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Ausstellung „IndianerART“ in der Stadtgalerie Radebeul


Indigene Kunst zwischen Mythos und Moderne: Alexander Lange, der neue Leiter der Stadtgalerie Radebeul und Robin Leipold, der Kurator der Ausstellung und Sammlungsleiter im Karl-May-Museum Radebeul beim Hängen eines Bildes von David Bradley in der Ausstellung „IndianerART“.

Indianer ohne Federschmuck

Ein Abenteuer besonderer Art ist die derzeitige Ausstellung „IndianerART“ in der Stadtgalerie Radebeul. Jenseits bekannter Indianerromantik spielen die 24 Werke von 15 indigenen Künstlerinnen und Künstlern aus Nordamerika vielfältig mit den Klischees und öffnen den Blick für das Leben der „Indianer heute“. Darüber sprach ich mit dem Kurator der Ausstellung und Sammlungsleiter im Karl-May-Museum Radebeul, Robin Leipold und dem Leiter der Stadtgalerie Radebeul, Alexander Lange.

Wie kam es zu dieser Ausstellung?

Alexander Lange: Ich finde es spannend, indianische Kultur und Lebensweise einmal ganz anders zu präsentieren. Dies ist eine der ersten Ausstellungen deutschlandweit, die zeitgenössische indigene Kunst zeigt. Auch um dieses einseitige Bild in den Köpfen aufzubrechen, mit Federschmuck und Töpferei, klassische Kulturgegenstände, die man mit Indianern verbindet. Doch die indigenen Kulturen haben sich ja auch weiterentwickelt. Wir sind gespannt, wie die Ausstellung ankommt, gerade auch während der Karl-May-Festtage (31. Mai – 2. Juni), die jedes Jahr viele Besucher nach Radebeul ziehen.

Woher stammen die Kunstwerke? Ist es eine Verkaufsausstellung?

Robin Leipold: Es ist keine Verkaufsausstellung. Die indigenen Künstler handeln mit ihrer Kunst und verkaufen diese über Galerien, Ebay, Facebook usw. Daher sind die Social Media-Kanäle für junge indigene Künstler heute so wichtig. Auch wir haben einen Großteil unserer Objekte für die Ausstellung über das Internet bezogen. Zudem sind das Nordamerika Native Museum Zürich (NONAM) und Privatsammler Leihgeber der Ausstellung. Die Künstler leben alle in den USA oder Kanada, sind also nordamerikanische Indianer.

Wie verbindet die „IndianerART“ Traditionen und Moderne?

Robin Leipold: In der Ausstellung werden neben Gemälden, Grafiken, Drucken, Fotografien und Skulpturen auch Videokunst präsentiert. Die indigenen Künstler sind alle mit der amerikanischen Popkultur aufgewachsen. Jahrzehntelang wurden stereotype Bilder über Indianer in Filmen und Werbung benutzt und jetzt kehren sie dies um und indigenisieren selbstbewusst und ironisch die Popkultur der heutigen Zeit. Die Blicke und Bilder wechseln. Der indianische Humor ist ohnehin stark, der sich auch aus populären Comics oder den Star Wars-Filmen speist. Das spiegeln Bilder wie „Indigenous Hulk“ von Steven Paul Judd oder das reklameartige, symbolistische Bild „Land O Fakes“ von David Bradley, das eine Weiße mit Maske im Indianerkostüm zeigt. Bis hin zur Videoinstallation, in der ein Künstler als eine Art Drag Queen in Frauenkleidern auftritt in einer Liebesszene mit Winnetou, die Karl-May-Filme böse persiflierend. Die indigenen Künstler setzen sich aber auch mit sozialen Nöten, Diskriminierung und Umweltschutz auseinander, mit den Wurzeln ihrer Kultur und ihrem Leben als Indianer im 21. Jahrhundert.

Wie wird die Sammlung mit indigener Kunst künftig präsentiert im
Karl-May-Museum?

Robin Leipold: Das Projekt des Museumsneubaus beinhaltet einen Neubau an der Meißner Straße mit einer Präsentation zur Person und Wirkung Karl Mays sowie die Neugestaltung der beiden Museumshäuser Villa Bärenfett und Villa Shatterhand. Die Villa Bärenfett bleibt aufgrund ihrer historischen Bedeutung der Ort der Indianerausstellung. Diese soll in Zukunft modernisiert den Besuchern eine Reise durch das „Indianerland“ Nordamerikas aus Sicht der europäischen Siedler bieten und dabei auch eine Brücke in die Gegenwart schlagen. So sind zeitgenössische Kunstgegenstände, die über das Hier und Jetzt indigener Kulturen erzählen, auch in der neu gestalteten Indianerausstellung von zentraler Bedeutung. Im Sommer 2019 werden wir den Ausstellungsraum in der Villa Bärenfett, der sich derzeit der Indianerschlacht am Little Bighorn widmet, modernisieren und auch hier die Zeit nach der Schlacht bis ins Heute weitererzählen. Dort werden einige der in der Stadtgalerie präsentierten Kunstwerke ihren Platz bis zum Start der großen Museumserweiterung ca. 2021/22 finden. Bereits Ende letzten Jahres haben wir in der Indianerausstellung mit einem „Blick ins Heute“ der Indianer begonnen und präsentieren seitdem die alte, 1944 aufgestellte, Figurengruppe „Prärieindianerfamilie“, in zeitgenössischer Kleidung aus dem Hier und Jetzt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview + Fotos (lv)

