In drei Tagen zu Fuß von Dresden zur Elbquelle ins Riesengebirge.

Inspiriert von der Geschichte eines Paddlers (von Tommy Lehmann: „Allein auf der Elbe – Tausend Kilometer im Faltboot“, erschienen im NOTschriften Verlag Radebeul) , der im Gedenken an seinen verstorbenen Vater die gesamte Elbe von der Elbquelle im Riesengebirge bis nach Hamburg entlang gefahren ist, machte sich Sebastian Schliwa am 14. Februar 2014 zu Fuß auf den Weg von Dresden zu dessen Startpunkt. In diesem 90 minütigen Vortrag berichtet er am 30. März, um 20.30 Uhr bei Büchers Best in der Neustadt über seine Erlebnisse und Erfahrungen, die er auf den über 170 Kilometern in 3 Tagen bei seinem Projekt DRESPIN 2014 gemacht hat. Dabei gehört der Ultralauf zur Elbquelle zu einer langen Liste von Läufen, die er sich bisher ausgedacht und durchgeführt hat. Doch dieser Lauf hatte es ganz besonders in sich. Davon erzählt Sebastian Schliwa in seinem spannenden Erlebnisbericht mit großen Höhen und sehr tiefen Einschnitten, mit Naherfahrungen, die sein Leben prägten, und einigen Tipps & Tricks für alle die, die vielleicht ebenfalls mal einen Ultra im Leben laufen möchten! Text + Foto: [Sebastian Schliwa @ NoTimeToWaste] [In Search of Incredible] [zwickzwack83@web.de] [www.runconnection.de] http://youtu.be/H_pOUbdsZT0

In 20 Jahren wirst du die Dinge, die du nicht getan hast, mehr bedauern, als deine Taten. Also, mach die Leinen los, verlasse den sicheren Hafen. Fang den Wind in deinen Segeln, erforsche, träume, entdecke. – Mark Twain

Gut zu Fuß bei jedem Wetter: Sebastian Schliwa, gelernter Hotelfachmann und seit fünf Jahren Ultraläufer. Bei seinem Lauf-Abenteuer von Dresden zur Spindlermühle im Riesengebirge im Februar 2014 – in Gedenken an seinen Opa, der ein großer Wanderfreund in der Sächsischen und Böhmischen Schweiz war und ihn auch oft mitnahm – bewältigte er bei winterlichem Wetter insgesamt 3 370 Höhenmeter in drei Tagen. „Ich brauche schon mit Fahrrad länger bis zur Elbquelle“, staunte Buchhändler Jörg Stübing bei Schliwas Vortrag bei Büchers Best, dem er ein passendes Zitat des Schriftstellers William James voranstellte. Bei dem es zuerst um die Verschiebung von Grenzen im Kopf geht, um Hindernisse zu überwinden.

Beim Laufen lernt Schliwa viel über sich, sein Körper lehrt ihn Achtsamkeit:
„Es geht nicht darum, möglichst schnell ans Ziel zu gelangen. Der Weg ist das Ziel“, erfuhr er einmal mehr auf dieser Tour. Er fand einen „Kompromiss aus leichtem Wandern in der Natur und ich lief durch Orte entlang der Strecke.“ Die teilte er sich in drei Etappen ein, mit Halts und Übernachtung/Verpflegung in Zittau (nach 88 km), Swieradow Zdroj (nach 44 km). Er lief durchschnittlich vier bis fünf Kilometer pro Stunde. Die letzten 33 km bestanden vorwiegend aus steilen Hängen, die es bei Schnee, Eis und Kälte im Riesengebirge zu überwinden galt. Das Neuland für ihn war. Er wählte die Nordroute über Polen, Tschechien und nochmals Polen, stieg höher und höher über vereiste Holzbrücken, inmitten der Wildnis und kam an einem roten Warnschild: „Achtung alpine Gefahren“ vorbei.

Auf 900 Metern Höhe schlug das Wetter um, es wurde neblig, trüb und verhangen Berge und Himmel. Er hatte noch kein Smartphone, sondern nur ein Navigerät als Guide zur Orientierung und seine Speziallaufschuhe, das Gesicht mit dickem Schal vermummt. „Doch es gab in keinem Moment den Gedanken, wieder nach unten zu steigen. Ich wollte die Flagge ,Geschafft` nach Hause tragen“, erzählt Schliwa. Erst hinterher sei ihm bewusst geworden, welche Gefahren da lauerten. Während er sich bei der schlechten Sicht an einer Bergkante entlang schlängelte und auf allen vieren durchs Gelände kroch. Der Schnee ringsum war so hoch, dass man kaum die Baumspitzen sah. Und er ging weiter und weiter. „Der Schnee schlug von allen Seiten“, so Schliwa. Die letzten zwölf Kilometer folgte er nur noch seiner Nase, ahnte das Ziel Elbquelle mehr, als dass er es sah. Konnte diesen Abschnitt seiner Tour wegen der schlechten Sicht auch nicht in Gipfelbildern dokumentieren. Und trat den Rückweg an. „Überleben und zurück zur Zivilisation waren wichtiger. Eigentlich wollte ich abends wieder in Dresden sein, doch an der Stelle wollte ich nur eins, ein warmes Quartier“, sagt Schliwa. Er fand unten im Ort, es war Ferienzeit und alle Unterkünfte in der Umgebung ausgebucht, tatsächlich noch einen Schlafplatz in einer Herberge – „keine Menschenseele, nur Oleg und sein Schäferhund, zur Übernachtung gab es einen Teller Eintopf und drei Bier für fünf Euro…“

Sein Fazit nach dieser Tour: „Warnungen ernst nehmen“ und „Es geht immer weiter“. Letztes Jahr kam Sebastian Schliewa bei einem anderen Langlauf mit Start in Jelenia Gora – wo er als Zehnter von 100 Teilnehmern ins Ziel kam – auf anderem Weg zufällig an der Elbquelle vorbei und machte diesmal ein Erinnerungsfoto, angelächelt von der Morgensonne, vor der Steinwand mit dem Dresdner und anderen Stadtwappen von sich.

Von einem weiteren großen Laufabenteuer erzählt Sebastian Schliwa am 5. April, um 19.30 Uhr in der Reisekneipe auf der Görlitzer Straße in der Neustadt. In dem Dia-Vortrag mit dem Titel: „Goldsteig – Ultrarace 2016 – 612 Kilometer harter Kampf und pure Leidenschaft“ nimmt er seine Zuhörer diesmal mit auf den längsten Nonstop-Lauf Europas, bei dem 20 Läufer mit ihm starteten und nur acht Teilnehmer das Ziel erreichten.

Text + Fotos (lv)