Traumhaft-surreale Figurenwelt, farbenfreudig und fantasievoll, in der auch Lebensspuren sichtbar werden: Galeristin Karin Weber und Praktikant Adolar Schuster, der gern Musiker werden will, in der Ausstellung von Gudrun Trendafilov, zu der auch ein umfangreiches Katalogbuch erschienen ist.

Ein Bilderreigen voller Sinnlichkeit, Sehnsucht und Farblust

Von der Schönheit, Fülle und Zerbrechlichkeit des Seins erzählen erzählt die Ausstellung „Was wird“ zum 65. Geburtstag von Gudrun Trendafilov in der Galerie Mitte.

In traumblauen Gefilden hält eine Frau ein hell schimmerndes Ei, Symbol des Werdens und Wagens, in der Hand im Titelbild der Ausstellung „Was wird“ in der Galerie Mitte, Striesener Straße 49/1. Etage. Die derzeitige Werkschau zum 65. Geburtstag von Gudrun Trendafilov am 13. Februar ist ein Bilderreigen voller Sinnlichkeit, über die Fülle und Zerbrechlichkeit des Seins und zugleich spannende Selbstbefragung der Künstlerin (noch bis 18.2. zu sehen).

Gezeigt werden insgesamt 66 Arbeiten, Malerei, Zeichnung und Druckgrafik aus dem Zeitraum von 1977 bis 2022 von einer der bekanntesten zeitgenössischen sächsischen Künstlerinnen. Die figürlichen Arbeiten von Gudrun Trendafilov spiegeln ausdrucksreich Schönheit, Lebenslust, Träume, Verletzlichkeit und Sehnsucht nach Geborgenheit und Halt in einer Welt voller Widersprüche, Krisen und Konflikte wider. Da erscheinen auf den Leinwänden und Papier in türkisblau, lichtem Grün bis zu erdigen, grauen und violetten Farbtönen immer wieder Frauen mit Tieren, Fischen, Raben, Katze, Vögeln und Pflanzen an ihrer Seite. Sie tragen anmutig und würdevoll eigentümliche Kopfbedeckungen wie weise Zauberinnen, zeigen sich auch mal als „Biest“ mit Insekt im Haar, außerdem mit wild wirbelnder Wasserkrone, aus einem Hut hervor sprießendem Glücksklee und verlockenden Perlenketten und Ohrringen.

Da sieht man innige, träumende und zugeknöpfte Paare. Die „Blaue Stunde“ trifft auf „Virales“: Rot im Gesicht betrachtet eine Frau die umherschwirrenden Viren, die zart wie Pusteblumen aussehen, in diesem Corona-Blatt von 2022. Auf einem großformatigen Bild von 2021 rennt eine Frau in Pumps und schwarzweiß geflecktem, spitzen Hut in weitem Sprung vor rot lodernder Wand und fragt sich: „Woher Wohin Wofür“, so der Bildtitel. „Wenn ich mein Vöglein wär..“, nennt die Künstlerin das liebevoll-versponnene, gegenüber hängende Bildnis einer Dame in sonnengelbem, rot umrandeten Kleid, mit sichtbar feinrissigen Pinselspuren und einer Amsel auf dem Kopf, das 2019 entstand.

Traumhaft-surreal der Blick auf eine Landschaft mit sonnengelbem Strand und aufgezogenem Vorhang, davor kniet eine Frau in meerblauen Sachen neben einem Boot. „Irgendwann irgendwohin“ heißt dieses unverkäufliche Unikat von 2021. “Gudrun Trendafilov ist eine herausragende Zeichnerin in sinnlichem Zwiegespräch mit der Form, Farbe und Linie“, sagt Galeristin Karin Weber zu den Bildern. Ihre Malerei ist in der neuen Sachlichkeit angesiedelt und die Stilistik greife teilweise wieder Formen aus den 1980er Jahren auf, die  etwas sperriger im Ausdruck, vielleicht auch Zeitzeichen seien.

„Sie zeichnet die Suche nach der verborgenen oder sogar schon verlorenen Heimat und beschreibt das Wandern, das Irren, die einsamen Versprechen, die Abgründe und die Sehnsucht nach Erlösung“, so Karin Weber über die Arbeiten. „Sie drückt darin das Verlangen nach Harmonie und Verständigung aus.“ Mit dem “Be-flecken“ von Papieren durch Tuschflecken und dem Spiel mit Farben erschafft sie ihre Figurenwelt, die atmosphärisch viel Raum für Fantasie und eigene Gedanken dem Betrachter lassen. Gudrun Trendafilov wurde 1958 in Bernsbach/Erzgebirge geboren, studierte von 1976 bis `81 an der Dresdner Kunsthochschule Malerei und Grafik bei Professor Gerhard Kettner und ist seitdem freiberuflich, von 1990 bis 2014 in Dresden und Nürnberg, künstlerisch tätig. Inzwischen wohnt und arbeitet sie wieder in Dresden. Zur Ausstellung erschien ein umfangreiches Katalogbuch.

Ein Künstlerinnengespräch mit Gudrun Trendafilov findet am 19.1., um 19.30 Uhr in der Galerie Mitte statt.

Text + Foto (lv)


„Virales“, Mischtechnik auf Papier von Gudrun Trendafilov.


„Irgendwann irgendwohin“…