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Kategorien-Archiv: Aktuelles

Atelierbesuch bei André und Ralf Uhlig in Radebeul

08 Mittwoch Mai 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Projekte, Zwischenmenschliches

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Immer wieder Neues zu entdecken: Sohn André und Vater Ralf Uhlig schauen gegenseitig ihre Arbeiten an und tauschen sich über künstlerische Techniken aus.

Atelierbesuch bei André und Ralf Uhlig
Malen und Zeichnen um des Lebens willen

Vater und Sohn Uhlig teilen ihre Leidenschaft für die Kunst, haben gemeinsame und eigene Projekte und jeder längst seine eigene, besondere Handschrift gefunden.

Durch die großen Fenster sieht man Wände voller Bilder. Farbige Zeichnungen, Grafiken und Skizzenblätter mit Landschaften am Wasser, in den Weinbergen und im Gebirge in warmen und erdigen Farben. Eine große Harlekin-Bleistiftfigur schaut einen verschmitzt an. Gleich daneben lehnt an der Wand eine neue Ölskizze, darauf ragt eine weiße Windmühle mit rotem Dach und kreisenden Flügeln am wolkenschweren Himmel. Fehlt nur noch Don Quixote, der gegen die Windmühlenflügel ankämpfende verwegene Ritter von der traurigen Gestalt. Ein Stück weiter biegt auf einer Farbskizze eine nostalgische Straßenbahn um die Ecke inmitten einer malerischen Häusergasse in Lissabon. Dort war André Uhlig vor kurzem. Zwei Wochen war er in Portugal unterwegs, wanderte an der portugiesischen Küste entlang mit Rucksack, Zelt und Malblock.

Vor der Bilderwand sitzt Ralf Uhlig, ebenfalls Maler und Grafiker. Neben ihm sein Sohn André, der seinen charismatisch schwarzen Wanderhut trägt. Auf einem langen Tisch in der Raummitte liegen seine neuesten grafischen Arbeiten. Beide betrachten gerade eine Druckplatte mit einer Schar fliegender Krähen über einem Feld. „Früher befand sich hier der Speiseraum der Fleischerei Schiefner mit Laden“, erzählt André Uhlig. Vorher war in dem Haus in der Neue Straße 18 in Radebeul in den 1960er Jahren eine Drogerie, in der ein Mann mit Holzbein stand, den Kinder neugierig gern aufsuchten und manchmal Streiche spielten, weiß André Uhlig vom Hörensagen. Neben der Tür im Atelierraum ist noch die Durchreiche für die Essenausgabe der einstigen Fleischerei hinter dem hellen Vorhang zu sehen. In dem Raum steht jetzt die große Tiefdruckpresse. Daneben ist eine gemütliche Sitzecke mit Sofa, Sitzplostern und Tisch mit Weingläsern für Atelierbesucher und Kursteilnehmer eingerichtet. Dort stehen auch ein CD-Regal und ein Plattenspieler mit Schallplattensammlung und am Fenster eine kleine Druckpresse. André Uhlig ist nicht nur ein leidenschaftlicher Zeichner und Grafiker, sondern auch begeisterter Musiker. Er singt und spielt Gitarre in der Band „Novikents“.

An der Hausfassade hängt ein Schild der Ateliergemeinschaft von André Uhlig und Birgit Köhler mit den Zeichen- und Druckkursen und Wochenend-Malkursen. Seit 2010 teilt sich Uhlig das Atelier mit der Theatermalerin, die schon länger dort tätig ist. Zusammen bieten sie jährlich eine Sommermalreise für Erwachsene auf dem Daarß an. Der Tiefdruckkurs donnerstags, 18 Uhr steht auch für neue Interessenten offen. Es gibt auch einen Kurs für Jugendliche zum Malen, Zeichnen und Drucken montags um 16 Uhr, in dem auch noch einige Plätze frei sind und den derzeit vier Mädchen regelmäßig besuchen. „Ein Atelier zu finden ist schwer heutzutage“, sagt Ralf Uhlig. Er hat seines seit vielen Jahren im Elternhaus der Familie im Dachgeschoss. Zu DDR-Zeiten hatten viele junge Künstler in alten Ställen und Fabrikgemäuern Atelierräume. „Jetzt wird jeder Zentimeter in Altkötzschenbroda genutzt und viele ehemalige Fabriken wurden schon abgerissen“, so André Uhlig. „Die Kunst fliegt zuerst raus leider. Es ist immer dasselbe Lied, dass verfallene Städte Künstler beleben und aufwerten dürfen und wenn es läuft, müssen sie raus aus den Räumen.“ Was für ihn ein gutes Bild ausmacht? „Man muss das immer hinterfragen und aussortieren. Gut ist es, wenn man in den Grafikschrank schaut, ob es vor dem eigenen Auge besteht. Manchmal hilft mir meine Frau dabei“, sagt Ralf Uhlig. Wenn er gefragt wird ob er mit 76 Jahren noch malt, antwortet er: „Wenn ich noch etwas Interessantes im Kopf habe und wenn es gute Käufer gibt.“

Man malt auch um des Lebens willen und damit verbunden zu sein, habe ihm sein Lehrer, der Künstler Dieter Beirich beigebracht. Ralf Uhlig unterrichtet immer noch in zwei Malzirkeln, einer besteht noch aus Zeiten Beirichs donnerstags, 18 Uhr im Weißen Haus und einer für Senioren mittwochs, 10 Uhr in der Stadtgalerie Radebeul. Im Winter haben sie Aquarelldrucke gemacht mit immer wieder anderen Effekten. Ab Mai gehen sie wieder Plenair malen in die Natur. „Je älter man wird, um so lockerer versucht man zu werden, z.B. wenn man Aquarelle mit Tusche malt, da muss man sehr schnell sein“, so Uhlig. „Hand und Schulter müssen locker sein beim Zeichnen und der Kopf frei.“ Es sei auch wieder Aktzeichnen geplant im Atelier bei André Uhlig.

In seinem Skizzenbuch, so der Sohn, stehen auch Notizen zu Farben, Stimmungen und Bewegungsstrukturen. Beide schauen selbstkritisch und mit dem Blick des anderen auf ihre Arbeiten und tauschen sich über künstlerische Techniken aus. „Man sieht immer neue Sachen. Das ist das Schöne am künstlerischen Schaffen, dass es nie aufhört“, so André Uhlig. Ralf Uhlig will mit seiner Frau dieses Jahr nach Albanien reisen, da dort noch wenig Tourismus herrsche. André Uhlig will im August einige Tage in der Böhmischen Schweiz auf den Spuren von Caspar David Friedrich zusammen mit den Künstlern Hans Wutzler und Ramona Sonntag und tschechischen Kollegen wandern und zeichnen und die entstehenden Arbeiten ausstellen. Ralf Uhlig öffnet wieder seinen Garten innerhalb der Veranstaltung „Kunst geht in Gärten“, bei der die Bilder einfallsreich platziert im Grünen im Mittelpunkt stehen sollten, so sein Anspruch. Die nächste Ausstellung von André Uhlig ist im Sommer im Weingut Aust in Radebeul und weitere Arbeiten zeigt er im Juli im Heimatmuseum Schellerhau. Vielleicht klappt es ja auch einmal mit einer gemeinsamen Werkschau von Ralf und André Uhlig, die jeder längst ihre eigene, besondere Handschrift gefunden haben.

