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Kategorien-Archiv: Theater

Romantischer Gruselabend „Von einem, der auszog das Fürchten zu lernen“ im Tom Pauls Theater Pirna

14 Donnerstag Nov 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Musik, Projekte, Theater, Zwischenmenschliches

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In eine düster romantische Welt voller Geister, Geheimnisse & Wunderbarem entführen mit Spiel, Gesang und sphärischen Klängen Tom Pauls und die Musiker des Freddie Ommitzsch Studio Ensemble in ihrem Gruselmärchenabend frei nach Grimm im Tom Pauls Theater Pirna. Foto: Siegfried Michael Wagner

Von der Sehnsucht, die Angst zu verlieren

Im romantischen Gruselabend frei nach Grimm wandern Tom Pauls und Ensemble zu düsterkomisch sphärischen Klängen durch die Gefilde des Geheimnisvollen und Magischen in seinem Theater in Pirna.

Es wird kein lustiger Abend, sagt Tom Pauls gleich zu Beginn seines neuen Programms. Schließlich kommen darin Geister, Irrlichter und Untote aller Art vor im Gruselmärchen „Von einem, der auszog das Fürchten zu lernen“ der Gebrüder Grimm, das mit Pauls und dem Freddie-Ommitzsch-Studio-Ensemble neu erzählt auf die Bühne kam am Mittwochabend im Tom Pauls Theater in Pirna. Vor vollen Rängen zogen der Komödiant und die anderen Darsteller alle Register mit Musik, Gesang und Spiel und ließen dabei nichts aus im Wechsel von Licht und Dunkel, schaurigen Gruseleffekten und romantischen Szenen mit bekannten Volks- und Wanderliedern.

Jedem gruselts vor etwas, dem einen vor seiner Frau oder vor der Regierung in Berlin, so Pauls. Dem anderen vor dem neblig trüben Novemberwetter. „Man sieht und hört nischd mehr!“ Während er aus dem Märchenbuch vorlas und erzählte, steckten seine Söhne Maximilian, Felix und Konstantin Pauls nacheinander, neugierig lauschend die Köpfe durch den roten Vorhang, denen er als sie noch klein waren auch oft Märchen vorlas. Pauls führte als Erzähler und in allen Rollen, mit ernster Miene und schelmisch ironischen Unterton, mal sachlicher, hoher und tiefer Stimme, erschrocken oder Schrecken einjagend, zögernd oder vorpreschend, raunend, zischelnd oder schallend lachend, herzhaft, wehmütig, still und aufbrausend in eine rätselhaft undurchschaubare Welt, die sich mit Seeelenzuständen wie Angst, Tod und Trauer beschäftigt. Das Motiv der Furcht wird variantenreich durchgespielt. Tom Pauls sieht es als Gleichnis für das „angstdurchzogene Lebensgefühl heutiger Menschen.“ Und spürt mit seinem romantischen Gruselbabend frei nach Grimm, neu erzählt von Autor Mario Süßenguth und inszeniert einschließlich Choreografie von Irina Pauls, dem romantischen Lebensgefühl zu Lebzeiten von Caspar David Friedrich nach.

In diesem Jahr seines 250. Geburtstages und inspiriert von Friedrich als herausragendem Maler von Licht und Atmosphäre und als Vorreiter der Moderne, nehmen Pauls und Ensemble dies zum Anlass für eine stimmungsreiche, märchenhaft-musikalische Wanderung in die Gefilde des Geheimnisvollen, Magischen, Wunderbaren, kontrastiert mit der rational nüchternen Suche nach dem unterschwelligen Gefühl der Angst. Da wechseln lyrische, mehrstimmige Männerchöre mit Melodien von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Carl Maria von Weber und sphärische, geisterhafte und moderne Klänge, komponiert von Konstantin Pauls. Am Klavier begleitet und die musikalische Bearbeitung der Chöre hat Benjamin Rietz inne. Tom Pauls trägt ein weißes Hemd und Kniebundhosen wie ein Wanderbursche und fragt sich als Hauptfigur Hans in der Geschichte immer wieder, was es wohl mit dem Gruseln auf sich habe und seufzt laut: „Ach, wenn`s mich nur gruselte!“ Das klingt komisch und traurig zugleich, als wäre dies der Schlüssel zu einer anderen, ihm verborgenen Welt, als lebe er in einer Art Dämmerzustand. Das Getöse, Geister ohne Kopf und Stimmengewirr um ihn herum sieht er, doch es berührt ihn nicht.

Der furchtlose Hans weiß nichts von Leid und Schmerz, das er anderen Lebewesen zufügt, wenn er mit Stöcken Vögel tot schlägt, Katzen peinigt oder Fliegen die Beine ausreißt. Den Pfarrer hält Hans im Dunklen für einen Spitzbuben und stößt ihn die Treppe hinunter. Sein Vater schickt den ungehobelten Taugenichts daraufhin hinaus in die Welt, um das Fürchten zu lernen. In einem verwunschenen Schloss übernachtet Hans drei Nächte lang, erlebt ungerührt allerlei Geisterspuk. Gruslig-komischer Höhepunkt dabei, wie die Männer in dunklen Kutten weiße Totenköpfe halten, hochwerfen, tanzen und damit kegeln zu hämmernden Technoklängen. Als Belohnung für seine Unerschrockenheit erhält Hans die Königstochter.

Mit dem Gruseln ist es wie mit dem Verlieben. Es geschieht einfach oder eben nicht. Auf der Hochzeitsfeier zur Geisterstunde, beim Auftritt einer Kapelle mit Schlagersänger in goldener Glitzerjacke und blondem Haar und seinem geschmachteten „Alles was du willst“ packt Hans plötzlich das Gruseln, hält er sich die Ohren zu mit leidender Miene. Nichts geht über echtes Gefühl, tief aus dem Inneren. Reichlich Applaus gab es für diesen romantischen Gruselabend mit Tom Pauls und Ensemble. Die Vorstellungen gestern und an diesem Freitagabend sind schon ausverkauft. Mit etwas Glück gibt es noch Restkarten an der Abendkasse, die 18.30 Uhr öffnet, sagt Kerstin Kochan vom Tom Pauls-Theater. Ab Mai 2025 steht der Gruselabend dort wieder im Spielplan.

Text + Fotos (3) (lv)

Weitere Spielplan-Infos:
http://www.tom-pauls-theater.de

Unter dem Titel „Wandergefährten“ gibt es zum 250. Geburtstag von Caspar David Friedrich auch eine Ausstellung mit Landschafts-Bildern aus seiner Zeit im Tom Pauls Theater in Pirna zu sehen.

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Premiere „Die Schneekönigin“ von Hans Christian Andersen im Schauspielhaus Dresden

12 Dienstag Nov 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Theater, Zwischenmenschliches

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Kalter Glanz & Herzen, die zu Eis gefrieren: Die Schneekönigin (Christine Hoppe) entführt Kay (Jakob Fließ) in ihr blendend weißes Reich der Eiseskälte und der Märchenerzähler Hans Christian (Paul Kutzner) bangt mit ihm in der diesjährigen Märchenaufführung zur Weihnachtszeit für kleine und große Zuschauer im Schauspielhaus Dresden. Foto: Sebastian Hoppe

Zauberhafte Reise in eine kalte Glitzerwelt

Vor einem großen Spiegelrund, abwechselnd in warmes und kaltes Licht getaucht, umgeben von spitzen Eissplittern und einer fantasievoll farbenfrohen Figurenschar hatte das Märchen von Hans-Christian Andersen am Sonnabend im Schauspielhaus Dresden Premiere.

Gerade im schönsten, funkelnden Flockenreigen fliegt die kalte Herrscherin am Fenster vorbei und alles ringsum erstarrt. In ihre Welt aus blendendem, blinkendem Eis entführt „Die Schneekönigin“ in dem bekannten Märchen von Hans Christian Andersen den Jungen Kay und sein Herz gefriert zu einem Eisklumpen. Seine Freundin Gerda macht sich auf die Suche nach ihm und erlebt auf ihrer Reise an den Nordpol viele wundersame und gefährliche Abenteuer. Die Premiere der diesjährigen Märchenaufführung zur Weihnachtszeit für die ganze Familie war am vergangenen Sonnabend im Schauspielhaus Dresden.

Der große dänische Dichter Andersen (Paul Kutzner) begleitet in dunklem Anzug und Regenschirm die Zuschauer mit kindlichem Stauneblick durch die traumhaft geheimnisvolle Märchenwelt in dieser Inszenierung unter Regie von Nora Bussenius. Er taucht auch als gewitzt-kluger Krähenmann und Waldtaube auf, die Gerda den Weg weisen. Gebannt hören die Kinder von der Großmutter (gutmütig-beherzt: Anna-Katharina Muck, die auch als Blumenfrau, Räubermutter und Finnin urkomisch herausragt) die Geschichte von dem Spiegel, der im Gerangel zwischen Engeln und Teufel in unzählige Teile zersplittert vom Himmel auf die Erde fiel und wenn die Splitter in die Augen oder sogar ins Herz der Menschen gelangen, verkehren sich alle guten Eigenschaften ins Gegenteil, treten Hässliches und Böses besonders hervor. So ergeht es auch Kai (sanft und rau: Jakob Fließ, der auch als Prinz und Rose zu sehen ist), der gerade noch scherzte, dass er die Schneekönigin auf den Ofen setzen und schmelzen würde und seine Freundin Gerda liebevoll Huckepack trägt, als die ersten Schneeflocken schweben.

