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Preis der Leipziger Buchmesse 2024: Die Nominierten stehen fest.
01 Freitag Mär 2024
Posted in Aktuelles, Lebensart, Literatur, Projekte, Zwischenmenschliches
01 Freitag Mär 2024
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29 Donnerstag Feb 2024

Dunkle, knorrige Bäume auf einer Anhöhe, dazwischen ein paar weiße Häuser mit roten Dächern und weiße Berge, vom Vollmond beschienen. Sie sind in ein „Nachtgespräch“ vertieft im Titelbild der Ausstellung „Desiderium“ mit Malerei und Grafik von André Uhlig. Es ist die erste Kunstschau in diesem Jahr, veranstaltet vom Kulturverein der Stadtbibliothek Radebeul e.V. im Kulturbahnhof auf der Sidonienstraße 1c. Den fremd erscheinenden Begriff muss man erst einmal nachschauen. Das ist vom Künstler auch beabsichtigt. Aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet Desiderium Wunsch, Forderung, Verlangen.
Fremdes, Nahes und Vertrautes mischen sich in den Bilderlandschaften von André Uhlig. Die Suche und Sehnsucht nach Naturidylle, ursprünglichem Verwurzeltsein und Erleben spiegeln seine Arbeiten eindrucksvoll und stimmungsreich. Sie hängen auch teils versteckt an den Wänden hinter den Bücherregalen im Erdgeschoss und im Veranstaltungsraum in der ersten Etage. Da führt eine Treppe zu einem alten Weinberg zwischen Bäumen hinauf in einer farbigen Aquarellzeichnung mit Tusche und Kohle. Da leuchten die Weinhänge der Lößnitz in hellen, sonnigen und erdigen Farbtönen und darüber große weiße Wattewolken am graublauen Himmel. Da brechen in grellen und düsteren Farben gehalten „Stürmische Zeiten“ an, ragen enge Felsschluchten auf, geht es „Bergauf“ zu einem still verträumten Gehöft auf lichtvollem Grund, wächst ein Baum auf einer Felsklippe „Am Abhang“. Der „Winter im Tal“ trifft auf die „Blaue Stunde am Rosenberg“. Am Fluss überrascht auffliegende, kreischende Möwen sind zu sehen neben hoch über Feldern am lichten Himmel kreisenden schwarzen Vögeln. „Aufbruch“ heißt diese Farbgrafik/Sandreservage und trägt schon einen roten Verkaufspunkt. In Uhligs Bildern verbinden sich verschiedene Naturstimmungen, Schönheit, Erhabenheit und Gefährdung.
Seine Landschaften im Stil der Romantik erinnern an die Malerei von Caspar David Friedrich, dessen 250. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird mit vielen Ausstellungen an seinen Wirkungsstätten, darunter einer großen Schau unter dem Titel „Wo alles begann“ ab Mitte August im Albertinum in Dresden. „Es geht um Sehnsüchte der Menschen und auch den Brückenschlag zu Caspar David Friedrich, den ich schon immer in meiner Arbeit beehre“, sagt der in Radebeul lebende und arbeitende, seit 2007 freiberufliche Maler und Grafiker André Uhlig zu seinen Werken. Es gehe ebenso um die Natur, die schwindet und die es zu schützen und respektieren gilt. „Jeder für sich, aber wir in unserer Gesellschaft bauen alles voll mit Einkaufs- und Lagerhallen, die wir eigentlich nicht brauchen“, gibt er zu bedenken. Was ist Fortschritt, dem wir so extrem in dieser Zeit hinterher rennen?, fragt sich Uhlig. Während viele Menschen sich fast für nichts mehr Zeit nehmen.
Seine Bilder laden ein zum Betrachten und Verweilen an bekannten Sehenswürdigkeiten ebenso wie verborgenen, verlassenen Orten, alten Dorfkernen und entdeckenswerten Gemäuern wie Schloss Übigau und seine Mätressen, vier Platanen und die seit längerem leerstehende Villa Kolbe in Radebeul. Im Sommer will André Uhlig mit tschechischen und deutschen Künstlern ein Pleinair in Böhmen an den Stellen, wo Caspar David Friedrich zeichnete, veranstalten. Neben drei Ausstellungen in diesem Jahr, eine weniger als sonst, organisiert der seit 2002 bestehende Kulturverein der Stadtbibliothek Radebeul regelmäßig Literatur-Kino, möchte gern auch wieder Lesungen anbieten und hier trifft sich jeden ersten Montag im Monat um 17.30 Uhr ein Literaturkreis, um Buchklassiker und neue Bücher vorzustellen. „Wir geben regionalen Künstlern und Künstlerinnen, vorwiegend Autodidakten, die Möglichkeit sich mit ihren Arbeiten zu präsentieren. Und freuen uns, damit das kulturelle Angebot in Radebeul zu bereichern“, sagt Andrea Meinel vom Kulturverein der Stadtbibliothek. Neue Interessierte sind sehr willkommen.
Die Ausstellung von Andé Uhlig ist noch bis 30. Mai zu sehen.
Text (lv)
Fotos: André Uhlig
Geöffnet: Mo – Fr 10 bis 19 Uhr, Mi geschlossen
http://www.kulturverein-stadtbibliothek-radebeul.de

