwischenmenschliches

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Stille, traumversunkene Bilderlandschaften: der Maler Michael Klose bei seiner Ausstellungseröffnung „Reflexion“ mit viel Besucherresonanz in der Galerie Mitte in Dresden.

Das Schweben der Farben und des Lichts

In Farben und Formen schwelgende Bilderlandschaften mit Brücken, Seerosen und Stadtansichten zeigt der Maler Michael Klose derzeit in seiner Ausstellung „Reflexion“ in der Galerie Mitte, Striesener Straße 49, in Dresden. Im Kabinett sind expressive, figürliche Arbeiten von Angela Hampel unter dem Titel „handsam“ zu sehen.

Helle und dunkle Grün- und Blautöne verflie0en, entführen in einen Zustand zwischen Wachen und Träumen, fern und nah zugleich, in dem Sehnsucht, Fantasie und Reales Gestalt annehmen in den wunderbaren Bilderlandschaften der Ausstellung „Reflexion“ mit Malerei, Zeichnung und Druckgrafik von Michal Klose, die mit viel Besucherresonanz und romantisch beschwingten Klängen der Musiker unlängst in der Galerie Mitte, Fetscherstraße 49, in Dresden eröffnete.

Außerdem werden im Kabinett von Angela Hampel unter dem Titel „handsam“ sinnlich expressive, zarte und kraftvolle figürliche Arbeiten in ihrer Jubiläumsaustellung zum 70. Geburtstag geteigt, in denen es um Licht- und Schattenseiten des Menschseins geht, um Naturgöttinnen begleitet von vielerlei Getier und um Berührungen innen wie außen.

Die Ausstellung ist noch bis 4. April zu sehen.

Text + Fotos (lv)
Mehr Text und Fotos zur Ausstellung folgen.

Heute am 7. März, um 17 Uhr liest die Schauspielerin Annette Richter Texte romantischer Dichter in der Ausstellung.

Geöffnet: Di bis Fr 15 – 19 Uhr, Sa 10 – 14 Uhr

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Ausstellung „Vertrautes & Überraschendes“ mit Fotografien von Wolfgang Nassler und Jürgen Dittrich im Einnehmerhaus Freital

07 Samstag Mär 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Musik, Natur, Projekte, Zwischenmenschliches

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Steinsonne & Eisblumen & Baumstrukturen… Die Natur malt, zeichnet mit in der derzeitigen Ausstellung mit Fotografie im Einnehmerhaus des Kunstvereins Freital, Dresdner Straße 2.

Farben- und Formenfülle in Bildern & Klängen:  Mit zauberhaftem Spiel voller Hingabe an der Harfe begeisterte Aerdna Harp (Andrea Dorschner) zur Ausstellugseröffnung die Besucher. Bettina Liepe, Vorsitzende des Kunstvereins im Einnehmerhaus bedankte sich herzlich.

Steinfarben & Steingesichter: Einen besonderen Blick dafür hat Jürgen Dittrich, von Beruf Geologe und seit vielen Jahren als Fotograf in der Natur unterwegs.

Zauberhafte Naturaufnahmen

Die reichhaltige Farb- und Formenfülle von Gesteinen und Landschaften zeigt die Ausstellung „Vertrautes & Überraschendes“ mit Fotografien von Wolfgang Nassler und Jürgen Dittrich derzeit im Einnehmerhaus Freital.

Steinfarben, Eisblumen, Baumstrukturen und Schwünge in der Landschaft. Die Natur malt, zeichnet mit in reichlicher Farben- und Formenfülle in der ersten  Ausstellung dieses Jahres mit dem Titel „Vertrautes & Überraschendes“ mit Fotografien von Wolfgang Nassler und Jürgen Dittrich im Einnehmerhaus des Kunstvereins Freital e.V., Dresdner Straße 2. In der Reihe „Sinn und Eigensinn“, in der Vereinsmitglieder und Freunde des Hauses ihre Arbeiten vorstellen, zeigen sie in langjähriger Freundschaft entstandene Aufnahmen von ihren gemeinsamen Fototouren und der Suche nach besonderen Motiven.