Die Ausstellung „IndianerART“ ist noch bis 23. Juni in der Stadtgalerie Radebeul zu sehen. Midissage: 29.5., 15 Uhr; 19 Uhr, Kamingespräch „Mythos Winnetou – Realität und Fiktion“ im Karl-May-Museum Radebeul, Karl-May-Str. 5

Öffnungszeiten Stadtgalerie Radebeul, Altkötzschenbroda 21:

Di – Do & So von 14 bis 18 Uhr

http://www.radebeul.de
http://www.karl-may-museum.de


Die Indianerprinzessin „Pocahontas“

David Bradley ist Mitglied des Minnesota Chippewa Tribe
und ein anerkannter Maler, Graiker, Bildhauer, Schmuckdesigner
und Keramiker. Bradley war Vizepräsident und Mitbegründer
der Native American Artist Association (NAAA)
und Mitglied des Konzeptionsteams für das Smithsonian
National Museum of the American Indian in Washington
D.C. Er sieht sich selbst als Anwalt seines Volkes und der
indigenen Gemeinschaft und möchte mit seiner Kunst zum
Nachdenken über Mythen und Stereotype in der indigenen
Kultur anregen.
Bradley arbeitet mit Allegorien und benutzt Elemente und
Bilder der amerikanischen Folk und Pop Art, die er als Parodien
und Persiflagen auf euro-amerikanische Klischeevorstellungen
inszeniert. Diese beiden Bilder beschäftigen sich
mit dem Thema der »indianischen Prinzessin«. Land O’Fakes
persifliert dabei das Werbebild einer amerikanischen Butterfirma.

Die vermeintliche Indianerin entpuppt sich bei Bradley
als eine Weiße mit Maske im Indianerkostüm, die sinnbildlich
für Amerika als das »Land der Fälschungen« steht. Das Bild
Pocahontas. Over the Hills and Far Away beschäftigt sich mit
dem Mythos der historischen Indianerprinzessin aus dem
17. Jahrhundert. Bradley inszeniert Pocahontas in Anlehnung
an einen historischen Kupferstich von Simon van de Passe
aus dem Jahr 1616 als moderne Touristin vor Stonehenge. Er
bedient sich verschiedener Attribute des kulturellen Erbes
Englands und kehrt damit die jahrhundertelange kulturelle
Aneignung indigener Kultur durch die britische Kolonialmacht
um. Dazu zählte letztendlich auch Pocahontas, die
bis heute immer wieder von der euro-amerikanischen Pop-
Kultur romantisch verklärt wird.

Text aus dem Katalog zur Ausstellung „IndianerART“

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Ausstellung „Mit allen Sinnen“ von Michael Hofmann in der Galerie Kunst & Eros


Genussvolle Leichtigkeit des Seins: Galeristin Janett Noack und meinwortgarten-Inhaberin Lilli Vostry vor der Galerie Kunst & Eros in Dresden, die gerade ihr 10-jähriges Jubiläum feierte. Foto: © Steffen Füssel


Die Bilder von Michael Hofmann verführen zum Schmunzeln, Innehalten und Genießen. Viele entstanden eigens für die Ausstellung in der Galerie Kunst & Eros.


„Morgenstille“ und „Maskerade“


„Salome“

Von der Kunst, mit allen Sinnen
zu genießen

Davon erzählt die Ausstellung mit Arbeiten von Michael Hofmann in der Galerie Kunst & Eros, die damit zugleich ihr 10-jähriges Jubiläum feierte. Galeristin Janett Noack überraschte ihre zahlreichen Gäste erstmals auch gesanglich vielseitig.

Drei Frauen geben sich der „Kunst der Verführung“ hin. Da ist die Spielerin, die trickst, die Träumerin hält einen Vogel auf der Hand und die Diva lasziv mit Zigarette und Turban. Unter dem Motto „Mit allen Sinnen“ begegnen einem raffiniert reizvolle Farbholzschnitte und Ölmalerei von Michael Hofmann in der
Galerie Kunst & Eros auf der Hauptstraße 15 in Dresden, die gerade ihr zehnjähriges Bestehen feierte (Ausstellung zu sehen noch bis 20. Juli).

Sie ist deutschlandweit einzigartig mit ihrem Schwerpunkt zeitgenössische erotische Kunst. Zur Ausstellungseröffnung überraschte die Galeristin Janett Noack das zahlreiche Publikum auch stimmlich vielseitig, vom klassisch-romantischen Lied „Mein Liebchen hat ein Etwas“, dem kessen Schlager „Ich will keine Schokolade…“ bis zum charmanten Hit „Bei mir bist du schön“.

Die Lust der Sinne wird genauso reichhaltig angeregt in den farbenfrohen Arbeiten von Michael Hofmann, die im Zeitraum von 2005 bis 2019 entstanden. Da locken verführerische Akte, mediterranes Ambiente mit Früchten und Wein. Paare am Morgen und der „Apfel danach“. Üppig gedeckte Tische. Bohemehafte Atmosphäre. Eine Frau träumt sich am offenen Fenster in die Ferne, ihre Katze hockt auf einer Fischgräte. Schönheit, Vergänglichkeit, Versuchung und Genuss liegen nah beieinander.

