Tangolehrer Jens Klant und seine Tanz- und Lebenspartnerin Claudia Wendler geben im Studio 24 – Tango Argentino Kurse.

Im Studio 24: Tango ist Fühlen mit dem Körper. Tanzlehrer Jens Klant und seine Partnerin Claudia zeigen den tanzbegeisterten Damen und Herren verschiedene Schrittfolgen und Figuren.

Ein neues Tanz-Café für Familien und Paare lädt seit kurzem im Zentralwerk (HH) auf der Riesaer Str. 32 in Dresden-Pieschen ein.

Ein Tanz mit Hingabe

Immer mehr junge Leute und Familien entdecken den Tango für sich als schön entspannten Ausgleich zum Alltag. Ein neues Tango-Café auch für Eltern lockt im Zentralwerk in Dresden-Pieschen.

„Tango ist ein Wesen mit vier Beinen“, sagte mir mal ein Tangotänzer. Es ist ein Aufeinander zugehen und Einlassen beim Tanzen. Sehnsucht, Verführung und Hingabe. Ein Spiel zu zweit mit Nähe und Distanz. „Männer zum Spiegel gucken, Frauen zum Klavier. Rück – seit – vor und raus tanzen“, sagt Tanzlehrer Jens Klant, „dabei immer die Frauen mitnehmen.“ Er geht um eine Säule im Tanzstudio und zeigt die Moulinette-Schritte. Dann legt er Musik auf. Er spielt klassische und moderne, romantische und beschwingte Tangomelodien zum Entspannen und Dahinschmelzen nach einem stressigen Arbeitstag.

Der Kopf hat Pause, der Körper bestimmt, wo es langgeht. Bis zu jenem wunderbaren Moment, wo sich alles federleicht anfühlt und wie von selbst fließt, man sich ganz auf den Partner einschwingt. Ein  halbes Dutzend Tanzpaare jungen und mittleren Alters steht mit ihm auf der Tanzfläche im Dresdner Studio 24, das seit nunmehr 15 Jahren besteht. Seine Tanzschule für argentinischen Tango hat Jens Klant in einem ehemaligen Fabrikraum im Hinterhof der Großenhainer Straße 29 eingerichtet. Ein heller gemütlicher Raum mit Säulen, Kugellampen und großem Wandspiegel. Am Rand der Tanzfläche stehen schwarze Tische und Stühle mit Kerzen und Weingläsern, Sofas und ein Tresen. Nach den Tanzkursen an mehreren Abenden in der Woche für Anfänger und Fortgeschrittene finden Freitag abends, ab 21.30 Uhr Milongas, offene Tanzabende statt. Dann ist der Raum in warmes rotes Licht getaucht.

Drei Tangostudios gibt es zurzeit in Dresden. Das La Academia in Leubnitz, das Studio 24 und das Tres Tangos auf der Dornblüthstraße. Und außerdem zehn feste Tanzorte für Liebhaber dieses Tanzes. Das sorgt auch für Abwechslung in der Dresdner Tangoszene mit inzwischen rund zweitausend regelmäßig Tanzenden. Nach Berlin ist Dresden die zweitgrößte Tango-Stadt in Ost-Deutschland, so Jens Klant. Seit Sommer 2016 unterrichtet er gemeinsam mit seiner Tanz- und Lebenspartnerin Claudia Wendler im Studio 24. Ihr gemeinsames Kind kommt Ende Juni auf die Welt. Solange hält sie sich weiterhin mit Tango in Schwung. Anfang April eröffnet sie ein eigenes Tangostudio auf der Liststraße 8, das sie auch für weitere Tanzangebote vermieten will. Dort soll es bald auch Tango-Nachmittage für Familien geben.

„Die Szene ist sehr bunt und offen, vom typischen Neustädter Studenten im legeren Outfit bis zu Tanzpaaren, die viel Wert auf gepflegte Tangokleidung legen“, erzählt Jens Klant. Er ist 45 Jahre alt und Berufschullehrer. Das Studio 24 ist seine Passion. Das Schöne am Tango sei nicht nur die Vielfalt der Bewegungen. „Es ist auch ein sehr sozialer und geselliger Tanz, bei dem viel gewechselt wird, man schnell Leute kennen lernt und in die Tanzszene hineinkommt“, so Klant.

Außerdem kennt Tango keine Altersgrenzen. Die ältesten Tanzschüler von Jens Klant sind 75 Jahre alt. “Mir gefällt am Tango, dass dabei das Körpergefühl auch trainiert wird, das in sich Hineinhorchen und aufeinander hören. Es ist ein schönes Event in der Woche, wo man innig zusammen ist, viel geübt, aber auch gelacht wird“, sagt Sarah Graefe, Musikstudentin für Violine an der Dresdner Musikhochschule. „Etwas zusammen tun, das sich gut anfühlt, ohne Perfektionsanspruch“, das mag auch ihr Freund Jeanluca Caliva neben seinem Gitarrenstudium am Tangokurs. Sie tanzen seit anderthalb Jahren gemeinsam.

