Traubenlese im Kaitzer Weinberg trotz Wetterkapriolen erfolgreich

Der Manufakturwinzer Volker Kahlert belebt ein 130 Jahre im Dornröschenschlaf versunkenes Landstück im Süden Dresdens neu für den Weinbau, zusammen mit der Dresdner Vorgebirgs Agrar AG.

Wer Volker Kahlert als Winzer kennenlernen durfte, weiß, diesem Mann ist eine Menge zuzutrauen. Aber 1 900 Quadratmeter Weingarten in einer Stunde mit
1 000 Pflanzen zu bestocken? Man glaubt, das geht nicht? Doch, es geht! „Ehrlicherweise“, so der erfolgreiche Gastronom und Manufakturwinzer, der bereits in Pillnitz einen Weinberg bewirtschaftet, „ist ein solches Wunder nur dank modernem GPS und neuester Pflanztechnik möglich.“ 2018 pachtete Kahlert, der auch im Herzen von Elbflorenz eine Besenwirtschaft betreibt, genau den Grund und Boden, der zwar bis heute die Bezeichnung Kaitzer Weinberg trägt, aber bereits vor rund 130 Jahren in Folge der Reblaus-Epidemie um 1890 als Rebfläche endgültig aufgegeben worden war.

Nun nahm sich der wagemutige Manufakturwinzer Dr. Volker Kahlert dieses Stückchens Erde an, das zu gleichen Teilen sowohl ihm als auch der Dresdner Vorgebirgs Agrar AG gehört und rekultivierte die Fläche. „Ich fand, dass dieser Weinberg im Süden von Dresden, zwischen Winzerhäuschen und Kaitzbach gelegen, es durchaus verdient hatte und sich aufgrund des Bodens und der Lage gerade Weißweine hier gut entwickeln müssten.“ Auch sei es immer zu wenig Wein, den sein bereits etablierter Pillnitzer Königlicher Weinberg für den Ausschank und Verkauf hergegeben habe. „Deshalb haben wir uns entschieden, hier auf dem 130 Jahre im Dornröschenschlaf versunkenen Landstück den Weinanbau wieder zu beleben“, so Kahlert weiter.

Das Weinjahr 2022 verlangte den Winzern im Anbaugebiet Sachsen eine Menge ab, denn entweder gab es deutlich zu wenig Regen oder gleich sintflutartige Wolkenbrüche. Mit seinem Weinberg auf der Dresdner Südhöhe ist Winzer Kahlert aber zufrieden mit der Lese. Inzwischen leuchten die Rebstöcke herbstlich goldgelb und locken zu einem Spaziergang mit herbstlichem Farbrausch im Weinberg. Die Trauben sind geerntet, der Wein gärt in Edelstahltanks im Keller und wird bald von der Hefe getrennt. Im Frühjahr wird er filtriert, dann auf die Flaschen „gezogen“ und anschließend kann der neue Jahrgang auch verkostet werden.

„Mit dem Ertrag in diesem schwierigen Jahr kann man trotzdem zufrieden sein. Ein Kilo Trauben pro Quadratmeter ist die Norm und das haben wir in etwa in diesem Umfang auch auf der in den letzten vier Jahren entwickelten Fläche geerntet“, erläutert Kahlert. Er ist Physiker im Ruhestand und seit 2015 passionierter Winzer, der sich sein Wissen rund um den Weinbau peu à peu selbst aneignete. Seit 2018 hegt, pflegt und betreibt Kahlert nun den von ihm neu angelegten Weinberg auf der Dresdner Südhöhe mit rund 900 Rebstöcken auf 1.800 Quadratmetern in Hanglage.

Die Fläche hat er von der Dresdner Vorgebirgs Agrar AG gepachtet, die damit ihr „Produktportfolio um eine klassische Rarität, nämlich um Sächsischen Wein ergänzen konnte“, wie Lutz Müller, Vorstandsmitglied der Dresdner Vorgebirgs Agrar AG schmunzelnd ergänzt. Die Straße am Kaitzer Weinberg weist auch heute noch auf das einstige Weinbauareal hin, das schon seit dem Mittelalter bestand. Ein denkmalgeschütztes Winzerhäuschen und ein Café stehen noch dort und laden zum Verweilen ein. Die Fläche wurde weitgehend neu bebaut. Der jetzige Weinberg auf der Dresdner Südhöhe sei bisher nach wie vor noch wenig bekannt, so Kahlert. Selbst Anwohner aus der Umgebung staunen, wenn sie das erste Mal die Rebstöcke sehen.

Die Hälfte der Flächen der Dresdner Vorgebirgs Agrar AG ist mit der Weinsorte Bacchus bepflanzt. Benannt nach dem Weingott, traf es jedoch diese empfindliche Weinsorte arg. „Der Bacchus hat starken Sonnenbrand erlitten, die Trauben vertrockneten, als es Ende Juli so heiß war. Dadurch konnte dieses Jahr nur ein Drittel von dieser Weinsorte geerntet werden“, bedauert der Winzer. Insgesamt wurden sechs Weinsorten auf der Dresdner Südhöhe geerntet: Bacchus, Müller-Thurgau, Weißburgunder, Grauburgunder, Kerner und Solaris. Volker Kahlert liebt trockene Weine mit etwas Restsüße, auch einen kräftigen Rotwein und will mit dem in Pillnitz geernteten, gut gereiften Spätburgunder eine feine Cuvée als Roséwein kreieren.

Weitere Infos über Weine und Termine, wie die Glühweinverkostung am 2. Advent in der Besenwirtschaft in der Dresdener Ackermannstraße 15: http://www.kahlerts-weinmanufaktur.de

Weitere Infos: www.agrar-dresden.de

Text: LV zusammen mit meeco Communication Services