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(lv)
11 Freitag Sept 2026

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09 Mittwoch Sept 2026

Öffentliche Besichtigung im Lügenmuseum
Für seine Besucher ist das Lügenmuseum eine unvergleichliche Erfahrung – ein Gesamtkunstwerk – das beste Museum in Deutschland.
Als das Künstlerpaar den ruinösen Gasthof Serkowitz mit der Perspektive eines Erbpachtvertrags von der Stadt übernahm, besuchten sie das Dalí-Museum in Figueras. Es ist das meistbesuchte Museum Spaniens. Dort hat der Bürgermeister gemeinsam mit dem Künstler Salvador Dalí ein leer stehendes Theater mit einer Inszenierung über das Innenleben eines Künstlers geschaffen.
Ein solches Zusammenspiel von Kunst, Ort und Stadt war auch in Radebeul gedacht. Hat leider nicht geklappt.Am 10. September um 11 Uhr gibt es eine öffentliche Besichtigung des Lügenmuseums mit Gutachtern und Vertretern der Stadt. Außerdem öffnet von 11 bis 13 Uhr der Gasthof seine Türen. Alle Welt ist eingeladen, einzutreten, zu staunen und sich selbst ein Bild von diesem poetischen Ort zu machen. Letzte Gelegenheit, bevor dieses überwältigende Gesamtkunstwerk untergeht – wie die Titanic. Im Lügenmuseum ist auch der Originalsound zu hören: „Untergang der Titanic – 20 Minuten danach.“05 Samstag Sept 2026

Wunderbarer Ort vor herrlicher Naturkulisse im Freien zum Musizieren: die Musikerin, Sängerin und Komponistin Agnes Ponizil lud zu einer Klangwanderung im Rahmen des diesjährigen Musiksommer Bärenstein am vergangen Sonnabend ein. Losging es auf einer Anhöhe mit weiter Aussicht auf die Landschaft im Osterzgebirge, mit einem Dutzend wander- und sangesfreudigen Menschen, die aus der Umgebung kamen und extra aus Dresden anreisten. Um zusammen zu singen, tönen, pfeifen, jodeln. Da wurden zusammen alte Volkslieder gesungen wie „Das Wandern ist des Müllers Lust“ oder „Zieh aus mein Herz und suche Freud“. Außerdem konnten die Teilnehmer dem zauberhaften Harfenspiel von Aerdna Harp lauschen. Die Wanderung führte weiter zum Schloss Bärenstein, das seit längerem im Dornröschenschlaf schlummert, über Wiesen, Wälder und Feldwege, über die Sachsenhöhe bis nach Lauenstein. Fotos: privat



Mehr über die Musikerin und Klangkünstlerin Agnes Ponizil, sie ist Diplomkomponistin und 2. Vorsitzende des Landesverband Sachsen/Sachsen-Anhalt im Deutsche Komponistinnenverband e.V., zum Hineinhören:
QuAsar M LjOrc2023 für Mandoline und Orchester UA Landesjugendorchester Sachsen https://youtu.be/GxxTRf-tTzo?si=0OFkr_yDtfc_jysY
Stimmklangcollage „wirf deine hand in meinen fuß“ zu Grafiken und Texten von Fritz Peter Schulze https://youtu.be/E8IsNV_87ac
27 Donnerstag Aug 2026
Posted in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Natur, Poesie, Projekte, Zwischenmenschliches


Einmaliger Kunstort & Wunderkammer voller skurriler Dinge & wechselnde Ausstellungen & Zeitgeschichte zum Anfassen aus dem DDR-Alltag und künstlerischen Underground: Das Künstlerpaar Dorota und Reinhard Zabka hat das Lügenmuseum Radebeul im früheren Gasthof Serkowitz jahrelang mit viel Liebe, Engagement und öffentlicher Förderung aufgebaut. Nach einem langen Rechtstreit und ausbleibender Einigung mit der Stadt Radebeul droht dem Lügenmuseum Ende September die Schließung.