Text + Fotos (lv)

http://www.andreuhlig.de
http://www.ralfuhlig-malerradebeul.de

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Atelierbesuch bei Michele Cyranka in Tharandt

08 Mittwoch Mai 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Projekte, Zwischenmenschliches

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Schwungvolles Farb- und Formenspiel & weibliche Urkraft verwoben: Die Künstlerin Michele Cyranka in ihrem Schaffensreich in Tharandt.

Atelierbesuch bei Michele Cyranka
Tanz der Farben, Formen und Linien

In einem ehemaligen Papiergeschäft in Tharandt hat die Künstlerin sich ihr eigenes Reich mit Raum zum Malen, Drucken und Töpfern geschaffen und bietet auch Kurse an.

Sonnenlicht fällt durch die Fenster auf die Bilder, lässt die Farben auf den Leinwänden noch heller leuchten und fließt in dunklen Schattenlinien über sie hinweg. Farbige Keramik, Kannen, Becher, Schalen, Kerzenleuchter und Kleinplastik stehen auf einem langen Tisch, auf Schränken und Regalen im Eingangsraum des Ateliers von Michele Cyranka in Tharandt. Auf den Fensterbrettern neben Blumentöpfen aufgereiht kleine Figuren, grazile Tänzerinnen, beschwingte, fantasievolle Wesen, leicht und kugelrund. Auf einem schwarzen Klavier liegen Skizzenbücher mit Notizen, kleine Grafiken und Kunstkataloge.

Die Augen gehen einem über und das Herz auf im Atelier von Michele Cyranka. Es ist ein eigener Kosmos, den sie hier erschaffen hat. „Mein Herz ist meine Arbeitsgrundlage“, sagt sie. Ehemals, anfangs des 20. Jahrhunderts, befand sich in dem Gebäude an der Roßmäßler Straße 46 in Tharandt eine Schreibwaren- und Papierhandlung, die zwei Schwestern, beide unverheiratet, führten. Das Haus stand 20 Jahre leer, die Fensterläden zugenagelt. Bis Michele Cyranka 2016 die drei Erdgeschossräume zufällig entdeckte auf der Suche nach etwas Neuen. „Ich hatte großes Glück, dass der Hauseigentümer das denkmalgeschützte Gebäude gerade sanierte und vieles im originalen Zustand gelassen hat wie die Holzdielen, die hellen, unverputzten Sandsteinwände, gemauerte Ziegelsimse über den Fenstern, Verzierungen und sichtbare Rohrleitungen entlang der Decke“, erzählt die Künstlerin. „Es ist für mich und ihn ein Gewinn, zu einem moderaten Preis. Es ist als hätten die Räume auf mich gewartet.“ Sie fühlt sich wohl hier. „Es hat auch wieder mit Papier zu tun.“ Die Druckerpresse im mittleren Raum ist reich bestückt mit Papieren.

Ringsherum stehen und lehnen kleine und große Bilder, meist Figürliches, Gesichter und Körper in zarten und schwungvollen Linien. Im hinteren Raum erhebt sich ein großer Farbberg auf der Palette am Stehpult, viele Tuben und Pinsel liegen griffbereit, auf der Staffelei steht ein neues Ölbild. Es zeigt eine Mondfrau mit heller Sichel und einer Kugel darauf, in einem Kleid aus nachtblau violetten Farbtönen mit einem schwarz und rötlich braunen, gelbäugigen Kater an ihrer Seite. Der ihrem Filou ähnelt, der sich nach sieben Jahren gerade von ihr verabschiedet hat. Ein Garten mit vielen alten Obstbäumen befindet sich am Hang hinter dem Wohnhaus, schräg gegenüber vom Atelier. Dort ist ihr Rückzugsort, skizziert und guckt sie abends gern Mond und Sterne, erzählt Michele Cyranka. Sie wurde 1964 in Leipzig geboren, wuchs in Radeberg auf, arbeitete in verschiedenen Berufen und absolvierte eine künstlerische Ausbildung bei Rolf Werstler und Rosso Majores. Seit 1992 ist sie freiberuflich als Künstlerin tätig und Mitglied im Sächsischen Künstlerbund. 1995 wurde ihr Sohn Leon und 1998 ihre Tochter Rose geboren. Nach ihrem Umzug von Dresden wohnt Michele Cyranka nun schon länger in Tharandt nah am Wald. Ringsum Hügel und verwunschene Wege, Wasser und Steine. Und nah an Dresden, an der Kultur, das schätzt sie.

“Von hier aus die Welt bereisen und wieder nachhause kommen ist schön“, sagt sie. In ihre Bilder aus dem Inneren fließen auch immer wieder Eindrücke aus der Natur, ihren runden, kreisenden Formen und weiblicher Urkraft und von Reisen nach Ägypten und Argentinien ein. Altägyptische Kulturen und Schöpfungsmythen faszinieren sie. Michele Cyranka malt gern mit Pinselschwüngen impulsiv aus der Bewegung heraus, im Tanz der Linien und Formen von konkret bis abstrahiert tauchen luftig leicht, sinnlich und geheimnisvoll farbreiche Figuren auf Leinwänden und Papieren auf. Sie tanzt selbst gern. Der ausdrucks- und zeichenreiche Farbreigen ihrer Bilder reicht von warmem Gelb, Orange, Erdbraun, zarten Grau- und Blautönen bis zu kräftigem Türkis, Grün, Weinrot und Violett, verwoben mit schwebend, versunkenen Körperumrissen.

Vorn im Töpferraum steht ein Brennofen, Materialien, Farbrollen, zwei farbenfrohe Katzenbilder und viele Tondinge. Hier trifft sich ein Keramikkurs immer donnerstags von 19 bis 21 Uhr. „Drei der Teilnehmer sind schon seit 18 Jahren bei mir und jede hat ihren eigenen Stil inzwischen entwickelt“, sagt Michele Cyranka stolz. Drei Plätze sind noch frei im Kurs.

In ihrem nächsten Workshop mit dem Titel „Erkenne die Göttin in dir“ am 11. Mai, von 10 bis 14 Uhr, geht es gemeinsam mit den Teilnehmerinnen auf eine kreative Reise, bei der sie Klänge, Farben und Formen strömen lassen, sich mit ihrer eigenen, inneren Quelle verbinden und neue Wege für sich entdecken können.

Text + Fotos (lv)

Kontakt: http://www.atelier-cyranka.de

 

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Premiere „Das Schloss“ von Franz Kafka im Schauspielhaus Dresden

07 Dienstag Mai 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Theater, Zwischenmenschliches

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Verführen und Vermessen von menschlicher Leidenschaft, Macht und Ohnmacht: als Landvermesser K. (Moritz Kienemann) und seine Geliebte, Frieda (Kaya Loewe), dazwischen der mit dem Amtsschimmel erprobte, zwielichtige Wirt und Gemeindevorsteher (Holger Hübner). Foto: Sebastian Hoppe

Grotesker Kampf gegen Despoten in Luftschlössern

Reichlich komisch-absurd, bilderstark, intensiv und eindringlich mischen sich Traum- und reale Welt in der Inszenierung von Franz Kafkas „Das Schloss“ im Schauspielhaus Dresden.

