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26 Mittwoch Apr 2023
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17 Montag Apr 2023



Hingabe an die Natur & Faszination für Freilichtmalerei (im Bild von li. nach re.): die Künstlerinnen und Künstler Angelika Just, Katharina Probst, Michael Klose und Michele Cyranka, die Initiatorin der Plenairs im Forstbotanischen Garten Tharandt.



Eine weiße Leinwand hängt gespannt zwischen Bäumen auf einer Anhöhe.
Davor liegt im grünen Moos eine Plane mit Farbpaletten. Die acht Künstlerinnen und Künstler stimmen sich still im Kreis verbunden auf den Malort ein. Dann geht es los. Mit Farbtellern und langen Pinseln treten sie einer nach dem anderen vor, holen in weiten Linienschwüngen aus, ziehen Spuren und führen die Formen weiter. Sie spritzen, stricheln, streichen mit Hingabe, Innehalten, Fantasie, Freude und Übermut. Begonnen mit schwebend blauen Pinselstrichen von Michele Cyranka, die Initiatorin des dritten Plenairs im Forstbotanischen Garten in Tharandt. Dazu gesellen sich gelbe, orangene, erdige, türkise, grüne, rote und violette Farbtöne, die ineinander fließen, sich umkreisen, verästeln und emporwachsen zu üppig Blühendem auf dem Malgrund, begleitet von lebhaftem Vogelgezwitscher.
Eindrucksvoll mitzuerleben, wie das gemeinsame Bild oben bei den Himalayabirken allmählich farbenfreudig Gestalt annahm an diesem Sonntagnachmittag als Höhepunkt des diesjährigen Plenairs. Und die Natur malt mit. Insgesamt fünf Tage, noch bis Dienstag, dauert die Freilichtmalerei im alten Teil des Forstbotanischen Gartens. Die Besucher können den Künstlern über die Schulter schauen und selbst viele wundervolle und seltene Baumschönheiten bewundern. “Zu Beginn hatten wir wieder eine Führung mit Dr. Pitzarka, dem Leiter des Forstbotanischen Gartens, der uns seine Lieblingsplätze zeigte“, sagt die in Tharandt lebende Künstlerin Michele Cyranka. „Wir lassen uns von den botanischen und geologischen Besonderheiten inspirieren. Vielleicht schaut lächelnd auch der ortansässige Faun zu.“ Der prangt als Figur über dem Schweizerhaus mit dem Forstbotanischen Museum und Café. Beim Plenair gehe es darum, dass malfreudig spontan gearbeitet wird und jeder Teilnehmer für sich neue Ausdrucksmöglichkeiten finden kann, so Michele Cyranka. Sie bringt ihre langjährigen künstlerischen Erfahrungen mit ins Plenair.
Ihre Malmotive wählen die Künstler individuell. „Der letzte Blick am Bärenstein, am Zeisigstein und Königsplatz gehören dieses Jahr dazu“, zählt die Künstlerin Mechthild Mansel auf. „Mich fasziniert, dass es hier so viele verschiedene Bäume an einem Ort gibt“, sagt die Malerin und Grafikerin Katharina Probst. Sie ist zum ersten Mal beim Plenair in Tharandt dabei. Die Tränenkiefer gefiel ihr vom Namen und sie zeichnete eine urige, alte Rosskastanie, die schon ihre zarten Blütenknospen zeigt, mit Ölfarben. „Für mich ist es ein Experiment, draußen zu malen gerade in dieser Jahreszeit“, sagt sie. Ihr Ateliernachbar Michael Klose aus der ehemaligen Schokoladenfabrik in Dresden-Johannstadt ist schon seit vielen Jahren malerisch unterwegs, in der Dresdner Heide, der Sächsischen Schweiz und nun auch im Forstbotanischen Garten. „Es ist schön, mitten in der Natur, der Schöpfung, zu malen mit ihren Geräuschen. Mir gefallen hier die exotischen Bäume, ebenso die Durchblicke und der Ausblick in den Plauenschen Grund“, so Klose. Seine Bilder bewegen sich zwischen abstrakter und konkreter Malerei. Angelika Just ist zum dritten Mal beim Pleinair dabei. „Es macht mir viel Freude und wir hatten immer Glück mit dem Wetter.“ Sie hat ein Bild begonnen, auf dem totes, versteinertes Holz, und dahinter Baumstämme und neues, sprießendes Grün zu sehen sind.
Michele Cyranka wendet sich noch einmal den Himalayabirken zu, die sie vor zehn Jahren schon mal gemalt hat. Zwei Spaziergänger fragen sie mit Blick auf das Gemeinschaftswerk der Künstler, ob es eine Vereinbarung zwischen ihnen gab? „Ja, nicht kloppen! Sonst ist alles erlaubt“, antwortet sie schmunzelnd. Nach der Kunstaktion wurde ausgiebig mit einem Buffet voller selbstgemachter Leckereien im Freien der Frühling gefeiert. Das mit wetterfesten Acrylfarben gemalte Bild bleibt ein Jahr dort in der Natur hängen. Den Hauptweg hinauf ist es zu sehen. Die farbenfroh beschwingte Lebensfreude überträgt sich vom Bild sofort auf den Betrachter. Was will Kunst mehr! Die Ausstellungseröffnung mit weiteren Arbeiten vom Plenair, außerdem von Kerstin Stephan, Sylke Schäfer und Irmfried Müller, findet am 1. September, 18 Uhr in der Kuppelhalle Tharandt statt.
Text + Fotos (lv)


Farbenfrohes gemeinsames Vergnügen: „Eine Kunst ist es auch zu wissen, wann man aufhört und das Bild fertig ist“, sagt Michael Klose.









