
Wer führt, wer verführt: „Lulu“ als Mann, gespielt von Simon Werdelis, erlebt alle Licht- und Schattenseiten des Begehrtwerdens. Foto: Sebastian Hoppe
Liebe am Abgrund
Intensives Körpertheater und reizvolle Blicke und Perspektivechsel auf Frau- und Mannsein verführen, schockieren und begeistern in der Inszenierung „Lulu“ von Frank Wedekind in der Regie von Daniela Löffner, die am Sonnabend Premiere im Schauspielhaus Dresden hatte.
Die Spiegelwand mit Blick ins Publikum wird mit schwarzer Farbe eingestrichen, davor tastet eine nackte Gestalt entlang mit den Händen, Gesicht und Körper färben sich hell und dunkel. „Lulu“ hinterlässt Abdrücke, Spuren bei jedem den sie anfasst, weckt Verlangen, Sehnsüchte und Leidenschaft. Begehrt, bewundert und geschmäht, weil sie keinem allein, nur sich selbst gehören will. Ein intensives Spiel mit Körper, Haut, Berührung, Verführen und Verführtwerden, purer Hingabe und käuflicher Liebe, Schönheit und Schamlosigkeit, ein Tanz auf dem Vulkan, der begeistert, aber auch ausgehalten werden will, ist diese dreistündige „Lulu“-Inszenierung von Frank Wedekind in der Regie von Daniela Löffner mit Simon Werdelis in der Hauptrolle, der sieben weiteren Schauspielern gehörig den Kopf verdreht mit mal verschmitzt jungenhaft grinsendem Charme, naiv liebenswertem, arglosen Wesen, Nähe und Geborgenheit suchend, kess, lebenshungrig, zart, fragil, verletzlich und offensichtlich zu schön und gut für diese Welt. Packendes, spannendes und berührendes Theater mit reizvollen Blicken und Perspektivwechseln auf Frau- und Mannsein, wenn die Grenzen von beiden verfließen und sie sich zeigen mit allen Licht- und Schattenseiten. Reichlich Beifall gab es zur Premiere am Sonnabend im Schauspielhaus Dresden.
Text (lv)
Mehr zur Aufführung demnächst.
http://www.staatsschauspiel-dresden.de
Nächste Aufführungen: 18.9., 19.30 Uhr; 1.10., 19 Uhr.