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Kategorien-Archiv: Poesie

Neue Lyrik: Verbunden & Wasser des Lebens & Allein mit Worten & Gereimtes

09 Freitag Sept 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Poesie

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Verbunden

An niemanden und nichts
gebunden
aber allem verbunden
stehe ich in der Welt
mir manchmal selbst
im Weg

zwei Katzen und viele Bücher
leben bei mir
beäugen betrachten
schmusen flusen
kommen und gehen
wie sie wollen
wie ich

rau und zärtlich
laut und leise
tost die Reise
die sich Leben nennt

LV
8.9.2022

Wasser des Lebens

Regenrauschen hält den Tag an
schneidet mir den Weg ab zum See
ein letztes Mal eintauchen
nachsehen ob die Blaualgen
sich aufgelöst haben

die Erdbeerpflanze auf dem Balkon
bleibt grau und welk
vor Tagen schon ertrunken
zu viel gegossen
die weißen Blüten und wenigen roten Beeren
wollte sie vermehren

goss und düngte sie eifrig
doch aus mehr
wurde nichts
mehr
wo nichts war sprossen
auf einmal zart violette Blumen
aus den Blättern ragen feine Antennen

LV
8.9.2022

Allein mit Worten

Ein Gesicht auf einer Karte
der Mensch darauf ihr fern
seine Worte gehen ihr nahe
sein Blick lässt sie nicht los
die großen dunklen sprechenden
forschenden Augen

als könnten sie jedes
noch so verborgene Geheimnis im anderen ergründen
sie liebt die Worte wie er
wie er sie verwebt und verwandelt in die Urwälder des Seins
tauchende schamanenhafte Poesie

doch er sah
sie nicht
kaum auf von seinen Büchern
als er las all die umwerfend komisch wie traurigen
Geschichten aus einer anderen Zeit
vom Weggehen Aufbruch
geplatzten Träumen

und der Sehnsucht nach dem Meer
das schon weit vorher beginnt
wenn man den Fuß
auf weichen weißen Sand setzt
und die Kiefernwälder auftauchen
mit ihrem hin und her flimmernden Licht

das sie einen Moment verband

LV
8.9.2022

Gereimtes

Seit Stunden lieg ich auf der Lauer
doch die Reimworte lassen sich nicht fangen
ziehen schelmisch grinsend von dannen
mir wird immer flauer

leg ich mich auf`s Ohr
sprudeln und drängeln sie hervor
klettern wortlustig auf der Versleiter empor
und wirbeln alles durcheinander entfesselter Chor

beflügeln die Reime
oder bremsen sie die Fantasie
will ich wissen jetzt oder nie
dann geht es wie von alleine

LV
8.9.2022

Texte + Fotos: Lilli Vostry

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Lesung mit dem Schriftsteller & Lyriker Lutz Seiler in der Buchhandlung LeseZeichen in Dresden

05 Montag Sept 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Literatur, Poesie

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Rückkehr in den Heimathafen der Poesie

Der gefeierte Autor Lutz Seiler liest am 7. September, 19.30 Uhr aus seinem neuen Gedichtband „Schrift für blinde Riesen“ und seinem Roman „Stern 111“ im LeseGarten der Buchhandlung Lesezeichen auf der Prießnitzstraße 56 in der Dresdner Neustadt.

Nach dem mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Bestseller Kruso führt Lutz Seiler in seinem neuen Roman die Handlung fort: Stern 111 ist Roadtrip, Berlinroman und die Geschichte einer Familie, die der Herbst 89 sprengt und die nun versuchen muss, wieder zueinanderzufinden. Während seine Eltern in den Westen gehen, flieht Carl nach Berlin, um dort durch das archaische Chaos der Nachwendezeit zu schlingern.

»Stern 111 ist ein Roman voll knallhart herzergreifender Psychologie, voll Szenen, in denen Menschen an einer Wirklichkeit rütteln, die sich gerade neue Gesetze gibt.« (Paul Jandl, NZZ)

Aber Lutz Seiler kehrt, nach zwei Romanen, auch in den Heimathafen der Poesie zurück: In seinem neuen Gedichtband Schrift für blinde Riesen erklingen die Stimmen der Kindheit, geht es ins Waldstadion, in einen Knochenpark und zu den blinden Riesen der Antike.

Im LeseGarten in der Prießnitzstraße sind sie nun beide, der Dichter und der Romancier, in Lesung und Gespräch zu erleben.