16 Sonntag Apr 2023


„Es war eine Reise der merkwürdigsten, sonderbarsten und wundervollsten Begegnungen“, schreibt die Künstlerin und Fotografin Rita Goldschmidt im Vorwort ihres Buches „Im Licht der blauen Sonne“ – Isländische Märchen und Legenden (erschienen im NOTschriften Verlag Radebeul 2019). Sie bereiste Island 2016. Ihre Eindrücke und Erlebnisse im Land des wundervollen Lichts und der Trolle, die auf schwarzen Lavafeldern sitzen, aus den Felsen lugen, in Höhlen lümmeln oder durch das unglaubliche Blau des Gletschereises schimmern und sich im Wasserfall duschen, hielt sie fest in fantastischen Landschaftsaufnahmen. Die wundersamen Geschichten dazu werden erzählt von Thomas Gerlach.
Da geht es um Island und seine Vulkane, die den Flugverkehr lahm legen, um die blau scheinende Sonne aus milchigem Himmel und auf bizarrem Geröll sitzende, übermütige, griesgrämige oder von Liebeskummer geplagte Trolle, die Steine herab stürzen lassen, Staub und Asche in den Himmel schleudern, wenn man ihre Heiligtümer missachtet, auf dem Gestein und ihnen herumsteigt oder ihre heißen Wasserquellen und Schlammtöpfe betritt. Da erzählt der Wirt seinen Gästen von weither beim Klang einer Kirchenglocke von den vielen Geistern, die es hier immer noch gibt. Wer aufmerksam ist, kann sie hören und morgens, vor dem Erfrischen im See, wenn das Wasser noch still ist, sogar sehen. Und er erzählte die Geschichte von den drei Frauen, die sich die Geschichte vom ertrunkenen Riesen Einier erzählen.
Abenteuerlich, geheimnisvoll, fantasievoll und skurril sind die in diesem Buch versammelten isländischen Märchen und Legenden, angeregt von der besonderen Schönheit und Eigenarten der Landschaft auf der Insel, ihren Farben, Formen und Licht. Noch heute berücksichtigen die öffentlichen Planungen die Wohnstätten der Geister und nehmen die Menschen lange Umwege in Kauf, um einen Troll nicht zu stören.
Zu hören sind die Geschichten aus Island bei einer Lesung „Im Licht der blauen Sonne“ mit dem Radebeuler Autor Thomas Gerlach am 16. April, um 17 Uhr in der Galerie mit Weitblick, Obere Bergstraße 13, in Radebeul. Dazu werden wunderbare isländische Landschaftsfotos gezeigt.
Außerdem können die Besucher hier reizende Keramikdamen und farbenfrohe, florale Computerdrucke der in Radeburg wohnenden Künstlerin Rita Goldschmidt in ihrer derzeitigen Ausstellung „Zauberhaft“ sehen (siehe Beitrag zur Ausstellung auf meinwortgarten).
15 Samstag Apr 2023
Posted in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart

„Selbstbildnis mit Stab“: Ein Harlekin, Träumer, Idealist und nachdenklicher Zeitbeobachter. Der junge Maler begegnet dem reifen Künstler Markus Retzlaff in einer Ausstellung mit seinem Frühwerk in der Stadtgalerie Radebeul.

Die blauen Blumen der Romantik: das Gesellenstück von Retzlaff in der Porzellanmanufaktur Meißen.

