bank3 Auf der Gartenbank mit…. Helmut Raeder und Heiki Ikkola, künstlerische Leiter des Festivals für Theater, Vergnügen und Musik

„Die Schaubude erfindet sich immer wieder neu“

Der 19. Scheune-Schaubuden-Sommer lockt vom 7. bis 17. Juli  wieder kleine und große Besucher mit buntem, komödiantischen Treiben voller Witz, Poesie und Eigenartigkeiten. Über 70 Künstler aus aller Welt laden mit 12 bis 15 Shows allabendlich zum Wandeln, Staunen und Entdecken auf dem fantasievoll verwandelten Platz hinter der Scheune auf der Alaunstraße ein.

Über die Ursprünge, das besondere Flair und Neuheiten sprach ich mit  Helmut Raeder und Heiki Ikkola, den beiden künstlerischen Leitern des Festivals für Theater, Vergnügen und Musik.

Wie begann der Schaubuden-Sommer?

Helmut Raeder: Wir kennen uns schon lange, anfangs umherziehend durchs Land. Ich war mit meiner Gauklertruppe „Spieltour“ und Heiki mit seinem „Theater Circus Kaos“ auf diversen Volks- und Wohngebietsfesten unterwegs, als fahrendes Volk engagiert und erfanden den alten Berufsstand neu mit spielerischen Aktionen, Theater, Musik und Bildender Kunst. Das war eine der Keimzellen des Schaubudensommers. Dann studierte Heiki Puppenspiel an der Hochschule für Schauspielkunst in Berlin und in der Zeit entstanden auch der „Zirkus Luft“ und das „Eselnest“ in Dresden. 1997 war die Zeit reif für ein neues Projekt, der erste Schaubuden-Sommer fand auf der damaligen Hundewiese hinter der Scheune statt.

Heiki Ikkola: Es war uns auch wichtig, aus Brachflächen Möglichkeitsräume zu schaffen. Ein Platz im Herzen der Neustadt und man fragt sich: Was ist unter dem Gras? Eine Art Wundermittel, das immer neue Ideen sprießen lässt…

Wie wirkte das aufs Publikum?

Helmut Raeder: Die erste Zeit reagierten die Besucher zurückhaltend auf das Zelttheater. Während die Hundebesitzer immer noch kamen und irritiert schauten. 1998 kam Heiki Ikkola dazu, der damals als Puppenspieler und Regisseur am Theater Junge Generation arbeitete. Er drückte mir eine Dia-Show-Serie vom Flohmarkt in die Hand: „Verhalte dich richtig in Krisensituationen“. Das war unser Wiedersehen.

Heiki Ikkola: Damals hatte gerade der Irak-Krieg begonnen. Wir wollen auf verschiedene Art unterhalten und die Zuschauer in unterschiedlichste Welten, auch Abgründe, entführen. Die Begegnung mit dem Fremden als Bedrohung und Chance, dieses Thema taucht immer wieder auf, sowohl heiter, warmherzig als auch als Stolperstein und mit Gruselkick, der erhellt oder befreiendes Lachen auslöst.

Woher kommen die Anregungen für den Schaubudenzauber?

Helmut Raeder: Einerseits aus der Straßentheater-Kultur, die wir auf Festivals in Polen und Holland erlebten und es spielen auch Kindheitserlebnisse mit Geisterbahnen und ausgestopften Walen auf Jahrmärkten eine Rolle. Die Form ist alt, der Inhalt immer wieder neu. Wir wollen außerdem zeigen, wie schön das Leben ist, wenn Kulturen aus aller Welt, Junge und Ältere auf diesem Platz zusammenkommen und möchten die Besucher faszinieren und verzaubern. Es ist ein Ort des Vergnügens und der Kommunikation, wo man einander erzählt und weiterempfiehlt, was man gerade gesehen hat.

Inzwischen stehen die Besucher Schlange vor den Buden, gerät der Platz an seine Grenzen…

Helmut Raeder: Es ist natürlich ein Anreiz und eine Herausforderung für die Künstler, so dicht am Publikum zu spielen, lustig und originell für ihre Vorstellungen zu werben neben einem Dutzend Kollegen. Inzwischen haben wir pro Abend tausend Besucher, die sich individuell ihr Programm zusammenstellen können. Dieses Jahr haben wir drei neue Spielorte, um den Besucheransturm etwas aufzulockern. Das Projekttheater mit theatralischen Aktionen, die Groovestation mit einigen musikalischen Acts und das Thalia-Kino u.a. mit einer Livevertonung alter Stummfilme.

Was steht zum Familientag auf dem Programm?

Heiki Ikkola: Am 10. Juli werden von 15 bis 18 Uhr alle Künstler auf dem Platz Kinder-Programme zeigen. Außerdem dreht sich das Theaterkarussell des Dr. Eisenbarth wieder mit Livemusik und kurzen Showdarbietungen.

Was sind ihre persönlichen Favoriten in diesem Jahr?

Helmut Raeder: Ich freue mich besonders auf zwei spanische Tänzer, die leidenschaftliches Tanztheater unter dem Titel „Postscriptum“ zeigen werden.

Heiki Ikkola: Ich bin gespannt auf den Musikperformer John Moran aus New York, der verschiedene Sounds aus Alltagsgeräuschen mixt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Lilli Vostry

Foto: SchaubudenSommer/André Wirsig

Das komplette Programm steht unter www.Schaubudensommer.de

Tickets gibt es nur an der Abendkasse: 1 Kurzvorstellung (ca. 20 – 30 Minuten) kostet 5 Euro; 1 Dreier-Ticket: 12 Euro; die erm. Karte für Kinder abends (5 – 12 Jahre) kostet 2 Euro

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