BücherFrühling: Die besten neuen Kinderbücher

Der Lesekompass 2022: Kinder lieben diese 30 Geschichten

Leipziger Buchmesse und Stiftung Lesen feiern 10 Jahre Lesekompass / Fach- und Kinderjury zeichnen 30 (Hör-)Bücher und Apps aus, die Lesefreude garantieren.

Der Lesekompass feiert seinen 10. Geburtstag: Seit 2012 gibt der Lesekompass Orientierung im Dschungel der Neuerscheinungen im Kinder- und Jugendbuchbereich. Gemeinsam mit der Stiftung Lesen zeichnet die Leipziger Buchmesse Bücher, Hörbücher, Apps und andere Medien für Kinder zwischen 2 und 10 Jahren aus, die sich besonders gut zum Vor- und selber lesen eignen. Das Besondere am Lesekompass: Neben einer 18-köpfigen Fachjury wählen eine Jugend- sowie zwei Kinderjurys gemeinsam die jeweils zehn Titel für die entsprechenden Altersgruppen aus. Ganz nach dem Motto: Wer kann geeignete Geschichten besser beurteilen als die Zielgruppe selbst? Bisher wurden in den vergangenen 10 Jahren 330 Titel, darunter rund 20 Hörbücher, von insgesamt 53 Verlagen prämiert. Die diesjährigen Gewinnertitel werden auf der Website der Leipziger Buchmesse, http://www.leipziger-buchmesse.de und der Stiftung Lesen, www.stiftunglesen.de, bekannt gegeben. KiKA-Moderator und Lesebotschafter Tim Gailus stellt alle prämierten Titel in mehreren, kleinen Videos unter www.youtube.com vor.

Lotse durch den Dschungel der Neuerscheinungen
Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse, sagt: „Seit zehn Jahren lotst der Lesekompass sehr erfolgreich durch den Dschungel der Kinder- und Jugendbuchneuerscheinungen. Mit großem Stolz schauen wir zurück auf diese Erfolgsgeschichte. Durch die gezielte Auswahl sowohl für Leseeinsteiger als auch Leseratten gelingt es seit vielen Jahren, die Lese- und Abenteuerlust bei Kindern und Jugendlichen nachhaltig zu wecken. Denn das ist und bleibt auch in der Zukunft eine der wichtigsten Aufgaben der Leipziger Buchmesse.“

Kinder lieben und brauchen gute Geschichten
Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, erklärt: „Die prämierten Bücher und Hörbücher setzen sich dieses Jahr mit dem zentralen Thema „Vielfalt“ auseinander. Auf positive, offene und inspirierende Weise erzählen sie Geschichten über Diversität, Toleranz und ein gelungenes Miteinander. Seit zehn Jahren ist der Lesekompass nicht zuletzt durch die außergewöhnliche Juryzusammensetzung eine herausragende Navigationshilfe für Eltern, Buchhändler/-innen, pädagogische Fachkräfte, Bibliotheken, ehrenamtlich Engagierte sowie natürlich für Kinder und Jugendliche, um geeigneten (Vor-)Lesestoff zu finden.“

Der Lesekompass 2022

2 bis 6 Jahre
Susanne Straßer: Kann ich bitte in die Mitte? |Peter Hammer Verlag | Pappbilderbuch an ca. 2 Jahren
Rotraut Susanne Berner: Karlchen und der Kapuzen-Klub | Hanser | Wimmelbuch ab ca. 2 Jahren
Derick Wilder / K-Fai Steele (Ill.): Hat der Bagger einen Po? | Klett Kinderbuch | Gereimtes Bilderbuch ab ca. 3 Jahren
Gemma Merino: Der kleine Drache, der kein Feuer spucken konnte | Baumhaus | Bilderbuch ab ca. 4 Jahren
Helen Stephens: Huhu, Herr Schuhu | Annette Betz | Bilderbuch ab ca. 4 Jahren
Tracey Corderoy / Tony Neal (Ill.): Ist ja nur eins!? | Penguin Junior |Bilderbuch ab ca. 4 Jahren
Thomas M. Müller: Robin kommt! | Moritz Verlag | Bilderbuch ab ca. 4 Jahren
Cornelia Boese / Dorota Wünsch (Ill.): Wo ist Theatrine? | Gerstenberg | Sachbilderbuch ab ca. 4 Jahren
Andreas H. Schmachtl: Hörnchen und Bär. Haufenweise echt waldige Abenteuer | Arena | Vorlesebuch ab ca. 4 Jahren
Maren Hasenjäger: Ein kleiner blauer Punkt | Magellan | Sachbilderbuch ab ca. 5 Jahren

6 bis 10 Jahre
Véro Mischitz / Claudia Gotthardt (Ill.): Fiese Viecher. Warum Ratte, Wespe & Co. viel cooler sind, als du denkst | Kosmos | Sachbuch ab ca. 6 Jahren
Henriette Wich / Steffen Gumpert (Ill.): Team Lupe ermittelt. Der rätselhafte Hundedieb | Arena | Lesestarter ab ca. 6-7 Jahren
Nicolas Gorny / David Füleki (Ill.): Grusel & Co. – Achtung! Weltraum-Glibber | Südpol Verlag| Kinderroman ab ca. 7-8 Jahren
Karl Olsberg / Philipp Ach (Ill.): Das Dorf. Gestrandet auf der Smaragdinsel | Loewe WOW! | Comicroman ab ca. 8 Jahren
Tobias Goldfarb / Lisa Hänsch (Ill.): Fonk. Geheimagent aus dem All | Carlsen | Kinderroman ab ca. 8 Jahren
Thomas Möller / Sebastian Grusnick / Nikolai Renger (Ill.): Mein Bruder der Elbenritter hat nicht mehr alle Ziegel auf dem Dach | Dressler | Kinderroman ab ca. 8 Jahren
Maria Scrivan / Harriet Fricke (Übers.): nICHt genug! | Loewe Graphix |Graphic Novel ab ca. 8-9 Jahren
Maria Kling / Astrid Henn (Ill.): Freddy und Flo gruseln sich vor gar nix | Carlsen | Kinderroman ab ca. 8-9 Jahren
Julia Blesken / Stefan Kaminski (Sprecher): Mission Kolomoro oder: Opa in der Plastiktüte. Gekürzte Lesung | Oetinger audio | Hörbuch ab ca. 9 Jahren
Vashti Hardy: Molly und das Rätsel von Moorland | Gulliver (Super lesbar) | Easy Reader ab ca. 9 Jahren