Über der dunklen Bühne schwebt ein weiß gleißendes Gebilde wie ein riesiges Loch oder Heiligenschein. Aus der Tiefe dringt unsichtbar, lautes Seufzen, Ächzen und Knarren als drehe und winde sich dort die uralte Erdmutter. Der Vollmond steht am Sternenhimmel, davor erhebt sich ein hoher, verschachtelter Bau wie eine Trutzburg aus grauen Kästen, schwarzen Fensterhöhlen und käfigartigen Gerüsten. Mit der Drehbühne drehen sich die grau gekleideten Figuren, Männer mit Fellmützen, Frauen mit Kopftüchern mitsamt ihren monotonen Verrichtungen im Kreis. Daraus sticht in leuchtend gelbem Overall ein nächtlicher Wanderer heraus, ein junger Mann namens K., der sich zum gewünschten Landvermesser erklärt, nachdem er nach längerer Reise ein Dorf erreicht hat. Er braucht eine Erlaubnis zum Übernachten von den Schlossherren und will so schnell wie möglich seiner Arbeit nachgehen. Doch es ist schon Mitternacht, und nicht nur um diese Zeit keiner da oder zu sprechen im Schloss für die Dorfbewohner. Warum haben Sie mich dann geweckt?!, wundert sich K.

So absurd, traumwandlerisch, eben kafkaesk ist das ganze Stück „Das Schloss“ von Franz Kafka. Nach seinem 1922 entstandenen, unvollendeten Roman, der 1926 postum von Max Brod veröffentlicht wurde, kam die Inszenierung unter Regie von Maxim Didenko am vergangenen Sonnabend auf die Bühne im Schauspielhaus Dresden. 2022 emigrierte er aus Russland und lebt und arbeitet nun in Deutschland. Das Schloss ist seine erste Arbeit am Staatsschauspiel Dresden. Er schafft es für die Dauer von fast drei Stunden, die nicht nur düstere, sondern auch sehr skurrile, geheimnisvolle und anspielungsreiche Traumwelt Kafkas kurzweilig, einfallsreich und spannend mit viel eigenem Deutungsspielraum für die Zuschauer lebendig werden zu lassen.

Zu erleben war reichlich komisch-groteskes, bilderstarkes Theater auf mehreren Spielebenen, mit Körper-Schattenspiel und Videoprojektionen und viel Spielleidenschaft des Schauspielerensembles. Das Ganze wirkt wie ein Albtraum und eine Selbstbefragung von K. zwischen Schlafen und Wachen, surreal und real, zeitlos, intensiv und eindringlich vor gespenstiger Kulisse, gegen die er immer wieder ankämpft, gegen Unfreiheit und Despoten, gegen Willkür und das Wirrwarr unsinniger, sich selbst widersprechender Vorschriften und überbordender, lebensfremder Bürokratie, die Menschen klein halten, von selbstständigem Denken und Handeln abhalten. Ihm begegnen Stumpfsinn, blinde Ergebenheit und Gleichgültigkeit, in die K. einbricht und die Dorfbewohner aus ihrer Ruhe und Gewohnheiten reißt. Er ist ein Fremder, Eindringling und Sonderling, den sie misstrauisch anschauen, da er an seinem Vorhaben festhält, persönlich im Schloss vorzusprechen, bevor etwas Schriftliches auf dem endlosen Aktenweg verloren geht. Damit zieht er Spott, Ärger und Abwehr der Alteingesessenen auf sich, was für ein anmaßendes, vermessenes, wahnwitziges Unterfangen von Einem, der nichts ist! Man staunt, lacht, bangt und hofft mit K. als Landvermesser bis zum Schluss, dass er doch noch etwas ausrichten kann, dass es nicht nur leere Luftschlösser voll unerfüllter Wünsche und Träume bleiben.
Viel Beifall und Bravos für einen leidenschaftlichen, wild verwegenen, kafkaesken Theaterabend.

Text (lv)
Mehr Text zu den Figuren und Darstellern folgt.

Nächste Termine: 8. und 13.5., 19.30 Uhr

http://www.staatsschauspiel-dresden.de


Vermessen der eigenen Wünsche und Ziele zwischen Traum und Realität: Olga (Gina Calinoiu), die mit ihren klugen Gedankenflügen K. (Moritz Kienemann) anzieht und anstachelt, weiterzugehen. Foto: Sebastian Hoppe

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Buch-Premiere Volker Braun: „Fortwährender Versuch, mit Gewalten zu leben“ in der Zentralbibliothek im Kulturpalast Dresden

29 Montag Apr 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Literatur

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Vielschichtige Versuche über die Abgründe & Widersprüche unserer globalisierten Welt: Darüber liest Volker Braun in seinem neuen Prosaband. Foto: Zentralbibliothek im Kulturpalast

Volker Braun: »Fortwährender Versuch, mit Gewalten zu leben«

Der in Dresden geborene Lyriker und Schriftsteller liest aus seinem druckfrischen Prosaband am Montag, dem 29. April, 19.30 Uhr in der Zentralbibliothek im Kulturpalast Dresden, Besuchereingang: Wilsdruffer Straße/Schlossstraße 2.

»Früher hätte man die Welt verlassen können, einfach die Zelte abbrechen können, jetzt gibt’s keine Anderwelt mehr, wir sind im Überall.«

Der große Dramaturg, Lyriker und Prosaautor Volker Braun, der vor 85 Jahren in Dresden geboren wurde und heute in Berlin lebt, liest aus seinem druckfrischen Prosaband, in dem er sich mit geschärftem Blick für die Zusammenbindung der Welt und bekannter sprachlicher Virtuosität den großen Fragen, die in die Zukunft reichen, nähert: Was macht unser heutiges »Überall« aus? Welchen Gewalten ist es ausgesetzt? Und was passiert, wenn die Gegner nicht mehr Staaten sind, sondern Stürme? Seine Bewegung führt auf die eurasische Landmasse, in das Berliner Liquidrom sowie in den Schlosspark Niederschönhausen, wo ihn die Stimmen seiner Begleiter umgeistern.

Volker Brauns »Versuche« über die Abgründe und Widersprüche unserer globalisierten Welt überraschen in ihrer Vielschichtigkeit und brillieren in ihrer Sprachgewalt.

Moderation: Hans-Peter Lühr, Dresden

Eine Kooperation der Sächsischen Akademie der Künste mit den Städtischen Bibliotheken Dresden.

Veranstaltungs-Tipp:
Jörg Scholz-Nollau/Buchhandlung LeseZeichen

-- 
Ladenöffnungszeiten:

Montag bis Freitag: 10 - 13 und 15 - 19 Uhr 
Samstag: 10 - 14 Uhr 

Buchhandlung LeseZeichen
Priessnitzstrasse 56
01099 Dresden

Inh.: Jörg Scholz-Nollau

Tel. 0351-8033914
Fax 0351-8033915
www.buchlesen.de
info@buchlesen.de

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Neue Natur- und Katzen-Lyrik

28 Sonntag Apr 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Natur, Poesie, Projekte, Zwischenmenschliches

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Frühlingsabend

Der Himmel ein riesig graublaues
Aquarell nach dem Regen
ein paar rosige und helle Schimmer
am Saum die Sonne brach noch einmal hervor

vor dem Fenster fährt der Bus
vorbei in dem ich und das kleine Fellwesen
in der blauen Box saßen eine Woche Zittern
und Hoffen
schau ihm hinterher
gibt kein Zurück mehr

ich sitze an der Balkontür
seh den Streifen Licht am Himmel
die grauweiß getigerte inspiziert an den
Pflanztöpfen
das frische Grün wo Du vorher standest
die Zweige noch leer

und springt auf den Tisch räkelt sich hin
und schaut wo Du bleibst
fegt davon und wieder zurück
immer noch leer der Platz
träumt still vor sich hin

die kleinen Sonnen auf der Wiese
schlafen die Blätter eingerollt und die
vielen Gänseblumen wo wir saßen
leuchten wie Sterne