Die Großmutter weigert sich, ihren auch im Winter blühenden Rosenstrauch einem kalten Geschäftsmann (Sven Hönig, der außerdem als Krähendame, Feuerlilie und Waldtaube erheitert) zu verkaufen. Kurz darauf schneidet eine Spiegelscherbe Kay ins Auge und Herz, ist er wie umgewandelt, redet nur noch grob und verächtlich über die Rosen, Gerda und sieht nichts Schönes mehr. Er bindet seinen Schlitten an den großen Schlitten der Schneekönigin und fliegt mit ihr durch die dunkle Winternacht in ihr eisiges Reich. Die Dame im weiß glitzernden Mantel mit Kapuze und spitzer Eiszapfenkrone (kühl-arrogant mit unnahbar hallender Stimme: Christine Hoppe) küsst Kay auf die Stirn. Nun friert und fühlt er nichts mehr. Das Bühnenbild ist karg und modern gestaltet. Als Spielfläche dient ein großer Erdkreis in der Bühnenmitte, der mal in sonnigen, frühlingshaften und winterlichen Farben leuchtet und mal die Nordlichter. Dahinter kreisen wie in einem Spiegel mal die Schwalben und mal schattenhafte Nachtgestalten in Videobildern (Gary Hurst).

Ringsherum ragen große, spiegelglatte Eissplitter, die das Reich der Eiskönigin umgeben. Die Schauspieler spielen und singen fast durchweg in mehreren Rollen und bezaubern mit wandlungsreicher Spielfreude, mal lustigen, komischen und traurigen Szenen, zauberhaften Klängen und abwechselnd weißen und farbenfroh fantasievollen Kostümen. Gerda (aufgeweckt und mutig: Pauline Georgieva, Studentin vom Schauspielstudio Dresden) zieht allein und Hand in Hand mit ihrem Spiegelbild (Gisela de Paz Solvas) los, um Kay wiederzufinden und begegnet auf ihrer Reise vielen illustren Menschen und Tieren, die ihr weiterhelfen, wie die sprechenden Blumen, das flippige Prinzenpaar schenkt eine Kutsche, das aufmüpfige und gutmütige Räubermädchen (Kaya Loewe) gibt Gerda ihr liebes, altes Rentier Bä (anrührend: Thomas Eisen) als Reisebegleiter mit nach Lappland.

Wundervoll die Szene wie er als silbergraues Rentier mit stattlichem Geweih glücklich über die lang ersehnte Freiheit hoch am Sternenhimmel schwebt gemeinam mit Gerda. Sie findet Kai im Eispalast, der gerade dabei ist aus Eisstücken das Wort der Worte zusammenzusetzen. Dann will die Schneekönigin ihm die ganze Welt und neue Schlittschuhe schenken. Doch erst Gerdas Tränen tauen sein kaltes Herz wieder auf und er wundert sich wie er es in dieser Kälte ausgehalten hat. Herzlichen Beifall und viele Bravos gab es für diese zauberhafte Geschichte über Liebe, Mitgefühl und Verbundenheit zwischen Menschen und Natur, die stärker sind als kalter Glanz und Gleichgültigkeit auf der Welt.

Text + Fotos (lv)

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

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Eröffnungsgala: 39. Internationale Pantomime Festival Dresden

09 Samstag Nov 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Projekte, Theater

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Mit oder ohne rote Nase. Die Pantomime-Kunst hat immer noch viele Fans von jung bis älter, die in vielen Spielarten wieder zu erleben ist beim, diesjährigen Internationalen Pantomime Festival in Dresden.


Wenn einem der Blätterwald & Nachrichtenflut über den Kopf wächst. Davon erzählt einfallsreich und komisch das Stück „News“  der 044 Mime Company aus der Ukraine.
Romantische Begegnung voller Reiz & Widersprüche, Licht und Schatten: das Mime-Paar Mangano-Massip beeindruckte wieder mit bilderreichem, vieldeutigen Körpertheater. Die Szenen entstanden zusammen mit Workshop-Teinehmern beim Pantomime-Festival.

Absurd-abgründige Pantomime zeigten Akteure vom Mimenstudio Dresden in Szenen aus Kafkas „Der Prozess“.

Von der Kunst, Geschichten mit dem Körper zu erzählen

Mit vielsagender Mimik, Gestik und Körpersprache faszinieren, begeistern, berühren und regen sie ihr Publikum zum Nachdenken an – Mimekünstler aus Tschechien, der Ukraine, Russland und Deutschland sind dabei an diesem Wochenende beim 39. Internationalen Pantomime Festival Dresden. Die Eröffnungsgala war vor vollen Rängen am Mittwochabend im Theaterhaus Rudi in Dresden-Pieschen.

Ein Mann steht auf der Bühne, sieht sich verstohlen nach allen Seiten um, nach oben und unten. Als stünde da noch mehr oder anderes als in der Zeitung, die er in den Händen hält. Eine Frau kommt dazu und liest bei ihm mit. Ein Mann im karierten Jackett liest und lacht schallend. Worüber? Über Lustiges oder Unglaubliches?
Lachen ist ansteckend, egal worum es geht. Und die Mimik und Reaktionen des Lesers sagen viel über das Gelesene. Da bewegen und kämpfen sich die drei Pantomimen mit den Zeitungsseiten durch einen schier endlosen Nachrichtendschungel, den sie wie ein langes Band hinter sich herziehen, vor den Kopf halten, darin vergraben, sich verknäulen. Die Welt der täglichen Nachrichtenflut und welche Auswirkungen sie auf uns hat, zeigten mit Szenen aus ihrem Stück „News“ eindrucksvoll, einfallsreich, überaus komisch und vieldeutig die Pantomimen der „044 Mime Company“ aus der Ukraine und derzeit in den Niederlanden lebend bei  der Eröffnungsgala des 39.  Internationalen Pantomime Festival Dresden am Mittwochabend im Theaterhaus Rudi, Fechnerstraße 2a im Stadtteil Pieschen. Der Zuschauerraum war erfreulich voll.

Zu erleben waren Ausschnitte aus den Vorstellungen mit den Mimekünstlern aus der Ukraine, Tschechien, Russland und Deutschland, die noch bis Sonntag zu erleben sind. Die Kunst der Stille, wie Marcel Marceau, einer der großen Mimekünstler aus Frankreich, die Pantomimekunst einmal nannte, mit der er die Menschen in der Tiefe ihrer Seele berühren wollte und dies bis zu seinem Lebensende wundervoll tat, fasziniert bis heute das Publikum. In aller Bandbreite von klassischer Pantomime, Körpertheater bis Ausdruckstanz, Clownerie und Slapstick kam sie auf die Bühne am Eröffnungsabend und während des Festivals, so dass kleine wie große Zuschauer ihre Freude daran haben. Das Pantomime-Paar Sarah Mangano und Pierre-Yves Massip aus Frankreich aus der Schule von Marcel Marceau, die ihn noch persönlich kannten, waren vor zwei Jahren erstmals beim Pantomime-Festival in Dresden und beeindruckten auch diesmal wieder mit ihrer Performance. Sie zeigten Szenen aus einem Workshop-Wochenende mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die sich in der Kunst ohne Worte ausprobieren konnten.

Mangano-Massip arbeiten mit der „Dramatik der Bewegungen, die unser tägliches Leben mit allen Höhen und Tiefen widerspiegeln.“  Vor einer leuchtenden Laterne, an der eine gelbe Jacke hängt, steht eine Frau im blauen Kleid, legt ihre Hand ins Gesicht als suche sie Halt und setzt sich auf eine Bank. Ein Mann liegt darunter. Beide liegen und bewegen sich auf und unter der Bank entlang synchron zu leise, traumhaften Klängen. Bald sitzt er bei ihr, hinter ihr. In mal ruhigen, versunkenen und innigen, mal aufspringenden, spannungsvollen Bewegungen und Gesten im Wechsel von leisen und schnellen, rythmischen Klängen zeigten sie ein Liebespaar zwischen Gehen und Bleiben, Nähe, Zärtlichkeit, Halten und Freisein und bekamen viel Beifall für ihrer berührende, ausdrucksreiche Momentaufnahme einer Beziehung.

Mit einer Szene aus Kafkas „Der Prozess“ überraschten und begeisterten die gastgebenden Akteure des Mimenstudio Dresden e.V. unter der Leitung von Pantomime-Urgestein Ralf Herzog. Die Hälfte der Gruppe ist erst wenige Wochen dabei. Geprobt wird immer dienstags 19 Uhr. Neue Mitakteure sind dem Mimenstdudio Dresden willkommen, warb Michael Meinel, selbst begeisterter Mime und Mitorganisator des Pantomime-Festivals. Sechs Darsteller in schwarzen Sachen agieren mit monotonen, gleichförmigen Bewegungen, lassen sich umher dirigieren von einem Anführer zu mal leisen, mal rockigen, düsteren und unheimlichen Klängen und fallen um wie in einem dunklen Traum. Viel Beifall bekamen sie für ihr kafkaeskes Spiel.

