Unterwegs: Planwagentour der Theatergruppe „Spielbrett“ führt in die Sächsische Schweiz


Mit Pferdewagen, Drahteseln und dem neuen Sommertheater-Stück, Shakespeares „Sturm“ im Gepäck zieht die Dresdner Theatergruppe „Spielbrett“ als fahrende Schauspielertruppe wieder über Land auf ihrer diesjährigen Planwagentour, die weit und breit einzigartig ist. Fotos (4): Tanja Grünert

Mit Pferdewagen und Spielleidenschaft unterwegs wie zu Shakespeares Zeiten

Die Theatergruppe „Spielbrett“ aus Dresden geht wieder auf Planwagentour in die Sächsische Schweiz vom 29. bis 27. Juli.

Der Planwagen ist vollbeladen mit Requisiten, die helle Leinenplane bemalt mit der Route und die zwei Pferde ziehen den Karren im Schritttempo. Dahinter radeln die Darsteller in bunten Sachen auf Drahteseln mit Satteltaschen und Rucksäcken hinterher, hinaus aus der Großstadt, über Dorfstraßen und auf weiter Flur. Die Gruppe „Spielbrett“ geht bald wieder auf ihre traditionelle, einwöchige Planwagentour durch die Sächsische Schweiz vom 20. bis 27. Juli. Im Gepäck für das Sommertheater hat sie dieses Jahr „Shakespeares Sturm“.

„Ein Sturm, eine Insel, eine gestrandete Regierung und ein gestürzter Herzog als Herrscher über das Eiland“, so kündigt die Gruppe das Stück an. In dem nicht ganz zufällig die Helden und Heldinnen sich in einem Labyrinth aus Magie, Gewalt, Intrigen, aber auch Liebe wiederfinden. Luftgeister kommentieren das Geschehen mit aktuellen Bezügen. „Eine fahrende Schauspielertruppe, die durch die Lande zieht wie zu Shakespeares Zeiten und das schon seit vielen Jahren, das ist deutschland- und europaweit einmalig“, weiß der Schauspieler, Regisseur und künstlerische Leiter von „Spielbrett“ seit der Gründung 1985, Ulrich Schwarz. Dem man seine 77 Jahre nicht ansieht und der noch längst nicht ans Aufhören denkt. Dazu mache es ihm zu viel Spaß. Sie zeigen urwüchsiges, sinnlich, poetisches, unterhaltsames und intelligentes Volkstheater mit großer Leidenschaft, Spielfreude und Humor an verschiedenen Orten. Insgesamt acht Vorstellungen stehen auf dem Programm.

Der Start mit dem Planwagen vom Pferdehof Schmidt aus Loschwitz ist am 20. Juli, um 10 Uhr am Blauen Wunder. Erster Spielort dann abends, 20 Uhr im Schlosspark Graupa vor einer uralten Eiche. Weiter geht`s über Schloss Weesenstein, Struppen, Gohrisch am Dorfteich, Königstein am romantischen Malerwinkel, Bad Schandau, Hohnstein bis nach Dürröhrsdorf-Dittersbach als letzter Tourstation.

„Die Spieler ziehen in Kostümen und mit Musik, Akkordeon und Gitarre, lautstark jeweils in den Ort ein und werben für die Vorstellungen. Bei der Planwagentour geht es um den Schauwert, aber auch um Langsamkeit und Genießen für Akteure wie Zuschauer“, so Ulrich Schwarz. Sie fallen überall auf. „Mindestens 50 Prozent der Leute fühlen sich durch den Planwagen angezogen.“ Als Spielkulisse dient ein Bühnengestell, an dem bemalte Bühnenbilder und manchmal auch Türen hineingehängt werden. Bekannte Künstler gingen mit „Spielbrett“ auf Planwagentour ihre ersten Schritte, so Regisseur Schwarz, wie der inzwischen verstorbene Schauspieler und Kabarettist Olaf Böhme als „Falstaff“ oder die Sängerin und Liedkabarettistin Anna Mateur. Elf Spieler in Doppelbesetzung sind derzeit dabei im Alter von 20 Jahren bis Anfang 70. Sie arbeiten als Lehrer, Ärztin oder in der IT-Branche. Ein Koch fährt auch mit, der für Speis und Trank sorgt. Beim Frühstück und abends nach der Vorstellung sitzen die Spieler an einer großen Tafel zusammen, wird gequatscht und gefeiert. Die Planwagentour wird privat finanziert. Übernachtet wird unterwegs in Turnhallen und Schulräumen in Schlafsäcken.

„Die Planwagentour ist noch nie gefördert worden weder von der Stadt Dresden noch vom Land Sachsen. Obwohl wir doch in Sachsen bleiben und Kultur in den ländlichen Raum bringen“, so Ulrich Schwarz. Er als künstlerischer Leiter und die Organisatoren der Tour bekommen ein Honorar. Und die Gruppe „Spielbrett“ erhalte eine geringe Förderung von der Stadt pro neue Inszenierung. Die Planwagentour wechselt jährlich, neben der Sächsischen Schweiz führt sie auch ins Osterzgebirge und nächstes Jahr wieder an die Märkischen Seen mit immer anderen Shakespeare-Stücken. „Meist kommen um die 100 Besucher pro Vorstellung. Letztes Jahr am Schloss Lauenstein waren es sogar 200 Zuschauer“, so Schwarz. Nächstes Jahr im Herbst feiert die mehrfach preisgekrönte Gruppe „Spielbrett“ ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum mit einem Theaterfestival unter dem Motto „Danke Volk!“ im Theaterhaus Rudi in Dresden.

Text (lv)

http://www.spielbrett.info

BilderAlbum: Konzert mit dem BärensteinOrchester beim zweiten Musiksommer Bärenstein


Bühne frei für Klangreichtum: das BärensteinOrchester mit seinem Leiter Hartmut Dorschner beim Konzert im Kunsthaus Bärenstein.

Eine fröhlich mitreißende Klang-Lawine

Mit einem bunt gefächerten, herrlich unkonventionellen und abwechslungsreichen Abschlusskonzert nach einwöchigem Musik-Workshop begeisterte das BärensteinOrchester beim zweiten Musiksommer Bärenstein.

Auf ein Handzeichen hin setzt die fröhliche Klang-Lawine ein. Die Töne schwirren in allen Farben durch den Raum und brechen wieder ab. Auf und ab, hoch, tief, hell, laut, leise, schräg, wild und sanft. Jeder der Musizierenden in der Runde darf mal Dirigent sein beim großartigen, herrlich unkonventionellen und abwechslungsreichen Abschlusskonzert mit dem BärensteinOrchester Ende Juni im Rahmen des zweiten Musiksommer Bärenstein, der gefördert wird von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Das BärensteinOrchester ist mittlerweile schon so etwas wie das Markenzeichen des Musikfestivals in dem kleinen Ort im Osterzgebirge.