4.4.2024

Rhabarberzeit

Die Magie der zart grünen rosigen Stangen
weckt mein Verlangen
feinfaserig die Stiele
gelöst in Stücke federleicht
Frühlingsduft in jeder Pore
weckt Wohlbehagen aus Kindertagen
im hohen Gras liegen an nichts sattsehen
auf verschwiegenen Wiesen
warme Hände spüren
butterweich vom Teig
vom Rühren
geschwungene Formen
öffnen vertiefen sich
fließen ineinander

die grauweiß getigerte sieht
ungerührt zu vom Balkon aus
ein weißer Falter fliegt mir zu
ich weiß das bist du
Aromen kitzeln den Daumen
mit jedem Stück
kehrt die Vorfreude auf
Rhabarberkuchen mit Eischnee
und Puderzucker überzogene
Küsse zurück

LV
13.4.2024

Sonniges Wesen
(Für Lina)

Ich zähl die Tage
nicht mehr
die durch mein Leben
rinnen
nicht auf und ab halten
all die Licht und Schattengeister
kommen und gehen

gestern Abend tobte ein Sturm
zitterte um die Blütenbäume
heute Mittag reißt ins graue
Wolkenschiff ein Leck
die Sonne bricht hervor
ein weißer Vogel fliegt
am Fenster vorbei
was war ist weg

doch du bist überall
dein sanftes Lächeln
und Staunen über alles
was blüht sprießt fliegt
über mir und dir
der nachtblaue Himmel
voll rosa Wolken
springst nun mein weißschwarzes
Fellknäuel weiter da vertreibst meine Schwermut
wir bleiben uns nah

LV
16.4.2024

Katz und Maus

Die Pfoten des roten Katzentiers
zucken wild
als es die weiße Katze
mit der Maus traulich sieht
Na los, leg deine Krallen ran
herrscht er sie an
sonst schnapp ich mir
das süße Ding
die weiße Katze zittert vor Schreck
und hält das Mäuslein von ihm fern
nicht alle haben sich zum Fressen gern

LV
28.4.2024

Lebensgeister/William Shakespeare
(Für Lina)

I
Mir fielen die Worte wieder ein:
Wir halten ihr Herz und ihre Atmung an
helfen nur nach
sagten sie nach der Untersuchung
Es war die richtige Entscheidung
nach der Einschlafspritze
Sie lässt mich nicht los
ihr Lebensrest das letzte Lebensfünkchen
schwelt in mir weiter

II
Der Name stand über einem Foto
im Netz mit zwei Katzen
eine weiß die andere grau
wie Romeo und Julia
lagen die kleinen Fellknäuel
vornüber mit großen Augen
auf dem Pflaster
auf dem weiten fast menschenleeren Platz
hinter ihnen das Theater

LV
28.4.2024

 

Wolkenschafe

Sie ziehen weiter mit den Wolken
am Himmel
ohne Stillstand
vielmehr stete Bewegung
und Beständigkeit
watteweiche Tupfer
auf der Wiese am Fluss
grasen sie kitzeln die Erde
neigen sich tief zu ihr
sanftmütig in der Herde
ab und zu ein Mäh schallt
weithin mit den Vogelstimmen

am Ufer gegenüber die Gefiederten
spitzen die Schnäbel im Sand
nach Essbarem Apfelstücke
bleiben liegen die Weißbrotscheiben
holen die Raben
flattern wild mit den Tauben
ein Junge zeigt aufgeregt eine weiße
hin zu den hingeworfenen Sonnenblumenkernen
die sie mögen

Wildgänse fliegen kreischend auf
an der weißen Herde vorbei
ziehen sie am Fluss entlang
der nie ruht alles spiegelt

LV
28.4.

Wonnetag

Das Licht wandert
über das Meer aus Sternblumen
das empor wächst am alten Hafen
seh es von weitem
dort sitzt heute schon jemand
auf dem Stein inmitten unzähliger Sterne
ohne hinzusehen starr der Blick aufs Display
ziehe weiter mit dem Fluss
auf einer Anhöhe im Gewirr der Gräser
die sich biegen wiegen wieder aufrichten im Wind
im Gezweig wildes Gezwitscher und Lüste hinterm
Blättervorhang blinzelndes Sonnenlicht breitet sich
aus
zerfließt in Wonne auf dem Fluss
über mir die hinreißend leichten Flügelschwünge der
Wasservögel
das erste Mal barfuß im Gras verankere ich mich
neu
an diesem ersten Maientag

LV
1.5.2024

Die Früchte des Lebens

Ein wenig kafkaesk
vor seinem Schloss
back ich einen Kuchen
als Wegzehrung wenn der Landvermesser
durch die Niederungen irrt
keiner nichts vermisst
Gebt der Erde ihren Früchten
mehr Gewicht
streut Puderzucker auf die Wunden
des Lebens wärmt Euch am Teig
auf dem Rhabarber und Erdbeeren
saftig zerschmelzen im Tanz
der Aromen auf der Zunge
haltet Euch ans Licht
die Kunst der Trennung
Eiweiße und Eigelbe
aus der Schale lösen
ihren Saft und Dotter auffangen
schaumig schlagen
kommen wieder zusammen
unter der Eischnee Kuchenhaube
mit gerösteten Mandelblättchen
und Puderzucker
zerfließt im Mund
das allerschönste Gedicht

LV
4.5.2024

Regen

Rinnt rausch strömt
im Grünmeer vor dem Fenster
Langersehnte Frische
spült nicht weg
die Schatten in mir
der Regen fällt zu dir
in die Erde
und ich kann dich nicht
schützen nicht mehr
sie umhüllt dich
du liegst still da
und immer noch wach
bei mir Tag und Nacht
seh dich als du nicht
aus deiner Höhle
wolltest
und ich nicht einfach
zusehen konnte was wird
du wolltest bleiben
ich musste dich losreißen
hast den Blumenkasten
samt Erde umgerissen im Wintergarten
schwarze frische Erde blieb liegen

gestern flog ein kleiner weißer Falter
vor mir her immer wieder bei den
Pflanzen auf dem Balkon
wo du gern saßest streichst weiter
um mich
die grauweiß getigerte legte eine grüne
Stoffmaus und einen Federball unters Sofa
als kämst du gleich wieder

LV
5.5.2024

Alle Texte + Fotos: Lilli Vostry
(Weitere Fotos folgen.)

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Zum Welttag des Buches für literarische Feinschmecker: „Die Flüchtigen“ von Alain Damasio & „Winterbergs letzte Reise“ von Jaroslav Rudis

23 Dienstag Apr 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Literatur, Zwischenmenschliches

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Zum Welttag des Buches am 23. April – nun auch schon wieder vorbei – hier zwei Empfehlungen von mir, die ich schon länger vorstellen wollte, da sie ein besonderes Lesevergnügen sind!