Die Mimekünstlerin Aneta Alexsandra Anisimova aus der Ukraine erzählte emotionsreich fesselnd und bewegend, verletzlich und kraftvoll ihre eigene Geschichte, von ihrer Hin und Hergerissenheit ausgelöst durch den Krieg, ihr Land, Familie und den Liebsten zu verlassen und in der Fremde ein neues Leben zu beginnen. Ihr Stück „Peace inside us“, das fragt wie man die Lebenskraft bewahren kann in einer Zeit wie dieser und die innere Welt heilt, ist am Sonntag, dem 10.11., 10 Uhr in einer Doppelvorstellung mit „News“ der 044 Mime Company im Theaterhaus Rudi zu sehen. Mit Kaffee & Kuchen und der Möglichkeit zum Gespräch mit den Mimekünstlern nach der Vorstellung. Heute am Sa., 9.11.,18 Uhr kommt „Kuku“, eine witzig-skurrile Geschichte über einen Kuckuck und den Kuckucksuhrbesitzer als Familienvorstellung auf die Bühne. Zum Ausklang des Festivals am Sonntag, 18 Uhr hat die Performance „Durch den Spiegel“, die das DerevoArtHouse präsentiert nach fünf Tagen intensiver Proben mit internationalen Teilnehmern des Creative Lab mit Anton Adasinskiy,  Premiere im Theaterhaus Rudi.
Im Foyer dort ist auch eine interessante Ausstellung zur Geschichte der Pantomime in Europa mit Schautafeln in Wort und Bild zu sehen. Erinnert wird auch an das Schaffen des in diesem Jahr verstorbenen Mimekünstlers Nils-Zdenek Kühn. Er war 37 Jahre lang Schulleiter der ETAGE Schule für Darstellende Künste, Fine Arts e.V. in Berlin und Leiter der Abteilung Pantomime und Körpertheater. Im Jahr 2013 war er Gründungsmitglied der FEM – Federation of European Mime. Außerdem wird in der Ausstellung der „Pantomimevater Dresdens“ Ralf Herzog mit seinem Wirken gewürdig, der die Mimekultur in Dresen aufbaute, 1982 das Pantomime-Festival in Dresden gründete zusammen mit Rainer Petrovsky, 1992 die Mimenbühne Dresden gründete und 1999 den Verein Mimenstudio Dresden e.V. als deren Träger. Für seine Verdienste wurde Ralf Herzog bei der Eröffnungsgala des diesjährigen Pantomime-Festivals mit den „Golden Hands“, goldenen Handschuhen, dem Special WMO Award der weltweiten Mimen-Organisation ausgezeichnet. Er kann auf 45 Jahre Bühnenarbeit zurückblicken und denkt noch nicht ans Aufhören.

Text + Fotos (lv)

http://www.mimedresden.de

Pantomime-Urgestein, Künstler, Festival-Gründer, Ausbilder, Mimograf, Regisseur & langjähriger künstlerischer Leiter des Ensembles „Mimenbühne Dresden“ von 1992 bis 2018: Ralf Herzog (1952 in Dresden geboren) zeigt die Ehrenurkunde und seine Auszeichnung „Golden Hands“ bei der Eröffnungsgala des 39. Internationalen Pantomime Festivals in Dresden. Durch das Programm führte Michael Meinel vom Mimenstudio Dresden.

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Kunst ohne Worte in allen Spielarten lockt wieder beim 39. Internationalen Pantomime Festival Dresden

03 Sonntag Nov 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Kultur, Lebensart, Projekte, Theater, Zwischenmenschliches

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Clownerie mit dem Bewohner einer Kuckucksuhr und ihrem Besitzer.
Kuku, 9.11., 18 Uhr, Familienvorstellung mit Anatoli Akerman & Christoph Schiele. Foto N. Milatovic


„flying kuku“, 9.11., 18 Uhr. Foto: D. Shakin


„Mime on the Moon“, 8.11., 19 Uhr mit Radim Vizváry aus Tschechien.

Slapstick, Clownerie und Tragikomik entführen in die faszinierende Welt der Pantomime

Vom 6. bis 10.November 24 findet das 39. Internationale Pantomime Theater Festival Dresden im Theaterhaus Rudi, Fechnerstraße 2a statt. Der Mitbegründer des Festivals und  „Vater der Pantomime“ in Dresden, Ralf Herzog wird für seine Verdienste geehrt bei der Eröffnungsgala am kommenden Mittwoch.

Eine wunderbare Dresdner Tradition nimmt Anlauf auf den 40. Geburtstag im nächsten Jahr: Das Internationale PantomimeTheaterFestival Dresden findet vom 6. bis zum 10. November 2024 bereits zum 39. Mal statt. Künstler und Ensembles aus Deutschland, Tschechien, Frankreich, Österreich und der Ukraine laden zu sechs Vorstellungen in das Theaterhaus Rudi ein. So vielfältig, wie die Spielarten des Bewegungstheaters sind, so breit gefächert ist das Programm. Ein schräges Nummernprogramm mit Slapstick und Comedy ist ebenso dabei wie komisch-tragische Clownerie, klassische und zeitgenössische Spielarten der Pantomime und Performances in Verbindung mit ausdrucksstarken Tanzelementen.

„Pantomime ist die Basis für viele künstlerischen Ausdrucksformen und erzählt mit Mimik und Körpersprache wunderbare emotionale Geschichten“, so Michael Meinel, Vorsitzender des Vereins Mimenstudio Dresden, welcher das Festival mit viel Herzblut im Ehrenamt auf die Beine stellt. „Ob zum Lachen, zum Nachdenken oder als inspirierende Reise in die Phantasie – das Festival hat viele Facetten und das auf sehr hohem künstlerischem Niveau.“

Die Eröffnungsgala am Mittwoch zeigt Ausschnitte aus den Shows des Festivals

Den Auftakt des Festivals bildet traditionell die Eröffnungsgala am 6. November. Hier zeigen die bereits angereisten Künstler Auszüge aus ihren Shows. Das Galaprogramm gestalten das Duo Diagonal aus Deutschland, die 044 Mime Company und Anetta Anisimova aus der Ukraine, die Franzosen Mangano & Massip und ihre Werkstatt-Teilnehmer und das Derevo Creative Lab aus Deutschland. Außerdem zeigen die gastgebenden Akteure des Mimenstudio Dresden e.V. eine Etüde zu „Kafka – der Prozess“, die sie im offenen Pantomimekurs unter Regie von Ralf Herzog derzeit erarbeiten.

Die einzelnen Vorstellungen bedienen ein breites künstlerisches Spektrum

Am Donnerstag kann man über das Jubiläumsprogramm des Duo Diagonal herzlich lachen. Seit 25 Jahren verbinden Deana und Holger Ehrich Comedy, Mime, Tanz und Slapstick und lassen hintergründigen Witz auf gekonnten Unfug treffen. Am Freitag ist Radim Vizvary aus Tschechien zu Gast, einer der angesehensten Vertreter der zeitgenössischen Pantomime in Europa. In „Mime on the Moon“ erzählt er von einer Flucht aus einer Welt, die von Perfektion besessen ist. Das Publikum erwartet ein poetisches Spiel auf einem hohen mimisch-künstlerischen Niveau.

Clownerie der alten Schule wird in der Vorstellung „kuku“ am Samstag gezeigt. Sie beginnt bereits 18 Uhr und richtet sich an Familien mit Kindern ab sechs Jahren. Hier geht es um den Bewohner einer Kuckucksuhr und den Besitzer jener Uhr, die zusammen wunderbare tragisch-komische Momente erleben, aber auch Absurdes und hinreißend Fröhliches. Am Sonntagvormittag zeigen Künstler aus der Ukraine eine Doppelvorstellung und laden im Anschluss zu Kaffee und Kuchen und Gesprächen ein. Die 044 Company beschäftigt sich in ihrem Stück „News“ mit der Nachrichtenflut und ihrem Einfluss – Was ist wahr und was ist falsch? Die Künstler pflegen die Kunst der klassischen Pantomime und spiegeln die verschiedenen Charaktere in ihrem Stück sowohl auf groteske als auch komödiantische Weise.

„Peace inside us“ titelt im Anschluss die Solo-Performance mit Anetta Aleksandra
Animisova. Die Künstlerin hat sie während des Krieges nach ihrer eigenen Geschichte entwickelt und kommt zum Credo: “Wenn jeder im Inneren Frieden schafft, wird es auf der ganzen Welt Frieden geben“. Am Sonntagabend kann man eine Premiere mit Anton Adasinskij und Derevo erleben. Die deutsch-russische Company veranstaltet parallel zum Festival einen fünftägigen „DerevoArtHouse Pantomime Creative Lab“ und präsentiert mit den internationalen Teilnehmern das Ergebnis – eine Performance mit dem Titel „Durch den Spiegel“.

Workshops sind ein wichtiger Teil des Festivals – noch gibt es freie Plätze

Am Wochenende vor dem Festival (am 2./3.11.) konnte man im Projekttheater einen 10-stündigen Workshop mit Mangano-Massip aus Frankreich besuchen, Schüler des berühmten Pantomimen Marcel Marceau. Sara Mangano und Pierre-Yves Massip waren 2022 mit zwei eigenen Stücken Gäste des Festivals. In diesem Jahr sind sie als Dozenten für die offene Werkstatt dabei, die Neugierige, Amateure und professionelle Künstler einlädt, das Medium Pantomime kennenzulernen oder ihre Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern.

Ein weiterer Workshop findet während des Festivals statt. Am Samstag von 10 bis 12 Uhr führt Anetta Aleksandra Animisova im Projekttheater Amateure und Profis in die Grundlagen mimischer Körpertechniken und des Improvisierens ein. Die Teilnahme kostet 10 Euro. „Die Workshops und der fachliche Austausch unter den internationalen Künstlern sind von jeher ein ganz wesentlicher Teil und eine Besonderheit im Vergleich zu anderen Festivals“, betont Michael Meinel. „Dieser Austausch ist neben der familiären Atmosphäre beim Festival einer der wichtigsten Gründe, dass sich Künstler aus aller Welt für die Teilnahme bewerben. Auch wir als Gastgeber nehmen jedes Jahr neue Impulse für das vielfältige Genre der „Kunst ohne Worte“ mit.“

Die Ausstellung über die „Geschichte der Pantomime in Europa“ wurde erweitert
Im vergangenen Jahr wurde das Festival durch eine Ausstellung mit dem Titel „Geschichte der Pantomime in Europa“ begleitet. Sie wurde vom Mimenstudio Dresden e.V. organisiert in Zusammenarbeit mit Nils-Zdenek Kühn, Vorsitzender der FEM – Federation of European Mime und über 37 Jahre Leiter der ETAGE Schule für Darstellende Künste Fine Arts e.V. Nils-Zdenek Kühn ist in diesem Jahr leider verstorben. Ihm zu Ehren widmet sich ein neuer Teil der Ausstellung seinem Schaffen.