„Beim Auspacken der Bildermappe fiel ein rotbraun-weiß melliertes Katzenhaar heraus. Es stammte von Kater Moritz, der auf vielen Bildern auftaucht und wohl gerade über eine Grafik spazierte“, erzählt Janett Noack (39) schmunzelnd. Genussvolle Leichtigkeit des Seins, Laissez-faire nennen es die Franzosen, spiegelt die Kunst von Michael Hofmann, der seit zwanzig Jahren ein Haus unterhalb der Radebeuler Weinberge mit seiner Familie bewohnt. Jedes seiner Bilder erzählt eine Geschichte. Wie das geheimnisvoll-schwebende Ölbild „Morgenstille“. Es zeigt eine himmelblaue Frau am Tisch mit kleinem Papierschiffchen, eine zweite steht schwarzbestrumpft in der Morgensonne am Fenster. Und im Spiegel hinten eine dritte Gestalt in spannungsvollem Kontrast.

„Zwischenmenschliches zu zeigen, hat viel mit Kunstgenuss zu tun.
Wie man sich auf etwas einlässt“, sagt Janett Noack. „Ich will nicht schocken mit den Ausstellungen, sondern mir ist ein natürlicher Umgang mit Liebe, Erotik, Zuneigung und Körperlichkeit wichtig, gerade in unserer schnelllebigen Zeit heutzutage.“ „Kunst muss prickeln!“, so lautet ihr Anspruch. Janett Noack ist gelernte Porzellanmalerin. Mit ihrer Galerie im Dresdner Barockviertel erfüllte sie sich einen Traum: „Einen Ort zu schaffen, wo verschiedene Künste zu sehen und erleben sind. Neben Bildender Kunst auch Musik, Darstellende Kunst, Lesungen und kleine Konzerte.“ Rund 40 Ausstellungen bekannter und junger, regionaler und internationaler Künstlerinnen und Künstler zeigte Janett Noack bisher.

Viele eigene Dekore, vorzugsweise in Aufglasurmalerei, in denen sie immer wieder gern Neues ausprobiert, entstanden. Das macht für sie auch den Reiz der Kunst aus. Sinnliches Wahrnehmen als Ausdruck von Lebendigkeit und unerschöpflichem Farben- und Formenspiel. Janett Noack gestaltet Schmuck, Schalen, Gefäße und Bilderplatten aus Porzellan, darunter Serien wie „Facile“ mit zarten Insekten-Paarungen, „Goldrausch“ und das neue Dekor „Lüster“, bei dem schimmernde Lüsterfarben, bestehend aus Edelmetallpräparaten mit Perlmuttglanz, und lustvoll Gezeichnetes zusammenfließen.

Text + Fotos zur Ausstellung (lv)

Geöffnet: Mo bis Sa 11 bis 15 Uhr

http://www.kunstunderos.de


Galeristin Janett Noack überraschte ihre Gäste zur Jubiläumsausstellung „Mit allen Sinnen“ erstmals mit Gesang, vom romantischen Liebeslied bis zum kessen Schlager.
Foto: SF

Herzlichen Glückwunsch zum Galerie-Jubiläum!

Erste Ausstellung im neuen Restaurant „Kastenmeiers“ im Taschenbergpalais


Glänzende Kulisse: Zum fotografischen Bummel durch Elbflorenz lädt die Ausstellung von Carsten Linke im „Kastenmeiers“ im Taschenbergpalais ein.

„Aussichtsreiche Aussichten“

Der Dresdner Künstler Carsten Linke zeigt seine fotografische Malerei im gerade eröffneten, neuen Restaurant „Kastenmeiers“ im Taschenbergpalais, Taschenberg 3, ab 19. Mai. Die Ausstellung ist bis 11.Juli zu sehen.

Die Premiere von Kunst im neuen Restaurant soll mit einer Vernissage am 19.5. gefeiert werden. Bis zum 11. Juli zeigt der Dresdner Künstler Carsten Linke hier ungewöhnliche Motive unter anderem aus Hamburg, Zürich und natürlich seiner Heimatstadt Dresden. Dafür hat er eine ureigene Bildtechnik entwickelt, die „fotografische Malerei“, indem er seine außergewöhnlichen Fotografien auf dem Tablet malend bearbeitet. So zeigt er Ansichten von Dresdens Kunstakademie, dem Fernsehturm oder vom Blaue Wunder aus Blickwinkeln, die überraschen und auch dem Ur-Dresdner neue Sichtfenster eröffnen. Spannend ist auch die Wirkung der großformatigen Bilder an den Lehmputzwänden im „Kastenmeiers“, welche in elegantem Grau gestaltet sind und viel Fläche für Ausstellungen bieten.