Zur Eröffnung in der Keramikwerkstatt am vergangenen Sonntagnachmittag waren alle Plätze besetzt. „Vor einem Monat standen wir hier noch im Bauschutt und sind froh, dass wir es geschafft haben“, sagte Bettina Vorsitzende des Kunstvereins im Einnehmerhaus. Das gehört  jetzt dem Verein.

Das Einnehmerhaus gehört jetzt dem Kunstverein

Im Dezember 2024 wurde der Kaufvertrag mit der Stadt Freital unterzeichnet wurde. Damit wird auch das Engagement des Kunstvereins gewürdigt und sichert ihm langfristig sein Domizil. Die erforderlichen Brandschutzmaßnahmen werden peu a peu umgesetzt. Mit viel Hingabe und zauberhafter Klangfülle an der Harfe brachte Andrea Harp alias Andrea Dorschner die Räume zum Klingen. Feinsinnig, ausdrucksreich und fantasievoll lassen die Fotografien dem Betrachter viel Raum für eigene Wahrnehmung. Sie zeigen faszinierende Naturaufnahmen, darunter rote Flechten auf Gestein, Blätter unterm Eis, hauchfeines „Haareis“, Wasserbewegung, Lerchennadeln, eine Steinsonne, ein Fensterblick mit getigerter Katze und ein Sandsteingesicht. „Die Stein-Geschichten liegen mir besonders am Herzen, ihre verblüffend natürliche Vielfalt bezüglich Struktur und Farbe“, sagt Jürgen Dittrich. Er ist Jahrgang 1944, Geologe von Beruf und seit vielen Jahren ambitionierter Hobbyfotograf.

„Wir wollten diese Ausstellung noch zusammen machen. Wolfgang Nassler wusste davon und war erfreut darüber“, so Dittrich. Vier Monate später, im April 2025 starb er 85-jährig nach langer, schwerer Krankheit. Jürgen Dittrich erinnerte an dessen reges Schaffen und stellte Nasslers Bilder vor. Seine Frau hörte es gerührt und freute sich über die Blumen. Wolfgang Nassler war Urfreitaler, erfolgreich als Diplomingenieur im Hochbau und Leiter von Ingenieurbüros und viele Jahre fotografisch kontinuierlich unterwegs. Die beiden hatten 2017 bereits eine Ausstellung „Unterwegs in Nah und Fern“ mit ihren Fotografien im Einnehmerhaus.

Variationen zur Farbe in der Landschaft

Die neue Ausstellung vereint verschiedene Sichtweisen, die kontrastieren und einander ergänzen. Von Wolfgang Nassler stammen die fotografischen Variationen zur Farbe in der Landschaft. Ein Bild von ihm hängt einzeln, fast schwarz-weiß, mit rotem Signal am Waggon. „Der Zug ist abgefahren…“, so der vieldeutige Bildtitel. „Die Zeichen des Käfers“ im Holz von Dittrich erinnern in der Form an die Kunst der Aborigines, den australischen Ureinwohnern und andere Naturvölker. „Ich sehe das Schöpferische, wenn dort in einer Aufnahme das kleine Bäumchen wie aus dem Nichts wächst“, sagt Ausstellungsbesucherin Rosemarie Halmel aus Dresden begeistert. „Die Schönheit und die Kraft, die in der Natur liegen, sind beeindruckend.“ Die Ausstellung ist noch bis 26. April im Einnehmerhaus zu sehen. Zum Mittun in der Dunkelkammer und Fotolabor lädt Thomas Unger vom Kunstvererein im Einehmerhaus nach Absprache ein.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Do und Sa 10 – 17 Uhr, Fr und So 14 – 17 Uhr

http://www.kunstvereinfreital.de

Bleibende Bilder & Erinnerungen: Die Frau von Wolfgang Nassler, der die Ausstellung nicht mehr selbst miterleben konnte. Er starb nach schwerer Krankheit 85-jährig im April letzten Jahres.