Eine weitere Tafel erzählt die Geschichte eines Pantomimen, dessen Werdegang mit der Tradition des Pantomimefestivals in Dresden untrennbar verbunden ist. Die Rede ist von Ralf Herzog, „Vater der Pantomime“ in Dresden, Mitbegründer des Festivals und langjähriger Intendant der Mimenbühne. Nach wie vor leitet er im Mimenstudio einen Pantomimekurs und hat im Laufe der Jahrzehnte ungezählte Schüler geprägt und inspiriert. Für seine herausragenden Verdienste in der Kunst der Pantomime wird er im Rahmen der Eröffnungsgala mit dem Special Award „Golden Hands“ der World Mime Organisation ausgezeichnet.

Karten für die Shows gibt es bei SAX-Ticket (saxticket.de), Reservix und an allen Vorverkaufskassen, die mit Reservix zusammenarbeiten. Reservierungen sind auch unter Telefon +49 1515 5619899 möglich. Wer sich für einen Workshop interessiert, meldet sich bitte per E-Mail: info@mimedresden.de

Das 39. Internationale PantomimeTheaterFestival wird durch die Kulturstiftung des  Freistaats Sachsen, die Landeshauptstadt Dresden, die Ostsächsische Sparkasse, das Stadtbezirksamt Dresden Pieschen, den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und den Bund Deutscher Amateurtheater gefördert.

Text: Sabine Mutschke i.A. des Mimenstudio Dresden e.V.

http://www.mimedresden.de
Mimenstudio Dresden e.V.
Vereinsvorsitzender und Künstlerischer Leiter
Michael Meinel
http://www.mimedresden.de /
info@mimedresden.de /
Telefon 0151/ 55619899


25 Jahre Romantik & Slapstick – das Jubiläumsprogramm mit dem Duo Diagonal aus Deutschland, am 7.11., 19 Uhr. Foto O.Haas.

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Premiere „Der Raub der Sabinerinnen“ in der Comödie Dresden

08 Dienstag Okt 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Theater, Zwischenmenschliches

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Die Freuden und Leiden des Theaterlebens: Komik und Dramatik, Leben und Bühne mischen sich köstlich mit viel Humor und Selbstironie in der Inszenierung „Der Raub der Sabinerinnen“ mit Tom Pauls in der Rolle des umtriebigen Theaterdirektors Emanuel Striese in der Comödie Dresden. Foto: Robert Jentzsch

Ein hochkomisch dramatisches Sittendrama im Erfolgstaumel

Der Komödienklassiker „Der Raub der Sabinerinnen“ hatte in einer Neubearbeitung von Peter Kube mit vielen aktuellen Bezügen rund um Theater und wirkliches Leben Premiere in der Comödie Dresden. Dort gab es auch ein Comeback für das Zwinger-Trio Dresden.

Ganz wie im echten Leben: Theater voller Liebe, Schmerz, Verderben und Sterben, zum Lachen und Heulen schön. So feierte der Komödienklassiker „Der Raub der Sabinerinnen“ frei nach Franz und Paul von Schönthan und dem Film von Kurt Hoffmann in einer Neubearbeitung von Peter Kube, der auch Regie führt und mitspielt, Premiere im September in der Comödie Dresden.

Mit viel Humor, Herzblut, Theaterzauber und Kampfgetöse kam die Inszenierung auf die Bühne. Komödie und Tragödie liegen nah beieinander mit vielen aktuellen Bezügen. In Trauerspielen zeige sich gerade sehr das wirkliche Leben. Sein oder Nichtsein, deklamiert Tom Pauls gleich zu Beginn heroisch als Hamlet im barocken Kostüm. Darum geht es buchstäblich auch mit seinem schwächelnden Wandertheater, das im in einem Dorfgasthof gerade für ein neues Stück probt. Pauls spielt den Theaterdirektor Emmanuel Striese mit mal zartbesaitetem Gemüt als Künstler und verteidigt scharf sein Theater, für das er alles tut. Eine Paraderolle für den Erzkomödianten Tom Pauls, der selbst ein Theater in Pirna führt. Urkomisch in breitem Sächsisch hält er die hehre Klassik hoch, die Kassengift heutzutage ist. Er zieht alle Register und ist erst zufrieden, wenn die Träne quillt beim Zuschauer. Ereifert sich über moderne Stücke, die keiner mehr versteht, penible, lebende Autoren, die einem erst den Mund wässrig reden mit neuen Stücken und dann ängstlich einen Rückzieher machen.

Das Publikum erlebt hautnah die Freuden und Leiden des Schauspielerlebens, wie aus dem hanebüchenen, trockenen Historienstück des Gymnasialprofessors Gollwitz ein hochkomisches, dramatisches Sittendrama aus dem alten Rom und Stück zur Gegenwart wird. Und außerdem wird weidlich die Liebe zum Theater, seine Magie und Kraft beschworen und gefeiert. Der „Raub der Sabinerinnen“ wurde letztmals 1999 in der Comödie Dresden gespielt mit Hans Teuscher, Alfred Müller und Günther Schubert. Dort gab es nun nach 25 Jahren ein großartiges Comeback mit dem Zwingertrio Dresden, bei dem Jürgen Haase als Kneiper und Römer, Peter Kube als biederer und um seinen Ruf besorgter Professor Gollwitz und Tom Pauls als leidenschaftlich gewiefter Theaterdirektor Striese gemeinsam auf der Bühne standen. In einer Szene singen sie zusammen adrett in Jacketts und mit Sonnenbrillen mit witzig hehrer Hingabe ein romantisches Lied „Ein Stern fällt vom Himmel…“.  Cornelia Kaupert spielt Luise, die Frau des Theaterdirektors ganz nach dem Motto: „Ich bin so jung wie ich mich schminke!“ Als taffe, erfolgshungrige Professorengattin überrascht Tine Josch, die von den Landesbühnen Sachsen „ausgeborgt“ ist.

Das Hausmädchen Rosa (Dorothea Kriegl) liest heimlich das Stück vom Raub der Sabinerinnen, weint vor Rührung, schwärmt davon dem Theaterdirektor vor und will am liebsten mitspielen. Der wittert gleich seine Chance und bringt das Stück über alle Hindernisse hinweg groß heraus, einfallsreich mit wenig Geld und Personal. In Bedrängnis fragt Striese: „Wollen wir die Römerschlacht weglassen, nur noch Blümchenkaffee und Eierschecke bringen?!“ Und bekommt Szenenapplaus. Herrlich komisch, wie die paar Darsteller als Römerheer mit weißen Umhängen, Pappschwertern und Rollatoren mit Pferdeköpfen aufmarschieren, im Kreis rings um die Bühne rein und raus gehen und wegrennen. Und schön wortwitzig wie sich das Hausmädchen Rosa und der Schauspieler Emil Sterneck (Erik Brünner) in einer Schlüsselszene näher kommen, Wie das Stück, das vermeintlich ein Reinfall ist, ein grandioser Erfolg wird, da Komik und Dramatik, Leben und Bühne sich mischen samt Einrichtungsgegenständen aus der Wohnung von Gollwitz. Kurioser Höhepunkt dabei ist der sprechende Papagei als römischer Kriegsadler auf goldbemaltem Schrubber. Reichlich Beifall vom Publikum gab es für einen hinreißenden, lebensprallen Theaterabend.

Text (lv)

http://www.comoedie-dresden.de

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Von Egon Olsen bis Baba Jaga feierten alle mit bei der Jubiläums-Gala 10 Jahre Boulevardtheater Dresden

08 Dienstag Okt 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Musik, Theater, Zwischenmenschliches

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Eine märchenhaft und fröhlich bunte, originelle, witzige und verwegene Figurenschar gratulierte dem Boulevardtheater Dresden zum 10. Geburtstag. Foto: Robert Jentzsch

Ein wahrgewordener Traum mit viel Humor, Herzblut und Fantasie

Bezaubernd, lustig, herzerfrischend und mitreißend mit den schönsten Stückszenen und viel Musik kam die Jubiläums-Gala 10 Jahre Boulevardtheater Dresden mit über 3ß Künstlerinnen und Künstlern auf die Bühne.

Manchmal werden Märchen wahr wie der Traum vom eigenen Theater. Eine genauso märchenhaft bunte, originelle und verwegene Figurenschar – von Egon Olsen, Schneewittchen und die Zwerge, Charleys Tante, Baba Jaga bis zur Weihnachtsgans Auguste – gratulierten bei der Jubiläums-Gala 10 Jahre Boulevardtheater Dresden am vergangenen Sonnabend im ausverkauften Haus auf der Maternistraße. Über 30 Künstlerinnen und Künstler zeigten in der Rückschau mit viel Witz, Herzblut und Power Stückszenen mit viel Musik, wie die so verrückte wie großartige Idee der beiden Theatergründer Marten Ernst und Olaf Becker und Nachfolger der Spielstätte „Wechselbad der Gefühle“ Gestalt annahm bis zum heutigen erfolgreichen Privattheater mit bisher 4 193 Vorstellungen, 272 Rollen und bereits 1,5 Millionen Besuchern.

All dies wäre nicht möglich ohne ihre fünf ständigen Begleiter, die sich gegenseitig anregen, stärken und durch das Best-of-Programm führten: die Idee, ein an Pippi Langstrumpf erinnerndes, aufgewecktes Mädchen in Ringelstrümpfen und gelbem Kleid, gespielt von Hella Ernst. Ihr zur Seite stehen der sie anstachelnde Mut (Eiko Keller), die freundlich abwägende Erfahrung (Jürgen Mai), die Vorsicht (Hannah Wendel) und der kichernde Schalk (Valerij Radmacher). Sie sitzen zusammen an der Bühnen-Bar, erzählen von den Anfängen, den Träumen und Ängsten und betrachten staunend und vergnügt das Erreichte.

