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Kategorien-Archiv: Theater

Premiere vom Theaterjugendclub Döbeln zum Thema „Heimat“ anlässlich des 1045-jährigen Stadtjubiläums

13 Samstag Jun 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Projekte, Theater, Unterwegs, Zwischenmenschliches

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Erstmals seit zehn Jahren wird 2026 wieder ein Heimatfest in Döbeln gefeiert. Mit einer Festwoche vom 14. bis 21. Juni. Höhepunkt ist eine Wandertheater-Aufführung mit dem Theaterjugendclub, der an verschiedenen Orten im Stadtzentrum Geschichten und Szenen zum Thema Heimat zeigt.
Spielerisch die eigene Stadt neu entdecken: Akteure des Theaterjugendclubs im Stadttheater Döbeln bei der Probe.


Von Lieblingsmenschen, verbrannten Pfannkuchen und Heimweh
Was Heimat alles sein kann, erkunden junge Leute derzeit im neuesten Projekt des Theaterjugendclubs im Stadttheater Döbeln. Premiere hat das Wandertheater-Stück beim Heimatfest am 14. Juni, um 19.30 Uhr an der Klosterwiese.
Sie gehen, spazieren, schlendern vor noch leerer Kulisse. Bewegen sich umeinander im Kreis, hin und her, mit schnellen oder vorsichtigen Schritten, sehen sich an und schauen sich um. Einige der jungen Darsteller halten historische Kleider in den Händen aus dem Fundus, betrachten sie und tauchen mit ihnen in die Geschichte ihrer Stadt ein. Ein Mädchen steht davor, mit offen einladenden Händen und lächelt. „Heimat ist ein Gefühl, ein warmes Gefühl. Es sind die Menschen, die ich liebe und auch die nicht“, sagt Jasmin, 16 Jahre.
„Es gibt kein festes Zuhause. Heimat ist für mich ein Ort, wo ich noch nicht war und etwas erleben kann. Ein Ort, an dem Fabius ist, mein bester Freund“, sagt Kim, 15 Jahre. Sie sei schon oft umgezogen mit ihrer Familie. „Theater ist auch in gewissem Sinne eine Heimat.“ Kim ist schon das dritte Jahr im Theaterjugendclub im Stadttheater Döbeln dabei.

Im neuesten Theaterprojekt zum Thema „Heimat“ soll greifbar werden, was das alles sein kann. Dazu sammeln derzeit 15 junge Leute unter Leitung von Katharina Landsberg spielerisch Ideen und erkunden neues Terrain. Die Proben haben im Februar begonnen. Immer freitags um 16 Uhr treffen sie sich im Stadthteater Döbeln. „Es wird kein traditionelles Theaterstück, sondern ein Wandertheater mit der Natur als Kulisse. Wir wandern quasi durch die Stadt unter Beteiligung verschiedener Künste, mit Theater und Musik“, sagt Katharina Landsberg, die Leiterin des Jungen Theaters seit der Spielzeit 2022/023 im Stadttheater Döbeln. Sie arbeitet als Dramaturgin, Regisseurin und Theaterpädagogin am Haus. Seitdem gibt es auch den Jugendtheaterclub. Einmal im Jahr entsteht dort eine Inszenierung mit Jugendlichen zwischen zehn und 18 Jahren.

Es gab schon ein Stück zum Thema „Grenzen“, bei dem verschiedene „Farbkinder“ wieder zueinander fanden. Und letztes Jahr eine „Kommunikations“-Baustelle mit einem „Marktplatz der Worte“ in Kooperation mit dem Lügenmuseum in Radebeul, wo man zusammen etwas im öffentlichen Raum gestalten konnte. Das neue Theaterprojekt soll ein Höhepunkt zum Heimatfest 1045 Jahre Döbeln werden, das mit einer Festwoche vom 14. bis 21. Juni in der Stadt mit 24 000 Einwohnern gefeiert wird.

Premiere hat die Wandertheater-Aufführung am 14. Juni, um 19.30 Uhr. Es gibt insgesamt fünf Vorstellungen. Beginnend an der Klosterwiese erlebt das wandernde Publikum an zehn Stationen in der Stadt die jungen Akteure, die Figuren aus der Stadtgeschichte spielen und Szenen darüber, was Heimat für sie bedeutet, zeigen. „Wir feiern dieses Jahr erstmals seit zehn Jahren nach coronabedingter Pause wieder ein Heimatfest in Döbeln, bei dem es auch viel um Bürgerbeteiligung geht“, sagt Christiane Böttger, Sachgebietsleiterin Kultur bei der Stadt Döbeln. Es werde ein großes Vereinsfest am 18. Juni im Bürgergarten geben. Selten heutzutage sei auch, dass mit den „Döbelner Heimatfreunden“ gleich eine ganze Gruppe sich der Stadthistorie widmet. Dieses Jahr erscheint von ihnen wieder das „Döbelner Mosaik“, es ist bereits der siebente Band in Form einer Ortschronik zum Heimatfest. Finanziert wird die Inszenierung des Jugendtheaterclubs Döbeln mit einer Projektförderung vom Kulturraum Erzgebirge/Mittelsachsen mit über 9 000 Euro und einem Eigenanteil in gleicher Höhe von der Stadt Döbeln, so Christiane Böttger.

„Das Wandertheater ist auch eine Möglichkeit, die Stadt neu zu entdecken“, so Katharina Landsberg. Es verbindet Geschichten zu Historie und Gegenwart. „Wir laden zu diesem Theaterprojekt generationenübergreifend auch erwachsene Döbelner ein, die gern Geschichten erzählen und spielen möchten. Zusammen schauen wir auf die vielen Seiten und Gesichter einer Stadt“, ist ihr wichtig. „Theater als Ort auch zu streiten, diskutieren und sich zu begegnen.“ 99 Prozent der am Heimat-Projekt beteiligten Jugendlichen kommen aus Döbeln. „Sie haben die Erfahrungen des Weggehens noch nicht gemacht und so nähern wir uns dem Thema mit Fragen wie: Welches Gefühl oder was für einen Geschmack löst das Wort Heimat aus? Welche Lieblingsorte habt Ihr?“, so Katharina Landsberg. „Da kommt dann ganz viel.“ Die schönste Antwort kam von einem achtjährigen Mädchen: „Heimat schmeckt nach den verbrannten Pfannkuchen meines verstorbenen Papas“, erzählt die Theaterpädagogin.

Sie hörte aber auch von Jugendlichen: „Döbeln ist langweilig.“ Es gebe ja auch unterschiedliche Interessen. „Wenn man klettern will, fährt man eben in die Sächsische Schweiz, spazieren kann man entlang der Mulde sehr schön. Döbeln hat den ältesten Riesenstiefel, der fast 100 Jahre alt, an die Schuhmacherinnung erinnert. Außerdem sehr gute Eisdielen. Ein Kino, ein Freibad mit Sprungtürmen und eine große Freizeitanlage“, zählt sie auf. Vor der Probe sitzen die jungen Akteure zusammen in der Runde und erzählen, was für sie Heimat ist, beispielsweise: “Ein Ort, wo ich gern zurückkomme und den ich mit meiner Familie und Kindheit verbinde“, sagt Josi, 18 Jahre. „Wo ich mich wohlfühle und Spaß habe. Und ich mag das Schauspiel“, sagt Christel, 10 Jahre. Nils, 13 Jahre: „Heimat ist ein Ort, wo ich mich geborgen fühle.“ Lenya, 17 Jahre: „Heimat ist für mich, wo meine Lieblingsmenschen sind.“ Für Lara, 16 Jahre, ist es „eine Emotion, wenn ich verreist bin und nach einer Weile Heimweh habe.“

Text + Fotos (lv)

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Uraufführung „Träume in Europa“ von Wolfram Lotz im Schauspielhaus Dresden

11 Donnerstag Jun 2026

Posted by Lilli Vostry in Theater, Lebensart, Zwischenmenschliches, Aktuelles

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An der Grenze zwischen Traumwelt und Realität: Schönes, Schmerzliches, Bedrohliches und Absurdes nehmen Gestalt an mit den Erzählungen der Träumenden in der Inszenierung „Träume in Europa“ unter Regie von Sebastian Hartmann im Schauspielhaus Dresden. Fotos (2): Sebastian Hoppe

Ein düster-komischer Tanz der Traumgeister
Drama und banal Alltägliches, Absurditäten und Abgründe der menschlichen Seele prallen aufeinander in „Träume in Europa“ von Wolfram Lotz. Die Uraufführung im Schauspielhaus Dresden hinterlässt zwiespältige Eindrücke­.

Träume kommen aus der Wirklichkeit und reagieren auf sie. Sie zeigen uns eine andere Welt. Und führen ein wildes Eigenleben. Sie können uns beglücken, beunruhigen, erschüttern, verwirren, erheitern, verwundern, Wunden aufreißen und helfen sie zu heilen.

