Was unser Aussehen über uns verrät

Wie sehen wir und andere uns? Was ist schön? Dies ergründet und spiegelt die Sonderausstellung “Das Gesicht – eine Spurensuche“ im Deutschen Hygiene-Museum Dresden.

Überall umgeben uns Gesichter, die uns anlächeln oder grinsen, faszinieren, irritieren, wohlgesonnen oder skeptisch anschauen. Begonnen beim morgendlichen Blick in den Spiegel, auf Werbe- und Wahlkampfplakaten, als Porträts Prominenter in Illustrierten und auf Bildschirmen, als Selfies im Internet und auf Gemälden bis hin zu unmerklich auf uns gerichteten Überwachungskameras im öffentlichen Raum.

Wann berührt uns ein Gesicht und wann lässt es kalt? Was verraten unsere Gesichtszüge über unsere Persönlichkeit? All diesen Fragen geht diese Ausstellung (noch bis 25.2.2018) erkenntnis- wie facettenreich im Spiegel verschiedener Zeitepochen, Kulturen und Moden nach. Mit rund 150 kulturhistorischen und wissenschaftlichen Objekten, Kunstwerken sowie Gegenständen der Alltagskultur wird das Terrain zwischen Stirn und Kinn ausgiebig dargestellt und näher erkundet.

In vier Kapiteln und Räumen geht es in der Ausstellung – konzipiert von Sigrid Weigel, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin aus Berlin und kuratiert von Kathrin Meyer, Projektleiterin im Hygienemuseum – um das Gesicht als Gestalt, seine naturgemäße Vielfalt und Veränderungen durch Altern, kosmetische Bearbeitung und Schönheits-OP`s, um Mimik und Ausdruck, digitale Gesichtserkennung und das Gesicht als Bildnis in Malerei und Fotografie. Warum uns ein Gesicht anziehend oder abstoßend erscheint, ob der erste Eindruck von einem Menschen wirklich stimmt und welche Auswirkung die ständige mediale Präsenz im digitalen Zeitalter auf die Kommunikation und Beziehungen zwischen Menschen hat, damit setzt sich die bilderreiche Schau ebenfalls auseinander. Das Titelbild zur Ausstellung von Kate Cooper zeigt ein makellos schönes Gesicht, das auf den ersten Blick ganz natürlich wirkt. Doch an den drei winzigen roten Punkten erkennt man die technische Bearbeitung. Es ist perfekt, aber langweilig und nicht berührbar als rein digitale Kreation.

Während im meditativen Videofilm „Touch“ ein paar Schritte weiter eine Frau mit den Händen zuerst ihr eigenes Gesicht betastet und erforscht, danach wechselnde Gegenüber. Interaktive Installationen und Köpfe von Schaufensterpuppen zeigen die Wandelbarkeit des Gesichts, sieht man skurrile Charakterköpfe neben noblen Herrscherporträts, verschleierte Gesichter, wo nur die Augen sprechen neben menschlichen Karikaturen und Maskerade und das Gesicht als Zielscheibe mit zerstörten oder grotesk entstellten Gesichtszügen bevorzugt auf Politikerplakaten.

Außerdem gibt es ein originell gestaltetes Begleitbuch, „Das Gesicht – Bilder, Medien, Formate“ (Wallstein Verlag, Göttingen 2017, 204 S., 24,90 Euro) zur Ausstellung, ein Begleitprogramm mit Lesungen und Diskussionen und eine Lese- und Gesprächsreihe Face to Face.

Text + Fotos (lv)                

 

Geöffnet: Di bis So und Feiertage von 10 – 18 Uhr
24. und 25. Dezember sowie 1. Januar geschlossen

Ort:  Deutsches Hygiene-Museum, Lingnerplatz 1, 01069 Dresden
Tel.: 0351 – 4846 – 400

http://www.dhmd.de

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