10 bis 14 Jahre
Peter Schwindt / Alexander Knorre (Ill.): Finsterbrook. Vier Freunde und ein Höllenhund | Fischer Sauerländer | Fantastischer Roman ab ca. 10-11 Jahren
Wauter Mannaert: Yasmina und die Kartoffelkrise | Reprodukt | Graphic Novel ab ca. 10 Jahren
Lev Grossmann / Alina Brost (Ill.): Der Silberpfeil. Die abenteuerliche Reise in einem magischen Zug | rowohlt rotfuchs | Fantastischer Roman ab ca. 10 Jahren
Lisa Krusche: Das Universum ist verdammt groß und supermystisch | Beltz & Gelberg | Realistischer Roman ab ca. 10 Jahren
B.B. Halston: Amari und die Nachtbrüder | Dragonfly | Fantastischer Roman ab ca. 10-11 Jahren
Linda Becker / Julian Wenzel / Birgit Jansen (Ill.): Was ist eigentlich dieses LGBTIQ?* | Migo | Sachbuch ab ca. 11 Jahren
Simon van der Geest: Der Urwald hat meinen Vater verschluckt | Thienemann | Realistischer Roman ab ca. 10-11 Jahren
R.L. Ferguson: Catacombia. Abstieg in die Tiefe | Ravensburger | Fantastischer Roman ab ca. 11 Jahren
Katharina Hacker: Alles, was passieren wird |Fischer Sauerländer | Realistischer Roman ab ca. 12 Jahren
Katharina Bendixen: Taras Augen | Mixtvision | Dystopie ab ca. 14 Jahren

Lesen ist die zentrale Voraussetzung für Bildung, beruflichen Erfolg, Integration und eine zukunftsfähige gesellschaftliche Entwicklung. Damit alle Kinder in Deutschland lesen können, engagiert sich die Stiftung Lesen gemeinsam mit Bundes- und Landesministerien, mit Unternehmen, Stiftungen, Verbänden und wissenschaftlichen Einrichtungen in bundesweiten Programmen und Kampagnen. Die Stiftung Lesen steht seit ihrer Gründung unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und wird von zahlreichen prominenten Lesebotschaftern unterstützt. www.stiftunglesen.de

Die Leipziger Buchmesse ist Literatur- und Bildungsmesse zugleich. Der Bereich „FOKUS BILDUNG“ fasst alle ausstellungs- und programmseitigen Angebote zum Thema Bildung zusammen. Die Inhalte reichen von frühkindlicher bis hin zur schulischen Bildung in der Abiturstufe. So erhalten Erzieher, Lehrer und Pädagogen einen umfassenden Überblick über bildungsrelevanten Themen für eine erfolgreiche und nachhaltige Arbeit.

Text: Julia Lücke
Pressesprecherin Leipziger Buchmesse

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„Mein Freund, der Betrunkene Sachse“ – ein Olaf Böhme Abend mit Thomas Kaufmann im Boulevardtheater


Voll unerschütterlichem Humor. Mal kämpft er wie sein Freund, der Betrunkene Sachse, mit den Zeigern der Uhr, mal starrt er gebannt auf eine Kuckucksuhr, wo sich der Vogel versteckt. Thomas Kaufmann spielt die Kultfigur Olaf Böhmes mit ebenso viel Spiellust und anrührender Komik. Fotos: Robert Jentzsch

“Wenn die Brühe kalt ist, gehe ich raus!“

Direkt, ohne Umschweife, voll trocken bodenständigem Humor, mit  viel Fantasie, Fabulierfreude und Hintersinn erzählte und spielte Olaf Böhme seine Kulturfigur als „Betrunkener Sachse“. In einer liebevoll vergnüglichen Hommage, nah am Original entlang, huldigt und erinnert mit dem Programm „Mein Freund, der Betrunkene Sachse“, das unlängst Premiere im Boulevardtheater Dresen hatte, Thomas Kaufmann an den großartigen Komiker.

Immer beschwipst, den Kopf voller Ideen und skurriler Geschichten über die Absurditäten des Lebens, wankte er in weißem, lässig aus der Hose hängenden Hemd und offener Krawatte auf die Bühne. “Mein Freund, der Betrunkene Sachse“ – ein Abend für Olaf Böhme erinnert an den großartigen, heiteren wie ernsthaften Komiker. Am 18. März 2019 starb Olaf Böhme 65-jährig an den Folgen der Leukämie. Böhmes Kultfigur des „Betrunkenem Sachsen“, den er 2016 letztmals an diesem Ort spielte, holt Thomas Kaufmann jetzt auf die Bühne und huldigt Olaf Böhme in einer liebevoll vergnüglichen Hommage. Premiere war im Rahmen der „Humorzone 2022“ kürzlich im Boulevardtheater Dresden.