„Wenn die Nacht das Licht nimmt“, Farbgrafik von André Uhli
„Blaue Stunde am Rosenberg“
„Fels im Sturm (an den Tisaer Wänden““
25 Sonntag Feb 2024
Posted in Aktuelles, In eigener Sache, Lebensart, Musik, Poesie, Projekte, Zwischenmenschliches

Beschwingter Wort- und Klangzauber in allen Farben des Lebens: die Autorin und Lyrikerin Lilli Vostry und der Musiker Gabriel Jagieniak am Akkordeon bei ihrer neuen Gedicht-Lesung mit Musik am Sonnabend im Einnehmerhaus Freital. Herzlichen Dank an Bettina Liepe, die rührige Vorsitzende des Kunstvereins im Einnehmerhaus Freital. Foto: Michele Cyranka



Wiedersehen macht Freude. Es war unsere zweite Gedicht-Lesung mit Musik an diesem schönen, lichtvollen Kunstort an diesem Sonnabend im Einnehmerhaus des Kunstvereins Freital. Gabriel Jagieniak begleitete mit beschwingt lebensfrohen Melodien, von Tango bis Walzer, eigenen Liedern und Obertongesang, auch zum Mittönen, meine bilderreiche Poesie. Diesmal stand sie unter dem Motto: „Augenblicke & Mee(h)r“. Es war eine wunderbare, aufmerksame und interessierte Zuhörerrunde. Eine Feier des Lebens in allen Farben, mit allem was gerade da ist. Freude, Traurigkeit, Licht, Schmerz und Zuversicht.
Die Gedichte erzählen über die Kraft und den Fluss der Farben, das Meer immer wieder neu und anders in seiner unermesslichen Weite; die Möwen, Lebenskünstler, Lufttänzer, Gratwanderer, mit den Winden übers Meer Segler und den Menschen immer einen Flügelschlag voraus. In den Augen-Gedichten geht es um Sehen und Wahrnehmen. Es geht um Träume, Erinnerungen und einen Bilderschatz. Um Wandlungen in der Natur und im Leben. Ich bin froh, dass ich auch mein Abschieds-Gedicht für Lina lesen konnte, ein geliebtes, kleines Fellwesen, das ich vor einer Woche schweren Herzens verabschieden musste. Da laut Tierärztin keine Aussicht auf Besserung bestand. Ich und Jade vermissen die Kleine sehr. Die Zeit mit beiden Katzentieren ist lebhaft, innig, wehmütig und hoffnungsvoll in Gedichten aufbewahrt.
Kunst ist ja auch nicht nur schön. Schönheit, Zerbrechlichkeit und Stärke liegen nah beieinander. Das zeigen gerade die filigranen Skulpturen mit den Rissen in der derzeitigen Ausstellung „Schamotte-Skulptur“ sehr deutlich. Die Arbeiten von neun Künstlerinnen sind noch bis 9. März im Einnehmerhaus, Dresdner Straße 2, in Freital zu sehen. Zur Finissage an diesem Tag gibt es um 15 Uhr ein Gespräch mit den Künstlerinnen in der Ausstellung.
Zum Ende unserer Gedicht-Lesung wurde sogar noch getanzt zu den fröhlich mitreißenden Akkordeonklängen. Dies war meine bereits fünfte Gedicht-Lesung gemeinsam mit Gabriel Jagieniak. Wir freuen uns auf neue, schöne und inspirierende Spiel- und Leseorte in Dresden und Umgebung!
Toll wäre auch mal eine Lesung mit meinen Meeres-Gedichten mit Musik, begleitet von Meerrauschen und Möwenschreien, am liebsten in einem der Seebäder auf Usedom, Ahlbeck und Ückeritz. Vielleicht findet sich auch bald ein passender Verlag für meine Gedichte, Das Jahr ist ja noch jung. Und die Leipziger Buchmesse nah.
Text + Fotos (15) (lv)
Geöffnet: Do und Sa 10 bis 17 Uhr, Fr und So 14 bis 17 Uhr
http://www.kunstvereinfreital.de

Traum- und Kunstwächterin: die Eule stammt von Karin Heyne und ist ein beliebter Blickfang in der derzeitigen Ausstellung im Einnehmerhaus Freital.




Fotos von der Lesung (3): Michele Cyranka


Getanzte Poesie… voll Freude an der Bewegung… anmutig, grazil und kraftvoll die Gesten wie geschaffen zum Zeichnen und Modellieren.







