Bilder- und klangreich und mit großartigem Zusammenwirken von Schauspielern und Laiendarstellern, den Community Players sowie mehreren Chören feierte das Stück zum Reformationsjubiläum 2017 am Sonnabend seine Uraufführung an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul.

Der Bühnenhimmel ist abwechselnd dunkel, rot und tiefblau. Geräusche von Schüssen, Meeresrauschen und leise Melodien eines Chors begleiten die Reisenden: Eine bunte Menschenmenge, deutsche Auswanderer, die vor Krieg und Not fliehen auf einem Schiff nach Amerika, in die „Neue Welt“. Mittendrin der lutherische Theologe, Idealist und Erneuerer Heinrich Melchior Mühlenberg (voll wagemutigem Aufbruchsgeist: Moritz Gabriel).

Im Auftrag der Frankeschen Stiftungen Halle geht er 1742 nach Pennsylvania, um dort deutsche Gemeinden als Seelsorger zu betreuen. Von den Träumen, Hoffnungen und dem harten Überlebenskampf der Neuankömmlinge im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ und Freiheit erzählt das Schauspiel „In Gottes eigenem Land“ von Olaf Hörbe, der außerdem als Friedensrichter Conrad Weiser auf der Bühne steht, nach dem historischen Roman von Eberhard Görner, der seine Uraufführung anlässlich des Reformationsjubiläums 2017 am Sonnabend an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul erlebte.

Die Inszenierung unter Regie von Damian Cruden nimmt das Publikum bilder- und klangreich – mit mal augenzwinkernd-salbungsvollen, mal herzergreifend tröstenden Kirchenliedern bis zu Countrymusik – mit auf eine spannende und bewegende Reise zurück in ein wenig bekanntes Kapitel deutscher Historie, deren Themen und Konflikte wie Leben in der Fremde und Umgang mit eigenen und anderen Werten und Religionen gerade hochaktuell sind. Zu erleben ist ein beeindruckend zusammen agierendes, großartiges Spielerensemble aus Schauspielern und Laiendarstellern, genannt Community Players, die Matrosen, Soldaten, Farmer und Indianer, Frauen und Kinder spielen, stimmreich begleitet von mehreren Chören und dem Vocalensemble Nobiles aus Leipzig. Da wird gestritten, gekämpft, geweint, gelacht, gesungen, getrunken, getanzt und gebetet auf dem geräumigen Holzdeck mit Tischen, Bänken und rauchumhülltem Kreuz auf der Empore. Die Kirchenoberen (Matthias Henkel und René Geisler) erteilen von dort aus Ratschläge und trinken Wein.

Zwei Erzähler (Holger Uwe Thews und Sophie Lüpfert) betrachten mitfühlend die kühne und gefahrenreiche Mission Mühlenbergs. Den Delawaren-Häuptling Fliegender Pfeil spielt Publikumsliebling Gojko Mitic, der würdevoll, weise, schelmisch und nachdenklich den Glaubens-Streit der lutherischen „Streithähne“ verschiedener religiöser Sekten und Anfeindungen gegen die indianischen Ureinwohner zu befrieden sucht. Auf der Hochzeit seines Freundes Mühlenberg überreicht er dessen Frau Anna Maria (als schöne und kluge Ratgeberin und Mutter: Julia Rani) eine indianische Perlenkette. Im Schlussbild klopfen Flüchtlinge in orangenen Rettungswesten ans Holzhaus der deutschen Einwanderer. Begeisterter Beifall für einen ergreifenden Theaterabend. Mit dem Stück gehen die Landesbühnen auch auf Tour in mehreren Bundesländern und wollen es außerdem in diesem Jahr am einstigen Wirkungsort von Mühlenberg in Pennsylvania aufführen.

Nächste Aufführungen: 30.4. und 1.5., 19 Uhr und 5.5., 20 Uhr an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul.


Foto: Kathrin Krüger-Mlaouhia

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