Ein Mann kommt fröhlich angeheitert auf die Bühne und ruft: „Olaf, ich bin da!“ Doch die Bank im Grünen, neben der Mülltonne und Laterne, bleibt leer. Hier wollten sie sich treffen, an der Babisnauer Pappel, die er liebevoll “Barbie“ nennt. Er war immer pünktlich. Der Freund beschließt auf ihn zu warten. Er trägt eine graue Strickjacke über dem weißen Hemd und ausgebeulte Jeans, wankend und eine Hand aufgestützt in die Seite fragt er die Zuschauer, ob sie seinen Kumpel gesehen haben: „So einen Großen, mit langen Armen…“ Der Mann setzt sich auf die Bank und beginnt zu erzählen, alles was ihm einfällt über seinen Freund, den „Betrunkenen Sachsen“.

Wie er mit ihm Mathe übte, dies sogar studierte und ihm witzig das Rechnen und Wahrscheinlichkeiten erklärte, auch wenn Äpfel und Birnen scheinbar nicht zusammen passen. Herrlich naiv komisch, liebevoll und anrührend, erzählt, spielt, schwärmt, tröstet und erinnert Thomas Kaufmann als fiktiver Weggefährte von Olaf Böhme an Anekdoten, Lebensstationen und bekannte Nummern aus seinen Programmen. Und er kramt die schönsten, lustigen und traurigen Geschichten noch einmal aus dem Plastbeutel. Über die Hochzeit mit der „Muddi“, die an sich kein schlechter Mensch ist, doch an allem etwas auszusetzen hat. Wie sie jede Stunde auf die Kuckucksuhr sahen, doch das Vieh kam nicht raus und entpuppte sich als vietnamesische Bachstelze, als billig hereingesetzter Gastarbeiter. Oder der gemeinsame Weihnachtsabend mit Olaf inklusive Besichtigung des Wasserschadens in Nachbars Wohnung, einem Designer, der mit braunen Kringeln an der Decke und dem Wasserbett verblüfft.

Er wundert sich über vieles. Wozu eine Uhr im Bad hinter der Badewanne?! „Wenn die Brühe kalt ist, gehe ich raus!“ Dieser herrlich trockene, bodenständige Humor war typisch für Olaf Böhme. Einfach, direkt und ohne Umschweife sagte er, was der Mann von der Straße dachte, mit sehr eigener Logik und Sicht auf die Welt. Er hält einen Stock als Angel in den Sandkasten. Vielleicht kommt der Fisch zu Fuß… Herzzerreißend komisch kämpft er mit den Tücken des Alltags, wenn er etwa versucht, auf eine runde Dose einen eckigen Deckel passend zu bekommen. Aus solchen Dingen und unsinnigen
Kleinlichkeiten, die einem die Freude vermasseln, schöpfte Böhme seine Komik  und sorgte für Lachtränen beim Publikum.

Thomas Kaufmann schlüpft im Laufe des Abends immer mehr in die Rolle des „Betrunkenen Sachsen“. Er redet in seinem Tonfall mit „Weeste“, steht mit weißem, heraushängenden Hemd und loser Krawatte schwankend am Bühnenrand, liest aus dem Telefonbuch vor und erfindet frei heraus Geschichten dazu wie einst Böhme und trägt ein paar ulkige „Pichmann Gedichte“ vor. Höhepunkt ist die rätselhafte „Steuererklärung“, mit der er die Bürokratie ad absurdum führt. Inzwischen hat der Freund die Mettwurstbemme, „echter Schweine Nougat“, die Olaf gern mochte, aufgegessen. Die Uhr ist stehengeblieben. Das Laternenlicht geht an.

„Wo`s dunkel wird, wird`s auch wieder hell“, tröstet sich sein Freund.
„Wenn er nicht, gar nicht kommt. Ist er ja trotzdem, eigentlich immer da.“ Sagt Thomas Kaufmann unter herzlichem Beifall und stehenden Ovationen des Publikums. „Sein Zwillingsbruder!“, sagt ein älterer Mann, der sich bei seiner Frau untergehakt hat, beim Hinausgehen über den Freund des „Betrunkenen Sachsen“. Schön, dass auf die Weise Olaf Böhmes wunderbare Geschichten über das Leben und sein Humor weiterleben. Der nächste Olaf Böhme-Abend mit Thomas Kaufmann ist am 24. April im Boulevardtheater Dresden.

Text (lv)

http://www.boulevardtheater.de


Fabulierfreudig: Der „Betrunkene Sachse“ findet und liest sogar aus dem Telefonbuch witzig-verrückte Namen, Nummern und Geschichten, natürlich immer mit einem Fünkchen Wahrheit.

Unvergessen: Olaf Böhme als „Betrunkener Sachse“.

Preis der Leipziger Buchmesse 2022 an drei WortkünstlerInnen verliehen

Schelmenstück, Wortgewitztheit und Gespensterorte

Ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2022: Tomer Gardi, Uljana Wolf und Anne Weber

Drei Wortkünstler:innen nahmen in der Glashalle der Leipziger Messe den Preis der Leipziger Buchmesse 2022 in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung entgegen: Tomer Gardi, Uljana Wolf und Anne Weber. Anne Weber erhielt den Preis in der Kategorie Übersetzung für „Nevermore“ von Cécile Wajsbrot, übersetzt aus dem Französischen. Die siebenköpfige Jury unter der Leitung von Insa Wilke zeichnete zudem Uljana Wolf für ihr Werk „Etymologischer Gossip. Essays und Reden“ mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch/Essayistik aus. In der Kategorie Belletristik freute sich Tomer Gardi für seinen Roman „Eine runde Sache“ über die bedeutende Auszeichnung. Insgesamt 441 Werke wurden für den diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse eingereicht.

