Wie Zauberer spielen, jonglieren und zeigen Ärzte und Klinikmitarbeiter all die Sorgen und Kunststücke aus ihrem Alltag in der Aufführung „Kritischer Zustand“ auf der Bürgerbühne im Kleinen Haus. Fotos (2): Sebastian Hoppe

Zauberkünstler aus dem Krankenhaus

Mit viel Spielfreude, Herzblut, Humor und Leidenschaft erzählt die Aufführung „Kritischer Zustand“ – eine Gesundheitsshow mit Klinikmitarbeiterinnen aus deren Alltag in einer Produktion der Bürgerbühne. Die Premiere war am vergangenen Sonnabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Sie können keine Wunder vollbringen, zaubern aber täglich, um Leben zu retten, den chronischen Personalmangel, Kostendruck und die Herausforderungen im Krankenhausalltag zu bewältigen. Davon erzählt die Inszenierung „Kritischer Zustand“ – eine Gesundheitsshow mit Klinikmitarbeiterinnen von Jonas Egloff und Emily Magorrian in einer Produktion der Bürgerbühne. Die Premiere war am Sonnabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Die Bühne ist wie im Varieté-Theater gestaltet, mit Behandlungskabinen mit zart violetten Vorhängen. Ein OP-Tisch dient als Spielfläche. Die Ärzte und Krankenpfleger treten auf wie Zauberkünstler mit Zylinder und schwarz schillernden Kostümen über weißen Shirts. Das wirkt zunächst befremdlich, ungewöhnlich und gewagt und steht im krassen Gegensatz zum wenig glamourösen Klinikalltag. Doch genau von diesem Kontrast lebt diese Aufführung. Mit viel Spielfreude, überraschendem Humor, Herzblut und Leidenschaft spielen, singen und tanzen die elf Akteure und bringen ihre eigenen Perspektiven und Erfahrungen aus der Klinik auf die Bühne. Anfangs fragt Pfleger Benjamin das Publikum besorgt, ob alle bequem und warm sitzen.

Per Knopfdruck beginnt die Show, werden die Protagonisten vorgestellt: Laura, die sehr agile und bewegliche Apothekerin; Anni, die engagierte Krankenschwester; die medizinisch-technische Assistentin Denise, die Messwerte und Befunde sichtbar macht; Simon vom ambulanten Pflegedienst. Offen und freimütig kommt in den Szenen und abgewandelten, bekannten Musical-Songs auf die Bühne, was sie bewegt, freut, aufregt hinter der äußeren Fassade: „Besuchszeit ist Showzeit, dann zeigen sich alle von der besten Seite…“ Sie erzählen von schönen und traurigen, dramatischen und hoffnungsvollen Momenten, wo es anders als im Theater tatsächlich um Leben und Tod geht.

Da ist der junge Arzt Fabian, der von der Angst vor Nadeln, Transfusionen und der Emphatie, die das besonders bei kleinen Patienten verlangt, einfühlsam spricht. Er holt einen Teddy hervor, der Himbeersaft bekommt, womit er ein leukämiekrankes Kind tröstete. Die Laborantin Eva erinnert sich an die Zeit, als sie noch selbst für die Blutabnahmen auf Station ging auch bei Sterbenden, die dankbar ihre Hand hielten. Eine Frau liegt mit gefesselten Händen auf dem OP-Tisch, verschwindet in einem Zauberkasten und taucht unversehrt wieder auf. Manchmal fühlt sie sich auch ausgeliefert, fremdbestimmt und hilflos. Wenn sie das Herz im Ultraschall sieht, ist es das größte Wunder für die Intensivmedizinerin und Oberärztin Julia. „Weil es so schön kraftvoll und selbstständig ist vom ersten bis letzten Lebenstag und noch mehr schlägt, wenn wir verliebt sind“, sagt sie. Herzergreifend ist ihre Geschichte einer jungen schwerkranken Patientin, die Bäckerin war und nicht mehr leben wollte. Wie die Ärztin hin und her gerissen zwischen Schmerz, Wut und Helfen wollen sie und ihre Familie bis zuletzt begleitete und einen würdevollen Abschied ermöglichte.

Sie hört auf dem OP-Tisch sitzend der Kinderkrankenpflegerin Claudia zu, die gerade noch von einer Mutter und ihrem kranken Baby erzählte und plötzlich selbst im Klinikbett liegt und ihr Kind sehen möchte, das keine Herztöne mehr hat. Die Zauberkünstler aus dem Krankenhaus trösten und machen sich gegenseitig Mut, zücken den Schminkpinsel, greifen ins Sägeblatt des Klinikbetriebs ein, gehen über Grenzen, erleiden überlastet Burnouts, springen im Galopp zu Can-Can-Klängen immer einsatzbereit, jonglieren mit Bällen wie Krankenfallzahlen, wedeln mit Geldscheinen für Krankheit als Geschäft und träumen davon, mehr Zeit und weniger schlaflose Nächte aus Sorge um ihre Patienten zu haben. Sie stehen trotzdem immer wieder auf und machen weiter, denn sie wissen: „Die Patienten erwarten keine Wunder und Magie, sondern einen menschlichen Umgang!“
Reichlich Beifall gab es für diese wunderbare, intensive und aufrüttelnde Gesundheitsshow.

Text (lv)

http://www.staatsschauspiel-dresden.de


Krankheiten können sie keine weg zaubern. Doch mit Mitgefühl & Fantasie kleinen Patienten ihre Ängste nehmen und ein Lächeln ins Gesicht zaubern.