Ein Porträt gleich neben dem Eingag zeigt den jungen Maler in dunklem Arbeitskittel vor lichtem Hintergrund an der Staffelei, mit forschendem Blick, Pinsel und Farbpalette. Im „Selbstbildnis mit Stab“ sitzt er in rotem Mantel, den
Harlekinshut und eine Flasche Wein neben sich, in einer Zimmerecke auf einem viel zu kleinen Schemel, mit Zigarette und langen, schlaksigen wie verknoteten Beinen. „Wie ein Dejavu mit sich selbst“, sagt Markus Retzlaff über diese Wiederbegegnung mit seinen frühen Arbeiten und seinem früheren Ich. Zu sehen sind sie in der Ausstellung „Das Frühwerk“ – Malerei von 1984 bis 1991 anlässlich des 60. Geburtstages des Künstlers derzeit in der Stadtgalerie Radebeul in Altkötzschenbroda 21.
Viele der Bilder haben ihn überrascht, so Retzlaff, die er nach Jahrzehnten
wiedergesehen hat. „Das bewegt natürlich viel in mir selbst.“ Er hat wieder mit Malerei angefangen. Die 1980er Jahre waren eine besondere Zeit. „Diese Zeit hat mich sehr geprägt, die Jahre in Meißen waren das Prägnanteste“, sagt er rückblickend. Mit zehn, elf Jahren begann er zu malen. Die Eltern empfahlen ihm die Porzellanmalerlehre. Doch er wollte nicht sein Leben lang Blumen malen und hörte gleich nach der Lehre 1983 auf, um Maler zu werden. In Meißen gab es eine Künstlerszene im Umfeld der Porzellanmanufaktur. Wolfgang Hänsch war sein Mentor und auch Lothar Sell. Markus Retzlaff arbeitete als freier Künstler und in verschiedenen Jobs, darunter als Tellerwäscher und Friedhofsgärtner. Er war Teil einer Gruppe von Künstlerfreunden, die dichteten, musizierten, zusammen vor der Natur malten, Mappen druckten an einer Druckerpresse, deren Walzen aus Dampflokomotiven stammten und Partys feierten. Das Zentrum der Freundesgruppe war seine „Atelierbude“ am Lerchaweg neben dem Friedhof in Meißen. Künstler von Schiele, Dix bis Rosenhauer und die Franzosen der klassischen Moderne waren ihre Vorbilder.
Ein Schlüsselbild und beeindruckendes Zeitporträt in der Ausstellung in Radebeul ist „Die Fastnacht“, 1985/86 entstanden nach einer der legendären Faschingsfeiern an der Dresdner Kunsthochschule, wo Retzlaff sein Studium gleich im dritten Studienjahr begann und 1994 mit dem Diplom abschloss. Das Bild wirkt traumhaft-surreal und konkret zugleich. Es zeigt eine Frau im kurzen roten Kleid und einer Kugel in der Hand, um sie ranken sich vier Figuren, alles Selbstbildnisse des Künstlers. Der Rebell, der Trommler, der Harlekin und hinter halb zugezogenem Vorhang umarmt ein weißer Clown mit spitzem Hut eine Frau. Das Bild erscheint ihm wie ein Traum aus ferner Zeit, sagt Retzlaff, und war doch wahr. Ein Spiel mit Fantasie, Abgrenzung, Individualität und den eigenen Platz in der Gesellschaft zu finden. Er hat dieses Bild damals für einen Kasten Vollbier an einen Freund abgegeben und dann war es Jahrzehnte weg. Vor fünf Jahren erfuhr Retzlaff, dass dieses Bild bei dessen Eltern in Meißen hängt seit 30 Jahren. Eigentlich gehört dieses besondere Zeitbild in eine öffentliche Kunstsammlung.
„Vieles ist abgetaucht, verschollen und vielleicht ist das beste Drittel hier zu sehen“, so Markus Retzlaff. „Die dunklen Bilder wollte ja keiner.“ Er selbst wollte nie in den Westen ausreisen. „Ich liebte die Dresdner Malerei zu sehr“, sagt er. „Die Kunst war frei. Man wurde doch nicht wegen einem Bild festgenommen.“ Mit Blick auf sich selbst sagt er: „Der andere, der man war, der junge Markus schockt mich. Die Radikalität, mit der er lebte“, so Retzlaff. „Heute ist eine ganz andere Zeit. Das hat der Harry Lübke schon gesagt, der Galerist: ‚Mit dem Westen kam das Geld.` Es geht nur noch um Geld.“ Damals bekam er 25 bis 30 Ostmark für ein Bild. Davon konnte er S-Bahn fahren, Karo-Zigaretten, einen Kasten Bier und Leberwurstbrötchen kaufen, so Retzlaff. Einige seiner frühen Arbeiten hat er aus Privatsammlungen zurückgekauft. In der Stadtgalerie Radebeul hängen Werke von 16 Leihgebern. „Ich bin sehr glücklich über diese Zusammenstellung und Hängung und den Leihgebern dankbar. Die Ausstellung hat einen unheimlichen Klang aus jener Zeit, viel optimistischer als gedacht“, sagt Markus Retzlaff.
Zu sehen sind eine Porzellanvase mit den blauen Blumen der Romantik, sein Gesellenstück, ein paar frühe, figürliche Radierungen mit Punks und Kneipenszenen, Porträts von Freunden, Bekannten und Familie, Selbstbildnisse, Träume, Tristesse, Endzeitstimmung, alte Städte, eine Brücke am Kanal und die lustig im Freien flatternde Wäsche der Frau Raschke, seine Hausnachbarin in Meißen. Jedes Bild erzählt eine Geschichte. Von dem bärtigen Mann vorm Kachelofen, der seinen Dienst bei der Armee verweigerte und als „Der Amnestierte“, hager und desillusioniert sein Blick, wieder auftaucht. Der Malerfreund Mike mit ähnlich wach-träumendem Blick aus dem Norden. In dem Bild seiner ersten Frau Ines mit Karodecke „steckt bisschen Picasso mit drin.“ Sehr schön auch das Porträt von ihr wenige Tage vor der Geburt seines ersten Sohnes.
Das späteste Bild der Ausstellung stammt von 1991 mit dem Titel „Tunnel“ und wirkt erstaunlich zeitlos. Menschen sitzen einzeln, einsam und abwartend an den Tischen einer Kellerkneipe im ehemaligen „Hamburger Hof“ in Meißen, durch das Fenster fällt spärlich Licht auf die Tische. Es sind Bilder aus einer anderen Zeit, die auch heute noch viel Lebendigkeit, atmosphärische Dichte, starke Kontraste und Farbkraft ausstrahlen, faszinieren, bedrücken und berühren mit dem klaren, tiefen, genauen und unbestechlichen Blick des Malers und Grafikers Markus Retzlaff. Sein früheres und heutiges Ich haben sich sicher noch viel zu erzählen. „Da Markus Retzlaff ja mehr als Grafiker bekannt ist, haben wir uns entschieden, frühe Arbeiten von ihm bis zum Beginn des Studiums zu zeigen. Diese besitzen eine große, ungeheure Kraft und hohe Qualität und waren bisher kaum zu sehen“, sagt Stadtgalerist Alexander Lange. Zur Ausstellung wird auch ein Katalog zum Frühwerk von Markus Retzlaff erscheinen.
Text + Fotos (lv)
Geöffnet hat die Stadtgalerie Radebeul:
Die, Mi,, Do von 14 – 18 Uhr und So von 13 bis 17 Uhr





Beeindruckendes Zeitbild: „Die Fastnacht“, das Schlüsselbild in der Ausstellung von Markus Retzlaff.
01 Samstag Apr 2023


Vom Spiel mit Farben & Formen & dem Wesen der Dinge: Zur Ausstellungseröffnung von Fritz Peter Schulze spielte der Jazzmusiker Hartmut Dorschner eine klangreiche Mischung aus erdigen, rauen, sperrigen, sanften, springenden und fließenden, nachspürenden Tönen am vergangenen Sonntag im Weinbaumuseum Hoflößnitz im vollen Besuchersaal.