Kategorie Belletristik:

Tomer Gardi | Eine runde Sache | zur Hälfte übersetzt aus dem Hebräischen von Anne Birkenhauer | Literaturverlag Droschl

Zur Begründung der Jury:

Unverschämt, dieser Tomer Gardi. Den ersten Teil seines Romans erzählt er nicht in astreinem Deutsch, sondern in einer Kunstsprache mit eigenartiger Rechtschreibung und merkwürdigem Satzbau. Broken German. Es gibt einen zweiten Teil, oder besser: Es gibt den Roman doppelt. Jetzt hat Tomer Gardi ihn auf Hebräisch geschrieben. Anne Birkenhauer hat ihn ins Deutsche übersetzt. … „Eine runde Sache“ ist ein Schelmenstück. Wirklichkeit und Fiktion prallen darin aufeinander wie das Echte und das Gemachte. Dabei spielt Gardi ebenso kunstvoll wie dreist mit Lesegewohnheiten und Erwartungen an einen Roman, zumal an einen deutschsprachigen. „(…) ein Schriftsteller ist jemand, der Schwierigkeiten hat mit die deutsche Sprache“, schreibt er und hinterfragt unser Bedürfnis nach Korrektheit und Geradlinigkeit ebenso wie ästhetische Normen. Dahinter lauert die bittere Frage, wie es einem Menschen überhaupt gelingen kann, seine eigene Sprache zu finden. Kurzum: „Eine runde Sache“ ist ein großzügiger Roman von hoher sprachlicher Präzision.

Autor:

Tomer Gardi, geboren 1974 in Galiläa, lebt in Berlin. 2016 erschien sein Roman BROKEN GERMAN, 2019 SONST KRIEGEN SIE IHR GELD ZURÜCK (beide im Literaturverlag Droschl). BROKEN GERMAN erhielt als Hörspieladaption 2017 den Deutschen Hörspielpreis, das Hörspiel DIE FEUERBRINGER – EINE SCHLAGER-OPERETTA wurde von der Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste zum Hörspiel des Monats Februar 2018 gewählt.

Kategorie Sachbuch / Essayistik:

Uljana Wolf | Etymologischer Gossip. Essays und Reden | kookbooks

Zur Begründung der Jury:

Uljana Wolf hätte in allen drei Kategorien für unseren Preis nominiert werden können, und in allen drei auch mit diesem einen Buch, denn das ist sehr vereinfacht gesprochen ein Sachbuch übers Übersetzen von Lyrik – allerdings höchst komplex geschrieben von einer Poetin, die auch als Übersetzerin renommiert ist. Wolfs „Etymologischer Gossip“ bietet denn auch sowohl hinreißende Gedichte als auch brillante Übertragungen aus anderen Sprachen. Doch gewonnen hat der Band zu Recht in der Sparte Sachbuch, denn diese Lebensthemensammlung seiner Verfasserin ist ein Musterbeispiel für Essayistik. Und geradezu übermütig sind Wortgewitzheit und Assoziationsfreude, mit denen Uljana Wolf ans Werk geht. Dieses Sachbuch ist nicht zuletzt ein Lachbuch: Wer wissen möchte, wie eine fröhliche Sprachwissenschaft sich liest, der hat damit die geeignete Lektüre zur Hand. Ihrem „Etymologischen Gossip“ möchte man gar nicht mehr aufhören zu lauschen.

Autorin:

Uljana Wolf ist Lyrikerin und Übersetzerin. Ihr Werk wurde in über 15 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Peter-Huchel-Preis für ihr Debüt KOCHANIE, ICH HABE BROT GEKAUFT (kookbooks, 2005) und dem Arbeitsstipendium der Villa Massimo Rom 2017/18. Zuletzt übersetzte sie mit Michael Zgodzay Gedichte von Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki aus dem Polnischen (NORWIDS GELIEBTE, Edition Korrespondenzen 2019).

Kategorie Übersetzung:

Anne Weber | „Nevermore“ von Cécile Wajsbrot, übersetzt aus dem Französischen | Wallstein Verlag

Zur Begründung der Jury:

Eine französische Autorin, die auch Übersetzerin ist, übersetzt „To the Lighthouse“ von Virginia Woolf. Sie wird ihrerseits übersetzt von Anne Weber, einer Deutschen, die ebenfalls Schriftstellerin ist. Was diese drei Frauen hier aufführen, das ist ein Krimi des Bezeichnens! Doch wo ist das Bezeichnete eigentlich? „Jedes Ding verbirgt ein anders“, liest man in Anne Webers Worten bei Cécile Wajsbrot. Und so führt sie uns im Flüsterton dreier Sprachen ein in ein Reich der Abwesenheiten: in das ausgebombte Dresden, die im Krieg zerstörte Kathedrale von Coventry, das verseuchte Gebiet um Tschernobyl und zur Industrieruine der High Line in New York. Etwas lebt an diesen Orten, das sich immer wieder entzieht. So wie das Original sich dem Übersetzer entzieht. Gespensterorte und – Gespensterworte. Anne Weber, herzlichen Glückwunsch zu diesem „Roman Noir“ der Übersetzungskunst. Herzlichen Glückwunsch auch zum Preis der Leipziger Buchmesse.

Übersetzerin:

Die Autorin und Übersetzerin Anne Weber, geboren 1964 in Offenbach, lebt in Paris. Sie übersetzt ins Deutsche (u.a. Pierre Michon, Marguerite Duras) und Französische (z. B. Sibylle Lewitscharoff und Wilhelm Genazino). Ihr Roman KIRIO (S. Fischer, 2017) stand auf der Shortlist des Preises der Leipziger Buchmesse 2017, für ANNETTE, EIN HELDINNENEPOS (Matthes & Seitz, 2020) erhielt sie den Deutschen Buchpreis.