Diesmal drehte sich alles um Rhythmus in dem einwöchigen Musik-Workshop mit dem Dozenten und Schlagzeuger Matthias Macht und dem Jazzmusiker und Leiter des Musiksommer Bärenstein Hartmut Dorschner. Vor dem Mikro stehen nacheinander die Teilnehmer. Junge und etwas ältere, schon erfahrene Musiker, reihum. Sie heben bemalte und beschriftete Karten mit Symbolen und Titeln der selbst erdachten Musikstücke und Songs hoch und die anderen spielen und improvisieren diese mit viel Spaß und Einfällen zusammen im Orchester. Zehn Musikanten haben sich dazu versammelt im Veranstaltungsraum im Obergeschoß vom Kunsthaus Bärenstein, zugleich Wohn- und Schaffensort von Hartmut Dorschner. Die Töne hüpften, sprangen, schwebten umher. Mal klang es wie ein Frosch, der lustig im Teich quakte, mal nach Jazz, Swing und Reggae, mal urwüchsig erdig und geheimnisvoll mit der erzählten Mär von einem Waldweiblein aus dem Erzgebirge. Frei aus dem Bauch und fabulierfreudig tönte und erzählte der Geschichtenerzähler Michael Cech aus Dresden solo und zusammen mit dem BärensteinOrchester. Die Musiker bewegten sich auch samt Instrumenten durch den Raum, als ob sie ihre Töne wieder einfangen wollten. Schön zu erleben das Zusammenspiel und die Klangvielfalt von Trompete, Saxofon, Akkordeon, E-Piano, Schlagzeug, kleinen Trommeln bis zu E-Gitarren. Die jüngste Zuhörerin saß mit Kopfhörern auf dem Schoß von Papa und Mama abwechselnd, vergnügt lauschend und hin und wieder jauchzend einstimmend in das Konzert. Abschließend war auch ein Lied, „Skandal im Bielatal“ gegen die geplante Ansiedlung einer Lithium-Fabrik und damit einhergehender Naturzerstörung in der Umgebung von Bärenstein zu hören. Viel Beifall gab es von den begeisterten Zuhörern nach einer Stunde für dieses bunt gefächerte, klangfreudige Konzert mit dem BärensteinOrchester, dem man weiteren Zulauf und Auftrittsorte wünscht.
Der Musiksommer Bärenstein dauert noch bis 8. September.

Das Programm steht unter http://www.kult-ur-art.eu

Text + Fotos (lv)

Eröffnungskonzert auf dem Milchschafhof beim Musiksommer Bärenstein 2024


Fülle an Klängen mitten in der Natur: Mit Heugeruch in der Nase und angeregt von der ländlichen Atmosphäre spielten und begeisterten die Jazzmusiker Hartmut Dorschner und Matthias Macht vor vollen Rängen beim Eröffnungskonzert des zweiten Musiksommers Bärenstein auf dem Milchschafhof dort am Sonntagnachmittag.

Urwüchsiges Spiel mit Hammer, Schlagzeug und Saxofon

Ein Musikerlebnis inmitten der Natur und angeregt davon war das Eröffnungskonzert mit Hartmut Dorschner und Matthias Macht auf dem Milchschafhof beim zweiten Musiksommer Bärenstein am Sonntagnachmittag.

Die Tür zum Milchschafstall in Bärenstein stand weit offen. Dort nisten gerade Schwalben mit ihren Jungen, einige schwirrten übermütig ein und aus. Um sie nicht mit lauten Schlagzeugklängen zu stören, spielten die Musiker Matthias Macht und Hartmut Dorschner am Saxofon vor dem Stallgebäude. Mit Heugeruch in der Nase, umgeben von hohen Bäumen unter strahlend blauem Himmel lauschten ihnen 67 Besucher, kleine und große, auf Bänken und Stühlen auf der Wiese beim Eröffnungskonzert des bereits zweiten Musiksommer Bärenstein am Sonntagabend. Dieser wird gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und ist für die Besucher eintrittfrei. Die zwei Eseldamen „Lucie“, zehn Jahre und „Charlott“, 20 Jahre, im Freigehege in der Nähe lauschten andächtig den ungewohnten Klängen und spitzten die Ohren, ein Stück weiter saßen und grasten die Schafe seelenruhig auf der Weide unter einem Baum. Die Musiker ließen sich bei ihrem anderthalbstündigen Konzert von der ländlichen Atmosphäre anregen.

Zu hören waren urwüchsige, erdige, hämmernde, klirrende, knarrende und fröhlich unbeschwerte Klänge. „Wir spielen improvisierte Musik, die im Moment entsteht, nicht vorher geübt“, sagte Hartmut Dorschner, Jazzmusiker und Initiator des Musiksommer Bärenstein im feierlich roten Anzug. Er spielte abwechselnd kraftvoll, treibende und ruhige, versunkene, hohe, tiefe, kurze und langgezogene, wild umherwirbelnde und harmonische Klänge auf dem Altsaxofon und einem kleineren, hell tönenden Saxofon. Schlagzeuger Matthias Macht, in geblümten Hemd und kurzen Hosen, begleitete ihn mit mal leisen, tastenden und energiegeladen gesteigerten Klängen. Er bezog auch die Umgebung ins Spiel ein, mit den Trommelstäben und einem Hammer klopfte er wie ein Steinmetz auf das Gehäuse und selbst die vom Baum herabhängenden Blätter vor seinem Gesicht hob er sacht raschelnd an und bewegte lustig seinen Kopf aus den Zweigen hervor. Die beiden regten sich spielfreudig zu immer neuen, fantasiereich und witzig-versponnenen Klangkreationen an und gaben sich gegenseitig Impulse. Mal spielte Dorschner die Erkennungsmelodie der Olsenbande an unter den schmunzelnden Zuhörern. Mal „stritt“ er sich mit Macht, wer denn nun den letzten Ton hat und standen sich beide mit Hammer, Schlagzeug und Saxofon angriffsfreudig gegenüber. Mal quietschte und prustete Dorschner ins Saxofon als wollte er einen Luftballon aufblasen bis er fast platzte zum Gaudi der Kinder,

„Wir finden es gut, dass das kulturelle Leben hier etwas bereichert wird und erfreuen uns selber an der Musik“, sagt Falk Bräuer, der Betreiber vom Milchschafhof Bärenstein. Das Konzert auf dem Hof sei schon eine kleine Tradition und mehr Besucher als letztes Jahr, zur Hälfte Einheimische und neue Zuhörer, dagewesen. Außerdem war der Hofladen geöffnet, in dem es Schafskäse und Wollprodukte gibt. Sonst hat er freitags und sonnabend von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Falk Bräuer und seine Frau haben ihren Milchschafhof seit 17 Jahren, zu dem eine Herde weißer und schwarzer ostfriesischer Milchschafe gehört. Nach dem Konzert gaben die Tiere auf dem Hof wieder den Ton an, zuvorderst hingebungsvolle Hahnschreie. Das Musikerlebnis inmitten der Natur bekam reichlich Applaus von den Besuchern.

Text (lv)
Fotos: (ad, lv)

Musiksommer Bärenstein 2024: Eröffnungskonzert mit Jazz im Milchschafhof


Freude am Improvisieren & gemeinsam musizieren: der Jazzmusiker und Leiter des BärensteinOrchesters Hartmut Dorschner und Musikschülerin Katrin Staake.

Beim gemeinsamen Musizieren den
eigenen Lebens-Rhythmus finden

Der Musiksommer Bärenstein lockt zum zweiten Mal mit klangreichem Programm und einer Werkstatt zum Mitmusizieren im BärensteinOrchester. Das Eröffnungskonzert mit Hartmut Dorschner und Matthias Macht ist am Sonntag, dem 23. Juni, 16 Uhr in besonderer Atmosphäre im Milchschafhof in Bärenstein zu erleben.

Das Saxophon liegt auf dem Tisch am Fenster. Hartmut Dorschner setzt sich zunächst ans Klavier und begleitet seine Musikschülerin. Katrin Staake spielt Tenorsaxophon. Tiefe, warme, fröhliche und leise, vom Atem getragene Klänge erfüllen den Raum. Dann greift auch er zum Saxophon, lässt die Töne nur so sprudeln und sie gehen aufeinander ein, fließen zusammen. Es ist eine spontane Improvisation in ihrer Wohnung im Dresdner Hechtviertel und ein kleiner Vorgeschmack auf die Werkstatt unter dem Motto „Rhythmus“ mit dem Bärenstein-Orchester.

