Ausstellung „So weit, so nah“ von Mandy Friedrich in der Galerie Himmel

Ausstellung | 29. Mai – 17. Juli 2021

Mandy Friedrich – So weit, so nah

Im Kabinett | Horst Leifer – Du sollst den Kitsch riskieren
Die GALERIE HIMMEL präsentiert mit der kommenden Ausstellung „Mandy Friedrich – So weit, so nah“ aktuelle Gemälde der Dresdner Malerin.   Die ungestüme und farbensatte Malerei von Mandy Friedrich (*1977) bewegt sich zwischen einem am Motiv orientierten Realismus und einem formauflösenden malerischen Expressionismus. Figuren und Gegenstände entwickelt sie mit geradezu körperlicher Präsenz aus der Farbmasse heraus. Dank einer spannungsreichen Bildkomposition, einer souveränen Pinselführung und einem betörend lichtdurchfluteten nuancenreichen Kolorismus entstehen eindringliche Bildwelten: Landschaften, Porträts und Stillleben.

Es sind Bilder von malerischer Tiefe und Sensibilität, kraftstrotzend und vital. Eine Malerei, die durch virtuoses Handwerk und genaue Beobachtung brilliert. Ihre Themen findet Mandy Friedrich in der Natur, in Alltag und Geschichte, in Literatur und Musik, in Kunst und Religion. Besonders eindrucksvoll sind ihre Porträts und Landschaften. Neben beglückend Heiterem wohnt der Malerei auch ein melancholischer Ton inne. Leuchtend helle Farben werden von dräuend-dunklen Tönen begleitet, sowohl das Lichte als auch die Verschattungen des Lebens spiegelnd. Malend begibt sich die Künstlerin auf Entdeckungsreise, erzählt von Schönheit und Verfall, von Aufbruch und Innehalten, vom Glück des Moments, von Hoffnung und Zweifel – Augenblicke, in denen die Wirklichkeit hinter den Dingen sichtbar wird.   I

Im Kabinett zeigen wir zeitgleich die Ausstellung „Horst Leifer – Du sollst den Kitsch riskieren“ mit Aquarellen und Zeichnungen des in Dresden und Mecklenburg beheimateten Malers Horst Leifer (1939-2002). Horst Leifer, der in den 1960er Jahren bei Paul Michaelis an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste studierte und hier bis 1993 Oberassistent bei Gerhard Kettner war, schuf mit seinen melancholischen Porträts intensive Menschenbilder. Neben Porträts und Aktdarstellungen entstanden Stillleben und Landschaften. Die Ausstellung vereint herausragende Werke, die zwischen 1975 und 1989 entstanden.  

Die Ausstellungen „Mandy Friedrich – So weit, so nah“ und „Horst Leifer – Du sollst den Kitsch riskieren“ werden am 29. Mai 2021, 10 Uhr, eröffnet. Leider können wir die Ausstellungen nicht feierlich eröffnen. Der Besuch der Ausstellungen ist nur nach Anmeldung per E-Mail oder Telefon sowie unter Einhaltung der Hygienevorschriften, ggf. einem Corona-Negativtest oder Impfnachweis möglich.

Die Galerie ist Montag-Freitag von 10-18 Uhr und Samstag von 10-16 Uhr geöffnet sowie telefonisch erreichbar.  

GALERIE HIMMEL
Obergraben 8
01097 Dresden

Tel. 0351-4843578

email@galerie-himmel.de
www.galerie-himmel.de
Online-ShopGrafikliebhaber.de

Ostrale in Robotron-Kantine

Dresdner Kunstbiennale OSTRALE nach dem Lockdown

Neue Formen der Zusammenarbeit: Robotron-Kantine

Nika Rukavina arbeitet an ihrem Werk „Handbuch für Hausreparaturen für Frauen“ – OSTRALE-Direktorin Andrea Hilger und Team ertüchtigen die Robotron-Kantine für die Zwischennutzung – Die schwedischen Künstler Christoph und Sebastian Mügge vollenden das erste der vor Ort gestalteten Kunstwerke der OSTRALE Biennale.

Bis zum 6. Juni ist die Robotron-Kantine unter Regie des Kunsthauses Dresden Kulisse für künstlerische Interventionen, unter anderem von André Tempel, Ina Weise, Henning Haupt und Stephanie Lüning. Im Innern arbeitet parallel schon seit Wochen das OSTRALE Zentrum für zeitgenössische Kunst an der kommenden OSTRALE Biennale O21, die am 1. Juli eröffnet werden soll. Soeben haben die Brüder Christoph und Sebastian Mügge an einer Außenwand des Ostmoderne-Pavillons das erste der Kunstwerke vollendet, die vor Ort für die „O21“ geschaffen werden. Gerade hat in Vorbereitung der OSTRALE Biennale auch die Ungarin Nika Rukavina ihre künstlerische Arbeit an der Robotron-Kantine aufgenommen.

„Mit der derzeit leer stehenden Robotron-Kantine bespielen wir im Wechsel eines der letzten Objekte in Dresden, die noch für eine Nutzung für Akteure der zeitgenössischen Kunst verfügbar sind. Wir hoffen, dass wir dieses wunderbar geeignete Objekt für eine dauerhafte Nutzung sichern können“, so Christiane Mennicke-Schwarz, künstlerische Leiterin des Kunsthauses Dresden und Andrea Hilger, Direktorin des OSTRALE Zentrums für zeitgenössische Kunst in einem gemeinsamen Statement.

