Auszeit in einem andalusischen Schweigekloster mit ungeahnten Turbulenzen. Davon erzählt der neue Roman von Linus Reichlin, der im Februar 2021 im Verlag Galiani Berlin erscheint. Fotos: Verlag

Poetisch, witzig, schräg: Wenn Fantasie und Wirklichkeit aufeinander treffen

Jetzt, da tatsächlich der zweite Lockdown andauert, möchten wir Ihnen sehr einen Roman ans Herz legen, der sich – Zufall oder auch nicht – tatsächlich perfekt für die nächsten Wochen zur Lektüre anbietet: Linus Reichlins Señor Herreras blühende Intuition.

Denn auch in diesem Roman geht es einerseits ums bewusste Abschalten, und andererseits um die Frage, was es ist, woraus der Mensch die Wirklichkeit kreiert, die ihn umgibt. Wie sehr sind wir selbst mitverantwortlich für die Verzauberung oder Entzauberung unseres Daseins?

Der Protagonist des Romans – ein Schriftsteller – begibt sich in eine freiwillig gewählte Einsamkeit, er mietet sich in einem andalusischen Schweigekloster ein. Die Auszeit und die damit einhergehende Langeweile, so sein Kalkül, sollen einen Kreativitätsschub auslösen – den vor allem sein Romankonzept dringend nötig hat. Jedoch hat der Autor seine Gleichung ohne Señor Herrera gemacht, einen ehemaligen Matador, der sich inzwischen als Koch der Klosterküche ausprobiert.

Denn Herrera lässt einfach keine Langeweile aufkommen. Schon am ersten Abend beginnt er, den Schriftsteller auf allerlei Ungereimtheiten im Kloster aufmerksam zu machen. Vor allem eine der Nonnen – Schwester Ana Maria –, da ist Herrera sich sicher, könnte ein Doppelleben führen… Eine verwirrende Angelegenheit, denn auch der Roman des Autors soll sich um eine junge Frau drehen, die sich als Nonne getarnt vor der Mafia in einem Kloster versteckt.

Wir finden, Linus Reichlin legt mit Señor Herreras blühende Intuition ein Meisterstück vor. Denn selten zuvor wurde so geistreich und gewitzt über die Frage philosophiert, ob der Mensch seine Wirklichkeit selbst schafft, oder ob umgekehrt die Wirklichkeit unsere Wahrnehmung beeinflusst. Ein poetisches Buch, das in seiner Schrägheit an Filme von Pedro Almodóvar erinnert – randgefüllt mit Einfällen und überraschenden Wendungen. Und zugleich ein Vexierspiel voller Finten und doppelter Böden.

Am liebsten möchte man sich sofort selbst auf den Weg nach Andalusien begeben. Oder zumindest Señor Herrera einladen, in den nächsten Tagen mal vorbeizukommen.

Das Buch erscheint am 11. Februar 2021.

Text: Esther Kormann und Theresa Feldhaus

Verlag Galiani Berlin
Friedrichstraße 119
10117 Berlin
Tel.: 030 68812097-14

Eine Rezension zu diesem Roman kommt, sobald er erschienen ist.

Weitere Buch-Empfehlungen für genussvolle Leseabende zuhause an kalten Winterabenden folgen demnächst. (lv)