Von Kathrin Krüger-Mlaouhia
In seinem großformatigen Bilderzyklus „Störung“ setzt sich Sebastian Bieler mit der Welt-Entwicklung auseinander.
Fünf Wochen hatte sich der Großenhainer Künstler Sebastian Bieler zurückgezogen. Er arbeitete an seinem neuen Bilderzyklus „Störung“. Fünf Wochen intensives Malen, unter anderem auch in der Siebdruckwerkstatt der Kombi Nünchritz – und herausgekommen sind neun Bilder, mit denen sich der Großenhainer jetzt bei überregionalen Galerien empfehlen will. „Ich habe in den letzten drei Jahren 120 freie Arbeiten geschaffen, die noch keiner gesehen hat“, so Bieler. Sie sind alle galerietauglich – genau wie die großformatigen neuen Werke. Damit möchte der diplomierte Künstler, der von 2000 bis `06 an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden studierte mit dem Schwerpunkt Malerei und Grafik, den Einstieg in den Kunstmarkt schaffen. Auch wenn er es derzeit selbst noch für aussichtslos hält. Mit „Störung“ trifft er den Zeitgeist auf eine Weise, die wehtut. Denn die Arbeiten Blau-weiß-Blau, Schwarz-Rot-Gold oder Rot-Weiß zeigen beim genauen Hinsehen nicht nur durch Graffiti, mit Acrylfarbe und Sprühlack verfremdete Nationalflaggen wie die deutsche oder türkische. Sie thematisieren „das globale menschliche Versagen in Beziehungsfragen“. „Wir haben alle mehr oder weniger Beziehungsstörungen in uns, die Unzufriedenheit produzieren“, sagt Bieler. Daraus resultiert persönliche und/oder politische Unsicherheit. In seinem Bilderzyklus hat er dafür eine abstrakte Darstellung gefunden. Spitze Zacken und chaotische Formen sehen aus, als wäre da gewaltige Energie hineingefahren.

Farbe als politisches Statement

Sebastian Bieler will sich nicht platt oder simpel ausdrücken, sondern über die Farben. Sie sind sein politisches Statement. Darin verarbeitet er, was an aktuellem Geschehen über ihn hineinbricht. Was er darin an menschlicher Tragik erkennen und nachvollziehen kann – auch aus eigener Leidensgeschichte. „Als Künstler will ich Schmerzen zeigen, auch wenn sie immer wieder abgewehrt werden, weil sie wehtun“, sagt der 35-jährige Großenhainer. Die großflächigen Bilder sind mit Siebdruck, Graffiti und Acrylfarbe hergestellt. Das zuletzt geschaffene Bild – es ist zufällig Italien gewidmet – hat darüber noch drei große chromfarbene Stempel aufgedruckt – die Störung der Störung. „Das war der Höhepunkt meiner konzentrierten Arbeit, der Abschluss einer intuitiven, auch meditativen Zeit.“ Hoffnung gibt es in diesen Bildern noch nicht – vorerst soll der Betrachter die Störungen nur aushalten.

Wieder Kursleiter bei „KreaTiefgang“

Doch Sebastian Bieler hat schon den nächsten Bilderzyklus im Auge: Er wird sich mit den Träumen beschäftigen. Und seine Figur der „Kleinen Leiden“ wieder aufgreifen. Thematisch geht es für ihn mit dem Inhalt der Störungen dabei konsequent weiter. So will er neue Ernsthaftigkeit in sein Werk bringen, will sich ein neues Auftreten als freier Künstler geben. Auftragsarbeiten nimmt er aber weiter an. Auch beim Komplex-Workshop „KreaTiefgang“ über Himmelfahrt wird er wieder als Kursleiter im Albert-Treff dabei sein.

http://www.sebastianbieler.de Bildunterschrift: Sebastian Bieler in seinem Atelier mit den „Störungs- Bildern“. Foto: Anne Hübschmann

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