Die Vernissage (von 13 – 15 Uhr) ist gleichzeitig ein schöner Anlass, um das neue Restaurant kennenzulernen, mit einem Glas Sekt und feinem Fingerfood durch die Räumlichkeiten zu schlendern und neben der Kunst vertraute und neue Details der Innenarchitektur à la Kastenmeiers zu entdecken. Dies ist nicht nur die erste Ausstellung im Restaurant am neuen Standort, sondern gleichzeitig Nummer 59 seit Beginn dieser Tradition im Herbst 2010 im Kurländer Palais.

Über den Künstler

Mehr Informationen über den Künstler und seine Arbeit finden Sie auf www.cldd.de

Text + Foto: Sabine Mutschke

http://www.kastenmeiers.de

Ehrenplatz in der Ahnengalerie für Arthur Chitz, ehemaliger Musikdirektor im Schauspielhaus Dresden


Glücklich über die Würdigung: Familie Sheets vor dem Gemälde ihres Urahnen Arthur Chitz, der einst als Musiker, Komponist und Musikdirektor am Staatsschauspiel Dresden wirkte und 1934 von den Nazis aus dem Theaterdienst entlassen wurde. Nun erinnert sein Bild in der Ahnengalerie im Schauspielhaus an sein Schaffen.
Foto: Sebastian Hoppe

Porträthängung Arthur Chitz im Staatsschauspiel Dresden

Die Ahnengalerie des Staatsschauspiels Dresden ist seit gestern um ein Gemälde reicher. In Anwesenheit seiner Nachkommen wurde ein Porträt von Arthur Chitz in die Sammlung aufgenommen. Arthur Chitz war Pianist, Komponist und Dirigent, und wirkte von 1918 bis 1934 als Kapellmeister, Musikdirektor und Mitglied des Künstlerischen Beirats am Dresdner Schauspielhaus. Gemalt wurde das Porträt von Susan Sheets, Künstlerin und Ehefrau von Arthur Chitz ältestem Enkel.

Die Kompositionen des Musikers erfuhren in Dresden zahlreiche Uraufführungen und begleiteten unter anderem Aufführungen von „Wilhelm Tell“,  „Der Kaufmann von Venedig“, „Julius Cäsar“ und „Die lustigen Weiber von Windsor“. Arthur Chitz arrangierte die Bühnenmusik für Gerhart Hauptmanns Stücke „Das Opfer“ und „Vor Sonnenuntergang“ auf ausdrücklichen Wunsch des Dichters. Für Aufsehen sorgte ebenfalls seine Musik zur Uraufführung des Weihnachtsmärchens „Trilltrall und seine Brüder“ nach Clemens Brentano, ein gemeinsames Stück mit Schauspieler und Freund Erich Ponto.

Aufgrund der Einführung des „Arier-Paragraphen“ mit dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Beamtentums“ wurde Arthur Chitz, Sohn einer jüdischen Familie, 1934 aus dem Theaterdienst entlassen. 1942 wurde er deportiert und verstarb zwei Jahre später in einem Konzentrationslager bei Riga. 60 Jahre lang verschwanden sein Name und seine Musik von der Bildoberfläche.

Neben Dr. Eva-Maria Stange (Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst), Manfred Wiemer (Amtsleiter Kultur und Denkmalschutz) und Joachim Klement (Intendant Staatsschauspiel Dresden), sprachen auch Familienmitglieder von Arthur Chitz, darunter Larry Sheets, der älteste Enkel von Arthur Chitz, und Kristen Sheets, seine Urenkelin. Grace Durham, Sängerin und Solistin sowie Sebastian Wartig, Sänger und Solist an der Semperoper Dresden brachten gemeinsam mit Johannes Wulff-Woesten am Klavier Kompositionen von Arthur Chitz und anderen vertriebenen Künstlern zu Gehör.

Text: Gertrud Aringer/Staatsschauspiel Dresden

www.staatsschauspiel-dresden.de 

Tieck-Abend: „Liebeszauber“ im Kügelgenhaus – Museum der Dresdner Romantik


Wort & Klangzauber: Schauspielerin Annette Richter und Harfenistin Andrea Dorschner zelebrieren den ersten literarischen Salon Ludwig Tiecks in Dresden. Foto: AR

Liebeszauber oder Herr Tieck wünscht, nach sechs Uhr das Schnäuzen zu lassen

Ludwig Tieck – der König der Romantik lädt zu einem seiner legendären Salonabende am 15. Mai, um 18 Uhr im Kügelgenhaus – Museum der Dresdner Romantik auf der Hauptstraße 13 ein. Neue, dunkle Poesie wird er seinen begeisterten Zuhörern präsentieren. „Der Liebeszauber“, eine fürwahr schwarze Romantik. Doch wo ist er? Seine Freundin und Gönnerin Henriette von Finkenstein wartet auf ihn und mit ihr Hofharfenistin Andrea von Dorschner.
Ob ihm etwas zugestoßen ist? Warten wir ein Weilchen, aber nach 18.00 Ihr wünscht Herr Tieck nicht mehr zu schnäuzen.
1819 zog der Dichter Ludwig Tieck (1773-1853) nach Dresden und begründete die schon bald berühmten Tieck`schen Vorleseabende. Drehen wir also die Zeit 200 Jahre zurück und zelebrieren den ersten literarischen Salon Tiecks mit seiner Erzählung „Liebeszauber“, einem Paradebeispiel der deutschen schwarzen Romantik, als Augen- und Ohrenfreude.