Fundstück auf dem Weg zur Lesung: Sonnenmännlein
20 Dienstag Feb 2024




Ein Büffelkopf in kräftigen Farben entführt in die Weiten der Prärie auf dem Titelbild der Ausstellung. Schönheit, Stolz, Würde, Kraft und Leid strahlt das Tier aus, das den indianischen Ureinwohnern am nächsten ist, gejagt, getötet, beschützt und verehrt. „Tasiwoo“ heißt das Bild von J. Nicole Hatfield, das zusammen mit zeitgenössischen Werken weiterer nordamerikanischer indigener Künstlerinnen und Künstler in der neu eröffneten „Turtle Island Gallery“ derzeit im Karl-May-Museum Radebeul zu sehen ist.
Sie befindet sich in der Villa „Nscho-Tschi“, einem Holzhaus im hinteren Teil des einstigen Gartens von Karl May. Dort können die Besucher auf den Spuren des großen Fantasten und Abenteuerschriftstellers wandeln, am Teich mit einer großen, geflügelten Figur vorbei und an Hochbeeten mit indianischen Heilpflanzen. Ein Holzspielplatz mit Klettergeräten und Totempfahl lädt Kinder zum Erkunden ein. Auf der Veranda aus Baumstämmen steht eine hölzerne Skulptur, ein Kanu mit einem indianischen Liebespaar, geschnitzt von Jochem Knie. Urwüchsig gestaltet, zeigt es jedoch auch einen romantisch verklärten Blick auf indianisches Leben. Im Holzhaus kann man nun in den wechselnden Sonderausstellungen der „Turtle Island Gallery“ eintauchen in die farbreiche Welt indigener Kunst zwischen Tradition und Moderne. Mythen und Wirklichkeit der Nachfahren indianischer Ureinwohner in Nordamerika zeigen die Werke der Künstler facettenreich und setzen sich damit subjektiv auseinander in ihrer Malerei, Grafik, Fotografie, holzgeschnitzten Figuren und bemalten Keramikobjekten bis zu Graffiti und Comics. Die Arbeiten stammen aus der Sammlung von Martin Schulz, einige befinden sich im Besitz der Karl-May-Stiftung. Den Werken beigefügt sind kurz Texte zu den Künstlern.
Das farbenfrohe Graffiti-Bild „Turtle Island“ von Quentin Commanda bricht Klischees über Indianer auf mit dem goldfarbenen Schriftzug „Legend!“, hoch über der Landschaft schwebenden, zeichenhaft abstrahierten, schwarz-weißen und farbigen Figuren mit Federn als Symbol für die Vielfalt der Kulturen auf dem heutigen „Turtle Island“. Neben dem Büffelbild sind von J. Nicole Hatfield leuchtend farbige Porträts zu sehen, darunter ein Häuptling der „Puha-Commanchen“, ein idealer, edler indianischer Krieger aus dem Kinofilm „Der mit dem Wolf tanzt“, eine markante Indianerin und ein Bildnis der mexikanischen Malerin Frida Kahlo, ein Auftragswerk von Sammler Schulz. Unter den Bildern hängen weiße und braune Büffelfelle. Ein Stück weiter hockt ein Rabe mit aufgespannten Flügeln aus hellem Zedernholz, vergnügt auf einem Auge blinzelnd, auf einem Kästchen, aus dem menschliche Gesichter schauen. Den ältesten Schöpfungsmythos der indigenen Kulturen der amerikanischen Nordwestküste hat der Künstler Doug Lafortune dargestellt. Aus dunklem Tom geformt ist ein Mann mit Büffelkappe und Fellmantel von Chippewa. Eine kleine erdfarbene Hochzeitsvase, bemalt mit Taube und Blumenranken, zeigt C. Tosa. An der Stirnseite des Raumes hängt ein großes, ausdruckstarkes, poetisch-spirituelles Bild voller Magie in zarten Pastellfarben von Dwayne Frost (1964-2013), der seit 2007 oft als Künstler und Tänzer bei den Karl-May-Festtagen in Radebeul war und beeindruckende Felsmalereien im Hohen Stein im Lößnitzgrund schuf. In diesem Bild spürt man eindrucksvoll den Spirit uralter indianischer Kultur, die Lebensweisheit und tiefe Verbundenheit mit der Natur und ihren Kräften.
Eine indianische Frau sitzt auf einer Waldlichtung bei Vollmond und beschwört die Natur und Geister der Ahnen. In ihrem Rücken ein Bild wie eine Erinnerung, eine junge und eine alte Frau sitzen sich meditierend gegenüber, in ihrer Mitte ein Wolf als Krafttier. Die weise Frau hält einen Spiegel, aus dem Sterne in die Welt fliegen. Am unteren Bildrand schauen aus der Erde und entlang der Wege weiße Gesichter, die Ahnengeister. Verbunden mit den Lebenden durch Wurzelgeflecht, das nach oben und unten in die Erde führt. Digitaldrucke mit Fantasybildern, die alte indigene Legenden vor allem der jungen Generation vermitteln wollen, mit grünen Naturgeistern und der dunklen Figur Darth Vader zeigt Andy Everson. Ein Farbdruck von Steven Paul Judd mit einer Indianerfamilie als Comicfiguren nimmt Stereotypen humorvoll auf die Schippe. Zu sehen ist auch die Umweltaktivistin Greta Thunberg in indianischem Kleid in einer Fotografie, die 2019 entstand bei ihrem Besuch in der Reservation in Nordh Dakota und Protesten der Indigenen gegen den Bau einer Pipeline durch das Gebiet. Das Foto „Standing For Us All“ von Balkowitsch ging um die Welt und wurde millionenfach im Internet gesehen und geteilt. Die derzeitige Sonderausstellung in der „Turtle Islands Gallery“ ist noch bis Frühjahr 2024 zu sehen. Dann werden neue Bilder von indigenen Künstlern aus der Sammlung des Karl-May-Museums gezeigt.
Text + Fotos (lv)
Öffnungszeiten der Sonderausstellung:
Dienstag–Sonntag: 10:00–18:00 Uhr
montags geschlossen (außer feiertags)