Bereits seit 11. Mai haben die schwedischen Brüder Mügge (Christoph, geb. 1983 in Bonn und Sebastian, geb. 1981 in Bonn; leben in Schweden) an ihrem detailreichen Werk „Hope for the best but expect the worst“ gearbeitet. Auf 38 x 3 Metern schufen sie dabei Kunst im öffentlichen Raum: Ihre Wandmalerei ist mit Holzkohle, Wandfarbe und Fixiermittel auf die robuste Holzverschalung aufgetragen, mit der das Team der OSTRALE zuvor zerstörte Glasflächen der Robotron-Kantine gesichert hatte. Christoph und Sebastian Mügge werden während der OSTRALE Biennale auch im Klärpark Kaditz der Stadtentwässerung Dresden mit einem Werk vertreten sein. Die dafür vorgesehene skulpturale Komposition „Not a Dog Shelter“ entsteht dort bis 12. Juni, unter anderem mit Haaren aus Dresdner Friseursalons.

Auch Nika Rukavina (*1980 in Kroatien) gastiert derzeit in Dresden, um an der Robotron-Kantine einen Beitrag zur OSTRALE Biennale zu erarbeiten, nämlich ihr Werk „Manual for House Repairs for Women 2018/2021″ (2x10m). Und einige „Reparaturen am Haus“ haben die Mitarbeiter des OSTRALE Zentrums noch zu leisten, bevor sie die leerstehende einstige Kantine wieder für die Öffentlichkeit öffnen können.

Die meisten Kunstwerke, die dann zu sehen sein werden, werden für die OSTRALE Biennale aus insgesamt 34 Ländern, darunter Bangladesh, Togo und Singapur nach Dresden entliehen. Die ersten Kunsttransporter rollen bereits durch Osteuropa.

Zu den Werken:

„Hope for the best but expect the worst“: Ausgehend von einer „Krisenbox“ verbindet diese detailreiche, ortsspezifische Wandzeichnung das Wettrüsten des Kalten Krieges mit zeitgenössischen Phänomen und wirft Fragen auf, wer in den sicheren Hafen aufgenommen werden sollte. Während des Kalten Krieges war die Bedrohung eines nuklearen Angriffs in der Gesellschaft allgegenwärtig und da ein solcher Anschlag verheerende Folgen für die Nahrungsmittelproduktion eines Landes gehabt hätte, wurden strategische Depots für essentielle Grundnahrungsmittel eingerichtet. Das Phänomen lebt in unserer Zeit in der sogenannten „Prepper“-Bewegung weiter, in der Menschen es sich zur Lebensweise gemacht haben, auf mögliche Notfälle vorbereitet zu sein. Die Krisenbox enthält alles, was zum Überleben benötigt wird, wenn die Grundversorgung aufgrund einer Notsituation eingestellt wird.

Manual for House Repairs for Women 2018/2021 ist der Titel des Werkes, das an der Außenwand Richtung Lingnerallee entsteht. „Ich arbeite schon seit Jahren als Handwerkerin, um mein Künstlerbudget aufzubessern. Die meisten Arbeiten, die ich ausführe, sind für meine weiblichen Freunde oder Familienmitglieder, die mich mehrfach gebeten haben, ihnen beizubringen, wie sie die kleinen Reparaturen selbst machen können, also ist dieses Projekt für sie. Es richtet sich in erster Linie an Frauen, nicht weil ein Mann es nicht nutzen kann, sondern wegen all der ‚rosa Werkzeuge‘ (in ‚mädchenhaften‘ Designs mit seltsamen Formen, Pelzen und Glitzer), die speziell für Frauen hergestellt werden und in den meisten Fällen nutzlos sind. Das vorliegende Handbuch kämpft gegen dieses verzerrte Bild der kapitalistischen Ermächtigung von Frauen, das auf seine Weise sagt: ‚Du bist uns gleichgestellt, du kannst es selbst tun, aber die Werkzeuge, die wir dir geben, sind wertlos'“, so Nika Rukavina.

Weblinks:
http://www.ostrale.de
http://www.kunsthausdresden.de

Text: Tobias Blaurock, blaurock markenkommunikation

OSTRALE – Zentrum für zeitgenössische Kunst, Andrea Hilger, 1. Vorsitzende
Web: http://www.ostrale.de

Preis der Leipziger Buchmesse 2021 verliehen


Leipzig liest extra
Eine Veranstaltung der Leipziger Buchmesse
(27. bis 30. Mai 2021)
  
Preis der Leipziger Buchmesse 2021 für Iris Hanika, Heike Behrend und Timea Tankó 

Iris Hanika, Heike Behrend und Timea Tankó haben heute den Preis der Leipziger Buchmesse 2021 im Rahmen von Leipzig liest extra, einer Veranstaltung der Leipziger Buchmesse, erhalten. Die siebenköpfige Jury um den Vorsitzenden Jens Bisky zeichnete Iris Hanika in der Kategorie Belletristik für ihr Werk „Echos Kammern“ (Literaturverlag Droschl ) und Heike Behrend in der Kategorie Sachbuch/Essayistik für ihr Buch „Menschwerdung eines Affen. Eine Autobiografie der ethnografischen Forschung“ (Matthes & Seitz Berlin) aus. In der Kategorie Übersetzung würdigte die Jury Timea Tankó für die Übersetzung aus dem Ungarischen von „Apropos Casanova. Das Brevier des Heiligen Orpheus“ (Die Andere Bibliothek) mit dem renommierten Preis. Insgesamt 389 Werke wurden für den diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse eingereicht.