Verrückt-komische Jagd von Monstern der Moderne auf flüchtige Fantasie-Wesen

Ein weißer Vogel mit aufgespannten Flügeln und spitzem Schabel überfliegt ein Meer aus grauen Blasen. Winzig steht orange am Rand der Buchtitel „Die Flüchtigen“ von Alain Damasio, aus dem Französischen übersetzt von Milena Adam. Die Flüchtigen, das sind in diesem Roman jene wundersamen Wesen, die im toten Winkel der Wahrnehmung in den Menschen leben, die für Fantasie, Lebendigkeit und echtes Leben stehen und gnadenlos gejagt werden von ominösen Techniküberwachern. In ihre Fänge gerät Lorca, ein Mann Mitte 40, dessen kleine Tochter Tishka eines Morgens verschwunden ist, obwohl alle Fenster und Türen verschwunden sind. Er und seine Frau Sahar vermuten, dass Tishka bei den Flüchtigen ist. Lorca begibt sich auf die unmöglich scheinende Suche nach ihr. Damasios Roman entführt hochspannend, fantastisch, geheimnisvoll und düster, beklemmend zugleich, voller verrückt komischer Einfälle in sehr atmosphärischer, bildreicher und poetischer Sprache mit faszinierenden Wortschöpfungen in eine hochtechnisierte, digitale Welt und Schein-Realität voller Illusionen, die mal sehr fern und dann wieder erschreckend nah wirkt. Es ist ein atemberaubender Blick in die Zukunft, über die Möglichkeiten und Grenzen moderner Kommunikationstechnik, mit der der Mensch immer mehr in virtuelle Räume vordringt und sich immer mehr von der Natur und seinen Ursprüngen entfremdet. Ein beeindruckendes, wagemutiges, unheimlich fesselndes Buch, eins der besten der letzten Jahre!

Alain Damasio „Die Flüchtigen“, erschienen im Verlag Matthes & Seitz Berlin, 2021, 838 Seiten, 28 Euro.

Wundervolle Reise durch die Zeit, Landschaften und die Geschichte Mitteleuropas

Es ist eine Geschichte voller Zufälle, merkwürdiger Begegnungen und Begebenheiten, die vieles aus der Vergangenheit ins Hier und Jetzt holen, Erinnerungen wachrufen, Träume ins Leben zurückholen und alte Wunden heilen. Wundervoll, skurril, abenteuerlich, traurig, komisch und aufschlussreich erzählt Jaroslav Rudis in „Winterbergs letzte Reise“ – seinem ersten auf Deutsch geschriebenen Roman, der 2019 für den Preis der Leipziger Buchmesse für Belletristik nominiert war – die Lebensgeschichte eines alten Mannes, Wenzel Winterberg, geboren 1918 in Liberec, Reichenberg und des ihn begleitenden Altenpflegers. Jan Kraus, der aus Vimperk in Böhmen, das früher Winterberg hieß, kommt. Am Krankenbett in einem Altenheim in Berlin lernt er Winterberg kennen, der gelähmt und abwesend im Bett liegt. Es sind Kraus` Erzählungen aus seiner Heimat, die Winterbergs Lebensgeister wieder wecken und er hat noch einen Wunsch: mit Kraus zusammen eine letzte Reise antreten, auf der Suche nach einer verlorenen Liebe. Sie begeben sich auf eine Eisenbahnreise, die sie durch die Geschichte Mitteleuropas führt. Rudis nimmt seine LeserInnen mit auf eine außergewöhnliches, packende und berührende Reise durch verschwundene und gegenwärtige Landschaften, Länder und Zeiten. Und so landen sie auf dem einstigen Schlachtfeld bei Königgrätz, in diesem Wald im Schnee. Der Rhythmus der lebhaft, kraftvoll, detailreichen Sprache hat einen eigenen Sog, mal melodisch, ruhig fließend wie die Züge, mal bewegt, längere und kurze Textpassagen, manchmal nur ein Wort. Es geht nahe, tut weh und gut in seiner schonungslosen Direktheit in der Beschreibung des todkranken Patienten, wie er sich noch einmal aufrafft ins Leben, die Orte besucht, die schrecklichen und schönen, die ihn nicht loslassen, um zu finden, was er sucht. Wunderbar, voller Ironie, Leichtigkeit und Hintersinn die Gespräche der beiden über Geschichten und Geschichte, aus der es kein Entkommen gibt, die sich wehrt, uns angreift, in der man sich sogar vielleicht verlieren muss, um sie zu verstehen, die Geschichte. Und man darf nicht aufgeben. Man muss versuchen sie zu verstehen. Winterberg sagt wie nebenbei Sätze, die aufhorchen lassen, über die Lieben und die Krisen und vor allem über die Kriege. „Wir wissen immer, wenn es vorbei ist, doch wir wissen nie, wann es angefangen hat zu bröckeln.“

Jaroslav Rudis, „Winterbergs letzte Reise“, erschienen im Luchterhand Literaturverlag München, 2019, 540 Seiten, 24 Euro.

Texte (lv)

Weitere Leseeindrücke und Buch-Tipps folgen demnächst.

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Gruppe Spielbrett

21 Sonntag Apr 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Projekte, Theater, Zwischenmenschliches

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Eine Szene aus der Inszenierung „Jubiläum – Eine Geisterstunde“ von George Tabori, aufgeführt von der Theatergruppe „Spielbrett“ unter Regie von Ulrich Schwarz. Foto: Tanja Grunert

Ein Spiel-Platz der Toten

Mit bissigem Witz und viel Kraft erzählt das Stück „Jubiläum – Eine Geisterstunde“ von George Tabori über den Umgang mit jüdischem Leben und Kultur in Vergangenheit und Gegenwart.

Die Akteure sind sehr stolz, mitteilen zu können, dass die Theatergruppe Spielbrett e.V. mit seiner Inszenierung „Jubiläum – Eine Geisterstunde“ von George Tabori für den Deutschen Amateurtheaterpreis 2024 des Bundesverbands Deutscher Amateurtheater nominiert ist. Die nächste Möglichkeit, diese Inszenierung zu sehen, ist der 9. Juni, 19 Uhr im Theaterhaus Rudi. Fechnerstraße 2a in Dresden.

George Taboris „Jubiläum“ feierte am 28. und 29. Januar 2023 in einer Aufführung der Theatergruppe Spielbrett unter Regie ihres künstlerischen Leiters Ulrich Schwarz Premiere im Theaterhaus Rudi in Dresden. Diese Inszenierung führt auf einen ganz besonderen Friedhof. Die letzte Nacht Geisterstunde auf einem Friedhof, der morgen eingeebnet werden soll für einen Spielplatz. Die Toten feiern Abschied und machen ihn schon jetzt zu ihrem Spiel-Platz. Da treffen der Musiker mit seiner Frau und der behinderten Nichte auf ein schwules Paar. Sie alle haben eines gemeinsam: sie sind alle Juden, ob sie wollen oder nicht. Und jeder hat seinen besonderen Tod gehabt, wohlgemerkt: nach der Hitler-Diktatur. Nun werden sie – wie so oft – geweckt durch den Grab schändenden Neonazi, der sonst dem unsterblichen Totengräber zur Hand geht.

Erinnern, was man vergessen möchte

Das Erinnerungsspiel beginnt: Die Toten wollen die letzten Chance nutzen: Sie feiern ihre vergangenen Jubiläen, damit diese nicht totgeschwiegen werden. Die Stichworte für ihre Geschichten liefert ihnen die Gegenwart – auch die Wut des Neonazis und
die Gleichgültigkeit des Friedhofsgärtners. Scheinbar finden sie erst dann Frieden, wenn sie an das erinnern, was sie lieber vergessen würden. Können sie erlöst werden? Wird ihr Fest des menschlichen Lebens das Totschweigen beenden? Und wurde in Auschwitz doch nur Brot gebacken?