Fasziniert von der Schönheit & Schöpferkraft der Natur: Besucherin Rosemarie Halmel im Gespräch mit Thomas Unger vom Kunstverein im Einnehmerhaus und ebenfalls Fotograf.

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Ausstellung „Moment mal!“ – eine Werkschau von Werner Pinkert, 97 Jahre und der älteste lebende Dresdner Künstler, im Kulturrathaus

07 Samstag Mär 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Zwischenmenschliches

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Das Magische des Augenblicks festhalten: Das reizt Werner Pinkert, den mit 97 Jahren ältesten Dresdner Künstler, sein Leben lang zu malen und zeichnen. Die Kunst half ihn auch, schwere Zeiten zu überstehen. Ihm zur Seite seine Tochter Gabrielle Pinkert, die auch die Ausstellung ihres Vaters im Kulturrathaus, Königstraße 15 in Dresden zusammengestellt hat. Chapeau für dieses reichhaltige Lebenswerk!

Bilderzauber mit Karneval, Hosenfischen und Fußballglück

Besondere Momente aus seinem Leben und Schaffen aus über 80 Jahren zeigt Werner Pinkert, der mit 97 Jahren älteste lebende Dresdner Künstler derzeit in einer Ausstellung im Kulturrathaus.

Vor einer Häuserkulisse in zarten, winterlichen Pastellfarben liegen zwei Boote auf dem Wasser. Davor steht eine Frau traumversunken. „Karneval in Venedig“ heißt das Bild, eine Mischung aus Aquarell und Collage. „Es war unsere erste Reise nach dem Mauerfall. Eine Zeit des Aufbruchs, denn über Nacht stand die Welt offen“, erinnert sich Werner Pinkert. Den venezianischen Karneval erlebte der Künstler zusammen mit seiner Familie damals am 24. Februar 1990. „Alles war still und verzaubernd. Zugleich zeigte sich die Lagunenstadt als lebendiges Theater, in dem die Menschen in prächtigen Kostümen wandelten und mystische Figuren mit Masken über dem Markusplatz tänzelten, gar zu schweben schienen“, erzählt er. Ein geheimnisvoller Zauber schwebt auch über dem Bild. Es ist das Titelbild der Ausstellung „Moment mal!“ – eine Werkschau von Werner Pinkert, dem mit 97 Jahren ältesten in Dresden lebenden Künstler, im Kulturrathaus, Königstraße 15.

Mit seinen Bildern nimmt Pinkert die Besucher mit auf eine faszinierende Reise durch sein reichhaltiges Lebenswerk von mehr als 80 Jahren. Die Bandbreite reicht von Zeichnung, Linolschnitt, Ölmalererei bis zu typografischen und buchgestalterischen Arbeiten und SZ-Zeitungsartikel von ihm und Zeichnungen über alte Dorfkerne u.a. Ihn treibt das Motiv an. „Es ist der Versuch, den Moment festzuhalten, ein interessantes Geschehen: sei es ein Bauensemble, eine Menschengruppe, Köpfe, Situationen oder die Besonderheit einer Landschaft. Das Magische des Augenblicks“, erzählt Werner Pinkert. Manchmal spiele Originalität hinein, immer sei ihm das Charakteristische wichtig. Als Kind sah er seiner Mutter gern beim Zeichnen zu und „bewunderte sie, wie sie Aquarelle aufs Papier brachte.“ Das war in Mügeln bei Oschatz, wo Werner Pinkert aufwuchs. Mit 14 Jahren begann er eine Ausbildung zum Steinmetz. Kurz vor Kriegsende 1945 wurde er zum Arbeitsdienst eingezogen und geriet er in amerikanische Gefangenschaft.