Absurder Streit um das Lügenmuseum
Dem originellen und vielbesuchten Kunstort droht Ende September die Zwangsräumung durch die Stadt Radebeul per Gerichtsbeschluss. Obwohl bereits mehrere Verkaufsversuche scheiterten und Rettungsversuche ungehört bleiben.
Das ganze Haus ist eine Kunst-Baustelle. Wie auf einer großen Leinwand prangen überall Bilder, Ideen und Sprüche rings um den Eingang des Lügenmuseums Radebeul, das den ehemaligen Gasthof Serkowitz an der Kötzschenbrodaer Straße 39 seit vielen Jahren neu belebt. Jedoch weniger mit kulinarischen Genüssen, als mit kultureller und geistiger Nahrung werden die Gäste hier empfangen von Betreiber Reinhard Zabka und seiner Frau Dorota. Höchst lebendig, originell, vergnüglich, unterhaltsam, auch streitbar, zum Austausch anregend über das Gesehene geht es hier zu. Aufhorchen lässt schon der Name des Museums. Dazu liest der Besucher: “Wahre Dinge sind wie umgekehrt“ auf die Fassade geschrieben. „Die Zukunft war früher auch besser“, „ein bisschen stimmt es, aber nicht immer“ und „Es gibt Lügen, da hört der Spaß auf“. Auf einem Papierrollo steht der Titel einer Ausstellung: „Underground and Revolution of GDR“.
Vor dem strahlend weiße Gebäude stehen Installationen, aus Stühlen und Leitern errichtete Türme mit rot-weißer signalartiger Bemalung, kreisenden Rädern und ausschwirrenden Strahlen. Viele Schilder mit Pfeilen und Fragezeichen sieht man da. Da wird auf eine „Kultur-Schutz-Zone“ und auf Artikel 5 im Grundgesetz zur Kunstfreiheit verwiesen. Das Lügenmuseum ist noch bis 31. September geöffnet – dann Gnade uns Gott, schallt der eindringliche Hilferuf aus einem Bild. Dem Lügenmuseum droht nach einem bereits jahrelangen Rechtsstreit und einer Räumungsklage der Stadt Radebeul, welche nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Dresden nun rechtskräftig ist, die Schließung. Die angekündigte Zwangsräumung im Oktober würde das Ende dieses Kunstortes besiegeln. „Das Lügenmuseum kapituliert nicht vor der Komplexität der Welt. Mit Distanz, Humor und dem Blick auf das Ganze macht dieses Gesamtkunstwerk Widersprüche, Täuschungen und die Illusionen der Macht sichtbar“, sagt Richard von Gigantikow. So nennt sich der Künstler und „Ideenmillionär“ Reinhard Zabka, der Erfinder und Betreiber des Lügenmuseums vor den Toren Dresdens. „Das Lachen wird zum Erkenntnisinstrument, denn vom Wahren lässt sich heute oft nur noch über das Falsche, über die Lüge, sprechen. Diese Erfahrung macht das Lügenmuseum sinnlich erfahrbar.“
Viele Besucher nutzen derzeit die Gelegenheit, diesen außergewöhnlichen Kunstort noch einmal zu erleben. Sie beweisen einen besonderen Geschmack, so Zabka. Als Seismograf der Gegenwart mache dieser Kunstort gesellschaftliche Spannungen, Brüche und Widersprüche sichtbar und entwickelt daraus eine eigenständige künstlerische Sprache. Zwei Petitionen, fachliche Stellungnahmen von Bundes- und Landeseinrichtungen sowie zahlreiche Appelle und Gnadengesuche stießen jedoch auf taube Ohren. Dabei wird im Kulturentwicklungskonzept der Stadt Radebeul bis 2030 das Lügenmuseum ausdrücklich erwähnt als hervorragender Kunstort in der Region. Die Stadträte haben dieses Konzept einstimmig verabschiedet im Mai 2024. Doch der Radebeuler Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) hat dem Betreiber des Lügenmuseums zur gleichen Zeit gekündigt, so Zabka. „Er hat Verkaufsverhandlungen geführt, die sind gescheitert und der Käufer ist zurückgetreten. Die Stadt wirft dem Lügenmuseum vor, wir seien nicht kompromissbereit. Doch wir haben mit ihm verhandelt.“ Es habe mit dem Kaufinteressenten Unstimmigkeiten zur künstlerischen Ausrichtung des Lügenmuseums in Zukunft gegeben. Persönliche Befindlichkeiten spielen wohl auch eine Rolle. Der OB habe Zabka als Privatperson gekündigt, nicht dem Lügenmuseum an sich, das mit diesem Künstler nicht tragbar wäre, sagt er.
„Kunstfreiheit bedeutet, dass der OB ein fachliches Gutachten einholt. Das ist eine ganz persönliche Entscheidung von ihm“, so Zabka. „Nach der Kündigung hat uns die Radebeuler Kulturamtsleiterin noch gefördert mit einer Ausstellung.“ Reinhard Zabka ist Kunstpreisträger der Stadt Radebeul von 2016. „Zabkas Kunst kreist um Menschheitsthemen: das Rätsel, das Geheimnis, die Erinnerung, die Illusionen des Lebens und die Beseeltheit der Welt, und nicht zuletzt die Heiterkeit, die Freude“, sagte die Laudatorin Dr. Susanne Köstering in ihrer Rede zur Kunstpreis-Verleihung. Seine Kunst erreiche deshalb Menschen aller Weltgegenden, aller Altersgruppen und aller sozialen Millieus.
Dennoch ist das Lügenmuseum in seinem Fortbestand gefährdet. Die Stadt Radebeul hat das Haus zum Verkauf ausgeschrieben mit der Auflage an den Eigentümer, drei Millionen Euro für die Sanierung aufzubringen. Vier Verkaufsversuche sind bereits gescheitert. „Die haben keinen Bewerber, keine Idee und kein Konzept“, weiß Zabka. Nach ausbleibenden Einigungen kündigte die Stadtverwaltung Radebeul den Mietvertrag mit Zabka und setzte den Auszug juristisch durch. Für ein Statement über die Hintergründe, warum keine Einigung oder andere Möglichkeit als die Räumung des Lügenmuseums gefunden werden konnte, war OB Wendsche nicht erreichbar. Er hoffe nun, dass der Mieter und Betreiber des Lügenmuseums nun das Gebäude in der gewährten Frist räumt. teilte er schriftlich über die Pressestelle der Stadtverwaltung Radebeul mit.
Während es hinter den Kulissen des Lügenmuseums wackelig zugeht, schauten sich in den Sommerferien noch mehr Besucher als sonst dort um und tauchten in eine wunderreiche Welt ein, die ihresgleichen sucht in dieser Weise. Seit nunmehr 35 Jahren besteht das Lügenmuseum. In einer alten Landarbeiterkate in Babe, einem brandenburgischen Dorf 1990 gegründet, beginnt Zabkas Traum vom Künstlerhaus und Lügenmuseum als Wunderkammer mit skurrilen Objekten. Sieben Jahre später zieht er ins Gutshaus nach Gantikow und wiederum 14 Jahre später nach Radebeul in den historischen, denkmalgeschützten Gasthof Serkowitz. Diese Wanderschaft wohnt auch den Kunstobjekten selbst inne. Oft sind es mobile Objekte auf Rädern und mit Reiseattributen versehen wie Koffer, Wanderapotheken oder Wanderschuhe – wie angeblich dem von Fontane!