Ein Abend mit dem Literaturtheater Dresden.

Karten für die Veranstaltung gibt es im Kügelgenhaus unter Tel.:
(0351) 804 47 60

Text: (ar)

Premiere „Der Menschenfreund reloaded“ mit Alf Mahlo im Kleinen Welttheater Radebeul


Das Leben ist ein Spiel – wenn man weiß wie. „Der Menschenfreund“ Alf Mahlo erscheint, neu geladen, mit geballtem Humor auf aktuelle Zustände in der Welt blickend auf der Bühne.

Das Leben ist schön – von einfach war nie die Rede

Kleines Welttheater Radebeul mit Alf Mahlos neuem Solo-Programm

Im Kleinen Welttheater steht wieder eine Premiere an – die letzte vor der Sommerpause. In „Der Menschenfreund reloaded“ stellt Alf Mahlo mit Texten von sich und Matthias Dix Aufstieg und Fall eines ganz Großen dar. Vor einigen Jahren führte er das Original schon mit großem Erfolg x-mal in der Schweiz auf. Aber er musste feststellen, dass sich in der Welt so viel verändert hat, dass der Menschenfreund einer Aufarbeitung bedurfte – also gibt es für Radebeul eine „neu geladene“ Version.

Thema ist das dimensionslose Einkommen der Manager und Wirtschaftsbosse. „Offensichtlich legt die aktuelle Diskussion eine Wunde unserer Gesellschaft offen, die versorgt werden muss“, so Alf Mahlo. Auf seine Art gibt Mahlo einen Einblick in die schillernde Gedankenwelt eines wirtschaftlichen Großmoguls und führt die Zuschauer durch Höhenflüge und Niederungen der Seelenwelt eines Top-Managers. Eine Komödie, die an die Nieren geht und im Herzen endet – schwarzer Humor vom Feinsten.

Start der Premierenvorstellungen am heutigen Freitag, 10. Mai, und am morgigen Samstag, 11. Mai, ist wie immer um 20 Uhr, Möglichkeit eines Theater-Dinners besteht ab 18 Uhr vorab im Sonnenhof Altkötzschenbroda. „Und da die Gäste von dort aus trockenen Fußes das Theater erreichen können, ist das doch eine gute Kombination“, so Regisseurin Henriette Ehrlich.

Und Alf Mahlo, der hier abschließend zitiert werden sollte, der sagt nun doch nichts – denn er will heute Abend wieder perfekt sein und schreibt gerade noch die letzten Sätze des Stückes nochmals um.

Kartenverkauf: Telefonisch unter 0351 32337393 (auch für Pressekarten), Restkarten (sofern noch vorhanden) an der Abendkasse

Weitere Infos: www.kleines-welttheater.de

Text + Foto: meeco Communication Services

Lange Nacht der Galerien und Museen im Dresdner Barockviertel


Reizvolles Spiel mit Schein & Wirklichkeit, Farben & Formen: Bilder von Thomas Kleemann aus seiner vorigen Ausstellung „Die Realität ist heilbar.“
Galeristin Ines Schulz und Künstler Thomas Kleemann
Blick in die Galerie No 2 – den zweiten Kunstraum der Galerie Ines Schulz. Fotos: Lilli Vostry

LANGE NACHT DER GALERIEN UND MUSEEN im Neustädter Barockviertel am 10. Mai

Das Barockviertel in der Dresdener Neustadt etablierte sich in den letzten Jahren zu einem Hotspot der zeitgenössischen Kunst Dresdens. Die Galerien- und Museumsdichte rund um den Goldenen Reiter bietet Kunstinteressierten kurze Wege und ein entspanntes Flanieren von Kunstraum zu Kunstraum.
Die LANGE NACHT DER GALERIEN UND MUSEEN im Neustädter Barockviertel bietet auch in diesem Jahr bei freiem Eintritt Sonderveranstaltungen, Ausstellungseröffnungen und Rundgänge ab 18 Uhr. www.langenachtdergalerienundmuseen.de

Zur LANGEN NACHT laden wir zu einem abendlichen Rundgang durch unsere aktuelle Ausstellung BEVOR WIR TRÄUMEN mit Malerei von Jörn Grothkopp ein. Zeitgleich eröffnen wir in unserer Galerie No.2 einen GRAFIKSALONGezeigt werden Druckgrafiken, Zeichnungen und Arbeiten auf Papier von:

Maja Drachsel
Michael Hofmann
Hannelore Teutsch
Bertram Riedel
Claudia Borchers
Danny Linwerk
Elisabeth Eisbein
Georg Brandner
Hans Scheib
Elizabeth Charnock
Hans Scheuerecker
Jörn Grothkopp
Michel Meyer
Ulrike Pisch
Thomas Kleemann

Freitag, 10. Mai 2019
Eröffnung GRAFIKSALON und Rundgang ab 18.00 Uhr
Um 20 Uhr servieren wir Ihnen für Ihr leibliches Wohl ein paar Leckerbissen.