Diese startet am kommenden Montag innerhalb des Musiksommer Bärenstein 2024 in dem kleinen Ort im Osterzgebirge. Rund acht Teilnehmer, der jüngste ist 13 Jahre alt bis Mitte fünfzig, treffen sich dann täglich von 10 bis 13 Uhr und von 16 bis 18 Uhr eine Woche lang zum gemeinsamen Musizieren mit den Jazzmusikern Hartmut Dorschner und Matthias Macht im Kunsthaus Bärenstein. Mit krönendem Abschlusskonzert mit dem BärensteinOrchester dann am 29. Juni, um 19 Uhr. Wenn jemand spontan Lust hat, noch dazu zu kommen zu dem Musik-Workshop, sei das möglich und dieser ist offen für jung bis alt.

„Es geht um die Begegnung auf musikalischer und sozialer Ebene und die Freude steht dabei im Vordergrund“, sagt Hartmut Dorschner, Workshopleiter, Dirigent des BärensteinOrchesters und Initiator des Musikersommer Bärenstein. „Rhythmus ist das Pulsieren in der Zeit, und die Töne sind die Farben“, erklärt Dorschner. „Wenn der Rhytmus anfängt lebendig zu werden, weil man sich erst einmal müht, ihn zu halten, dann stabil wird und steht, dann blüht er auf.“ „Und es kommen viele Farben und Möglichkeiten zum Vorschein“, ergänzt Katrin Staake. Über dem Klavier hängen ihre expressiv farbigen Bilder, Blütenformen und Wasserspiegelungen. Sie ist das erste Mal bei der Werkstatt im Musiksommer Bärenstein dabei. Seit zweieinhalb Jahren nimmt sie Saxophonunterricht bei Hartmut Dorschner. „Musik hat viel mit dem Leben zu tun, dem Lebens-Rhythmus“, sagt sie. Es sei auch ein Unterschied, ob man selber spiele und tanze, die Musik spürt im Körper oder nur zuhöre. „Es ist interessant, man lernt sich selber kennen und kann den Rhythmus in sich finden“, so Katrin Staake. „In dem Workshop bekomme ich das gebündelt und es ist eine andere Möglichkeit sich auszudrücken.“ „Noten heißen Note, weil man die ja nur zur Not nimmt“, sagt Hartmut Dorschner schmunzelnd. Er hat Jazzsaxophon und Komposition an der Dresdner Musikhochschule studiert und lebt und arbeitet als freischaffender Musiker in Bärenstein. „Die Kunst ist es, Schräges und Wohlklingendes zu verbinden, aus dem die Kontraste und interessante Musik herauskommen.“

Ein klangreiches Programm an besonderen Spielorten lockt nun zum zweiten Mal beim Musiksommer Bärenstein unter dem Motto „Hört auf!“, veranstaltet vom „kult-ur-art“ Kunstverein zu Bärenstein e.V. vom 23. Juni bis 8. September. Angelehnt an den Bergarbeitergruß „Glück auf“ und im Sinne von Aufhorchen. „Der Musiksommer hat sich positiv entwickelt. Es kommen immer 30 bis 40 Besucher zu den Konzerten“, sagt Hartmut Dorschner. Ingesamt kamen rund 500 Besucherr letztes Jahr. Es sei erfreulich, wenn die Region weiter kulturell belebt und auch touristisch noch anziehender wird. Der Musiksommer Bärenstein wird von der Kulturstitung des Freistaates Sachsen aus dem Projektefond zur Kunstförderung im ländlichen Raum mit 5 000 Euro wieder gefördert. Alle Veranstaltungen und der Musikworkshop sind für die Teilnehmer und Besucher eintrittfrei.

Das Eröffnungskonzert mit Hartmut Dorschner am Saxophon und Matthias Macht am Schlagzeug ist an diesem Sonntag, dem 23. Juni, 16 Uhr im Milchschafhof Bärenstein zu erleben. Dann wandelt sich der Stall zum Konzertsaal, die Besucher sitzen auf Heu und Bänken und die Schafe und Esel stehen dahinter auf der Weide und begleiten das Konzert mit. Da das Konzert letztes Jahr so gut ankam, gibt es nun eine Neuauflage mit ländlicher Atmosphäre. Erstmals beim Musiksommer gibt es ein Puppenspiel, „Alice im Wunderland“ mit dem Theater Phoebus am 24. August, 16 Uhr auf dem Markt in Bärenstein.

Text + Foto (lv)

Konzerte

So., 23.6., 16 Uhr, Milchschafhof Bärenstein: Matthias Macht und Hartmut Dorschner
Sa., 29.6., 19 Uhr, Kunsthaus Bärenstein: BärensteinOrchester
Fr, 19.7., 9.8. und 16.8., 17 Uhr, Kirche Bärenstein: Orgelsommer mit Agnes Ponizil
Sa., 24.8., 16 Uhr, Markt Bärenstein: Theater Phoebus, Puppenspiel „Alice im Wunderland“
Sa., 31.8., 17 Uhr, Kirchgasse 10: Mario Nitschke, Ausstellungseröffnung
mit Musik von Agnes Ponizil und Hartmut Dorschner
So., 1.9., 16 Uhr, Kunsthaus Bärenstein:  A. Dorschner, Harfe, G. Heinz, Posaune und E. Bier, Schlagzeug
So., 8.9., 16 Uhr, Kunsthaus Bärenstein: Jazz ohne Stress mit K. Flath-Fischner, Saxophon und  U. Fehlberg, Gesang, Piano

Atelierbesuch bei Christiane Latendorf in Freital


Farbenfrohes Bilderreich: die Künstlerin Christiane Latendorf in ihrem neuen Atelier in Freital.

Wunderreiche Bilderwelt zum Träumen und Fliegen

Die Malerin und Grafikerin Christiane Latendorf musste nach 20 Jahren ihr Atelier im Dresdner Stadtzentrum verlassen und wagte den Neuanfang in einem neuen Raum in Freital-Wurgwitz.

Ihr farbenfrohes Bilderreich ist riesig, der Platz leider begrenzt. Einige Werke stehen aufgereiht schon im Treppenhaus. Kleinere und große Formate, in denen Menschen, Tiere und Natur sich farb- und zeichenreich verbinden. Eine Frau mit Tauben, Nachtvögel, Stier und Schäfchen, Katzen und  ein dunkles Tier mit einer Schlange im Maul. Dazwischen Köpfe und Gesichter in urwüchsigen Landschaften, über denen rote Vögel kreisen und ein verletztes Tier zappelt in einem himmelblau erhobenen Arm. „Ganzheit gefragt“ steht als Bildtitel auf der Rückseite einer Leinwand. Die Ateliertür steht offen. Ein Raum voller Bilder empfängt die Besucher in dem Gebäude, im Hof der Autogalerie Börner auf der Kesselsdorfer Straße 6 in Freital-Wurgwitz.

„Es ist ja auch hauptsächlich zum Malen gedacht und hier habe ich die Ruhe dafür“, sagt die Künstlerin Christine Latendorf. Vorn steht ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen und ein paar Grünpflanzen unter den Fenstern mit Dachschrägen. Sie schaut ins Grüne. Hinter den Bäumen fließt ein kleiner Bach, die Wiederitz entlang. Neben den großen Öbildern steht ihre Staffelei am Fenster. Ein Großteil ihrer Bilder ist bei einer Dresdner Firma auf dem Dachboden eingelagert. „Ich bin froh, dass ich diesen Raum zum Malen gefunden habe. Es war schwer etwas zu finden und es ist ein Neuanfang“, sagt Christiane Latendorf. Ihr Treffpunkt mit Besuchsraum ist in ihrem Atelier in der alten Schuhfabrik auf der Gartenstraße 72a in Radebeul. Dort bietet sie auch Scherenschnitt-Kurse an und außerdem im Kultur- und Beratungshaus für Frauen „sowieso“ in Dresden.