Über den Preis der Leipziger Buchmesse
Der Preis der Leipzig Buchmesse wird von einer siebenköpfigen Jury vergeben: Unter der Leitung von Insa Wilke haben Moritz Baßler, Anne-Dore Krohn, Andreas Platthaus, Miryam Schellbach, Shirin Sojitrawalla und Katharina Teutsch die Nominierten ausgewählt. Der mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Preis der Leipziger Buchmesse ehrt seit 2005 herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung. Der Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig unterstützen den Preis der Leipziger Buchmesse. Partner des Preises ist das Literarische Colloquium Berlin. Medienpartner sind das Kundenmagazin buchjournal und Deutschlandfunk Kultur.

Text: Julia Lücke/Leipziger Buchmesse

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Theater Junge Generation lädt geflüchtete ukrainische Kinder und Jugendliche zum Theaterspielen ein


Orr der Begegnung für „Phantastische Welten“: Das Theater-Spiel-Angebot wird bereits rege genutzt im Theater Junge Generation. Foto: Marco Prill

Wöchentliches Theater-Spiel-Angebot für geflüchtete ukrainische Kinder und Jugendliche im tjg.

Ab sofort gestaltet und betreut das tjg. theater junge generation in Kooperation mit dem Kolibri – Kinder- und Elternzentrum e.V. an zwei Vormittagen in der Woche ein Theater-Spiel-Angebot für geflüchtete ukrainische Kinder und Jugendliche. Vier Theaterpädoginnen der tjg.-Theaterakademie und weitere Mitarbeiter*innen des Hauses laden die Kinder und Jugendlichen im Alter von 6 bis 18 Jahren, die über den Kolibri e.V. ins Theater kommen, ein, gemeinsam mit ihnen in zwei alterspezifischen Gruppen Theater spielen, Geschichten zu erfinden oder mit Bewegung und Tanz die Bühne zu erforschen.

Das Thema „Phantastische Welten“ bietet einen Ort der Begegnung und der Gemeinschaft sowie die Möglichkeit methodisch vielfältig und sprachlich niedrigschwellig in einen szenischen Austausch miteinander zu treten. Bereits zu den ersten beiden Angeboten kamen mehr als 60 Kinder und Jugendliche.
In einem Statement des Theaters zu den Ereignissen in der Ukraine heißt es: „Die Mitarbeiter*innen des tjg. fühlen sich allen Kindern und Jugendlichen dieses Landes verbunden und werden ganz besonders denen beistehen, die vor dem Krieg in der Ukraine flüchten und bei uns Schutz suchen.“ Mit dem neuen Theater-Spiel-Angebot möchte das Haus dazu einen Beitrag leisten.

Text: Norbert Seidel

tjg. theater junge generation
Kinder- und Jugendtheater Dresden
~ theatre for children and young audiences
Kraftwerk Mitte 1
~ 01067 Dresden
Postanschrift
~ Postfach 12 00 20 ~ 01001 Dresden
Tickets und Info +49 351 3 20 42 777
~ tjg-dresden.de

Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung an Karl-Markus Gauß verliehen


Der österreichische Schriftsteller und Aufklärer Karl-Markus Gauß wurde für sein Buch „Die unaufhörliche Wanderung: Reportagen“ (Paul Zsolnay Verlag Wien) mit dem mit 20 000 Euro dotierten Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2022 ausgezeichnet. Foto/Leipziger Buchmesse

„Ein trittsicherer Wanderer durch Europa“

So lange Krieg herrscht, ist es schwierig, für Verständigung zu werben. Aber wann wäre es notwendiger, es zu tun?“ Diese Botschaft sandte am Donnerstag Abend Karl-Markus Gauß in seiner Dankesrede in der Nikolaikirche Leipzig. Kurz zuvor hatte er den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung erhalten. In ihrer Laudatio lobte Daniela Strigl den Preisträger als einen „trittsicheren Wanderer“, der sich bei seinem Gang durch Europa an den Rändern, an den Peripherien orientiere und sich auf dem Boden eines aufgeklärten Humanismus bewege. Der Preisverleihung war eine Friedensaktion auf dem Nikolaikirchhof vorangegangen. Neben Friedensbotschaften von Oberbürgermeister Burkhard Jung und Peter Kraus vom Cleff, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V., wandte sich der ukrainische Autor Juri Andruchowytsch mit einer eindringlichen Mahnung an die deutsche Bevölkerung. „Fürchten Sie sich nicht, seien Sie tapfer gegen diese Gefahr. Das ist hier eine Gefahr für uns alle, das ist eine gemeinsame Gefahr. Es ist die höchste Zeit, nicht mal für die klare europäische Perspektive, sondern für die vollwertige Mitgliedschaft der Ukraine in der EU. Sie brauchen uns, um viel größer, mutiger und stärker zu sein.“

Anbei die Reden von Preisträger Karl-Markus Gauß, der Laudatorin Daniela Strigl sowie die Worte der Videobotschaft von Juri Andruchowytsch. Diese stehen hier:
https://www.leipziger-buchmesse.de/de/erleben/international/europaeischer-buchpreis/

Text: Julia Lücke,
Pressesprecherin Leipziger Buchmesse

https://www.leipziger-messe.de
https://www.leipziger-buchmesse.de

„Flüchtige Momentaufnahmen“ – Ausstellungseröffnung „Omnia ad unum“ von Chris Löhmann in der Galerie Adlergasse

Geheimnisvolle Bildwelten

Zur Eröffnung der Ausstellung Chris Löhmann „Omnia ad unum“ mit Zeichnungen und Lithografien am Freitag, dem 18. März, 20 Uhr in der Galerie Adlergasse, Wachsbleichstraße 4a, sind BesucherInnen herzlich eingeladen.