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Kugelige und kantige Figuren, in hellen und intensiven Farbtönen, stehen sich auf einem Spielbrett gegenüber. Das Schachbrett-Muster zieht sich durch fast alle Arbeiten auf Japanpapier, begleitet von „laufenden Rhythmen“, über die Bildflächen wandernden Linien. So unterschiedlich die Werke in ihrer Darstellung und Wirkung erscheinen, eins ist ihnen gemeinsam: Sie sind alle „konsequent. minimal“, so der Titel der derzeitigen Ausstellung von Fritz Peter Schulze im Sächsischen Weinbaumuseum Hoflößnitz, Knohlweg 37, in Radebeul.
Zu sehen sind abstrakte, farb- und formspielerische Skulpturen, Objekte, Collagen und Assemblagen, die von Rhythmus, Klängen, Polaritäten in der Natur, zeitgenössischer Musik, Schach und östlicher Philosophie angeregt sind, mit teils überraschendem Witz und Hintersinn aus über 30 Schaffensjahren des in Radebeul lebenden Künstlers. Fritz Peter Schulze wurde 1938 in Dresden geboren, ist gelernter Zimmerer, besuchte Abendkurse für Malerei und Grafik und schloss sein Studium für Angewandte Kunst in Schneeberg als Diplomdesigner und Holzgestalter ab. Seit 1973 ist er freiberuflich tätig.
In seinen Arbeiten dominieren einfache Formen, die bei näherem Betrachten weniger simpel und abstrakt erscheinen und sowohl etwas über das Wesen der Dinge als auch über menschliches Sein, das Erkunden, Ausloten der äußeren Form, ihrer Eigenarten und Zusammenhänge außerhalb der Oberfläche, aussagen. Mit der Ausstellung von Fritz Peter Schulze eröffnete das neue Ausstellungsjahr in den Räumen im Bergverwalterhaus. Es ist seine erste seit 20 Jahren. “Der Name sagte mir noch vor drei Jahren nicht viel. Inzwischen besuchte ich Schulzes mehrfach in ihren Ateliers in der gar nicht so finsteren Gasse und war baff, über den parkartig gestalteten Garten mit den vielen kleinen und großen Skulpturen, die in ihrer Größe, Breite und Tiefe eine echte Augenweide sind“, sagte Museumsleiter Frank Andert zur Ausstellungseröffnung am vergangenen Sonntag.
Eine kleine Auswahl der mehrdimensionalen Objekte ist in der Ausstellung versammelt. Dort können die Besucher auch Stimmklang-Collagen und ein Künstlerbuch mit dem Titel „Wirf deine Hand in meinen Fuß“ von 1996 nach Texten und Bildern von Schulze sehen und hören, die fantasievoll wortspielend und klangmalerisch mit mal glockenklarer, geflüsterter und schriller Stimme der Vocal- und Performancekünstlerin Agnes Ponizil vorgetragen werden in Zusammenarbeit mit dem Jazzmusiker Hartmut Dorschner. Er spielte zur Ausstellungseröffnung eine freie Improvisation mit abwechselnd erdigen, rauen, hellen und tiefen, auf und ab schwellenden und fließenden, nachspürenden Klängen auf dem Saxofon passend zu den starken Farbkontrasten in den Collagen von Fritz Peter Schulze.
Seine seriellen Arbeiten auf Papier tragen vieldeutige Titel wie „7 x 7 endSpiel“ von 1989/1999 oder „SchemenSpiel“. „Notate“ und Zeichenhaftes, geometrische Formen und Buchstaben verbinden sich in den Collagen. Ein Blatt zeigt schwarz-weiße, scherenschnittartige Formen wie Puzzleteile, doch keins ist wie das andere. Schön skurril auch das Objekt mit dem „Paar-Code“, ein Holzrahmen bestückt mit farbigen Klötzen, die der Betrachter selbst umstecken, verrücken und neu zusammen setzen kann inklusive Leerstellen ganz nach Belieben und Stimmung. In leuchtend gelb-orangenen und grünen Farbfeldern mit eingefügten Teebeuteln spiegeln sich auf einem Wandbehang im Eingangsraum natürliche Schönheit, Spuren von Vergänglichkeit ebenso wie Muße, Ruhe und Gelassenheit zu bewahren, egal was kommt.
Minimal und wirkungsvoll zugleich strahlt eine Ansicht mit dunklen, kahlen Weinstöcken auf lichtvollem Grund. Markante und verspielte Formen haben auch Schulzes Schachspiele aus farbigem Holz und Porzellan. Eine erdbraune Holzskulptur von 1995 zeigt „König und Bauer“, eine luftige Krone auf bodenständigem Grund ruhend. Die Ausstellung von Fritz Peter Schulze ist noch bis 29. Mai im Weinbaumuseum Hoflößnitz zu sehen.
Text + Fotos (lv)
Geöffnet: Di – So 10 – 18 Uhr







01 Samstag Apr 2023
Posted in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Musik, Projekte, Zwischenmenschliches

Zwischen unverhüllter, purer Lebensfreude & stillem Versunkensein: Der 92-jährige Künstler Johannes Peschel zeigt vielgestaltige Bildhauerarbeiten aus vier Schaffensjahrzehnten in der derzeitigen Ausstellung im Einnehmerhaus Freital.