Bekannt ist das Boulevardtheater vor allem für seine Märcheninszenierungen, die bezaubernd, lustig, herzerfrischend und fantasievoll in neuem, zeitgemäßen Gewand erzählt und gespielt, kleine und große Zuschauer begeistern, von „Spuk unterm Riesenrad“, „Gebrüder Grimm – am Anfang aller Märchen“ bis zur Hexe Baba Jaga. Eben der typische Boulevardtheaterhumor, der fröhlich, feurig und mitreißend, märchenhaft und real zugleich und sehr musikalisch in aller Bandbreite am Jubiläumsabend zu erleben war. Da singt, tanzt und kocht die garstige alte Hexe Baba Jaga (Rainer König) eine Giftsuppe aus Fliegenpilz und regt sich mit reichlich Gruselkomik auf: „Diese Menschheit wird immer dümmer und dreister. Sie wollen den Wald vor meiner Hütte abholzen, eine Eisenbahn bauen und mich zur Touristenattraktion machen!“ Nicht einmal zaubern darf sie mehr, empört sich Baba Jaga. Als böse Königin aus dem Stück „Schneewittchen“ tanzt Katharina Eirich leidenschaftlich mit dem König, lässt sich danach in ihrem schwarzen Kleid auf einen Hocker fallen und stöhnt lustvoll, mit der Ketchup-Flasche den Takt schlagend in der berühmten Orgasmus-Szene aus „Harry und Sally“. Baba Jaga sieht es, verlangt genau dasselbe und geht beschwingt mit Sally hinaus.

Mit deftigen Gags und Sprüchen aus den frivolen Stücken im Boulevardtheater erheiterte die alte, immer noch liebeslustige Frau Leutheuser-Schnarrenthal (Ulrike Mai). Als humorvoll sächselnder, offenherziger Familienvater Bernd Seifert, der unversehens mit Bier überredet auf der Bühne landet, trat Thomas Haufmann auf, der außerdem erfolgreich mit einem Soloprogramm als
Hommage für Olaf Böhme als „Betrunkener Sachse“ zu erleben ist. Es gab romantische Songs aus dem Kultfilm und –stück „La Boume – Die Fete endet nie“, Gräfin Cosel verführte galant ihren August auf der Bühne und sang Ausschnitte aus dem Musical „Barock me Cosel“ und mit Hingabe vom Publikum mitgesungene Ohrwürmer aus dem Stück „Die Legende vom heißen Sommer“ mit den größten Amiga-Hits aus Ostdeutschland. Darunter auch der Song „Asyl im Paradies“ von Tamara Danz, im Original und von Julia Henke in bunter Kittelschürze mit warmer tiefer Stimme gesungen. Als Überraschungsgast kam Frank Schöbel auf die Bühne und sang locker und mit immer noch viel Energie einige Hits aus dem Stück über sein Leben.
Mit viel Charme und Schmelz bezauberten mit ihren Lovesongs die Darsteller aus „Azurro – wie zähme ich einen Italiener“, dem erfolgreichsten Stück im Boulevardtheater. Krönender Abschluss der Jubiläumsgala waren die mit viel Lust und Liebe agierenden Damen und Herren aus dem Mädels- und Männerabend, die auf dem Bartresen sangen und tanzten und fast keinen Zuschauer hielt es mehr es auf den Sitzen und gemeinsam vergnügt stießen Darsteller, Theaterleiter und Publikum mit Sekt auf das nächste Jahrzehnt im Boulevardtheater an.

Text  (lv)

http://www.boulevardtheater.de

 

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Tom-Pauls-Theater Pirna: Das „Sächsische Wort des Jahres“ wird wieder gekürt & Viel Komödiantisches im Zeichen der Romantik

29 Sonntag Sept 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Projekte, Theater, Zwischenmenschliches

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Mit viel sächsischem Wortwitz unterwegs, mal als alte, fidele Dame Ilse Bähnert, mal einen „Raub der Sabinerinnen“ mit aller dramatisch-komischen Raffinesse auf die Bühne der Comödie Dresden bringend und mal im romantischen Märchen-Grusel-Abend: Der Schauspieler und Theaterchef Tom Pauls hat wenig Zeit zum gemütlichen Kaffeeplausch in „Ilses Kaffeestube“ im Erdgeschoss seines Theaters in Pirna. Abends ist der Saal voll und die Vorstellungen mit ihm schon bis Jahresende ausverkauft.

“Ich bin glücklich, dass es immer voll ist!“

Alle Vorstellungen mit Tom Pauls in seinem Theater in Pirna sind bis Jahresende schon ausverkauft. Der Kartenvorverkauf für 2025 startet am 9. November. Das Sächsische Wort des Jahres wird in einer Gala bei ihm am 2.10., 19.30 Uhr (schon ausverkauft!) und am 3. Oktober, 11 und 14 Uhr im Boulevardtheater Dresden gekürt.

Ein strahlender Spätsommertag. Tom Pauls sitzt in T-Shirt und Jeans auf dem roten Samtsofa mit weißer Spitzendecke am Fenster von „Ilses Kaffeestube“, im Erdgeschoss seines Theaters auf dem Markt von Pirna gemütlich bei ä Dässl Heeßen. Über ihm an der Wand hängt ein Gemälde mit seiner Kultfigur Ilse Bähnert, adrett mit Hut über den grauen Locken und seiden schillernder Jacke, mit Stift in der Hand und ein Rotweinglas haltend. Pauls bespricht gerade mit dem Mitinitiator Peter Ufer den Ablauf zum „Sächsischen Wort des Jahres 2024“, das am 2. Oktober im Boulevardtheater Dresden und am 3. Oktober, 19.30 Uhr von einer Jury wieder feierlich gekürt wird. Natürlich im Beisein von Ilse Bähnert und mit Musik und sächsischem Wortwitz garniert.

Einen Moment später springt der Schauspieler und Theaterchef auf vom Sofa, oben im Saal zieht er den roten Bühnenvorhang zur Seite und nimmt im noch leeren Zuschauerraum Platz für den SZ-Fotografen. Setzt sich auf einen der gediegenen Holzstühle und reckt einen Arm kraftvoll und schelmisch lächelnd in Richtung Bühne. Und schon wirkt Pauls ganz wie der umtriebige Theaterdirektor Emanuel Striese, seine neueste und eine Paraderolle für ihn in dem Komödienklassiker „Der Raub der Sabinerinnen“. Die Inszenierung unter Regie von Peter Kube hatte gerade erfolgreich Premiere in der Comödie Dresden. Im Januar ist das Stück dort wieder zu sehen. Es war auch ein Comeback für das Zwinger-Trio der Herren Pauls, Kube und Haase, das dort nach 25 Jahren erstmals gemeinsam wieder auf der Bühne stand.

Im Tom-Pauls-Theater in Pirna spielen Peter Kube und Jürgen Haase vom „Zwinger-Trio“ zusammen „Zwei Genies am Rande des Wahnsinns“ in einer Komödie der Woesner Brothers das nächste Mal am 5. Oktober, 19.30 Uhr. Vor wenigen Tagen sahen Pauls und sein Theaterteam noch mit Bangen das Hochwasser, das von der Elbe über die Ufer schwappte, wenige Meter vom Markt entfernt. Pauls zeigt im Keller des Theaters einen Sandsteinbrunnen aus dem 13. Jahrhundert, der ehemals im Freien stand, später überbaut wurde und in dem sich nun Wasser sammelt. Grundwasser nach oben drückt. Nebenan im Raum läuft eine Tauchpumpe, die das Wasser auffängt. Die Elektromotoren für die Toiletten sind inzwischen wieder eingebaut. 2002 und 2013 war das Tom-Pauls-Theater schon vom Hochwasser betroffen und die alten Holzdielen in „Ilses Kaffeestube“ mussten danach entfernt werden und wurden durch terracottafarbene Bodenfliesen ersetzt.

Die neue Spielzeit hat hier Ende August begonnen und alle Vorstellungen mit Tom Pauls bis 31. Dezember sind schon wieder ausverkauft im Theatersaal mit 180 Plätzen. Für Gastspiele anderer Künstler gibt es noch Tickets. Es sei schwer Karten zu bekommen oder nur mit Beziehungen, hört man dazu munkeln. „Pirnaer kommen weniger, sie wollen sich nicht anstellen nach Karten in der eigenen Stadt am Theater“, sagt Tom Pauls etwas spöttisch. Natürlich sind auch etliche Pirnaer unter den Stammgästen, die schon alles gesehen haben und daher seltener kommen. Viele der Theaterbesucher kommen aus Mitteldeutschland, aus Berlin und von der See, so Pauls. Auch in die USA und nach Australien ließen sich Fans von ihm, vielleicht dorthin ausgewanderte Sachsen, schon Theaterkarten schicken. Spezielle Sprachkenntnisse braucht es keine, „Man versteht jedes Wort.Wir reden von der sächsischen Mundartdichterin Lene Voigt. Alles andere ist verlottertes Deutsch“, so Pauls. Weitere Neuproduktionen in seinem Theater mit ihm gibt es in dieser Saison keine. Tom Pauls ist vielbeschäftigt. Er spielt derzeit in 25 Programmen in Mitteldeutschland. Mehr schafft er nicht und ist überdies 65, merkt Pauls an. 80 Prozent der Stücke mit ihm finden im eigenen Haus statt und 20 Prozent außerhalb.

