Fotos: Robert Jentzsch

Nackt sind alle gleich!

Die bereits dritte frivole Komödie im Boulevardtheater Dresden spielt im Schulmilieu. Die Premiere war am Sonntagabend.

Schule ist langweilig und freudlos. Daher unternimmt Lisa Lustig alles, um von der Schule zu fliegen und brennt frisch verliebt mit Hauptbrandmeister Freddy Funke durch. Der wohlgeordnete Alltag an der Schule für höhere Töchter „Helene Breitschlitz“ gerät völlig durcheinander im Stück “Herr Lehrer, Fräulein Lustig schwänzt!“ Die frivole Komödie für Zuschauer ab 18 Jahren von Clemens Wolkmann hatte am Sonntag abend Premiere im Boulevardtheater Dresden.

Es ist bereits die dritte Inszenierung in diesem Format, die humorvoll reichlich pikante Situationen und nackte Tatsachen auf die Bühne bringt unter der Regie von Jürgen Mai. Nach „Herr Doktor, die Kanüle klemmt!“ und „Herr Pastor, Ihre Kutte rutscht!“ ist diesmal ein Stück aus dem Schulmilieu zu sehen. Das allerdings nur am Rand vorkommt. Hinter der altehrwürdigen Fassade der einstigen bischöflichen Ursulinenschule, die junge Mädchen fürs Leben ausbildet, geht es hoch her. Da kommen sich äußerer Schein und Sein, Strenge und Sittsamkeit und ungehemmte Lust und Triebe ständig in die Quere. Begonnen bei den anstößigen Namen des ganz adretten Lehrpersonals, das wacker mit Wissensvermittlung und eigenen Wünschen und Sorgen ringt. Im Lehrplan stehen Hauswirtschaft, Kochen, Backen und zwölf Stellungen für die angehende Ehefrau.

Haarsträubend komisch führt die Direktorin Dr. Ernestine Schnickenfittich (witzig-verklemmt: Caroline Scholze) im aufreizenden Minikleid bei ihrer Antrittsrede mit vollem Körpereinsatz vor, wie Frauen in höhere Positionen gelangen, um die Frauenquote zu erfüllen und in die feine Gesellschaft aufsteigen. Der Philosophielehrer Gailer (Andreas Köhler) ist ein zotige Sprüche klopfender Macho, der nicht lockerlässt bis er seine Chefin herumkriegt und später in der Sauna alle Hüllen und Hemmungen fallen. Für Wirbel sorgen die beiden Schülerinnen Fritzi Schlecker (Franziska Langer) und Lisa Lustig (Alice Erk). Die eine klein und pummelig mit Zöpfen und Schulranzen, schlau, aber mit ihrer Körperfülle hadernd. Die andere hochgewachsen, blond und mit Kieksstimme gern ihre Reize zeigend. Fräulein Lustig kommt als verwöhnte Göre mit null Bock auf Schule, aber um so mehr Spaß am Leben daher.

Sie provoziert Lehrer Gailer mit Kaugummiblasen und falschen Antworten in Grammatik und Gesellschaftskunde in der Aufnahmeprüfung an die Schule, die ihr Vater, der Landrat Ernst Lustig (gleich in drei Rollen auch noch als Feuerwehrmann und Reitlehrer amüsant: Dennis Wilkesmann) ihr verordnet hat. Für einen Skandal zur Schuleröffnung sorgen die jungen Damen mit einer heißen Tanzeinlage – zur Krönung oben ohne – zu Salsaklängen. Nichts anbrennen lässt auch die schrullige alte ehemalige Schülerin Liliane Leutheuser-Schnarrenthal (Ulrike Mai), die den stotternden Hausmeister Graf Kuno (David Müller) und Lehrer Gailer beherzt verarztet und auch noch einen verborgenen Schatz des Schlossherren aufspürt. Der ist Nebensache, nachdem als Höhepunkt sich zuletzt alle, Lehrer und Schüler, entblättern. Schließlich sind nackt alle gleich! Das soll wohl auch die Botschaft dieses gagreichen, vor allem verrückt-unterhaltsamen Abends sein. Herzlicher Beifall vom Publikum.

http://www.boulevardtheater.de

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