Einführende Worte: Christin Pietzko

Chris Löhmanns (Jg. 1988) umfangreiche Serie großformatiger Lithografien steht im Zentrum der Ausstellung. Um in seine hermetisch verschlüsselte Bildwelt einzudringen, bedarf es einiger Mühen, aber es lohnt sich. Die Grafiken: klassisch, düster-elegant, von fast schon irrwitziger Detailbesessenheit. Löhmann erschafft eine schwer zu greifende Atmosphäre aus Andeutungen, Gerüchten, unsicheren Fakten. Flüchtige Momentaufnahmen, die sich anreichern, verdichten – ohne Näheres preiszugeben – um im nächsten Augenblick einer weiteren Ahnung zu weichen. Eine Vielzahl assoziativer Gedankenbilder, die sich um Löhmannsche Schattenreiche ranken, ließen sich aufzählen. Was geschieht in jenen Arealen ungenannter Ereignisse, deren wahre Bedeutung in immer neuem Licht erscheint?

Ausstellungsdauer: 21.3. – 6.5.2022
Öffnungszeiten: Mo-Fr 16-19 Uhr & Mo+Do 10-13 Uhr

Bitte beachten Sie, dass entsprechend der aktuellen Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung für die Teilnahme an der Finissage und einen Besuch der Ausstellung an diesem Abend die 3G-Regelung mit FFP2-Maskenpflicht gilt.

Text: Stefan Voigt

riesa efau. Kultur Forum Dresden
Tel.: +49-(0)1520-3214263
Fax: +49-(0)351-866 02 12
Email: stefan.voigt@fatalia.de

Adlergasse 14
01067 Dresden
Tel.: +49-(0)351 / 866 02-11
Fax: +49-(0)351 / 866 02-12
email: verein@riesa-efau.de
web: www.riesa-efau.de
www.motorenhalle.de
www.sommerakademie-dresden.de

Gespräch: „Möglichkeiten des Widerstandes“ vorab zur Inszenierung „Weiße Rose“ der Semperoper Dresden

„MÖGLICHKEITEN DES WIDERSTANDS“

17. März 2022 19 Uhr Gedenkstätte Bautzner Straße

Anlässlich unserer Neuproduktion »Weiße Rose« stehen die unterschiedlichen Formen des Widerstandes in Vergangenheit und Gegenwart im Mittelpunkt des »Semper:Dialogs« am 17. März um 19 Uhr.

Es diskutieren Autor und Dramaturg Lukas Pohlmann, Axel Steier, Mitbegründer und Sprecher von Mission LIFELINE e.V., und Thomas Rechentin, Amtschef im Sächsischen Staatsministerium des Innern. Die Gesprächsrunde wird von einem musikalischen Programm gerahmt.

Eine Veranstaltung der Semperoper Dresden (Semper Zwei) in Kooperation mit Wirtschaft für ein weltoffenes Sachsen e.V. und der Gedenkstätte Bautzner Straße

Text: Dr. Christine Bücher

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden
Bautzner Straße 112a
01099 Dresden

Telefon: +49 351 899 60 442
Fax: +49 351 646 54 43

Home: www.stasihaft-dresden.de

Lesung für den Frieden im Erich Kästner Haus für Literatur

PŘEPROŠENJE – EINLADUNG

Mi., 16.03., 19 Uhr

Kurzlesungen für den Frieden

Leid und Tod beherrschen das Leben in der Ukraine, und Hunderttausende sind auf der Flucht. Wir verurteilen diesen Krieg auf das Schärfste. Mit den Mitteln der Literatur möchten wir Nähe und Austausch zwischen all jenen bewahren, die sich für den Schutz der Menschenrechte einsetzen.

Der sorbische Verein Stup dale e. V. und Das Erich Kästner Haus für Literatur e. V. Antonstraße 1, 01097 Dresden / Begrüßung: Michael G. Fritz und Jadwiga Pjacec / Organisation und Moderation: Benedikt Dyrlich / Eintritt frei!

Etliche Autorinnen und Autoren aus der Ukraine (u.a. aus Lviv, Tschernihiv, Kiew und Winnizyja) bereicherten in den vergangenen vier Jahrzehnten die jährlichen internationalen Feste der sorbischen Poesie in der Lausitz, in Dresden, Leipzig, Berlin, Zgorzelec, Opole, Varnsdorf, Prag und Bratislava. Ausdruck dieser Mitwirkung sind vielfältige literarische Publikationen in mehreren Sprachen und auch persönliche Kontakte. Der Angriffskrieg Putins bedroht nun auch diese Beziehungen, insbesondere aber die vielfältigen Lebens-, Kultur- und Sprachräume aller Menschen in der Ukraine.

Mit den Kurzlesungen in mehreren Sprachen – u.a. in ukrainischer, sorbischer, deutscher, polnischer, russischer, belarussischer, armenischer, kurdischer und arabischer Sprache – wollen Autorinnen und Autoren aus der Lausitz und Dresden sowie des PEN-Zentrums Bundesrepublik Deutschland in der sächsischen Metropole ihre Solidarität mit ihren Kolleginnen und Kollegen im Dichterland von Taras Schewtschenko und Iwan Franko bekunden. Zudem rufen sie mit Unterstützung der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Sachsen e.V. zu Spenden für Kriegsopfer in und aus dem ukrainischen Tschernihiv auf.

Spenden sind willkommen über:
DPG Sachsen
IBAN: DE53 8509 0000 3281 1110 00
BIC: GENODEF1DRS (VB Dresden-Bautzen)
Stichwort: Hilfe Tschernihiv

Für Spendenquittungen bitte Name und Anschrift angeben.

