Emotionsreich-witziges Spiel um Lust und Liebe, Schein und Sein, weiblich-männliche Gegensätze und die Sehnsucht nach Einssein. Foto: Sebastian Hoppe

Die Macht der Gefühle

Frisch, frech, aberwitzig und feinsinnig geht es um die Launen, Verrücktheiten und Verstrickungen der Liebe und Umkehrung gesellschaftlicher Mann-Frau-Rollenbilder in Shakespeares Komödie „Was Ihr wollt“ unter Regie von Simon Werdelis mit Studierenden des Schauspielstudios Dresden im Kleinen Haus.

Hinter einem weißem Gittervorhang tost das Meer im Videoeinspiel. Von schwarz-weißen Streifen wie Raster oder Strichcodes durchzogen ist auch die Spielfläche. Sie deuten auf das leidenschaftliche Spiel der Gegensätze, Polarität, Licht und Schatten in der Natur wie in menschlichen Beziehungen hin. Um die Macht der Gefühle, Liebe, Lust, Schein und Sein und Ent-Täuschung geht es in William Shakespeares bekannter und vielgespielter Komödie „Was Ihr wollt“. In einer Inszenierung mit Studierenden des Schauspielstudios Dresden unter Regie von Simon Werdelis kam die Geschichte in der deutschen Übersetzung von Jürgen Gosch und Angela Schanelec unlängst auf die Bühne im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Frisch, frech, witzig und feinsinnig, mit intensivem, ausdrucksreichen Körpertheater, wofür Simon Werdelis auch als Schauspieler bekannt ist, erzählt die Aufführung pünktlich zum  Frühlingserwachen von den Freuden, Launen und Verrücktheiten der Liebe, vom Verbandeln und den Verstrickungen und komischen Verwandlungen, die das stärkste aller Gefühle auslöst. Das Stück spielt mit Verkleidung und Verstellung, nimmt menschliche Eitelkeiten und Schwächen aufs Korn und kehrt gesellschaftliche Rollenbilder um. Die Unterschiede in den Geschlechterrollen, von Weiblichkeit und Männlichkeit werden aufgehoben, die Grenzen zwischen beiden verfließen. Das ist ebenso reizvoll wie provokant und streitbar inszeniert, mit mal leisen, melancholischen und flotten Klängen von David Kosel begleitet das bewegungsreiche Geschehen.

Die Figuren stehen anfangs wie erstarrt im Halbdunkel der Bühne. Eine Frau im weißen Rüschenkleid und dunklem durchsichtigem Schleier vorm Gesicht, neben ihr adrett mit weißer Schürze das Dienstmädchen und eine Frau mit hochgestecktem Haar im Businesskostüm. Eine Gestalt mit orangener Rettungsweste, kurzem Rock, Netzstrümpfen und Narrenkappe bricht durch den Vorhang und vor ihm liegt ein schwarzer, zappelnder Sack, aus dem ein Mensch steigt, halbnackt aus einer kleidähnlichen Hülle und mit schwarzer Korsage am Oberkörper, an Land gespült in der Fremde. Viola verkleidet als Cesario wird hier nicht von einer Frau gespielt. In der Inszenierung von Werdelis spielt ein Mann einen Mann, der behauptet eigentlich eine Frau zu sein. Damit sorgt er zusätzlich für ein Verwirrspiel der Gefühle, es geht um Identität, Eigenarten, innere Zwiespälte, Zerrissen sein und die Sehnsucht nach Einssein mit sich selbst und anderen Menschen. Man glaubt gern, was man sieht. Doch Ihr kriegt nicht immer, was Ihr wollt!, ruft der Narr zum Schluss spöttisch herausfordernd ins Publikum. Reichlich Beifall gab es für diese bilderstarke, zum Lachen und Nachdenken über menschliches Miteinander verführende Komödie.

Text (lv)

http://www.staatsshauspiel-dresden.de

Nächste Vorstellung: 21.3., 19.30 Uhr, Kleines Haus.