18 Sonntag Feb 2024
Posted in Aktuelles, Fotografie, Lebensart, Poesie, Zwischenmenschliches






Abschied von Lina
Vor der blauen Box
im Flur sitzt Jade
die Schatzhüterin umfasst
das kleine weiss schwarze Fellknäul
mit ihren Pfoten als könne sie
es halten ihr Blick fleht
du standest immer in ihrem Schatten
in der Nacht ein helles Mondsegel
glitt am Himmel entlang
tauchte auf und verschwand
in den Wolken
schwankend Auf und Abgang
lichtvoller Tag die Lebensgeister kehrten
noch einmal zurück
morgens am Futterteller
kämpftest du mit der Fülle
hungrig flackerte neuer Antrieb
Seite an Seite sich anstachelnd
endlich wieder beide Katzentiere
ich zwischen den Fellen
weich warme eingeschworene Gemeinschaft
brach auf wir gingen das erste Mal hinaus
in die Welt draußen
du miautest aufgeregt beunruhigt
verkrochst dich unter einer Bank und
hinter den Aschentonnen
alles neu nah über dir
Bäume Wolken Wind
der Futterteller glänzte in der Sonne
Du liefst ein Stück über die Wiese
vorbei an den ersten Schneeglöckchen
und Gänseblumen bis zur Gartenmauer
ruhtest aus im Gras und frischer Erde
die Sonne strahlte du sahst hinauf zu
schwirrenden Wesen unter dem blauen
Kastendeckel hervor
ein anderes Katzentier schlich von hinten
heran aß von deinem Futterteller
du bliebst ungerührt nah bei mir
legtest deinen Kopf dein weiches Wesen
in meine Hand bis zur weißen Schwanzspitze
das Versprechen dich Jade wieder
zurückzubringen konnte ich
nicht halten
ich würde dir beim Sterben zusehen
sagte die Tierärztin es half alles nichts
mein wundervolles Fellknäul hab dich
gehalten nun kann nichts mehr dich
aufhalten hoch über den Sternen
mir bleiben am Grund der blauen Kiste
Muscheln und Seesterne
ungewohnt still jetzt
finden ich und Jade
uns neu
17.2.2024



















Wunderwesen
(Für Lina & Jade)
Weissfellig gemischt mit Schwarz
schmal geworden sitzt du vor mir
am halbvollen Futterteller
in der wunderweissen Winternacht
hast du dich noch über ihn
hergemacht
die getigerte saß am Fenster
und bewachte die weiße Pracht
am nächsten Tag fielen die Flocken
vom Himmel direkt auf eure Nasen
und aufs Fell
ihr versuchtet sie zu fangen
habt sie gekostet
immer in Bewegung nichts war zu schnell
nun geht alles langsam
die weißen Pfoten elegant lang
nebeneinander gelegt wartest du
mit mir und der getigerten nun
auf ein Wunder
keck aufgeweckt flink
kein Schrank war dir zu hoch
den Balkonsturz heil überstanden
ein Gaumenriss ein paar Schrammen
letzten Freitag die Schockdiagnose
die roten Blutkörperchen in dir sind rar
nicht mehr genug Sauerstoff
alles fällt schwer
du krallst dich ans Leben
an die Kuschelhöhle aus der ich dich hole
zu den Injektionen bei der Tierärztin
verschlingt astronomische Summen
für ein Fünkchen Hoffnung
Zitterpartie jedesmal
kommst du wieder mit nach Hause
morgen noch einmal zur Blutabnahme
vielleicht ein letztes Mal
du sitzt ein mageres Fellknäul
vor mir angefüllt mit Staunen und Liebe
am Boden es schmerzt dein Fell bald
nicht mehr zu streicheln
du schnurrst als wäre es für immer
ich will dir so gern noch den Frühling
zeigen die ersten Schneeglöckchen
auf der Wiese hinterm Haus
LV
15.2.2024









Lina
Eine schwarze Schnur
mit weißer Spitze
ragt aus der Höhle
drin sitzt ein schwarz weißes
Fellknäul leise schnurrend
aus der Ecke vom vollen Schreibtisch
am Fenster ihrem Versteck
ließ sie sich
schwer weg bewegen
die Balkontür zur Küche steht weit offen
die frische Luft macht mehr
Appetit als Tabletten
nur winzige Happen
doch sie isst wieder
Lina und Jade strecken
sich aus auf meiner Picknickdecke
ich lege mich auf den harten Boden
nah bei ihnen
betrachte die Welt aus Katzenperspektive
schmecke die Luft
wie sie
werfe einen Blick ins Lichtzimmer
Südseite wo die Sonnenstrahlen
allein mit den Möbeln spielen
die roten Tulpen stehen wie eine Eins
das Brathähnchen das meine schwarzfellige
Lola liebte
alles kann warten
außer Lina
LV
10.2.2024


















Was bleibt
(Für Lina)
Ein letztes Streicheln
der Wind strich über dein Fell
ein Bach rauschte leise
neben der Wiese in der frischen Erde
rot sonnenfarbene Primel für dich und Lola
im Gras schimmerten Muscheln
erdfarben und perlmutt
sie liegen bei der Kerze
ein paar Kratzspuren am Regal
weiße und dunkle Haare
auf Kissen
ein kleines Fellbüschel
das ich in der Hand hielt
als ich dich zu fangen versuchte
du wehrtest dich mit Leibeskräften
gegen die Tabletten
ein kleines zartes Fellbündel
ich trug hielt wusch dich
hielt dich im Arm
sonst sprangst du immer weg
ließest dich kurz streicheln
manchmal auch das seidenweiche weiße Bauchfell
schnurrtest um so lauter
liebtest Pflanzen und den Geruch
von meinen Schuhen
hast mir vorm Sofa aus
beim Schreiben zugesehen
und vor dich hin gesehen
still und tretelnd die Decke
mit den Pfoten
wolltest mit mir und Jade weiter gehen
nun träumst du hoch bei den Sternen
gestern Abend sahen wir zu dir
in den nachtblauen Himmel
LV
22.2.2024