Sigrid und Thomas Mickan, beide 60, tanzen seit fast zehn Jahren Tango, den sie das erste Mal auf einer Urlaubsreise in Finnland erlebten. Wieder zuhause entdeckten sie dann das Studio 24. „Wir haben uns zu Workshops angemeldet und sind dabeigeblieben. Ich liebe diesen Tanz und es soll auch schön aussehen, dann blende ich den Alltag komplett aus“, erzählt sie. Die Kunst beim Tango ist das Führen, das der Mann übernimmt. “Man muss schon eine Weile üben, um locker und leicht zu führen“, weiß Thomas Mickan.

Der erste Tango-Nachmittag „Mit Kind und Kegel“ für Tango tanzende Eltern und Paare startete vor einem Jahr in einem Raum im Kino in der Fabrik (KIF) auf der Tharandter Straße. „Dieses Angebot fand mehrere Male sonntags statt, mit einigem Aufwand für die Kinderbetreuung, Spiel- und Bastelecke und Wickeltisch. Der Raum war voll. Doch die Veranstaltung rentierte sich nicht, daher überlegen wir ein neues Konzept, da wir dieses Angebot gern weiterführen wollen und auch Bedarf vorhanden ist“, sagt eine der Initiatorinnen, Mona. Sie hat selbst zwei kleine Kinder und legt monatlich beim „Tango in der Fabrik“ im Schwarzen Salon“ im KIF Musik auf. Das nächste, zugleich letzte Mal vor der Sommerpause am 8. April, ab 21 Uhr. Um 20 Uhr gibt es eine kostenlose Einführung in den Tanz mit dem Studio 24.

Neuer Treffpunkt: Café „Tango und Cake“ im Zentralwerk

Ein neues Tanz-Café für Familien und Paare: „Tango und Cake“ lädt seit Februar monatlich sonntags von 16 bis 19 Uhr im Zentralwerk im Hof der Riesaer Str. 32 ein. Ein gemütlicher Raum im Souterrain. Die Tanzfläche ist voll. Paare und Eltern mit Kleinkindern stehen, tanzen oder sitzen auf Sofas. Hinten im Raum ist ein Platz für die Kleinen und ihre Eltern eingerichtet mit Matten zum Lümmeln, Spielzeug, Malsachen und Büchern. Zwischendurch tanzt auch mal ein Kind vergnügt hinter den Erwachsenen her. Der Veranstalter Tom Schröder und seine Lebensgefährtin Kati sind selbst tangobegeisterte Eltern eines zweijährigen Sohnes. Es gibt Kaffee, Saft und selbstgebackenen Kuchen. Tom legt die Musik auf, von klassischem bis Elektro-Tango.

Über das große Interesse am neuen Tango-Café auch für Familien freuen sich beide sehr. Außerdem können sich Tangobegeisterte jeden 2., 3. und 4. Mittwoch im Monat, ab 21.15 Uhr im Zentralwerk zur Milonga (mit Einführung) treffen und es sind auch Tanzkurse geplant, so Tom, der als EDV-Kaufmann und Tangolehrer tätig ist. Bettina und Norbert tanzen mit Töchterchen Paulina im Arm und später zu zweit. „Es findet sich immer jemand, der bei ihr auf der Spieldecke bleibt“, sagt sie. Sie waren auch schon bei einem Tango-Camp im Sommer bei Halle, wo viele Eltern mit Kindern dabei waren, die im Freien herumtollen konnten, und mit Babyphon im Zelt. Katja hat ihre beiden Söhne Ole (7) und Leo (9) ins Tango-Café für Familien Zentralwerk mitgebracht. Der Kleine führt sie auch schon umsichtig auf der Tanzfläche. Er hat sich bereits viel von den Großen abgeschaut. „Ich finde diese Möglichkeit gut“, sagt Katja. „Außerdem ist es mir wichtig, dass die Kinder mich auch außerhalb von Haushalt und Kochen erleben und wissen, dass ihre Mutter auch ein eigenes Leben und Spaß hat.“

Text + Fotos (lv)

Weitere Infos unter www.24tangos.de

Veranstaltungstipps
  • Vom 28.3. bis 2.4. findet das TangoFest Dresden statt mit vielen Workshops mit internationalen Tanzlehrern, Milongas, Tanz-Cafés und Tangoball am Sonnabend im Parkhotel auf dem Weißen Hirsch.
    Das vollständige Programm steht unter  www.TangoFest-Dresden.de
  • Weiter geht`s mit dem KraftwerksTango am 7.4. in der Kunsthalle des         Kraftwerks Mitte. Einlass: 19 Uhr. Mit Konzert mit dem Duo „Amoratado“ & Clementina Culzoni (voc) um 20 Uhr und Milonga mit DJane Mara ab 22 Uhr.
    Infos unter: 0174 – 66 44 262
    Kartenvorverkauf: T1 – Bistro und Café in der Pförtnerloge,
    Wettiner Platz 7

 

 

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