Sein neues Programm „Von einem, der auszog das Fürchten zu lernen“ nach den Gebrüdern Grimm spielt Tom Pauls zusammen mit seinen beiden Söhnen, die ihn musikalisch begleiten, wieder am 13., 14. und 15. November, 19.30 Uhr in seinem Theater. Mit etwas Glück gibt es noch Restkarten. Außerdem ist die Ausstellung „Wandergefährten“ – mit Tom Pauls in der Sächsischen Schweiz auf den Spuren der Romantiker – zum 250. Geburtstag des großen Romantikmalers Caspar David Friedrich in der ersten Etage des Theaters noch die ganze Spielzeit zu sehen. Gezeigt werden rund 60 Kunstwerke aus der Sammlung von Tom Pauls und seine eigenen Wandergeschichten. Ende Oktober steht der Spielplan für den Zeitraum Januar bis Juli 2025 auf der Webseite des Tom-Pauls-Theaters. Der Vorverkauf beginnt am 9. November. „Es gibt viele Möglichkeiten, Karten zu erwerben. Auf unserer online-Plattform mit Versand, telefonisch oder im Theaterlädchen am Markt“, sagt Kerstin Kochan, die Geschäftsführerin und gute Seele im Tom-Pauls-Theater. „Mach dein Hobby zum Beruf und du musst nie mehr arbeiten!“, sagt Pauls und eilt davon zum nächsten Termin. „Ich bin ja auch glücklich, dass es bei uns immer voll ist“, sagt er noch. Das ist auch nicht selbstverständlich in diesen schwierigen Zeiten.

Text + Fotos (lv)


Auf den Spuren der Romantiker – in Bildern und Wandergeschichten – können die Besucher zum 250. Geburtstag von Caspar David Friedrich in einer Ausstellung im Tom-Pauls-Theater wandeln.

Kontakt: www.tom-pauls-theater.de

Kartentelefon Tom Pauls Theater:03501 – 7793 122Weitere Vorverkaufskassen: DDV-Lokale (Pirna, Freital, Dippoldiswalde)

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Premiere „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing im Schauspielhaus Dresden

28 Samstag Sept 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Theater, Zwischenmenschliches

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Was ist der Glaube an das Gute, Wahre, Schöne, Großherzige noch wert in einer Welt voller Konflikte, Wahnsinn und Uneinsichtigkeit? Fragt die Inszenierung von Lessings dramatischem Gedicht „Nathan der Weise“ (in der Titelrolle Ahmad Mesgarha) in einer drastisch-grotesken Inszenierung im Schauspielhaus Dresden. Foto: Sebastian Hoppe

Nathan der Weise in Schutzweste

In grellrosa Kulisse, martialisch, märchenhaft, surreal, ernst und bitterkomisch mit deutlichen Bezügen zur Gegenwart hinterfragt die Inszenierung des Stück-Klassiker von Lessings menschliche Grundwerte in der heutigen Welt.

Die Bühnenwand ist dunkel. Gestalten mit Hasenohren und großen Köpfen in  grellrosa Kostüme gehüllt, fahren auf ebenfalls rosa Räderkarren samt Mobiliar, die an Panzer erinnern, auf der Bühne umher. Rosarot steht für Verliebtheit, Naivität und Illusion. Es kann aber auch getrocknetes Blut sein, An einem, kahlen Baum im Hintergrund hängt eine leblose Gestalt. Das Grauen lauert überall. Nathan der Weise ist ein Menschenfreund, für den alle Menschen und Religionen gleich viel wert sind wie es in der Ringparabel heißt, der Kernaussage des Stücks. Doch er kommt kaum zum Zuge und seine Mission findet kaum noch Gehör in der Welt von heute, ebenso drastisch geht es zu in der Inszenierung „Nathan der Weise“ nach Gotthold Ephraim Lessings dramatischem Gedicht von 1779, die unter Regie von Hermann Schmidt-Rahmer die neue Spielzeit 2024/25 des Staatsschauspiels Dresden im Großen Haus eröffnete.

Die Aufführung wirkt wie eine Reflexion, Befragung, eine groteske Persiflage auf Lessings Originaltext. Die Szenen wechseln zwischen grell, martialisch, märchenhaft, surreal, ernst, brutal und bitter komisch. Von Lessings Versen bleibt wenig übrig, die Dialoge werden in Alltagssprache gehalten. Nathan der Weise, hin und her gerissen zwischen Ideal und Wirklichkeit, Glauben, Zweifel, Vernunft, Güte und Großherzigkeit, anrührend gespielt von Ahmad Mesgarha, trägt eine  kugelsichere rosa Schutzweste, weißes TShirt und klobige Stiefel. Er sagt kaum etwas, sitzt verschüchtert und vorgebeugt auf einem Stuhl mit fassungslosem Blick auf die Gegenwart. Auf die vielen Konflikte, Krieg, Blutvergießen ohne Einlenken. Bei denen kaum einer mehr weiß, wer Freund und Feind ist, die Grenzen immer mehr verwischen und die Fronten der politischen Lager immer mehr verhärten, kaum einer das Gespräch sucht, immer neue Mauern errichtet werden.

Nathans Schwester  Daja (Gina Calinoiu) glaubt hartnäckig, argwöhnisch, ermahnt und ermutigt ihn aber auch immer wieder: „Die Menschen sind nicht immer, was sie scheinen.“ „…doch selten etwas Besseres“, ergänzt der Tempelherr, der kämpferisch mit Helm auftritt und seine christlichen Werte verteidigt (Paul Kutzner). Nathans Ziehtochter Recha (zwiespältig, entwurzelt: Nihan Kirmanoglu), zunächst scheu und ergeben, glaubt an ein Wunder, ein Engel habe sie aus dem Feuer gerettet. Nathan nimmt sie an Kindes statt auf und entsagt dem Hass, vertraut Vernunft und Erkenntnis. Er selbst hat seine sieben Söhne und seine Frau bei einem Pogrom durch Christen verloren. Doch als Recha erfährt, Nathan ist nicht ihr wahrer Vater und sie keine Jüdin, sondern Christin, rebelliert sie gegen ihn, hält einen wütenden Monolog über hehre Ideale und Realität, auch über das Recht von Juden, sich zu verteidigen auch mit Gewalt und nicht in der Opferrolle zu verharren und reißt Nathan zu Boden und fällt verzweifelt mit ihm. Die Rollen vom Opfer zum Täter sind fließend. Der Bezug unverkennbar zu den Anschlägen von Terroristen der Hamas auf Israel und die blutigen Gegenschläge seitdem auf den Gazastreifen, die Bombardierung von Krankenhäusern, Wohnvierteln und Notquartieren, durch die Tausende hilfloser Menschen, Zivilisten bereits starben. Und die Gewalt auf beiden Seiten eskaliert immer weiter.

Der Muslim, Sultan Saladin (spöttisch-abgeklärt: Philipp Grimm) agiert extravagant gekleidet in lila Reifrock, nacktem Oberkörper und Pferdeschwanz, weltmännisch als Lebemann und Genießer, schwingt kluge Reden, lacht schallend und philosophiert mehr zum Zeitvertreib. In abfälligem Ton und provozierend fragt er Nathan, ob er besser sei als andere Menschen und worin sein Glaube als Jude bestehe?!  Seine Schwester Sittah (Fanny Staffa) trägt ein großes lila Kopftuch, orangene Hosen und Sonnenbrille, wirkt cool, sanft und selbstbewusst und versucht zu vermitteln.

Als gewitzter Derwisch und gestrenger Patriarch ist Holger Hübner zu erleben. Den golden schillernden, selbstherrlichen, kalten Götzen, der auf einem Podest getragen wird und über die Menschen urteilt, spielen abwechselnd außerdem Fanny Staffa und Sven Hönig. Er spielt außerdem einen Klosterbruder so absurd we ergeben, mit lila Holzklötzen an den Armen geht er starr, die Hände gebunden wie eine Marionette umher.

Der zweite Teil der Aufführung ist noch spannender, in dem der Streit zwischen den Religionen sich zuspitzt, welche die bessere sei. Die Darsteller agieren mit Perücken und barocken Kostümen in einem golden gerahmten Büchersalon aus dem 18. Jahrhundert wie zu Lebzeiten Lessings. Es werden Geheimnisse enthüllt, wessen Tochter Recha wirklich ist und welcher Herkunft der Tempelherr tatsächlich ist und die Szene löst sich in Wohlgefallen auf. Alle umarmen sich, halten Small Talk geflissentlich und gehen hinaus zu halb klassischen und orientalischen Klängen. Nathan der Weise bleibt allein zurück und erzählt die Ringparabel zu Ende, vom Vater, der für seine drei Söhne drei gleiche Ringe anfertigen ließ, die nicht vom Original zu unterscheiden sind. Keine Religion ist besser als die andere. „Es eifre jeder seiner freien, von Vorurteilen unbestochenen Liebe nach…“, zitiert Mesgarha als Nathan die Worte, die im halbdunklen Raum nachklingen.

Eine gewagte, streitbare Inszenierung über Macht und Ohnmacht im menschlichen Umgang, über Offenheit, Akzeptanz und Toleranz gegenüber anderen Ansichten, Werten und Kulturen. Der grelle Farbton tut den Augen weh und das ist wohl auch so gewollt, doch auch einseitig. Das vordergründig Groteske schockiert, entsetzt und schreckt ab, etwas unaufgeregter und weniger dick aufgetragen, wäre noch stärker in der Aussage gewesen. Die Gegenwart ist schon laut und grell genug. Das Theater muss nicht noch auf einen draufsetzen, nicht nur Zustände beschreiben und karikieren, sondern zumindest Gegenentwürfe, Ideenansätze wie es anders gehen könnte auf die Bühne bringen. So bleibt man als Zuschauer einfach nur fassungslos, traurig und ernüchtert zurück bei so viel Hoffnungs- und Aussichtslosigkeit, wie die Welt menschlicher, liebevoller werden kann.
Dennoch gab es bei aller Düsternis der Aufführung viel Beifall vom Premierenpublikum. Vielleicht rüttelt diese Nathan-Inszenierung manche doch noch wach mit ihrer Schärfe.