Eine Dame aus Stein nimmt ein Sonnenbad am Fenster. Die Umrisse der aufblühenden Zweige scheinen durch die Jalousien herein. In den lichtdurchfluteten Räumen wirken auch die anderen Figuren noch heller, strahlender, passend zum Frühlingsbeginn. Ihre Formen und Gesichter sprechen ausdrucksreich mit dem Betrachter. Mal heiter, versonnen, offen, mal in sich versunken, allein und zu zweit, umhüllend, unverhüllt, prall, grazil und kantig: Beschützer, Träumerin, Büßer, Fragende, Faune, Paare, tanzende Berber, ein Mann mit Gesichtsmaske, Bekümmerte, sich Schützende, Verzweifelte, Streithammel, Aufsteigende und Stürzende. Jede der „Skulpturen“ von Johannes Peschel erzählt eine besondere Geschichte, in Stein gemeißelt, sinnlich und lebensprall. Begegnen und lauschen können ihnen die Besucher in der am vergangenen Sonnabend mit viel Resonanz eröffneten Ausstellung des Künstlers und gut gefülltem Spendentopf für die Arbeit des Kunstvereins Freital im Einnehmerhaus auf der Dresdner Straße 2.
Die Arbeiten des „Altmeisters Dresdner Bildhauerkunst“, Johannes Peschel, Jahrgang 1931, so die Kunstwissenschaftlerin Karin Weber in ihrer Laudatio, sind an vielen öffentlichen Plätzen in Sachsen und auch in Brandenburg zu bestaunen. Inzwischen 92-jährig, strahlt er immer noch eine unbändige Lebensfreude aus und sein Schaffensdrang ist ungebrochen. Johannes Peschel lebt mit seiner Frau Eva, die ebenfalls als Bildhauerin tätig ist, seit den 1980er Jahren auf dem liebevoll ausgebauten Jungmichelhof in Altburgstädtel 18 in Omsewitz, wo auch zahlreiche seiner Figuren stehen. In seiner ersten Einzelausstellung seit längerem zeigt Johannes Peschel Arbeiten aus vier Schaffensjahrzehnten, kleinere und größere Figuren, sitzende, stehende und liegende und Reliefs, aus Sandstein, Kalkstein, Zementguss, Marmor, Serpentin und Ton, die neben- und miteinander wirken und mit dem Betrachter kommunizieren. Mit zauberhaften, zarten und kraftvollen Violinenklängen brachte der Musiker Steffen Gaitzsch die Steine „zum Klingen“ zur Ausstellungseröffnung.
„Johannes Peschel liebt historische, behauene Steine mit eigener Geschichte, die nach Restaurierungsarbeiten einfach entsorgt werden sollten. Einige solcher Steine hat er mühsam gerettet, etwa Fensterrippen und genutzt für eigene skulpturale Erfindungen, wie in der Skulptur ,Aufsteigender`“, sagte Karin Weber zum Werk des Künstlers. Er sei auch ein herausragender Zeichner. Bis heute fertigt er Ideenskizzen an, nach denen die tönernen Modelle entstehen. Dann wird ein passender Stein gesucht. Die Kunst Peschels erzähle von einer „tiefen Sehnsucht nach Harmonie, Poesie, als Vision, die Entzauberung der Welt aufzuheben, sinnlich, verinnerlicht als Metapher für ein Menschsein, das Himmel und Hölle einzuschließen vermag.“ Sein Interesse gelte den Archetypen des Lebens. Seine Werke entführen in Welten des Dazwischen, in denen Erlebtes, Erahntes, Erfühltes und Ertragenes spürbar wird, so Karin Weber.
Johannes Peschel stammt aus Kamenz und lernte in der Steinmetzfirma seines Vaters. Danach war er als Bildhauerlehrling in der Werkstatt bei Werner Hempel in Dresden, der sein Förderer war. Von 1953 bis `58 studierte Peschel an der Dresdner Kunsthochschule, Abteilung Plastik bei Prof. Walter Arnod. Außerdem arbeitete er bis 1958 an vielen denkmalpflegerischen Projekten mit. So brachte Peschel in einer wagemutigen Aktion die Krabben auf einem der Türme der Str. Afra-Kirche auf dem Burgberg in Meißen an, war gemeinsam mit Vinzenz Wanitschke und Egmar Ponndorf mit der Restaurierung am Altar der Frauenkirche und des Dresdner Schloss befasst. Er gestaltete die Lessingstele in Kamenz und wurde bekannt mit seinen Klettertieren wie dem Rutschelefanten.
Ende der 1980er Jahre wurde ein Denkmal für die Helden der Sowjetarmee auf dem Platz der Jugend in Freital eingeweiht, das Peschel jedoch ohne heroisches Pathos schuf, das als Antikriegsdenkmal vielmehr Tod und Trauer zeigt und damit zeitlos berührend bis heute Bestand hat und mit gesenkten Waffen menschliche Friedfertigkeit anmahnt. Die Midissage der Ausstellung mit Zimmerkonzert findet am 29.4., 17 Uhr statt, bei dem Annette und Ulrich Thiem & Freunde mit „Bach & Blues“ zu Gast sind. Zur Finissage gibt es ein Künstlergespräch mit Johannes Peschel am 20.5., 15 Uhr im Einnehmerhaus.
Text + Fotos (lv)
Geöffnet: Di und Fr 16 – 18 Uhr, Do und Sa 10 – 17 Uhr und So 14 – 17 Uhr
http://www.kunstvereinfreital.de