Die Kunst half ihm, die schwere Zeit zu überstehen und ein wenig Glück. „Ich wurde beim Zeichnen entdeckt“, so Pinkert. „Genauso wie ein anderer Soldat, der viel älter war und daraufhin einen Auftrag von den amerikanischen Soldaten erhielt.“ Als junger Mann sollte Pinkert  ihm für dieses Werk Modell stehen. „Das  dauerte einige Wochen. Und zum Glück war ich nur wenige Monate in Gefangenschaft.“ In Mügeln lebten auch nach der Kriegszeit einige Künstler, die aus der Stadt geflohen waren und das Leben auf dem Land bevorzugten. Pinkert schloss sich ihnen gern an, weil er „ihnen zuschauen, von ihnen lernen, mit ihnen malen wollte.“ Einer dieser Künstler war Curt Wild-Wall, der ihn mehrfach ermuntert habe, die Aufnahmeprüfung an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden abzulegen. „Dort bin ich zu meinem eigenen Erstaunen sofort aufgenommen worden.“ Eine Aufgabe war, aus dem Kopf einen Schubkarren zu zeichnen, so Pinkert. „Den habe ich dann für einige andere mitgezeichnet, die gar nicht wussten, wie so etwas aussieht. Auf dem Land aufgewachsen, fiel mir das leicht.“ Von 1948 bis 1953 studierte Werner Pinkert Malerei und Grafik an der hiesigen Hochschule. Seine Lehrer waren Rudolf Bergander, Erich Fraaß und Fritz Dähn.

30 Jahre unterrichtete er dann selbst Kunsterziehung bis 1990 an der Pädagogischen Hochschule in Dresden. Dort hatte Pinkert seine Grafikwerkstatt, wo er Kunstbücher und Plakate mit Studenten gestaltete. Pinkert leitete auch Mal- und Zeichenzirkel, betreute Malreisen und war Mitbegründer der Dresdner Sommermaltage. Die gibt es auch heute noch für Malbegeisterte, die Austausch und Anleitung suchen. „In meiner Tätigkeit als Lehrer habe ich versucht, das Beste aus den Schülern herauszuholen. Mit Geduld und Großzügigkeit. Ich habe immer versucht, sie zu befähigen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren“, erklärt Pinkert. Zu seinen Bildern sagt er: „Es muss mich erfassen, so berühren, dass ich entsprechend meiner Empfindung das Ganze aufs Papier zu bringen versuche, ohne mich in kleinen Details zu verlieren.“ Über Kultur generell macht er sich auch Gedanken: „Kunst, egal ob es eine Melodie, eine Performance, ein Film oder eine Zeichnung ist, kann zum Schweigen bringen oder Lautwerden lassen, sagt er über ihre Wirkung. „Kunst ist ein seltenes Mittel. Sie braucht keine Sprache, keine Übersetzung, sie lebt aus sich selbst heraus und über Grenzen hinweg. Und echte Berührung ist wichtig – auch und vor allem in der jetzigen Zeit, in der technische und digitale Möglichkeiten vieles zu ersetzen scheinen.“ In einem Öbild aus den 1960er Jahren vor schon abblätterndem, sepiafarbenen Hintergrund erscheint „Die Nachbarin“ in leuchtend gelber Bluse mit großen sehnsuchtsvollen Augen.

„Das Bild kommuniziert mit sich selbst, die Zeit frisst schon die Farbe auf, doch die Frau bleibt ewig jung“, sagt Gabrielle Pinkert, die Tochter des Künstlers. Sie ist Moderatorin und Filmemacherin und pendelt zwischen ihrer Heimat und Bayern, wo sie wohnt, um nach ihren Eltern in Dresden zu sehen. „Die Nachbarin“ fasziniere viele Besucher der Ausstellung. Von eigenem Reiz und erstmals zu sehen ist auch ein Akt von Pinkert – sein Modell eine Studentin. „Sie hielt immerzu den Kopf geneigt und nestelte an ihrem Strumpf, weil sie nicht erkannt werden wollte“, erzählt Werner Pinkert. Das Pastellkreidebild wirkt natürlich, spontan, zeitlos schön. Schmunzeln lassen seine Kohlezeichnungen mit „Felsen der Teufelsmauer“ im Harz und aus dem Gestein blickenden, schelmischen Gesichtern. Auf zwei kleinen Acrylbildern strahlt „Fußballglück“ mit energiegeladenen Bewegungen.