Seit Juni 2022 hat Christiane Latendor ihr neues Atelier in Freital-Wurgwitz, den Raum fand sie über ebay. Der Umzug aus ihrem schönen, großen Atelier im ehemaligen Robotron-Hochhaus an der Lingnerallee 3 im Dresdner Stadtzentrum fiel ihr schwer. Dort war sie 20 Jahre lang. Zusammen mit anderen Kreativen und sozialen Vereinen. Und der Weg nicht weit für Besucher und Kunstinteressenten. „Es war eine nette Bürogememeinschaft, man kannte die Leute alle und dann ging das alles auseinander“, bedauert sie. Kurz vor Weihnachten 2021 wurde ihnen gekündigt vom Eigentümer wegen bevorstehender Sanierung. Passiert ist bis heute nichts. Ihr Hauptsitz, an dem sie wohnt und arbeitet, ist Dresden. Christiane Latendorf studierte Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden und ist seit ihrem Diplom 1997 als freischaffende Künstlerin tätig. „Wenn man malen will, findet man überall Platz, unterwegs und im Wald“, sagt sie. „Wenn ich male, bin ich glücklich.“ Ihr Skizzenbuch und Stifte hat sie immer dabei. Und sie malt alles, was ihr begegnet. Träume, Eindrücke aus dem Leben und Erinnerungen. „Bilder zum Leben“ heißt der Kalender für 2024 mit ihren neuen Arbeiten und zugleich ihr Anker.

Christiane Latendorf ist eine Bildermagierin, die mit Pinsel, Stiften und Scheren wundersame Welten zwischen Traum und Wirklichkeit erschafft. In denen es fantasiereich, vielschichtig zugeht und immer ein Rest Geheimnis bleibt. “Die weiße Fläche ist mir heilig, da taucht etwas auf, das male ich. Da bin ich ehrlich, egal was das Bild spricht“, sagt die Künstlerin. „Am nächsten Tag sehe ich, ob es so bleiben kann und es riecht dann einfach gut, wunderschön nach Blumen und vielen Farben“, lächelt sie. Manche Bilder malt sie auch über viele Jahre weiter.

Ein Bild zeigt den Mensch als Vogel. „Manchmal fliegen wir, fühlt sich alles leicht an und manchmal schwer.“ Oft tauchen Vögel, Tauben, Raben und Krähen auf den Leinwänden auf. Christiane Latendorf hat schon einige kranke Vögel gefunden, die sie gesund pflegt und wieder freilässt. Die Krähe „Mary“, die durch einen offenen Bruch flugunfähig ist, lebt schon 18 Jahre bei ihr zuhause. Ein großformatiges Bild zeigt Kinder im Wald, beschützt von einem roten Stier und einem Vogel. Es heißt „Die verschollenen Kinder“ und erinnert an deren Schicksal im Ukraine-Krieg. „Die Nachricht hat mich berührt. Ich hoffe, dass sie noch leben und wiederkommen. Man darf die Hoffnung nicht aufgeben“, sagt Christiane Latendorf.

Mit fünf Malkursen in der Woche in Schulen und sozialen Einrichtungen in Dresden, Dippoldiswalde und Panschwitz-Kuckau ist sie sehr beschäftigt. Unter ihnen sind auch Schüler aus der Ukraine. „Da fehlt die Häfte der Familie und sie reden nicht über den Krieg und die schlimmen Erlebnisse. Sie malen das Gute und Schöne, woran sie sich erinnern. Es sind friedliche Bilder“, erzählt die Malerin. Sie sprechen auch über die Bilder. „Kunst öffnet Menschen auch“, erlebt Christiane Latendorf.

Text + Fotos (lv)
Fotos folgen demnächst

http://www.christiane-latendorf.de

Sommertheater: Premiere „Das Spiel von Liebe und Zufall“ nach Marivaux im Innenhof des Japanischen Palais

Das Spiel von Liebe und Zufall
Komödie von Pierre Carlet de Marivaux
in einer Fassung von Lily Sykes. Foto: Sebastian Hoppe

Leidenschaftliches Versteckspiel der Gefühle

Mit viel Komik, Spielfreude und Doppelsinn kommt das diesjährige Sommertheater-Stück „Das Spiel von Liebe und Zufall“ nach der Komödie von Pierre Carlet de Marivaux des Staatsschauspiels Dresden Open Air im Innenhof des Japanischen Palais auf die Bühne. Noch bis 30.6. zu erleben!

„This is not a Love Song!“, singt die junge Frau gleich zu Beginn mit rauer, lasziver und jazzig kraftvoller Stimme. Sie trägt eine große schwarze Schleife im Haar, kurze Hosen und Feinstrumpfhosen und Sonnenbrille. Wen wundert`s! Silvia (selbstbewusst: Sarah Schmidt) soll gegen den Willen ihrer Mutter Madame Orgon (Nadja Stübiger) mit dem jungen Edelmann Dorante verheiratet werden. Die schrill und extravagant wie eine Diva in dunklem Rüschenkleid und weißer Hochfrisur umherwirbelnde alte Dame hat mit mal salbungsvoller, mal tiefer, dunkler Stimme geschäftstüchtig ihre eigenen Pläne und möchte ihr marodes Unternehmen durch die Heirat sanieren und in feine Kreise aufsteigen. Doch Silvia, ihre Tochter mit der großen, braven schwarzen Schleife denkt gar nicht daran. Ihre Karriere als Sängerin ist gerade erfolgreich angelaufen und sie ist gern Single. Ihr Bruder Mario ist ein etwas einfältiger, aber auch durchtriebener Scherzbold und Muttersöhnchen, dafür mit eigenen Marotten (herrlich komödiantisch: Viktor Tremmel). Er hat auch ein Auge auf Lisette geworfen, ist aber chancenlos. Lisette (keck und vorlaut: Leonie Hämer), die persönliche Assistentin von Silvia mit der rötlichen Wuschelmähne, die an eine Fellkappe erinnert, weißer Bluse, Weste und schwarzen Pluderhosen, hätte hingegen nichts gegen eine Heirat, sie träumt von Liebe und Glück am besten mit einem wohlhabenden Mann.

Der taucht auch auf in Gestalt von Dorante  (sanft und edelmütig: Jakob Fließ), der jedoch seine Kleider tauscht mit Arlequin, seinem Butler (cool, derb und großspurig, draufgängerisch: Oliver Simon), da auch Dorante eine arrangierte Ehe missfällt und um seine zukünftige Braut heimlich auf die Probe zu stellen. Das Gleiche hat auch Silvia im Sinn, die mit Lisette die Kleider und Rollen tauscht. Das führt zu einem herzergreifend komischen wie dramatischen Verwirrspiel der Gefühle mit allen Höhen und Tiefen, um herauszufinden, für wen das Herz abseits aller Maskerade und sozialem Status denn nun wirklich schlägt, in der diesjährigen Sommertheater-Inszenierung des Staatsschauspiels Dresden „Das Spiel von Liebe und Zufall“. Die bekannte Komödie von Pierre Carlet de Marivaux ist in einer Fassung und unter Regie von Lily Sykes derzeit als Open Air-Aufführung im Innenhof des Japanischen Palais in Dresden zu erleben.