16 Donnerstag Mär 2023
Sie gehöre zu den prägenden Künstlerinnen in Dresden und darüber hinaus, begründete die Jury ihre Auswahl nach Rathausangaben vom Donnerstag. Ihr in über 40 Jahren entstandenes Werk sei sehr vielgestaltig und -schichtig, zudem lobten die Juroren Hampels Eintreten für die Sichtbarkeit der Frauen in der Kunst. Mit der Expressivität ihres Malstils und der Wahl von Sujets und Motiven setze sie „männlichen Machtstrukturen die Selbstermächtigung des Individuums“ entgegen.
Hampel, die aus der Lausitz stammt, studierte an der Dresdner Kunstakademie, arbeitet seit 1982 freischaffend und ist Mitbegründerin der Künstlerinnengruppe Dresdner Sezession 89. Zentrale Themen ihres Schaffens sind laut Jury die Autonomie des Weiblichen und das Recht auf die selbst zu verantwortende Handlung. Ihr Oeuvre sei ein Crossover, das von Malerei, Grafik und Zeichnung über Skulptur und Performances bis zu Film und literarischer Poesie reiche.
„Diese Stadt ist mir – mit all ihren Facetten – ans Herz gewachsen, auch wenn manche Entwicklungen (nicht nur) mir zunehmend Schmerzen bereiten“, sagte die 67-Jährige. Sie versuche, „diese meine schöne, immer noch grüne und lebenswerte Stadt“ mit den Mitteln der Kunst zu erhalten und mitzugestalten. Die Anerkennung dessen „freut und ehrt mich gleichermaßen“, sagte sie.
Zwei mit je 5000 Euro dotierte Förderpreise wurden an die iranische Künstlerin Nazanin Zandi und die Breakdance-Gruppe The Saxonz vergeben. Die Auszeichnungen werden seit 1993 jährlich vergeben, diesmal gingen 34 Vorschläge dazu ein. Die Übergabe der Auszeichnungen ist für den 19. Juni geplant. Text: © dpa
11 Samstag Mär 2023

Anemonen, Gemälde von Theodor Rosenhauer


Im Blütenmeer. Natur und Kunst in schönster Fülle vereint: meinwortgarten-Inhaberin Lilli Vostry in der Frühlingsblumen- und Floristikausstellung im Palais im Großen Garten.















Die Natur führt sich auf. In all ihrer Blütenpracht und Fülle der Farben und Formen lockt sie zurzeit in der Ausstellung „Dresdner Frühling im Palais“ im Großen Garten. Veranstaltet wird sie von der Fördergesellschaft Gartenbau Sachsen und Schlösserland Sachsen. Mit rund 40 000 blühenden Pflanzen ist sie die bedeutendste Frühlingsblumenschau in Deutschland. Mit langer Tradition. Die Wurzeln reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. 1828 war die erste öffentliche Ausstellung seltener Früchte und Gewächse im Palais zu sehen. Ab 1887 gab es Internationale Gartenausstellungen in Dresden. Später wurde auch die Blumenbindekunst Teil der Gartenbauausstellungen. Daran knüpft der „Dresdner Frühling im Palais“ an. Das Motto der neunten Ausgabe in diesem Jahr heißt: „Wie gemalt – Blütenpracht mit Künstlerhand“.
Aus heimischen Blumen und kunstvoller Floristik haben Gärtner und Floristen, inspiriert von Meisterwerken der Malerei, begehbare Raumbilder geschaffen. Sie verwandeln die Bilder der Künstler zurück in lebendige, duftende und dreidimensionale Blütenwelten. Da ist der Strauß mit zarten Anemonen aus dem Bauerngarten des Dresdner Malers Theodor Rosenhauer (1901 – 1996). Da ist der Maler als Gärtner zu sehen. Da verschmelzen Blühendes, Bäume und Landleben auf den Leinwänden in expressiv leuchtenden Farben und die Blumenstillleben davor fast im „Atelier im Grünen“ der Dresdner Malerin Mandy Friedrich, die vor ihrem Kunststudium eine Ausbildung zur Floristin abgeschlossen hatte.
Ein Raum ist Gustav Klimts Gemälde „Buchenwald I“ nachempfunden, das in der Gemäldegalerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zu sehen ist Die von wenigen Lichtstrahlen durchzogenen, dunklen Baumstämme tragen oben türkis und stehen in einem Blütenmeer im „Frühling im Wald“ im letzten Raum der Ausstellung. An den Raumseiten hängen gelbe Ginkoblattranken, sprießen kugelige Gewächse, Purpurglöckchen, schwingen und wogen farbenfrohe, gefiederte Tulpen gehalten von Zweigen.
Da treffen sandsteinerne Figuren der klassische Mythologie und aus dem Reich der Flora, grazile Damen und pausbäckige Putten auf Blütenschönheiten in zarten und kräftigen Farbtönen. Da schweben helle Papierschirme wie offene Blütenkelche über den blühenden Pflanzen. Schaut man auf sie durch Bilderrahmen und wandelt entlang einer schwungvollen Brücke wie im Garten von Monet, dem großen französischen Landschaftsmaler, in Giverny bei Paris. Betörender Duft, Vogelzwitschern, sanfte Musik, ein Boot am Rand vom Blumenmeer begleiten die BesucherInnen, laden zum Verweilen und Genießen ein. Immer wieder werden Fotokameras und Fotohandys gezückt, um de bezaubernde und vergängliche Blütenpracht festzuhalten. Überall beglückt lächelnde Gesichter… nach dem Gewitter am Nachmittag, darauf folgendem Sonnenschein und Schlangestehen ohne Murren am Freitagabend vorm Palais im Großen Garten. Dann die Blütenfülle. Traumhaft schön! Und beim Anschauen wachsen Sehnsucht und Vorfreude auf die bald draußen wiedererwachende, farbenprächtig erblühende Natur und Gärten.
Die Ausstellung „Dresdner Frühling im Palais“ ist noch bis 12. März täglich von 9 – 20 Uhr zu sehen.
Text + Fotos (lv)
http://www.dresdner-fruehling-im-palais.de



Farbreich blühende Bilder- und Pflanzenwelt: Im „Atelier im Grünen“ der Malerin Mandy Friedrich.