In witzigen Collagen treten „Mantel- und Hosenfische“ gegeneinander an, die formspielerisch Schals mit Fransen als Kiemen tragen. „Die Grossen fressen immer die Kleinen“, steht darunter. Im Frühjahr will er wieder rausgehen und zeichnen.Werner Pinkert schaut mit Offenheit und Neugier in die Welt, besitzt ganz offensichtlich immer noch Heiterkeit und Freude an den kleinen Dingen. Und er hat eine innige Beziehung mit seiner Frau und der Familie. Sie gehen spazieren, reden und lachen viel zusammen, sagt seine Tochter, die die Ausstellung kuratiert hat. Jeder Moment sei ein Geschenk. Das Venedig-Bild sieht sie auch als ein Sehnsuchtsbild, das daran erinnert, in einer schnelllebigen Zeit seine Träume nicht zu vergessen und immer wieder den Aufbruch zu wagen.

Die Ausstellung von Werner Pinkert wird wegen großen Interesses noch bis Ende April verlängert im Kulturrathaus Dresden in der ersten Etage gezeigt.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Mo bis Do von 9 bis 18 Uhr und Fr von 8 bis 16 Uhr

http://www.dresden.de/galerie2stock

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Ausstellung „Figur & Natur“ von Christine Wahl in der Galerie Mitte. Bilder aus dem Leben einer 90-jährigen Künstlerin.

12 Donnerstag Feb 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Zwischenmenschliches

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Die Liebe zur Kunst und zum Leben spricht aus jedem Bild: Die Künstlerin Christine Wahl vor ihren wundervollen, zeitlos schönen Arbeiten in der Galerie Mitte im Dresden.


Eine Meisterin der „Kunst des Leisesagens“
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Sinnlich, feinsinnig, akribisch und oft mit einem Hauch Geheimnis umgeben, sind die weiblichen Akte, Atelierszenen, Stillleben und Reiseimpressionen in der Ausstellung „Figur & Natur“ von Christine Wahl, mit 90 Jahren die älteste lebende Dresdner Künstlerin, derzeit in der Galerie Mitte in Dresden, Chapeau!
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Pure unverhüllte Schönheit und Sinnlichkeit, in feine Linien gekleidet, fließen in den Porträts, weiblichen Akten und Interieurs vorwiegend in warmen Erdtönen zusammen. Zu sehen sind sie in der Ausstellung „Figur & Natur“ mit Zeichnungen und Druckgrafiken von Christine Wahl derzeit in der Galerie Mitte, Striesener Straße 49, in Dresden (noch bis 21. Februar).

Christine Wahl ist bereits 90 Jahre alt und damit die älteste lebende Künstlerin in Dresden. Die Ausstellung versammelt Arbeiten aus ihrem reichhaltigen Schaffen aus dem Zeitraum von 1995 bis 2024. Darunter figürliche Szenen, Stillleben und Reiseimpressionen, farbenfrohe Aquarell- und Federzeichnungen mit Landschaften auf Kreta, Menschen auf dem Markt, ein Palmenhain auf Sizilien, Pinien in Kroatien und eine Ansicht vom „Großen Garten“ in Dresden. Sie macht nicht viele Worte um ihre Bilder. Es sei doch alles zu sehen, meint Christine Wahl und lächelt. Klein und zierlich, weißer Haarknoten und aufmerksame Augen, sitzt sie auf dem Sofa in der Ausstellung. Sie trägt einen hellen Pullover, darüber eine schwarze Weste und eine korallenrote Kette. Ruhe und Klarheit strahlt sie aus, wie ihre Arbeiten. Die Liebe zur Kunst und zum Leben spricht aus jedem Bild. Sonnengelbe Quitten auf einer blauen Schale. Feigen und Trauben. Prächtige Blumensträuße in der Vase. Weibliche Akte in zarten und kraftvoll, schwungvollen Körperlinien im Atelier und in häuslicher Umgebung. Ein „Atelierstillleben“ in einer schwarz-weißen Kaltnadelradierung mit Blick durch den Bilderrahmen in den Raum zwischen Kunst und Alltagsdingen.