Kategorie Belletristik:

Iris Hanika | Echos Kammern | Literaturverlag Droschl

Zur Begründung der Jury:

„Bevor ich bin gereist nach New York, ich war in Sorge. Weil war das große Reise über Atlantik und war das auch lange Reise – zehn Wochen ist lang, in diese Zeit viel kann geschehen.“ Ja, es ist viel. Doch was genau in Iris Hanikas herrlich palimpsesten Roman zwischen Berlin und New York geschieht, ist kaum seriös in aller Kürze zu erzählen. Es blitzt und spiegelt, experimentiert nur so vor sich hin. … Diese Autorin ermächtigt sich, den Mann mit den Mitteln des Jahrtausendealten männlichen Blicks zu betrachten. Josh, Narziss, der Mythos wird zum Resonanzraum, in dem sein eigener Hohlkörper sichtbar wird, Iris Hanika schiebt ihn sachte in eine ihrer Echokammern. Nicht zuletzt hier weist sich die Autorin als kluge, witzige und wüste Erzählkonstrukteurin aus. Iris Hanika schreibt unbeirrt und seit fast drei Jahrzehnten ihre Literatur, schreibt auf ihrem Stern, an ihrem Stern. Als eine der eigensinnigsten Stimmen der deutschen Gegenwartsdichtung, die mit brutal klarem und unverschämten Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse schauen kann. Und dann wieder unheimlich erheitert. Iris Hanika übt in aller Virtuosität ihre Sprachexperimente aus und ja, sie hat diebische Freude daran, dass sie das jeden Moment den Roman kosten könnte. Eben dieses riskante Schreiben zeichnet sie aus. 

Autorin:

Iris Hanika wurde 1962 in Würzburg geboren. Ihr umfangreiches Werk, u. a. die Erzählungen Katharina oder Die Existenzverpflichtung (Fannei & Walz, 1992), Treffen sich zwei (2008),Tanzen auf Beton (2012), Wie der Müll geordnet wird (2015, alle drei im Literaturverlag Droschl) bescherten der Autorin zahlreiche Preise, darunter den Hans-Fallada-Preis 2006, den European Union Prize for Literature 2006 und den Hermann-Hesse-Literaturpreis 2020.

Kategorie Sachbuch und Essayistik:

Heike Behrend | Menschwerdung eines Affen. Eine Autobiografie der ethnografischen Forschung | Matthes & Seitz Berlin

Zur Begründung der Jury:

Nur wer sich selbst für die Welt öffnet, wird auch in ihr heimisch werden. Diese Erfahrung ist das zentrale Moment des Buchs von Heike Behrend. Die eigene Neugier der Ethnologin stieß während ihrer Feldforschungsaufenthalte auf die der besuchten Gruppen, und sie selbst wurde zum Gegenstand der Beobachtung durch ihre Gastgeber. Es gehört viel Selbsterkenntnis dazu, sich erkannt zu fühlen. „Menschwerdung eines Affen“, benannt nach der sich wandelnden Zuschreibung, die man ihr in den kenianischen Tugenbergen als Forscherin, die dort zur Freundin wurde, angedeihen ließ, legt Zeugnis davon ab, dass Heike Behrend diese Befähigung besitzt. Und mit ihrer Betrachtung der Betrachter ihrer selbst als Betrachterin gewinnt sie auch eine Perspektive auf die eigene Kultur – sowohl verstanden als nationale wie als disziplinäre Geisteswissenschaft in der Form, wie Heike Behrend sie teilnehmend beschreibt, ist im besten Sinne Geistesbeschwörung: Sie provoziert zu einem Blick, der intellektuell agiert statt visuell. Ihr Buch ist eine ebenso köstliche wie kostbare Lektüre, die unsere Horizonte weit verschiebt, ohne dabei eine politische Agenda vermitteln zu wollen. Es ist geboren und geschrieben aus der Emphase für die Gemeinsamkeit dessen, was Menschsein ausmacht: die Überwindung von Vorurteilen. Solchen seiner selbst über andere und solchen anderer über einen selbst. Es ist ein erhellendes Buch in diesen sich verdunkelnden Zeiten.

Autorin:

Heike Behrend studierte Ethnologie und Religionswissenschaft. Sie arbeitete ethnografisch vor allem in Ostafrika und unterrichtete an verschiedenen Universitäten. Sie veröffentlichte zahlreiche Bücher und Aufsätze, u. a. Alice und die Geister. Krieg im Norden Ugandas (Trickster, 1993) und Contesting Visibility. Photographic Practices and the „Aesthetics of Withdrawa” along the East African Coast (transcript, 2013). 

Kategorie Übersetzung:

Timea Tankó | „Apropos Casanova. Das Brevier des Heiligen Orpheus“ von Miklós Szentkuthy übersetzt aus dem Ungarischen | Die Andere Bibliothek

Zur Begründung der Jury:

Wie lässt sich so etwas Quecksilbriges, sich jeder Zuordnung Entziehendes, wild Fantasierendes und zugleich messerscharf Argumentierendes in eine andere Sprache bringen? Die Antwort kann nur lauten: indem man mitdenkt. Und nichts anderes tut Timea Tankó. Ihre deutsche Fassung wird der intellektuellen Beweglich-, ja Quirligkeit Szentkuthys absolut gerecht, dank ihr gerät man unweigerlich in den Sog seiner kapriolenhaften Gedankenflüge – und ohne, dass einem flau dabei wird. Er und sie, Miklos und Timea, diese beiden Liebenden der Sprache, können aber auch ganz anders, konkret-anschaulich und poetisch-bildhaft zugleich: „An einem Vormittag“, heißt es da, „war das Meer ungewöhnlich blau, die kleinen weißen Wellenspalten waren besonders parallel und zahncremefrisch, die Luft war sportlich klar, die Möwen wirkten einen Hauch melancholischer, herbstblattähnlicher als sonst, die fernen griechischen, persischen und russischen Yachten vibrierten noch höher über den Horizont als sonst – und wegen dieser kleinen Frühlingskomposition, die einen halben Augenblick zuvor noch nicht einmal ansatzweise so aussah und im nächsten ihren fröstelnden Maifestcharme bereits verloren hatte, musste Rom untergehen.“ Wow. Was für ein Satz, was für ein Schmelz in den Beschreibungen, welch ein sanfter Rhythmus, und was für ein eiskalter Knalleffekt am Ende. Dafür, dass sie sich dieser Prosa einfühlsam und doch selbstbewusst angeschmiegt und dabei immer die Spannung gehalten hat, dafür danken wir Timea Tankó.