Text: INES SCHULZ • CONTEMPORARY ART & GALERIE NO.2
Obergraben 21 + 10
01097 Dresden

Ausstellung „C´est la vie“ von Hertha Günther in der Galerie Himmel

Herta Günther – C’est la vie
11. Mai – 17. August 2019

Vernissage | Freitag, 10. Mai 2019, 19 Uhr
Der Dresdner Lyriker und Essayist Michael Wüstefeld spricht einführende Worte.

Den 85. Geburtstag von Herta Günther, der großen Dresdner Malerin, wollten wir begehen in diesem Mai. Nun ist aus der Jubelfeier eine Gedenkausstellung geworden, in der wir etwa fünfzig Gemälde, Aquarelle, Pastellkreiden und Farbradierungen aus vierzig Jahren Schaffenszeit der Künstlerin zeigen.

Über sechs Jahrzehnte hielt Herta Günther, die an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden bei Hans Theo Richter und Max Schwimmer studierte und seit 1957 freischaffend tätig war, konsequent an ihrem künstlerischen Programm fest.

Herta Günther liebte das Schöne und Edle, bewahrte in ihren Bildern aber auch das Skurrile und bisweilen Trostlose und wusste dabei immer, ebenso treffend wie charmant zu erzählen. Sie war eine stille und genaue Beobachterin. Ihre eigentliche Bestimmung fand sie als Flaneurin, eine Flaneurin in Elbflorenz.

Beinahe wehmütig beschreiben ihre Bilder vergangene Zeiten und ein großstädtisches Milieu, das sich in Dresdens Cafés und Bars entfaltete. Über den von ihr gemalten Orten, den Kneipen, den Elb- und Stadtlandschaften, liegt oft ein Schleier der Trägheit, als würde die Zeit fast stillstehen. Es sind Orte unerfüllter Sehnsucht, so, wie die von ihr gemalten Menschen Wartende und Träumende sind. Sie erzählen nicht nur vom Leben, wie es war, sondern vom Leben, wie es hätte sein sollen. So halten sich Tristesse und Heiterkeit die Balance, gibt es bohèmehafte Übertreibungen, wechselt der liebevoll beschönigende mit dem schonungslos veristischen Blick. Das Leichte und das Schwere auf eine geradezu selbstverständliche Art miteinander zu verbinden, gelang ihr auf wunderbare Weise.

C’est la vie. So ist das Leben. So war es.

Im Kabinett präsentieren wir Ihnen eine Auswahl von Lithografien und Handzeichnungen des Leipziger Malers und Zeichners Werner Tübke.

Die Ausstellungen „Herta Günther – C’est la vie“ und „Werner Tübke – Happening in Pompeji“ werden am Freitag, dem 10. Mai 2019, um 19 Uhr, mit einer Vernissage eröffnet. Der Dresdner Lyriker und Essayist Michael Wüstefeld spricht einführende Worte.

Text: Anja Himmel

GALERIE HIMMEL
Obergraben 8
01097 Dresden

0351-4843578

email@galerie-himmel.de
www.galerie-himmel.de

10 Jahre Galerie Kunst & Eros: Verführerische Kunst


Frau mit Maske“, Michael Hofmann, 2019, Farbholzschnitt

Galeristin Janett Noack als barocke und moderne Kunst-Muse und mit einer „wilden Leda“ von Steffen Fischer. Foto re. (lv)

Mit allen Sinnen 

Die Galerie Kunst & Eros auf der Hauptstraße 15 feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Die Jubiläumsausstellung zeigt Malerei, Farbholzschnitte und Zeichnung von Michael Hofmann. Die Vernissage ist am 10. Mai, um 19 Uhr. Um 20 Uhr gibt es eine musikalische Lesung, „Facile & Lüstern“ mit Solvig Frey und Christian Mögel am Piano, außerdem wandelt ein burlesques Schokoladenmädchen mit verführerisch Süßem umher.

Verlockendes für die Sinne begegnet einem an den Wänden, auf Leinwänden, Grafiken, Kleinplastik, bemalter Keramik und edlem Porzellan. Bilder, Gefäße  und Schmuckstücke, die Liebespaare in inniger Umarmung, zarte Insektenpaare und grazile Frauenakte zeigen. Sinneslust – Lust der Sinne. Diese werden reichhaltig angeregt in der Galerie, in der Besucher eine Fülle
zeitgenössischer Ausdrucksformen entdecken können.

Mal direkt, mal subtil, heiter, verspielt bis frivol zeigen die Künstler in ihrer Malerei, Plastik, Fotografie und Grafik vielfältige Blicke und Sichtweisen auf Körperlichkeit, Zwischenmenschliches, Sinnlichkeit und Erotik. Wechselnde Einzel- und Gruppenausstellungen bieten die ganze Bandbreite mit Arbeiten bekannter sowie junger Künstler aus Sachsen und internationaler Künstler. Insgesamt 40 Ausstellungen gab es bereits.

Neben verführerischer Kunst füllen sich die Räume regelmäßig mit Musik und Lesungen zu den Vernissagen und zum „Erotischen Advent“. Ein Ort der Künste und Begegnung – damit hat sich die Porzellanmalerin und Galeristin Janett Noack einen lang gehegten Traum erfüllt. Hier lässt sie eine jahrhundertealte Handwerkskunst und Dresdner Tradition mit viel Leidenschaft aufleben, greift das Barocke auf in ihrem lust- und liebevoll bemaltem Porzellan und bringt es in die Gegenwart in eigenen Dekoren. Reizvoll, fantasievoll, filigran auf strahlendem Weiß. Jedes Stück ein Unikat. Die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern verbindet und befruchtet ihre eigene Arbeit.

