Ansichten bekannter Bauten in wechselndem Licht und Farben zeigte Markus Retzlaff beim Meißner Grafikmarkt.


Gemeinsam & eigen: André Uhlig und sein Vater Ralf Uhlig stellten nebeneinander ihre Grafiken, oft Landschaften in warmen, erdigen Farbtönen an zwei Ständen nebeneinander aus.

Farbreiche Welten zwischen Stillleben und Figur

Erfreulich groß war das Interesse mit rund 4 000 Besuchern beim 21. Meißner Grafikmarkt auf der Albrechtsberg. Es wurde auch wieder mehr Kunst gekauft.

Die Türme der Albrechtsburg und der Meißner Dom ragen hoch über der Stadt in verschiedenen Farbstimmungen. Lichtblau, fahlgelb oder rosé wechselt der Himmel in einer Serie farbiger Radierungen am Stand von Markus Retzlaff. In diesen Pastelltönen strahlte auch die abendliche Wolkenlandschaft auf der Aussichtsterrasse unterhalb der Albrechtsburg am Sonnabend. Bekannte Bauten, Schlösser, Waldstücke, Fachwerkhäuser und Landschaften tauchen häufig auf in den Bildern des Radebeuler Künstlers. Es sind druckgrafische Kostbarkeiten. „Es war recht voll schon heute, mittags etwas ruhig“, sagt Markus Retzlaff. Und er hatte vormittag schon einen guten Verkauf, erzählt er. Es kämen viele Sammler, die ihn schon kennen, aber auch Besucher aus dem ländlichen Raum. Markus Retzlaff ist fast immer dabei beim Meißner Grafikmarkt. „Es ist eine schöne Atmosphäre in der Burg und eine vielseitige Kunstschau.“ Zwischendurch schaut er sich gern an anderen Künstlerständen um und kauft auch mal ein Blatt, meist Radierungen.

Eine große Vielfalt an gedruckten Arbeiten auf Papier gab es wieder zu sehen, entdecken und erwerben beim 21. Meißner Grafikmarkt am vergangenen Wochenende, veranstaltet vom Freundeskreis Albrechtsburg Meißen e.V. in den weiten Gewölberäumen im Erdgeschoss. 39 Künstler, Grafiker und Illustratoren aus Meißen und vorwiegend der Region zwischen Dresden, Leipzig, Halle und Berlin zeigten in sieben Räumen ihre Arbeiten in aller Bandbreite von Druckgrafiken, Zeichnungen, Aquarellen, Siebdrucken, Fotografien bis zu Künstlerbüchern. Das Interesse an der Kunst in schwierigen Zeiten ist erfreulich groß. „Rund 4 000 Besucher kamen dieses Jahr an beiden Tagen zum Meißner Grafikmarkt. Die Künstler haben sich überwiegend zufrieden bis sehr gut zu den Erlösen geäußert“, sagt Margit Weinhold, Veranstaltungsmanagerin in der Albrechtsburg.

Letztes Jahr kamen lediglich rund 2 500 Besucher, weitaus weniger als sonst wegen der Corona-Einschränkungen. Die Kunstschau mit freiem Eintritt lockte Publikum von jung bis alt zum Grafikmarkt. „Wir sind neugierig und wollen uns einfach mal umsehen“, sagt Jessica Kühn, die mit Töchterchen Abby, neun Monate, im Tragetuch und ihrem Mann Marcel gerade in Meißen bei seiner Familie zu Besuch ist. Der Rundgang beginnt am Stand von Ralf und André Uhlig, Vater und Sohn zeigen ihre Grafiken regelmäßig in der Albrechtsburg und haben ihre Stände nebeneinander. Die Ähnlichkeit in ihren Arbeiten, oft in warmen, erdigen Farbtönen, ist unverkennbar. In der Künstlerkolonie Worpswede waren sie zusammen zeichnen, dort stehen viele Birken. Bäume, Waldwege, Himmel- und Wasserspiegelungen sind farb- und formspielend abstrahiert festgehalten in den neuen Farbmonotypien von Ralf Uhlig. Er zeigt auch faszinierende Sandreservagen, die im Tiefdruck gedruckt mit Sirup und Tusche aufgetragen und ins Wasserbad gelegt, feinkörnig schimmernde Strukturen ergeben. Ralf Uhlig ist gelernter Werkzeugmacher, arbeitet schon lange künstlerisch, aber hatte noch nie eine Einzelausstellung in einer Galerie, sagt er. Nächstes Jahr wird er 75.