Texte + Fotos: Lilli Vostry
18 Sonntag Feb 2024
Posted in Aktuelles, In eigener Sache, Lebensart, Musik, Poesie, Projekte, Zwischenmenschliches

Fangespiel mit Buchstaben & Klangzauber: Lilli Vostry und Gabriel Jagieniak bei ihrer Gedicht-Lesung im vergangenen Jahr im Einnehmerhaus Freital.
Spritzig, frisch, verwegen sind sie, erquicken, entzücken, beglücken, scheuchen wie Hummeln den müden Geist auf und tauchen tief ein in den Honig des Lebens…, heißt es im Gedicht „Worte/Flüssige Nahrung“ über die „süß saftige, nie versiegende Würze der Worte“. Sie werden zu bilderreicher Poesie, begleitet von Klängen in allen Farben des Lebens in der neuen Gedicht-Lesung mit Musik „Augenblicke und Mee(h)r“, mit der Lilli Vostry, Autorin und Lyrikerin und der Musiker Gabriel Jagieniak (Akkordeon und Obertongesang) aus Dresden am 24. Februar, 17 Uhr im Einnehmerhaus des Kunstvereins Freital, Dresdner Straße 2, zu Gast sind. Der Eintritt ist frei, Spenden für den Kunstverein sind willkommen.
In den Gedichten geht es um Natur und Zwischenmenschliches, um die Veränderungen und Wandlungen im Leben, Abschiede und besondere Augenblicke. Sie erzählen vom Farbfluss, von Meerfarben, Möwen, Lichtspiegelungen, Augenlicht und Augenschatten, Fangespiel mit Buchstaben, ungestümen Katzen und einem seltsamen Hörnertier.
Lilli Vostry lebt und arbeitet als freie Journalistin, auch für die SZ, in Dresden
und schreibt seit zehn Jahren Lyrik. Sie hat bereits vier BilderGedichtKalender mit verschiedenen Künstlern im Zeitraum von 2013 bis `016 veröffentlicht.
Gabriel Jagieniak (soundcloud.com/gabriel-jagieniak) bewegt mit seinem virtuosen Akkordeonspiel, mit und ohne Gesang, bekannten Melodien und eigenen Kompositionen, auf humorvolle Weise frei vorgetragen, immer wieder das Publikum.
Wenn sie hervor quellen
schwellen schwelen
hinaus schweben
scharf zärtlicher Zungenschlag
auf oder abwärts schnellen zerschellen
an Vor oder Einwänden
erhellen verfinstern verschütten
oder aufbrechen
sprudeln wie ein Wasserfall
spritzig frisch verwegen
erquicken entzücken beglücken
wie Hummeln den müden Geist
aufscheuchen tief in den Honig
des Lebens eintauchen
hält sie nichts auf
süß saftige nie versiegende
Würze der Worte
LV
5.2.2024
25 Donnerstag Jan 2024




Bilderschatz
(Für meine Mutter)
Halb im Dunkeln Verborgenen
stehen sie
gehe täglich an ihnen vorbei
streife streichle mit Augen und Händen
über die Bilder die wohlverwahrten
das Mädchen mit den Kasperpuppen
in fröhlichen Farben
die leben wie sie
in ihrer Fantasie
das Kind an Mutters Wange
Puppenstubenidylle hatten
wir nie
im Lichtgehäuse der Träume
rüttle ich an morschen Türen
hinter denen keiner mehr aufmacht
in der Nacht
wische den Staub vom Glas
und den Bilderrahmen
hinter denen die Erinnerungen
aus dem Niemandsland gerissen
aus gesichtslosen Schatten
vielfarbig aufleuchten
Text + Fotos: Lilli Vostry
24.1.2024
Bilder: Inge Vostry-Tsafack






