Foto: HL Böhme

„Geht Euch an die Wäsche!“

Mit reichlich Humor und Herzblut eröffnete das Kabarett der Herkuleskeule mit dem Programm „BallastRevue“ seine neue Spielstätte im Kabarettkeller im Kulturpalast.

Auf der Bühne herrscht noch Umzugschaos. Hinter einer weißen Wand
wühlen und suchen die Kabarettisten in Kartons nach ihren Auftrittsklamotten und Requisiten. „Konnte ja keiner ahnen, dass der Kulturpalast pünktlich fertig wird“, sagt Birgit Schaller mit fassungsloser Begeisterung. Ganz entblättern kommt nicht in Frage. „Geh du doch nackig raus, dich kennt noch keener!“, sagt Detlef Nier zu seinem jungen Kollegen Hannes Sell. Der lässt mit seinem hautengen Körperanzug mit roten Muskelsträngen sogar unter die Haut blicken. Mit ihm steht Nancy Spiller als ebenfalls  theatererprobtes, neues Ensemblemitglied der Herkuleskeule, begleitet von den Musikern Jens Wagner und Volker Fiebig an Klavier und Schlagzeug, auf der Bühne in der „BallastRevue“, mit der das Kabarett-Theater seine neue Spielstätte im Kulturpalast am Montagabend eröffnete. Schon vor der Vorstellung gibt es im geräumigen Foyer im Kabarettkeller an den rot und schwarz gestrichenen Wänden viel zu sehen, schmunzeln und staunen, angefangen beim steinernen Denkerkopf von Marx über politische Karikaturen nach Gemäldemotiven Alter Meister in Goldrahmen bis zu witzigen Objekten aus den Programmen.

„Der Einzugsbereich ist jetzt wesentlich größer und moderner als im alten Haus, man kann auch ein bisschen flanieren und sich Zeit nehmen bevor es losgeht“, sagt Angelika Mohreng. Sie sitzt auf einer der hohen Sitzbänke an der Wand. „Ein guter Beobachterposten“, scherzt sie.  Ihr Mann holt inzwischen Getränke. Es gibt Fettbemmchen und Bier. Die Preise seien in Ordnung. Ein Bier vom Fass kostet vier Euro. Ein Glas Rotwein 4,80 Euro. Beide sind gespannt auf den neuen Zuschauersaal. „Wir gehen seit vielen Jahren in die Herkuleskeule, haben den ,Stumpi` Wolfgang Stumph noch erlebt und sind noch nie enttäuscht worden“, sagt Harald Mohreng. „Manchmal ist es bitterer Ernst und trotzdem kann man lachen“, weiß seine Frau zu schätzen.

„Kabarett im Untergrund“

In der neuen Spielstätte sitzt man bequem in Sitzlogen ohne Tische, aber mit viel Beinfreiheit und die Getränke dürfen mit in die Vorstellung genommen werden. Neugierig auf den Kabarettkeller „im Untergrund“ und die erste Premiere waren auch der Pantomime Ralf Herzog und Schauspielkollege Jürgen Haase. „Knabbern am Stamm, wo es wehtut“, sagte Haase zur neuen Keller-Bühne. Die beiden spielen hier im Sommer ihr neues Benimm-Programm „Knigge reloaded“.

„Nur wer ein Tabu bricht, dem hört man heute noch zu“, wissen die Kabarettisten. Ein bisschen Crash, ein bisschen Trash, trommeln sie auch ein wenig auf der Marx-Büste herum , die schon einen Sprung hat, aber nicht fehlen darf. Was ist Ballast, was muss mit in die Zukunft? Wie kann man in dieser Welt überleben?  Das fragen sich die zwei gestandenen Kabarettisten Schaller und Nier und die zwei Neulinge Spiller und Sell und geben alles, vollen Stimm- und Körpereinsatz, lassen Hirn und Herz sprechen in Texten und Liedern aus der Feder von Herkuleskeule-Chef Wolfgang Schaller unter Regie von Matthias Nagatis. Sie packen heiße Themen an wie Flüchtlingspolitik, politisches Kasperletheater mit Merkel und Onkel Sam im Syrien-Krieg, die Angst vor Terror und Angstmache, um neue Überwachungssysteme einzuführen. Es geht um Frauen, die nicht immer besser mit Macht umgehen als Männer („Außen Rock, innen drin Kriegsministerin“) und in einer Satire steigt gar eine Hitler-Figur aus der Urne, der reumütig seine Gesinnungsgenossen auffordert, besser mit den Flüchtlingen umzugehen, ihnen etwa deutsche Volkslieder beizubringen und ihnen etwas zweideutig zuruft: „Wenn ihr unbedingt Nazis sein wollt, seid gute Nazis!“ Wie diese dann wären, verrieten die Kabarettisten leider nicht.

So viel nackte, ungeschönte Wahrheit ist selten wie in dieser „BallastRevue“. Mit den ausgeräumten Umzugskisten ist nun auch Platz für Neues. Als Mittel gegen Konflikte und Krisen in der Welt gaben die Kabarettisten zuguterletzt dem Publikum als Anfang für Veränderungen mit auf den Weg: „Geht Euch an die Wäsche. Lasst die Liebe wieder wachsen…“

Für diese erste Premiere im neuen Haus gab es reichlichen und herzlichen Beifall.

Nächste Vorstellungen: 5.5., 19.30 Uhr, 6.5., 17+20 Uhr, 7.5., 18 Uhr, 9., 11., und 12.5., 19.30 Uhr

http://www.herkuleskeule.de

Text + Fotos (lv)

Das Ensemble der Herkuleskeule (von li. nach re.): Hannes Sell, Brigitte Heinrich, Michael Rümmler, Alexander Pluquett, Rainer Bursche, Detlef Nier, Birgit Schaller, Nancy Spiller, Wolfgang Schaller, Katrin Jaehne

Das Lächeln der „Mona Verdrießa“…

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