Humor und Geschichte?

Taboris Humor, seine Kalauer und Schlüpfrigkeiten sind alles andere als politisch korrekt. Aber sie lösen die moralische Verkrampfung, die sich zwanghaft einstellt, wenn sich Deutsche mit ihrer Vergangenheit beschäftigen. Für Spielbrett ist es nicht der erste Ausflug in die Vergangenheit. Nach der „Deutschland-Trilogie“ (2006-2009) und dem „Heimatabend“ (2016) – möchte Spielbrett der deutschen Geschichte und Gegenwart erneut auf die Finger schauen. Denn das Thema Antisemitismus gehört noch lange nicht der Vergangenheit an: Erst jüngst schrieb DIE ZEIT, dass ‚Du Jude‘ zu den häufigsten Schimpfwörtern auf deutschen Schulhöfen gehöre. Spielbrett will mit Taboris bissigem Witz, seiner Kraft und dem herrlich politisch Unkorrektem seines Stücks zeigen, dass Erinnern vor dem Verfall schützt – auch vor dem moralischen.
„Jeder wirkliche Humor ist schwarz.“ (George Tabori).

Weitere Informationen gibt es unter http://www.spielbrett.info.

Text: Claudia Leutemann/ Öffentlichkeitsarbeit bei der Gruppe „Spielbrett“

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Premiere „Achtsam morden“ – Krimikomödie in der Comödie Dresden

21 Sonntag Apr 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Theater, Zwischenmenschliches

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Immer ruhig und gelassen bleiben, nur nicht nervös
werden bei der Verbrecherjagd: Der Anwalt Björn Diemel (Ronald Spiess) übernimmt immer mehr die Rolle seines spurlos verschwundenen Mandanten, dem Mafiabos Dragan in dieser Krimikomödie. Ihm zur Seite in mehreren Rollen Benjamin Hille und Daniela Michel. Foto: Robert Jentzsch

Rasant komisches Spiel um Leben und Tod

Für Lachen und Gänsehaut mit viel schwarzem Humor, Action und schnellem Rollenwechsel sorgt die Krimikomödie „Achtsam morden“ in der Comödie Dresden.

Seelenruhig steigt der Mann im Dunkeln aus seinem schwarzen Schutzanzug. Björn Diemel ist ein erfolgreicher Anwalt, 42, und hat noch nie einen Menschen umgebracht. Doch dann vertritt er einen schuldigen Mafiaboss als Mandanten und steht bald selbst mitten im Schlamassel. Dabei setzt er um, was er gerade in einem Achtsamkeitsseminar gelernt hat, zu dem ihn seine Frau drängte, um Beruf und Familie wieder in Balance zu bringen, allerdings handelt er anders als erwartet. „Achtsam morden“ – ebenso paradox wie schwarzhumorig geht es zu in der Krimikomödie nach dem Bestsellerroman von Karsten Dusse, der aus einer Juristenfamilie kommt. Die Premiere in der Bühnenfassung von Bernd Schmidt war letzte Woche in der Comödie Dresden.

Vorher muss man aufpassen, nicht in die blutroten Fußspuren am Eingang und im Foyer zu treten. Dort sitzt am Premierenabend auf einem Podest eine Frau, Kristin Voß, in weißen Sachen mit einer Klangschale in der Hand und singt mit sanfter Stimme unbeirrt vom regen Besuchergewimmel. Auf der Bühnenmitte prangt groß das Wort „Kanzlei“, davor steht im Schatten einer Hauswand eine Buddhafigur und orange leuchtet der Raum gegenüber. Der Achtsamkeitstrainer (sachlich nüchtern: Benjamin Hille) wirkt beruhigend auf den Anwalt (clever-abgeklärt: Ronald Spiess) ein und bringt ihm ein paar grundlegende Lektionen bei wie den Atem spüren, einfach leben ohne zu bewerten und liebevoll zu sich selbst sein. Und gibt ihm ein Ratgeber-Buch mit: „Entschleunigt leben auf der Überholspur“.

Es steht auch einiges auf dem Spiel. Seine Frau Katharina (energisch: Daniela Michel) im roten Mantel droht mit Scheidung und dass er seine kleine Tochter Emily nie wieder sieht, wenn sein Job ihm weiter wichtiger sei und sie nur noch streiten. Doch kaum ist der Anwalt mit Emily gestartet zu dem Ausflug ins Wochenendhaus am See, kommt ein Anruf von Mafiaboss Dragan. Auf einem Parkplatz kamen sich bei der Übergabe zwei Drogenhändlerbanden in die Quere, es gab zwei Tote­. Ein Bus mit Schulkindern traf gerade in dem Moment dort ein und sie filmten eifrig mit ihren Handys die Verbrecher, hielten das Ganze wohl für eine Actionszene. Der Anwalt soll die Sache nun für Dragan regeln, sonst werde es seine Tochter nicht überleben. Er fungiert als Erzähler, rollt an der Wand eine Täterkartei mit Fotos aus und erklärt dem Publikum die  Zusammenhänge. Dennoch fällt es schwer, die Übersicht zu behalten und die Achtsamkeit bei der Verbrecherjagd wird absurdum geführt. Eine Schauspielerin und zwei Schauspieler bringen achtzehn Figuren in rasant komischem Rollen- und Kostümwechsel auf die Bühne und entführen mit viel schwarzem Humor und brutalem Gossenjargon ins Verbrechermilieu.

Nachdem Dragan spurlos verschwunden ist, übernimmt der Anwalt seine Rolle und erteilt den anderen Bandenmitgliedern seine Anweisungen. Er wird immer abgebrühter, hartgesottener und fühlt sich frei, atmet tief und übersteht mit einem Lächeln jede heikle Situation. Etwa wenn eine Frau von der Mordkommission Verdacht schöpft und ihn befragt, z.B. zu dem gefundenen Finger mit Siegelring von Dragan in der Nähe des Anwaltgrundstücks. Boris, ein Russe im Pelzmantel und seine Geliebte setzen den Anwalt außerdem unter Druck und wollen Dragan sehen. Ein gnadenlos komisches Spiel auf Leben und Tod voller Verwicklungen und überraschender Wendungen ist diese Inszenierung unter Regie von Ingmar Otto. Absurd und traurig zugleich die Szene, in der die Gauner getarnt als Beteiligungsgesellschaft einen Kindergarten übernehmen, auf den kleinen Kinderstühlchen sitzen, einer gerissener als der andere, kichern und sich Schläge androhen und ihre nächsten Coups planen. Die Frau vom Anwalt ist happy, dass sie doch noch den heiß begehrten Kitaplatz für Emily bekommt und auch die Kriminalbeamtin arrangiert sich für einen Platz für ihren Sohn. Bei der abschließenden Explosion, bei der einer der Gauner hochfliegt, spritzen rote Luftschlangen ins Publikum. Für Lachen und Gänsehaut abwechselnd sorgt diese eigentlich todernste Komödie. Viel Beifall gab es dafür zur Premiere.