Die sechs Schauspielerinnen und Schauspieler agieren allesamt mit viel Komik, Leidenschaft und Spielfreude in diesem anfangs etwas zäh über Liebe und Ehe dialogisierenden, im zweiten Teil dann spannenderen und aberwitzigen Verkleidungs- und Kuppelspiel, mit galant eingestreuten, französischen Worten aus dem Mutterland der Liebe und Wortwechseln in Alltagssprache, manchmal sehr salopp und in breitem Sächsisch, begleitet von einer Band mit vier Musikern mit bekannten Rock- und Popklassikern, eigenwillig und witzig vorgetragen von den Darstellern. Eine Kleiderstange, Grünpflanzen und Lampenschirme genügen, mit denen man sich flugs in Schale wirft, jemand anders wird oder sich versteckt und tarnt, um die anderen Mitspieler zu beobachten und im entsprechenden Moment einzugreifen, um das Gefühlsfeuer weiter zu entfachen bis der Schwindel auffliegt, Wut, Enttäuschung, Ängste und Sehnsüchte sich breitmachen und die sich zueinander hingezogen fühlenden und passenden Paare am Ende doch noch finden. Als Kulisse und Spielfläche dient eine große Holzwand mit Empore, in rotes und nachtblaues Licht getaucht und Holzboden davor, mit Fenstern und auf und zu fliegenden Türen, gegen die die Darsteller reihum rennen, vor den Kopf gestoßen werden, sich daran stoßen wie an den Etiketten und einen Weg heraus suchen. Reichlich Beifall gab es vom Publikum für einen vergnüglichen Theaterabend mit einigen nachdenklichen Momenten, wie man den wahren Wert eines Menschen hinter der Fassade erkennt und was das mit Liebe und Zufall oder tieferem Sinn zu tun hat.

Text (lv)

Nächste Aufführungen: 23.6., 19 Uhr; 26.6., 27.6., 28.6., 29.6., 20 Uhr und 30.6., 19 Uhr

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

Ausstellung „Passion“ mit Malerei von Gerda Lepke & Plastik von Wieland Förster in der Galerie Himmel

LANGE NACHT DER GALERIEN & MUSEEN IM BAROCKVIERTEL am DONNERSTAG, 20.6.2024, 18-24 Uhr

Ausstellung | Seit 15. Juni – 24. August 2024

GERDA LEPKE | WIELAND FÖRSTER – PASSION

Die Ausstellung »Passion« zeigt Werke aus 50 Jahren Schaffenszeit der Malerin Gerda Lepke und des Bildhauers Wieland Förster.

Leidenschaftliches Ringen um die Figur kennzeichnet die Malerei von Gerda Lepke (*1939) ebenso wie die Plastik von Wieland Förster (*1930). Zwei herausragende Künstler, die ihre eindringlichen Menschenbilder mit einer unverkennbaren Bildsprache entwickelten.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht ein Hauptwerk Wieland Försters, gleichzeitig Ikone der europäischen Bildhauerei nach 1945 überhaupt: die »Große Neeberger Figur« (1971-1974). Die Ausstellung zeigt neben der über 3 Meter hohen Bronzefigur zehn weitere Plastiken Wieland Försters sowie Ölgemälde und Aquarelle von Gerda Lepke, von denen wesentliche Werke in den 1970er und 1980er Jahren entstanden.

Im Kabinett präsentiert die Galerie Himmel zeitgleich Farbholzschnitte des Dresdner Malers Klaus Drechsler (*1940). In der Malerei von Klaus Drechsler klingen leise Töne an. Dreh- und Angelpunkt ist die Vanitas, der Kreislauf von Werden und Vergehen, von Schönheit und Hinfälligkeit. Gedeckte, sanft aufleuchtende Farben bestimmen das kostbare Kolorit. Farbreich und doch gedämpft, mit sanften Übergängen von Licht und Schatten, entsteht ein stiller Klang, der von einer tiefen Achtung gegenüber dem Bildgegenstand zeugt.
Zur Eröffnung der Ausstellung »Gerda Lepke | Wieland Förster – Passion« am Freitag, dem 14. Juni 2024, um 19 Uhr, sind Interessierte herzlich eingeladen.

 

Text + Foto: Anja Himmel, Michael Böhlitz & Carsten Rohner

GALERIE HIMMEL
Obergraben 8
01097 Dresden

0351-4843578
0172-9782555

email@galerie-himmel.de
www.galerie-himmel.de

Online-Shop Grafikliebhaber.de

Aktuelle Ausstellung mit Malerei von Gerda Lepke und Plastik von Wieland Förster:

Lange Nacht der Galerien & Museen im Dresdner Barockviertel

Moderne Kunst hautnah zu erleben

Die Galerien und Museen im Barockviertel haben sich zusammengeschlossen und laden am 20. Juni zur Langen Nacht der Galerien und Museen in die Innere Neustadt  ein. Nun schon zum 17. Mal können kunstinteressierte Dresdner und die Besucher unserer Stadt an diesem Abend nicht nur eines der größten Ausstellungshäuser Dresdens, das Japanische Palais, zur schon fast legendären MUPP ART NIGHT besuchen und die neueste Exposition der SENCKENBERG Naturhistorischen Sammlungen erleben sowie im Blockhaus erstmals auch die Räume des ADA, des Archivs der Avantgarden, sondern vor allem auch spannende Ausstellungen in den zahlreichen Galerien im und rund um das Barockviertel.

Die Galerienlandschaft im historischen Barockviertel hat sich in den letzten Jahren zu einem Hotspot zeitgenössische Kunst etabliert. So gibt das klassische barocke Ambiente den Rahmen für moderne Kunst.  Neben etablierten Galerien, die das Viertel seit Langem mit ihren Ausstellungen zu Fotografie, Kunst und Architektur bereichern, haben sich in den letzten Jahren auch junge Galerien im Quartier zwischen Goldenem Reiter und Albertplatz angesiedelt, u.a. wird auch der Ausstellungsraum der Absolventen der HfBK, die GALERIE STEPHANIE KELLY, mit dabei sein, ebenso wie das fotoforum dresden, der Künstlerbund und der Dresdner Kunstverein. Diese sorgen für eine lebendige Szene mit einer Vielfalt an künstlerischen Positionen. Malerei, Skulptur und Installation von jungen, aufstrebenden Künstlern wird also genauso eine Plattform geboten wie bereits etablierter Kunst auf Museumsniveau.Die unmittelbare Nähe zum historischen Stadtkern auf der Altstädter Seite und der unkonventionellen Dresdner Neustadt stärken die kreative Atmosphäre und das besondere Flair des Viertels. 

Der Barockviertel e.V. begleitet die Veranstaltung auch in diesem Jahr und hat Geschäftsleute des Quartiers gewonnen, on top Dresdner KünstlerInnen für diese eine Nacht in den „ONE NIGHT GALLERIES“ Raum zur Verfügung zu stellen und mit der Präsentation ihrer Arbeiten das Event zu bereichern.

Damit können wir in diesem Jahr von mehr als ein Viertel hundert KUNST-RÄUMEN sprechen, die zur LANGEN NACHT erlebbar sind – ein echtes Highlight!

Und natürlich erwarten zu den Vernissagen und Ausstellungen in den Galerien und Museen die Besucher coole Sounds, Künstlergespräche, Führungen, Installationen, und Performances sowie zum Ausklang der Nacht leckere Drinks zum Midnight Art Together in der HERZ american bar inmitten der Inneren Neustadt.

Evelyn Dangrieß
i.A. Org.-Team LNDG
C/o barockviertel.de/langenacht

Mehr unter http://www.barockviertel.de/langenacht

Gruppenausstellung „Sommersalon“ in der Galerie Kunst & Eros


Nackte Badende in wechselndem Licht und Hauttönen zeigt in einer Hommage an Caspar David Friedrich der aus Kolumbien stammende Künstler Juan Miguel Restropo beim 15. Sommersalon in der Galerie Kunst & Eros in Dresden. Die Galeristin Janett Noack freut sich über die vielen neuen, reizvollen Handschriften vorwiegend sächsischer Künstlerinnen und Künstler.


Schönheit. Fragilität und Vergänglichkeit des Lebens spiegeln diese neuen Arbeiten des Porzellankünstlers Olaf Stoy.


Farbenfrohe schwungvolle Paar-Zeichnungen und Figürliches aus edlem Marmor zeigt die Dresdner Bildhauerin Konstanze Feindt-Eißner.

Verführerisch im Sinnesrausch schwelgende Nymphen

Eine Vielfalt reizvoller Handschriften von bekannten und jungen KünstlerInnen versammelt die nunmehr 15. Gruppenausstellung „Sommersalon“ in der Galerie Kunst & Eros auf der Hauptstraße 15 in Dresden.