Text (lv)

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

Nächste Aufführung: 15.10., 19.30 Uhr, Schauspielhaus Dresden

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Von „Nathan der Weise“ bis „Droge Faust“: Spannende Saisonvorschau zur neuen Spielzeit im Staatsschauspiel Dresden

30 Freitag Aug 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Projekte, Theater, Zwischenmenschliches

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Sommerfeeliing in Liegestühlen & Vorfreude auf die neue Spielzeit beim Eröffnungsfest vor dem Schauspielhaus Dresden am 24. August 2024.

Mit Gefühl & Power mit bekannten Songs von Rio Reiser u.a. sorgten Schauspieler und Sänger Jannik Hinsch und seine Band für Schwung auf der Bühne vor dem Schauspielhaus.

Tanzen unter buntem Bühnenhimmel nach der Saisonvorschau.

Lustvolles bis wild entschlossenes Spiel mit Gegensätzen

Amüsant, nachdenklich, mit gespielter und echter Aufregung ging es um eigene Ansprüche, sich zeigen, Wahrhaftigsein in einer Welt voller Widersprüche in der Saisonvorschau zur neuen Spielzeit 2024/25 im Staatsschauspiel Dresden.

Gar zu verlockend ist die bunte, unbeschwerte Strandszene zu Beginn. Mit Gummibällen, Schwimmringen, Flamingos und Schwänen als Begleiter, Meerrauschen und Möwenkreischen. Fast ein wenig erschrocken und verlegen stehen de Schauspielerinnen und Schauspieler auf, nehmen ihre Strandlaken und gehen. Die Theaterferien sind schon wieder vorbei. Dabei ist doch noch August und schönstes Sommerwetter. Nun rufen wieder Lust und Last, Freude, Sorgen und Vergnügen des Bühnenlebens. Es steht viel auf dem Programm und auf dem Spiel. Daran ließen die Mitwirkenden dieser Saisonvorschau für die neue Spielzeit 2024/25 im Staatsschauspiel Dresden keine Zweifel. Einen Vorgeschmack bot die ebenso witzig wie spannungs- und temporeiche Eröffnungsshow unter Regie von Hausregisseurin Daniela Löffner am vergangenen Sonnabend im gutbesuchten Schauspielhaus Dresden.

Der lange Sommer ohne Theater hat ein Ende, begrüßte Intendant Joachim Klement das Publikum unter Applaus. Über 190 000 Zuschauer besuchten in der vergangenen Spielzeit die Vorstellungen und Gastspiele im Staatsschauspiel Dresden. In der neuen Spielzeit sind 23 Premieren, davon sechs Uraufführungen geplant. Klement beschwor die „Kraft des Theaters, die lebendigste aller Künste. Bestehend aus Dialog und Gegenrede. Es hält neue Perspektiven bereit, die spielerisch erfahrbar werden, um Ressentiments und Ängsten etwas entgegenzusetzen und für eine offene, vielfältige Gesellschaft zu werben.“

Die neue Spielzeit eröffne nicht zufällig mit Gotthold Ephraim Lessings „Nathan der Weise“ (am 7.9., Schauspielhaus), einem Lehrstück der aufklärerischen Toleranz und Utopie, das zeige, dass auch vermeintlich unüberbrückbare Gegensätze überwunden werden können. In der Saisonvorschau waren zumeist kurze Szenen im Schnelldurchlauf zu sehen, noch sehr vage vieles, angedeutet oder rätselhaft, manchmal nur Stücktitel, Regie und Premiere- oder Uraufführungstermin eingeblendet. Mit teils abrupten und fließenden Übergängen war es auch ein Spiel mit Gegensätzen vor mal leerer Bühne, mal goldenem Glitzervorhang. Drei Schauspieler führten durch die Eröffnungsshow und dachten laut, amüsant und nachdenklich, mit gespielter oder/und echter Aufregung über die Licht- und Schattenseiten ihres Berufes nach. Anna-Katharina Muck im Strandkleid, selbstbewusst, ruhig, gelassen, lebens- und bühnenerfahren. Henriette Hölzel im Glitzerkleid ehrgeizig und wild entschlossen, immer in Bestform sein, alles aus sich herausholen und gewillt, sich zu zeigen wie man ist. „Doch das will auch ausgehalten sein!“ Philipp Lux im Shirt und Blumenkette nimmt es mit Humor, gut gelaunt, dann immer abgeklärter.  Eine Show für sich, wie die drei sich gegenseitig antrieben, stritten und diskutierten mit viel Spielfreude, Ironie und teils verwirrender dramatischer Komik als wisse man selbst nicht mehr weiter. Ein reizvoller, ehrlicher Blick hinter die Fassade, über das Ringen um eigene Ansprüche, Achtung, Liebe, Verständnis und Verantwortung sich selbst und anderen gegenüber, Arbeit als Vergnügen und Herausforderung, Immer wieder das Publikum für sich gewinnen und sich selbst treu bleiben. Und nicht aufhören, Fragen zu stellen, miteinander im Gespräch bleiben.

Innenschau war diesmal angesagt. Selbstbefragung der Darsteller und was Theater bewirken kann noch in der heutigen multimedialen Zeit voller anderer, virtueller Anreize und Angebote. Immer schneller und gehetzter bewegen sich auch die Schauspieler, laufen im Kreis…  Ein Angebot jagt das nächste… immer in der Hoffnung auf viel Zuspruch und Erfolg beim Publikum. Spielen und verkaufen. „Ich würde mal wieder Urlaub machen… innerlich“, sagt Anna-Katharina Muck. „Urlaub in mir“, findet auch Lux toll. Es geht um das Schöne und Schwierige des Moments zwischen On-Off. „Der Moment, bevor man auf die Bühne geht. Der schmale Raum, wo man schon fast die Figur und nicht mehr privat ist“, so Muck  Das sei wie wenn man um jemand trauert, sagte ihr einmal eine Kollegin.  Ein Satz, der aufhorchen ließ, erstaunte und berührte. Gibt man nicht in allem, was man tut, ein Stück von sich her, ohne zu wissen ob und wie es zurückkommt? Schauspieler spüren das noch mehr und intensiver, wenn sie mit ihrem Körper und Stimme auf der Bühne stehen, in der Rolle aufgehen. immer wieder spielen, sich selbst loslassen und wieder finden, neu erfinden, ohne sich zu verlieren…

Um den Sinn, Selbst- oder Verachtung in der Arbeit, bei dem was man tut und bereit ist alles zu tun für den Aufstieg, selbst in so genannten „Bullshit Jobs“ mit hin und her geschobenen Aktenstapeln ähnlich wie in Kafkas „Das Schloss“ und dann plötzlich nicht mehr mitspielt, darum geht es in der absurd-komischen Komödie „Bandscheibenvorfall“ – ein Abend für Leute mit Haltungsschäden von Ingrid Lausund unter Regie von Philipp Lux (Premiere: 22.2.2025, Schauspielhaus). Zwischen Größenwahn, Wahnwitz und Absturz angesiedelt ist auch das Stück  „Bauern, Bonzen und Bomben“ nach dem gleichnamigen Roman von Hans Fallada, der verkörpert von Holger Böhme in schwarzem Anzug, Krawatte und runder Brille sehr komödiantisch und großspurig auf dem Podest eines Baukrans auf der Bühne steht, erzählt und lamentiert und dabei immer weiter herunter fährt. Die Premiere ist am 22.3.2025 unter Regie von Tom Kühnel.

Mit viel Situationskomik und singend zur Gitarre abwechselnd sanft und wild rebellisch machte Thomas Eisen neugierig auf die Inszenierung „Cyrano de Bergerac“ über den hitzigen Soldaten und heimlich verliebten, glühenden Briefschreiber und Poeten mit der riesigen Nase von Martin Crimp frei nach Edmond Rostand unter Regie von Nicolai Sykosch (Premiere am 30.11., Kleines Haus). In einer Szene aus „Ein Sommernachtstraum“ von William Shakespeare läuft oder irrt vor dem goldenen Vorhang eine Frau im roten Kleid umher zum Titelsong aus „Solo Sunny“, dem legendären Defa-Spielfilm. Plötzlich taucht ein älteres Paar, Mann und Frau mit Rollator auf und unterhält sich. Der Mann ist schwerhörig. Die Frau ist besorgt über „die ganzen Nazis überall!“ Bei einer Demo in Bautzen hätten sie eine Regenbogenfahre angezündet. Da müsse man doch etwas machen, sagt die Frau und lud den Mann zu einem Inforeffen der Bürgerbühne im Kleinen Haus ein. Dieses findet am 4. März 2025 dort statt. Gesucht werden rüstige SeniorInnen, die sich lustvoll und furchtlos mit der eigenen Angst und der von anderen auseinandersetzen wollen, um den Zombies das Fürchten zu lehren und die Welt vor dem Untergang zu retten. Die Uraufführung von „Apocalypse 2033“ – eine prophetische Horrorsatire mit SeniorInnen von und in Regie von Paul Spittler ist am 16.5.2025 im Kleinen Haus.

Für ein weiteres Stück, „Klassenbeste“ – ein Rechercheprojekt mit Töchtern und deren Müttern, inszeniert von der neuen Bürgerbühnenleiterin Christiane Lehmann, werden außerdem Interessierte gesucht. Mütter und Töchter tauschen sich über ihre Hoffnungen, Enttäuschungen und Visionen aus. Ein Infotreffen dazu findet am 18.9. im Kleinen Haus statt.  Die Uraufführung ist am 18.1.2025.

