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Fotos: Krafft Angerer/Staatsschauspiel Dresden

Liebe gegen Gewalt im Kampf der Kulturen

Frei nach Shakespeares Liebesdrama erzählt die Inszenierung im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden spannend, bewegend und lebensnah über Gefühle und Konflikte im Alltag zwischen Einheimischen und Zugereisten.

Gegensätze ziehen sich an. Doch statt Liebe und Zärtlichkeit dominieren Hass und Fäuste in der Inszenierung „Romeo und Julia“. Von alten und neuen Feindseligkeiten, denen Liebende heutzutage ausgesetzt sind, erzählt frei nach William Shakespeares Liebesdrama in einer Stückfassung von Martin Heckmanns dieses besondere Theaterprojekt mit arabischen und deutschen Jugendlichen. Premiere hatte die Produktion der Bürgerbühne am Sonnabend im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Die Montagues kommen aus dem arabischen Raum, aus Libanon, Syrien und Palästina, die Capulets aus Dresden in dieser Aufführung. Insgesamt 13 Darsteller zwischen 15 und 30 Jahren und sechs Musiker agieren gemeinsam auf der großen Bühne. Sie erzählen und spielen spannend und herzergreifend die Geschichte in arabischer und deutscher Sprache, klangreich begleitet von mitreißendem Oriental Jazz und Gesang am Klavier, Trommeln, Schlagzeug, Cello, arabischer Oud-Gitarre und Querflöte.

Mit viel Humor und Poesie, lauten und leisen Tönen, starken Bildern und temporeich-intensivem Spiel kam die dramatische Liebesgeschichte zweier verfeindeter Familien angesichts der aktuellen Konflikte als Kampf zweier verschiedener Kulturen und Lebenswelten unter Regie von Bürgerbühnenleiterin Miriam Tscholl auf die Bühne. Die Idee zum Stück entstand während der Proben zur Morgenland-Inszenierung, wo bereits junge arabischsprachige Dresdner auftraten.

Zwischen den Spielszenen sind dokumentarische Videobilder zu sehen, in denen arabisch-deutsche Paare, Eltern, Freunde, religiöse Vertreter des Islam und Christentums und ein Rechtsgelehrter von ihren eigenen Erfahrungen und Sichtweisen im Umgang mit den kulturellen Unterschieden im Alltag erzählen, es wird offen über Liebe, Sex, Glaubensfragen, Zwiespälte, die auch nicht frei von Klischees und Unsicherheit sind, gesprochen. Die Spielfläche ist kurvig ähnlich einer Halfpipe gestaltet, auf der die Akteure rauf und runter, hin und her rennen, hangeln, rutschen, raufen.

Die arabischen und deutschen Jugendlichen stehen sich als zwei Jugendgangs gegenüber, die sich gegenseitig herausfordern, beleidigen und mit Fäusten und  Eisenstangen aufeinander losgehen. Es gibt Tote auf beiden Seiten. Insbesondere in den gewalteskalierenden Szenen spürt man bei den arabischen Darstellern auch eigenen Schmerz, Wut und Trauer über Verlorenes, Freunde, Familie und Heimat. Ebenso romantisch wie selbstbewusst springt Julia (Tabea Günther, 18, lebt in Dresden) auf die andere Bühnenseite, um den dunkelhaarigen, temperamentvollen Jungen Romeo (Rouni Mustafa, 21, stammt aus Aleppo in Syrien) näher kennenzulernen. Mit ihrem traurigen Ende finden sich die jungen Akteure nicht ab. Sie ergreifen mit einer wilden Kissenschlacht Revolte zu rockigen Klängen, halten Schilder hoch mit der Aufschrift: „Ich liebe wen ich will“ und zum Schluss tanzen alle übermütig zusammen. Begeisterter Beifall vom Publikum für eine bewegende Aufführung, der man viel Zulauf wünscht, weil sie wärmt und ermutigt, mehr Brücken aus Mitgefühl und Akzeptanz zwischen den Kulturen zu errichten.

Nächste Vorstellungen: 6. und 31.10., 19.30 Uhr; 3.11., 19.30 Uhr

 

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