Farben- und sinnenfrohe Kunst rund um Liebe, Lust und Sinnlichkeit in vielen, reizvollen Handschriften versammelt bereits zum 15. Mal die Gruppenausstellung „Sommersalon“ in der Galerie Kunst & Eros auf der Hauptstraße 15 in Dresden (noch bis 31. August zu sehen). Sieben zeitgenössische sächsische Künstlerinnen und Künstler zeigen ihre neuesten Arbeiten von Malerei, Zeichnung, Grafik bis Plastik zusammen mit je einem Gedicht ihrer Wahl in den zwei Ausstellungsräumen. Im neuen Galerieraum hängen in einer kleinen Kabinettausstellung mit dem Titel „Balanceakt“ feine Buntstiftzeichnungen mit plastisch und zerbrechlich wirkenden Körperformen, auf denen Libellen balancieren, im Getriebe der Zeit mit blattgoldenem Zifferblatt. Sie stammen von dem jungen Nachwuchskünstler Maximilian Hagstotz, der in der Modellierabteilung der Porzellanmanufaktur Meißen tätig ist.

Außerdem sind neue Arbeiten des Porzellankünstlers Olaf Stoy zu sehen, darunter ein Totenschädel aus edlem Material, kobaltblau glasiert, darauf thronen ein Frosch und ein Schmetterling. Gegenüber sitzt eine grazile, meditierende Figur. Dazu gesellen sich auf dem Vertiko die zwei Porzellanbüsten „Felix“ und „Filou“, gelassen der eine, der scheinbar über alles Bescheid weiß und verschmitzt clownesk der andere mit kleinem Hütchen. Das Titelbild der Ausstellung gehört zur Serie „Nymphenbad“ des kolumbianischen Künstlers Juan Miguel Restrepo, es zeigt eine nackte Badende, sehr naturalistisch, aufreizend hell, rein und prall ihr Körper. Sie schaut gebannt auf den im Wasser schwimmenden Kopf von Apollo. In zwei weiteren Bildern aus der griechischen Mythologie schwelgen die Nymphen verführerisch im Wasser in weichen Farbtönen, im warmen Licht der Sonnenuntergänge.

„Der Künstler hat sich etwas einfallen lassen zum Jubiläum des 250. Geburtstages von Caspar David Friedrich in diesem Jahr und angelehnt in der Malweise an die Zeit der Romantik sich aus dessen Farbpalette bedient“, sagt die Porzellanmalerin und Galeristin Janett Noack (41). „In allen Arbeiten hier geht es um einen natürlichen Zugang zu Nacktheit und Körperlichkeit in verschiedenen Malstilen und Stimmungen.“ Mal steht der klassische Akt im Vordergrund, auch der Rückenakt, mal direkt, frech und mal sinnlich, subtil. Frauenakte und Paare aus edlem weißem Marmor umgarnen das Auge, geschaffen von der „Camille Claudel des Ostens“, wie Janett Noack die Dresdner Bildhauerin und Malerin Konstanze Feindt-Eißner nennt. Von ihr sind auch die farbigen, figürlich abstrahierten Zeichnungen, teils auf Notenblätter gemalt, mit Tanzenden, im Spagat springenden und schwebenden Paaren beim „Kuss-Spiel“.

Ins Blaue verliebt hat sich Nadine Wölk, die eine Serie mit neuen, ausdrucksstarken Kugelschreiber-Zeichnungen in dieser Farbe zeigt, diesmal eine im Spiegelblick einer jungen Frau erzählte Liebesgeschichte, über das Davor und Danach und es ist etwas passiert. Die Malerei in sonnigen, kräftigen Farben mit Rückenakt und verspielt-fantasievolle Collagen von Viktoria Graf sind ein Blickfang. Leuchtend farbige, barock opulente Ölpastelle von verlockend aussehenden Frauen, die nichts außer Blüten und Früchte tragen von Leo Lessig, krönen diesen „Sommersalon“. Zur Langen Nacht der Galerien und Museen im Barockviertel gibt es ein Konzert mit dem Jazztrio Dresden in der Galerie Kunst & Eros am 20. Juni um 20 Uhr und beschwingt südliche Klänge mit dem Rio Mar Tango Trio laden ein zum „Tango tanzen in der Passage“ vor der galerie am 10. August.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Mo bis Sa 11 bis 15 Uhr

http://www.kunstunderos.de

Ins Blaue verliebt: Bezaubernd, ausdrucksvoll und vieldeutig sind die Kugelstiftzeichnungen von Nadine Wölk.


Feine Buntstiftzeichnungen mit filigranen, plastisch wirkenden Körperformen zeigt in einer Kabinettausstellung mit dem Titel „Balanceakt“ der Meißner Nachwuchskünstler Maximilian Hagstotz im neuen Galerieraum der Galerie Kunst & Eros.

»LANGE NACHT der GALERIEN & MUSEEN« im Dresdner Barockviertel

Am Donnerstag, 20. Juni 2024 · 18 bis 24 Uhr

KONZERT: »JAZZTRIO DRESDEN« Beginn 20 Uhr in der Passage der Galerie kunst & eros mit Roger Tietke Saxophone, Moritz Töpfer Piano & Michael Gramm Schlagzeug/ Percussion.

Die drei Musiker des Trios kennen sich seit ihrem gemeinsamen Instrumentalstudium an der Hochschule für Musik »Carl Maria von Weber« in Dresden. Mittlerweile verbindet sie eine fast 20-jährige Freundschaft und Zusammenarbeit. Gemeinsam und ebenso unabhängig voneinander – solistisch und innerhalb verschiedenster Ensembles – sind die drei Musiker seither aktive Mitgestalter der Kulturszene. Deutschlandweit konnten sie bisher bei zahlreichen Konzerten und genreübergreifenden Performances, bei der Zusammenarbeit mit Bildenden Künstlerinnen und Künstlern, sowie bei Theater-, Rundfunk- und Filmbeiträgen und der Ausgestaltung literarischer Veranstaltungen überzeugen. Wir freuen uns auf ein unterhaltsames und lebendiges Programm aus Kunst & Musik! Eintritt frei!

Zur »LANGEN NACHT der GALERIEN & MUSEEN im Barockviertel Dresden«, am Donnerstag, den 20. Juni 2024 findet in der Passage der Galerie kunst & eros ein Konzert mit dem »JAZZTRIO DRESDEN« ab 20 Uhr statt. Mit einem außergewöhnlichen musikalischen Abendprogramm haben Sie die Möglichkeit die aktuelle Gruppenausstellung »Sommersalon« sowie »Balanceakt« mit Werken von Maximilian Hagstotz in der Galerie kunst & eros zu besichtigen.

Janett Noack & Team

Galerie kunst & eros, Hauptstraße 15 in Dresden
Geöffnet: Mo bis Sa 11 bis 15 Uhr

kunstunderos.de, info@kunstunderos.de – 0351 8024785

Schönes bleibt. „Fantasius Firlefanz & die verschwundenen Katzen“

Hervorgehoben


Geliebte Fellwesen, Musen und Antreiberinnen & ein teilnahmsvoll den Geist & die Fantasie beflügelnder Holzvogel: Jade & Lina, die voller Neugier, Energie und Lebensfreude umherwirbelten und mein Leben begleiteten, die ich nach ihrem plötzlichen Verlust schmerzlich vermisse und nun in Geschichten-Abenteuern mit Fantasius Firlefanz weiterleben.

Fantasius Firlefanz und die verschwundenen Katzen

Eine Geschichte über Tierliebe, die Kraft der Fantasie und des Herzens.