Text (lv)

http://www.comoedie-dresden.de

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Premiere „Fräulein Else“ nach Arthur Schnitzler an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul

20 Samstag Apr 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Theater, Zwischenmenschliches

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Viermal Else wie sie leibt und lebt. Inszenierungsfoto mit: Veronika Petrovic, Julia Rani, Sandra Maria Huimann, Maria Sommer (v. l.) Foto: Carsten Beier

Reizvolles Spiel mit Rollenbildern

Das Stück „Fräulein Else“ nach Arthur Schnitzler ist auch bei der 10. Langen Nacht der Dresdner Theater am Sonnabend, dem 20. April auf der Studiobühne der Landesbühnen Sachsen in Radebeul zu sehen. 22 Theater in und um Dresden laden die Besucher zwischen 16 und 23 Uhr zu einer bunten Mischung aus S chauspiel, Oper, Musical, Tanz, Puppentheater und Lesungen ein und zeigen im Stundentakt jeweils 30-minütige Kostproben aus ihrem Repertoire. Begonnen im Schauspielhaus Dresden, dort liegen auch Programmhefte aus, mit Abschlussparty dort ab ca. 23.15 Uhr bis zum Theaterhaus Rudi mit After Show Party mit Tam Tam Comony ab 22 Uhr. Karten gibts jeweils vor Ort.

Im warmen Bühnenlicht tanzen übermütig vier Frauen auf die Bühne. Ihre Körperschatten zeichnen sich auf der weißen Wand ab. Sie bewegen sich um ein Gehäuse, eine Art Salon, Versteck oder Käfig mit Ritzen zum Hineinlunsen, geheimnisvoll und etwas unheimlich. Eine von ihnen mit brünettem, halblangen Haar, roten Lippen  und geschminktem Bijoubärtchen und schulterfreiem, schwarzweiß geblümten Kleid und Glacéhandschuhen (stolz, verletzlich, im Zwiespalt ihrer Gefühle: Sandra Maria Huimann) verliest einen Brief ihrer Mutter aus Wien, der sie mitten in den Ferien im Süden ereilt. Ihr Vater steckt in Geldnöten und nur seine Tochter Else könne ihn vor dem Kriminal retten, wenn sie den ebenfalls im Kurort weilenden Kunsthändler Herr von Dorsday um Geld bittet. Sie will ihrem Vater helfen, doch ist bestürzt über die Bedingung Dorsdays: Er leihe ihr das Geld, aber nur, wenn er sie eine Viertelstunde nackt ansehen könne.

Auf der Grundlage von Arthur Schnitzlers Novelle „Fräulein Else“, die er 1924 veröffentlichte als inneren Monolog einer 19-jährigen Frau aus gut bürgerlichen Verhältnissen und das Problem der materiellen Abhängigkeit von Frauen thematisierte, entstand eine Stückentwicklung unter Regie von Jan Meyer mit vier Schauspielerinnen. Die Premiere war im Januar auf der Studiobühne der Landesbühnen Sachsen in Radebeul. Mit Textpassagen von Schnitzler, ergänzt um eigene Sichtweisen und Erfahrungen kam ein spannendes, berührendes wie provokantes Spiel zwischen Traum und Wirklichkeit über alte und neue Frauenrollen-Bilder, den Umgang mit Körperlichkeit, Nacktheit und  weiblichen Wünschen und Identität in einer immer noch männlich geprägten Gesellschaft auf die Bühne.

Gleich viermal Else war zu erleben mit all ihren Träumen, Ängsten, Zweifeln, Begabungen und Eigenarten. Vier verschiedene Frauentypen sprechen, agieren, ergänzen sich und überlegen, was zu tun ist. Ob sie das anstößige Angebot annehmen oder nicht. Da ist die brave, adrette, romantische Dame im weißen Kleid  mit Sonnenschirmhut (Maria Sommer), die sinnlich, verführerische und mutige, die es mit dem Geldgeber und Angreifer aufnehmen will (Julia Rani), die kluge und sensible (Sandra Maria Huimann) und die elegant, burschikos kokette mit männlichen und weiblichen Attributen spielende Frau im Nadelstreifenanzug, weißem Hemd, schwarzer Schleife und hochgestecktem rötlichen Haar (Veronika Petrovic). In jeder von ihren steckt auch ein Teil der anderen. Viele Facetten von Frausein.

Zuerst lehnen sie das Geld-Angebot empört ab. Sie seien nicht käuflich! Im nächsten Moment rennen sie aufgeregt, kichernd umher und träumen, was mit dem Geld alles anfangen könnten, studieren, reisen, sich einen Geliebten nehmen und nackt auf dem Marmorboden liegen… Sie spielen verschiedene Möglichkeiten und Szenarien durch. Das Spiel mit Blicken, keusch, naiv, reizvoll und wütend, sich nicht für Geld zu verkaufen. Dann wieder steht Else, die wohlbehütete Tochter (Sandra Maria Huimann) wie erstarrt vor Angst und Abneigung, ausgeliefert den männlichen Blicken, an der Wand. Die anderen Darstellerinnen stehen um sie herum und legen besitzergreifend die Hände um ihren Körper und taxieren dessen Wert. Grotesk-komisch die Szene, in der die Frauen sich vor einen weißen Sarg stellen und vorstellen, Else wäre tot, um der Misere zu entgehen oder den Skandal, wen man mehr bedauern würde, ihren Vater oder den Kunsthändler, die durch ihren Tod in schlechten Ruf gerieten. Wie es ihr geht ist egal.

Dann drehen sie den Spieß um. Else (Julia Rani) steht als Mann auf dem Sarg wie einem Podest, den intensiven Blicken und abfälligen Sprüchen der Frauen ausgeliefert, die ihm sagen, was er machen soll  und erfährt selbst wie es ist, mit Blicken ausgezogen zu werden. Die Frauen erzählen auch von eigenen Erfahrungen, wenn jemand näher kommt als gewollt oder abends allein an der Haltestelle zu stehen. Dann gehen die Frauen in die Offensive und wollen sich wild entschlossen nicht nur Dorsday nackt zeigen. sondern auch allen anderen in der Hotelhalle. Dann sind sie damit nicht allein. Huimann sagt, sie ziehe sich jetzt aus, bewegt die Fingerspitzen in den langen weißen Glacéhandschuhen, doch lässt ihr Kleid an. Ein sinnliches Spiel mit der Vorstellungskraft des Zuschauers und es gibt ihr die Macht über ihren Körper zurück. Sie entscheidet, wie weit sie geht.

Zum Schluss rücken die anderen Frauen an sie heran, bilden einen Kreis um sie wie um sie zu schützen und rufen erstaunt „Else“! Es bleibt offen, ob sie sich nackt zeigt. Viel Beifall gab es vom Publikum für einen ambitionierten, emotionsreichen Theaterabend mit viel Stoff zum Weiterdenken.

Text (lv)

Termine: 20.4., 19, 20 und 21 Uhr bei der Langen Nacht der Theater.

http://www.landesbuehnen-sachsen.de

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Kunstort & Ort für kreatives Miteinander & Schule des Sehens: das Einnehmerhaus Freital

19 Freitag Apr 2024

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Projekte, Zwischenmenschliches

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Die neuesten Arbeiten aus der Druckwerkstatt zeigt Bettina Liepe, die Vorsitzende des Kunstvereins im Einnehmerhaus Freital und Leiterin des Kurses Druck und Collage. Freude an Kreativität und am Selbergestalten bei den Besuchern fördern, liegt ihr und dem Verein am Herzen.

„Dieses Haus ist ein Schatz“

Mit Ausstellungen und kreativem Miteinander in Kursen von Buchbinden, Drucken bis Töpfern für groß und klein lockt der Kunstverein zunehmend mehr Besucher ins Einnehmerhaus in Freital.

