

Ein Sammelsurium an nostalgischen, poetischen und geheimnisvollen Dingen & eine alte mechanische Schreibmaschine mit Papierband zum Hinterlassen der Eindrücke in der Ausstellung „Wunderhaft & Sonderschön“ in Dorfhain bei Freital.




Uriges Getier und menschliche Roboter
Ein Sammelsurium an natürlichen und künstlichen, seltsamen und seltenen Dingen zeigt derzeit die Ausstellung „Wunderhaft & Sonderschön“ mit Arbeiten von zwölf sächsischen Künstlerin in der Galerie „ArtToGo“ in Dorfhain.
Die Kunst strahlt in großen Lettern und vielen Farben bereits am Eingang der Ausstellung „Wunderhaft & Sonderschön“ – Fabelhaftes aus sächsischen Ateliers. Wortspielerisch, wundersam, sonderbar und besonders wie der Titel sind auch die Arbeiten von zwölf Künstlerinnen und Künstlern aus der Region in der Galerie ArtToGo der Georadostiftung in Dorfhain bei Freital.
Die opulente Schau versammelt Malerei, Grafik, Plastik, Objekte, Collagen, Assemblagen, Klanginstallation, Fotografie und Film. Ein Sammelsurium an nostalgischen, poetischen, wunderlichen, geheimnisvollen und modernen Dingen und Fundstücken in Setzkästen trifft da vieldeutig aufeinander. Rostiges neben Edlem, Morbides, Zartes, Zerbrechliches, Natürliches und Künstliches, Profanes und Seltenes. „Die Schau greift das Prinzip der Kunst- und Wunderkammern der Spätrenaissance und des Barock auf. Je nach Sammelleidenschaft trugen Könige, Fürsten, aber auch wohlhabende Kaufleute Objekte unterschiedlichster Herkunft und Bestimmung zusammen und präsentierten diese in sogenannten Raritäten- oder Kuriositätenkabinetten, mit denen sie ihr Herrschaftswissen demonstrierten und ihr Weltbild zeigten nebst Staun- und Gruseleffekt für die Betrachter“, sagt Olaf Stoy, Künstler, Kurator und Betreiber der Galerie ArtToGo.
Davon inspiriert können die Besucher in der Ausstellung insgesamt neun Wunderkammern voller staunenswerter Objekte auf einem Rundgang gegen den Uhrzeigersinn und gegen den Strich gebürstet entdecken. In einer Glasvitrine stehen Salzstreuer gefüllt mit Meersand, Muscheln, Seesternen und winzigem Getier und an Zwirnsfäden schwebende Federn und weiße Papierschiffchen, die Gabi Meissner zusammenstellte. Um sie herum liegen „Steinaugen“ von Simone A. Deutsch, „Augenstein“ und „Stein der Weisen“ von Olaf Stoy und darüber sieht man ein uraltes, mit Bandagen umhülltes Nashorn, nachgebildet von Kristof Grunert. Die „Babysphinx“ mit Puppenkopf und weißer Kappe stammt auch von Stoy. Türme aus Holz voller ineinander geschachtelter Treppenstufen und Leitern und einen drehenden Plattenspieler samt Musikern zeigt der Bildende Künstler und Bandmusiker Markus Lange. An der Wand hängt eine alte mechanische Schreibmaschine, aus der ein meterlanges Papierband in die Höhe ragt, auf der die Besucher ihre Eindrücke eintippen können.
Da steht ein wie aus Dominosteinen zusammengesetzter menschlicher Roboter namens „Herbert Phrygge“ von Moritz Wippermann. Lichtbilder auf Glas, die einen Erdhügel, zwei einsame Rotweingläser auf dem Tisch und das Wetter von morgen zeigen, installierte Robert Quentin. Uriges Getier wie eine Muttersau, einen Pelikan in Bronze gegossen und eine schwarze, rabenähnliche Figur mit spitzem Schnabel formte aus Gips Kristof Grunert. Blaue Vogelhäuser, eins davon in einem Käfig, ohne Gefiederte installierte Tobias Wolf in seinem „The B-E-R-D-Projekt“. Handgeknüpfte, wollene farbige Wandteppiche, mit denen ein altes Handwerk wieder auflebt, gestaltete die junge Künstlerin Nele Wippermann. Von ihr stammt auch das im Raum schwebende Hockerobjekt mit magischem Auge „Saurons Mutter“. Gegenüber ist eine kantige Konstruktion aus 13 gestapelten Metallplatten mit dem Titel „1 aus 13“ und die an ein Schiff erinnernde „Kleckerburg Olé“ von Robert Frenzel, Dozent für Theaterplastik an der Dresdner Kunsthochschule zu sehen. Per Knopfdruck bewegen sich die Installationen. “Das ist ein basisdemokratisches Modell. Sobald die Basis in Bewegung gerät, muss der Überbau reagieren, sonst bricht er zusammen“, sagt Olaf Stoy zu dem feinverstrebten Kunstobjekt. Davor stand auch schon der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer.
„Ich war überrascht von seinem Besuch und hättte nicht gedacht, dass er zur Kunst kommt“, so Stoy. Vorher sei er zu einer Bürgersprechstunde zusammen mit dem Landrat der Sächsischen Schweiz/Osterzgebirge in Dorfhain gewesen. Kretschmer habe sich sehr interessiert gezeigt in der Ausstellung und schrieb ins Gästebuch, dass er sehr gern wiederkommt. Neben schräg bunten Vögeln sind in einer Vitrine Erinnerungen aus dem Familienfotoalbum von Annett Stoy, fröhlich-witzig inszenierte Szenen in Konservendosen „Am Meer“ und ein Bild als Reminiszenz an den großen Landschaftsmaler Caspar David Friedrich versammelt.
Die Ausstellung ist noch bis 20. September in der Galerie ArtToGo zu sehen. Hier gibt es außerdem ein Sommerkonzert mit Swing und Jazz mit dem Trio Nuages und Doublewood und Livepainting mit dem Maler und Grafiker Frank-Ole Haake am 24. August, 19 Uhr im Hof des Georado (bei schlechtem Wettter im Bistro).
Text + Fotos (lv)
Besuch der Ausstellung und Führungen (ab sechs Personen) sind nach Anmeldung per mail möglich an: post@georado.de







„Ein basisdemokratisches Modell“, nennt Olaf Stoy das feinverstrebte Kunstobjekt von Robert Frenzel.





Inmitten seiner eigenen Arbeiten im Ausstellungsraum neben der Galerie ArtToGo: der Künstler Olaf Stoy.


Farb- und zeichenreich bemalte Fassade des Galeriegebäudes der Georado-Stiftung in Dorfhain.































































