Die Sonne schien schön wie nie. Im Hausgarten hüpfte ein brauner Vogel,
eine Amsel über die Wiese. In der Mitte sprossen ein paar Gänseblümchen an der Stelle, wo die Frau zuletzt mit ihrer schwarz-weißen Katze Lina saß. Als sie das erste Mal gemeinsam draußen waren. Wenigstens dieses eine Mal.
Bevor sie näher kam, flog die Amsel schon wieder fort über den verblühten Rosenbusch. Einen Moment später tauchte eine der Hofkatzen, die weiß-braun gefleckte, aus der Nachbarschaft auf und setzte sich, stumm und erwartungsvoll. Die Frau kannte sie schon länger und gab ihr eine Portion Futter gleich aus der Verpackung. Der Futternapf mit dem lustig aufgemalten Katzengesicht war seit ein paar Tagen verschwunden. Ein Aushang mit der Bitte ihn zurückzubringen, brachte nichts. Die Frau sah zu dem blauen, verglasten Anbau, der wie ein Türmchen aussah, hinauf zu ihrem Fenster. Dort oben im Wintergarten mit den großen Fenstern ringsum saß Jade, ihre grauweiß getigerte Katze besonders gern, an ihrem Lieblingsplatz im Blumenkasten, reckte und streckte sich und schaute hinunter auf das Grünmeer. Nun war ihr Platz leer. Sie würde die Wiese und die Bäume nie von draußen sehen.

Sie ist nun noch weiter oben als im Wintergarten, den weiten Himmel über sich, bei den Sternen. Abends lief die kleine grau getigerte Hofkatze an der Frau vorbei, huschte hinein, noch mal hinaus, wieder rein ins Treppenhaus, blieb auf den Stufen sitzen und saß noch da, als die Frau noch einmal die Wohnungstür öffnete. Doch keine andere Katze erschien in der Tür. „Es ist keiner mehr da“, sagte die Frau leise zu der kleinen getigerten, die sie stumm ansah. Sie hatte Jade und Lina ein paar Mal gesehen, angefaucht und belauert. Die beiden Miezen schauten neugierig, ohne zu fauchen, zurück, beugten sich weit vor über die Schwelle. Sie konnte sie gerade so zurück halten. Die Kleine grau getigerte fauchte immer, selbst wenn man ihr Futter hinstellte und ließ sich kaum anfassen. Nur manchmal beim Füttern kurz streicheln. Schon riss sie den Kopf wieder herum, zeigte ihre scharfen Zähne und verdrehte leicht die Augen wie ein kleiner, dunkler Kobold. Sie zu sehen war dennoch ein Trost für die Frau. Es war so eine ungewohnte Stille und Leere jetzt in der Wohnung. Der Bus fuhr vor dem Küchenfenster vorbei. Noch häufiger als sonst, schien es ihr. Jedes Mal horchte sie auf, winkte dem Bus manchmal nach und stellte sich vor, sie und ihre beiden Miezen kämen wohlbehalten mit dem Bus vom Tierarzt zurück in ein neues, noch schöneres Leben.

“Wo sind denn die Katzen?“, hörte die Frau plötzlich eine Stimme im Wohnzimmer. Ach, da war ja doch noch jemand! Fantasius Firlefanz, der kleine Holzvogel, der aussah wie ein Amselmännchen, gekleidet wie ein Spielmann mit einer Feder am Hut und ihr liebster Begleiter am Schreibtisch. „Sie sind fort“, sagte die Frau. „An einem anderen, schönen Ort.“ „Warum denn?“, wunderte sich Firelefanz. „Werden sie uns nicht vermissen?“ „Doch das werden sie. Und wie!“, sagte die Frau traurig. Sie konnte es selbst immer noch nicht fassen, was geschehen war. Das neue Jahr hatte gut begonnen und war gerade einen Monat alt, als ihre kleine Lina plötzlich schwer erkrankte, rapide abnahm und ihre Blutwerte immer schlechter wurden. Eine Woche lang kämpfte sie um ihr Leben, fuhr die Frau jeden Abend mit dem Bus zur Tierärztin zum Spritzen. Doch das Medikament schlug leider nicht an. „Unerklärlich!“, sagte die Tierärztin nach der letzten Blutabnahme. Kurz vorher war die Frau noch mit Lina im Hausgarten gewesen, wo sie alles sacht und staunend betrachtete und das kleine Fellknäuel sich noch einmal mit aller Sanftmut und Wärme in ihre Hand legte.

Die Frau und Jade litten sehr unter ihrem Verlust. Die zwei Katzen waren keine besten Freundinnen, doch immer nah beieinander gewesen. Die Frau hatte sie vor drei Jahren aus dem Katzenhaus um die Ecke geholt. Zwei Monate hatte sie es ohne ihre erste Katze Lola, ihre schwarzfellige Sternaugenkatze, ausgehalten. Sie wurde stolze 18 Jahre alt und sie brauchten keinen Tierarzt. Erst kurz vor ihrem Lebensende als es ihr altersbedingt schlechter ging und sie schlief sanft und friedlich zuhause in ihren Armen ein. Mit Jade war sie beim Tierarzt, um sicherzugehen, dass sie sich nicht mit der schweren Bluterkrankung bei Lina angesteckt hatte. Doch Jade war kerngesund, ihre Blutwerte und ihr Herz waren in Ordnung laut Untersuchung. Die Tierärztin, die auch Lina untersucht hatte, stellte nur einige entzündete Zähne bei Jade fest. „Sie wird ihr Leben lang Schmerzen, bei jeder Berührung, haben, wenn Sie die nicht entfernen lassen!“, sagte sie. Als die Frau das Wort OP hörte, zog sich in ihr alles zusammen. Nicht nur wegen der immensen Kosten. Sie habe nur noch diese eine Katze und sie sei ihr einziger Halt, die sie nicht verlieren wolle, sagte sie der Tierärztin. Die Zahn-OP mit Narkose sei Routine, täglich ausgeführt, wischte sie ihre Bedenken weg. Geringes Risiko. Wie bei jeder Operation. Meist gehe es gut. „Meist!“, dachte die Frau. „Und was ist mit den anderen!“, dachte die Frau beunruhigt. Jedes Tier reagiert und verträgt es doch anders. Über die Risiken und wie sie damit umgehen, erfuhr sie kein Wort und las nichts davon in den Beipackzetteln der Tierärzte. Sie hatte von Anfang an kein gutes Gefühl bei der OP. Doch sie hoffte, dass alles gut gehen würde und ihre Jade danach ein schmerzfreies Leben haben würde, wie die Tierärztin es ihr versprach. Doch der Schmerz wurde nur größer. Hätte sie nur auf ihr Bauchgefühl und auf ihre Katze gehört!, sagt sich die Frau immer wieder. Jade wehrte sich, laut miauend, fast flehend um ihr Leben, am Morgen vor der OP, kratzte sie am Handgelenk, was sie noch nie tat und strampelte den ganzen Weg in der blauen Box. Dachte sie vielleicht, die Frau kommt nicht wieder, sie nicht abholen? Sie hatte es in der Eile ganz vergessen ihr zu sagen. Es war ihre erste Trennung. Bei den Untersuchungen war die Frau immer dabei gewesen. Sie durfte nach der OP in der Aufwachphase nicht ihre Katze sehen. Vielleicht wäre alles anders ausgegangen. Manchmal kam es ihr auch vor wie ein Kräftemessen zwischen ihnen. Abends sah Jade ihr manchmal beim Zähneputzen im Bad zu. Sie hatte ihr die Bewegungen schon gezeigt. Wusste nur noch nicht, wie die Bürste in ihr Mäulchen bekommen. Den Kaustein rührte sie nicht an.

