Du darfst alles!

Von Glanz, Gier und grenzenlosem Vergnügen und wohin das führt, erzählt schillernd bunt und grotesk abgründig die Weill-Brecht-Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul. Heute am 19.1., um 19 Uhr wieder.

Eine Paradiesstadt soll „Mahagonny“ werden. Mit Freiheit, Genuss im Überfluss und Wohlstand für alle. Ihre Gründer sind eine Frau und zwei Männer auf der Flucht vor den Steuerfahndern. Die Witwe Begbick treibt sie im Rollstuhl zur Eile an. Sie fahren über einen Steg quer durchs Publikum auf die Bühne. Ihr Ziel ist die Goldstadt Alaskas.
Doch sie landen mitten in einer Einöde. Die Flüsse geben das Gold ungern her. Da sie nicht zum Gold kommen, soll das Gold zu ihnen kommen. Sie stellen eine Antenne auf und gründen die Stadt Mahagonny, die mit Showglanz, rauschhaften Getränken und Werbung und sexy Damen bald viele Männer, Arbeiter aus Alaska und Glücksucher anlockt. Sie singen im Chor „Geld macht sinnlich“. Nach einem gewaltigen Taifun, der in der Umgebung alles zerstört und um Mahagonny einen Bogen macht, ergeben sich dessen Bewohner voll und ganz dem Vergnügen als gäbe es kein Morgen. Alle moralischen Ge- und Verbote werden abgeschafft. Der neue Leitspruch in Mahagonny lautet: „Du darfst!“ Alles ist erlaubt.
Doch Jim, einer der Arbeiter aus Alaska, ist nicht glücklich. „Etwas fehlt.“ Die anderen Männer holen ihn zurück. Seifenblasen steigen auf, in übergroßen durchsichtigen Kugeln tanzen verlockend, traumversunken Frauen und Männer in Anzügen zu Klavierklängen. Eine schöne Illusion, die bald zum grotesken Albtraum wird, ist der Traum von der Paradiesstadt, in der man für Geld alles kaufen kann.

Davon erzählt originell, einfalls- und spannungsreich die Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ mit Musik von Kurt Weill und Text von Bertolt Brecht in einer Inszenierung von Manuel Schöbel, dem Intendant der Landesbühnen Sachsen in Radebeul. 1930 in Leipzig uraufgeführt, hat dieses Musik-Theaterstück fast 90 Jahre nach seiner Entstehung nichts an Brisanz und Aktualität verloren. Die Musik wechselt klangreich funkelnd zwischen dunklen, bizarren, wehmütigen, heiteren, schmissigen Tönen, lyrischen Balladen bis zu operettenhaft parodistischen Liedern. Dafür gab es reichlich Beifall vom Publikum.

Die nächste Aufführung ist am 29.1., 19 Uhr an den Landesbühnen Sachsen Radebeul.

Text (lv)

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