22 Montag Jan 2024
Posted in Aktuelles, Lebensart, Natur, Projekte, Zwischenmenschliches


Hohe stattliche Bäume, durch deren kahles Geäst ab und zu die Sonne scheint, stehen im terrassenartig angelegten Park von Schloss Nöthnitz. Durchzogen von still verlassenen Wegen und dicht bewachsen mit Gehölzen träumt er vor sich hin. Stellenweise zu sehen kahle Flächen und Baumstümpfe, die in den grauen Winterhimmel ragen. Ein uriges Unikum erhebt sich weiter hinten im Schlosspark. „Es ist eine der ältesten nordamerikanischen Roteichen, die vor 1820 in diesem Park gepflanzt wurde“, sagt Schlosseigentümer Jan Horsky. Mehr als 200 Jahre alt ist sie inzwischen und vom Stammumfang sogar die größte Roteiche in Deutschland und Mitteleuropa. Das bestätigten ihm Experten aus dem Forstbotanischen Garten in Tharandt. Wie der Baum hierher kam, ist nicht überliefert. Ein kleines Holzhaus steht auf einer Wiese unter hohen Nadelbäumen, Thujen und Eiben. Errichtet wurde es vor 1880 und stand ehemals auf dem Lindenhügel, so Horsky. Außerdem stehen hier noch sehr alte Buchen, Lärchen, Linden und Rhododendron.
Ein Teil des aktuellen Baumbestandes stamme noch aus der Zeit von Julius Bernhard Könneritz, dem einstigen Rittergutsbesitzer. Er war ab 1820 in Nöthnitz auf dem landwirtschaftlichen Hof. Schloss Nöthnitz und sein Park haben eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Dem Erhalt und der Pflege des denkmalgeschützten Areals nimmt sich nun der Verein „Park und Schlossterrassen Nöthnitz“ an, der im August 2023 gegründet wurde. Inzwischen hat er elf Mitglieder im Alter von Mitte 40 bis 70 Jahren, die größtenteils in Bannewitz wohnen. „Der historische Park ist ein Kleinod, das in seiner ehemaligen geschlossenen Gestaltung, Gartenkultur und Landschaftspflege wiederhergestellt und durch Sanierung für die Öffentlichkeit wieder zugänglich und nutzbar werden soll“, sagt Harald Israel, Altnöthnitzer und Kassenwart im Parkverein. Dies ist in der Vereinssatzung verankert. Er kennt den Schlosspark von kleinauf. Als Junge spielte er auf dem Fußballplatz im Gelände, als dieses noch von der Ingenieurschule für Zierpflanzenwirtschaft als Ausbildungsstätte genutzt wurde. Von 1947 bis 1990 war diese im Schloss Nöthnitz ansässig und zog dann um nach Pillnitz. „Dort, wo die alte Roteiche steht, gab es auch einen Volleyballplatz für die Studenten. Das wäre heute aus Natur- und Denkmalschutzgründen nicht mehr denkbar“, so Horsky. Der Schlosspark hatte sogar ein Freiluftkino in den 50er Jahren und das Holzhaus wurde vor dem Krieg damals für Puppenspiel für die Kinder aus dem Ort genutzt, weiß er.
Ein Parksymposium mit Führungen und Vorträgen organisierte Jan Horsky bereits 2022. „Unser Verein kümmert sich außerdem darum, Fördermittel zu generieren für Sicherungs- und Pflegemaßnahmen der Parkanlagen und wir sehen uns bei der Umsetzung als Vermittler zwischen dem Schlosseigentümer, der Denkmalschutzbehörde und der Gemeinde Bannewitz“, sagt Harald Israel. Die Historie von Schloss und Park Nöthnitz und seine neue kulturelle Nutzung fasziniert auch Michael Melerski, Vorsitzender des Parkvereins. Er ist als freischaffender Künstler in Dresden tätig und kennt den Schlosspark von den Gottesdiensten der Kichgemeinde Leubnitz, die er im Sommer mit vorbereitet hat. Am Standort der ehemaligen Orangerie, dem verfallenen, früheren Wohnhaus des Parkgärtners und dem angrenzenden Grundstück, das seit Jahrzehnten nicht mehr zum Schlosspark gehört, will ein Dresdner Investor drei Eigentumswohnungen errichten.
Die Entwicklung der alten Bausubstanz im Schlosspark begrüßt Horsky. „Aber den geplanten Anbau neuer Dachgauben an der Orangerie sehe ich skeptisch, da sie der historischen Sichtachse zum Schloss entgegen stehen würden“, sagt er. Der Schlosspark werde auch aus privaten Mitteln seiner Familie gepflegt wie Gras mähen, Bäume beschneiden, Nachpflanzungen und Wege erhalten. Als nächstes wird eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem Parklverein und dem Schlosseigentümer abgeschlossen. Derzeit wird zudem eine Masterarbeit zum Thema „Schlosspark Nöthnitz – Weiterentwicklung“ von einer Studentin an der TU Dresden, Institut für Landschaftsarchitektur geschrieben. „Ende März wird sie fertig vorliegen. Wenn man sich intensiv damit beschäftigt und daraus eine Herzensangelegenheit wird, möchte man auch weiter dranbleiben“, sagt Aline Adam über diese besondere historische Parkanlage vor den Toren Dresdens. Neue Aktive, die sich an der Pflege des Schlossparks beteiligen möchten und weitere Mitglieder sind dem Verein „Park und Schlossterrassen Nöthnitz“ immer willkommen.
Text + Fotos (lv)
Kontakt: parkvereinnoethnitz@t-online.de
Anschrift: Park und Schlossterrassen Nöthnitz e.V., Am Schloss 2, 01728 Bannewitz
22 Montag Jan 2024
Posted in Aktuelles, Lebensart, Theater, Zwischenmenschliches