„Warum wissen Menschen und vor allem Tierärzte immer besser, was für ein Tier gut ist oder nicht, was es braucht oder wie es am besten klarkommt?!“, fragt sich die Frau. Aus Liebe zu ihrer Katze ließ sie sich darauf ein. Was tut man nicht alles aus Liebe! „Woher weiß man, dass es Liebe ist?“, fragte Firlefanz. „Das spürt man. Wenn einem alles andere egal ist. Und man viel Geld ausgibt für das geliebte Wesen“, erwiderte die Frau. „Das ist auch die Gefahr. Man kann auch aus Liebe irren.“ Das wissen auch die Tierärzte, dass man aus Tierliebe bereit ist alles zu tun. Sie leben von und nicht mit den Tieren. Ihre Katzen vertrauten ihr in allem, und sie vertraute den Tierärzten. Sie konnte ja nicht wissen, was sie mit ihnen anstellten. Jade war nicht lebensbedrohlich erkrankt. Sie war voller Energie und Lebensfreude, fünf Jahre alt, in der Blüte ihres Lebens und wog fünf Kilo. Mehr wäre schon ungesund, hieß es beim Tierarzt. Neun Zähne auf einmal haben sie ihr gezogen, selbst unter Narkose habe sie reagiert, sagte die Tierchirurgin hinterher. Sie ging von zwei, drei Zähnen aus nach der Untersuchung. Sie fragten sie auch nicht, ob sie damit einverstanden sei. Das würde man bei einem Menschen niemals tun, dachte die Frau. Doch einem Tier muten sie so etwas zu!

Katzen sind dem Vernehmen nach zäh, halten viel aus, lassen sich ungern festhalten und sind Meister im Verbergen von Schmerzen. Anders würden sie in der freien Natur nicht überleben, sie schützen sich selbst, so gut sie können.
“Mit den fehlenden Zähnen ist auch ein Menschending“, sagte die Tierärztin, die Jade operierte. Katzen bräuchten nicht unbedingt Zähne, sie könnten ihr Futter an den Gaumen pressen und zerkleinern. Nur eine Maus könnte sie ohne Schneidezähne nicht mehr fangen. Doch die Natur hat ihnen nicht ohne Grund Zähne mitgegeben und es ist nicht nur eine Frage der Kosmetik. In der Natur gibt es auch keine Tierärzte.

Eine gesunde, schmerzfreie und glückliche, lebende Katze ist wohl eine Illusion, weiß die Frau nun. Jade hat die Zahn-OP nicht überlebt. Sie war schon aus der Narkose erwacht, hob ihren Kopf, maunzte und die Frau sollte sie nachmittag abholen, sagte die Tierärztin mittags am Telefon. Eine Stunde später rief sie an und überbrachte der Frau die schlimme Nachricht, dass ihre geliebte Katze plötzlich taumelnd umfiel und einen Herzstillstand erlitt. Sie versuchten sie 25 Minuten wiederzubeleben, ihr Herz schlug noch kurz und hörte wieder auf. Die Tierärztin war geschockt wie die Frau. „Unerklärlich!“ So etwas habe sie noch nie erlebt. Die Frau hätte besser auf ihr Herz hören sollen, sagt sie sich immer wieder. Ihre Katze an jenem Morgen nach ihrem Protest wieder aus der Box heraus, ihr einmal ihren Willen lassen. Jade würde noch leben. „Man kann nicht gegen den Willen von jemand, ob Mensch oder Tier, handeln! Das kann nicht gut gehen“, sagt die Frau tieftraurig zu Fantasius Firlefanz. Selbst so ein kleiner Holzvogel hat seinen eigenen Geist, Eingebung und spricht nur mit einem, wenn er will. Firlefanz lächelt die Frau an. Er hat ja alles mit gesehen, wie es vorher war, als ihre Katzen noch lebten, wie sie fröhlich umherwirbelten und wie leer und bedrückend es jetzt in der Wohnung ist.

Selbst das Schreiben, das sie so sehr liebt, fällt ihr zurzeit schwer. Oft fließen Tränen, wenn sie an ihre beiden Katzen denkt. Bilder von ihnen sieht, ganz frühe, als sie noch klein waren und spätere, die ihre prächtige Entwicklung zeigen. „Mir verschlägt es auch fast die Sprache, ähm den Schnabel. Von Fliegen ganz zu schweigen“, sagt Firlefanz zu der Frau. Doch beim Schreiben kann man sich auch erinnern, Schönes und Liebgewonnenes festhalten und bewahren für sich selbst und andere, sagt die Frau liebevoll zu ihm. Sie ruft weiter ihre Namen Jade und Lina und manchmal auch Lola und redet mit ihnen, wenn sie die Wohnung verlässt und wiederkommt. Sie begrüßt sie und erzählt ihnen, was sie gerade isst und tut. Im Blumenkasten im Wintergarten steht ein Bild von ihnen, ein kleines Zepter mit Knospen und ein Kerzenglas, davor und auf Jades offenem Karton, wo sie oft saß, immer ein frischer Wildblumenstrauß. Ihr Bild, ihr weißes Fell leuchtet auch im Dunkeln. Und sie sehen sie weiter mit ihrem aufmerksamen, sanften, tiefen, innigen, manchmal traurigen Gesichtsausdruck an.

“Es gibt noch eine andere als die körperliche und medizinische Ebene, die seelische, emotionale Verbindung“, sagte die Frau zu der Tierärztin, die ihre Jade operierte. Als sie nach der OP mit den gezogenen Zähnen leblos vor ihnen lag auf dem Tisch beim Abschiednehmen. Gerade Katzen sind sehr empfindsame, sensible und ängstliche Wesen. Man sieht das Schöne oft nicht sofort, würdigt es nicht genug, sieht mehr das scheue, widerborstige, ungebärdige Wesen, hinter dem sie ihre verletzlich sanfte und liebenswerte Seite verbergen. „Gäbe es diese Gefühlsebene nicht, könnten wir auch nicht miteinander reden, mein lieber Fantasius“, sagt die Frau. „Das leuchtet mir ein“, erwidert der kleine Holzvogel aufmunternd. „Ich bin bei dir, fühle mit dir und du sprichst es aus.“ Die Frau lächelt. Sie will sich nicht dem Schmerz ergeben, der nichts mehr ändert. Sie möchte in Liebe mit allem, was sie mit ihren Katzen verbindet und sie ihr auf ihre eigene Art lehrten, weiterleben. Ihnen weiter nahe sein, das unvermindert wunderbare, helle Sonnenlicht und den weiten Himmel wie sie wieder mit leuchtenden Jadeaugen sehen.

Text + Fotos: Lilli Vostry

Mehr Texte mit KatzenLyrik + BilderAlben stehen unter der Rubrik „Poesie“ auf diesem Blog.

Schreib- und Geschichtenwerkstatt „Fantasius Firlefanz“

Für alle, Kinder und Erwachsene, die neugierig und offen sind und gern gemeinsam Geschichten-Abenteuer finden und erfinden wollen, biete ich meine Schreib- und Geschichtenwerkstatt „Fantasius Firlefanz“ an. Geschichten, die das Leben schreibt über alles, was Euch am Herzen liegt und uns spontan einfällt. Lustige, traurige, komische und fantastische Lebensmomente aufschreiben, einander vorlesen und darüber sprechen, sich gegenseitig anregen, aufmuntern und beflügeln.

Außerdem nehmt Ihr die Welt feiner und intensiver wahr, wenn Ihr mit Stift und Papier Euch mal hinsetzt und ganz Eurer inneren Stimme lauscht. Dazu braucht es auch etwas Mut, doch es öffnen sich immer neue Türen, man entdeckt immer Neues an sich und wird reich belohnt mit neuen Erkenntnissen, Erlebnissen und Erfahrungen. Schreiben weitet den Blick, stärkt Einfühlung, Intuition und Ausdruckskraft!

Probiert es aus. Ich freue mich auf Euch!

Einmal pro Woche, zwei Stunden. Maximal vier Teilnehmer.

Termine und Kosten auf Anfrage.
Per email an: lilli.vostry@freenet.de
Ruft mich gern an unter: 0177 – 524 88 48