Foto: Sebastian Hoppe

Vom Abenteuer Liebe

Fünf Männer und eine Frau gehen dem unbegreiflichsten aller Gefühle nach frei nach Goethes Sturm- und Drangklassiker in einer Aufführung der Bürgerbühne im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

Es lebt der Mensch, solange er liebt. Von den Verrücktheiten und der Verzweiflung, die dieses Gefühl auslöst, erzählt das Stück „Die Leiden des jungen Werther“ frei nach Goethe. Eine Aufführung mit jungen und nicht mehr jungen Männern, die liebten und litten, heißt es im Untertitel dieser neuen Produktion der Bürgerbühne im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.

In der Fassung von Miriam Tscholl und Esther Undisz gehen, ausgehend von Goethes berühmtem Sturm- und Drangklassiker, fünf Darsteller, begleitet von einer Sängerin (tröstend und kraftvoll: Christa Abels) und einem Musiker (Christoph Margraf) mit mal rockigen und bluesigen Gitarrenklängen, auf eine abenteuerliche Reise auf der Suche nach der wahren Liebe. Hinter dem goldgelb wehenden Bühnenvorhang kommt ein rostiger blauer Kleinbus zum Vorschein. Relikt aus glücklicheren Tagen, dessen Tür wechselweise aufgeschoben und zugeknallt wird im Rückblick der Spieler auf Erlebtes, Träume und Enttäuschungen. Blassblau sind auch die Sitzpolster und Anzüge der Männer, die von zumeist verflossenen Lieben erzählen.

Einer der Männer, Hans-Werner Sonntag, war auf Weltreise mit dem Kleinbus. Euphorisch steht er auf dem Autodach, liest Briefe an seine Liebste vor und fragt sich, was jetzt noch kommen soll?! Wenig später ist er am Boden zerstört, da seine Frau inzwischen einen anderen Mann hat und er sich nicht damit abfinden kann. „Wenn es nicht die Lotte ist, dann ist es eben die Liese. Es gibt so viele…“, tröstet Mitspieler Bernd alias Bertolt List ihn. Und zitiert Werther: „Es ist doch gewiss, dass den Menschen in der Welt nichts notwendig macht als die Liebe…“

Wie schön und zugleich schwer es aber ist, dieses faszinierende, unbegreifliche und unerschöpfliche Gefühl für sich zu erkennen, festzuhalten, zu leben und berührend auf die Bühne zu bringen, zeigt die Aufführung ebenso. Es wird leider mehr nebeneinander her als miteinander agiert, mehr vorgelesen und erzählt als gespielt. Da wird in mal überschwänglichen Versen, mal skurril-komisch und ernüchtert nachdenklich das romantische Ideal der einen großen Liebe hinterfragt. Wie weit wir heute gehen für die Liebe, mit Trennung umgehen bis hin zum Thema Freitod. Da wirkt manches etwas aufgesetzt wie der über die Vor- und Nachteile eines Suizids nachdenkende Mann im Rollstuhl (Franjo Geising) und der dazu konträr schillernde, frech-verruchte Adonis im Glitzerkleid (Max Löffler). Herzlicher Beifall vom Publikum.

Nächste Termine:  15.10., 19 Uhr + 19.10., 20 Uhr, Kleines Haus.

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