Christine Wahl ist eine Meisterin in der „Kunst des Leisesagens“. Feinsinnig, leicht und akribisch im Strich und immer mit einem Hauch Geheimnis umgeben – das macht den Reiz ihrer Bilder aus. Sie sind von zeitloser Schönheit und stillem Zauber, das ist wohltuend in der heutigen oft grellen, lauten und schnelllebigen Gegenwart. Sie wollte immer Künstlerin werden, sagt Christine Wahl. Geboren und aufgewachsen ist sie in Glashütte im Erzgebirge. Einige frühe Bilder mit Blick auf weite Höhen und märchenhafte, dunkle Tannenwälder hängen auch in der Ausstellung. Ihr Vater war Grabbildhauer. Ihre Mutter hatte nichts dagegen einzuwenden. Mit 18 Jahren begann Christine Wahl 1953 mit dem Studium an der Dresdner Kunsthochschule. „Die Aufnahmeprüfung bestand aus einem künstlerischen und politischen Teil, wo es um die Zeit des Stalinismus ging. Damit hatte ich nichts am Hut“, erzählt sie. An dem Tag waren Unruhen und Panzer rollten im Stadtzentrum, erfuhr sie hinterher. „Dieser Prüfungsteil fiel aus.

Das war mein Glück, sonst wäre ich mit meiner Ansicht wohl nicht zum Kunststudium zugelassen worden.“ Ihre Lehrer waren Hans Theo Richter, der den Zeichnungsstil der Dix-Schule und das formale Ethos der Form aus der Kollwitz-Tradition lehrte und Max Schwimmer, der dessen Strenge durch leichtflüssige Fabulierlust auflockerte. Ihre farbigen Federzeichnungen spiegeln unverkennbar seinen Einfluss. Nach dem Studium bekam Christine Wahl einen Werksvertrag in der damaligen Schokoladenfabrik in Dresden, wo sie die Arbeiterinnen mit ihren weißen Häubchen zeichnete. Staatliche Auftragskunst habe sie jedoch immer abgelehnt. Sie studierte außerdem Anglistik und arbeitete neben ihrer künstlerischen Tätigkeit als Übersetzerin für Besucher der Leipziger Messe. Seit ihrem Diplom für Grafik ist Christine Wahl freischaffend als Künstlerin in Dresden tätig. Bis ins hohe Alter. „Weil ich diese Art zu leben liebe. Bei dem was man macht, ganz frei zu sein. Da gibt es keine Vorschriften“, mag sie an der Kunst. „Damals war das Geld nicht so wichtig.“ Ab und zu zeichnet sie noch und freut sich über jeden neuen Tag. „Plötzlich ist die Jahreszahl da“, staunt Christine Wahl selbst über die 90. „Im Alter vergeht die Zeit schnell.“ Sie wohnt allein. Ihr Sohn schaut regelmäßig nach ihr. Sie sieht und ordnet ihre vielen Lebensbilder, lässt sich immer noch gern überraschen. „Christine Wahl war schon eine bekannte Künstlerin in den 1980er Jahren. Sie ist eine wunderbare, sensible Zeichnerin und eine fantastische Koloristin voller Emphatie und Hingabe“, sagt Galeristin Karin Weber über ihr Schaffen.
In der Kabinettausstellung der Galerie Mitte werden außerdem ausdrucksstarke und teils beklemmend aktuelle Linolschnitte über soziale Not und Eintreten für ein besseres Leben, geschaffen vom Künstlerpaar Lea und Hans Grundig in der ASSO-Künstlergruppe in den Jahren 1930 bis 1932, aus der Sammlung von Maria Heiner gezeigt.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Di bis Fr 15 – 19 Uhr, Sa 10 – 14 Uhr
Die Kunstsammlerin Maria Heimer vor Bildern von Lea und Hans Grundig in der Kabinettausstellung in der Galerie Mitte in Dresden.
Das Künstlerpaar Lea und Hans Grundig.