All das erscheint auf ebenso seltsame und eigenartige Art und Weise und in vielerlei Gestalt in „Träume in Europa“ von Wolfram Lotz. Die Uraufführung seiner vielstimmigen Textcollage unter Regie von Sebastian Hartmann war unlängst im Schauspielhaus Dresden. Der Titel klingt vielversprechend und gibt dem Ganzen mit Bezug auf Europa noch mehr Gewicht. Wer jedoch eine tiefer gehende politische Dimension oder Reflexion gesellschaftlicher Themen erwartet, wird enttäuscht in dieser Aufführung, denn diese kommen nur unterschwellig vor. Es geht vor allem um Emotionen und Traumerleben wie es überall auf der Welt geschieht. Sigmund Freuds Epochenwerk „Die Traumdeutung“ beschrieb im Jahr 1900 die Beziehungen der Träume zur Realität. Seine psychologische Traumdeutung entwickelt eine Analysetechnik, bei der das Träumen als Arbeit der Seele verstanden wird, heißt es im Programmheft zur Aufführung. Weiter steht dort: „Nach Freud verdichten sich im Traum reale Erfahrungen zu Symbolen – bei ihm zumeist sexueller Natur – die gedeutet werden können und auf kindliche Prägungen zurückgehen. Damit ändere sich die Richtung der Traumdeutung fundamental, statt kollektiver Zukunftsprognose – wie sie von der Antike bis zur Frühmoderne vor allem für  die Herrschenden gedeutet wurden, um aus den Träumen die Zukunft vorhersehen und damit beeinflussen zu können – geht es nun um individuelle Vergangenheitsbewältigung. Mehr als einhundert Jahre nach Freud ist der Autor Wolfram Lotz in europäischen Internetforen fündig geworden, in denen sich Menschen ihre Träume erzählen oder aufschreiben. Er hat um die 35 000 Träume gelesen nach eigener Aussage. Mehr als einhundert davon hat Lotz anonymisiert und sprachlich bearbeitet in einem Buch herausgebracht, das Anfang 2026 erschien und als Vorlage für die Aufführung „Träume in Europa“ dient. Er hat dabei fast alles überdeutlich Symbolische, nach Freud Deutbare, herausgelassen aus seiner Traumsammlung. Die kulturelle und regionale Herkunft ist manchmal erkennbar, auch ob die Träumenden jung oder älter sind, darüber hinaus erfährt man jedoch kaum etwas über sie. Damit bleiben diese Traumerzählungen offen und subjektiv deut- und interpretierbar. Regisseur Sebastian Hartmann ist bekannt für einen opulenten, überbordenden Bilderrausch und sehr körperliches Theater in seinen Inszenierungen, was naheliegend wäre auch bei dieser Reise in surreale Traumwelten, jedoch verzichtet er weitgehend darauf. Spartanisch ist auch das Bühnenbild, das er ebenfalls entworfen hat.

Ein langer Tisch steht anfangs im Halbdunkel, aus dem weißer Rauch aufsteigt, wo nacheinander die zehn Schauspielerinnen und Schauspieler auftauchen und Platz nehmen. Eine Szene wie beim biblischen Abendmahl. Die Männer tragen lange wallende, farbige Gewänder und die Frauen Kleider, weiße mit Rüschen und einige schulterfrei und der Stoff überkreuz vor der Körpermitte. Scheinwerferlicht fällt auf ihre Gesichter. Sie schauen mit starrer Miene vor sich hin oder geradeaus ins Publikum, die Hände verschränkt, immer noch gebannt vom Traumgeschehen. Nacheinander erzählen sie ihre Geschichten zwischen Traum und Realität, zunächst banal Alltägliches, über Job, Hausreparatur, Familie, Kinder, Partner, Nachbarn und Verreisen. Fremde Menschen, die vertraut wirken. Ängste, Sorgen und Sehnsüchte klingen an, die später deutlicher werden und eskalieren. Begleitet von sanftem Klavierspiel, sphärischen und dissonanten Klängen (Live-Musik: Friederike Bernhardt). Manchmal sehen die Träumenden einander an oder lehnen zwei Köpfe sich an einen Moment. Das Geschehen wirkt anfangs sehr statisch und ist mehr Erzähltheater als packendes Schauspiel. Es kommt einem vor wie eine Ewigkeit und man hofft, dass es nicht die ganze dreieinhalbstündige Aufführung so weitergeht. Nach der Pause sind die Zuschauerreihen deutlich leerer.

Im zweiten Teil herrschen erfreulicherweise mehr Bewegung, Tempo, Intensität und Spannung auf der Bühne. Traumwandlerisch schwebend zwischen Ernst, Schwere und Absurdität, tauchen mit den Darstellern die Zuschauer immer tiefer in die innersten Schichten der Seele und menschliche Abgründe ein. Traumata, Albträume, Schmerz, Trauer, Schönes und Bedrohliches sind nah beisammen und gelangen aus dem Dunkel der Nacht ans Licht, um gesehen und gehört zu werden. Was davon wahr oder erfunden, nur geträumt ist, bleibt oft rätselhaft das Geheimnis des Träumenden. Die Träume kreisen um Liebe, Sex, Trennung, Missbrauch, Unglücke, Unfälle, Tod und Abschied und Umgang damit. Die Darsteller erzählen, hören und begleiten dies mit Reaktionen zwischen Schweigen, Erstaunen, Gelächter, Erschrecken und Abscheu. Einer Frau erschien im Traum eine „Gestalt mit Fell und Hörnern auf dem Kopf“, die zur ihr sagte: „Gott gibt es nicht!“ und wieder verschwand. Da geistern reichlich Fabelwesen und oft Tiere symbolträchtig durch die Träume. Eine Frau schildert komisch-absurd, dass sie nicht weiß, ob ein kleiner Vogel in ihrem Hintern festsitzt, im Widerschein eines Feuers, und sie versucht ihn wieder herauszubekommen. Sie hockt sich hin, drückt und dann kommt der Vogel tatsächlich heraus und fliegt fort. Für Schmunzeln und Entsetzen im schnellen  Wechsel sorgt Nadja Stübiger außerdem, als sie von einem versuchten Suizid im Traum erzählt. Ihr Mann stellte schon viele Dinge von ihr zusammen, die sie ja  nun nicht mehr brauchte und wollte sie bei ebay verhökern. Und er wirkte ganz und gar hilflos, so dass sie sich entschied weiterzuleben.

Der groteske Gipfel der Aufführung ist erreicht, als sie träumte sie sei Hitler! Sie schämt sich dafür, holt tief Luft und sagt, dass sie nicht wusste, was sie nun sinnvollerweise tun sollte. Vielleicht einem Obdachlosen helfen, überlegt sie. Sie regt sich auf, wie man solche Verbrechen begehen kann, redet im gleichen schnarrenden Tonfall wie Hitler, ereifert sich immer mehr und versucht sich zusammenzureißen. „Aber mir ist nichts Sinnvolles eingefallen!“, sagt sie resigniert. Das ist ebenso großartig wie beklemmend gespielt von Nadja Stübiger. Philipp Grimm begegnen oft Tiere im Traum. Ein Schmetterling, bei dem er nicht weiß, was er ihm zu essen oder trinken geben soll. Ein anderes Mal Katzen, die nicht aufhören zu miauen und ihn wütend machen. Oder ein Affe, den er mit nach Hause nimmt, der seine Finger in ein Buch steckt, ihn quält mit seiner Wildheit und vor dem er sich ekelt. Ein Mann erzählt von seinem Hund, der sanft, folgsam ist und alles versteht. Er hängt fest in einem dunklen Spalt an der Bühnenwand und ist wohl einsam. Marin Blülle spielt ihn innerlich zerrissen. Er vermisst seine Mutter, die nach Spanien gezogen ist, ein kurzer Anruf und aufgelegt. Verzweifelt reißt er die Tischplatte hoch, trägt sie wie eine Last, sucht nach Halt und irrt umher, schreiend im Nebel, aus dem eine Frauenstimme immer wieder ruft: Soll ich dir helfen? Und er antwortet mühsam: Ich schaff das schon alleine! Das geht nahe. Die Darsteller stehen oder sitzen währenddessen in schwarzen Umrissen am Tisch mit dem Rücken zum Publikum. Mal liegen sie wie gestrandet auf der langen Tafel oder kriechen bäuchlings vorwärts. Ein Mann in schwarzem Anzug wälzt sich auf dem Tisch, steht auf und geht wie ein Schlafwandler umher, die anderen halten ihn, dass er nicht fällt. Ein Mann im grünen Gewand wird Huckepack getragen von einem anderen Darsteller, auf dem er thront und reitet wie auf  einem Kamel und erzählt skurril-komisch, wie er eine schwarze Ziege im Arm hielt und deswegen kein Selfie machen konnte, weil er das weiche, zerbrechliche Tier nicht loslassen wollte.