Übersetzerin:

Timea Tankó, 1978 in Leipzig geboren, arbeitet als Dolmetscherin sowie als Übersetzerin ungarischer und französischer Literatur. Neben Übertragungen u. a. von Werken István Keménys, Antal Szerbs und György Dragománs ins Deutsche brachte sie z. B. auch Texte Esther Kinskys ins Ungarische. Zuletzt wurde sie mit dem Exzellenzstipendium des Deutschen Übersetzerfonds 2020 ausgezeichnet. Sie lebt in Berlin.

Über den Preis der Leipziger Buchmesse
Der Preis der Leipziger Buchmesse wurde von einer siebenköpfigen Jury vergeben: Unter der Leitung von Jens Bisky haben Anne-Dore Krohn, Tobias Lehmkuhl, Andreas Platthaus, Marc Reichwein, Katrin Schumacher und Katharina Teutsch die Nominierten und Preisträger:innen ausgewählt. Der mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Preis der Leipziger Buchmesse ehrt seit 2005 herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung. Der Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig unterstützen den Preis der Leipziger Buchmesse. Partner des Preises ist das Literarische Colloquium Berlin. Medienpartner ist das Kundenmagazin buchjournal und Deutschlandfunk Kultur. 

Text: Julia Lücke
Pressesprecherin Leipziger Buchmesse              

Leipziger Buchmesse im Internet:
www.leipziger-buchmesse.de
www.preis-der-leipziger-buchmesse.de
blog.leipziger-buchmesse.de/Buecherleben
 

Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung an Johny Pitts verliehen

   
Begleitausstellung zeigt Fotografien von Preisträger Johny Pitts


Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung wurde gestern abend in der Nikolaikirche an Johny Pitts, einen britischen Essayisten und Fotografen, im Rahmen der Eröffnung von „Leipzig liest extra“ verliehen. Um ein breites Publikum trotz anhaltender Pandemie zu erreichen, werden noch bis 30. Juni 2021 in einer zweiteiligen Ausstellung stimmungsvolle Schwarz-Weiß-Aufnahmen als Auszüge aus dem gleichnamigen Buch „Afropäisch. Eine Reise durch das schwarze Europa“ gezeigt. Auf Großflächen am Nikolaikirchhof und am Hauptbahnhof neben dem Mobilitätszentrum der Leipziger Verkehrsbetriebe sind jeweils fünf Motive plus Einleitung zu sehen.

Kulturbürgermeisterin Dr. Skadi Jennicke betont: „Gerade in Zeiten der Krise muss Kultur den Dialog stärken. Der öffentliche Raum erweist sich unter Pandemiebedingungen als interessanter Ort und geeignetes Mittel, um eine möglichst breite Zielgruppe zu erreichen. Wir hoffen, dass unserem diesjährigen Preisträger, Johny Pitts, damit die Aufmerksamkeit zuteil wird, die er für sein Werk ganz im Sinne des europäischen Verständnisses verdient.“

Die Ausstellung „Afropean Express: Eine Reise durch das schwarze Europa” ist eine gemeinsame Initiative des Forum on European Culture und Johny Pitts selbst. Das Projekt begibt sich auf die Suche nach einer Kultur, die das Schwarzsein in den Blick nimmt und gleichzeitig grundlegend europäisch ist. Pitts reiste mit dem Zug durch Europa, um den Zustand seiner eigenen Identität und die der vielen schwarzen Gemeinschaften auf diesem Kontinent zu untersuchen. Von London nach Paris, über Brüssel, Amsterdam, Berlin, Stockholm, Moskau, Rom, Marseille und Lissabon ging er der Frage nach, inwiefern eine “afropäische” Identität Solidarität bewirken und darüber hinaus vergessene Geschichten Europas zum Vorschein bringen kann.

Das Forum on European Culture lud Johny Pitts ein, eine Ausstellung zu seinem Buch zu entwickeln, die zum ersten Mal in Amsterdam beim Festival für Kunst und Kultur in Europa vom 17. Bis 20. September 2020 präsentiert wurde, und nun in Leipzig gezeigt wird. Das Forum organisiert das Festival alle zwei Jahre, um internationale Künstler, Denker und ein interessiertes Publikum zusammenzubringen, die sich der Zukunft Europas widmen.

Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung und seine Bedeutung in Deutschland

Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung, seit 1994 jährlich vergeben und mit 20.000 Euro dotiert, zählt zu den wichtigsten Literaturauszeichnungen in Deutschland. Er wird jährlich im Rahmen der Leipziger Buchmesse verliehen. Das Preiskuratorium bilden der Freistaat Sachsen, die Stadt Leipzig, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. und die Leipziger Messe. Kooperationspartner ist die Bundeszentrale für politische Bildung.

Ausführliche Informationen zum Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung, den bisherigen Preisträgern, dem Kuratorium und der Jury sind unter www.leipzig.de/buchpreis zu finden.  

Text:  Julia Lücke

Pressesprecherin Leipziger Buchmesse

Leipziger Buchmesse im Internet:
www.leipziger-buchmesse.de
www.preis-der-leipziger-buchmesse.de
blog.leipziger-buchmesse.de/Buecherleben
 

Film-Premiere „Nachrichten von fernen Sternen“ live aus dem Landhaus Dresden


Das Literaturforum Dresden e.V. lädt zur Weltpremiere seines Films „Nachrichten von fernen Sternen – Live aus dem Landhaus Dresden“ am Donnerstag, 27.5., 19 Uhr auf dem Youtube-Kanal: https://youtu.be/ICV3Ujay3yg

Das Weltall – das Landhaus Dresden. Fünf Dichter – die kosmischen Objekte. Zum ersten Mal erkundet eine Sonde, ausgestattet mit Kamera und Mikrofon, die faszinierenden Weiten dieses Universums. Die Räume des Stadtmuseum und der Städtischen Galerie, Gedichte, Büsten, Spiel- und Landkarten – ein Einblick in eine unbekannte Harmonie. 