Seit 2012 öffnet das Lügenmuseum in Radebeul als ein Ort der Kunst und Fantasie, Träume und Visionen für kleine und große Besucher seine Türen. Den sie eigenständig erkunden, entdecken und erfahren können mit allen Sinnen und eigenständiges Denken und Wahrnehmen wird hier großgeschrieben. „Wir sind ein Lernort für visuelles Denken. Museen sind aber meist auf Design, Didaktik und Archiv ausgelegt“, so Zabka. „Wir haben eine Kunstsammlung, mehrere Künstlernachlässe und das Lügenmuseum zeigt den Geist der Friedlichen Revolution atmosphärisch.“ Alles authentisch. Zeitgeschichte zum Anfassen und Hineinbegeben. Zabka, 1950 in Erfurt geboren als Sohn von Flüchtlingen aus Schlesien und Ostpreußen, hat viele Dinge selbst zusammengetragen aus jener Zeit. Als ein Akteur der Erfurter und Berliner Subkultur befasste er sich und kennt die Mechanismen der Lüge als Machtinstrument, aber auch als Überlebensmittel. Lüge bedeutet hier nichts weniger als Gegenwelt.
Die Zeitreise in die DDR-Vergangenheit und ihren Alltag führt durch 16 Räume voller wundersamer und paradoxer Dinge. Der erste Raum erinnert an den übermächtigen Wunsch nach Reisefreiheit, anderen Kulturen und Eindrücken mittels mechanischen, akustischen und optischen Effekten, wunderlichen Apparaten, exotischen Souvenirs und farbenfrohen Assemblagen. Zu sehen ist außerdem das Atelier eines Dissidenten, das man über einen begehbaren „Giftschrank“ voller Bücher betritt, hinter einer Art Geheimtür. Dort sieht man auf Regalen zumeist illegal fabrizierte Drucksachen, Poster von Ausstellungen und Bilder an den Wänden z.b. von Manfred Butzmann, Elke Erb, Martin Hofmann, Cornelia Schleime oder Robert Rehfeldt. Per Knopfdruck an einer Art Radio kann der Betrachter sich dazu einen Sound aus DDR-Geräuschen aus Tonkonserven selber mixen. Durch fantastische Bilderwelten reisen und ein Sammelsurium seltsamer, witzig-skurriler Kunstobjekte und Installationen zwischen ironischem „Happy Ossy Land“ und absurd-komischem „Welttheater“ voller Schaukästen und Altäre mit originalen Zeitzeugnissen und kurios sinnverwandelten Alltagsdingen erwartet die Besucher treppauf, treppab auf den Gängen und im Saal im Obergeschoss. Ehemals ein Ballsaal mit noch erhaltener, stuckverzierter Jugendstildecke, Säulen und hohen Bogenfenstern. Die prunkvolle, gläsern schimmernde Kugellampe an der Decke in der Raummitte stammt aus dem abgerissenen Friedrichstadtpalast in Berlin.
Die Stimmung wandelt sich stetig mit den rings herum bunt aufleuchtenden und wieder verlöschenden Lämpchen, drehenden Windspielen mit Fähnchen, Händen und Füßen in der Luft, leise surrenden, klopfenden und trommelnden Klängen der Installationen im Wechsel von Stille und Bewegung, Ergriffensein und Verzauberung. Derzeit laufen dort zwei Ausstellungen, eine mit dem Titel „Tanz auf dem Holzweg“ zeigt kinetische, schwebende und schwingende Objekte von Reinhard und Dorota Zabka, Sophie Cau, Klaus Liebscher, Justus Ehras, Jan Heinke, Jola Brejdak und unter dem Motto „Skeleton Dance“ werden mittelalterliche Totentanz-Darstellungen in die Gegenwart transformiert in Bildern und Objekten. Hinter dem Lügenmuseum steht man plötzlich in einem urwüchsig prächtigen Garten, den Zabkas vor Jahren angelegt haben. Eine blühende Oase mit Betonboden, aber dennoch wachsen Bäume darauf. Überall stehen hoch rankende Pflanzentöpfe, dazwischen Holzbänke. Es wäre schade, wenn dieser zauberhafte Platz verlorengeht zumal Radebeul als Gartenstadt sich sieht. Einen Teil des Grundstücks am Lügenmuseum hat die Stadt schon abgeteilt. Ein Feigenbaum steht dort. Die Stadt will das Grundstück verkaufen.
Wir sitzen am Tisch unter dem grünen Blätterdach. Dorota Zabka, die Frau des Künstlers und selbst Künstlerin, serviert Salat und leckere Quiche, dazu Zitronenwasser. Zusammen haben sie diesen Kunstort mit viel Liebe, in Eigeninitiative größtenteils mit vielen Helfern jahrelang aufgebaut. Sie mag sich nicht vorstellen, wenn dies alles bald wegfiele, sagt Dorota Zabka leise. Ihre kleine Hündin „Ella“ bellt fröhlich als wolle sie den Garten und das Haus bewachen. Viele Projekte, Symposien für Kreative und Kunstfeste fanden hier schon statt. Das Künstlerpaar Zabka erfährt viel Unterstützung von Freunden, Förderern und Kennern dieses besonderen Museums, die sich für seinen Erhalt einsetzen. „Wir haben über 100 Briefe bekommen und an die Stadt Radebeul geschickt“, erzählt Reinhard Zabka. Darunter von der Akademie der Künste, vom ehemaligem Rektor der Dresdner Kunsthochschule, Matthias Flügge, vom Landesamt für Denkmalpflege bis zur Bundesstiftung Aufarbeitung von SED-Unrecht. Selbst der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer versuchte im Rechsstreit Zabkas mit dem Radebeuler OB Wendsche zu vermitteln. Ohne Erfolg. Da es eine Sache der Komnune sei, so Zabka.
„Wir haben einen interessierten Käufer gefunden, der für 300 000 Euro ohne Sanierungsauflagen das Lügenmuseum übernehmen möchte. Ein Museumsbetreiber aus der Schweiz. Der Name ist dem OB bekannt und wird ignoriert!“ Zabka hat der Stadt Radebeul in einem Brief an die Stadträte im Mai sogar die Schenkung des Lügenmuseums als Gesamtkunstwerk angeboten, das Arbeiten von über 500 Künstlerinnen und Künstlern vereint, verbunden mit dem Ziel, das Lügenmuseum zu erhalten und weiterzuentwickeln. „Zurzeit ist ein Gast aus Schwaben bei uns. Er kommt aus der Finanzwelt und macht ein Sabbatjahr. Ihn arbeiten wir gerade als neuen Museumsdirektor ein. Er macht Führungen, begrüßt die Gäste und kommt gut an bei den Besuchern“, so Reinhard Zabka. Vorstellbar sei auch eine temporäre Ausstellung für etwa zwei Jahre mit Rauminstallationen des Lügenmuseums im Japanischen Palais in Dresden, dessen schöne Räume damit auch wieder mehr mit Leben erfüllt würden.
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Öffnungszeiten: Sa und So, Ferien und Feiertag von 13 bis 17 Uhr
18 Dienstag Aug 2026
Posted in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Musik, Natur, Projekte, Unterwegs, Zwischenmenschliches