Die Aufführung „Nullerjahre“ nach dem Roman von Hendrik Bolz erzählt unter Regie von Kajetan Skurski von Jugendlichen der Nachwende-Generation zwischen der verschwundenen DDR-Zeit, ihren Aus- und Nachwirkungen und dem neuen System in einer Zeit voller Umbrüche. Premiere ist am 8.9. beginnend auf der Hauptstraße 28 und im Kleinen Haus. Im Kontrast dazu kommt „Droge Faust“ – ein Jugendprojekt zu Sucht und Rausch nach Goethes Faust von Janette Mickan am  6.9.  als Uraufführung unter Regie von Hanna Müller auf die Bühne im Kleinen Haus. Die Schauspielstudenten vom Jungen Studio interpretierten einen Song, „Perfect Day“ von Lou Reed überraschend in immer neuer Betonung. Mit wundervollem Akkordeonspiel voll Leidenschaft und Hingabe begeisterte Elena Kratschewski.

Naheging außerdem ein Ausschnitt aus „Der Komet“ nach dem Buch von Büchner-Preisträger Durs Grünbein, bei dem ein Mann in Ritterrüstung neben einer jungen Frau im Kleid steht und ein Kosmonaut vom Bühnenhimmel herabschwebt. Der Ritter liest der Zuhörerrunde aus einem Buch über Dresden vor, die Bombardierung, Schrecken und Folgen. Es geht um die Wunden der Zerstörung in der Stadt und ihren Bewohnern und den Umgang mit Geschichte in der Gegenwart. Die Uraufführung ist am 24.1.2025 unter Regie von Tilmann Köhler.

Text + Fotos (lv)

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

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Die Felsenbühne in Rathen als Sprungbrett für junge Schauspieler

19 Montag Aug 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Natur, Projekte, Theater, Unterwegs, Zwischenmenschliches

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Volle Power, Spaß und Spiellust: Die jungen Schauspieler und Schauspielerinnen von der Theaterakademie Sachsen erobern derzeit die Felsenbühne Rathen, auch auf regennasser Bühne (im Foto einige von ihnen von li. nach re.): Adam Wahlgren, Sean Kühnl, Emily Siegert, Tom Warschewski, Danny Mlaouhia und Vera Antonenko.


Mit Spaß am Spiel, Power und Leidenschaft das Publikum erobern

Insgesamt neun Studierende der Theaterakademie Sachsen in Delitzsch spielen in fünf Stücken mit und sammeln erste praktische Erfahrungen im Theateralltag. Noch bis Ende August dauert ihr Praktikums in Kooperation mit den Landesbühnen Sachsen auf der Felsenbühne Rathen in der Sächsischen Schweiz.

Strahlend blauer Himmel, weiße Federwolken ziehen vorüber auf dem Bühnenbild. Davor steht ein kleines Haus mit Sonnenblumen vor dem Fenster. Die jungen Darsteller sitzen schon in der Maske und beim Soundcheck. Da kommt die Durchsage auf der regennassen Bühne: „Die Vorstellung ist für heute abgesagt!“ Am Eingang stehen schon einige Erwachsene und Kinder mit Regenschirmen und schauen traurig auf das Plakat mit dem fröhlichen, getigerten Kater Findus, der eine riesige Brille trägt und hinter dem bärtigen Herrn Petterson in gestreiftem Hemd, schwarzer Weste und Zylinder auf dem Fahrrad neugierig in die Welt schaut.

Eigentlich stand das Familienstück „Feiern mit Pettersson und Findus“ nach den beliebten Büchern von Sven Norqvist im Spielplan auf der Felsenbühne Rathen an jenem Freitagnachmittag. Doch gegen den starken Regen hatten sie keine Chance. Die Geschichten um den alten, schrulligen Mann und seinen frechen, abenteuerlustigen Kater Findus werden mit viel Humor, Spielfreude und Fantasie lebendig in dieser Aufführung, in der hauptsächlich Studierende der Theaterakademie Sachsen in Delitzsch unter Regie von Steffen Pietsch mitwirken, der abwechselnd mit Jürgen Haase den Pettersson spielt. Für uns gaben die Theaterneulinge eine kleine Extravorstellung und Kostproben ihres Könnens. Spaß am Spiel, Power und Leidenschaft erwachen, sobald die insgesamt neun jungen Schauspielerinnen und Schauspieler und Musicaldarsteller die Bühne betreten.

Diese können sie in ganz verschiedenen Rollen in fünf Stücken vor reizvoller Naturkulisse ausleben und dabei erste Erfahrungen im Theateralltag sammeln bei ihrem Praktikum in Kooperation mit den Landesbühnen Sachsen noch bis Ende August. Die Bandbreite reicht vom Abenteuerstück „Shatterhand“, „Pettersson und Findus“, „Peter Pan“, „Kaltes Herz“ bis zur Oper „Fliegender Holländer“. Sie spielen Comanchen, Can-Can-Tänzerinnen, Dorfbewohner, flotte Hühner und den Schatten von Peter Pan. „Es ist eine sehr schöne Zeit, ein cooler Ort und das Ensemble hat uns mega herzlich aufgenommen“, sagt Sean Kühnl (24). Tom Warschewski (23) mag das  Draußenspielen auf mehreren Bühnenebenen. „Das härtet auch ab.“ Man tausche sich auch privat aus mit den Kollegen nach der Vorstellung, sitzt zusammen in der Kantine, trifft sich zu Kochabenden oder spielt zusammen „Laser Tech“.

Adam Wahlgren (21) ist mit den Büchern von „Pettersson und Findus“ aufgewachsen. „Nun sich selbst in der Geschichte zu finden, die man als Kind gern gehört hat, ist schon großartig. Auch wenn ich eine gegensätzliche Rolle zu Findus spiele im Stück, Gustavsson, den grimmigen Nachbarn.“ Adams Vater ist Schwede. Er spielt und singt außerdem einen norwegischen Seemann im „Fliegenden Holländer“.Vorher hat Adam neun Jahre im klassischen Chor gesungen. „Rathen ist ein guter Platz, um sich auszuprobieren auf der Bühne, aber auch vor der Kamera oder Mikro kann ich mir vorstellen“, sagt er.

Das erste Mal auf der großen Bühne zu stehen sei schon besonders gewesen, sagt Vera Antonenko (22). „Wir werden geschminkt, haben aber auch kurze Umziehzeiten und müssen ganz schön rennen.“ Sarah Frese (23), die als gewitzter Kater Findus abwechselnd mit Linda Neuschulz (20) spielt und singt, mag vor allem: „Wenn die Kinder mitgehen und reagieren, wie in der Szene als die Hühner sich weigern Eier zu legen für die Geburtstagstorte. Ein Kind rief hinein: `Ihr werdet  geschlachtet!`“ Das sei lustig und traurig zugleich gewesen. Danny Mlaouhia (22) der als Petterssons Nachbbarin Frau Lindgren und „Henne Henni“ auf der Bühne steht, genießt diese Rolle, in der auch „viel Probenarbeit steckt“: „Es ging nicht darum, Menschen in Hühnerkostümen zu spielen. Wir haben mit dem Tanztrainer geübt, wie eine Henne sich bewegt. Die Hühner sind wie gescheiterte Ballerinas, erklärte er uns.“ Bei der Umsetzung der Rollen seien auch die Ideen der Studierenden gefragt. Eine Traumrolle hat Danny nicht: „Ich möchte so viele Charaktere abdecken wie möglich und flexibel sein.“ Er hat sich beim Theater in Essen auf eine Anzeige für Berufseinsteiger beworben und würde auch erst mal eine Weile in der freien Theaterszene tätig sein.

Tom will ab Oktober ein halbes Jahr auf einem Bauernhof arbeiten und einen Fantasy-Roman schreiben, ein Sience Fiction-Buch von ihm ist schon draußen. Linda und Vera wollen in Richtung Musical gehen. Sean will sich neben der Bühne gern auch in der Filmbranche ausprobieren, z.B. Drehbücher schreiben: „Die eigene Kreativität ausleben. Die Arbeit soll auch Spaß machen und nicht nur zum Geldverdienen sein.“

Größere Pannen gab es bisher keine auf der Bühne. „Bei Texthängern helfen wir uns gegenseitig und improvisieren“, so Adam. „Wichtig ist der Sinn, nicht Wort für Wort.“ Neue, spontane Spieleinfälle sorgen für zusätzliche Lacher im Publikum und erhalten das Theaterspiel frisch und lebendig. „In der Premiere wird man beschenkt und zur Derniere, der letzten Vorstellung, überraschen sich die Schauspielkollegen gern selber, indem sie Sachen anders machen als vorgegeben und den Spielspaß untereinander voll ausleben“, darauf freut sich Adam jetzt schon.

Text + Fotos (lv)

Die nächsten Vorstellungen von „Feiern mit Pettersson und Findus“ sind am 21., 22. und 31.8., 15 Uhr und die letzte Aufführung am 1.9., 15 Uhr.
„Ihr seid toll. Ich nehm Euch alle!“ Das wünscht man den jungen Schauspielerinnen und Schauspielern, dass den Satz ein Regisseur oder Theaterleiter zu ihnen sagt und sie engagiert. Es macht Spaß ihnen zuzuschauen, so frisch, unverbraucht, voller Ideen und Spiellaune. Weiter so!

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Lilli Vostry

Ich bin als Freie Journalistin (Wort/Foto) seit 1992 in Dresden tätig. Schreibe für Tageszeitungen und Monatsmagazine vor allem Beiträge über Bildende Kunst, Theater, soziale Projekte und Zwischenmenschliches. Außerdem Lyrik und Kurzprosa. Bisher vier BilderGedichtKalender zusammen mit Künstlern veröffentlicht. Fernstudium Literarisches Schreiben im Herbst 2022 erfolgreich abgeschlossen, Schriftstellerdiplom. Kindheitstraum erfüllt. Fotografiere gern Menschen, Landschaften, besondere Momente.

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