 

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BilderAlbum: Ausstellung „Emotionen in Kunst“ von Mandy Baldauf im „Kastenmeiers“ in Dresden

28 Mittwoch Jan 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Natur, Projekte, Zwischenmenschliches

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Suche nach Leichtigkeit und Balance im Spiel des Lebens

Traumhaft surreale Welten und Wirklichkeit. Figürliches, Natur und Tiere verbindet Mandy Baldauf facettenreich in ihrer Bilderwelt. Ihre Ausstellung „Emotionen in Kunst“ ist noch bis 30. Januar im „Kastenmeiers“ im Taschenbergpalais, Taschenberg 3, in Dresden zu sehen.

Die Bilder von Mandy Baldauf sind voll leuchtender Farbkraft, Leichtigkeit und Tiefe. Auf den ersten Blick erscheinen sie oft märchenhaft, surreal, heiter und verspielt. Doch bei näherem Hinsehen erkennt man, Schönes, Trauriges, Verletzliches, Träume und Ängste liegen nah beieinander. In symbolhafter, offener und poetischer Bildsprache entführt sie den Betrachter in Traumwelten nah an der Wirklichkeit. Man blickt dabei wie in einen Spiegel, der in viele Einzelteile zerspringt, die umher schweben, fallen, steigen. Und die jeder für sich wie Puzzleteile neu zusammen setzen kann im Spiel des Lebens.

Treppen führen hinunter zwischen Erdhügeln, umgeben von Baumwurzeln, umgestürzten Stämmen, die wie Sprachrohre wirken hin zu verborgenen Türen. Ein Mädchen im weißen Kleid sitzt auf einem Zweig und träumt vom Fliegen. Die Blumenwiese ist von Blau umhüllt wie unter einer Glaskugel. Die Bilder tragen Titel wie „Melancholie oder Leichtigkeit“, „Zeit, einen neuen Weg zu gehen“ und „Gefallen oder erwachen“.

Zu sehen sind unter dem Titel „Emotionen in Kunst“ rund 40 Arbeiten von Mandy Baldauf in ihrer derzeitigen Ausstellung im Restaurant „Kastenmeiers“ im Taschenbergpalais, Taschenberg 3, in Dresden. Darunter großformatige Acrylbilder und feine, zarte Zeichnungen voller Freude, Fantasie und kindlicher Unbeschwertheit. Aus ihnen spricht eine innige Verbundenheit der Künstlerin zur Natur und allem Lebendigen. Ihre Bilder erzählen feinsinnig, ausdrucksstark von Licht und Schatten, Abschieden, Trauer, Loslassen und der Sehnsucht nach Balance und Gehaltensein. Sie berühren vor allem mit ihren Kontrasten, Ehrlichkeit und Authentizität. Und sie entfalten mit ihrem intensiven wie schwungvollen Farb- und Formenspiel einen eigenen, ursprünglichen Zauber. Eine Bilderwelt, von der man sich wünscht, dass sie noch viele Menschen sehen und sich bezaubern lassen.

Text + Fotos (lv) + Porträtfoto: privat

Öffnungszeiten der Ausstellung: Mo bis Sa ab 17 Uhr sowie ab 15 Uhr auch unabhängig von einem Restaurantbesuch

Kontakt zu Mandy Baldauf: Instagram k_u_nst_mandy
Traumhaft surreale Welten & Wirklichkeit miteinander verwoben: die Künstlerin Mandy Baldauf in ihrem Atelier am Stadtrand von Dresden in Altfranken. 

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Lilli Vostry

Ich bin als Freie Journalistin (Wort/Foto) seit 1992 in Dresden tätig. Schreibe für Tageszeitungen und Monatsmagazine vor allem Beiträge über Bildende Kunst, Theater, soziale Projekte und Zwischenmenschliches. Außerdem Lyrik und Kurzprosa. Bisher vier BilderGedichtKalender zusammen mit Künstlern veröffentlicht. Fernstudium Literarisches Schreiben im Herbst 2022 erfolgreich abgeschlossen, Schriftstellerdiplom. Kindheitstraum erfüllt. Fotografiere gern Menschen, Landschaften, besondere Momente.

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