Das Stück ist Geschichte, den runden Tisch und die Stühle von damals gibt es immer noch. Gesprächsrunde am Sonnabend im Schauspielhaus Dresden mit Beteiligten der Aufführung „Die Ritter der Tafelrunde“ von Christoph Hein, die erstmals im April 1989 im Kleinen Haus auf die Bühne kam. Auf dem Bild: Dr. Jörg Bochow (Chefdramaturg und stellvertretender Intenant Staatsschauspiel Dresden), Ursula Müller (Bühnen- und Kostümbildnerin), Christoph Hein (Autor), Prof. Dr. Dieter Görne (ehemaliger Intendant Staatsschauspiel Dresden), Janina Hartwig (Schauspielerin), Hanns-Jörn Weber (Schauspieler), Klaus Dieter Kirst (Regisseur), Thomas Stecher (Schauspieler) Foto: Sebastian Hoppe


Ausschnitt aus der legendären Aufführung im Kleinen Haus u.a. mit den Schauspielern Rudolf Donath als König Artus, Peter Herden als Ritter Lanzelot und Janina Hartwig als Kunneware.

Der Traum von Freiheit und die Suche nach dem Gral

„Ihr lebt in einem Traumland und weigert Euch aufzuwachen!“ Zornig schleudert der junge Mann, Mordret (Thomas Stecher) seine Worte den Rittern der Tafelrunde entgegen. Er sei kein Held, wolle auch keiner werden und in kein Schulbuch. Und nicht sein Leben hier vergeuden. Mordret ist der Sohn von König Artus (Rudolf Donath), dem Gründer der Ritter der Tafelrunde und weigert sich, das Werk der alten Männer fortzuführen. Es sind nicht seine Ideale. Mordret lümmelt respektlos auf der Tafel und setzt noch eins drauf. Er glaubt nicht an die Existenz des Grals! Er will keiner Chimäre nachjagen.

Das entfacht einen heftigen Streit unter den Rittern, die sich alt und ergraut in langen, schweren Mänteln um die Tafel herum im Kreis drehen, sich kämpferisch geben, leere Wortgefechte liefern, nicht merken oder wahrhaben wollen, dass die vielbeschworenen Werte wie der Traum von Gerechtigkeit für alle ihre Glaubwürdigkeit verloren haben und das Land in Aufruhr ist.

30 Jahre nach der Uraufführung des Stücks „Die Ritter der Tafelrunde“ von Christoph Hein, kehrten sie zurück in einer Fernsehaufzeichnung der legendären Aufführung unter Regie von Klaus Dieter Kirst, zu sehen am vergangenen Sonnabend im vollbesetzten Schauspielhaus Dresden. So antiquiert und weit weg die Aufführung auf den ersten Blick anmutet, so frappierend zeitlos, spannend wie tragikomisch ist diese Fabel um die verbittert an überholten Machtritualen festhaltenden Ritter, die einst das Politbüro der DDR meinte und seine Entfernung vom Volk. Wie viel hat sich seither verändert. Was ist geworden aus dem Traum von Freiheit, blühenden Landschaften, Selbstentfaltung und Mitbestimmung und der Überwindung eines einst geteilten Landes?

Viele der im Stück angesprochenen Themen und Konflikte werden heute weiter ausgefochten. Wie der Kampf um wirkliche Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, Waldsterben oder die Suche nach dem Glück und was dies ausmacht. Bei den „Rittern der Tafelrunde“ geben Männer den Ton an. Die Frauen dürfen Bücher lesen, mit am Tisch sitzen, das Dilemma mitansehen und anhören, leiden, aufbegehren, sich entziehen, einschließen im Zimmer, ungehörig verhalten. Doch die Männer entscheiden. Die einen selbstherrlich, starrsinnig und skrupellos. Andere wie der weit gereiste als Greis zurückgekehrte, verstummte und ernüchterte Ritter Lanzelot (Peter Herden) und der sein Scheitern eingestehende König Artus (Rudolf Donath) ringen um Wahrhaftigkeit und sind bereit Neuem Platz zu machen.
Nach der Aufführung gab es eine Gesprächsrunde, Rückblick und Erinnerungen der Beteiligten auf die „Ritter der Tafelrunde“, ebenso nahegehend wie ermutigend, was die Kraft des Wortes, über alle Zensurhindernisse hinweg, auf die Bühne gebracht vermag.

Text + Foto (1) lv
Mehr Text zur Aufführung und Gesprächsrunde folgt.

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