„Strandepisode“ von 1978

Alles fließt

Farbreiche und vieldeutige Bilderlandschaften von
Frank Panse zeigt derzeit eine Ausstellung in der
Stadtgalerie Radebeul.

Ein Bild zeigt die schwarzen Umrisse eines Kopfes, aus dem unentwegt Farben strömen, intensiv, brodelnd, wirr, selten ruhig und klar. So sieht der
Maler Frank Panse sich „Selbst“ in einem Porträt von 2011. Alles fließt, so ein weiterer Bildtitel, auf seinen Leinwänden und Mischtechniken, Arbeiten
auf Papier. Seine derzeitige Ausstellung in der Stadtgalerie Radebeul in Altkötzschenbroda 21 heißt einfach „Malerei“.

Hinter dem eher nüchternen Titel sind tatsächlich schwer in Worte fassbare, überaus vieldeutige, kontrastreiche und spannende Bilderlandschaften zu sehen anlässlich des 75. Geburtstages des in Pethau/Zittau geborenen Künstlers. Die zumeist abstrakten Werke von Frank Panse widerspiegeln das Schnelle, Flüchtige und Brüchige der Gegenwart und die Sehnsucht nach einem Ort der Ruhe, Harmonie und Geborgenheit. Die Farben wuchern wild und oft grell auf den Leinwänden wie um die tägliche Fülle an Gedanken und Eindrücken zu bannen und sammeln in den Bildern. Teils übermalt er Zeitungsausschnitte, denen er seine leuchtendfarbige, skurill-poetische Welt entgegensetzt.

Oft versieht er sie mit einem Rahmen im Bild wie um dem unbändigen Farbstrom einen Halt zu geben. Zu sehen sind vorwiegend neuere Arbeiten von 2007 bis `016 und einige frühe figürliche Arbeiten wie „Strandepisode“ von 1978. Andere Bilder zeigen maskenhafte Figuren und nächtliche Traumgestalten. Seine Zeichensprache ist angeregt von einer Studienreise 1996 nach Mexiko. Er malt Stillleben, Weinberge, Dünen, Augen, eine Katze und Künstlerkollegen wie Peter Graf. Ein Bild widmet er Dante, ein anderes Bacon. Ein anderes mit dem Titel „Zeit kommt, Zeit geht“ zeigt eine Figur mit dunklem Vogel auf dem Kopf, ein Feuerzeug in der Hand und abgetrennten Füßen in der Luft und auf der Erde lodernde Farbe.

„Adam wohin gehst Du“, fragt Panse in einem Bild von 2008. Neben den kräftig lodernden Bildern gibt es auch stillere wie “Gartenstück“, in erdigen und hellen Farbtönen mit feingeäderten Blattspuren. Naturgewachsenes und Farben braucht der Maler offensichtlich, um mit der Welt klarzukommen. Wunderschön auch die rot getupften „Rosen“ an langen Stielen, die den Feingeist und Genießer erkennen lassen. „Figürliche Elemente, Zeichen und Farbrinnsale ergeben Bildstrukturen, die letzten Endes den ursprünglichen Faden sichtbar machen“, sagt Frank Panse über seine Malerei. Er will auf dem Blatt “alles im Fluss halten bis eine Ordnung hergestellt ist – dann kann die Arbeit sich setzen und innerlich beruhigen.“ Frank Panse studierte ab 1968 Theatermalerei an der Dresdner Kunsthochschule und wohnte von 1971 bis 1972 in einer Künstlerbehausung in Altkötzschenbroda. 1972 hatte er seine erste Ausstellung in Dresden.

Seit 1999 lebt und arbeitet er auf einem selbst ausgebauten Bauernhof in Mutzschwitz. Die Ausstellung ist noch bis 5. Mai zu sehen. Zur Finissage gibt es an diesem Tag um 19.30 Uhr eine Lesung mit Wein, Gespräch und Musik mit dem Künstler.

Text + Fotos (lv)

Öffnungszeiten der Stadtgalerie Radebeul: Di., Mi., Do, So von 14 – 18 Uhr.

 

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