Ein Auge kreist um rankende Pflanzen. Blumen sprießen vielgestaltig und eine Figur umschließt ein Herz. Es sind Kaltnadelradierungen, die gerade eine künstlerische Freizeitgruppe der Diakonie Freital spontan gedruckt hat im Einnehmeherhaus. Auf dem Tisch im Erdgeschossraum liegen kleine Acrylglasplatten mit schwarzen Linien und Formen, eingeritzt mit einer Reißnadel. Beim vorigen Treffen entstanden die Vorzeichnungen. Bettina Liepe zeigt eine Mappe mit den Bildern, die sie mit der Gruppe an der Druckpresse herstellte. „Das tut den Teilnehmern sichtbar gut“, sagt sie, seit einem Jahr Vorsitzende des Kunstvereins im Einnehmerhaus Freital. Arbeiten anderer Kursteilnehmer hängen an den Wänden. „Wir wollen Neugier und Interesse an Kreativität und Freude am Selbergestalten fördern bei den Besuchern. Denn wer sich intensiver auf den künstlerischen Prozess einlässt, ob Drucken, Malen oder Töpfern, der beginnt auch ein anderes Verständnis für Kunst zu entwickeln“, so Bettina Liepe.

„Man muss keine Schwellenangst haben, sind es doch oft innere Stimmen und Ängste, die sagen, ich kann das nicht oder verstehe das nicht“, weiß sie selbst. „Doch wenn man es einmal probiert und etwas selber macht, dann geht wie eine Tür auf. Für viele ist es auch ein wichtiger Anker in ihrem Leben, dass man sich regelmäßig trifft, etwas gemeinsam und jeder für sich tut, gemütlich beisammensitzen und sich nebenher unterhalten kann. Das macht großen Spaß.“ Diese Gemeinschaft und Miteinander weiter zu stärken, liege dem Kunstverein im Einnehmerhaus besonders am Herzen. „Es ist ein Ort, um Kunst zu erleben, aber auch ein Haus der schöpferischen Begegnung und eine Art Schule des Sehens, wo jeder praktische sinnliche Erfahrungen sammeln kann“, so Bettina Liepe.

Daher bietet das Einnehmerhaus nicht nur regelmäßig wechselnde Ausstellungen bekannter und neuer, zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler vorwiegend aus der Region, sondern auch viele Kursangebote für Interessierte vom Kind bis zum Senior in dem schmucken Fachwerkhaus an der Dresdner Straße 2 in Freital. Der Wochenplan ist gut gefüllt. Täglich locken hier nachmittags und abends ein oder mehrere feste Zirkel vom Erdgeschoss bis zum Dachatelier. Begonnen beim Schnitzen und der Arbeit im Fotolabor montags, gleich vier Kursen dienstags mit Töpfern, Klöppeln, Buchbinden, Druck und Collage, einem weiteren Töpferkurs mittwochs, Malen donnerstags sowie nochmals Klöppeln und Textilgestaltung freitags.

Drei bis acht Teilnehmer kommen im Schnitt in die Kurse. Damit alle Interessierte Platz finden, ist Voranmeldung beim Kunstverein erforderlich. Neu ist das Buchbinden mit der Künstlerin, gelernten Buchbinderin und Autorin Carla Schwiegk aus Tharandt dienstags aller 14 Tage, von 15 bis 17 Uhr. Dazu braucht es keine Vorkenntnisse und es gibt keine Altersgrenze. Die jüngste Teilnehmerin war sechs Jahre, das  älteste Kunstvereinsmitglied und Teilnehmer beim Buchbinden über 90 Jahre alt. „Dort lernt man verschiedene Bindetechniken kennen, kann Papierschöpfen ausprobieren und kleine Schächtelchen aus Papier gestalten“, so Bettina Liepe. Eine schöne Möglichkeit auch für Familien, mit Kindern oder Enkeln etwas zusammen zu kreieren. Sie freut sich, dass die Mal­- und Zeichengruppe mit dem Künstler Matthias Jackisch in den letzten Monaten nach der Corona-Pause wieder gut besucht wird. Im Dachatelier arbeitet ein Teil der Gruppe mit rund zehn Teilnehmern an einem langen Tisch gegenständlich nach Objekten, Stillleben und die anderen frei aus der Vorstellung mit Stiften, Pinsel und Farbe. Jeder bringt sein Material mit. Als Bildhauer habe Matthias Jackisch auch noch einen anderen Blick auf die Dinge.

Bettina Liepe ist Architektin von Beruf. Sie hat bei Jackisch im Malkurs angefangen und zeichnet bereits seit ihrer Kindheit. Seit 2017 fährt sie regelmäßig zu Workshops, in denen sie sich neue künstlerische Techniken aneignet, an die Freie Akademie Augsburg. Sie zeigt eine eigene, farbige Grafik mit dem Titel „Connected“ (Verbunden). Eine Intagliografie sei das, der Reiz liege dabei in der Grenzüberschreitung zwischen Malerischem und Grafischem, bei der sich Licht und Schatten, Figürliches und Abstraktes mischen. Ihr Mann teilt ihre grafische Leidenschaft. Von ihm stammt eine Kaltnadelradierung mit einer Landschaft und blauem Mond. „Die Räume und das Potenzial in diesem Haus sind ein Schatz, den der Kunstverein hebt und weiter nutzt in der Mischung aus traditionell Vorhandenem und neuen Möglichkeiten“, sagt Bettina Liepe. Sie leitet den Druck- und Collagekurs und lässt sich für die „Samstagskinder“ immer etwas Neues zum Selbermachen einfallen an jedem letzten Sonnabend im Monat, von 10 bis 12.30 Uhr. Bald soll es auch wieder Raku-Keramikworkshops geben. Der Kunstverein im Einnehmerhaus wird gefördert durch den Kulturraum Elbtal – Sächsische Schweiz – Osterzgebirge. Doch die Betriebskosten muss er aus eigenen Einnahmen erwirtschaften und die Projekte leben von Spendenmitteln. Zwei höhenverstellbare, vielseitig nutzbare Tische für die Kursarbeit wurden aus Vereinsmitteln für 500 Euro Ende 2022 angeschafft. „Wenn die Besucher sagen, es ist schön hier und sich wohlfühlen und die Teilnehmer im Kurs am Ende strahlen, bin ich auch glücklich“, sagt Bettina Liepe. Neue Mitglieder und Unterstützer sind dem Kunstverein im Einnehmerhaus jederzeit willkommen.

Text + Fotos (lv)

Öffnungszeiten: Do und Sa 10 bis 17 Uhr, Fr und So 14 bis 17 Uhr
Tel.: 01525 – 2161414

http://www.kunstvereinfreital.de


Vorliebe für die Vielfalt an Drucktechniken: Bettina Liepe mit Arbeiten von Kursteilnehmern, einer eigenen, farbigen Grafik „Connected“ (Verbunden) und mit einer Kaltnadelradierung von ihrem Mann, mit Landschaft und blauem Mond.

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Ich bin als Freie Journalistin (Wort/Foto) seit 1992 in Dresden tätig. Schreibe für Tageszeitungen und Monatsmagazine vor allem Beiträge über Bildende Kunst, Theater, soziale Projekte und Zwischenmenschliches. Außerdem Lyrik und Kurzprosa. Bisher vier BilderGedichtKalender zusammen mit Künstlern veröffentlicht. Fernstudium Literarisches Schreiben im Herbst 2022 erfolgreich abgeschlossen, Schriftstellerdiplom. Kindheitstraum erfüllt. Fotografiere gern Menschen, Landschaften, besondere Momente.

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