
Oh du Fröhliche! Mit der weihnachtlichen Idylle ist es vorbei, als das Polizisten-Duo Blunt und Gobbel mit vermeintlich schlechten Nachrichten bei einem betagten Ehepaar am Vorabend des Heiligen Abend vor der Tür steht und alles außer Kontrolle gerät in einem Strudel aus Lügen und Missverständnissen. Foto: Robert Jentzsch
Rabenschwarzer Humor über Liebe und Scheinheiligkeit
Voll herzzerreißender Komik und Dramatik und abgründig doppelbödig erzählt, liegen Lachen und Grusel nah beieinander in der sehr britischen Komödie „Frohes Fest“ in der Comödie Dresden.
Lichterketten funkeln, ein Weihnachtskranz aus Tannengrün hängt an der Haustür und die Geschenke liegen verpackt vor dem Kamin. Doch mit der weihnachtlichen Besinnlichkeit ist es schlagartig vorbei, als zwei Polizisten dem betagten Ehepaar Corner am Vorweihnachtsabend mit vermeintlich schlechten Nachrichten einen Besuch abstatten. Das führt zu reichlich Turbulenzen und Missverständnissen im herzzerreißend komischen Stück „Frohes Fest“. Die very britische Komödie von Anthony Neilson hatte unlängst Premiere in der Comödie Dresden.
Zu Beginn stimmen fröhlich zünftige Dudelsackklänge mit dem Weihnachtsohrwurm „Last Christmas“ inmitten der vollzählig versammelten Familie Corner auf das Fest der Liebe ein. Einen Moment später steht das abwechselnd hartgesottene und weiche Polizistenduo Blunt (überängstlich: Marc Weinmann) und Gobbel (cool-poltrig: Manuela Wisbeck), zwei wie Dick und Doof, vor deren Wohnungstür und trauen sich weder zu klopfen noch zu klingeln. Sie verbergen ihre Angst, kämpfen mit sich, beschimpfen und beschuldigen sich gegenseitig und erfinden immer neue Ausreden, um nicht die schlechte Nachricht überbringen zu müssen bis die Tür von allein einfällt.
Miss Corner (gefasst und verwirrt: Ruth-Claire Lederle) wirkt als habe sie das Unglück schon geahnt und lässt kein gutes Haar an ihrem angeblich lieblosen Mann Balthasar (naiv-gutmütig: Carsten Linke, der auch als salbungsvoller Pfarrer mit pikantem Doppelleben erheitert), der mit Plätzchenblech dasteht und unerschütterlich gelassen versucht die Wogen zu glätten.
Für weiteren Aufruhr sorgt eine Frau im schicken, pinkfarbenen Kostüm von einer Initiative gegen Pädophile (schrill-verrückt: Ruth-Claire Lederle), die dem Polizistenduo auflauert und sie mit Elektroschocker traktiert, da sie ihr nichts über das Vorkommnis sagen dürfen. Mit ihrem eigenen Sohn Oscar (adrett-lebensfroh in einer Doppelrolle auch als Sohn der Corners: Moritz Häussler) geht sie alles andere als fein um, kalt und roh, während er verzweifelt seinen entlaufenen kleinen Schoßhund, sein Weihnachtsgeschenk, sucht. Der genau in dem Moment verschwand als das Polizistenduo auftauchte. Die beiden Ordnungshüter bringen es nicht übers Herz, der Familie die Wahrheit zu sagen über den vermeintlichen Unfall ihres Sohnes und verstricken sich immer mehr in ein absurdes Netz aus Lügen und verschlimmern die Situation damit nur. Nichts für zartbesaitete Gemüter ist diese rabenschwarze Komödie in der Regie von Thomas Heep mit sehr eigenem britischen Humor, voller Komik, Dramatik, ziemlich überdreht und dick auftgetragen und mit überraschenden Wendungen, über Liebe, Mitgefühl, familäre Geborgenheit und Scheinheiligkeit nicht nur zu Weihnachten. Viel Beifall gab es vom Premierenpublikum.
Text (lv)