Eine Fülle an Klängen, mal fein und zart wie Lichtgefunkel und Blätterspiel, mal sirrend, flirrend, knarrend, leicht, erdig, kraftvoll, verträumt und sehnsuchtsvoll, gab es am vergangenen Sonntagnachmittag bei einem Konzert mit frei improvisierter Musik im Rahmen des Musiksommer Bärenstein. Die drei Musikerinnen Andrea Hofmann (Violine), Karoline Schulz (Flöten) und Sabine Grüner (Violoncello) ließen stimmungsreiche Klangbilder und -landschaften vor zauberhafter Naturkulisse entstehen, von ihr angeregt, flüsternd, innig, harmonisch und quirlig bis leise wehmütig und melancholisch immer neue Räume nach innen und außen in Verbindung mit der Umgebung öffnend. Die Schönheit des Moments, Innehalten, Verrinnen von Zeit, Vergänglichkeit und ferne Erinnerungen, die immer wieder aufleuchten und weiterklingen, verbanden sich zu wundervollen Melodien. Mit den Zuhörern lauschten andächtig weiter hinten die Esel in ihrem Gehege, ebenso wie die Katzen, der Hahn und die Schafe ein Stück weiter auf der Wiese. Die Vögel in den Bäumen stimmten ab und zu in die beschwingten Klänge der Musikerinnen ein. Bezaubernd!
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Musik in vielen Klangfarben an ungewöhnlichen Spielorten: Dafür sorgen der Jazzmusiker und Initiator des Musiksommer Bärenstein, Hartmut Dorschner und die Musikerin, Sängerin und Mitgestalterin Agnes Ponizil.
Neugierig und aufmerksam lauschten auch die zwei Eseldamen Lucy und Charlott den Klängen und freuten sich über die Besucher im Milchschafhof Bärenstein. Dort gibt es auch einen Hofladen mit frischen Naturprodukten,





Zum „KlangStroom“ mit fantastischen Klängen an der Harfe und am E-Piano luden bereits Aerdna Harp und Sven Haubold am Klavier ein. Die Meißner Künstlerin Else Gold zeigt derzeit farbenfrohe Bilder und Objekte in der Kirchgasse 10. Keramik-Köpfe und Fische aus Ton von Karin Dorschner und Porträts von Eleni Haase sind im Musikladen in der Kirchgasse 2 während des Musiksommer Bärenstein zu sehen.