„Er ist bekannter“, sagt der Vater mit Wohlwollen über seinen Sohn. André Uhlig ist ebenfalls Autodidakt, trägt einen schwarzen Hut, manchmal den Zeichenstift zwischen den Zähnen, arbeitet hauptsächlich grafisch und spielt in eigener Band
„The Novikents“ Gitarre. Sein neuer Grafik-Kalender heißt „Sehnsucht nach draußen“, da André Uhlig viel draußen zeichnet und schläft auf seinen Wandertouren oft nach Tschechien. Vom Kalender hat er schon einige Exemplare verkauft, packt gerade eines ein für ein kunstfreudiges Paar. „Wir gehen gern zu Kunstausstellungen querbeet, ob Surrealismus oder Alte Meister“, sagt Sophie Gisa, Studentin für Medieninformatik in Mittweida.

Außerdem hat André Uhlig eine große Grafik an einen Venedig-Fan verkauft und einige kleinere Arbeiten. Sein Vater hat bisher noch nichts verkauft. Obwohl etliche Besucher in seinen Bildermappen blätterten. Die 75 Euro Standgebühr sollten schon hereinkommen, sagt er. Erstmals beim Meißner Grafikmarkt dabei sind Ana Pireva und Sarah Steuer, die noch an der Dresdner Kunsthochschule studieren und sich einen Stand teilen, an dem sie ihre experimentierfreudigen, farb- und assoziationsreichen Zeichnungen und Lithografien zwischen Stillleben und Figur zeigen. Ana, die aus Bulgarien kommt, ist Meisterschülerin bei Ralf Kerbach. Sarah macht im nächsten Sommer ihr Diplom. Ana hat mehr als auf Märkten ihre Arbeiten auch an andere Künstlerinnen verkauft, erzählt sie, womit sie sich gegenseitig wertschätzen und unterstützen. Natürlich sei es schön, wenn sie Menschen mit ihren Bildern berühren. Und es bringe ja nichts, die Arbeiten nur im Atelier zu lassen, ergänzt Sarah.

„Die Leute sind zögerlich, finden etwas schön, doch man merkt, dass sie das Geld zusammen halten müssen“, sagt die Malerin und Grafikerin Renate Winkler aus Radebeul. Die fröhlich bunten Kindergrafiken, die sie gedruckt hat nach Zeichnungen ihrer Enkel, liegen noch auf dem Tisch. „Die gingen sonst als erstes weg noch vor meinen eigenen Arbeiten.“ Sie geht auch mal runter mit dem Preis. Wie bei den jungen Leuten, die lange vor einem Farbholzschnitt mit einer über Schloss Wackerbarth fliegenden Frau standen. Renate Winkler stellte außerdem ihren neuen Kalender mit Ölbildern von ihren Reisen in alle Welt vor. Und eine meerblaue Grafik mit Göttin Isis, die für Geburt, Tod und Fruchtbarkeit steht und eine Kugel auf dem gehörnten Kopf trägt. „Die Stimmung war sehr schön und locker mit einem interessierten Publikum, darunter viele Stammbesucher“, so das Resümee von Schlossleiter Uwe Michel. An den neuen Stellwänden konnten die Künstler ihre Arbeiten zudem noch besser präsentieren. Der Termin für den nächsten Meißner Grafikmarkt werde demnächst bekannt gegeben.

Text + Fotos (lv)

Faszinierende Farbspiegelungen: Grafiken von Ralf Uhlig.


Starke Farbkontraste & fein schimmernde, körnige Struktur: ein alter Kirschbaum im Licht. „Einsamkeit“ heißt dieses Blatt von André Uhlig, mit Sand auf die Druckplatte gemalt in der Technik der Sandreservage, die auch sein Vater gern verwendet.


Farb- und formspielerische Arbeiten auf Papier & die Liebe zur Lithografie verbindet sie: Die Kunststudentinnen Ana Pireva und Sarah Steuer zeigten ihre Arbeiten zwischen Stillleben und Figur erstmals beim Meißner Grafikmarkt. Sie zeichnen mit Tusche drucken auf Stein. Ana zeigt Eva mit dem Apfel und Äpfel zusammen mit archäologischen Fundstücken, Vasen und winzigen Figuren darin, umrahmt, eingekreist, auf- und abtauchend in andere Zeiten und Kulturen, Fragmente, Erinnerungen, was bleibt vom Menschen…


Märchenhaft und assoziativ: die Grafik „Vogelkonzert“ von Sarah Steuer entstand nach einem Popkonzert, das sie mit Tusche und Farben in die Naturwelt übertragen hat.


Vielfarbige Blicke auf die Lößnitzlandschaft, auf Reisen Erlebtes und Gesichter von Menschen groß ins Bild geholt, zeigte Renate Winkler: die Radebeuler Weinberge, die Göttin Isis vom Nil. Ein Kind mit großen, fragenden Augen, eine alte Frau, die sehnsuchtsvoll in die Ferne schaut, auf Besuch wartet…


Abendhimmel am Sonnabend nach dem Grafikmarkt von der Ausschtsterrasse der Albrechtsburg aus.