„Der gute Hirte“, Bild von Mandy Friedrich















Blumengarten im Palais
Die Blüten ranken
wiegen und wogen
paradiesisch
kennen kein Heute kein Morgen
nur den Augenblick
in dem sie ihren Zauber und Duft
verströmen
ein Boot steht am Rand
vom Blumenmeer
still ruht die Zeit
in unendlicher Farbenfülle
aufspringende Knospen
blühen auf vergehen
unmerklich im Farbenstrom
auf den Leinwänden Blühendes
überdauert
hinter den Fenstern im Palais
barocker Glanz
gezeichnet von der Zeit
raue Einschnitte
sprießen Blumenwiesen und kunstvolle
Gewächse schweben zarte Gräser und Blüten
und helle Papierschirme wie offene
Blütenkelche an langen Stielen
zum Steinerweichen schön
blicken und tummeln sich entzückte
Sandsteinfiguren auf ihren Sockeln
vor all den prächtigen Tulpen Anemonen
Azaleen und wildem Mohn
schon morgen sind sie im Palais
wieder allein der Blütenzauber zieht nach
draußen vielleicht auf die leere Wiese weiter
hinten die Baumstümpfe umzäunt die anderen
brüchigen Baumriesen
wer weiß
Frühling stellt sich ein
LV
12.3.2023










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Blütenzauber: Meine ersten Anemonen in diesem Jahr.
09 Donnerstag Mär 2023

Bilder voller Farbkraft: Die junge Künstlerin Nancy Räder in ihrer ersten Ausstellung in der Lifeart-Galerie, Dresdner Straße 172A in Freital. Ihre Arbeiten fanden viel Zuspruch zur Eröffnung und tragen schon einige rote Punkte.



Das Leben ist Farbe. Farbe ist Leben. Sie strömen, flirren, leuchten frühlingsbunt, türkis, sattgrün auf den Leinwänden. Sie kreiseln und schweben über Abgründen und wirbelnden Tiefen. Leben in allen Gefühlsfarben spiegeln die intensiv farbigen, ausdrucksstarken, abstrakten Farblandschaften & Gedankenbilder auf langen Papierbahnen von Nancy Räder in ihrer ersten Ausstellung, die am vergangenen Freitagabend in der Galerie im Lifeart – Soziokulturelles Zentrum auf der Dresdner Straße 172A in Freital eröffnete.
Wie bunt schillert die Leinwand deines Lebens?, fragt Nancy Räder. Und zeigt ihre eigene, nuancenreiche Farbpalette unter dem Titel „Silber Wind – künstlerische Brise für Geist & Seele“ in diesem Kulturtreff. Die 26-jährige arbeitet als Sport- und Bewegungstherapeutin in einer Klinik und begleitet viele Patienten in deren Rehabilitation mit achtsamen Angeboten wie der tiergestützten Therapie mit Schafen oder dem Waldbaden. In der Natur findet sie auch viele Anregungen für ihre Bilder. Nancy Räder hat ein feines Farbgespür und eine schon erstaunlich ausgeprägte Handschrift. Sie arbeitet seit drei Jahren künstlerisch. Mit der Ausstellung ist ein Traum in Erfüllung gegangen. „Mit den Farben lasse ich meine Gefühle sprechen und möchte andere inspirieren“, sagte sie bei der Ausstellungseröffnung. Die Bilder hängen, an den schlicht weißen Wänden ihre ganze Farbkraft entfaltend, über zwei Räume verteilt, einige kleinere liegen auf den Fensterbrettern. Sie sind alle ohne Titel. „Die Bilder sollen ganz frei sein für den Betrachter, was er darin sieht“, so die junge Künstlerin. Begonnen bei dem roten, lichtfunkelnden Schmetterling, der auf einer kleinen Staffelei in der Mitte des Raumes steht, einer grün-blau schimmernden Teichlandschaft und Wasserspiegelungen über Blühendes, goldene und erdfarbene Blätterspiralen, zarte, kraftvolle und dunkle Blautöne.
Nancy Räder malt gern zu Klaviermusik, die mal ruhig, meditativ, mal expressiv und stimmungsreich auch in der Ausstellung zu hören ist. Ihren leuchtend farbigen Bildern hat sie eine Menge herz- und geistvoller Gedanken und Sprichwörter über Liebe, Glück, Wandel, Veränderung und das Meer der unendlichen Möglichkeiten beigefügt. „Liebe bedarf nichts anderes als zu sein. Sie braucht keine Gründe und hat keine Grenzen“, steht da und: „Die Art und Weise wie wir über uns selbst denken, führt zu der Welt in der wir leben. Die Welt ist bunt und voller Farben!“ Die bereits beachtlichen, verschiedenen künstlerischen Techniken im Umgang mit Acrylfarben und Mischtechniken mit Lackspray auf Wasser bis zu strukturrreicher, pastoser Malerei lernte Nancy Räder bei dem erfahrenen Dresdner Kunstmaler Fritz Wolf.
„Das Farbverständnis hat sie mitgebracht. Sie hat ein großes Talent mit Farben zu komponieren“, sagt er über die Bilder von Nancy Räder. Seine Arbeiten werden mit ihren im „spannenden Zwiegespräch“ zur Finissage der Ausstellung am 16. Juni., 18 Uhr zu sehen sein. „Für uns ist es auch eine Neubelebung der Lifeart-Galerie nach der Corona-Zeit. Wir wollen vier Ausstellungen im Jahr zeigen, vor allem von noch unbekannten Künstlerinnen und Künstlern“, sagt Marcel Stimpel, Mitarbeiter im Soziokulturellen Zentrum, der als Foto- und Videograf die Veranstaltungen festhält. Das Lifeart ist ein Zusammenschluss von inzwischen rund 15 Vereinen, die als kulturelles Netzwerk an vielen Standorten in Freital für vielseitige Bildungs- und Kulturangebote für alle Altersgruppen und Familien sorgen. Die Ausstellung von Nancy Räder ist noch bis 16. Juni zu sehen. Offene Galerie und Künstlergespräch ist jeden Donnerstag von 16.30 bis 19 Uhr und nach Vereinbarung.
Text + Fotos (lv)
Weitere Infos unter http://www.lifeart-tv.de






Das ist jetzt meins. 🙂











08 Mittwoch Mär 2023

Galerie als Laufsteg: Farben- und lebensfrohe Tondamen wie diese namens Elise, eine bezaubernder als die andere, sind in der derzeitigen Ausstellung in der Galerie mit Weitblick in Radebeul zu bewundern.