13 Donnerstag Aug 2026
Posted in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Musik, Projekte, Zwischenmenschliches

Malerei voller Farbkraft, Akribie, Lebensfreude und Hintersinn: Die Bilder des deutsch-mexikanischen Künstlers Oliver Estavillo zeigen unverkennbar seine Wurzeln und verbinden eindrucksvoll Tradition und Moderne.

Auf den ersten Blick wirken sie wie große farbige Lampions, die vor einem lodernden Himmel auf der Leinwand schweben. Fünf farbenfroh bemalte Totenschädel. Aus den Augen sprießen Blumen, die Köpfe sind geschmückt mit Ornamenten, Herzchen und Kreuz. Sie fliegen zwischen Kakteen und einem schwarzen Vogel, der eine Schlange in den Krallen hält, vor dem Sonnenball.
Das Titelbild „Mexiko“ von 2026 von Oliver Estavillo entführt in eine besondere Bildwelt voller Farbenfreude, Kontraste, hintergündigem Witz und Fantasie in der Galerier Holger John in der Rähnitzgasse 17 im Dresdner Barockviertel.
Figürliche Szenen voller Symbolik und ambivalenter Stimmung zwischen Faszination, diffusem Schrecken und gelassener Heiterkeit sind dort zu sehen. Da tanzen Paare leidenschaftlich Tango, mit gehaltener Pistole von Männern und Frauen zwischen den Umarmungen. Da prallen die Welt der Reichen und Schönen, Macht, Gier und Gewalt, Leben, Liebe und Tod in grellen Farbtönen, grotesk überhöht in der Darstellung immer wieder aufeinander in den meist großformatigen Gemälden. Das vielseitige Schaffen des deutsch-amerikanischen Malers mit mexikanischen Wurzeln, der in seinen Arbeiten überwiegend gesellschaftskritische Themen aufgreift, stellt Holger John, selbst Künstler und Kurator, derzeit in gleich zwei Ausstellungen hintereinander in seiner Galerie vor. Unter dem Titel „Fiesta Mexicana“ hat er 36 Bilder aus den Jahren 1989 bis 2026 ausgewählt. Sinnliches und Bedrohliches, Schönheit und Abgründe des Lebens liegen nah beeinander in den Gemäden von Estavillo.
„Die Farbkraft, Akribie und Aggressivität in der Darstellung, der sarkastische Humor und die Lust am Fabulieren stechen heraus in seinen Bildern, mit denen er der Gesellschaft einen Spiegel vorhält“, sagt Holger John über die gezeigten Arbeiten. Bitterböse und absurd zugespitzt ist beispielsweise sein Blick auf die Münchner Schickeria, wenn er bayerische Mädels adrett in Dirndkleidern und Zöpfen als feierwütige, gruslige Zombies zeigt in einem Bild. Oder die „Botox Elfen“, so nennt Estavillo die künstlich gestrafften Frauen, die aussehen wie Wachspuppen mit erstarrten Mienen. Einige Bilder wirken wie eine verschraubte Mauer, so John, an den Bilderrahmen sind sie mit spitzen Nägeln befestigt. „Flambierte Barrrikaden“ nennt der Galerist Estavillos Arbeiten, die den schönen Schein und Sein, die Doppelmoral in der Gesellschaft spiegeln. Das brachte Holger John auch auf die Idee zur nächsten Ausstellung. Nach den figürlichen Bildern werden nun abstrakt farbige Werke von Estavillo unter dem Titel „Wenn Farben Liebe machen“ gezeigt.
Die Ausstellungseröffnung ist am 13. August, am Tag des Mauerbaus, um 19 Uhr in der Galerie Holger John. „Das wird ein buntes Kaleidoskop aus Farbflecken, das die Mauer noch mal direkt abreißen w ill und den Kalten Krieg in der Kunst auflöst“, kündigt John an. „Kunst ist ein großes Kaleidoskop, immer auch in Bewegung und Veränderung.“ Dabei gehe es um das Ost-West-Spiel und tatsächlich immer noch vorhandene Vorurteile auf beiden Seiten ebenso wie um den Kunstmarkt, Kommerz und Wertigkeiten. Um verschiedene Blicke auf die Kunst. Was gute Kunst ausmacht. Inwieweit der gezahlte Höchstpreis tatsächlich entscheidet über die Qualität und den Wert eines Bildes.
„Es geht um die zwei Enden in der Wurst, wo man nicht weiß, wer ist der Gute oder der Böse. Wir sind Ost wie West in einer Wurstpelle und wenn wir die auffressen, schwimmen wir auf der Pelle daher oder was kommt dann?“, fragt John. „Wir machen es uns gegenseitig so schwer.“ Als Galerist in Dresden will Holger John aber auch über den Tellerrand schauen. „Diese mexikanische Malerei ist so anders. Mit der anderen Bildsprache bringt sie einen Störfaktor und zugleich frischen Wind herein“, so John. Es werde eine schöne, lebensfrohe Sommerausstellung. Bei der Konfetti fliegt und die Besucher zur Vernissage auf der nicht mehr sichtbaren Mauer ausgelassen tanzen können zu den wildrockigen Country-Klängen der jungen Band „Bandana Brothers“ aus Tennesee/USA.
Oliver Estavillo ist halb Mexikaner, halb Deutscher. „Ich bin durch und durch Maler. Die mexikanische Seele und Farbe habe ich in den Genen. Das ist wie Essen und Trinken notwendig für mich das Malen“, sagt Estavillo. Er wurde 1964 als Sohn eines US-Amerikaners und einer deutschen Familie in Fulda geboren. Sein Vater war amerikanischer Soldat, verließ aber seine Frau und seine vier kleinen Kinder und kehrte in die USAzurück, ohne jemals die geringste Unterstützung zu leisten. Ein sehr persönliches Bild von Estavillo „Mein Vater in der Hölle“ schockiert und erzählt von seiner Wut und Entbehrungen. Wenigstens hat er ihm den klangvollen Namen mitgegeben. Viele denken, es ist ein Künstlername oder ein Pseudonym, lacht Oliver Estavillo. Aufgewachsen ist er mit seiner Mutter und den Geschwistern in München. Er hat in Gelegenheitsjobs und als Restaurator gearbeitet, auch am Fuldaer Dom mitgewirkt. Estavillo ist künstlerischer Autodidakt und arbeitet seit 2006 ausschließlich aks freischaffender Künstler. Im Jahr 2017 zog er zurück in seine Heimatstadt Fulda. „München war einfach nicht mehr bezahlbar“, sagt er. Fulda sei eine schöne kleine Barockstadt in Hessen, auch landschaftlich. „Doch es ist nicht viel los dort.“ Ihm fehlt es, an der Isar spazieren zu gehen. Ab und zu besucht er Freunde in München. An seiner Malbesessenheit hat sich hingegen nichts geändert.
Auch wenn Estavillo kein Wort spanisch spricht und noch nie in Mexiko war, sieht man in jedem seiner farbenfreudigen, kraftvollen Bilder seine Wurzeln. „Bei den abstrakten Bildern ist die Farbe die Handlung“, sagt er. Da kann er intuitiv und beschwingt wie beim Jazz losmalen. Er hört auch gern Musik dazu, auf MDRKultur und Klassik Radio. Bei seinen figurativen Bildern zeichnet Estavillo mit Bleistift vor und dann malt er mit dem Spitzpinsel weiter in seiner fein ausgearbeiteten, detailreichen Ölmalerei. Dort gehe es in Millimeter-Schritten vorwärts. „Das Abstrakte ist ein Ausgleich, fast wie eine Wellnesskur“, sagt er. „In die Farben reinspringen und dann muss ich schwimmen.“ Die abstrakten Bilder von Estavillo sind zeichenreiche, intensive und wunderbare Farblandschaften, in denen angeregt von der alten mexikanischen Kultur der Mayas immer wieder Symbole wie Sonnen, Kreise, Spiralen, Schlangen, Augen und Ornamente auftauchen, Mythen und Pflanzliches sich eindrucksvoll verbinden. Mal luftig, leicht und offen, mal dicht verwoben, verschlungen und verstrickt, manchmal fast labyrinthartig verlaufen die Wege zwischen Himmel und Erde.
Die Farben strömen, wirbeln, rotieren mal wild, chaotisch, unbändig und dann fließen sie wieder sanft und harmonisch auf den Leinwänden. In warmen Rot- und Orangetönen, ocker, türkis, tiefblau bis zu knalligem Pink und Violett ziehen diese Farbgebilde einen magisch an, wird man als Betrachter förmlich hineingesogen. Charmant oder hinterrücks, erfrischend oder wie klebrige Bonbons wirken sie wie „fleischfressende Bilder“, liegen Schönes und Dunkles nah beieinander zwischen Supernova und Scherben ähnlich wie in den Darstellungen der High Society in der vorherigen Ausstellung. „Das geht an die Seele. Wenn es zu viel Kunst wird, bist Du vergiftet oder berauscht“, so Galerist John. Er fühlt sich der mexikanischen Kunst auch verbunden. Seit er weiß, dass dort auch Vorfahren von ihm lebten. Aus Neugier und Interesse, da er immer noch schwarze Haare hat mit Mitte 60, ließ Holger John einen DNA-Test zu Abstammung und Herkunft machen, es war ein Weihnachtsgeschenk seiner Familie vor einer Weile. Vom Ergebnis war er doch sehr überrascht, so der Künstler. Da er eine Affinität zu Keramik, Lebensweise und Ruhe der asiatischen Kultur hat, dachte er eher an China oder Mongolei. „Doch ich bin zu 20 Prozent Mexikaner, außerdem zu 10 Prozent Italiener und 25 Prozent Ire. Der Rest ist das Slawische“, sagt Holger John. Daher fühle er sich Oliver Estavillo natürlich ein bisschen verwandt im künstlerischen Geist. „Das ist ein Welttheater. Wenn diese Farben Liebe machen, entsteht Ekstase, pure Lebens- und Sinnesfreude“, so John zur neuen Ausstellung von Estavillo. „Die Farben bewirken ja auch etwas. Das sind lustige Drogen. Der eine würgt daran, der andere ist vergnügt.“
Kunst müsse manchmal auch etwas weh tun und kann auch mal querliegen im Magen. Sonst mache man etwas falsch als Galerist. „Wenn die Farben dann gefressen sind und sich vermehren, wer weiß was dann herauskommt?“ Dieser spannenden Frage können die Besucher in der Ausstelllung nachgehen. Holger John. „Die Mauer ist schon weg. Doch bis sie wirklich weg ist, wird es noch einige Generationen dauern. Da die Sehgewohnheiten und Erfahrungen sich weiter übertragen.“ Die Mauer bunt anmalen von beiden Seiten bis sie transparent und unsichtbar ist, lautet seine Devise. „Die bunten Farben werden uns vielleicht retten, wenn sie Liebe machen. Sonst wäre die Welt finster“, so Holger John. „Ich sehe, dass wir alle Deutsche sind hüben wie drüben“, sagt Oliver Estavillo. Er habe sehr interessante, liebe Menschen im Osten kennengelernt. Doch er sieht auch die Unterschiede:
„Die Ostdeutschen sind pfiffiger, haben einen gewissen Mutterwitz, sie sind lebensbejahender und haben mehr Zusammenhalt“, fällt ihm bei seinen Aufenthalten auf. „Im Westen geht es mehr egoistisch und gefühlskalt zu.“ Dresden sei eine wunderschöne Stadt und er freut sich darauf, wieder herzukommen. Estavillo hat seine Bilder auch schon in Berlin ausgestellt. „Da ist noch mal ein größeres Publikum. Aber leben möchte ich nicht dort. Die Berliner sind mir zu unfreundlich.“ Holger John kennt er seit einigen Jahren und hat schon mehrmals in Gruppenausstellungen figurative Bilder gezeigt. Es sei beeindruckend, wieviele Leute immer zu den Aussellungseröffnungen bei ihm kommen. „Er ist Charisma auf zwei Beinen“, sagt Estavillo über den Künstlerkollegen John. Sein Traum ist es, seine Bilder auch mal in Mexiko im Nationalmuseum für Kunst zu zeigen. „Das fänden die bestimmt spannend, moderne Kunst von einem Deutsch-Mexikaner zu sehen“, hofft Oliver Estavillo. Vielleicht kann der als Konsul in Mexiko-Stadt lebende Alexander Prinz von Sachsen den Kontakt herstellen, der die Ausstellung Fiesta Mexicana im Juni in Dresden eröffnet hat.
Text (lv)
27 Montag Jul 2026
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Beschwingt, bewegt, wild und sanft ging es zu bei unserer Lesung mit neuen Meer-Gedichten von Lilli Vostry, begleitet von wundervollem Harfenspiel von Aerdna Harp am Sonnabend im Kunsthaus Bärenstein. Es war mir ein Vergnügen vor aufmerksam lauschenden Publikum zu lesen. Überschaubar, doch jede Reihe war besetzt. Es muss sich wohl noch mehr herumsprechen, dass hier in der Sommerzeit ganz besondere Kulturerlebnisse locken, als Sahnehäubchen zur wunderbaren Landschaft des Erzgebirges, viel Wald, Wanderwege, wildblühende Wiesen, Weite, Stille, kleine schöne Orte mit alten Fachwerkhäusern, hier und da Ausschank, Zeit zum Innehalten und Verweilen und Genießen der Ruhe und Natur.
Herzlichen Dank an Hartmut Dorschner, Jazzmusiker und Initiator des Musiksommer Bärenstein. Der mit Konzerten mitten in der Natur, Autorenlesungen und Ausstellungen Kunst und Kultur auch in den ländlichen Raum bringt. Noch den ganzen Sommer über bis Mitte September.
Text + Fotos (lv)
Weitere Infos zum Programm unter http://www.kult-ur-art.eu

Natur & Kunst: Ein Bild von Anita Rempe im Kunsthaus Bärenstein.