Erstes Date mit der Traumfrau und dem Traummann aus dem Internet. Da sind Überraschungen und manch pikantes Geheimnis aus dem echten Leben vorprogrammiert. Foto; Robert Jentzsch
Bei Lisa und Martin hat es online gefunkt, so dass sie sich endlich im realen Leben treffen wollen. Die Vorfreude und Spannung steigen. Doch das Kribbeln im Bauch endet im Desaster, da beide ihre Profilfotos derart geschönt haben, dass sie einander nicht erkennen und das erste Date ganz anders verläuft als erwartet. Vom Flirten und Anbandeln im digitalen Zeitalter erzählt die turbulente Datingkomödie „Match me if you can“ von Nina Hartmann und Gregor Barcal, die am Freitagabend Premiere in der Comödie Dresden hatte.
Eine urige Kneipe, die „Alte Laube“ mit kuriosen Sammelstücken an den grünen Wänden und Flimmerlampe wirkt schon fast antiquiert als Begegnungsort. Zwei Gitarren an der Wand spielen automatisch, wenn man näherkommt, Schlager und fordern auf: „Tanze Samba mit mir…“ und schmachten: „Du bist so heiß wie ein Vulkan“, so dass man unweigerlich mitwippt und je öfter es angeht und man alleine ist, sich genervt wegdreht.
Lisa (verwöhnt-abenteuerlustig: Britta Boehlke) sitzt in pinkfarbenem Overall, Pumps und orangener Plastikhandtasche auf einem rustikalen Holzhocker am Tisch und wartet auf ihr Date. Ein supersexy Typ, 1,93 Meter groß, mit dem sie seit einigen Wochen heiß chattet, schwärmt sie am Handy ihrer Freundin vor. Doch er lässt auf sich warten. Den Mann, der stattdessen hereinkommt, mittelgroß, kräftig, graumelliertes Haar und Brille, ignoriert sie. Als er sie sieht, fühlt er sich wie vom Blitz getroffen und möchte am liebsten umkehren. Und schickt Lisa eine Absage per SMS sein bester Freund wäre gerade betrogen worden von seiner Freundin und er müsse ihn jetzt trösten. Sie liest es und ist sauer, dass Martin (als schüchterner Möchtegern-Verführer: Alexander Wipprecht) sie versetzt hat.
Er gibt sich ihr nicht zu erkennen und so beginnt ein haarsträubend komisches Doppel-Spiel, bei dem beide Datingpartner sich gegenseitig auf den Leim gehen, immer neue Überraschungen, Missverständnisse und manch pikantes Geheimnis aus dem echten Leben ans Licht kommen in dieser Komödie unter Regie von Katja Wolff. Ungeschönt, ungeniert, offen und direkt von Anfang an lassen Lisa und Martin dabei, zunächst ahnunglos und dann noch mal auf Reset zurückspulend, allen Frust, Wünsche und Sehnsüchte über den gesuchten Traumpartner heraus.
Er hört mit, wie sie auf ihn schimpft und tausend Gründe erfindet, warum er nicht zu ihrem Date kommen kann. Martin verteidigt ihn und tischt ihr eine Lüge nach der anderen auf, die darin gipfeln, das sei gar nicht sein Handy sondern von seinem besten Freund. Beide bieten sich kräftig Paroli, wie bei einem Boxwettkampf fliegen Vorwürfe, Ausflüchte, Spottgelächter und klare Ansagen hin und her, statt romantischem Rendez-vous und verführerischen Blicken mit Mister Knister und Missis Twister. Er ist auch charmant und ehrlich und sie nicht so tiefgründig und cool wie sie tut, wenn sie Männer auf Tinder wegwischt im Handumdrehen. Ein Schock für sie ist, als sich herausstellt, wer der „osterzgebirgische Wildhengst“, ihr neuester Kandidat im Chat in Wirklichkeit ist. Ein lustvolles Sahnehäubchen auf dem vermasselten Date sind die Gesangs- und Tanzeinlagen, darunter ein Ohrwurm aus der Rocky Horror Show und der Lovesong Je`taime im Schummerlicht. Viel Beifall vom Publikum, das auf heitere Weise vor den Tücken des digitalen Datings gewarnt wird.
Text (lv)
21 Sonntag Jan 2024