Mit Thomas Rosenlöcher, Patrick Beck, Patrick Wilden, Undine Materni und Volker Sielaff. Regie / Kamera / Schnitt: Sophie Arlet.

Sound: «  Wind on Mars ». Aufgenommen vom Perseverance Rover am 20. 2. 2021. Mit freundlicher Genehmigung der NASA.

Literaturforum Dresden e. V. und Museen der Stadt Dresden

Das Projekt wurde gefördert im Rahmen von „Neustart Kultur“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien durch den Deutschen Literaturfonds e. V.

Text: Patrick Beck

Sommertheater des Dresdner Comedy & Theater Club im Zoo


Musik mit Humor & mancher Überraschung: Das A Cappella-Quartett „Die NotenDealer“ zeigen ihr aktuelles Programm „KannMannSutra?“ auf der Sommerbühne im Zoo Dresden. Foto: PR


„Frivol als auch“ leben die 20er Jahre auf im Chanson-Programm von Kathy Leen & Holger Miersch am Piano. Foto: Robert Jentzsch


Bunte Figurenschar. Eine lustige Party wird das bestimmt mit Bauchredner Roy Reinker. Foto: PR

Von Musik-Comedy, Kabarett über Männer, Frauen und die Liebe bis
zur lustigen Puppen-Show

Statt zum Lachen in den Keller lädt der Dresdner Comedy & Theater Club die Zuschauer nun zu heiterem Vergnügen auf die Sommerbühne im Zoo Dresden ein. Auch die Tiere freuen sich über Besuch!

Grünes Licht am Horizont … die Zahlen, die die Welt bedeuten, sind seit über einer Woche unter der magischen 100. Das ermutigt uns, mit unseren Comedians, SchauspielerInnen, KabarettistInnen und MusikerInnen hinaus zu ziehen, auf die Open Air – Sommerbühne im ZOO Dresden.

Wir freuen uns sehr, dass wir diese beliebte Tradition nach einigen Jahren Pause zusammen mit dem ZOO wieder aufleben lassen können. Damit das Publikum nach langer Zeit der Enthaltsamkeit wieder Live – Humor, Kabarett & Musik erleben kann.
Hier die nächsten Vorstellungen von Mai bis Juli 2021:

FR 28.05.      19:30 Uhr      „KannMannSutra?“ Die NotenDealer
SA 29.05.      19:30 Uhr      „KannMannSutra?“ Die NotenDealer                                                              

JUNI

DO 03.06.     19:30 Uhr      „Wenn Puppen feiern, kann es nur im Chaos enden“ Roy Reinker PREMIERE
SA 05.06.      19:30 Uhr      „Frivol als auch – Die tierischen 20er“ Kathy Leen & Holger Miersch

FR 11.06.      19:30 Uhr      „Frauen sind schärfer, als man glaubt“ Best of Matthias Machwerk & Kuschinski
SA 12.06.      19:30 Uhr      „Frauen sind schärfer, als man glaubt“ Best of Matthias Machwerk & Kuschinski

FR 18.06.      19:30 Uhr      „Hurra, wir leben noch!“ Pampatutti PREMIERE
SA 19.06.      19:30 Uhr      „Hurra, wir leben noch!“ Pampatutti

FR 25.06.      19:30 Uhr      „KannMannSutra?“ Die NotenDealer               
SA 26.06.      19:30 Uhr      „WunderBar!“ Best of Sommerkabarett Ellen Schaller PREMIERE                    

JULI

FR 02.07.      19:30 Uhr      „Frivol als auch – Die tierischen 20er“ Kathy Leen & Holger Miersch
SA 03.07.      19:30 Uhr      „Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ Ellen Schaller
FR 09.07.      19:30 Uhr      „Mach Dich frei, wir müssen reden!“ Matthias Machwerk
SA 10.07.      19:30 Uhr      „Frauen sind schärfer, als man glaubt“ Best of Matthias Machwerk & Kuschinski

FR 16.07.      19:30 Uhr      „Es war nicht alles Sex” Tatjana Meissner PREMIERE
SA 17.07.      19:30 Uhr      „(Der)SCHLEIM(der)SPUREN“ Lothar Bölck PREMIERE

Änderungen vorbehalten! 

Im Preis von 25 € ist bereits der ZOO-Eintritt ab 17:30 Uhr enthalten, so dass die Gäste vor der Vorstellung entspannt die Tiere besuchen können. Für das kulinarische Wohlergehen sorgt die Elbe-Zeit-Gastronomie. Und eine Regenvariante für den Gewitter-Notfall gibt es auch.

Der Ticket-Vorverkauf läuft unter https://www.etix.com/ticket/v/20091?cobrand=DRESDNER-COMEDY
oder telefonisch unter 0351 – 46 44 877.

Bereits vorhandene Tickets von ausgefallenen Vorstellungen bleiben weiter gültig und können ab 25. Mai 2021 auch umgebucht werden.

Auch im ZOO plant der DRESDNER COMEDY & THEATER CLUB für Wohlbefinden und Sicherheit mit reduzierter Platzanzahl und angemessenem Hygienekonzept, das sich den im ZOO geltenden Regeln unterordnet.

Es sollten also Gäste mit Symptomen unsere Vorstellungen bitte nicht besuchen, einen Mund-Nasen-Schutz tragen, Abstände eingehalten und die Hände desinfiziert werden. Aktuell gelten dazu noch die GGG – Regeln, also bitte mit Nachweis, dass Sie geimpft, genesen oder getestet sind. Unser Anliegen ist es, den Besuch bei uns so angenehm, entspannt und trotzdem so sicher wie möglich zu gestalten.