Sonntagsfrühstück in Bärenstein: Gastgeber Hartmut Dorschner. Brot selbst gebacken, erlesene Früchte und himmlische Ruhe luden ein zum Verweilen und Genießen. Mittags gab es leckere selbstgemachte Pizza von Aerdna Harp.


Poesie pur und ein erfrischendes Bad in einem See in Zinnwald nach einem wunderbaren Sonnentag erfreuten das Herz nach meiner Gedicht-Lesung mit Musik am Sonnabend in Bärenstein.








27 Montag Jul 2026

Jede Menge Jazz & gute Laune: Die Macher des Musiksommer Bärenstein Matthias Macht, Schlagzeug; Initiator Hartmut Dorschner am Saxophon, Agnes Ponizil, Sängerin und Akkordeon/Klavier und Aerdna Harp an der Harfe.

Freejazz und Klangwanderung im Widerhall des Miriquidi
Der 4. Musiksommer Bärenstein lockt mit Konzerten, Musizier-Workshop, Lesungen und Ausstellungen noch bis Mitte September.
Jede Menge Jazz, gute Laune und Konzerte an urigen, ungewöhnlichen Spielorten vor zauberhafter Naturkulisse – Dafür steht der Musiksommer Bärenstein. Unter dem Motto „Hört auf!“ lockt von Juli bis September in dem kleinen Ort im Osterzgebirge bereits zum vierten Mal ein pralles Programm mit Konzerten, ein Workshop zum Mitmusizieren und einer musikalischen Wanderung, Ausstellungen und Autorenlesungen. Zu erleben sind Musiker aus Italien, Spanien und Deutschland.
Der Titel des Musiksommers spielt auf den Bergmannsgruss Glück auf an, steht aber auch für ländliche Abgeschiedenheit und Ruhe, Skepsis gegenüber Neuem und für Aufhorchen. Als Logo sieht man auf den Veranstaltungsplakaten statt Schlägel und Eisen zwei Noten. Letztes Jahr wurde beim Musiksommer unweit vom Kunsthaus Bärenstein ein neuer Spielort in einem leeren Ladengeschäft in der Kirchgasse 2 feierlich eingeweiht. Mit einem Konzert mit Freejazz, improvisierter Musik vom Feinsten, mit den zwei Musikern Hartmut Dorschner am Saxophon und Matthias Macht am Schlagzeug.
„Das Haus öffnet sich zum Markt hin. Dadurch sind wir als Veranstaltungsort präsenter“, sagt Hartmut Dorschner, Musiker und Initiator des Musiksommer Bärenstein. Veranstaltet wird dieser vom „kult-ur-art“ Kunstverein zu Bärenstein mit derzeit 30 Mitgliedern. Das alte Gebäude am Markt wollte die Stadt Altenberg schon vor 20 Jahren verkaufen. Dorschner hat es erworben vor zwei Jahren und einen Raum mit großem Schaufenster hergerichtet als „Musikladen“. Dort ist Platz für ca. 50 Besucher. Einen Vorgeschmack auf den diesjährigen Musiksommer Bärenstein gaben die Musiker schon beim Fototermin. Sie holen ihre Instrumente aus dem Haus, darunter eine alte Pioniertrommel aus DDR-Zeiten, die wohl aus einem Spielmannszug stammt und sich noch auf dem Dachboden fand. Die Freude am Musizieren steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Sie stellen sich auf am Wahrzeichen von Bärenstein, dem steinernen Bären auf der Wiese am Markt.
Die Skulptur stammt von dem ortsansässigen Künstler und Vereinspräsident Mario Nitschke. Schlagzeuger Matthias Macht hält die Trommel in der Hand und in der anderen einen Klöppel. Es ist sehr warm an diesem Tag. Mit nacktem Oberkörper und kurzen Jeans sitzt der Musiker auf seiner olivgrünen „Schwalbe“, mit der er aus dem elterlichen Wohnhaus in Freital nach Bärenstein gefahren ist. Er selbst wohnt in Dresden. Das Motorrad aus den 1980er Jahren aus dem Osten hat er für 2 500 Euro letztes Jahr auf einem Flohmarkt gekauft. Hartmut Dorschner spielt Saxophon. Er trägt offenes, schulterlanges Haar und einen himmelblauen, seidenen und blumenbestickten Anzug, den er von einer Reise nach Indien mitgebracht hat. Seit dem ersten Musiksommer Bärenstein dabei ist außerdem Agnes Ponizil.
Die Komponistin, Jazzsängerin und Musikerin, sie spielt Klavier und Akkordeon, hat seit 2022 ein altes Haus in der Kirchgasse, das sie ausbaut und nun auch für Ausstellungen öffnet. Mit Hartmut Dorschner arbeitet sie schon länger zusammen. Sie lädt diesmal zu einem „Wander-Workshop und Freiluftkonzert im Widerhall des Miriquidi“, dem lateinischen Wort für Erzgebirge ein. „Wir wandern rund um Bärenstein, singen Lieder, werden pfeifen, jodeln und tönen“, sagt Agnes Ponizil.
Start ist am 29. August, um 14.30 Uhr vom Markt Bärenstein aus bis zur Sachsenhöhe und zurück. „Mitmachen können Laien und musikalische Profis, Sängerinnen und Sänger aus dem Osterzgebirge und natürlich auch urbane Sangesbegeisterte, die Sommerfrische schnuppern wollen“, so die Sängerin.
Außerdem gab es gleich drei Ausstellungseröffnungen an einem Tag in Bärenstein. Es werden Bilder von Else Gold, einer Meissner Künstlerin, in der Kirchgasse 10 zu sehen sein. Agnes Ponizil kennt sie seit 20 Jahren, seit ihrem Musikstudium. Es wird auch eine Klanginstallation von Felix Ermacora in der Kirchgasse 12 gezeigt sowie Porträts von Eleni Haase und Keramik-Köpfe und Fische aus Ton von Karin Dorschner im „Musikladen“ in der Kirchgasse 2.
Hartmut Dorschner kommt aus einer musischen Familie. Seine Mutter ist gestalterisch tätig. Seine Schwester Andrea Dorschner musiziert mit Leidenschaft an der Harfe. Sie begleitet eine Gedicht-Lesung am 25. Juli, um 17 Uhr und ein Konzert mit ihr und dem Musiker Sven Haubold am Klavier gibt es am 26.7., um 17 Uhr im Kunsthaus Bärenstein. Eröffnet wurde der Musiksommer traditionell mit dem Dozentenkonzert zum Workshop mit Matthias Macht und Hartmut Dorschner am 12. Juli, um 15 Uhr. Die beiden sind befreundet seit nunmehr 40 Jahren, sie lernten zusammen Steinmetz im damaligen VEB Elbe Naturstein in Dresden und haben beide an der Dresdner Musikhochschule studiert. Matthias Macht spielt seit 1986 Schlagzeug. „Weil ich intuitiv in der Familie die Vermittlerrolle habe und die Leute zusammenhalte auch in der Band und das Thema, den Takt vorgebe“, erzählt er. „Die Inspiration und vor allem die Freiheit, die wir immer gespürt haben beim Musizieren, wollen wir weitergeben in unserem Workshop“, sagt Matthias Macht. Er und Hartmut Dorschner feierten letztes Jahr ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum. Zusammen leiteten sie als Dozenten wieder die Werkstatt mit dem BärensteinOrchester vom 13. bis 18. Juli im Kunsthaus Bärenstein.
