Leere Schaufenster am Altmarkt, wenig los auch auf der Bummelmeile Prager Straße im Dresdner Stadtzentrum. Kaum ein Mensch in den Geschäften, Cafés und Lokalen zu sehen. Viele haben geschlossen. Die Lichterketten funkeln einsam vor sich hin. Ein ungewohnter Anblick in der Adventszeit, in der die Innenstadt sonst voller Trubel ist und rund um den Striezelmarkt und die Kaufhäuser an jeder Ecke Weihnachtsbuden mit Leckereien zum Verweilen locken. Die aktuelle Corana-Situation dämpft die Stimmung und die von der Politik verhängten Maßnahmen wie Kontaktbeschränkung und 2G-Regel mit Zutritt nur für Geimpfte und Genesene in Läden und Restaurants
zeigen ihre Wirkung, sorgen für Zurückhaltung, Unsicherheit und Verdruss statt entspanntem Genuss.

Handel, Gastro, Dienstleistungen, Soziales, Kunst und Kultur
unter einem Dach sind gefragt für eine lebendige Innenstadt in Zukunft

Eine Studie im Auftrag des City Management Dresden e.V. empfiehlt der Stadt dringend ein neues Einzelhandels- und Zentrenkonzept und den Erhalt des Branchenmix.

Gähnend leere Schaufenster und Ladenlokale. Wenige Menschen zu sehen auf den ehemals gut belebten, attraktiven Flanier- und Einkaufsmeilen rund um den Altmarkt, die Wilsdruffer Straße, Ringstraße, Prager Straße und Hauptbahnhof. Ein trostloser Anblick in Top-Lagen in der Dresdner Innenstadt.

Derzeit stehen 93 Objekte in Erdgeschoss-Zonen im Stadtzentrum leer. Die ehemaligen Einzelhandelsgeschäfte und gastronomischen Einrichtungen verfügten einmal über insgesamt ca. 22.000 Quadratmeter Ladenfläche. Damit hat sich der Leerstand seit 2015 verschärft.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zur “Erhebung der Leerstände in der Dresdner Innenstadt“, welche im Auftrag des City Management Dresden e.V. seit Frühling bis August 2021 von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) mbH, Büro Dresden durchgeführt wurde.

Besonders alarmierend: Die Leerstände seien weniger durch ruinösen Bauzustand bzw. unattraktives Umfeld geprägt, sondern meist durch kleinere Geschäfte im wieder bezugsfertigen Zustand. Die Nachfrage nach „traditionellen“ Nutzungen ist laut Studie fast zum Erliegen gekommen und es sind weitere Leerstände zu erwarten.

Zahlreiche Objekte werden auf Grund ihrer Lage, der generellen Entwicklung im Einzelhandel und im Verbraucherverhalten für Handelsfunktionen nicht wieder vermiet- bzw. nutzbar sein, so die düstere Prognose. Daher sind die Einzelhandels- und Zentrenstruktur für die Innenstadt, aber auch die peripheren Bereiche neu zu durchdenken und konzeptionell festzulegen.

Die Stadt Dresden muss mit dem Einzelhandelskonzept sowie in weiteren Maßnahmen wie Mobilitätskonzept, Gestaltungs- und Grünflächenkonzept sich klar zur vordergründigen Aufwertung der Innenstadt bekennen, um weiterem Qualitätsverlust vorzubeugen, legt die Studie nahe.

„Die Dresdner Innenstadt ist trotz des Landeshauptstadt-Bonus nicht ausgenommen vom allgemeinen Trend, dass die Leerstände in den Innenstädten zunehmen und einen Umfang erreicht haben, was ein aktives, gemeinschaftliches Gegensteuern unabdingbar macht.“ so der Leiter der GMA, Dr. Eddy Donat.

Die Situation der Leerstände hat sich während- und nach Corona weiter verschärft. Aus den Untersuchungen, zahlreichen Gesprächen mit Akteuren und der Auswertung diverser Veröffentlichungen geht der Studie zufolge aber auch hervor, dass der zunehmend sichtbare Leerstand in der Innenstadt auch durch allgemein fehlende Frequenz in den Fußgängerzonen zustande kommt. Branchenabhängige Umsatzrückgänge von 50 bis 80 Prozent haben Auswirkungen auf die Erhaltung des Branchenmix.

Für die Innenstadt sei besonders nachteilig, dass PKW-Besucher in Dresden vorwiegend um die Kernstadt herumgeleitet werden, außerdem wenig Menschen direkt im Zentrum wohnen und eine besondere Aufenthaltsqualität, Flair, moderne Stadtmöblierung bis zur Vernetzung mit digitalen Angeboten im Stadtzentrum der sächsischen Landeshauptstadt fehlt.

Dennoch habe die Innenstadt von Dresden mit Prager Straße, Altstadt und Hauptstraße viel Potenzial, was aber nur mit nachhaltigen politischen Entscheidungen zur Unterstützung dieser Einkaufszentren entwickelt werden kann. Erforderlich sind laut Studie intelligente Mobilitätskonzepte (P+R, ÖPNV, Parkraum), gezielte Strukturverbesserung, finanzielle Anreize und Förderprogramme für die Aufwertung der Innenstadt bereitzustellen.

Der Trend gehe zu Mixed-Used-Konzepten, auch in den Einkaufszentren mit Einzelhandel, Dienstleistungen, Gastronomie, Soziales, Kunst und Kultur unter einem Dach. Vielseitigkeit ist Trumpf im Gesamtkonzept für Immobilien und eine lebendige Innenstadt in Zukunft. Außerdem sind Lokalität, Regionalität und Identifizierung mit den Angeboten bei den Kunden gefragt, so das Resümee der GMA-Studie. Daher sollte alles getan werden seitens der Stadt, Centermanagements, Händler und Eigentümer, um dem Leerstand und weiterer Verödung der Innenstadt aktiv zu begegnen, um diese wieder anziehend zum Besuch, Verweilen, Erleben und Shopping-Bummel zu gestalten.

„Eine Erhaltung und punktuelle Attraktivitätssteigerung des Einzelhandels in der Dresdner Innenstadt liegt uns sehr am Herzen, weshalb wir die Ergebnisse der Leerstandsanalyse mit Interesse und auch Sorge betrachten. Erfreulicherweise konnten wir in den letzten Wochen fünf neue Mietverträge in der Altmarkt-Galerie abschließen, weshalb wir nur noch sechs Leerstände haben und auch diesbezüglich optimistisch in die Zukunft schauen“, sagt Christian Polkow, Center Manager der Altmarkt-Galerie Dresden

„Mit dem Gutachten der GMA liegt eine qualifizierte und objektive Analyse zur Leerstandssituation des Einzelhandels in der Dresdner Innenstadt vor. Auch wir beobachten die Entwicklung in der Innenstadt mit großer Sorge, denn mit den Leerständen sinkt die Attraktivität des Einkaufsstandortes Innenstadt Dresden insgesamt. Vor diesem Hintergrund schließen wir uns der Forderung des Büros GMA wie auch Dr. Lademann & Partner (2020) an, dringend ein neues Zentrenkonzept für die Stadt Dresden zu erstellen, welches die Basis für die Entwicklung des Einzelhandelsstandortes Dresden bildet.“, so Dr. Dirk Fittkau, Manager bei Klepierre und Interimsmanager der Centrum Galerie.

Text + Fotos (lv)