Die ausführlichen Programmbeschreibungen finden Sie online unter SPIELPLAN.

Text: Heike Jack

DRESDNER COMEDY & THEATER CLUB
Sommertheater im ZOO Dresden
Tiergartenstraße 1, 01219 Dresden
Telefon 0351-46 44 877

www.comedytheaterclub-dresden.de

Neustart im Staatsschauspiel Dresden mit fünf Premieren im Juni


Das Leben als Traum: „Das Buch der Unruhe“ von Fernando Pessoa kommt eine Nacht lang, in einer achtstündigen Aufführung unter Regie von Sebastian Hartmann live aus dem Lichthof des Albertinums gestreamt, ins Wohnzimmer. Auf dem Foto: Schauspielerin Luise Aschenbrenner.  4. Juni, 22 – 6 Uhr. Foto: Sebastian Hoppe


Sehnsucht nach Sicherheit und Identität: Von Menschen, die in Grenzorten leben und ihren Erfahrungen erzählt die Uraufführung von „Anschluss“ von Jaroslav Rudiš unter Regie von Alexander Riemenschneider. Auf dem Bild: Moritz Dürr, Sven Hönig, Philipp Lux, Holger Hübner. 25. Juni, 19.30 Uhr, Kleines Haus 1. Foto: Sebastian Hoppe

Eine Konferenz der Abwesenden, Theater zwischen Schlaf und Traum
mit Pessoas „Buch der Unruhe“, Sommerfrische im eigenen Land & in Grenzorten & Schillers „Die Räuber“ 

Mit fünf Aufführungen zu spannenden aktuellen Themen, davon eine digital übertragen aus dem Lichthof des Albertinums, öffnet sich nach einem Jahr coronabedingter Pause wieder der Vorhang auf der Großen Bühne im Schauspielhaus und im Kleinen Haus. 

Am 1. Juni 2021 kann das Staatsschauspiel Dresden seine Spielstätten endlich wieder für Publikum öffnen. Intendant Joachim Klement: „Es war für uns keine einfache Zeit – insbesondere auch für die künstlerischen Teams und das Ensemble, die mit großer Disziplin im vergangenen Jahr Inszenierungen probten und zur Premierenreife brachten, ohne Gewissheit zu haben, wann es für sie endlich möglich sein würde, das Erarbeitete dem Publikum zu präsentieren. Umso mehr freuen sich alle Mitarbeiter*innen am Haus nun, im Juni gleich fünf dieser neuen Arbeiten zeigen zu können!“

Den Auftakt macht am 1. Juni 2021, 19.30 Uhr im Kleinen Haus 1 die Uraufführung von KONFERENZ DER ABWESENDEN, eine Produktion von Rimini Protokoll, die in der weltumspannenden Krise einer Pandemie die Antwort radikal in weltweiter Zusammenarbeit findet. Und doch ist diese zutiefst lokal verankert – im Setting einer Konferenz, zu der niemand anreisen kann und Menschen aus der eigenen Stadt die Identität eines abwesenden Konferenzgastes übernehmen, um ihm so den eigenen Körper, die eigene Stimme und die eigene Anwesenheit zu leihen.

Am 4. Juni 2021 folgt die digitale Premiere von DAS BUCH DER UNRUHE nach Fernando Pessoa, die von 22 Uhr bis 6 Uhr des Folgetages live aus dem Lichthof des Albertinums gestreamt wird. Unter der Regie von Sebastian Hartmann entstand keine Inszenierung im herkömmlichen Sinn, eher eine theatrale Installation zu Pessoas Lebenskonzeption, in der bewusste Isolation und Kontemplation, Schlaf und Traum, wichtiger als das aktive Alltagsleben sind. Die achtstündige Aufführung findet deshalb für die digital zugeschalteten Zuschauer*innen in der Zeit des Schlafes, für die Dauer einer Nacht, statt.

TRILOGIE DER SOMMERFRISCHE von Carlo Goldoni in der Regie von Rafael Sanchez ist am 11. Juni 2021, 19.30 Uhr die erste Premiere, die nach langer Zeit wieder auf der großen Bühne im Schauspielhaus zu sehen sein wird. Perfekt passend für die Zeit, in der wir uns langsam wieder optimistisch mit der Planung von Urlauben befassen – und in der die Sommerfrische im eigenen Land eine neue Renaissance erlebt. Die B-Premiere findet am 12. Juni 2021 statt.

Und auch die Bürger:Bühne freut sich darauf, am 18. Juni 2021, 19.30 Uhr, im Kleinen Haus 1 DIE RÄUBER*INNEN nach Friedrich Schiller (Regie: Yves Hinrichs) mit Jugendlichen endlich vor Publikum zu zeigen.

Die Uraufführung von ANSCHLUSS von Jaroslav Rudiš, inszeniert von Alexander Riemenschneider, beschließt am 25. Juni 2021, 19.30 Uhr, im Kleinen Haus 1 den Premierenreigen im Juni (B-Premiere am 26. Juni 2021). Grenzorte und die Erfahrungen von Menschen, die dort leben, und die Sehnsucht nach Sicherheit und Identität, die mit klaren Grenzen oftmals Hand in Hand zu gehen scheint, stehen in diesem Werk, das im Auftrag des Staatsschauspiels Dresden entstanden ist, im Mittelpunkt. Das Stück spielt an der sächsisch-böhmischen Grenze am Bahnhof eines einst mondänen Luftkurorts.

Der Vorverkauf für die Premieren startet am Freitag, dem 21. Mai 2021 um 10 Uhr. Karten für das Streaming von DAS BUCH DER UNRUHE sind bereits jetzt erhältlich.