Dieses Jahr mit dem Thema „Pausen“. „Die Stille, das Schweigen. Das Wichtigste an der Musik steht nicht in den Noten, sondern im Raum dazwischen“, weiß Matthias Macht. Große Komponisten und Musiker wie Claude Debussy, Leonard Bernstein und Miles Davis wissen das. Ebenso Vertreter der Minimal Music wie Eric Satie, Philipp Glass und Steve Reich. „Spannung kann ja nur in der Stille entstehen“, so Matthias Macht. Inspiriert habe ihn im Jazz dabei sehr Gunter „Baby“ Sommer, der auch sein Lehrer und Professor an der Musikhochschule war. Doch die eigentlichen Lehrjahre seien 1987/88 bei Konzerten noch im alten Jazzclub Tonne im damaligen Kellergewölbe des inzwischen wiederaufgebauten Kurländer Palais, nahe der Kunsthochschule, gewesen.
„Da haben wir Günter Baby Sommer gesehen und waren begeistert. Da er eine unglaubliche Präsenz hat“, erinnert sich Macht. „Das Ziel im Workshop ist es, gemeinsam mit den Teilnehmern wieder schöne Musik zu machen, die es noch nie gegeben hat“, so Macht. Seine Zwillinge, 15 Jahre jung, spielen Gitarre und Bass im BärensteinOrchester. „Dieses dauernde Repitieren, Wiederholen ist nicht unser Anspruch“, sagt Jazzmusiker Hartmut Dorschner. „Wir erfinden alles neu.“
Im BärensteinOrchester spielen maximal zwölf Teilnehmer. Acht Musikbegeisterte aus der Umgebung zwischen zwölf und 66 Jahren haben sich schon angemeldet. Viele Teilnehmer kennen sich bereits. Darunter etliche Bläser am Saxophon, andere musizieren am Klavier, Triola, Gitarre und Bass. Geprobt wird kreativ mit Spiel- und Bewegungsimpulsen. Mit bemalten Karten mit Symbolen und Begriffen und Laute tönen, aus denen eigene Songs entstehen. Das „Grusel Solo“ ist Matthias Machts Lieblingskarte. „Weil das fetzt!“
Dorschner mag besonders die Karte mit dem Wort „Explosion“. „Da machen alle etwas und reagieren, kann man die ganze angestaute Angst und Unsicherheit rauslassen“, erlebt er. „Es gibt keine Fehler. Außerdem sind sie dazu da, dass man sie macht und etwas erfährt. Bei uns auf der Bühne ist alles erlaubt.“ Ganz egal, was andere Leute darüber denken. Hartmut Dorschner, Jahrgang 1970, fühlt sich sehr dem Freejazz verbunden. Er hat zusammen mit dem Jazzmusiker Dietmar Diessner und Matthias Macht beim Musikfestival „Bedrohte Art“ die frei improvisierten Klänge in der damaligen Blauen Fabrik auf der Priesnitzstrasse in der Äußeren Neustadt Mitte der 90er Jahre gespielt. „Jazz war vorher in der DDR etwas Besonderes. Da diese Musik keine Worte hat, war es für viele eine Nische für Freiheit“, so Dorschner. So gab es ein großes Jazzfestival in Peitz bei Cottbus, genannt „Woodstock am Karpfenteich“, zu dem um die 30 000 Zuschauer jährlich strömten. Nach der Wende sank die Besucherzahl schlagartig auf rund 100 Besucher. „Die Leute verwechseln Geld mit Freiheit“, sagt Matthias Macht zu dieser Entwicklung. Hartmut Dorschner spielte in Peitz im Trio mit großartigen Musikern aus drei Saxophon-Generationen: zusammen mit dem schon verstorbenen Ernst-Ludwig Petrowsky und Dietmar Diessner. Im Zusammenspiel im Jazz gehe es um Expressivität im Ausdruck und Gespür für die Musik, so Dorschner.
Das Workshopkonzert mit dem BärensteinOrchester, mit eigenen Songs der Teilnehmer, fand am 17. Juli, um 17 Uhr im Kunsthaus Bärenstein statt. Ein besonderes Freiluftkonzert gibt es vor dem Milchschafhof Bärenstein. Während die Schafe auf der Weide grasen, spielen vor dem Gebäude die Musikerinnen Andrea Hofmann an der Violine, Karoline Schulz verschiedene Flöten und Sabine Grüner Cello am 16.8., 15 Uhr. Inklusive Vogelzwitschern, Blätterrauschen inmitten hoher Bäume und Heuduft in der Nase. Ein weiterer Höhepunkt beim Musiksommer ist das Konzert an zwei Klavieren mit klassischer und neuer Musik mit Andreas Scotty Böttcher aus Dresden und der spanischen Musikerin Hada Benedito am 22.8., 17 Uhr.
„Die meisten Bewohner sehen den Musiksommer Bärenstein wohlwollend. Einige sind noch scheu und schauen von weitem“, so Dorschner. Das liege wohl an der allgemeinen Unsicherheit. „Da es kein Mainstream ist, sondern handgemachte Musik. Das ist im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz, KI, fast schon subversiv.“ Matthias Macht ergänzt: „Wir machen Musik von Menschen für Menschen mit Herz. Die Leute zieht es auch zu gemeinsamen Erlebnissen. Gerade die kleinen Formaten laden ein zum Genießen und miteinander ins Gespräch zu kommen.“
Rund 30 Besucher kommen jeweils zu den Veranstaltungen, so Dorschner. Der Musiksommer Bärenstein bringt auch mehr Leben in den Ort. Früher gab es hier mal vier Kneipen, jetzt keine einzige mehr und nur wenige Läden. Die meist älteren Betreiber finden keine Nachfolger im ländlichen Raum. „Das führt dazu, dass manche jetzt in Garagen zu zweit mit einem Kasten Bier sitzen und sich schon daran gewöhnt haben“, sieht Dorschner bei Bekannten. „Ich glaube, die wollen die Leute auch weg von Gemeinschaft haben, die Globalisten“, so Dorschner und findet diesen Trend der Vereinzelung bedenklich. Aus seiner Generation gebe es keinen mehr im Ort. Die seien weggezogen wegen der Arbeit in den Westen.
„Die Alten sterben. Die Häuser stehen leer. Das ist Diebstahl auch an Menschen, Humankapital.“ Hartmut Dorschner hat Jazzsaxophon und Komposition an der Dresdner Musikhochschule studiert und wohnt und arbeitet schon seit längerem als freischaffender Musiker in Bärenstein. Im ehemaligem Pfarrhaus gegenüber der Kirche hat er das Kunsthaus Bärenstein eingerichtet, das er noch saniert. Ein urwüchsiger Garten mit Obstbäumen gehört dazu und man hat aus den Räumen im Obergeschoss eine wundervolle Aussicht auf die hügelige Landschaft und weiten Himmel und himmlische Ruhe. Dorschner organisiert ehrenamtlich den Musiksommer Bärenstein und stellt die Räume im Kunsthaus wie den Saal mietfrei zur Verfügung. Der Musiksommer wird von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen aus dem Projektefond zur Kunstförderung im ländlichen Raum mit 5 000 Euro wieder gefördert. Die Ostsächsische Sparkasse gibt 2 000 Euro dazu. Die Heidehof-Stiftung möchte 2 400 Euro geben und fördert damit den Musikworkshop und ein Konzert mit elektronischer Musik. Alle Veranstaltungen und der Musikworkshop sind für die Teilnehmer und Besucher eintrittfrei.
„Es wäre schön, wenn noch mehr Künstler nach Bärenstein kommen. Im Kunsthaus ist Platz genug als Wohngemeinschaft und für weitere kreative Projekte und auch Unterstützung beim Vorrichten der Räume gern gesehen“, hofft Hartmut Dorschner auf noch mehr Initiative. Gelegenheit zum Umschauen, Anregen lassen, Austausch und Genießen von Kunst und Natur bietet der Musiksommer Bärenstein für alle Besucher reichlich.
Text + Fotos (lv)
Weitere Infos unter http://www.kult-ur-art.eu


