
Streitlustig & kraftprotzend: Zwei Räuberbanden bekämpfen sich hart und unerbittlich seit Jahren. Erst die Kinder Ronja und Birk überwinden den tiefen Spalt der Feindseligkeiten, helfen sich aus Gefahr, freunden sich an und versöhnen die Räuberhauptmänner in der zauberhaft urwüchsigen Inszenierung „Ronja Räubertochter“ im Schauspielhaus Dresden. Fotos: Sebastian Hoppe
Mutige Absage ans finstere Räuberleben
Mit viel Witz und Fantasie helfen Kinder die Kämpfe um die Mattisburg zu beenden im Stück „Ronja Räubertochter“ von Astrid Lindgren im Schauspielhaus Dresden.
Das Mädchen hat alles, wovon Kinder träumen: eine riesige Kletterburg und eine Höhle zum Spielen und Verkriechen. Außerdem sieht sie im Wald viele wundervolle Wesen und erlebt zusammen mit ihrem Freund Birk lustige und spannende Abenteuer. Davon erzählt „Ronja Räubertochter“ von Astrid Lindgren. Eine der beliebtesten Geschichten für Generationen von Kindern kommt jetzt auf die Bühne. In einer Bearbeitung von Christian Schönfelder hatte die diesjährige Inszenierung zur Weihnachtszeit für die ganze Familie unlängst Premiere im Schauspielhaus Dresden.
Vor leuchtend orangenem Hintergrund tauchen die Räuber zunächst wie von ferne im Schattenspiel auf. Sie spielen Donner und die Arme werden Flügel wie kreisende Raben, während die Mutter Lovis (liebevoll: Friederike Ott) ein Schlaflied für die kleine Ronja (eigensinnig-aufgeweckt: Henriette Hölzel) singt. Sie wird in einer Gewitternacht geboren und die Freude in der Räuberbande ist groß. Der alte Glatzen-Per (witzig-weise: Philipp Lux) wirft sie übermütig in die Luft und fängt sie wieder auf. Doch die Freude währt nicht lange. In jener Gewitternacht teilte ein Blitzschlag die Mattisburg, ihr Zuhause, in zwei Hälften. Den anderen Teil hat Mattis` Erzfeind Borka (cool-gelassen: Viktor Tremmel) mit seiner Räuberbande ungefragt bezogen. Das behagt Ronjas Vater Mattis (stur und stolz: Oliver Simon) gar nicht. Die beiden Banden bekämpfen sich erbittert seit vielen Jahren. Dem furchterregenden Höllenschlund darf Ronja sich nicht nähern. Doch sie umgeht das Verbot und begegnet dort Birk (sanftmütig: Moritz Spender), dem Sohn der verfeindeten Räuberbande.
Das wilde, harte und gefährliche Räuberdasein und das Leben mit der Natur zwischen Werden und Vergehen, Schönheit und Gefahren, Nehmen und Geben ist urwüchsig, fantasievoll und zauberhaft in Szene gesetzt begleitet von stimmungsvollen Gitarrenklängen, voller fröhlicher, komischer und trauriger Momente, die kleine wie große Zuschauer begeistern in dieser Aufführung unter Regie von Jan Gehler. Der Wald mit Bäumen sind bemalte, wehende Vorhänge im wechselnden Licht der Tages- und Jahreszeiten. Eine grüne, drehbare Spielfläche dient als Mattisburg mit Spalt und Höhlen, in denen die zwei Räuberbanden hausen. Sie tragen mittelalterliche und erdfarbene Sachen. Es geht rau und herzlich zu.
Mattis und Borka schimpfen, fluchen und spucken aus, fordern sich gegenseitig heraus, nennen die anderen „Hosenschisser“, was oft albern wirkt und viele Lacher auslöst. Klein-Klipp, der Spaßvogel (Holger Hübner) erheitert die Räuberfamilie Ronja, sie galoppieren, necken sich, spielen und löffeln zusammen Grütze. Manchmal singen sie auch urige Räuberlieder. Mit schwarz wirbeligem Haar, Fellweste, Stiefeln und Rucksack, oft auch barfuß, zieht Ronja umher im Wald und ihr begegnen wunderliche Wesen: Graugnome mit roten Augen, lustige Rumpelwichte mit großen Ohren und gruslige Wilddruden, schwarze Raubvögel mit spitzen Schnäbeln. Sie kommen nur dann, wenn sie Angst hat. Die erste Begegnung von Ronja und Birk verläuft abweisend und ruppig als sie hört, dass er zur anderen Räuberbande gehört. Doch dann springen beide mutig über den Spalt der Mattisburg, helfen sich gegenseitig und freunden sich an über alle Hindernisse hinweg. Sie merken, wie schnell ein Streit alles zerstören kann. Ronja will erst wieder nachhause kommen, wenn ihr Vater und sie und die Räuberbanden sich vertragen. Für Ronja und Birk ist klar, sie wollen später keine Räuber werden, nicht wenn die Leute wütend werden und weinen. Tosenden Beifall gab es vom Publikum für diese wunderbare, herzerfrischende und hoffnungsvolle Geschichte.
Text (lv)
http://www.staatsschauspiel-dresden.de
Nächste Termine: 21., 22.11., jeweils 19 Uhr im Schauspielhaus Dresden

Wunderliche, lustige Wesen im Wald: Rumpelwichte mit großen Ohren und piepsigen Stimmen begegnen Ronja im Wald. Aber auch gruslig gefährliche Wilddruden.