Text: Gertrud Aringer

Leiterin Presse-und Öffentlichkeitsarbeit
Staatsschauspiel Dresden
Theaterstraße 2, 01067 Dresden
Telefon +49 351 4913 755
Fax          +49 351 4913 760

www.staatsschauspiel-dresden.de

Internetlesung: „Gottesquartett – Erzählungen eines Ausgewanderten“ mit Patrick Roth


Patrick Roth spricht über Träume, Umarmungen, das Unbewusste und liest aus „Gottesquartett – Erzählungen eines Ausgewanderten“

Das Literaturforum Dresden e.V. lädt in seiner Reihe Literarische Alphabete zur nächsten virtuellen Lesung am 20. Mai, um 19 Uhr ein.

Das Video: https://youtu.be/8-jQGREswbY

Der Tod seiner Therapeutin bewegt einen bekannten Schriftsteller dazu, nach Los Angeles zurückzufliegen, um an ihrer Gedenkfeier teilzunehmen. Im Gepäck hat er das Gottesquartett, vier fesselnde Erzählungen, die er ihr gewidmet hat. Während die Stadt von Bränden bedroht wird, liest und bespricht er die Texte im Kreis seiner Freunde. Patrick Roth inszeniert in seinem neuen Buch diese packende Rahmenhandlung rund um jene vier zentralen Erzählungen, die die Erfahrung biblischer Figuren wie Abraham, Samuel, Simson und Paulus bündeln. Auf brillante Art spürt Patrick Roth diesen Figuren nach, macht sie lebendig und weckt das Feuer, das in ihnen schlummert. Es geht dabei um menschliche Ur-Erfahrungen, um religiöse Suche, um brennende Sehnsucht – ein Meisterwerk! (Verlagstext Herder)

Patrick Roth, geb. 1953, lebt als Schriftsteller in Los Angeles und Mannheim. Er begann seine künstlerische Karriere in den USA als Regisseur und Drehbuchautor. Neben der filmjournalistischen Arbeit verfasste er Hörspiele und Theaterstücke, die er überwiegend selbst inszenierte. In den 1990er-Jahren wechselte er in die Prosa und entwickelte seinen charakteristischen Stil als Erzähler von biblisch-mythischen Stoffen. Für sein literarisches Schaffen wurde er vielfach geehrt (u. a. mit dem Preis der Stiftung Bibel und Kultur, dem Hugo-Ball-Preis, dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung und mit Poetikdozenturen an verschiedenen Universitäten). Seit 2007 ist er Resident Scholar des C. G. Jung Study Center of Southern California und Mitglied im Board of Directors. .

www.mythograph.de

Gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Landeshauptstadt Dresden und dem Amt für Kultur- und Denkmalschutz.

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Außerdem:

Unsere Lesung mit Muhō Nölke aus „Futter für Pferd und Esel: Das Dôgen-Lesebuch“ über Zazen, Meditation und Praxis  ist  weiterhin über unseren Youtube-Kanal abrufbar: https://www.youtube.com/watch?v=hVXvmudaxsA

Text: Patrick Beck

Ausstellung „Tiere und Menschen“ zum Gedenken an Hans Grundig in der Galerie Mitte


Beeindruckende Zeit-Bilder voller Licht und Schatten: Galeristin Karin Weber vor Radierungen von Hans Grundig.

Tiere die wie Menschen agieren und umgekehrt. Hier zwei Esel und Sturköpfe: „Sie sehen nicht – sie hören nicht“, so Grundigs Notiz unter dem Bild, das 1935 entstand.


Eindrucksvolle, schöne und schmerzliche Werkpaare von Lea und Hans Grundig vereint die Ausstellung in der Galerie Mitte. Die Aufnahme zeigt das Künstlerpaar am Tag ihrer Hochzeit im Jahr 1928.

Porträts von Lea und Hans Grundig und ein Doppelporträt von ihr mit ihm.
Titelbild der Ausstellung; ein weißes Pferd galoppiert „in den Abgrund“. Kaltnadelradierung von Hans Grundig von 1937.

Beeindruckende Sinnbilder zwischen Apokalypse
und Hoffnung

Intensiv, kraftvoll, witzig-grotesk und aufrüttelnd sind die Radierungen aus den 30er Jahren zum Gedenken an den 120. Geburtstag von Hans Grundig. Zu sehen sind sie mit Arbeiten seiner Frau Lea aus der Sammlung Maria Heiner in der Ausstellung „Tiere und Menschen“ in der Galerie Mitte in Dresden (noch bis 22. Mai).

Auf den ersten Blick wirkt es wie ein fliegendes Pferd. Doch es flieht mit wehender Mähne durch die Nacht. Auf seinem Rücken halten sich Menschen fest, andere fallen herunter. Das weiße Pferd galoppiert „In den Abgrund“ im gleichnamigen, albtraumhaften Titelbild der Ausstellung „Tiere und Menschen“ von Hans Grundig (1901 – 1958). Zum Gedenken an den 120. Geburtstag dieses großartigen Künstlers, einem Klassiker der sächsischen Kunst, sind derzeit Radierungen der 1930er Jahre von ihm sowie „Werkpaare“ zu gleicher Thematik von Hans und Lea Grundig aus der Sammlung Maria Heiner in der Galerie Mitte, Striesener Straße 49/1. Etage, zu sehen (noch bis 22. Mai).

Die Ausstellungseröffnung musste wegen des verlängerten Lockdown abgesagt werden. Die Sammlung entstand in einem Zeitraum von 50 Jahren, die zuletzt erworbenen Arbeiten “Das weiße Ross“ und „Kampf der Bären und Wölfe“ kamen 2019 aus dem Auktionshaus Griesebach hinzu. Maria Heiner, mittlerweile über 80 Jahre alt, hat sich seit Jahrzehnten mit dem Werk von Hans und Lea Grundig beschäftigt und betreut ihr Werkverzeichnis. Als Medizinstudentin lernte sie die Künstlerin 1962 bei einem Vortrag kennen und war befreundet mit Lea Grundig bis zu ihrem Tod 1977. Ihr Mann Hans Grundig starb bereits 57jährig 1958 an den Folgen en einer Tuberkuloseerkrankung infolge seiner KZ-Gefangenschaft.