Kunst ist immer ein Wagnis, weiß sie. Doch ein lohnendes, erfüllendes. Denn Kunst weitet  und verändert den Blick in die Welt und hält die Sinne wach und lebendig.

„Kunst muss prickeln!“

„Erotischer Advent – Zum Fest der Liebe gehört das dazu, und diese Form hat sich bewährt. Mir ist solch ein Ort für Besinnlichkeit wichtig in der heutigen schnelllebigen Zeit, dass man sich in die Augen und nicht nur aufs Smartphone schaut und aufeinander eingeht“, sagt Janett Noack. Sie ist 38 Jahre alt, Porzellanmalerin und Galeristin. „Kunst muss prickeln“, lautet ihr Motto. Mit Einzel- und Gruppenausstellungen bekannter, gestandener ebenso wie junger Künstler aus der Region und anderen Ländern widmet sich die Galerie hauptsächlich dem unerschöpflichen Thema Sinnlichkeit und Erotik. Damit ist sie die einzige weit und breit.

“Ich will damit nicht provozieren, sondern die schöne Seite des Lebens zeigen, wobei natürliche Körperlichkeit und wie wir miteinander umgehen, im Vordergrund stehen“, sagt Janett Noack. Die Bilder wollen den Betrachter ansprechen, nicht abstoßen. Künstler haben sich in ihren Werken schon immer mit Erotik beschäftigt. Sie möchte mit den Ausstellungen auch zu echter Auseinandersetzung mit dem Thema anregen. Nicht oberflächlich, künstlich, sondern subtil, subjektiv und vieldeutig sind die Blicke auf den Körper in den gezeigten Arbeiten. „Die kann man sich gern über die Couch hängen, das sind nicht nur Schlafzimmerbilder“, so die Galeristin. „Es muss ja nicht nur das Liebesspiel gezeigt werden, sondern auch Blicke, Gesten, Körperhaltung.“

So sind auch vielfältige Paarungen aus dem Mensch- wie Tierreich zu sehen. Darunter auch ihre eigenen, lust- und liebevoll bemalten Dinge aus Porzellan. Bilder, Schalen, Vasen, Schmuckdosen, Kettenanhänger und Ohrringe aus dem edlen Material. „Schmuck ist für mich überhaupt ein erotisches Element, der die Frau ziert und er wirkt erotisierend“, so Janett Noack. Bei der Gestaltung lässt sie sich gern von Formen aus der Natur inspirieren. Fantasievoll, verspielt, neckisch  bis frivol sind die Dekore mit Insekten, Libellen, Schmetterlingen, Fröschen und Schnecken paarweise. Taucht man ein in eine Unterwasserwelt mit schwerelos im Wellenspiel treibenden weiblichen Körpern in der Serie „Nymphenbad“, umrankt von herz- und venusförmigen Muscheln, Meerespilzen und Schwämmen, die phallusartig aufragen.

Ein neues, erotisch-figürliches Dekor, ein Gedeck mit Sushi-Schalen ist in Vorbereitung. Im vorderen Teil der Galerie hat Janett Noack ihr Atelier. Die Besucher können ihr zuschauen, wenn sie mit Rohrfedern filigran die Porzellanhaut bemalt. Zu ihr in die Galerie in der Kunsthandwerkerpassage kommen Spaziergänger aus dem Barockviertel nebenan, Touristen und Einheimische.

Das Angebot ist vielfältig. Die Preise sind gestaffelt. Von kleinen, erschwinglichen Arbeiten wie Zeichnungen oder Schmuck bis zur großen, gehaltvollen Porzellanplastik. „Die Mischung macht`s“, weiß Janett Noack. Inzwischen hat sie schon ein Stammpublikum zumeist im mittleren Alter, die sich gern mit Kunst umgeben und sich diese leisten. Bei den Ausstellungen und musikalisch-literarischen Abenden sind die Plätze in der kleinen Galerie immer gut gefüllt. „Die Besucher lassen sich gern von Neuem überraschen, können den Bildern und Künstlern begegnen. Kunst ist nicht nur für elitäre Leute, sondern für alle da und soll jeder genießen können.“

Text + Foto (lv)

www.kunstunderos.de

Geöffnet: Mo bis Sa 11 bis 15 Uhr

Heiß umkämpft. Die Wahrheit. Antigone als digitales Medien-Drama im Theater Junge Generation


Wer herrscht, hat Recht: König Kreon (Ulrich Wenzke).
Hautnah am Geschehen bis zur Schmerzgrenze mit der Kamera: mal Wächter an der Leiche und mal Kameramann (Moritz Stephan) und Lola Mercedes Wittstamm als aufbegehrende Antigone.

