Verführerisches Spiel der Gegensätze zwischen Mann und Frau

Der leidenschaftlichste aller Tänze kommt in „Tango Piazolla“ von Carlos Matos mit Musik von Astor Piazolla an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul fesselnd auf die Bühne. Und taucht tief in die Seele des Tango ein.

Eine Frau in grünem Kleid tanzt mit weit schwingenden Bewegungen rückwärts vor einer grauen Wand, begleitet von zarten, lockenden und wehmütigen Akkordeon- und Geigenklängen. Nach und nach tauchen Männer und Frauen aus dem Bühnendunkel auf. Sie tanzen einzeln, suchend, tastend, beobachtend und finden sich zu Paaren einen Moment lang. Sie bewegen sich spiegelgleich miteinander und auseinander, fallen dem Nächsten in die Arme oder vor die Füße.

Mit den Kleiderfarben – von sonnig, erdfarben über türkis und rot bis schwarz – wechseln die Gefühlsstimmungen und Musik energie- und spannungsgeladen, voller Reiz und Kontraste in „Tango Piazolla“. In dieser Tanztheateraufführung, einem „Abend der zerbrochenen Träume“ von Carlos Matos an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul begegnen junge Menschen auf der Suche nach Glück und Orientierung in einer Welt ohne Sicherheiten der leidenschaftlichen, großartigen Musik von Astor Piazolla. Die Liebe zum Tango hat der geniale Komponist, Bandoneonspieler und weltberühmte Erfinder des Tango Nuevo von seinem Vater geerbt, der in den 1930er Jahren mit seiner Familie aus wirtschaftlichen Gründen von Argentinien nach New York zog und allabendlich in Erinnerung an die Heimat Tangoplatten hörte. 1937 kehrte die Familie nach Argentinien zurück.

Später sucht und findet Piazolla seine eigene Art den Tango zu spielen, mischt Elemente der klassischen Moderne mit Jazz und elektronischen Klängen und Percussion. Das Lebensgefühl des Tango, die Seele und Faszination dieser Musik kommen emotionsreich und fesselnd auf die Bühne. Bekannte Tangos Piazollas wie Libertango und Fuga y  Mysterio und seltener gehörte, kraftvoll treibende, schnelle Stücke und leise versunkene Melodien treffen aufeinander, ausdrucksreich in Szene gesetzt von Choreograf Matos.

In mal innigen und temporeichen, assoziativen Tanzbildern zeigt das Tänzerensemble hinreißend das verführerische Spiel der Gegensätze zwischen Mann und Frau, den Spagat von Sehnsucht und Hingabe, Sinnlich- und Verletzlichkeit, Führen und Folgen, Frei- und Gehaltensein. Tangoschritte und freie, mitunter fast akrobatische Bewegungen fließen zusammen. Mit den Tango Tanzenden bewegen sich die grauen Stellwände hin und her, öffnen und schließen sich. Männer sitzen oben und Frauen klettern die Wand hoch, wie um auszubrechen aus der Leere, auf Händen empor gehalten oder halb im Fallen. Begeisterten Beifall gab es zur Premiere für „Tango Piazolla“.

Die nächsten Aufführungen mit anschließender Milonga mit Live-Musik zum Tango Tanzen für die Besucher sind am 8.4., um 19.30 Uhr und  am 23. April, um  19 Uhr. Vor der Vorstellung gibt es um 18.30 bzw. 18 Uhr einen Einführungskurs in den argentinischen Tango im Glashaus. Hinterher spielen am 8.4., ab 21.30 Uhr das Kontrabass Trio und DJ Aljoscha Bukowski aus Berlin Tangomusik und am 23.4., ab 21 Uhr begleitet das Duo Tango Amoratado (Jürgen Karthe am Bandoneon und Fabian Klentzke am Klavier) aus Dresden die Tanzenden und danach legt DJ Stefan OK aus Halle Tangoplatten bis Mitternacht auf.

Fotos: Hagen König/Landesbühnen

 

 

 

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