“Beide Künstler haben sich entschieden, nicht das Land zu verlassen, sondern sich zur Wehr zu setzen mit ihren Arbeiten, die gegen Manipulation, Armut, Prostitution und Unmenschlichkeit offen Position beziehen“, sagt Galeristin Karin Weber. „Im Grunde war Hans Grundig ein Apokalyptiker und Visionär.“ Damit setzte er sich der Verfolgung durch die Gestapo aus, bekam Mal- und Berufsverbot und galt als „entarteter Künstler“ während des Nationalsozialismus. Seine Radierungen mit vielen Graunuancen und Schattierungen sind beeindruckende Spiegelbilder seiner Zeit, ausdrucksstark, prägnant im Strich und der Darstellung, faszinierend zeitlos und teils erschreckend aktuell. Seine Vorahnungen und das Grauen des Krieges hält Hans Grundig oft in Metaphern, Sinnbildern fest in seinen Arbeiten.

In Form von Tieren, die menschliche Verhaltensweisen zeigen. Da erscheinen Pferde als Verfolgte und Wölfe als Verfolger. Löwen verkörpern den Widerstand und ein Ameisenbär den Schnüffler. Da sitzen Hunde und Wölfe, angepflockt mit Maulkorb und ein Mann mit Pflaster vorm Mund als “Gefangene“. Zwei Esel stoßen die Köpfe gegeneinander. „Sie sehen nicht, sie hören nicht“, notierte Grundig unter dieser Radierung. Da hängen düstere Großstadtszenen neben deftigen Karikaturen, die an George Grosz erinnern. Mädchen auf der Straße. Naive Clowns mit Tuba und ein ausgedienter Soldat mit Leierkasten und Trommel auf dem Rücken. Häufchen hinterlassende Kleinbürger im „Irrgarten“, grotekse „Gesichte (Masken)“ und innige Liebespaare.

Der Ausstellungstitel  ist der Bilderserie “Tiere und Menschen“ aus der Autobiographie „Karneval und Aschermittwoch“ von Hans Grundig entnommen. Außerdem sind feinsinnige und expressive figürliche Arbeiten und Porträts Lea Grundigs von ihrem Mann und ihr sowie ein Doppelporträt des Künstlerpaars zu sehen. Berührend wie sein Werk ist auch die Lebensgeschichte des gebürtigen Dresdners Hans Grundig. Er und Lea lernten sich an der Dresdner Kunstakademie kennen. 1928 heirateten sie. Später ging sie als Jüdin nach Palästina. Nach Kriegsende kam sie zu ihm zurück, als er in der Tuberkuloseheilanstalt war. Später war Hans Grundig der erste Rektor der Dresdner Kunsthochschule und Lea Grundig die erste Professorin.

„Es wäre schön, wenn diese besondere Sammlung Interesse fände und übernommen werden könnte von der Städtischen Galerie für zeitgenössische Kunst im Stadtmuseum oder bei den Neuen Meistern im Albertinum“, hofft Galeristin Karin Weber. Zur Ausstellung „Tiere und Menschen“ in der Galerie Mitte  erschien ein Katalog (12 Euro). Ein Besuch ist mit vorheriger telefonischer Anmeldung unter der Telefonnummer: 0179 – 29 79 552 unter Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen möglich.

Text + Fotos (lv)

http://www.galerie-mitte.de

„Altes Eisen (Spielmann)“ von Hans Grundig, 1934

Neue Lyrik & BilderAlbum: Ausflug (Zwei Welten) & Die Natur führt sich auf – Wolkenspiele

Ausflug (Zwei Welten)
Für A.M.

Das Schloss hat geschlossen
sagt die lotsende Stimme im Auto
doch wir wollen draußen sein
über uns grandiose Wolkenschlösser
spiegelten sich im See

Wir liefen rund um den Teich
frische Waldluft umwehte uns
es roch fischig
große Baumwurzeln schlängelten am Boden
selbst der modderige Schlamm
fühlte sich großartig an unter den Füßen

vor und hinter uns Leute
im Entenmarsch
Wildgänse am Ufer paarweise
Motorradfrauen in schwarzer Kluft
die Helme abgelegt
eine Gans passte auf
dass ich ihren Jungen nicht
zu nahe kam
bevor sie ins Wasser sprang zu ihrer gelb
flaumigen Kükenschar
ich ihnen am liebsten hinterher
und beneidete die Wildgänse
wie sie frei umher schwammen

Wir redeten über die Liebe und
Männer die ich liebe dich sagen
nur um den anderen festzuhalten

in der Tierwelt geht es so einfach
alles intuitiv
unser Verstand steht uns oft im Weg
Wir hören zu viel wenig oder
gar nicht in Konkurrenz
mit dem Herz

wieder zuhause sortiere und streichle
ich die aufgesammelten Federn
kleine weißgraue mit Flaum lange schwarze
und erdbraune mit hellem Rand
sehe den offenen weiten Himmel
doch kann die Balkontür nicht öffnen
wegen der Katzen ohne sie auszuschließen

sie springen und klettern gern
die Kleine fiel schon hinunter
die Tierarztrechnung hält mich ab
es noch mal zu versuchen

meine Sicht- und die Bewegungsfreiheit
der Katzen steht auf dem Spiel
ein hohes Katzennetz vorm Balkon
schirmt sie ab und kapselt uns ab
von der Außenwelt

Was ist mehr wert
der Blick ins Freie oder
die Freiheit hinterm Netzvorhang

LV
15./16.5.2021


meine Miezen Lina & Jade im Wintergarten

Text + Fotos (lv)

WolkenSpiele folgen demnächst