Charme des Zille-Milieus trifft schillernde Modewelt


Heiter-entzückendes Spiel mit Farben und Formen: die Keramikerin Rita Goldschmidt vor ihrem unikaten Schachspiel in der Galerie mit Weitblick.
Farben- und lebensfrohe Damen, originelle Schach- und Zillefiguren, Modezar, Trinker und Tango Tanzende. Eine illustre Figurenschar tummelt sich in der derzeitigen Ausstellung „Zauberhaft“ von Rita Goldschmidt in der Galerie mit Weitblick, Obere Bergstraße 13, in Radebeul. Die bereits 25. Kunstschau feiert die Schönheit des Lebens, ohne die Schatten zu übersehen.
Zu sehen sind opulent farbige, reizvolle Keramiken und fantastische Computergrafiken der in der Zillestadt Radeburg lebenden und arbeitenden Künstlerin. Drei entzückende, lebenspralle Damen in leuchtend roten und himmelblauen Kleidern stehen im leeren, efeuumrankten Brunnen vor der Galerie. Die Tonfrauen in der Ausstellung haben sich fesch in Schale geworfen. Sie heißen Karoline, Elise, Barbara, Magdalena, Martina, Lina, Isabella und Anne. Ihre Körper sind grazil, gertenschlank oder üppig geformt. Sie tragen wundervolle Kleider, schulterfrei, mit Dekolletée, kunstvolle Frisuren und blumige Hüte oder offen wehendes Haar. Sie sehen mal verführerisch, verträumt mit gespitztem Mund kussbereit, verschmitzt, stolz und selbstbewusst, schrill und lässig aus. Ihr Gesichtsausdruck sagt: „Mir kann keiner was!“
Jede dieser Frauenfiguren verzaubert auf ihre eigene Weise den Betrachter. „Paris“ ist eine elegante Dame im Charlestonkleid mit rotem Blütenhut und sitzt auf einem Chaiselounge, umrahmt von Karl Lagerfeld mit Model, Dandy und weißer Katze zu seinen Füßen. Ein paar Schritte weiter trifft man Zillefiguren wie eine Großmutter adrett mit Kinderwagen, Leierkastenmann und Trinker mit leeren Flaschen. Da steht die große Modedame Coco Chanel, die für ihren klaren Stil berühmt ist, einfach und edel zugleich in hell schimmerndem Ton. Ein Mann im schwarzen Anzug sitzt auf einer blauen Kugel, darauf steht ein Spruch frei nach Konrad Adenauer: „Wir müssen die Menschen nehmen wie sie sind, es gibt keine Anderen!“ Ein besonderer Blickfang ist ein unikates Schachspiel mit eigenwillig skurrilen Figuren, weiß und terracottafarben mit Aufglasur von 2020. König und Königin übergroß, die Läufer wie Harlekine und die Bauern tragen Zipfelmützen. Rita Goldschmidt spielt selbst gern Schach und hat ihr Brettspiel für den Garten gefertigt.
Bei ihren Keramikfiguren habe sie manchmal eine bestimmte Person vor Augen, Freundinnen, Bekannte oder eine Figur aus einem Theaterstück. Oder sie sucht nach einem Namen, der die Anmut und den Charakter ihrer Keramikdamen ausdrückt. „Die Glasur ist wie eine Diva und man weiß nie, wie es wird“, sagt Rita Goldschmidt über die Arbeit mit Ton. „Man muss sich überraschen lassen.“ Erst nach dem Brand sieht sie die Farben. Die rote Glasur wird mal heller, mal dunkler. Rita Goldschmidt modelliert ihre Figuren intuitiv, spontan. Das Formen mit Ton, Bemalen und Glasieren hat sie sich selbst angeeignet. Für eine Figurengruppe mit dem Titel „Die Wahrheit stört zuletzt“ wurde sie mit einem Sonderpreis beim Heinrich-Zille-Karikaturenpreis 2019 ausgezeichnet. Farb- und formspielerisch sind auch ihre Computergrafiken, darunter ein Adler mit gelb-blauen Linienschwüngen, inspiriert von den Streifen-Bildern von Gerhard Richter, schwungvolle geometrische Formen als Hommage an den Kubismus, pflanzliche Motive in leuchtenden Farbtönen und marmorierte Flächen.
Rita Goldschmidt wurde 1957 in Dresden geboren und ist im Elbtal zwischen Bosel und Spitzgrund aufgewachsen. Sie studierte Ökonomie und war im Bereich Marketing in der Porzellanmanufaktur Meißen für die Präsentation der Ausstellungen zuständig. Seit 2014 ist sie freiberuflich als Künstlerin in ihrer Keramikwerkstatt und Atelier in Radeburg tätig. Sie war bereits viel auf Reisen und hält ihre Eindrücke gern in Ton fest. Eine Augenweide! Nach einer Island-Reise entstand das Buch „Im Licht der blauen Sonne“ – isländische Märchen und Legenden mit zauberhaften Fotografien von Rita Goldschmidt und erzählt von Thomas Gerlach, erschienen im Notschriften-Verlag Radebeul. Eine Lesung daraus gibt es am 16. April, 17 Uhr in der Galerie mit Weitblick. Die Ausstellung ist noch bis 25. Juni zu sehen.
Text + Fotos (lv)
Geöffnet: Sa und So von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung.