Die Katzenbücher sind da… „Geliebte Ungeheuer“ mit Katzenpoesie von Lilli Vostry & Zeichnungen von Dorothee Kuhbandner

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Heute am 11. März, meinem Glückstag, kamen die Katzenbücher… Nun sind all meine Fellwunderwesen wieder zu Hause. Wenn auch anders. Jade & Lina und Lola leben in den Gedichten weiter. Die neuen Katzen, allen voran Flausch Kasimir schnupperten gleich neugierig am Karton und Papier. Meine drei Katzenmädchen würden sich sehr freuen über unser Katzen-Buch, in dem sie die Hauptrolle spielen. Möge es viele Menschen erfreuen. Miau!

Unbändige Wirbelwinde, Fein- und Freigeister

In ihrem ersten Buch „Geliebte Ungeheuer“ mit Katzenpoesie erzählt die Dresdner Autorin Lilli Vostry gemeinsam mit Zeichnungen von Dorothee Kuhbandner von Fellwunderwesen und ihren Menschen.

Sie sind honigsüß, wild, widerborstig, sanft und anschmiegsam. Voller Neugier, Energie und Lebensfreude, unbeständig wie das Wetter, sprunghafte, liebevoll gerissene Wirbelwinde, wahre Fein- und Freigeister. Sie verstehen und lehren uns Genießen und Gelassenheit, den Sinn im Unsinn und Chaos zu erkennen.

Manchmal sind sie nicht ganz geheuer. Eben geliebte Ungeheuer.
“Geliebte Ungeheuer“ – Von Fellwunderwesen und ihren Menschen heißt das druckfrische Buch mit Katzenpoesie von Lilli Vostry und zauberhaften Zeichnungen von Dorothee Kuhbandner, erschienen in limitierter Auflage im Zilp Zalp Verlag in Radebeul. Es ist ihr erstes Buch, in dem die in Dresden lebende freie Journalistin und Lyrikerin von ihren Musen, Antreibern, Tröstern und Seelentieren erzählt. Vom Herzfange- und Versteckspiel, von Verbundenheit, Abenteuer und Abschied handeln diese Katzen-Gedichte. Von ihnen lernte sie viel über die ganz eigene Art, die Welt zu sehen, mit den Augen der wundervollen, felligen Wesen.

Dorothee Kuhbandner (www.doro-malerei.de) lebt als freischaffende Künstlerin in Radebeul und hat schon rund ein Dutzend unikate und liebevoll originell illustrierte Bücher für jedes Alter in ihrem kleinen Verlag herausgegeben.

„Geliebte Ungeheuer“ ist ein Buch für alle Katzenliebhaber und die es werden wollen. Wundersam, eigen, fantasievoll und poetisch.

Eine Gedicht-Lesung mit Signierstunde mit der Autorin Lilli Vostry und der Künstlerin Dorothee Kuhbandner gibt es während der Leipziger Buchmesse am 27. März, um 13 Uhr, in Halle 3 auf dem Marktplatz Druckgrafik an ihrem Stand F524.

Das Buch „Geliebte Ungeheuer“ kann man bestellen auf der Webseite vom NOTSchriften-Verlag in Radebeul per Klick.

Leseprobe

Verbunden

An niemanden und nichts
gebunden
aber allem verbunden
stehe ich in der Welt
mir manchmal selbst
im Weg

zwei Katzen und viele Bücher
leben bei mir
beäugen betrachten
schmusen flusen
kommen und gehen
wie sie wollen
wie ich
rau und zärtlich
laut und leise
tost die Reise
die sich Leben nennt

LV
8.9.2022


Meine Fellmusen Lina & Jade

Meine erste Katze Lola & Begleiterin mehr als 18 Jahre. Dann kamen Jade & Lina. Das Buchcover meiner „Geliebten Ungeheuer“.

Buchkatzen
(Für Jade & Lina und Lola)

Heute naht der große Tag
mit Herzklopfen etwas bang
seh ich Euch wie zum ersten Mal
mit Sonne im getigerten und schwarz weißen Fell
leuchtenden Sternenaugen
reist Ihr wieder zu mir nachhause
meine Musen und Antreiberinnen
Oh welches Glück
im liebsten Gefährt
einem Karton den die neuen Katzentiere sogleich
beschnuppern samt Papier
Bücher noch verpackt und einige schon offen
auf dem sonnenhellen Titelblatt klettert
ein geliebtes Ungeheuer
und kann es kaum fassen
all die Abenteuer noch einmal
erleben Seite für Seite
Herzfange- und obsessives Versteckspiel
Jade auf dem Koffer als wolle sie gleich verreisen
mit mir ans Meer
mit Lina im Wintergarten auf dem Sofa und Balkon

zwei Katzen und viele Bücher
sprunghafte Wirbelwinde unbeständig wie das Wetter
wild widerborstig sanft und anschmiegsam
an Euren Lieblingsplätzen liegen die Bücher
Wir fliegen mit dem Zauberkasten los
hinaus in die Welt bis zu den Sternen
und bleiben uns nah

LV
11.3.2025

Premiere „Was Ihr wollt“ von William Shakespeare im Kleinen Haus


Emotionsreich-witziges Spiel um Lust und Liebe, Schein und Sein, weiblich-männliche Gegensätze und die Sehnsucht nach Einssein. Foto: Sebastian Hoppe

Die Macht der Gefühle

Frisch, frech, aberwitzig und feinsinnig geht es um die Launen, Verrücktheiten und Verstrickungen der Liebe und Umkehrung gesellschaftlicher Mann-Frau-Rollenbilder in Shakespeares Komödie „Was Ihr wollt“ unter Regie von Simon Werdelis mit Studierenden des Schauspielstudios Dresden im Kleinen Haus.

Hinter einem weißem Gittervorhang tost das Meer im Videoeinspiel. Von schwarz-weißen Streifen wie Raster oder Strichcodes durchzogen ist auch die Spielfläche. Sie deuten auf das leidenschaftliche Spiel der Gegensätze, Polarität, Licht und Schatten in der Natur wie in menschlichen Beziehungen hin. Um die Macht der Gefühle, Liebe, Lust, Schein und Sein und Ent-Täuschung geht es in William Shakespeares bekannter und vielgespielter Komödie „Was Ihr wollt“. In einer Inszenierung mit Studierenden des Schauspielstudios Dresden unter Regie von Simon Werdelis kam die Geschichte in der deutschen Übersetzung von Jürgen Gosch und Angela Schanelec unlängst auf die Bühne im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Frisch, frech, witzig und feinsinnig, mit intensivem, ausdrucksreichen Körpertheater, wofür Simon Werdelis auch als Schauspieler bekannt ist, erzählt die Aufführung pünktlich zum  Frühlingserwachen von den Freuden, Launen und Verrücktheiten der Liebe, vom Verbandeln und den Verstrickungen und komischen Verwandlungen, die das stärkste aller Gefühle auslöst. Das Stück spielt mit Verkleidung und Verstellung, nimmt menschliche Eitelkeiten und Schwächen aufs Korn und kehrt gesellschaftliche Rollenbilder um. Die Unterschiede in den Geschlechterrollen, von Weiblichkeit und Männlichkeit werden aufgehoben, die Grenzen zwischen beiden verfließen. Das ist ebenso reizvoll wie provokant und streitbar inszeniert, mit mal leisen, melancholischen und flotten Klängen von David Kosel begleitet das bewegungsreiche Geschehen.

Die Figuren stehen anfangs wie erstarrt im Halbdunkel der Bühne. Eine Frau im weißen Rüschenkleid und dunklem durchsichtigem Schleier vorm Gesicht, neben ihr adrett mit weißer Schürze das Dienstmädchen und eine Frau mit hochgestecktem Haar im Businesskostüm. Eine Gestalt mit orangener Rettungsweste, kurzem Rock, Netzstrümpfen und Narrenkappe bricht durch den Vorhang und vor ihm liegt ein schwarzer, zappelnder Sack, aus dem ein Mensch steigt, halbnackt aus einer kleidähnlichen Hülle und mit schwarzer Korsage am Oberkörper, an Land gespült in der Fremde. Viola verkleidet als Cesario wird hier nicht von einer Frau gespielt. In der Inszenierung von Werdelis spielt ein Mann einen Mann, der behauptet eigentlich eine Frau zu sein. Damit sorgt er zusätzlich für ein Verwirrspiel der Gefühle, es geht um Identität, Eigenarten, innere Zwiespälte, Zerrissen sein und die Sehnsucht nach Einssein mit sich selbst und anderen Menschen. Man glaubt gern, was man sieht. Doch Ihr kriegt nicht immer, was Ihr wollt!, ruft der Narr zum Schluss spöttisch herausfordernd ins Publikum. Reichlich Beifall gab es für diese bilderstarke, zum Lachen und Nachdenken über menschliches Miteinander verführende Komödie.

Text (lv)

http://www.staatsshauspiel-dresden.de

Nächste Vorstellung: 21.3., 19.30 Uhr, Kleines Haus.

Hilfe – Spende für meine Minnie & und meinen Kasimir

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Kleine, liebe, aufgeweckte Rabauken in der Sturm-und-Drang-Zeit: Bitte helft mir mit Spenden für die baldmöglichste Kastration meiner Katzen Minnie, getigert und dem flauschigen Kasimir. Die Tierarztkosten von ca. 300 Euro für die beiden überfordern mich gerade! 😦

Hier das Buchcover zu meinem ersten Gedichtband „Geliebte Ungeheuer“ mit Katzenpoesie von Lilli Vostry und Zeichnungen von Dorothee Kuhbandner.
Meine geliebte Jade & Fellmuse an ihrem Lieblingsplatz im Wintergarten.

Katzenpoesie & Hilfe für neue Wirbelwinde

Die getigerte Minnie & der flauschige Kasimir sind jetzt seit einem reichlichen halben Jahr bei mir, kenne sie von kleinauf und erlebe täglich wie sie immer mehr das Leben entdecken und sie sind süße, liebe und aufgeweckte Rabauken, die ich nicht mehr missen mag. Nun sind sie in der Sturm-und-Drang-Zeit, schmusen und jagen sich sehr und die Kastration steht bevor. Der weiße Kater Lino wurde schon kastriert, das kostete mich stolze 240 Euro, die Voruntersuchung extra noch 100 Euro! Die Kleinen stammen von einem Bauernhof und sahen noch nie einen Tierarzt.

Leider stürmt zurzeit vieles auf mich ein, bin ich in akut angespannter finanzieller Lage als Selbstständige durch berufliche Umbruchsituation mit unsicheren Einnahmen, weiterlaufenden Betriebsausgaben und nun auch noch deftige Mieterhöhung, NK-Vorauszahlung ab März monatlich!

Das überfordert mich gerade und weiß nicht wie ich die Mittel für die Kastration meiner zwei jungen Katzen  von zusammen ca. 300 Euro alleine aufbringen soll!!

Daher meine herzliche Bitte um Hilfe an tierliebe Menschen, Katzenliebhaber und alle, die mich durch meine Beiträge hier auf meinem wortgartenBlog und bei FB kennen und lesen: Spendet bitte etwas für die Kastration von Minnie & Kasimir und damit ich ihnen weiterhin ein schönes, sicheres und geborgenes Zuhause ohne zusätzliche Sorgen geben kann.

Als Dankeschön gebe ich großzügigen Spendern meinen ersten eigenen Gedichtband „Geliebte Ungeheuer“ mit Katzenpoesie und Zeichnungen der Radebeuler Künstlerin Dorothee Kuhbandner, welcher im März rechtzeitig zur Leipziger Buchmesse im ZilpZalp Verlag Radebeul erscheinen wird.

Zunächst in limitierter Auflage. Bei großem Interesse drucke ich gerne nach. Im Gedenken an meine liebsten Fellmusen Lola, Jade & Lina.

Hier mein Spendenkonto, bitte mit dem Kennwort Katzen-Hilfe an:
Lilli Vostry

IBAN: DE90 8707 0024 0525 2317 61
Deutsche Bank

Herzlichen Dank vorab allen UnterstützerInnen!

Natürlich halte ich Euch auf dem Laufenden, wie es mit meinen FellLieblingen weitergeht. Miau!

Ausstellung „Aschermittwoch“ zum 80. Jahrestag der Zerstörung Dresdens mit Malerei, Grafik und Skulptur von Siegfried Klotz, Franziska und Niklas Klotz und Michael Wutz in der Galerie Holger John in Dresden


Erinnerung an einen großartigen Maler wunderbarer Dresden-Bilder, aber mehr als eine Gedenk-Ausstellung: Galerist Holger John und Franziska Klotz vor einem Hauptwerk von Siegfried Klotz „Aschermittwoch“ in der gleichnamigen Ausstellung, in der erstmals Werke von ihm und seinen Kindern sowie dem Künstler Michael Wutz, ihrem Lebensgefährten, zu sehen sind.

Zerbrechlich Glas der Erinnerung: das Titelbild von Franziska Klotz zur Ausstellung „Aschermittwoch“ in der Galerie Holger John in Dresden.

Farblodernde Stadtansichten der Künstlerfamilie Klotz

Beeindruckend, berührend, vielschichtig und konträr versammelt die Ausstellung „Aschermittwoch“ zum Gedenken an die Zerstörung Dresdens und anlässlich des 20, Todestages von Siegfried Klotz erstmals seine Werke und Arbeiten seiner Kinder Franziska und Niklas Klotz und Michael Wutz in der Galerie Holger John im Barockviertel Dresden in der Rähnitzgasse 17.

Auf der Staffelei nahe am Galerieeingang steht ein Ölbild von der Brühlschen Terrasse im Winter, in lichtvolles Weiß gehüllt. Mit Blick auf die Kunstakademie in dunklen Ockertönen und hoch auf der Kuppel schwebendem goldenen Fama-Engel mit Fanfare, auf Schloss, Hofkirche und Augustusbrücke, darunter schlängelnd die Elbe. Die Baumkronen sind azurblau wie der Himmel. Es war der Lieblingsplatz des Malers Siegfried Klotz, wo er oft im farbbeklecksten Kittel, Bart und breitkrempigen schwarzen Hut mit Farbpalette und Pinsel in der Hand vor der Leinwand stand und vor den Augen der Passanten die Stadt und Elbelandschaft malte mit allem Licht und Schatten. Ein Selbstbildnis zeigt ihn mit leicht schräg geneigtem Kopf, aufmerksam und mit festem Pinselgriff, als wollte er das Grau um ihn herum mit Farbe bezwingen. Klotz, 1939 im Kurort Schlema im Erzgebirge geboren und 2004 mit 64 Jahren verstorben, war einer der bekanntesten Vertreter der Dresdner Malerschule, ein Vollblutmaler mit Leidenschaft und Malerkönig von Dresden.

Eine Auswahl seiner Werke zeigt die derzeitige Ausstellung „Aschermittwoch“ zum 80. Jahrestag der Zerstörung Dresdens und anlässlich des 20. Todestages des Künstlers, erstmals zusammen mit Malerei, Grafik und Skulptur von seiner Tochter Franziska, seinem Sohn Niklas Klotz sowie von Michal Wutz in der Galerie Holger John in der Rähnitzgasse 17 in Dresden. Die Schau entstand in Kooperation mit der Kornfeld Galerie Berlin. „Siegfried Klotz alleine wäre ein Blick zurück mehr gewesen. Diese Ausstellung ist ein Versuch, eine Künstlerfamilie zusammenzubringen mit ihren Arbeiten, verschiedene Handschriften und Generationen, die vielschichtig und kontrovers sind mit Blicken auf die Gegenwart und Visionen“, sagt Galerist Holger John. Siegfried Klotz war sein Lehrer für Malerei im Grundlagenstudium an der Dresdner Kunsthochschule Ende der 1980er Jahre und Künstlerkollege. „Er war ein Maler, der das Weiß malen konnte. Heute wird es oft nur aufgehellt. Bei ihm wurde es Materie, Fleisch, Haut. Das ist eine große Kunst. Die Tochter kann das. Da sieht man Verwandtschaft“, so John.

Es ist mehr als eine Gedenk-Ausstellung. „Unsere Vorfahren haben den Krieg und Leid erlebt. Wir kennen nur die Bilder. Es geht um die Einzelschicksale, Geschichten auch hier in der Galerie, um Erinnern und den Umgang mit Vergangenem, das bis heute nachwirkt. Das Thema der Masken, was passiert mit den Menschen dahinter, aber auch das Demaskieren und die Frage: ,Wo stehen wir heute und wo verstecken wir uns?` zieht sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung“, sagt Holger John. Da ragt die schwarze Ruine der Frauenkirche gespenstig, großformatig auf einem Ölbild von Klotz und aus einer Bleistiftzeichnung aus Trümmern hervor. Auf einem Hauptwerk von ihm, „Aschermittwoch“ sind aussagekräftig und berührend eine bunte Faschingsmaske und darunter halb verborgene und nackte, schutzlose Körper vor rauchschwarzer Kulisse zu sehen. Neben Stadtansichten sind Porträts bekannter, einst hier wirkender Persönlichkeiten aus Kultur und Politik wie Rolf Hoppe, Eberhard Burger und Heinz Eggert versammelt. Außerdem eine noch nie gezeigte Kaltnadelradierungung „König Kurt“ nebst Gattin in selbstgefälliger Pose und der Maler als Beobachter am Rand. Eine Grafik, eine Kneipenszene mit Klotz bei Wein, Katerstimmung und offenherziger Bedienung trägt schon einen roten Verkaufspunkt.

In kräftigen Farben, pastos mit Spachtel aufgetragen auf der Leinwand ähnlich wie ihr Vater und doch ganz eigen und konträr, wirken die gemischt abstrakt-konkreten, großformatigen Ölbilder von Franziska Klotz, das älteste von 2010, „Sylph“ zeigt eine paradiesische Insellandschaft. Farben und Funken stieben und rinnen im Bild „Bücherverbrennung“ von 2018. Ein großformatiges Bild einer gigantischen Ruinenlandschaft, mit schwarz darüber schlängelndem Band und vielen lodernden Farbtupfern, hängt als Blickfang in der Ausstellung. „Es glüht, kraftvoll und brachial“, sagt Franziska Klotz (45) dazu. „Ich hatte Bammel vor der Ausstellung, dem direkten Vergleich mit der Malerei meines Vaters und dann auch noch in Dresden“, gibt sie zu. Sie lebt und arbeitet als Künstlerin in Berlin, hat an der Kunsthochschule in Weißensee studiert. Doch jetzt sei sie glücklich, dass es funktioniert.

Die Bilder sind so gehängt, dass sie Zwiesprache halten und für sich wirken. Die Frauenporträts und sinnenfreudigen Akte wie die Dame auf schwarzem Tuch mit dem Silberfuchs, gemalt von Siegfried Klotz neben den „Masken-Mädchen“ von Franziska Klotz. Ein Frauenbildnis mit Maske von ihm und ein Mädchen mit stattlichem Hund gibt es auch. Bilder, die wie Glas wirken, splitternd und zerbrechlich Kreise ziehen auf sepiafarbenem Grund mit Häuserumrissen von Franziska Klotz sind außerdem im Denkraum Sophienkirche auf der Sophienstraße 2 durchs Schaufenster zu sehen. Ihr Mann, der Künstler Michael Wutz zeigt eine Serie von Aquarellen, ein urban ethnografisches Masken-Kabinett menschlicher Eigenarten. Herausstechen die flippig farbigen, lebensgroßen Körperplastiken und Reliefs mit Gesichtern aus Marmor und Holz, die mit Schönheitsidealen spielen, von Niklas Klotz, der 1968 geboren, Bildhauerei in Dresden studierte und als Künstler in Wien lebt. Die Ausstellung „Aschermittwoch“ ist noch bis 30. März in der Galerie Holger John zu sehen.

Text + Fotos (lv)

Weitere Fotos zur Ausstellung folgen.

Geöffnet:  Di bis So 14 bis 19 Uhr

http://www.Galerie-HolgerJohn.com

Neue KatzenLyrik: Leerer Raum & Was man hat & Himmelfarben

Leerer Raum

Ein leises Miauen die kleine grauweiß getigerte
steht im völlig leeren freien Raum
die Wände strahlen gelb der Himmel fahl weiß
es regnet den ganzen Tag
vor der blauen Balkontür streifen die Katzen
umher an den Holzleisten der Wände entlang
stehen vor dem orangenen Eimer in den ab und zu
Wasser tropft
sehen sich um verstohlen
nichts mehr zu holen
Platz ohne Ende
doch nichts mehr zum Klettern Springen Spielen
Spüle Schänke Schreibtisch und Bücherregal fort
wo sie gestern noch saßen stöberten und sich aalten
was ihnen gefiel herunterrissen
gerissene Bücherkatzen die ihre Nasen
in alles stecken
keine Grenzen kennen
wenn sie ihren Bällen nachjagen
in hinterste Ecken und beiseite räumen
was ihnen im Weg steht

Plötzlich alles wie in Nichts aufgelöst
nur zwei Silbermünzen tschechische Kronen
kleben am Boden fest wo der Schreibtisch stand
die Katzen schnuppern am Geld Glücksgroschen
die man nicht essen aber sich etwas wünschen und
aufheben kann
sie stehen an den Stellen mit den dunklen und hellen
Flecken auf den Holzdielen
die abgenutzt und abgeliebt
ein wilder Ort der Fülle Esslust und Wohlgerüche
überbordender Tag und Nachtgedanken
nah am Herdfeuer
immer wohlig und auf dem Sprung
die Katzentiere
jede Diele eine Erinnerung
an die schwarzfellig Gelbäugige die wie ich voll
Sehnsucht den leeren Raum verließ und in neuer
Schönheit betrat
die kleine schwarz-weiße und die grauweiß getigerte
Madam die sich erst scheu und dann um so inniger
auf ihren Katzenbäumen am Fenster nah der
Futterquelle niederließen
ihre Plätze nun leer
liege und streichle eure Spuren nach
am Boden
die drei neuen Fellknäuel setzen sich dazu
und schauen als würden sie euch sehen

LV
23.1.2025

Was man hat

Die Dunkelheit hält
den Tag fest
Was man hat
das hat man
die Fliege krallt
sich an ein Staubkorn
mein Kater Flausch
an meine Haut
der Vogel an einen Sonnenblumenkern
Lichtflecken tasten das Sofa ab
wo die zwei Katzen immer saßen
der weiße Kater stürmt
hinein ins Lichtzimmer
Was man hat
das hat man
Die Liebe sucht
sich ihre Opfer
Was man hat…

LV
17.2.2010/8.2.2025

Himmelfarben
(Für Lina & Jade)

Die Balkontür stand weit offen
die Morgensonne schien herein
erstmals sahen wir sie zusammen
aufgehen
die kleine schwarz-weiße schaute
aus ihrer Höhle gegenüber die grauweiß getigerte
Madam reckte ihren Kopf in die klare Luft
im Lichtrausch
in der Stube öffneten die ersten Tulpen
ihre roten Flügel
Ich lag in der Mitte auf der Picknickdecke
auf dem harten Holzboden nah bei euch
nach durchwachter Nacht
Du lagst wie ein Fisch gestrandet
in einem Meer aus Trockenfutter
rührtest es nicht an
liefst an meinem Kopf entlang
verwundert warum ich da am Boden lag
marschiertest auf den Balkon
in die Sonne und miautest
Was schaut ihr so
so schmal schon und noch putzmunter

Es schien als fiele die Sonne
vom Himmel herunter
heute Abend
ein leuchtender Ball stand
über dem Fluss
der Himmel schwang in allen Farben
hinterließt ihr eure Spuren
Wildgänse flogen auf
mit lauten Rufen
in der leeren Küche hallten
meine Schritte als ich über die Dielen
strich wo wir zusammen vor einem Jahr
noch von Tagen voller Licht träumten

LV
8.2.2025

Alle Texte + Fotos: Lilli Vostry

Mein erster eigener Gedichtband „Geliebte Ungeheuer“ mit Katzenpoesie und Zeichnungen einer Radebeuler Künstlerin erscheint im März 2025, 🙂

Wenn das Licht den Sternenhimmel verdeckt… Ein Buch über „Das Verschwinden der Nacht“ von Johan Eklöf

Gedanken zum Buch von Johan Eklöf

Von Michael Gilbert

Das Verschwinden der Nacht

Das Leben auf der Erde ist in der Nacht mindestens so vielfältig wie das Leben am Tag. Wir Menschen sind in der Dunkelheit nicht zu Hause, sondern nur zu Besuch. So entsteht die „Nyctophobie“, die Angst vor der Nacht. Sie wird sowohl genetisch als auch kulturell weitervererbt. Ergebnis: Wir machen die Nacht zum Tage.

Das bekommt vielen Lebewesen nicht gut: Viele Kleintiere, insbesondere Insekten und Falter sind nachtaktiv, die Dämmerung und die Nacht ist für sie lebenswichtig. Das betrifft 2/3 aller Wirbellosen und auch 1/3 der Wirbeltiere! Ihr Lebenszyklus ist vom Tag-Nacht-Rhythmus abhängig. In der Dämmerung orientieren sich die nachtaktiven Lebewesen an den Mondphasen: Diese haben Auswirkungen auf ihre räumliche Orientierung und auch auf ihre Paarung – und Vermehrungszyklus. Das Mondlicht wird durch nächtliches Kunstlicht überstrahlt und von einigen Lebewesen nicht mehr ausreichend wahrgenommen.

Einige Fledermausarten werden durch künstliches Licht daran gehindert, ihr Schlafquartier aufzusuchen, Vögel können sich auf ihrer nächtlichen Reise nicht mehr am Sternhimmel orientieren, sondern verirren sich zwischen angestrahlten Hochhäusern in den Städten. Zudem verschwindet ihre wichtigste Nahrungsquelle, die Insekten dramatisch.

Neben den Lichteinflüssen scheinen die Ackergifte eine Hauptursache dafür zu sein, denn sie verursachen einen Kahlschlag unter den Pflanzen und Kleintieren auf dem Feld. Das Anthropozän, das „Zeitalter des Menschen“ hat die Welt gewaltig verändert. Es hat sich sehr viel Gutes entwickelt, es gab „Erleuchtung“ in vielfacher Hinsicht, Aber auch Zerstörung: großer Teile der Natur durch Raubbau, ungebremsten Konsum und Energieverschwendung.

Ein Teil dieser Energieverschwendung hat besondere Auswirkungen auf die Tierwelt: Die Lichtverschmutzung, das beschreibt der Autor eindrucksvoll in diesem Buch. Es ist das Übermaß an künstlichem Licht, was die uralten Lebensrhythmen unzähliger Tierarten verändern und letztlich nicht wenige in ihrer Existenz auslöschen.

Die Lichtverschmutzung zerstört nicht nur die wunderbare Artenvielfalt um uns  herum, sondern sorgt auch bei uns für Schlafstörungen, Depressionen und Fettleibigkeit. In manchen Fällen kann eine Krebskrankheit entstehen. Je größer der Ultraviolett- und Blauanteil des Lichts, desto stärker die Anziehungskraft auf Insekten und damit die negativen ökologischen Auswirkungen. Am schädlichsten wirkt die zurzeit noch sehr weitverbreitete, ausgesprochen ineffiziente Quecksilberdampf-Hochdrucklampe mit hell weißem Licht und relativ hohem UV-Lichtanteil. Auch das planlose Umrüsten auf energiesparende LED-Technik kann negative Auswirkungen haben. Zum einen, wenn dabei das Beleuchtungsniveau erhöht und nicht an den tatsächlichen Bedarf angepasst wird. Auch das Lichtspektrum muss naturfreundlich sein, also im warmen/gelblichen Bereich liegen. Zum anderen, wenn die Lampen in unpassenden Leuchtkörpern so installiert werden, dass sie in den Himmel oder die Horizontale abstrahlen.

Als erstes Mitglied der EU führte die Tschechische Republik 2002 ein nationales Gesetz ein, das sich ausschließlich der Verringerung von Lichtverschmutzung widmet. Slowenien folgte kurz danach. Großbritannien erließ 2005 den Clean Neighborhoods and Environment Act, mit dem Lichtverschmutzung zu einem Verbrechen erklärt wurde. In Schottland unterliegt die Bekämpfung der Lichtverschmutzung jetzt dem Public Health Act (Scotland Act 2008), während sie in Nordirland unter den Clean Neighborhoods and Environment Act 2011 fällt.

Ende 2015 startete die EU ihr STARS4ALL-Projekt, das die Menschen über Lichtverschmutzung informieren und gleichzeitig Lösungsansätze zur Behebung des Problems fördern soll. Insbesondere Katalonien hat in den frühen 2000er Jahren mehrere Verordnungen rund um die Lichtverschmutzung erlassen. Und am 1. Januar 2021 hat Frankreich einige der fortschrittlichsten Vorschriften rund um die Außenbeleuchtung und den Schutz des Nachthimmels erlassen.

Hier schreibt einer mitten aus der erlebten Natur heraus, mit großer Sachkenntnis und ohne Pathos. Die Beschreibung der Vorgänge und Lebenszyklen der Tiere, vor allem Insekten und Fledermäuse, ruft bei mir Staunen und Bewunderung hervor und lässt mich über Konsequenzen nachdenken.

Dieses Buch ist für mich ein lehrreiches Lesevergnügen! Wer sich wirklich für die Natur interessiert, sollte es lesen.

Das Buch „Das Verschwinden der Nacht“ von Johan Eklöf erschien im Verlag Droemer-Knaur, Preis 22 Euro.

http://www.droemer-knaur.de

Ein von Raben gestohlener Pass & eine Liebesgeschichte in Zeiten des Umbruchs: der Roman „Joanna“ von Hans-Haiko Seifert

Zärtliche Zischlaute, Eric Clapton im Stalinpalast und selbst gebrautes Bier aus der Waschmaschine

Mit seinem ersten Roman „Joanna“ erzählt der Dresdner Autor Hans-Haiko Seifert episodenreich in 67 Geschichten eine wunderbare, abenteuerliche, geheimnisvolle und spannende Liebesgeschichte, die im Sommer des Aufbruchs 1980 in Polen spielt.

Gerade als er aufbricht in jenem Herbst, kehrt der Sommer noch einmal zurück ins Tal, hockt noch behäbig in den Weinbergen und auf den Wiesen am Fluss. Doch für ihn gibt es kein Halten mehr! Ein bisschen wehmütig, ein bisschen belustigt macht Georg sich auf den Weg, jedoch nicht in den Westen wie viele andere damals aus Ostdeutschland, sondern in Richtung Osten, nach Warschau. Verlässt das „schlafende Land“ wie er die DDR nennt und die „schlafende Stadt“ Dresden. Hat genug von den „Belehrern und Bekehrern, den Weltvermessern und Grenzenabsteckern.“, von Tristesse, verfallenen, schmutzigen Häusern, die zurückbleiben. Er versteht kein Wort Polnisch, kennt nicht die Gepflogenheiten dort, er will nur weg, in ein neues, anderes Morgen und sich frischen Wind um die Nase wehen lassen. Stürmischen Ostwind gibt es häufig in Warschau an der Weichsel und vieles Andere, Aufregende, Ungewohnte. Und kaum hat Georg, 22 Jahre, der zum Studium hergekommen ist, sich etwas eingelebt, beginnt in Polen der Sommer des Aufbruchs 1980 und wird er Augenzeuge großer Veränderungen und Weichenstellungen der Weltgeschichte.

Eine Reise, die tief in die Vergangenheit führt mit Erzähl-Stationen, die wie am Zugfenster vorbeifliegende, wechselnde Landschaften und Orte aufscheinen, die faszinieren, erschrecken, sich festhaken oder wieder verschwinden, ist „Joanna“ von Hans-Haiko Seifert. Es ist ein Roman in 67 Erzählungen, die wie Streiflichter, ein Puzzle aus Erinnerungen, Eindrücken, Episoden und Begegnungen miteinander verwoben sind zu einem Ganzen, einem prägenden Kapitel im Leben des Ich-Erzählers (erschienen 2024 im Thelem Verlag, 400 Seiten, 24,80 Euro.) Es ist sein erster Roman. Man kann es hintereinander lesen oder einzelne Geschichten herausgreifen, die mit Überschriften versehen in sich abgeschlossen sind, manche nur zwei Seiten kurz, andere über 15 Seiten lang.

Der Erzählfaden wird immer weiter geknüpft, man sieht und erlebt mit den Augen von Georg als Beobachter, Fremder und Wahlwarschauer, wie er lebhaft atmosphärisch und detailliert das „Lied der fremden Stadt“, ihren Rhythmus und ihre Alltagsgeräusche, im Stakkato der Presslufthämmer, Kirchenglocken, Fluchen der Männer und Geschrei spielender Kinder auf der Straße wahrnimmt. Wie er in einer Milchbar ein einfaches Frühstück bestellt, kaum ein Wort versteht, und kalte Nudeln mit Erdbeersoße zum süßen Milchkaffee bekommt. Wie er zufällig im Gmach Glówny, dem Hauptgemach der Technischen Hochschule, einem Gebäude voll labyrinthischer Gänge in einem Raum eine hingebungsvoll spielende, junge Cellistin in nachtblauem Samtkleid und langem Haar sieht, ein paar Worte mit ihr wechselt. Sie reden über Philosophie, über Dinge, die man nicht anfassen und dennoch begreifen kann wie die Liebe. Sie lachen über die Raben, die seinen Pass gestohlen haben aus dem Rucksack am Fenster. Zum Abschied küsst sie Georg auf die Wange und flüstert ihm mit leisem Wispern und Zischeln etwas ins Ohr, das er nicht versteht. Dann ist sie schon verschwunden und er weiß nicht einmal ihren Namen.

Mit „Joanna“ erzählt Seifert eine wunderbare, abenteuerliche, geheimnisvolle und spannende Liebesgeschichte in Zeiten des Umbruchs. Auf der Suche nach ihr lernt Georg die riesige Stadt und ihre Menschen näher kennen, taucht tief in ihre Geschichte und Kultur ein. Dabei schildert er kenntnisreich, liebevoll, mit leicht ironischem Unterton und nahegehend wie aus Träumen und Erinnerungen aufsteigende Lebenswege und Schickale, die manchmal abrupt abbrechen. Wie er muss sich auch der Leser erst einmal hinein und zurecht finden in der Fülle von Namen, Straßen und Plätzen voll schwer aussprechbarer Zischlaute. Musik spielt eine große Rolle im Buch, von Bach, Frank Zappa, Eric Clapton-Konzert im Stalinpalast bis zu Georg Friedrich Händels „Der Messias“ und er spielt mit dem Wortklang der anderen Sprache. Es passieren seltsame Dinge. Ein Messingkästchen fällt in einen Lichtschacht im Gmach Glówny, mit dem es eine besondere Bewandtnis hat. Ein polnischer Philosophieprofessor erklärt Georg die jüdische Weisheitslehre und Zahlenmystik der Kabbala. Eine Verkäuferin im weißen Kittel, mütterlich und mit großem Busen und Herz, steckt dem Student ein eisiges Hühnchen unter den Pullover, während draußen eine Schlange Frauen in dicken Wintersachen ungeduldig auf Fleisch wartet, das gerade mal wieder rar ist in Krisenzeiten. Davon kocht er später eine stärkende Hühnersuppe gegen seine Erkältung.

Nacheinander tauchen verschiedene Figuren in den Geschichten auf, die Georg ein Stück des Weges begleiten und von denen er erzählt. Begonnen bei Pani Gosia, der alten Pförtnerin im Wohnheim, die ihm ansieht wie es ihm geht und ein selbst gebundenes Schreibheft für seine Notizen gibt, Piotr, der Pole aus Chicago im Zug nach Warschau, den er später in einer Kirche wiedertrifft, wo er endlich auch Joanna wiedersieht, die dort musiziert. Jacek, sein Mitbewohner, ein Hüne im Holzfällerhemd, der aus einem Dorf im Urwald von Bialowiez stammt und wunderliche altdeutsche Worte aus Grimms Märchen sagt, die er im Deutschunterricht lernte. Es stellt sich heraus, dass Georg sich mit dem falschen Namen als Grzegorz, auf deutsch Gregor, angemeldet hat. Georg heißt auf polnisch Jerzy. Und Jacek erklärt ihm das Wort „Demoludy“. Das klingt wie Demolieren, sei aber die Abkürzung für alles hier, also „demokracje ludowe“, Volksdemokratien. „Ostblock eben. Dieser ganze Schrottladen“, sagt Jacek, der sich heimlich mit Wojtek in der Protestbewegung Solidarnosc engagiert. Wojtek vom Radio Akademik, der schon am Morgen seine Sendung mit Led Zeppelin begann. Der Violinstudent von der „Fliegenden Uni“, die in Wohnzimmern heimlich Vorlesungen in Geschichte und Politik mit kritischen Dozenten veranstalten. Einmal steht er mit zugeschwollenem Auge und Resten von Blut an der Nase und dem weißen Hemd im Zimmer, nachdem die Vorlesung überfallen wurde. Die Studenten bestellen Hektographie-Geräte aus Düsseldorf, um Flugblätter zu kopieren. Immer hinter Georg her, mehr als ihm lieb ist, ist Mitstudentin Sibylle, die mit ihrem kurzen schwarzen Haar Joan Baez, der amerikanischen Liedermacherin ähnelt, doch sehr beflissen auf die offizielle Linie achtet und Georg regelmäßig das Parteiblatt „ND“ an die Türklinke klemmt, das gleich auf dem Stapel neben der Tür landet. Herrlich komisch die Szene, als Jacek in einer alten Waschmaschine WM 66 in Georgs Zimmer Bier braut! Und Joanna ihr Cello gerade noch so vor Nässe und Hitze retten kann. Wenig später stoßen sie nach Wojteks Radiosendung zum Streik der Werftarbeiter in Gdansk zusammen mit dem selbst gebrauten Bier an und nennen es Piwo Solidarnosci, Solidaritätsbier.

Es ist die Geburtsstunde der ersten Freien Gewerkschaften Anfang der 1980er Jahre in Polen, die Arbeiter stellen politische Forderungen für ihre Rechte, es geht um Pressefreiheit und Freiheit der politischen Gefangenen. An den Hochschulen gründen sich unabhängige Studentengewerkschaften. Jacek sagt spöttisch zu Georg, als der im „ND“ vergebens einen Beitrag über den Streik in Gdansk sucht, in Deutschland seien „Revolutionen untersagt. Weil es verboten ist, den Rasen zu betreten!“

Wenig später steht Georg mit Joanna in einem wilden, verlassenen Garten am Stadtrand von Warschau, auf einem Hausdach, voller Blumen und Gemüse, die in Eimern und Zinkbadewannen wachsen und auf dem Tisch steht noch eine Flasche Apfelsaft, der wie Bernstein schimmert durch das gefrorene Eis. Das wirkt surreal, traumhaft und endet jäh, als plötzlich der Sicherheitsoffizier und sein Mitarbeiter vom brutalen Verhör vorher durch die Dachtür heraustreten und Georg und Joanna in der Laube den Atem anhalten. Das wirkt schon etwas aufgesetzt so ein Zufall. Ähnlich rätselhaft seine Familiengeschichte mit dem unbekannten Großvater. Georgs Mutter schickt ihm eines Tages ein Päckchen, in dem eine alte Kiste, in der er seine Buntstifte aufbewahrte, mit Familienfotos liegen, die seine Eltern fanden als sie Großmutters Wohnung ausräumten. Er sieht es an und staunt über die Ähnlichkeit nach zwei Generationen und fragt sich, warum er ihn nicht kannte, ob er jung gestorben ist?

Unterwegs sieht Georg immer wieder einen alten Mann im langen, schwarzen Mantel, mit dichtem Bart und traurigen Augen, dem er quer durch die Stadt folgt, der ihn aufmerksam und schweigend mustert, als erinnere er ihn an jemand und der ihm dicht beschriftete Papierrollen, auf die Ränder von abgeschnittenem Zeitungspapier geschrieben, mit seiner Lebensgeschichte stumm überreicht. Diese Erzählungen von „Mendels Rollen“, einem jungen Mann, der in einem Dorf in Galizien mit seiner Mutter und Geschwistern aufwuchs, Bücher und die alten Schriften liebte und da seine Familie arm war, beim Rabbi speisen durfte und den er zu seinem Bruder nach Warschau schickte, um bei ihm zu wohnen und weiter zu lernen und studieren und dann kommt alles anders, ragen heraus aus dem Buch und bieten schon reichlich Stoff für einen Fortsetzungsroman. So bleibt vieles fragmentarisch. Es geht um eine heute fast vergessene, im Zweiten Weltkrieg untergegangene Kultur, um einstiges jüdisches Leben in Warschau, bei dem Glanz und Elend, Freud, Leid, Hoffnung und Enttäuschung nah beieinander liegen bis zum mutigen, dramatischen Aufstand im Warschauer Ghetto gegen die deutschen Nationalsozialisten. Diese Erzählungen von Mendel, der einst in Warschau frohen Mutes ankam in ähnlichem Alter wie Georg, berühren und erschüttern besonders in diesem Buch, weil man auch wenig weiß über damaliges jüdisches Leben. Alle Figuren sind frei erfunden. Die Aufzeichnungen des Mendel sind inspiriert durch Roman Vishniacs Fotografien in den beiden Bänden „Verschwundene Welt“ und „Wo Menschen und Bücher lebten“, erfährt man vorn im Buch. Dass dieses auch autobiographische Züge des Autors hat, lässt sich erahnen. Einmal fragt sich Georg, ob er jetzt in dieser Stadt heimisch sei und stellt fest: „Wo immer ich etwas zu lesen hatte, war ich zu Hause!“

Zum Schluss kriecht der Marienkäfer vom Buchtitel über den Briefbogen mit der Vorladung vom Ministerium und er fliegt auf und davon durchs weit geöffnete Fenster. Hinaus in die Kälte. Was wie die Freiheit aussah, war sein sicherer Tod, denkt Georg. Rückkehr wohin? Wo ist Zuhause? Das lässt das Buch offen. Wer ist Georg oder Gregor jetzt eigentlich, ein polnischer Deutscher oder ein deutscher Pole?! Das darf der Leser für sich entscheiden. Man würde ihn, Joanna, Jacek und die anderen in diesen verrückt-abenteuerlichen, komischen, nostalgischen und anrührenden Geschichten gern noch weiter begleiten durch diese weit ostwärts gelegene Großstadt mit ihren breiten Alleen, Parks, all ihrem Licht und Schatten, Vierteln mit schwarzen, toten Häusern, prunkvollen historischen Bauwerken und modernen Neubauten, voll Neugier, Sehnsucht und Aufbruchsgeist, durch allen Mangel und Enge der Zeiten einfach so hindurch dem Lauf des Lebens folgen.

Text + Foto (lv)

Infos + Kontakt zum Autor:
http://www.seifert-dresden.de

Veranstaltungstipp

Ein Lesung aus seinem Roman „Joanna“ mit Hans-Heiko Seifert gibt es am 6. Februar, 15 Uhr in der Bibliothek Leubnitz-Neuostra, Corinthstraße 8, in Dresden. Um Anmeldung wird gebeten unter: leubnitz-neuostra@bibo-dresden.de

Uraufführung „Der Komet“ nach dem Buch von Durs Grünbein im Kleinen Haus Dresden


Wie nah oder fern ist Vergangenes, die Geschichte einer Stadt und ihrer Bewohner? Fragt eindrucksvoll aus immer neuen Blickwinkeln die Inszenierung „Der Komet“ nach dem Buch von Durs Grünbein im Kleinen Haus Dresden. Fotos: Sebastian Hoppe

Schwebendes Spiel im Ozean der Erinnerungen

Facettenreich vieldeutige Blicke auf Dresden, das Grauen der Bombennacht und den Umgang mit Geschichte spiegeln sich in bilderreichem, intensivem Körpertheater in der Inszenierung „Der Komet“ nach dem Buch von Durs Grünbein im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Im Halbdunkel der Bühne stehen sie stumm beisammen wie lebende Tote, breiten ihre Arme auf und ab zusammen im Ozean der Erinnerung, in dem sie wie Quallen im Meer treiben um den Schwimmer herum. Sagt mit ihnen fließend eine leise Frauenstimme. Ihre Körper werfen Schatten auf den glatten, sandsteinernen Boden, auf dem schwarz der Stadtplan aufgezeichnet ist, unterteilt in Quadrate wie Häusergevierte, mit  schlängelndem Fluss, Straßen und Plätzen. In der Mitte befindet sich eine offene, dunkle Luke, aus der bald immer mehr werden, zum Auf und Abtauchen, Verstecken, Verbergen, Schutz suchen. Davor steht ein kleines Kästchen mit alten Postkarten und Familienfotos. Auf der Bühne verteilt stehen die sieben Darsteller, vier Frauen und drei Männer, in schwarzen Sachen, einer trägt ein weißes Hemd und gehen andächtig, gedankenversunken auf der Umrisskarte der einstigen Stadt ihren Erinnerungen nach. Eine schräge Spiegelwand über der Bühne zeigt das Geschehen und die Darsteller auf doppelter und zusätzlicher Ebene, aus der Draufsicht, wie in der Luft schwebend, entrückt, mit Abstand und ihr Ausgeliefertsein.

Mal scheinen die Darsteller auf einen zuzugehen, mal entfernen sie sich, wenden sich einem zu oder drehen sich um. Blicken einen offen an oder sehen in sich gekehrt vor sich hin. Facettenreich vielsagende und vieldeutige Blicke auf die Stadt Dresden, ihre grausame Bombardierung am 13. Februar 1945 durch angloamerikanische Angriffe, auf das Davor und Danach und den Umgang mit deutscher Vergangenheit in der Gegenwart spiegeln und fügen sich wie in einem Kaleidoskop zu immer neuen, puzzelartigen, starken, prägnanten und intensiven Bildern und eindringlichem Spiel der sieben Schauspielerinnen und Schauspieler in der Inszenierung „Der Komet“ nach dem Buch von Durs Grünbein in der Regie von Tilmann Köhler. Die Uraufführung im Beisein des Autors war am Freitagabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Ausgangspunkt dieser Stückentwicklung von Tilmann Köhler, Uta Girod und dem Spielensemble ist seine Erzählung der Lebensgeschichte einer jungen Frau in der Zeit des Nationalsozialismus aus der Sicht des nachgeborenen Enkels. Die 16-jährige Dora W. folgt ihrem Freund Anfang der 1930er Jahre aus Schlesien nach Dresden. Oskar ist Geselle am Dresdner Schlachthof und Dora, die vorher als Ziegenhirtin und Gärtnereigehilfin arbeitete, erlebt mit ihm in der prachtvoll, barocken Kunst- und Kulturstadt ihre „goldenen Jahre“.

Das Bühnenbild (Karoly Risz) verzichtet auf jegliche, nostalgisch wieder auferstehende Bilderkulisse des einstigen Dresdens. Es ist neutral, zeitlos gehalten und es könnte jede andere Stadt sein. Allein aus dem Erzählten, der Schwärmerei von den grandiosen Bauwerken, vielen Geschäften und Cafés und düsteren Kapiteln wie der brennenden Synagoge, von Semper erbaut ebenso wie das nach ihm benannte Opernhaus am Theaterplatz und den schlimmen Zuständen im Schlachthof mit dem Schweinedom im Ostragehege und erschütternden Schilderungen von Überlebenden des Untergangs der Stadt im Flammeninferno, das „Schuldige und Unschuldige“ unter sich begräbt in Schutt und Asche geht hervor, dass es sich um Dresden handelt. Es gibt keine festgelegten Figuren. Das ist teils verwirrend, weil nicht immer klar ersichtlich, um wen es gerade geht. Abwechselnd erzählen und sehen sich die Darsteller Ansichtskarten aus Paris, Familienfotos und Feldpostbriefe aus dem Kästchen an. Da verschmelzen Anekdoten, Betrachtungen und Lebensläufe und -schicksale eigener Familienangehöriger mit der bewegten Geschichte von Dora, liegen Träume, Freud und Leid nah beieinander.

Begleitet wird das Geschehen voll leise anrührender, unbeschwerter bis grotesker, erschütternder, tragischer und dramatischer Momente mit atmosphärisch untermalender Livemusik von Matthias Krieg. Reichlich Beifall vom Premierenpublikum gab es für diese knapp dreistündige Aufführung (mit Pause), die mit großartigen DarstellerInnen behutsam, berührend und beeindruckend vom Alltag, Lebens- und Überlebenswillen, von Hinsehen und Wegsehen, Mitgefühl und Gleichgültigkeit gegenüber Schwächeren und Ausgestoßenen, Macht und Ohnmacht vor dem Schatten des Krieges erzählt, der seine Spuren bis heute in Dresden hinterlassen hat auch im Streit über das Wie des Erinnerns. Eine Aufführung, die noch lange nachklingt, zum Nachdenken anregt und der man möglichst viele Besucher wünscht.

Text (lv)
Mehr Text zur Aufführung folgt.

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

Bilder einer Stadt
(Zur Uraufführung „Der Komet“ nach dem Buch von Durs Grünbein)

Vor der Bühne im Habdunkel
steht noch der lindgrüne tiefe Kinderwagen
solch einen hatten wir als Kinder
zum Spielen
Noch ein Blick zurück
auf die sandsteinerne Wüste
mit dem Stadtplan
aufgezeichnet der schlängelnde Fluss
ein Gewirr von Straßen Häusergassen und Plätzen
durchzogen von roten Linien und Kreuzen
bunt verstreut liegen noch die schillernden Faschingskostüme
Clownshüte und ein goldener Zylinder
hinter einer Spiegelwand flimmerndes Zerrbild
letzte närrische Überbleibsel vor dem Inferno
dem sie gerade noch entrinnen eine Mutter mit
ihren Kindern ein Mädchen mit langen Zöpfen
hält ihre Puppe Inge im Arm die sie rettete
so hieß meine Mutter wenige Tage nach Kriegsende geboren
sie trug als Kind Püppchen im Strumpfband unter
dem Kleid heimlich auf dem Schulweg
die sie ansah und trösteten ihre Ängste verbargen
Farben liebte sie aus denen ihre Träume aufstiegen
auf den Leinwänden
Blumen Bäume und Vögel ihr Gezwitscher in allen Tonarten
sahst du gern und maltest zeitlebens
mit unbändiger Leidenschaft in den Bildern verlor
sich alles Schwere
wir fuhren auch manchmal in die Stadt mit den
vielen Türmen am Fluss den Pusteblumen-Brunnen dem Zwinger
mit dem Kronentor und den Wandelgängen mit den
vielen pausbäckig knuffigen und rußigen  Sandsteinputten
die Frauenkirche war noch ein dunkler Trümmerberg
das Schloss verfallen
der Goldene Reiter auf seinem Sockel glänzte damals
schon wie die Augen meiner Großmutter wenn sie
vom prachtvollen Vorkriegsdresden erzählte
Ich liebe die vielen Bilder dieser Stadt
in die schonungslos das Dunkle die Katastrophe
wie ein Komet einschlug
und sie dennoch überlebte

LV
25./26.1.2025

Gedenkausstellung „Wandlungen“ zum 60. Geburtstag und 20. Todestag des Radebeuler Malers Ingo Kuczera in der Stadtgalerie Radebeul


‚o.T. (Figuren und Instrumente), 2003


o.T. (Springer mit Blumen und Selbstbild), o.J. ; o.T. (eingewickelt), 1999


o.T. (Kind im Kokon), o.J.

Farbreiche Traumwelt

In zarten und leuchtenden Farbtönen, feinsinnig, fantasievoll, voller Poesie, Melancholie und leisem Humor erzählen die Bilder von Ingo Kuczera von der Suche nach Geborgenheit, von Kraft und Verletzlichkeit, Schonheit und Zerbrechlichkeit des Lebens in der derzeitigen Gedenkausstellung „Wandlungen“ in der Stadtgalerie Radebeul. Noch bis 19. Januar mit abschließender Kuratorenführung um 16 Uhr.

Fliegende, fallende, schwebende, im Kokon sitzende, umwickelte, träumende und in ihren Träumen gefangene Figuren treffen in überwiegend zarten, leuchtenden Farbtönen aufeinander in der Gedenkausstellung „Wandlungen“ mit Malerei, Zeichnungen, Objekten, Entwürfen und persönlichen Erinnerungsstücken zum 60. Geburtstag und 20. Todestag des Radebeuler Künstlers Ingo Kuczera derzeit in der Stadtgalerie Radebeul.

Mensch und Tier sind zeichenreich innig verbunden. Auffallend die oft schemenhaften Gesichter und Körperumrisse, die kreiselnden und kippenden Bewegungen und Gesten. Weibliche Wesen erscheinen fragil, feenhaft und wie rettende Engel, elefantenstark, manchmal trägt Frau Mann. Auf einem See rudern ein Mann und eine Frau aneinander vorbei, hinter ihnen ein Schwan als Symbol ewiger Liebe. Märchenhaft, romantisch entrückt, farbenfreudig und feinsinnig, voller Poesie, Melancholie und leisem Humor erzählen die Bilder Kuczeras von der Suche nach Geborgenheit, von Kraft und Verletzlichkeit, der Schönheit und Zerbrechlichkeit des Lebens. Sie berühren mit ihrer Zartheit und Intensität des Ausdrucks, greifen elementare, zeitlose Themen des Zwischenmenschlichen auf und erinnern daran, in unserer grellen, schnelllebigen Gegenwart wieder mehr die leisen Zwischentöne zu hören.

Ich hatte das Glück, den Maler Ingo Kuczera Anfang der 90er Jahre persönlich kennenzulernen in seinem Atelier in Radebeul. Es war einer meiner ersten Beiträge für meine SZ-Atelierbesuchsserie. Sehe alles noch vor mir. Das Gartentor, das alte Haus, einen großen Raum voller Bilder. Alles sehr einfach, fast spartanisch eingerichtet, viele nostalgische Dinge. Er saß am Tisch, rauchte, sah mich mit offenem Blick an, hörte aufmerksam zu und schien zugleich nach innen zu sehen, in sich versunken. Die Kunst war wohl sein Lebensanker und Halt. Vielleicht fühlte er sich manchmal unverstanden oder innerlich zerrissen in einen hellen und dunklen Teil. Oft tauchen kleine, kindhafte Wesen in Kokons, Schutzhüllen auf, der Kopf des Malers lehnt, ruht an einem Baum und steht allein mit wehendem, braunem Mantel und spärlichem Haar im Wind umgeben von schwarz, kahlen Bäumen auf einem der letzten Bilder. Ich war erschüttert als ich hörte, dass Ingo Kuczera am 10.11.2004 mit 40 Jahren aus dem Leben schied.

Dunkle, erdige und warme Farbtöne wechseln sich ab. Bilder voller Poesie, Sanftheit, Farbenkraft, Leichtigkeit und Schweben, aus denen die Liebe zwischen Mensch und Natur, allem, Lebendigen spricht. Eine tiefe Sehnsucht nach Einssein und Verbundensein mit der Welt. Ein sensibler und großartiger Künstler. Ingo Kuczera hinterließ über 4 000 Werke, Sie befinden sich in zahlreichen privaten Sammlungen sowie in der Städtischen Galerie Dresden und in der Städtischen Kunstsammlung Radebeul.

Die Gedenkausstellung ist noch bis 19. Januar in der Stadtgalerie Radebeul in Altkötzschenbroda 21 zu sehen. An diesem Tag findet um 16 Uhr eine Kuratorenführung für BesucherInnen mit dem Stadtgaleristen Alexander Lange und Karin Baum statt, die maßgeblich an der Ausstellungskonzeption mitwirkte.

Text + Fotos (lv)

Öffnungszeiten der Stadtgalerie Radebeul:

Di, Mi, Do 14 bis 18 Uhr, So 13 bis 17 Uhr.

http://www.radebeul.de


„Die Elbe bebaut die Berge um Radebeul“, 1999


Garderobe mit Kutte, Schal und Wasserkocher sowie verschiedene Utensilien aus dem Nachlass von Ingo Kuczera. Privatbesitz Sammlung Baum.
Im Bild daneben: o.T., 2003, Aquatinta. Einzige druckgrafische Arbeit von ihm. Pivatbesitz Markus Retzlaff.


„Es muss eine Poesie in die Welt! Das ist klar! Liebe und so!“, steht ein  handschriftlicher Ausspruch und wohl auch Credo von Ingo Kuczera an der Bilderwand in der Gedenkausstellung für den Künstler in der Stadtgalerie Radebeul.



„Leda“, 1998

o.T. (Schwebender), o.J.   ;  „Meiner Lieblingschefin…“, 2003


o.T. (Der Trinker), 2003


„Als Erinnerung an meinen Freund Ingo“, Pastell von Peter Graf, 15.11.2004. Städtische Kunstsammlung Radebeul.
Und ein Bild „Zerbrochene Welt“ zur Erinnerung an Ingo Kuczera von Christiane Latendorf, 2004, Öl auf LW. Städtische Kunstsammlung Radebeul.

 

Atelierbesuch bei Cornelia Konheiser in Radebeul

Zartheit und Zufälle zulassen

Die Bilderlandschaften von Cornelia Konheiser faszinieren mit ihrer leisen Farbigkeit, Vielschichtigkeit und Intensität des Ausdrucks.

Filigrane, fächerartige Blätter zeichnen sich ab auf dem fahlgelbem Papier.Das Zweiggeflecht der Bäume ragt grau, schemenhaft vor sandfarbenem Hintergrund. In der Mitte leuchtet ein Kreis dunkel orange. Helle, pastellige und ockerfarbene, erdige Farbtöne, kantige und weiche Formen stoßen aneinander in klaren und umrisshaften Konturen und verfließen im Licht- und Schattenspiel in den Bilderlandschaften von Cornelia Konheiser. Es sind Sinnbilder der Natur und des Lebens, die vom ständigen Werden, Wachsen und Vergehen erzählen und mit ihrer leisen Farbigkeit, Vielschichtigkeit und Intensität des Ausdrucks berühren. „Diese Zartheit zulassen, jetzt gerade“, ist ihr wichtig. Beim Drucken der Monotypien werden die Blätter auch immer etwas zarter bis zur Auflösung. Daher auch die Bildtitel „ephemér“, das bedeutet flüchtig, rasch vorübergehend.

Die Arbeiten, vor allem Grafiken, hängen gerahmt an den Wänden in ihrem Wohn- und Atelierhaus auf der Dr. Rudolf-Friedrichs-Straße 12 in Radebeul. Das um 1890 erbaute Gebäude hat sie 1999 zusammen mit ihrem Mann gekauft und saniert. Ihre vier Kinder sind längst erwachsen und ausgezogen. Im Erdgeschoss hat sie sich Atelierräume eingerichtet. Mit Blick auf Bäume und in den Garten. „Ich bin sehr dankbar, dass ich die Zeit, Ruhe und den Platz habe für die Kunst“, sagt Cornelia Konheiser. „Dann kommt man in den Flow und es entsteht etwas Gutes.“ Sie umgibt sich gern mit ihren Bildern. „Das brauche ich auch, damit ich weiß wie ich weitermache“, sagt sie. Die Arbeiten im Blick haben, um den Schaffensprozess stetig weiterzuentwickeln. In einem Raum steht eine Tiefdruckpresse. Dahinter Ausstellungsplakate und Bilder an den Wänden.

Ihre Monotypien entstehen in Kombination mit Materialdruck Es sind alle Unikate, Einzelstücke, so die Künstlerin. Sie macht keine Auflagendrucke und experimentiert gern. Für ihre Grafikblätter verwendet sie oft Pflanzenformen und druckt verschiedene Farbschichten übereinander. „Es ist ein Prozess und auch ein bisschen Zufall dabei.“ Sie arbeitet intuitiv. Eine ihrer mehrfarbigen Monotypien heißt „Enigma“, Geheimnis. Sie weiß oft selbst nicht, wie ein Bild wird. Die Expressionisten, die Brücke-Künstler haben Cornelia Konheiser lange fasziniert. „Da sie ganz frei waren, einfach gemalt haben, was sie in sich fühlen.“ Weitere künstlerische Vorbilder sind ihr Paul Klee und Lionel Feininger. Cornelia Konheiser wurde 1964 bei Wurzen geboren. Sie ist Diplomchemikerin und war nach ihrem Studium an der TU Dresden bis 1996 im Umweltbereich tätig. Seit zehn Jahren arbeitet Cornelia Konheiser verstärkt künstlerisch. „Das steckt in einem“, sagt sie. Sie eignete sich verschiedene Radiertechniken an in Grafikkursen bei der Künstlerin Maja Nagel. Außerdem absolvierte Cornelia Konheiser ein künstlerisches Abendstudium an der Neuen Abendschule der Dresdner Kunsthochschule von 2012 bis 2015. Jedes Jahr im Sommer fährt sie nach Schweden, wo sie einfach die Natur pur, Wald und Wasser, auf sich wirken lässt, aufsaugt, fotografiert und Malzeug ist immer dabei. Eine Malreise, die der Dresdner Künstler Matthias Schroller organisierte, führte sie im Herbst nach Georgien am Rande des Kaukasus. Regelmäßig nimmt sie an den Sommerplenairs bei Franziska Kunath im Künstlerhof Röhrsdorf teil und malt dort inmitten der Natur gemeinsam mit anderen Künstlern.

Im Winterhalbjahr druckt Cornelia Konheiser ihre grafischen Arbeiten, vor allem Monotypien. „In die Abstraktion kommen. Das ist die hohe Kunst“, ist ihr Anspruch. Das Symbol des Kreises taucht oft auf, der das Universelle, die vollkommene Einheit darstellt. Draußen in ihrem großen Garten am Haus bekommt sie auch viele Anregungen. „Dort kann ich das Wachstum und wie alles wirkt in der Natur beobachten, die Formen, Farbabstufungen und Strukturen in ständigem Wandel sehen und die Balance. Darum geht es immer auch im Leben.“

Text + Fotos (lv)

http://www.corneliakonheiser.de