Wir würden uns freuen, wenn wir Sie zu den Lesungen begrüßen bzw. wenn Sie unsere Initiative unterstützen könnten. Rückfragen unter 0177 4576695.

Jadwiga Pjacec

Stup dale e.V.
Vorsitzende

Michael G. Fritz

Das Erich Kästner Haus für Literatur e.V.

Vorstand

http://www.kaestnerhaus-literatur.de

BilderAlbum: Ausstellung „Filigranes“ von Steffen Petrenz & Bilder zu den Dämonen des Krieges in den Städtischen Sammlungen auf Schloss Burgk

Schönheit mit Stacheln

Filigrane Fotografien von Steffen Petrenz und Bilder zu
den Dämonen des Krieges prallen aufeinander in den Städtischen Sammlungen Freital auf Schloss Burgk.

Blaue Kornblumen, Disteln und Gräser, zart und lichtspielend, zeigt in einer Bilderserie mit dem Titel „Filigranes“ der Fotograf Steffen Petrenz derzeit in einer Kabinettausstellung in der „Drehscheibe“ in den Städtischen Sammlungen Freital auf Schloss Burgk, Altburgk 61.

Die fünf Fotografien sind eine Schenkung der Füllhorn Event & Media GmbH
Freital. Die Aufnahmen entstanden 2020 und wirken fast wie Zeichnungen mit ihrem fein gewobenen Linien- und Formenspiel. Zu sehen sind einzelne und bündelweise Blüten, Stengel mit Knospen, die mal konkret und mal in dunklen Umrissen, schattenhaft, abgebildet sind. Schafgarbe mit weiß grazilen Blüten, stachlige  Silberdisteln und Kornblumen. Leuchtendblau in der Farbe der Romantik und Sehnsucht. Die Fotografien von Steffen Petrenz spiegeln, einfach und intensiv zugleich, fast beiläufig Fragiles, nicht auf den ersten Blick sichtbare Schönheit, Fülle und Eigenarten ebenso wie die Vergänglichkeit in der Natur und im Leben. Wild wuchernde Pflanzen an Wegrändern, an denen die meisten achtlos vorbei gehen, rückt Petrenz ins Blickfeld mit seinen Fotografien.

Er selbst sagt dazu: „Die Landschaftsfotografie schärfte meinen Blick auch für die kleinen Dinge am Rande des Waldes, auf Feldern und Auen. Es sind abgestorbene Gräser, vertrocknete Pflanzen. Vergängliches und Vergangenes, dem wieder neues Leben eingehaucht wird.“

Steffen Petrenz wurde 1962 in Dippoldiswalde geboren und zog mit drei Jahren nach Freital um. Hier hat er auch seine Werkstatt als Bildhauer, Keramiker und Fotograf, die er, wenn er nicht gerade unterwegs ist, gern für Besucher öffnet. Er geht seine eigenen Wege, hat aber natürlich Vorbilder, an erster Stelle steht Andreas Feininger. Die Ausstellung „Filigranes“ ist noch bis 18. April zu sehen. Am 9. April, 11 Uhr, gibt es ein Künstlergespräch mit Steffen Petrenz in der Ausstellung.

Außerdem lohnt ein Blick in die Dauerausstellung, wo neben wundervoller Landschafts-  und Porträtmalerei des 20. Jahrhunderts von sächsischen Künstlerinnen und Künstlern auch einige erschreckend aktuelle Bilder zu den Dämonen des Krieges zu sehen sind, die angesichts des Krieges  in der Ukraine zum Nachdenken anregen. Darunter ein Bild „Der Despot“ von Sascha Schneider von 1898. Otto Dix zeigt sich in seinem „Selbstbildnis als Mars“, als Kriegsgott in dem 1915 entstandenen Gemälde. Einen grellfarbenen, gewaltigen  „Thron“ malte Hubertus Giebe 2015. Einen ironischen Blick auf den „Kreml“ – die ehemalige Gaststätte in Deuben –  der wie eine Trutzburg nachtblau mit gelbem Lichtschein aus den Fenstern aussieht, hielt Eberhard von der Erde 1987 auf der Leinwand fest.

Text + Fotos (lv)

http://www.freital.de/museum


„Böhmische Eva“ von Karl Hanusch, 1907


„Der Despot“ von Sascha Schneider, 1898 ; „Selbstbildnis als Mars“ von Otto Dix, 1915


„Thron“ von Hubertus Giebe, 2015


„Dresden in Trümmern“ von Karl Kroner, 1946


„Kreml“ (ehem. Gaststätte in Deuben) von Eberhard von der Erde, 1987


„Calla“ von Angela Hampel, o.J.

Premiere „Alles Beste!“ – 25 Jahre Comödie im Schnelldurchlauf


Im Humorlabor brüten Prof. Thalius (Christian Kühn) und seine Assistentin Betty Eureka (Dorothea Kriegl) immer neue Ideen aus, um das Publikum zum Lachen zu bringen. Humor ist bekanntlich die beste Medizin!

Märchenspaß für klein und groß: Hexe Baba Jaga und Weihnachtsgans Auguste, die als Lieferdienst angeflogen kommt und eine tragende Rolle im Hexenhaus spielen soll.


Die Spielleidenschaft kennt keine Grenzen über alle Sprachfehler hinweg: Eine Liebeserklärung ans Theater ist der Komödienklassiker „Pension Schöller“. Fotos: Robert Jentzsch

Schräger Humor mitten ins Herz

Mit viel Spiellust, Leidenschaft und wandlungsreich brachten die Vollblutschauspieler Dorothea Kriegl und Christian Kühn die Highligths des Hauses auf die Bühne im Jubiläunsprogramm „Alles Beste! – 25 Jahre Comödie im Schnelldurchlauf“, das am Sonnabend Premiere hatte im größten sächsischen Privattheater.