Der Vater brüllt seinen Sohn nieder, der meint, er sollte auch die Gegenseite hören und das sei nicht ehrrührig. Ulrich Wenzke als Kreon und Paul Oldenburg als Haimon.
Fotos: Marco Prill

Wettlauf zwischen Wirklichkeit und virtueller Welt

Das antike Drama „Antigone“ von Sophokles erkundet in einer Inszenierung im Theater Junge Generation im Kulturkraftwerk Mitte zwischen Ernst und Komik Chancen und Grenzen, die Welt mittels moderner Kommunikationsmittel besser zu verstehen.

Der Krieg ist aus, die Stadt frei. Doch ein Riss geht durch sie. Als Antigone (gefühlvoll: Lola Mercedes Wittstamm) ihren toten Bruder Polyneikes würdig bestatten will, lehnt sie sich damit gegen den neuen Herrscher Kreon auf, der als nächster Angehöriger den Thron von Theben bestiegen hat. Die Beerdigung eines „Verräters“ wäre ein Politikum. Kreon (übertrieben selbstherrlich: Ulrich Wenzke) beruft sich auf Vernunft und Recht und das Gemeinwohl der Stadt. Soll man Frevler ehren?!, fragt er seine Kritiker. Dies führt zu einem ebenso erbitterten wie absurden Streit mit grausamem Ausgang im antiken Drama „Antigone“ von Sophokles, das in der Nachdichtung von Walter Jens, vorwiegend an junge Zuschauer gerichtet, als modernes, digitales Medien-Drama im Kampf um die Wahrheit auf die Studiobühne des Theaters Junge Generation im Kulturkraftwerk Mitte kam (Regie: Nils Zapfe).

Wie in einer Arena sitzen die Zuschauer auf Holzkästen rings um die Spielfläche. Die mit den Plätzen zugleich verschiedene Perspektiven und Meinungen auf das Geschehen einnehmen. Dieses wird live auf zwei Leinwänden übertragen, im Fernsehen kommentiert und in den sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter unentwegt diskutiert und mit allen Details ausgeschlachtet. Die Palette der Kommentare reicht von „Die Wächter bewachen den Verräter wie einen König“ bis „Ob Ratten wirklich Aas fressen… Nee, nur Blut trinken“. Die Meinungen wechseln ständig wie die Lager von Symphatisanten oder Gegnern Antigones und Kreons.

Nicht leicht, da den Überblick zu behalten oder schlüssige Antworten auf den Konflikt zu finden. Zu gegensätzlich sind die Positionen, irgendwie hat jeder recht oder unrecht, keiner gibt nach. Die Fronten sind verhärtet. Im Spannungsfeld von Wirklichkeit, eigener Wahrnehmung und der bereits alltäglichen Welt digitaler Medien, wo Fiktion, Fake News und Realität, Tatsachen und Meinungen immer mehr verschwimmen, bewegt sich auch die Inszenierung. Auf der Bühne, vor laufender Kamera, im TV-Nachrichtenstudio und im Musikvideo wird der Konflikt zwischen Kreon und Antigone von allen Seiten beleuchtet, bebildert und hinterfragt. Die Schwelle zwischen Ernst und Komik verwischt ebenso wie Schwarz-Weiß-Denken und starr radikale Standpunkte ironisch gebrochen werden. Denn hier geht es nicht nur um Machtmissbrauch und Zivilcourage, sondern auch um kämpferisches Gegen- oder Miteinander von Männern und Frauen.

Kreon ist fassungslos, dass nicht irgendein bestochener Wächter, sondern ausgerechnet seine Nichte Antigone sich ihm widersetzt und ihren Bruder beerdigt hat.
Noch mehr erzürnt ihn, wie aufrecht und gefasst sie ihrer Strafe entgegensieht. Ihre Schwester Ismene und Fernsehmoderatorin (Ulrike Sperberg) hält sie für eine „Törin“, die sie zugleich bewundert und beneidet in ihrem Mut. Seinen Sohn Haimon (weit weiser als der Vater: Paul Oldenburg), der auch den blinden Seher Teiresias spielt, brüllt Kreon nieder, als der ihn bittet, auch die Gegenseite zu hören und nachzugeben. Der Vater wird ihn nie wiedersehen. Antigone geht, begleitet von einem Kameramann (Moritz Stephan), der vorher Wächter an der Leiche war, wie eine Märtyrerin zu pathetischen Klängen zu der Felshöhle, wo Kreon sie lebendig begraben lässt. Sie fragt ins Publikum: „Wer steht auf meiner Seite?“ Mehrere stehen auf. Andere kichern belustigt, als sie sich mit rührenden Worten vom Leben verabschiedet, halten die Szene wohl für einen Gag. Antigone (Lola Mercedes Wittstamm) fühlt sich auch nicht wohl damit: „Ja, weil ihr lacht und ich sterb jetzt!“, entgegnet sie ihnen. Kreons Reue kommt zu spät. Er verliert alle, die er einst liebte. Kaum ist sein Platz frei, setzt sich der Wächter ans Mikro im TV-Studio und verkündet: „Theben braucht nun einen König ohne lange Vorgeschichte. Mein Volk. Ich will, dass wir die Welt nun etwas vernünftiger gestalten. Guten Abend !“ Noch während seiner Worte fliegt ein Flugzeug knapp über seinem Kopf vorbei. Kann sich jeder selbst weiterdenken.
Viel Beifall für einen spannenden, multimedialen Theaterabend.

Text (lv)

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