BlütenMond 290Der Mondmann verzaubert im Puppentheater

Eine fantastische Geschichte für kleine und große Zuschauer einmal zum Mond und zurück zur Erde lockt mit viel Poesie und Humor seit vergangenem Sonnabend im Puppentheater im Dresdner Rundkino. Das Stück „Der Mondmann“ nach dem Kinderbuch von Tomi Ungerer ist die letzte Premiere des Theater Junge Generation an diesem Spielort vor dem Umzug ins derzeit entstehende Kulturkraftwerk Mitte.
Im Silberschein des Mondes sitzt ein kleines Wesen mit Leuchtkopf und hellem Körper und schaut aus dem dunklen Bühnenhimmel auf die Erde, wo immer etwas los ist. Der Mondmann fühlt sich einsam in seinem stillen Nichts und packt kurzerhand einen Kometen am Schweif, um den fremden Planeten zu erkunden. Mit einem roten Ballon und Federschweif saust er durch die Luft und wirbelt mit seiner Landung in einem Wald erst mal alles durcheinander. Der Mondmann ist jetzt viel größer als in der Ferne am Himmel und sofort strömen Menschen in Scharen herbei, die das fremde Wesen neugierig, fasziniert von seinem Glanz und misstrauisch zugleich anstarren und rätseln, woher es kommt und was es hier will. Stammt der Krater nach dem Aufprall auf der Erde von einem Raketeneinschlag? Ist es ein Marsmensch, womöglich giftig oder mit einer ansteckenden Krankheit, will er sie vernichten oder jemanden entführen?

Dabei sehen die Menschen für den Mondmann nicht weniger sonderbar aus, hat er ebenso Scheu und Angst vor ihnen. Nach der Stille im Weltraum begegnet ihm eine Fülle Geräusche, ist auch für ihn alles fremd und neu. Da wechseln leise und lustige, traurige und komische Momente, erscheinen vertraute Alltagsdinge witzig-verfremdet und treten auf wie menschliche Figuren in dieser wunderbaren Inszenierung für Kinder ab vier Jahre in der Regie von Nils Zapfe. Kleine und große Zuschauer lauschten vergnügt und gebannt der berührenden, einfallsreich in Szene gesetzten Geschichte (Bühne, Kostüme und Objekte: Ramona Rauchbach). Zwischen Weltall und Erde agieren, erzählen und spielen verschiedene Rollen als Schaulustige, Polizist, Gefängniswärter und kommunizierfreudig-hilfsbereiter Wissenschaftler mit Schreibmaschinenkopf und weißem Kittel ausgestattet drei Spieler: Hanif Idris, Schauspieler am TJG und die Puppenspieler Christoph Levermann und Uwe Steinbach mit Puppen, Objekten und Musik mal in alltagsgrauen Sachen und mal in bunten Fantasiekostümen beim Maskenball fröhlich tanzend mit dem Mondmann in dieser Geschichte über den Umgang mit Fremdem. Da springt eine Kehrbürste fröhlich mit ihm umher, sorgen sich eine Ballerina, ein Mann mit Waschbrettbauch, ein Zottelkopf, der kaum etwas sieht und ein ängstlich zitternder Wasserkessel bis der Mondmann ihm beruhigend eine Hand auflegt. Die Polizei verhaftet ihn, da er ohne Ausweis ist und sie nichts mit ihm anzufangen weiß. Doch der Mondmann entkommt und springt durch ein offenes Fenster in die Wohnung eines Wissenschaftlers, der das fremde Wesen eifrig befragt in Zeichensprache und seine freundliche Berührung löst eine freudige Reaktion aus. Ein paar Worte kann der Mondmann inzwischen. Mit Luft und Wasser habe er keine Probleme, nur mit den Menschen. Ins Weltall will er aber trotz allem nicht zurück. Mit der Rakete fliegt nur eine Kugellampe, die im Mond leuchtet.

Der Mondmann lebt unbekannt sein Licht bringend auf der Erde weiter. Und vielleicht begegnet ihr ihm, vielleicht im Wald, im Wasser als Mondfisch oder  als Straßenlaterne getarnt, gibt einer der Puppenspieler den Zuschauern mit auf den Weg. Gerade ist wieder der Vollmond am Nachthimmel zu sehen und es scheint als blinzle er wissend ein wenig heller als sonst.
Begeisterter Beifall vom Publikum für eine zauberhafte Vorstellung zum Schmunzeln, Träumen und Nachdenken.

Nächste Vorstellung: 21.4., 10 Uhr

Sommertheater im Puppentheater im Sonnenhäusl Großer Garten:

Eröffnet wird es mit dem Stück „Alarm im Kasperletheater“ nach dem bekannten  Kinderbuch- und Trickfilmklassiker von Nils Werner in einer Fassung von Lorenz  Seib. Zu erleben ist ein rasant-komisches Abenteuer mit den altbekannten Helden des Handpuppentheaters. Die Premiere ist am 28. Mai, um 15 Uhr.

Außerdem lockt dort eine lustig-abenteuerliche Geschichte, „Die drei Räuber“ von Tomi Ungerer und Hayo Freitag nach dem Buch und Film, in dem sich das Mädchen Tiffany schlau und erfindungsreich gegen die drei Räuber wehrt. Das Stück wird ab 9.6., 10 Uhr gespielt.

Ab Dezember 2016 ist dann das Kraftwerk Mitte die neue Heimat des TJG-Puppentheaters.

Der Autor Tomi Ungerer sagte über diese Geschichte (Zitat von 2013):

„Der Mondmann in meiner Geschichte ist ein Immigrant! Und so, wie der Mondmann empfangen wird, empfangen wir die Immigranten: He`s not one of us – er ist keiner von uns! Aber: Wir sind alle gleich und wir sind alle unterschiedlich. Und es ist der Unterschied, der uns die Identität gibt. Ich möchte, dass Kinder wahrnehmen, in welcher Welt sie leben. Und man muss sie fragen: Wie würdest du reagieren, wenn du dem Mondmann begegnen würdest? Was würdest du ihm sagen? Würedest Du ihn mitnehmen zu dir nach Hause zum Abendessen?
Man vergisst immer, Kindern Fragen zu stellen. Man muss ihnen zuhören und sie ernst nehmen.“

VollmondFoto (lv)

InszenierungsFoto: Dorit Günter

 

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