Vielgestaltig schauen sie in die Welt. Geformt und gebrannt in Schamottestein, formreich und farbig bemalt, sorgen die mit viel Liebe, Witz, Fantasie und Feingefühl gestalteten Arbeiten von neun Künstlerinnen für Freude, Staunen, Schmunzeln und Denkanstöße in der Ausstellung „Schamotte-Skulptur“. Eröffnet wurde diese am vergangenen Sonnabend beim Kunstverein im Einnehmerhaus Freital, Dresdner Straße 2, zum zehnjährigen Jubiläum des Symposiums für Künstlerinnen im Schamottewerk Radeburg. Die Künstlerinnen zeigen eine Auswahl ihrer dort entstandenen Werke, alles Unikate. Mit dabei sind Katrin Jähne, Sophie Altmann, Christa Donner, Karin Heyne, Gabriele Reinemer, Eva Bröer, Angela Hampel, Theresa Wenzel und Maria Luise Faber.
Zu sehen sind figürliche und abstrakte Arbeiten, angeregt von der Mensch- und Tierwelt und der Natur in ihren vielen Erscheinungsformen. Sie stehen, sitzen und liegen auf weißen Stelen und ziegelfarbenen Schamotteplatten. Darunter eine sitzende Frauenfigur mit grazilem Kopf, zusammengefügten Körperteilen und sichtbaren Hohlräumen. „Schamottestein ist ein sehr grober Ton. Die weiche Masse kommt frisch aus der Strangpresse. Danach kann man dünne oder dicke Schamotteplatten als Unterlage verwenden, Teile heraus schneiden, zusammenbauen und mit den Händen und Werkzeug die Skulpturen bearbeiten“, sagt Karin Heyne, die rührige Initiatorin des Künstlerinnen-Symposiums zu diesem besonderen Material. Zu ihrer anmutig kraftvollen Frauenfigur gesellt sich eine Eule, die neugierig und schelmisch mit weißem Gesicht und dunkel glänzenden Augen in den Raum schaut. Da hockt außerdem eine gelbäugige Katze, neben ihr eine kleine Liegende, hüllenlos beim Sonnenbad und ragt ein dunkler, kantiger Kopf mit Stegen und Verstrebungen. Der ist das älteste Stück in der Ausstellung und ebenfalls von Karin Heyne.
Die Glasur, Engobe genannt, entsteht mit dem Brand. „Durch den Holzbrand im Lehmofen überzog sie wie ein Ascheanflug den Kopf“, erzählt sie. Das Kunstprojekt bestehe eigentlich schon seit mehr als zwölf Jahren. „Wir brauchten Lehm und fragten herum, auch im Schamottewerk Radeburg. Doch stattdessen bekamen wir dort eine PKW-Ladung ungebrannter Schamotteplatten, begannen damit zu arbeiten und fanden Gefallen daran“, so Karin Heyne. Seit 1993 leitete sie die Sommerworkshops zum Bau von Lehmöfen zum Brennen von Keramik bei Moritzburg. Außerdem ist sie seit vielen Jahren Kursleiterin der Keramikkurse in der Kreativen Werkstatt in Dresden. Jedes Jahr im September trifft sich eine Gruppe von Künstlerinnen seither im Schamottewerk Radeburg, wo sie in einer Lagerhalle eine Woche lang gemeinsam arbeiten und experimentieren mit dem Material.Vier der Künstlerinnen in der Ausstellung sind von Anfang an dabei, darunter Christa Donner und Gabriele Reinemer. Später kamen weitere gestandene Künstlerinnen wie Angela Hampel und jüngere wie Sophie Altmann dazu. „Jede Handschrift ist eine Anregung. Denn jede Künstlerin arbeitet anders“, so Karin Heyne. Davon erzählt ausdrucksreich die Ausstellung. Da treffen verschiedene Farbtöne von hell, sandig, leuchtend orange und erdig aufeinander, fasziniert und beeindruckt der Kontrast von spröder, rauer Oberfläche und Zartheit der Form von Körpern und Gesichtern, die kraftvoll und verletzlich wirken.
Manche Skulpturen sind außerdem bemalt mit Gips und Farbe. Eine Frauenbüste mit Stachelhaar, weißem Tuch und Herz in der Hand und einen Kopf mit gitterähnlicher Kleidung, neben einem sich putzenden Kätzchen aus Schamotte, zeigt Christa Donner. Berührend auch die Installation mit zwei roten Herzen voll schwarzer Kerben und an Schnüren hängenden, spitzen Teilen wie Patronenhülsen und davor ruhenden Clownsgesichtern mit schwarz-weißen Schachbrettkappen, die von Angela Hampel stammen. Ein erdbraunes Gesicht ohne Narrenkappe von ihr liegt mit schwarz offenem Mund auf verbranntem Boden, umzingelt von Schlangen und Würmern. Ein sitzender, weißer Frauenakt mit verschränkten Beinen sitzt vorm Fenster in der Wintersonne und ein Stück weiter eine knieende Figur in dunklem Gewand, beide von Katrin Jähne. Wild und sanft nah beeinander die Affen und der Schafskopf von Theresa Wenzel und ihr rätselhafter Fisch auf zwei Füßen im Flur. Abstrakte Skulpturen, darunter ein „Gewächs“, das wie ein Schiff mit herausschauenden Köpfen wirkt, eine „Wabe“ und „Zwei“ in Gestalt von Puzzleteilen nebeneinander, hat Eva Bröer aus Tharandt mitgebracht und formspielende Gefäße Sophie Altmann.
Eine Ziegelzeile aus Buchstaben und Ornamenten von Maria Luise Faber steht neben archaisch, zeichenreich bemalten Figuren und Objekten der Radebeuler Künstlerin Gabriele Reinemer im hinteren Raum. Anziehend und abwehrend, bedrohlich zugleich wirken ihre mit Nägeln bestückten Bauwerke, Sonne und Mondsichel bewehrt mit Schutzschilden und die dolchartigen kleinen Körper. „Es hat sich eine gute Zusammenarbeit zwischen den Schamottewerkern und den Künstlerinnen entwickelt, die beim Abschlusstreffen ein Essen für sie zubereiten und sich mit einem Werk aus der Gruppe bei ihnen bedanken. Wir hoffen, dass diese Möglichkeit des Kunstsymposiums noch lange erhalten bleibt“, sagt Karin Heyne. Es finden auch zwei Workshops zu figürlichem Gestalten mit Ton mit Christa Donner am 25.1. und 1.2., von 10 bis 12.30 Uhr im Einnehmerhaus statt. Interessierte können sich über den Kunstverein dort namelden. Die Ausstellung
“Schamotte-Skulptur“ ist noch bis 9. März zu sehen.
Text + Fotos (lv)
Öffnungszeiten: Do und Sa 10 – 17 Uhr, Fr und So 14 – 17 Uhr
http://www.kunstvereinfreital.de

Vielgestaltige Skulpturen & reger Austausch: die Künstlerinnen Eva Bröer und Karin Heyne im Gespräch mit Bettina Liepe, Vorsitzende des Kunstvereins im Einnehmerhaus Freital.