Ziegelrote, drehbare Fensterwände mit Leitern an den Seiten werden hin und her geschoben, in deren Innerem die Darsteller sich suchend bewegen, gefangen sind oder entfliehen an der Grenze zwischen Traumwelt und Realität. Sie klettern, hangeln an der Wand entlang, hängen kopfüber und sitzen in den offenen, hohen Bogenfenstern. Splitternackt und verletzlich zeigt sich in den abgründigen Traumgefilden Henriette Hölzel. Zwischen ihren Wünschen, Wut und Enttäuschung über unglückliche Beziehungen hin und her getrieben, spielt und erzählt sie provokant und beeindruckend. Mal sitzt sie auf dem Tisch und wippt sehnsuchtsvoll mit ihrem Körper vor und zurück. Mal schlägt sie wild um sich und auf einen der männlichen Darsteller ein. Und sie erzählt am Bühnenrand, nackt und schutzlos im Scheinwerferlicht, wie sie sich als junges Mädchen einem Lehrer anbot für Geld, das sie ihrer Mutter schuldete. Sie beschreibt  detailliert, sachlich und stockend, was sie tat und es klingt wie eine Befreiung aus einem Albtraum. Wie viel Leidenschaft ein knusprig frisches Brot oder Pflaumenkuchen wecken kann, erzählt lustvoll Gina Calinoiu, die in Rumänien aufwuchs.

Ein Paar setzt sich Glaskugel-Helme auf, die sie vor allen Gefahren schützen sollen und klirrend aneinander stoßen, während sie sich dramatisch komisch umarmen und küssen. Torsten Ranft erzählt anrührend und leise ironisch über das Vergehen von Zeit, das Unbegreifliche des Todes und die Bestattung seines Vaters, seinen fast kindlichen Gesichtsausdruck und wie dann plötzlich ein kleiner Junge auf der Bahre saß, der ihm ins Gesicht prustete und ihn tröstete. Berührend auch wie er einen Mann darstellt, der den Tod seines Kindes nicht verkraftet und in einer Scheinwelt weiter lebt. Die anderen rütteln ihn, wollen ihn fast gewaltsam ins Leben zurückreißen. Schmerz, Trauer, Konflikte, Ungelöstes klopfen solange an die Tür in uns, bis sie nicht mehr aufzuhalten sind. Die Albträume entladen sich explosiv mit lautem Knall auf der Bühne. Zum Schluss schwirren dunkle, schattenhafte Gestalten im Licht in einem  kraftvollen Tanz der Traumgeister umher. Aus dem weißen Rauch ruft eine Frauenstimme. Henriette Hölzel steht in weißem Kleid mit Fächerkragen wie eine moderne Kassandra und beschwört die Welt der Träume und Erinnerungen, die tot oder lebendig bleiben mit den Menschen, die sie weitertragen. Viel Beifall für einen außergewöhnlichen, vieldeutigen Theaterabend gab es zur Premiere.

Text (lv)

Nächste Aufführung: 19.6, 19.30 Uhr im Schauspielhaus Dresden.


Suche nach Halt in abgründigen Traumgefilden.

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Premiere „Der tollste Tag oder Figaros Hochzeit“ von Peter Turrini frei nach Beaumarchais als Sommertheater Open Air im Innenhof des Japanischen Palais Dresden

06 Samstag Jun 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Projekte, Theater, Zwischenmenschliches

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Listreiches und witzig-freches Spiel um Liebe & Macht & Besitz: Graf und Gräfin sind sich uneins über die Hochzeit ihrer Angestellten Figaro und Susanne. Das führt zu reichlich komischen Verkleidungen und Verwicklungen im diesjährigen Sommertheater Open Air des Staatsschauspiel Dresden „Der tollste Tag oder Figaros Hochzeit“ von Peter Turrini frei nach Beaumarchais. Fotos (2): Sebastian Hoppe

“Ein Himmelreich für eine gute Intrige!“

Mit viel Witz, Biss, provokant und streitlustig erlebte das diesjährige Sommertheater Open air des Staatsschauspiel Dresden seine Premiere im innenhof des Japanischen Palais.

Figaro kann es kaum erwarten, seine Liebste Susanne zu heiraten und gemeinsam im Liebeshimmel zu schweben. Mit einem Bandmaß in der Hand vermisst er gerade den besten Standort für das Brautbett. Das Bett hat ihnen ihr Dienstherr, Graf Almaviva geschenkt. Das eigene Zimmer ist der Lohn für seine Treue – dachte Figaro. Doch für den Graf ist es nur der „kürzeste Dienst- umd Schleichweg“, um zu Susanne zu gelangen, denn er hat ebenfalls ein Auge auf sie geworfen und will Figaro vor der Eheschließung noch schnell zuvorkommen. Figaro, der den Graf gerade noch als „besten Chef“ lobte, beschimpft ihn im nächsten Moment als „Schurken“, den er am liebsten wegen „ungenierlicher Nachstellerei verklagen“ würde! Doch bekäme er Recht, wenn er als Untergebener seinen Chef vor Gericht bringen würde?!

So nimmt Figaro die Sache selbst in die Hand. „Ein Himmelreich für eine gute Intrige!“, lautet seine Devise. Und er schwört, es dem Graf mit feuriger Bosheit und Leidenschaft heimzuzahlen und die Mitgift mit der Heirat für sich zu erlangen. „Das nenn ich Gerechtigkeit!“ Da geht es reichlich absurd-komisch drunter und drüber, wird lustvoll und erbittert um Werte und Tugenden gestritten, gefeilscht und gekämpft in der Komödie „Der tollste Tag oder Figaros Hochzeit“ von Peter Turrini frei nach Beaumarchais. Die Premiere war am 30. Mai vor vollen Rängen bei sommerlichem Wetter. Bereits zum vierten Mal kommt das Sommertheater Open Air mit dem Staatsschauspiel Dresden in Kooperation mit den Staatlichen Kunstsammlungen in diesem Jahr auf die Bühne im Innenhof des Japanischen Palais. Mit viel Witz, Biss, frech, provokant und streitlustig geht es in verbalem Schlagabtausch und schnellem Kostüm- und Rollenwechsel um Liebe, List, Machtmissbrauch und Maskerade in dieser Inszenierung unter Regie von Lily Sykes. Es ist ein Spiel mit Schein und Sein, Betrug und Betrogenwerden, Täuschung und Selbsttäuschung in einer Welt, in der alles käuflich ist. Beaumarchais`aufrührerische, 1784 uraufgeführte Komödie wurde von dem belustigten Napoleon mit den Worten kommentiert: „Da war die Revolution schon am Werk!“ Sie diente als Vorlage für Mozarts Erfolgsoper „Figaros Hochzeit“ und für Turrinis grotesken wie scharfen Wortwitz. Er wollte mit seinen Stücken über das Schreckliche in der Welt versuchen, die Zuschauer zum Lachen zu bringen, um den Schrecken zu bannen. Wer lacht, hat weniger Angst und wird vielleicht etwas mutiger.

Die Aufführung spart auch nicht mit aktuellen Bezügen zu brisanten gesellschaftlichen Themen wie Klassismus, soziale Ungerechtigkeiten, sexualisierte Gewalt bis zu Geschlechterrollen-Tausch und politischer Identitätsdebatte. Eine „Arena des Fleisches“, heißt es im Programmheft über das Bühnenbild. Die rosarot angestrahlten Wände haben viele Türen, die auf- und zuschlagen, aus denen Verborgenes, Verstecktes oft anders als erwartet zum Vorschein kommt. Ein Kleiderbügel hängt da. Die Darsteller laufen Schrägen hoch und runter, die Ausrutschgefahr ist groß. In der Mitte führt eine Treppe in den Bühnenraum, wo eine Liveband grandios für mal barocke, rockige bis punkige und soft schmusige Klänge sorgt und Liebende wie Bösewichte in Gesangseinlagen Herz und Gefühle zeigen und einen Moment hinter die Fassade blicken lassen. Mit abwechselnd tiefer und hoher Stimme singt Figaro – den zur Premiere Josephine Tancke spielte und mit extra Beifall bedacht wurde, da sie kurzfristig für ihre erkrankte Kollegin Friederike Ott einsprang – im Duo mit seiner Liebsten Susanne. Burschikos, verwegen, ungestüm und gewitzt listig tritt Josephine Tancke in der Männerrolle als Figaro auf und fühlt sich sichtlich wohl darin. Mit weißblonder Bubikopfperücke, Jacke und Kniebundhosen. Zugleich etwas verwirrend, da er von Susanne als ihre zukünftige „Frau“ angeredet wird. Als wäre Figaro nur in Männerkleider geschlüpft.

Susanne spielt Kriemhild Hamann mal als naives Blondchen, die an Marilyn Monroe erinnert und mal zornig, wenn sie sich aufregt über die „geilen alten Säcke. Mit ihrer Gerüchteküche können sie den ganzen Hof bekochen!“ Damit meint sie wohl zwei äußerlich gutsituierte, vornehme Herren in orangenen Anzügen mit Schulterklappen und weißen Hemden. Die Haare hochstehend beide, frisiert wie eitle Gockel. Marcellus (Holger Hübner) gibt mit aufgesetzten Hörnern einen reichen, alten Hagestolz und verschmähten Liebhaber mit roter Rose in der Hand, der Figaro heiraten will. Der andere, Bartholo (Nahuel Häfliger) parodiert mit schwarzer Haarmähne, Bart und Schmachtblick den unwiderstehlichen Latinlover und schwelgt in einem romantischen Herzschmerz-Song auf spanisch zur Gitarre.

Den Graf Almaviva spielt Oliver Simon glänzend als machtbesessenen Wüstling, heuchlerisch, gerissen, aber auch unsicher und verzweifelt nach Liebe sich sehnend. Er versucht die Hochzeit von Figaro und Susanne mit allen Mitteln zu verhindern. Der Graf herrscht und bestimmt über seine Bediensteten. Sie sind ihm ausgeliefert, seiner Willkür, Launen und Begierden. Sie tragen fleischfarbene Kostüme. Die reichen Damen und Herren am Hof bunt schillernde Kostüme und hoch aufgetürmte Perücken. Doch glücklich sind sie nicht. Der Graf wird begleitet von seiner Gehilfin Bazilla, die er für das Intrigen einfädeln bezahlt. Sie hängt an ihm, folgt ihm auf Schritt und Tritt. Fanny Staffa tritt als Bazilla mal kühl-berechnend als Karrierefrau im Anzug, mal souverän, selbstbewusst auf und mal unterwürfig, an ihn sich klammernd. Beide toben und jammern, wenn etwas schief geht, ergehen sich in Selbstmitleid. Anrührend und absurd zugleich, wenn Bazilla halb gebückt dasteht, der Graf den Arm um sie legt und ihren Kopf wie in der Schlinge hält. Bazilla hält ihn auf Trab. Und er wird auch reichlich an der Nase herumgeführt von Figaro und Susanne, welche die einsame Gräfin (Katja Gaudard) in ihren Plan einweihen, den Grafen in die Falle zu locken, nachts im Park zu einem vermeintlichen Rendez-vous mit Susanne. Schön sarkastisch, trocken humorvoll kommentiert die elegante ältere Dame mit rauchiger Stimme Liebe und (Un)treue, während sie im Bad voller grünlicher Bälle im Badeanzug sitzt, Susanne sie wäscht, abtrocknet und ihr die Perücke wieder aufsetzt. Die wie eine Krone und Ballast zugleich wirkt.

In dem Moment voll Traurigkeit und leiser Komik fliegt erst eine Krähe, dann zwei und ein ganzer Schwarm Rabenvögel laut krächzend am Himmel über die Bühne hinweg. Die Gräfin stimmt entzückt mit ein in die Krah-Rufe. Sie verroste bei lebendigem Leibe, seufzt sie. Und sie weiß, dass der Graf Susanne nachstellt. Durch die Verkleidung der Figuren sind die Standesgrenzen aufgehoben und können sie tun, was ihnen gefällt. „Besser eine falsche Frau als ein echter Held!“, sagt der Diener Cherubin, den Jonas Holupirek skurril-komisch und wandlungsfreudig in mehreren Rollen spielt. Er lässt sich von Susanne und der Gräfin willig Frauenkleider anziehen, nachdem der Graf ihn entlassen hat als angeblichen Nebenbuhler und ihn strafversetzte ins Regiment an die Front. Die Frauenkleider stehen ihm prächtig, staunt die Gräfin. Er schaut an sich herab, auf den mageren Busen. Es hat etwas Aberwitziges und Tieftrauriges, wie die Gräfin, klein und zierlich, aufschaut zu dem langen, schlaksigen Kerl, ihn mit Lippenstift und Puderpinsel schminkt und in eine Frau verwandelt. Nur um ihren Mann, den Graf zu locken und zurück zu bekommen.

Das berührt ein pikantes Thema in der Gesellschaft derzeit, wenn es um Geschlechterfragen geht, was Männlichkeit und Weiblichkeit heute ausmacht. Bei denen es nicht nur um Äußerlichkeiten geht, sondern die in ihrer natürlichen Eigenständigkeit und Anziehung gerade in den Unterschieden, durch die Gender- und Geschlechterpolitik immer mehr in Frage gestellt werden und wo die Grenzen zwischen den Geschlechtern zunehmend verfließen. Das gipfelt in heiß umstrittenen Podiumsdiskussionen mit dem Titel: Was ist eigentlich eine Frau?! Aufhorchen lässt neben der Identitätspolitik über Geschlechter außerdem ein neuer Feminismus, der Frauen selbst klassifiziert nach Hautfarbe, sozialer Rolle und Status, damit eher spaltet und bekämpft statt sich wirklich für Frauenrechte und echte Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern auf allen Ebenen einzusetzen.

Die Frauen erobern sich in dieser Aufführung ihre Macht und Würde zurück mit den ihnen eigenen Reizen, umgarnen schüchtern und keck die Herren und reden Klartext mit dem Graf und den Richtern in ihren erhabenen Roben, die Recht sprechen als Geschäft ansehen. Gerechtigkeit habe ihren Preis!
Doch am Ende bezahlt der Graf dafür mit seinem Leben. Und die Hochzeit wird zum Begräbnis. Rings um das Badebecken brennen Kerzen. Bazilla schreit „Revolution“, knallt mit einer Gerte auf den Boden und stürmt hinaus. Der Diener Cherubin schwenkt eine schwarze Fahne oben auf der Empore. Die Liebenden Figaro und Susanne gehen Hand in Hand fort. Die Gräfin sagt zu ihrem Mann: „Du bist ein toter Witz!“ Sie bleibt allein zurück. Sie überlegt das Schloss zu verlassen, sich zurückzuziehen, Gemüse anzubauen. Sie hebt eine Hand hoch und fällt zurück in Schweigen. Es ist ungewohnt für die Gräfin, diese Rolle, allein für sich einzustehen.
Ein anspruchsvolles und tragikomisches Vergnügen ist diese Sommertheater-Inszenierung. Dafür gab es reichlich Beifall vom Premierenpublikum.

Text (lv)

Nächste Aufführungen: ab 6.6. bis 5.7. & 14.8.bis 29.8.2026, 20 Uhr, Innenhof Japanisches Palais in Dresden

http://www.staatsschauspiel-dresden.de


Pikantes Thema: Kleider- und Geschlechterrollen-Tausch. Der Diener als Lockvogel für den Grafen, der ein Auge auf Figaros Liebste Susanne geworfen hat, Die einsame Gräfin macht mit bei der Maskerade.

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Premiere „Die lustige Witwe“ von Franz Lehár in der Staatsoperette Dresden

18 Mittwoch Mär 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Musik, Theater, Zwischenmenschliches

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Rummelplatz der Gefühle: Die lustige Witwe, in der Titelrolle als Hanna Glawari grandios Sängerin Christina Maria Fercher, hier mit einem ihrer Verehrer, Zeta (Elmar Andree) in der gleichnamigen Operette von Franz Lehár. Foto: Lutz Michen

Herrlich komischer Jahrmarkt der Eitelkeiten und des schönen Scheins

Mit viel Witz, Romantik, Schwung, fantasievollen Kostümen und hinreißender Musik hatte die Operette „Die lustige Witwe“ von Franz Lehár Premiere in der Staatsoperette Dresden.

Sie ist schön und reich, die Verehrer stehen Schlange. Doch die „Lustige Witwe“ ist auch schlau und lebensfroh und weiß genau, was und wen sie will in Franz Lehárs bekanntester Operette. Die Premiere war nicht zufällig am Sonnabend, am Vorabend des Internationalen Frauentages in der Staatsoperette Dresden. Das Spiel um Liebe, Macht, Geld und Vergnügen kam mit viel Witz, Romantik und Schwung, hinreißender Musik, großartigen Stimmen und originellen Kostümen auf die Bühne unter Regie von Katja Wolff. Ein großes nostalgisches Karussell mit Pferden, Pfau und Schwan dreht sich als Spielfläche auf mehreren Etagen. Die Damen tragen leuchtend bunte Babydoll-Kleider und die Herren kurze Hosen und Jackett. Sie feiern in Paris, schwenken rote Bratäpfel, lassen im Chor den Reichsfürsten hochleben und preisen das Vaterland. Nur mit der Treue nehmen die Bewohner von Pontevedro es nicht so genau.

Die Männer stolzieren mit hochgekämmtem Haar wie eitle Gockel auf diesem Jahrmarkt der Selbstgefälligkeiten und des schönen Scheins. Liebesschwüre, Beteuerungen, Intrigen und Betrügen sind hier an der Tagesordnung. Ein gefundener Fächer mit Liebesbotschaft dient als Beweismittel. Doch jeder weist den Verdacht entrüstet von sich. Die extravagante Valencienne (Julie Sekinger), die Ehefrau des Gastgebers und  pontevedrinischen Gesandten Zeta (streng-akkurat: Elmar Andree) turtelt und kommandiert den liebesfreudigen Franzosen Camille de Rosillon (Timo Schabel) nach Belieben. Und betont zugleich, sie sei eine „anständige“ Frau. Amüsant werden Männer- und Frauenrollen auf die Schippe genommen. Mal galant, kokett und offenherzig, wenn die Herren tapfer schmettern: „Ja, das Studium der Weiber ist schwer…“  Und alle Herren hofieren die lustige Witwe, Hanna Glawari (selbstbewusst: Christina Maria Fercher), die lässig-elegant in dunkler Jacke mit rotem Kragen, Hosen und hochgestecktem Haar hochgesteckt erscheint. Sie weiß, dass die Männer nur hinter ihrem Geld her sind und lässt sie alle abblitzen.

Bis auf einen, Danilo Danilowitsch, der adelige und sinnenfrohe Gesandtschaftssekretär (Bryan Rothfuss), der sie liebt, das aber nicht zugeben kann, damit sie nicht denkt, er sei auch nur auf ihr Vermögen scharf. Doch einer muss sie heiraten, damit ihre 20 Millionen im Lande bleiben. Denn Pontevedro droht der Staatsbankrott! Die Heiratsanwärter rufen wie einen Schlachtruf immer wieder: 20 Millionen! Alles ist hier Geschäft und Kalkül. Davor prangt eine große goldene Blüte wie eine Seerose, die geteilt in zwei Hälften auf der Bühne steht. Die hin und her, beiseite geschoben wird wie die Gefühle der Protagonisten. Nur manchmal fügt die Blüte sich zusammen, wenn Hanna und Danilo, der die Heirat einfädeln soll, aufeinander treffen, die Emotionen spürbar und echt sind.

Höhepunkt der Aufführung ist ein Fest von Hanna, bei dem alle in der pellentrinischen Tracht erscheinen, die Herren in geblümten Hosenkleidern, die Steppdecken ähneln und Schulterklappen wie Kissen, das wirkt originell und aberwitzig. Berührend, wenn die umschwärmte Witwe allein auf der Treppe sitzt und ein sehnsuchtsvolles Liebeslied singt. Überaus komisch der Auftritt der Pariser Grisetten, die sie für Danilo tanzen lässt.Verhüllt von Kopf bis Fuß in rosaroten Kostümen wirbeln sie umher, bevor sie die Rüschenröcke heben und Haut zeigen. Heirat hin oder her. Zuletzt sitzen sie beide glücklich vereint unterm Sternenhimmel wie im Traum oben auf der Erfolgstreppe.
Reichlich Beifall und stehende Ovationen gab es vom Premierenpublikum für diese zauberhafte und offen vieldeutige Inszenierung.

Text (lv)

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Viel Glanz, berauschende Musik, Tanz und Theater vom Feinsten beim Hollywood-Bühnenball im Stadttheater Döbeln

02 Montag Feb 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Musik, Projekte, Tanz, Theater, Unterwegs, Zwischenmenschliches

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Bezaubernde Diva ohne Starallüren: Die Sängerin und Schauspielerin Susanne Engelhardt wurde nach über 41 Jahren im Rampenlicht und vielen großartigen Rollen vom Intendanten des Mittelsächsischen Theaters, Sergio Raonic Lukovic offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Sie bezauberte mit einem Medley ihrer schönsten Songs mit warmer, wandlungsvoller Stimme ihr Publikum und versicherte, dass es noch kein Abschied für immer von der Bühne ist.
Fotos: Lutz Weidler

„Das Theater ist ein Glücksfall für die Stadt“

Über 300 Besucher ließen sich bezaubern beim Hollywood-Bühnenball mit glänzender Gala mit berauschender Musik, tollen Stimmen, Slapstick, Tanz und Wandelprogrammen in allen Räumen am vergangenen Sonnabend im Stadttheater Döbeln.

Am Eingang in die glitzernde Traumwelt begrüßt der Weiße Hai mit schwarzen Kulleraugen und weißen, dolchspitzen Zähnen im weit aufgerissenen Rachen die Besucher. Er schaut aus einer blauen Wand und hält einen Spiegel, vor dem sich Unerschrockene fotografieren lassen können mit dem Monster. Neben dem goldenen Schriftzug Hollywood über den Hügeln, die sich auf weißer Leinwand entlang spannen. Auf der samtroten Bühne im Theaterfoyer steht in einer Ecke Charlie Chaplin und auf einem Stuhl räkelt sich in verführerischer Pose Marlene Dietrich als Nachtclubsängerin Lola in der bekannten Filmszene. Die Kunst der Theatermaler lässt sie lebensecht aussehen.

In eine wundervolle Welt voller Magie, Glamour, großer Emotionen und faszinierender Geschichten, in der alles möglich scheint, tauchten die Besucher beim diesjährigen Bühnenball unter dem Motto „Im Glanz von Hollywood“ des Mittelsächsischen Theaters ein. Als festlicher Höhepunkt der Spielzeit wurde in den Spielstätten in Freiberg und in Döbeln wieder zum Feiern, Flanieren und Genießen eingeladen. Über 300 Besucher erlebten dem Theater zufolge die glanzvolle Gala und anschließenden Wandelprogramme in allen Räumen im Stadttheater Döbeln am vergangenen Sonnabend. Viele erschienen schick gekleidet im Stil der Filmhelden, die Herren in Frack und Anzug, manche trugen Zylinder und die Damen elegant in schillernden Kleidern, Haarbänder mit Federn und großen Hüten. Mit strahlender Miene begrüßte der Intendant und Leiter des Musiktheaters, Sergio Raonic Lukovic die Gäste zur Gala und hatte gleich eine besondere Episode parat: Im Traum habe er einen Anruf von Frau Simon, der Vorsitzenden des Theaterfördervereins erhalten, erzählte er. „Sie bekam ein Angebot aus Washington. 10 000 Dollar pro Zuschauer würden sie geschenkt bekommen unter der Bedingung, wenn alle Männer in blauer Jacke, roter Krawatte und blonden Haaren erscheinen! Da war ich froh, aufzuwachen.“ Es sei gut, dass wir Menschen und mündige Bürger sind, die selber entscheiden, was passiert.

„Deshalb brauchen wir Bildung und Kultur und Menschen, die dafür kämpfen, um diese zu erhalten.“ 2025 war das besucherstärkste Jahr für das Mittelsächsische Theater, sagte Thomas Hans, stellvertretender Oberbürgermeister in Döbeln. „Wir sind sehr stolz auf dieses Theater, es ist ein Glücksfall für die Stadt. Es ist wichtig, dass das Theater auch als Ort für den öffentlichen Dialog wahrgenommen wird mehr denn je.“
Wenn er einen Oscar vergeben könnte, würde er ihn an Lukovic und sein Team für fantastische Theaterabende überreichen. Das Ensemble aus Schauspielern, Sängern und Chor zog bei der Gala auch alle Register, mit Stummfilm- und Slapstickszenen, Ausschnitten aus Oper und Musical, mit viel Witz, Charme, Temperament, Spielfreude und großartigen Stimmen auf die Bühne gebracht und schwungvoll begleitet vom Sinfonieorchester unter Leitung von José Luis Gutiérrez.

Da stritten zwei Diven um ihren Platz im Rampenlicht. Rangen Regisseur und Produzent und Geldgeber mit Boxhandschuhen um die bestmögliche, effektvolle Umsetzung ihres Films. Da glänzte die Sängerin und Schauspielerin Susanne Engelhardt noch einmal mit einem Medley ihrer schönsten und großartigen Songs bei ihrem letzten Auftritt nach über 41 Jahren im Mittelsächsischen Theater und dankte allen, die sie „geformt und gefordert haben“ mit vielen Rollen, von „Evita“ bis zu Fräulein Schneider in „Cabaret“. Mit blonder Perücke und weißem Mantel gab sie die Diva, legte sie ab, bezauberte und dankte ihrem Publikum ganz persönlich mit warmer, wandlungsreicher Stimme, mit kessen, zarten und kraftvollen Songs über Träume und Abschiede. „Es gab auch manchen Gegenwind. Doch nur mit Gegenwind kann man abheben und fliegen“, so Engelhardt. „Nein, das war es noch nicht.“ Sang sie zur Freude ihres Stammpublikums. Sie wird noch manches Mal hier auf der Bühne stehen. Die Stadt Döbeln und das Theater Döbeln dankten Susanne Engelhardt mit einem großen Blumenstrauß und einem Porträtbild, das sie in 840 Fotos und allen Facetten ihres Bühnenschaffens zeigt.

Nach der Gala spielte ein Salonorchester auf, tanzten Paare auf der Bühne mit Hingabe zu Klängen von Walzer, Tango, Polka bis Foxtrott. An der Seitenbühne war wieder die „Ansprechbar“ des Theaterfördervereins aufgebaut. Dahinter kreierten Dagmar Franke und Conny Hofmann leckere Drinks für die Gäste. „Wir machen das aus Spaß an der Sache“, sagten sie. „Es werden auch Theaterprojekte durch den Förderverein unterstützt. Wir geben das zurück mit unserem Einsatz“, sagt Dr. Ronny Große-Uhl, der als Entwicklungsingenieur arbeitet und im Bürgertheater Loge Nr. 5 mitspielt. „Wir sind ganz nah dran an Hollywood heute abend“, sagt Mario Busch schmunzelnd. Elegant mit weißem Seidenschal, dunklem Anzug und gegeltem Haar sitzt er filmreif gekleidet an einem Tisch zusammen mit anderen Gästen. Vor ihm auf dem Tisch steht ein goldener Oscar aus Pappe als Deko. „Wir sind froh, dabei zu sein, da der Bühnenball sehr gefragt ist. Und welche Kleinstadt hat schon solch ein  Theater?“, sagt seine Partnerin Yvonne Göllnitz begeistert.

Die Blicke auf sich zogen abseits der Bühne auch zwei schwarzgekleidete Herren mit Hut und Sonnenbrillen, dahinter verbargen sich Rebbekka Schietzel und Conny Schubert vom Bürgertheater, die als „Blues Brothers“ aus dem Kultfilm im Auftrag des Herrn unterwegs waren mit einem Tablett mit Bowle und kleinen Snacks. Der Erlös geht an den Theaterförderverein ebenso wie die Einnahmen aus der Tombola vom Bühnenball. Als Preise gab es als Hauptgewinn eine Porzellanplastik und Karten für Konzerte, Schauspiel und das nächste Projekt des Theaterjugendklubs Döbeln zum Thema Heimat.

Text (lv)

http://www.mittelsaechsisches-theater.de

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BilderAlbum: Hereinspaziert zum Hollywood-Bühnenball im Stadttheater Döbeln!

02 Montag Feb 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Fotografie, Genießen, Kultur, Lebensart, Musik, Projekte, Theater, Unterwegs, Zwischenmenschliches

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Willkommen in der Glitzerwelt: Der weiße Hai riss neugierig seinen Rachen zur Begrüßung auf und für ein Erinnerungsfoto von uns: meinwortgarten.com-Inhaberin Lilli Vostry und Kathrin Krüger, SZ-Redakteurin in Großenhain. Im Spiegel von Traum, Magie und Illusion, Abenteuer, Vergnügen, Grusel, Romantik, Glück, Glitzer, Schein und Sein. All das war zu erleben beim Hollywood-Bühnenball am vergangenen Sonnabend im Stadttheater Döbeln auf und vor der Bühne, im Theaterfoyer, im Casino Royale, an der Bar mit dem Kleinen Prinz und seiner roten Rose schwebte er auf der Mondsichel über den Besuchern und bei der abschließenden Tombola mit Preisverleihung, keiner Oscars, aber Tickets für Theater und Konzerte und der Erlös fließt in neue Theaterprojekte.

 

Text + Fotos (lv)
Mehr Text folgt.

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Unterwegs: Der Zauber des Kinos & Theaters wird zelebriert beim Hollywood-Bühnenball im Stadttheater Döbeln

31 Samstag Jan 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Projekte, Theater, Unterwegs, Zwischenmenschliches

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Das Theater Döbeln strahlt im Glanz von Hollywood
Der diesjährige Bühnenball lockt wieder zum Feiern, Flanieren und Tanzen in allen Räumen am Sonnabend. Ein Höhepunkt ist dieser auch für den rührigen Verein der Freunde des Döbelner Theaters.

Die Theaterliebe begleitet Simone Simon schon lange. „Meine Oma hatte eine unglaubliche Lust ins Stadttheater Döbeln zu gehen“, sagt sie. Sie lernte sie zwar nicht persönlich kennen. Doch ihr Vater erzählte, dass sie eine leidenschaftliche Theatergängerin war. Wahrscheinlich hat Simone Simon dies geerbt. Sie arbeitet als selbstständige Heilpraktikerin und ist seit 2009 Mitglied im Förderverein „Freunde des Döbelner Theaters“ e.V. Seit 17 Jahren hat sie mit ihrem Mann schon ein Theateranrecht. Seit 2014 ist Simone Simon die Vereinsvorsitzende. Vorher leitete Christa Lange, die 2012 verstarb und ehemals Chefin vom Buchladen in Döbeln war, viele Jahre den Theaterverein. „Sie war eine Instanz. Das Theater war ihre Familie“, erinnert sich Simone Simon.

Derzeit sind 58 Mitglieder, im Alter von Mitte 30 bis über 80 Jahre im Theaterverein aktiv. Darunter Lehrer, Angestellte und Selbstständige. „Kurzzeitig stand das Theater schon mal vor dem Aus. Daraufhin gründete sich der Verein im Jahr 1999“, sagt die 56-Jährige. „Unser Ziel ist der Erhalt des Döbelner Theaters als Spielstätte in der Region. Es ist nicht selbstverständlich, dass es so ein schönes Theater in einer Kleinstadt gibt.“ Weiß strahlt das schmucke Gebäude im Neorenaissance-Stil nahe am Markt in der Wintersonne. Bunte Theaterplakate hängen im Schaukasten vor dem Anbau aus Glas.

Drinnen hinter der Theaterbar prangt der Schriftzug: 150 Jahre Jubiläum Stadttheater Döbeln. 2022 war dieses Ereignis. „Das Theater in Döbeln hat bis zu 300 Plätze. Hinzu kommt das Theater im Bürgerhaus (TiB) mit bis zu 80 Plätzen. Pro Spielzeit können wir zwischen 14 500 und 15 000 Besucher begrüßen“, sagt André Meyer, Chefdramaturg im Stadtteater Döbeln. Die Zuschauer kommen aus der gesamten Region Mittelsachsens, auch aus Leipzig, Riesa und Dresden. „Das ist stark abhängig von der jeweiligen Produktion. So finden in Döbeln beispielsweise gerade unsere Musicalinszenierungen und Komödien des Schaupiels große Resonanz“, so Meyer. „Wir helfen das Theater in der Region weithin bekannt zu machen, Interesse und Neugier dafür zu wecken“, sagt Vereinsvorsitzende Simone Simon. Es sei ein tolles Ensemble.

„Unsere Aktivitäten drehen sich um die Unterstützung von Veranstaltungen und den Verein mit seiner Arbeit zu zeigen.“ Der Theaterverein sammelt Spenden für das Döbelner Theater. Ein Projekt war die technische Ausstattung für das Picknickkonzert im Park auf der Klosterwiese, das letztes Jahr im Sommer zum zweiten Mal stattfand und fortgesetzt wird. Es kam eine vierstellige Summe zusammen für das Open Air, so Simone Simon Sie ist zufrieden mit der Spendenbereitschaft. Die nächste Spendenaktion läuft bereits. „Das Mittelsächsische Theater mit Hauptsitz in Freiberg plant die Beschallungsanlagen zu modernisieren. Zusammen mit dem dortigen Förderverein sammeln wir dafür Spenden“, erzählt sie. „Dafür werden 75 000 Euro gebraucht.“

Simone Simon hält die neuesten Postkarten des Fördervereins, eine mit der Aufschrift „Theaterliebe in Vereinsform“ in der Hand Auf einer Karte steht in roten Buchstaben: „Drama? Können wir finanzieren.“ Ein Drama sei die kulturelle Bildung für Kinder gerade im ländlichen Raum mit oft langen  Anfahrtswegen. Daher übernimmt der Theaterverein die Kosten für den Bus ins Stadttheater auf Anfrage von Schulen und Kindergärten, so Simone Simon, Die originellen Postkarten hat ihre Tochter Emma für den Theaterverein gestaltet. Sie ist 20 Jahre jung und studiert neue Medien und Kommunikation in den USA, in Miami. Weitere theaterbegeisterte und kreative Mitstreiter sind im Verein der Freunde des Döbelner Theaters herzlich willkommen. 30 Euro kostet der Jahresjahresmitgliedsbeitrag. „Wir pflegen Gemeinschaft, sitzen nach Premierenfeiern zusammen und unterhalten uns über neue Stücke“, so Simone Simon. Manchmal besuchen sie auch eine Generalprobe einer Aufführung nach Wunsch, den Chefdramaturg André Meyer, der auch zu den Vereinssitzungen kommt, ermöglicht.

Das nächste Highlight ist der diesjährige „Hollywood-Bühnenball“ im Theater Döbeln am 31. Januar, der bereits ausverkauft ist. Ein Abend voller Glanz, Geschichten und Zauber des Kinos auf der Bühne mit Gala und Wandelprogramm in allen Räumen des Theaters Döbeln locken die Besucher zum Schauen, Feiern, Flanieren und Tanzen. An der Seitenbühne wird wieder eine Bar aufgebaut, wo rund 15 Leute vom Theaterverein, von der Loge Nr. 5 und vom Jungen Theater des Hauses Wein und Cocktails für die Gäste bereithalten. „Das wird wieder ein Kraftakt für den Verein, das alles zu organisieren. Das Schönste sind dann das Flair und die Gespräche mit Besuchern und Schauspielern beim Bühnenball“, freut sich Simone Simon auf einen zauberhaften Theaterabend, der das kleine Stadttheater in Döbeln in all seinem Glanz erstrahlen lässt.

Text + Fotos (lv)

Kontakt zum Theaterverein:
http://www.theaterverein-doebeln.de

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Premiere „Kritischer Zustand“ im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden

21 Mittwoch Jan 2026

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Projekte, Theater, Zwischenmenschliches

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Wie Zauberer spielen, jonglieren und zeigen Ärzte und Klinikmitarbeiter all die Sorgen und Kunststücke aus ihrem Alltag in der Aufführung „Kritischer Zustand“ auf der Bürgerbühne im Kleinen Haus. Fotos (2): Sebastian Hoppe

Zauberkünstler aus dem Krankenhaus

Mit viel Spielfreude, Herzblut, Humor und Leidenschaft erzählt die Aufführung „Kritischer Zustand“ – eine Gesundheitsshow mit Klinikmitarbeiterinnen aus deren Alltag in einer Produktion der Bürgerbühne. Die Premiere war am vergangenen Sonnabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Sie können keine Wunder vollbringen, zaubern aber täglich, um Leben zu retten, den chronischen Personalmangel, Kostendruck und die Herausforderungen im Krankenhausalltag zu bewältigen. Davon erzählt die Inszenierung „Kritischer Zustand“ – eine Gesundheitsshow mit Klinikmitarbeiterinnen von Jonas Egloff und Emily Magorrian in einer Produktion der Bürgerbühne. Die Premiere war am Sonnabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Die Bühne ist wie im Varieté-Theater gestaltet, mit Behandlungskabinen mit zart violetten Vorhängen. Ein OP-Tisch dient als Spielfläche. Die Ärzte und Krankenpfleger treten auf wie Zauberkünstler mit Zylinder und schwarz schillernden Kostümen über weißen Shirts. Das wirkt zunächst befremdlich, ungewöhnlich und gewagt und steht im krassen Gegensatz zum wenig glamourösen Klinikalltag. Doch genau von diesem Kontrast lebt diese Aufführung. Mit viel Spielfreude, überraschendem Humor, Herzblut und Leidenschaft spielen, singen und tanzen die elf Akteure und bringen ihre eigenen Perspektiven und Erfahrungen aus der Klinik auf die Bühne. Anfangs fragt Pfleger Benjamin das Publikum besorgt, ob alle bequem und warm sitzen.

Per Knopfdruck beginnt die Show, werden die Protagonisten vorgestellt: Laura, die sehr agile und bewegliche Apothekerin; Anni, die engagierte Krankenschwester; die medizinisch-technische Assistentin Denise, die Messwerte und Befunde sichtbar macht; Simon vom ambulanten Pflegedienst. Offen und freimütig kommt in den Szenen und abgewandelten, bekannten Musical-Songs auf die Bühne, was sie bewegt, freut, aufregt hinter der äußeren Fassade: „Besuchszeit ist Showzeit, dann zeigen sich alle von der besten Seite…“ Sie erzählen von schönen und traurigen, dramatischen und hoffnungsvollen Momenten, wo es anders als im Theater tatsächlich um Leben und Tod geht.

Da ist der junge Arzt Fabian, der von der Angst vor Nadeln, Transfusionen und der Emphatie, die das besonders bei kleinen Patienten verlangt, einfühlsam spricht. Er holt einen Teddy hervor, der Himbeersaft bekommt, womit er ein leukämiekrankes Kind tröstete. Die Laborantin Eva erinnert sich an die Zeit, als sie noch selbst für die Blutabnahmen auf Station ging auch bei Sterbenden, die dankbar ihre Hand hielten. Eine Frau liegt mit gefesselten Händen auf dem OP-Tisch, verschwindet in einem Zauberkasten und taucht unversehrt wieder auf. Manchmal fühlt sie sich auch ausgeliefert, fremdbestimmt und hilflos. Wenn sie das Herz im Ultraschall sieht, ist es das größte Wunder für die Intensivmedizinerin und Oberärztin Julia. „Weil es so schön kraftvoll und selbstständig ist vom ersten bis letzten Lebenstag und noch mehr schlägt, wenn wir verliebt sind“, sagt sie. Herzergreifend ist ihre Geschichte einer jungen schwerkranken Patientin, die Bäckerin war und nicht mehr leben wollte. Wie die Ärztin hin und her gerissen zwischen Schmerz, Wut und Helfen wollen sie und ihre Familie bis zuletzt begleitete und einen würdevollen Abschied ermöglichte.

Sie hört auf dem OP-Tisch sitzend der Kinderkrankenpflegerin Claudia zu, die gerade noch von einer Mutter und ihrem kranken Baby erzählte und plötzlich selbst im Klinikbett liegt und ihr Kind sehen möchte, das keine Herztöne mehr hat. Die Zauberkünstler aus dem Krankenhaus trösten und machen sich gegenseitig Mut, zücken den Schminkpinsel, greifen ins Sägeblatt des Klinikbetriebs ein, gehen über Grenzen, erleiden überlastet Burnouts, springen im Galopp zu Can-Can-Klängen immer einsatzbereit, jonglieren mit Bällen wie Krankenfallzahlen, wedeln mit Geldscheinen für Krankheit als Geschäft und träumen davon, mehr Zeit und weniger schlaflose Nächte aus Sorge um ihre Patienten zu haben. Sie stehen trotzdem immer wieder auf und machen weiter, denn sie wissen: „Die Patienten erwarten keine Wunder und Magie, sondern einen menschlichen Umgang!“
Reichlich Beifall gab es für diese wunderbare, intensive und aufrüttelnde Gesundheitsshow.

Text (lv)

http://www.staatsschauspiel-dresden.de


Krankheiten können sie keine weg zaubern. Doch mit Mitgefühl & Fantasie kleinen Patienten ihre Ängste nehmen und ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

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Premiere „Toto oder Vielen Dank für das Leben“ von Sibylle Berg im Kleinen Haus Dresden

30 Dienstag Dez 2025

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Theater, Zwischenmenschliches

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Ein Wunderwesen, Sonderling, Gespenst gar… Für einen Menschen lächelte er zu viel, meint sein bester Freund im, Kinderheim. Faszinierend, anrührend und spannend fragt die Aufführung „Toto oder Vielen Dank für das Leben“ von Sibylle Berg, was Menschsein ausmacht. Im Bild in der Titelrolle Josephine Tancke und als ihre Mutter Betty Freudenberg. Foto: Sebastian Hoppe

Ein bezauberndes, fesselndes Nichts

Mit viel Ironie, groteskem Witz, fantastisch surreal und zwiespältig erzählt die Inszenierung „Toto oder Vielen Dank für das Leben“ von Sibylle Berg über Identität, menschliche Eigenarten und den Umgang der Gesellschaft damit.

Als ginge es um ihr Leben, schreit eine Frau verzweifelt. Im grellen Scheinwerferlicht hockt sie auf einem Gerüst mit Gittern, das einem Kokon oder Blatt ähnelt. Sie ist nicht bereit ihr Kind auf die Welt zu lassen. Die Hebamme sagt mitleidlos, abgeklärt, verächtlich mit Männerstimme: „Was reinkommt, kommt auch wieder raus!“ Dann ist es endlich da, das Kind. Der Arzt gratuliert zur Geburt des Babys. „Es ist ein…“, der Arzt zögert. „Es ist ein Nichts!“

Wie ein Schlag trifft die Frau diese Aussage. Wie betäubt verlässt sie das Krankenhaus, schleift das seltsame Wesen hinter sich her. Das Leben meint es nicht gut mit Toto,, der Hauptfigur im Stück „Toto oder Vielen Dank für das Leben“ von Sibylle Berg nach ihrem 2012 erschienenen Roman Vielen Dank für das Leben. Die Bühnenfassung hatte unlängst Premiere im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden. Mit der Berg eigenen Bitterkomik, Spottlust, Ironie und Melancholie kam die Inszenierung unter Regie von  Sophie Y. Albrecht noch um einiges grotesk zugespitzt, fantastisch surreal und zwiespältig auf die Bühne unterm Dach. Wo das Geschehen noch näher und intimer, ergreifender wirkt.

Toto weiß gar nicht, wer er eigentlich ist, Er wurde mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen geboren, hat sowohl männliche als auch weibliche. In der Antike kannte uns verehrte man sie als Hermaphroditen und es gibt zahlreiche Darstellungen in der Kunst dazu, Landläufig nennt man sie Zwitter. Heutzutage werden sie „intergeschlechtlicher Mensch“ genannt. In seiner lateinischen Bedeutung steht Toto für das Ganze. Vollkommene, gar für Sämtliches. So nennt die Mutter das Kleine, das ihr vorkommt wie ein Ding, ein Hündchen, Toto. Dabei dachte sie und die Autorin Sibylle Berg, die aus Ostdeutschland stammt, wahrscheinlich an das bekannte Kinderbuch „Der Zauberer der Smaragdenstadt“ von Alexander Wolkow, in dem ein kleiner, treuer Hund namens Toto das Mädchen Elli begleitet auf ihrer Reise durch eine wunderreiche Zauberwelt, Im Stück geht Toto mit einem Köfferchen an ihrer Seite, das ihr folgt wie ein Hündchen, los, hinaus in die weite Welt und erlebt viele Abenteuer, Schönes und Trauriges, Argwohn, Interesse, Liebe und Enttäuschung.

Mit Strubbelhaar und Spangen, kindlich naiv. neugierig, offen und freundlich, schlaksig und androgyn in ihrer Art spielt Josephine Tancke die Titelrolle des Toto. Ein Sonderling, der anders ist als die anderen, nicht Fisch nicht Fleisch, das ist ihnen nicht geheuer, den sie unsicher und misstrauisch betrachten, auslachen und bloßstellen, ausgrenzen. Sie trägt eine weiße Unterhose über der wilden Leopardenhose, ein blaues Shirt und rosa-blau gestreifte Kniestrümpfe. Die anderen Darsteller tragen mittelalterlich wirkende Kostüme mit Halskrausen und gitterartige Reifröcke, wie gefangen in ihren Konventionen und sie spielen mehrere Rollen, in denen sie auf verschiedene Weise Toto mit Zu- oder Abneigung begegnen. Begleitet von abwechselnd grellen, kühlen und gefühlvollen Klängen.

Totos Mutter, anrührend ratlos, wütend und allein mit dem sonderbaren Kind und die strenge, hartherzige auf Einhaltung der Regeln pochende Erzieherin im Kinderheim spielt Betty Freudenberg, wobei die Erzieherin etwas zu platt die sozialistischen Parolen drischt. Weniger wäre hier mehr gewesen. Nahegeht die Szene mit ihr als einsame Prostituierte hinter dem rot erleuchteten Fenster im Bordell. Während sich Toto mit glockenklarer Stimme die Seele aus dem Leib singt mit seinen Songs allabendlich bei seiner „Freakshow! vor betrunkenen, rauflustigen Gästen in einem Lokal. Ein dankbar hingebungsvolles „Kuhplikum“ sind Toto hingegen die gemütlich Gras auf der Wiese kauenden Kühe, für die sie in einer Videoeinspielung mit Mikro auf der Mistgabel singt. Die Tiere nehmen sie wie sie ist. Ihr Wesen, das eine Laune der Natur ist. Sie singt mit warmer Stimme und kehrt dabei all den Mist weg, der ihr widerfährt. Toto will einfach leben wie jeder andere Mensch.

Ein wagemutiges, tolles Stück, bei dem Lachen und Weinen, Licht und Schatten, Staunen über all die Wunder im Leben nah beisammen sind. Konträr, vielfarbig und vieldeutig. Viel Beifall gab es dafür vom Premierenpublikum.

Text (lv)

http://www.staatsschauspiel-dresxden.de

Nächste Aufführung: 30.12., 20 Uhr, Kleines Haus-

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Premiere „Weiße Zeiten“ in der Comödie Dresden

11 Donnerstag Dez 2025

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Musik, Theater, Zwischenmenschliches

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Mit viel Herzblut, Witz, Charme und Schwung spielt, singt und tanzt das Damen-Quartett, vier Freundinnen in einer tief verschneiten Berghütte, in der weihnachtlichen Revue „Weiße Zeiten“ in der Comödie Dresden. Foto: Robert Jentzsch

Weihnachtszauber mit viel Witz und Charme und
einem sprechenden Rentier als Herz- und Seelentröster

Eine Bescherung mit reichlich Turbulenzen, Überraschungen, viel Humor und Gesang weckt Vorfreude und Weihnachtsmuffel in der Revue „Weiße Zeiten“ in der Comödie Dresden.

Hausfrau Doris und ihre Freundinnen freuen sich auf Weihnachten. Abseits vom familiären Trubel in weiß verschneiter Landschaft in einer gemütlichen Berghütte wollen sie diesmal feiern. Die Ehemänner dürfen mit und sollen einen Tannenbaum im Wald schlagen. Doch sie lassen auf sich warten und dann zieht auch noch ein Schneesturm auf. Eine Bescherung mit reichlich Turbulenzen und Überraschungen ist die weihnachtliche Revue „Weiße Zeiten“ von Tilmann von Blomberg, Carsten Gerlitz und Katja Wolff, die auch Regie führte. Die Premiere war im November in der Comödie Dresden.

Voller Vorfreude, aufgeregt und quirlig wie das Schneegestöber draußen
schwirren die vier Frauen in Wintersachen und mit Skiern in der urigen Berghütte umher. Doch mit der zunächst himmlischen Ruhe ist es bald vorbei. Der Tisch ist mit Kerzenleuchtern und Geschirr festlich gedeckt. Die erste Flasche Rotwein geleert. Dann ertönt plötzlich auch noch eine Stimme wie aus dem Nichts, die sich als sprechendes Rentier Rüdiger aus dem blinkenden Bilderrahmen an der Wand herausstellt. Eine schöne Idee! Rüdiger hat Zeit und Geduld und scheint alle Sorgen und Wünsche der vier Damen zu kennen. Er stellt sie vor, steht ihnen bei, tröstet, hört ihnen zu und muntert sie auf. Doris, die fürsorgliche Hausfrau und Rentnerin (Eva Brunner) im Strickpullover. Sie hat Kartoffelsalat mitgebracht in der Tupperdose und kann nicht rumsitzen. Beherzt greift sie zur Axt und schlägt selbst ein kleines Weihnachtsbäumchen. Viola, die vornehme und glücklich geschieden (biestig: Heike Jonca) erwartet Niveau zu Weihnachten und verteilt gehässig Seitenhiebe nach allen Seiten.

Tanja, die 43jährige Mutter mit Kleinkind im Rucksack (überdreht: Nini Stadlmann) gibt sich cool, lacht übertrieben laut, hat ihr Babyfon immer griffbereit und ist doch überfordert. Sie sehnt sich nach ein bisschen Ruhe. Die Karrierefrau Gaby (Franziska Becker) spielt die Femme Fatale, gibt sich lässig entspannt und ist genervt vom Kindergeschrei. Sie hat bei einem Catering Hirschgulasch und Knödel in die Berge bestellt. Immer wenn es brenzlig wird und der Streit ausartet, kommt Rentier Rüdiger zu Hilfe. Er hört sich nacheinander an, wie die vier Freundinnen ihr Herz ausschütten, warum sie Weihnachten nicht mit der Familie oder Partner feiern und sie offenbaren ihre Sehnsüchte und Träume, welche die Frauen in anderem Licht zeigen.
Der Schneesturm und die Sorge um ihre Männer, die sie versuchen zu erreichen, lassen die Sticheleien vergessen und bringen sie wieder näher zusammen.

Mit viel Herzblut, Witz, Charme und Schwung spielt, singt und tanzt das Damen-Quartett mit bezaubernden Stimmen, viel Swing, Slapstick und Varietémusik abwechselnd fröhlich, verlockend, mitreißend, kraftvoll und leise wehmütig die bekanntesten Weihnachtshits von Jingle Bells, O Holy Night bis Gloria mit neuen, humorvollen Texten. Und plötzlich werden Wunder wahr für alle vier Frauen. Auch sie gehen herzlicher und mitfühlender miteinander und ihren Liebsten um. Das Rentier sieht es lächelnd. Zuletzt singen sie gemeinsam mit dem Publikum das Lied „Sind die Lichter angezündet“ mit dem Wunsch überall soll Frieden sein. Reichlich Beifall gab es für diese wunderbare, herzerwärmende und rundum gelungene Weihnachtsgeschichte der besonderen Art.

Text (lv)

Nächste Termine:
12.12., 13.12., jeweils 19.30 Uhr und 14.12., 15 und 19.30 Uhr

http://www.comoedie-dresden .de

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Über uns

Willkommen in diesem reichhaltigen Garten der Künste – Hier blüht Euch was! Hier wächst vieles, Schönes und Dorniges, Auffälliges und Verborgenes, Seltenes und Seltsames nebeneinander. Hier erfahrt Ihr das Neueste aus der Dresdner Kultur- und Kunstszene in aller Eigenart und Vielfalt. Sitzt man auf der Gartenbank mit namhaften und weniger bekannten Kulturmenschen und Menschen mit Ideen und Visionen aus anderen Lebensbereichen. Zeigen Künstler beim Atelier-Besuch ihre neuesten Werke, bevor sie in der Ausstellung hängen und erzählen, welche Bilder sie nie ausstellen würden. Wird Neues aus der Bühnen- und Bücherwelt vorgestellt, Augen- und Ohrenschmaus weitergegeben. Es gibt ein Traumtagebuch, für die Bilder der Nacht und Lebensträume. Es ist Platz für Poesie und Kurzprosa, Reisereportagen, Beiträge über das Leben mit anderen Kulturen, über Lebensart und Zwischenmenschliches. Es werden WortRaritäten gesammelt und Wort-Rätsel mit geheimnisvollem Inhalt gelüftet. Und nun: Schaut Euch um, entdeckt, genießt und lasst Euch anregen von der Fülle an Kulturgewächsen. Und vor allem: Bleibt schön neugierig und empfehlt meinwortgarten weiter.
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Lilli Vostry

Lilli Vostry

Ich bin als Freie Journalistin (Wort/Foto) seit 1992 in Dresden tätig. Schreibe für Tageszeitungen und Monatsmagazine vor allem Beiträge über Bildende Kunst, Theater, soziale Projekte und Zwischenmenschliches. Außerdem Lyrik und Kurzprosa. Bisher vier BilderGedichtKalender zusammen mit Künstlern veröffentlicht. Fernstudium Literarisches Schreiben im Herbst 2022 erfolgreich abgeschlossen, Schriftstellerdiplom. Kindheitstraum erfüllt. Fotografiere gern Menschen, Landschaften, besondere Momente.

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