Einige Konzerte mit improvisierter Musik finden im Musikladen in der Kirchgasse 2 am Markt in Bärenstein statt. Es gibt auch eine Klangwanderung in dem Wald. Bären gibt es hier keine mehr, wohl aber Rehe und Firmen, die gern die Bodenschätze im Osterzgebirge abbauen würden, ohne Rücksicht auf die Natur! Jazzmusiker Hartmut Dorschner zeigt einen Rehkopf, das einst sein Großvater in Oschersleben schoss. Es war sein erstes Wild als Jäger.




18 Samstag Jul 2026
Posted in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Projekte


Bilder-Spaziergang durch die Neustadt
Farbenfroh, lebendig und authentisch holt die Ausstellung „Stadtszenen“ des Künstlers Jörg Kraut bekannte Gebäude uns Plätze, Flair und Lebensart von der Neustädter Seite in die Altstadt. Die Ausstellungseröffnung ist am Sonntag, dem 19. Juli von 13 bis 15 Uhr im Restaurant „Kastenmeiers im Taschenbergpalais“, Am Taschenberg 3 in Dresden.
Böhmische Straße, Martin-Luther-Platz und Artesischer Brunnen – all diese Orte findet man in der Dresdner Neustadt. Neustädter Szenen auch in der Altstadt entdecken – an den Wänden des Restaurants Kastenmeiers im Taschenbergpalais. Hier zeigt der Dresdner Künstler und Wahl-Coswiger Jörg Kraut „Stadtszenen“, die fast alle einen Bezug zur Dresdner Neustadt haben.
Dabei porträtiert Jörg Kraut die Gebäude und Plätze nicht als Postkartenidylle, sondern zeigt sie belebt mit Menschen, voller Bewegung und mit liebevollem Blick auf die Details. Wer die Neustadt kennt, entdeckt beim Betrachten der Bilder viel Vertrautes. Wer sie nicht kennt, bekommt Lust, dieses Viertel zu durchstreifen, so lebendig fängt der Künstler die Atmosphäre ein.
Für Jörg Kraut war die Kunst schon immer ein wichtiger Teil seines Lebens. Bereits die Schulhefter hat er rundum ausführlich bemalt. Zunächst erlernte er einen technischen Beruf, widmete sich danach aber umso mehr seiner Leidenschaft für die Kunst. Er studierte Theatermalerei an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und arbeitet seit vielen Jahren im Team der Bühnenbildner an der Staatsoperette Dresden mit.Die Ausstellung im „Kastenmeiers“ zeigt überwiegend Bilder in Öl sowie einige Aquarelle in den Maßen ab 43x53cm bis 70x100cm. Die Preise der Bilder, die man in der Ausstellung alle erwerben kann, bewegen sich zwischen 350 und 900 Euro.
Es ist bereits die 104. Bilderschau seit Eröffnung des Restaurants. Was alle Ausstellungen verbindet, ist der kostenfreie Genuss, ob zum Essen oder auch außerhalb der Öffnungszeiten. Das Restaurant öffnet täglich um 17 Uhr. Bereits ab 14 Uhr sind interessierte Besucher auch unabhängig von einem Restaurantbesuch willkommen.
Zur Vernissage mit dem Künstler am 19. Juli laden wir herzlich ein! Zu sehen sind die Bilder von Jörg Kraut bis 28.8. im „Kastenmeiers“.
Text + Fotos: Sabine Mutschke
18 Samstag Jul 2026

Unter der Überschrift „Der wiedergefundene Vater“ erschien mein Beitrag in der Sächsischen Zeitung am 11./12. Januar 2014. Viel ist geschehen seitdem. Es bleibt die Erinnerung an ein wunderbares Wiederfinden, schöne Begegnungen, Erzählen, Schweigen und nun der Abschied für immer. Am Freitag, dem 17. Juli 2026 fand die Trauerfreier mit Beisetzung meines Vaters in Dresden statt. Er starb durch einen tragischen Unglücksfall im Alter von 83 Jahren.


Unsere Familie nach der Trauerfeier. Das Leben ist ein Fließen. An der Elbe in Laubegast, Ein Lieblingsort meines Vaters. Ganz in der Nähe ist auch seine letzte Ruhestätte. Ruhe in Frieden, Papa!
Es war ein herrlicher Sonnentag, mit beschwingtem Jazz, vielen Blumen, bewegten Erinnerungen, Tränen, aber auch angeregten Gesprächen, gutem Essen, Fassbrause wie in Kindertagen, Freude und Zuversicht: Lebt Euer Leben und genießt es!, würdest Du sagen.