Die Bühne ähnelt einem Versuchslabor mit allerlei Gerätschaften, Kaffeemaschinen und rot flimmernden Lämpchen. Dazwischen eilt ein Mann mit Wuschelfrisur, verschmitztem Blick und weißem Kittel umher, zeigt seine Wunderwelt und wie sie entsteht: die „Pointenschleuder“, den “Gagomat“, die „Spaßbremse“ und einen „Brutkasten“, in dem neue Ideen reifen. „Komik entsteht aus Konflikten!“, erklärt der Humorforscher Professor Thalius (Christian Kühn). Und seine Assistentin Betty Eureka (Dorothea Kriegl) findet „ein wenig Anzüglichkeit gar nicht verkehrt“.

Als Vollkomödianten-Duo lassen sie nichts unversucht und ziehen alle Register, um ihr Publikum witzig und originell, lustig nachdenkend über ernsthafte Dinge, zum Lachen zu bringen. Und wie sie das schaffen! Ihr schräger Humor aus dem Leben geholt trifft mitten ins Herz. Mit viel Spiellust, Leidenschaft und wandlungsreich spielen sie zu zweit 25 weitere Rollen in schnellem Perücken- und Kostümwechsel und bringen Highlights aus der Geschichte des Hauses – dem mit 650 Plätzen größten sächsischen Privattheater – auf die Bühne. Das Jubiläums-Programm „Alles Beste! – 25 Jahre Comödie im Schnelldurchlauf“ erlebte am Sonnabend seine Uraufführung. Regie führte Christian Kühn, Schauspieler, Stückautor und seit 2012 der künstlerische Leiter der Comödie Dresden. Er ist erfreut, dass er noch zusammen mit Schauspielgrößen wie Herbert Köfer („Rentner haben niemals Zeit“), Ursula Karusseit („Kalendergirls“), Ingeborg Krabbe und Wolfgang Winkler auf der Bühne stehen konnte.

Die Comödie, mit der Dresden seit 1945 erstmals wieder ein Komödienhaus bekam, holte mit der Eröffnung 1996 gezielt die alten Oststars ins Haus wissend: Das ist schon die halbe Miete! Sie alle sind noch einmal kurz mit ihren Auftritten auf die Bühnenleinwand projiziert, zu sehen. Auf der Drehbühne wechseln amüsant und temporeich Stücke, Figuren und Handlungsorte. Da treffen sich und streiten im „Witwenclub“ vor den Gräbern ihrer Männer die tieftraurige Doris und die immer noch lebenslustige Lucille. Kämpfen Kriegl und Kühn komisch-dramatisch mit Sprechfehlern im Komödienklassiker „Pension Schöller“. Taucht Egon Olsen mit seinem neuesten Plan bei Erich Honecker auf in der kuriosen „Andersum-Wende-Revue“.

Strapaziert Kühn in „Gretchen 89 FF“ als hochambitionierte Dramaturgin die Lachmuskeln, die ihre Darstellerin mal „geschlechtsneutral“, buchstäblich nichts sagend und mal wie ein „tibetanischer Flusskiesel“ säuseln lässt. Im „Tussipark“ managen sie als Frauen cool per Handy Haushalt, Männer, Kinder und gehen als Männer in der Midlifekrise in Seilen gefangen neue Wege. Herrlich komisches und großes Gefühlskino zelebrieren Kriegl und Kühn, das gipfelt im Streifzug durch bekannte Filmszenen, mit witzig-liebevollen Abschiedssprüchen in der Wüste aus „Der englische Patient“, köstlich sächselnden Dialogen zwischen „Pretty Woman“ und ihrem Verehrer im Hotelzimmer bis zum ruppig-strengen Tanzlehrer und seiner naiv-gutwilligen Tanzpartnerin in „Dirty Dancing“.

Vom Märchenspaß mit Hexe Baba Jaga und Weihnachtsgans Auguste, über fantasievolle Figuren aus Willie, dem Weiihnachtsstollenmusical, heiter-frivole Stripeinlagen aus „Ganze Kerle“ und „Landeier“, dem fröhlichen Wirbelwind Alfons Zitterbacke bis zu Gruselhumor mit einer Hitler-Parodie aus dem Stück „Rubbeldiekkatz“ reichte die Bandbreite im Jubiläumsprogramm der Comödie Dresden. Als musikalische Gäste sorgten in Videoeinspielungen die Firebirds mit zündendem Rock`n`Roll, das Zwingertrio mit dem Ohrwurm „Ein Freund, ein guter Freund…“ u.a. für Stimmung und einen flotten Blick hinter die Theaterkulissen gab es mit Mimeclown Rainer König.

Krönender Abschluss dieses Humor-Marathons war Kriegls und Kühns „Dinner for one“ mit vielen illustren Zitaten aus anderen Komödien. Leichtigkeit ist oft das Schwerste!, weiß Comödien-Leiter Christian Kühn. Fröhlichkeit braucht es in diesen Zeiten dringender denn je. „Menschen, die wir zum Lachen bringen, vergessen uns nicht so schnell.“ Dafür gab es reichlich Beifall vom Publikum.

Text (lv)

http://www.comoedie-dresden.de

Umwerfend komisch-kämpferisch: Egon Olsen hat einen neuen Plan und da kann Erich Honecker nicht Nein sagen in der „Andersrum-Wende-Revue“.
Heiter-frivole Stripeinlagen zeigten die beiden als „Ganze Kerle“ und „Landeier“.