Von der Liebe übermannt. Eigentlich kam er nur zum Haareschneiden, als plötzlich Venus lebendig vor dem jungen Friseur Rodney steht. Foto: Kai-Uwe Schulte-Bunert

Liebesgöttin fühlt sich fremd in dieser Welt

Als witzig-turbulentes Spiel mit Liebes-Ideal und Wirklichkeit kommt die Inszenierung „Ein Hauch von Venus“ mit Musik von Kurt Weill auf die Bühne in der Staatsoperette Dresden.

Der New Yorker Millionär und Kunstsammler Whitelaw Savory hat gerade die schönste Frau der Welt in seinen Besitz gebracht. Mitten in seinem Privatmuseum für moderne Kunst steht sie in einer offenen, mit rotem Samt ausgelegten Kiste: eine 3 000 Jahre alte Venus-Statue, die ihn an eine Jugendliebe erinnert. Aus Spaß steckt ein junger Mann, der Friseur Rodney, ihr den eigentlich seiner Freundin zugedachten Verlobungsring an den Finger. Dadurch erweckt er die Göttin der Liebe aus ihrem  Marmor-Schlaf. Die sich prompt in ihn verliebt, was zu reichlich Verwirrung und Turbulenzen führt.

Zum Abschluss der Spielsaison verzaubert noch einmal die Liebesgöttin das Publikum in „Ein Hauch von Venus“, einer Musical Comedy mit Musik von Kurt Weill und Gesangstexten von Ogden Nash in der deutschen Übersetzung von Roman Hinze in zwei Vorstellungen an diesem Wochenende (13. und 14.7., 19.30 Uhr) in der Staatsoperette Dresden im Kulturkraftwerk Mitte. Damit kommt Weills erfolgreichstes Broadway-Musical (es lief 1943 – 1945 dort 567 Mal in Serie) erstmals wieder auf die Bühne.

Neben der reizvollen Geschichte überrascht in dieser witzig-kontrastreich mit Liebes-Ideal und Wirklichkeit spielenden, unterhaltsamen Inszenierung (Regie: Matthias Davids, musikalische Leitung: Peter Christian Feigel) vor allem die Vielseitigkeit der Musik Weills, von leicht-beschwingt, Anklängen an den Brechtschen Stil, klar und kantig, über Big-Band-Sound bis zur Westernparodie. Die großartige Musik verleiht dem etwas altmodisch-bieder wirkenden Ambiente Würze und Schwung. Da fragt sich nicht nur Venus (selbstbewusst-kess: Johanna Spantzel) bei ihrem Ausflug in die Menschenwelt, ob die Liebe heute antiquiert ist und was der Ersatz dafür wär?!

Als wäre Venus unsichtbar, eilen Männer und Frauen in grauen Anzügen geschäftig umher im modernen, hektischen Großstadtleben, beginnt die Göttin ihre erotische Ausstrahlung auf die Menschen von heute anzuzweifeln („Ich fühl`mich fremd in dieser Welt“). Doch Venus gibt nicht auf, zieht ihr weiß romantisches Kleid aus und ein schickes, sexy Kostüm an und wird zur modernen Verführerin, die weiß was sie will und sich nimmt was ihr gefällt. An Verehrern mangelt es ihr nicht. Vom stramm stehenden Polizisten über den spendablen Kunstmäzen und Schwerenöter Whitelaw Savory (Christian Grygas) bis zum Friseur Rodney (naiv-romantisch: Jannik Harneit). Der ist hin und her gerissen zwischen seiner Verlobten Gloria (biestig: Beate Korntner) und der ihn bezirzenden Liebesgöttin.

Als Rodney als Dieb der Venus-Statue und vermeintlicher Mörder Glorias verhaftet wird, folgt ihm die Liebesgöttin sogar ins Gefängnis. Die Konkurrentin Gloria wird weg und wieder herbei gezaubert, um den Geliebten vom Mordverdacht zu befreien. Mal schwebend leicht, mal komisch dramatisch begleitet von Musik und Liedern über Lust und Leid der Liebe, Männer und Frauen. Schön ironisch besungen von Venus: „Dummes Herz“ und im gefühlvollen Duett „Sprich leis`“. Die einzige, die ihr Geheimnis durchschaut und Venus versteht, ist Savorys Sekretärin Molly, weniger Verführerin als coole Powerfrau (toll gespielt von Winnie Böwe). Schön bissig ihre Persiflage auf die Sorgen der Schönen und Reichen („Massen, Massen, Massen Geld“).

Zum Schluss sitzt Rodney allein zwischen vielen Venus-Bildern im Museum als eine neue Kunststudentin in einem Kleid mit gelben Punkten, die er liebt, den Raum betritt und wissen möchte, wo sie sich zum Kunstkurs anmelden kann.
Den Rest darf sich jeder selbst ausmalen.
Herzlicher Beifall für eine vergnügt romantische, zu Herzen gehende Komödie.

Text (lv)

http://www.staatsoperette-dresden.de

Vorschau auf die neue Spielzeit

Nach den Theaterferien hebt sich der Vorhang wieder für die glamouröse Revue-Premiere „Hier und Jetzt und „Himmelblau“ am 7. September in der Staatsoprette Dresden. Vorher wird kräftig gefeiert beim Sommerfest mit Spielzeit-Eröffnung an diesem Tag, ab 14 Uhr im Areal des Kulturkraftwerk Mitte. Dann wird ein Stück Broadway nach Dresden geholt. Durch eine Broadway-Theatergasse gelangen die Besucher ins exlusiv umgestaltete Foyer, wo viele kleine und große Überraschungen locken.