Moderation: Volker Sielaff

Eintritt frei

In Kooperation mit dem Literaturforum Dresden e.V.

https://literaturnetz-dresden.de/veranstaltungen/lutz-seiler-liest/

Und hier zum Vorbereiten ein Gespräch zum Roman „Stern 111“

https://literaturnetz-dresden.de/mediathek/stern-111-ein-gespraech-zum-roman-von-lutz-seiler/

Mit besten Grüßen,
Jörg Scholz-Nollau — Mo-Fr. 10-13 und 15-19 Uhr, Sa. 10-14 Uhr Buchhandlung LeseZeichen Priessnitzstrasse 56 01099 Dresden Inh.: Jörg Scholz-Nollau Tel. 0351-8033914 Fax 0351-8033915 www.buchlesen.de info@buchlesen.de

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Lange Nacht der Literarischen Alphabete mit Nadja Küchenmeister, Slata Roschal und Jan Wagner im Landhaus/Stadtmuseum Dresden

02 Freitag Sept 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Kultur, Lebensart, Literatur, Poesie

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„Ansichten und Ängste wie weiche warme Tiere austauschen“

Zur Langen Nacht der Literarischen Alphabete lesen die LyrikerInnen Nadja KÜCHENMEISTER, Slata ROSCHAL und Jan WAGNER aus ihren neuesten Büchern am Freitag, 2. September, 19 Uhr im Landhaus Dresden (Stadtmuseum,  Städtische Galerie), Wilsdruffer Str. 2.

Selten besteht die Gelegenheit, mehrere literarische Stimmen an einem Abend zu erleben. Die „Literarischen Alphabete“, eine der bekannten Leserreihen der Stadt, möchte, zusammen mit den Museen der Stadt Dresden und mit Ihnen, dem Publikum, der Sprache einen kurzweiligen Abend bereiten: Der Titel der Reihe ist Programm: es gibt viele Stimmen, viele Alphabete!
Wir laden ein zur „Langen Nacht der Literarischen Alphabete“. Mit großen Namen der deutschsprachigen Lyrik, wie dem mit dem Deutschen Buchpreis geehrten Jan Wagner, wie Nadja Küchenmeister, deren Buch „Im Glasberg“ unlängst Furore machte, wie Slata Roschal, deren zweiter Gedichtband „Wir tauschen Ansichten und Ängste wie weiche warme Tiere aus“ im Jahr 2022 zu den „Lyrikempfehlungen“ der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung zählte.a

Ab 19 Uhr wird jeweils eine Autorin oder ein Autor aus seinen neuesten Büchern lesen, danach besteht die Möglichkeit, in einer kurzen Pause miteinander ins Gespräch zu kommen, etwas zu trinken oder den Sternenhimmel draußen zu genießen. Zu jeder vollen Stunde folgen dann bis ca. 22 Uhr weitere Lesungen. Drei Autorinnen bzw. Autoren, dreimal Literarische Alphabete.

Wein und Bücher: Buchhandlung „LeseZeichen“.

Die Autorinnen und Autoren:

Slata Roschal, geboren 1992 in Sankt Petersburg. Aufgewachsen in Schwerin. Studium in Greifswald, Promotion in München. Zahlreiche Stipendien und Preise, darunter Literaturpreis Mecklenburg-Vorpommern und Arbeitsstipendium des Freistaates Bayern. Lyrikbände Wir verzichten auf das gelobte Land und Wir tauschen Ansichten und Ängste wie weiche warme Tiere aus, lyrischer Roman 153 Formen des Nichtseins.

Nadja Küchenmeister, geboren 1981 in Berlin, wo sie auch aufwuchs und heute als freie Autorin lebt. Sie studierte Germanistik und Soziologie an der TU Berlin sowie am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Veröffentlichte Gedichte und Prosa in zahlreichen Zeitschriften und Anthologien, lehrte u. a. am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und arbeitet für den Rundfunk, für den sie auch Hörspiele und Feature schreibt. Ihr erster Gedichtband „Alle Lichter“, der 2010 bei Schöffling & Co. erschien, wurde im Juni desselben Jahres von der Darmstädter Jury zum „Buch des Monats“ gewählt. 2014 erschien ihr zweiter Gedichtband „Unter dem Wacholder“, 2020 ihr dritter Gedichtband „Im Glasberg“. Basler Lyrikpreis 2022.

Jan Wagner, geboren 1971 in Hamburg, lebt seit 1995 in Berlin. Er ist Lyriker, Übersetzer englischsprachiger Lyrik (unter anderem von Charles Simic, James Tate, Simon Armitage, Matthew Sweeney, Jo Shapcott und Robin Robertson) sowie Essayist. Sein erster Gedichtband „Probebohrung im Himmel“ erschien 2001, gefolgt von „Guerickes Sperling“ (2004), „Achtzehn Pasteten“ (2007) und „Australien“ (2010) sowie der Essaysammlung „Die Sandale des Propheten. Beiläufige Prosa“ (2011). Für seine Gedichte, die für Auswahlbände, Zeitschriften und Anthologien in vierzig Sprachen übersetzt wurden, erhielt er unter anderem den Preis der Leipziger Buchmesse (2015) und den Georg-Büchner-Preis (2017). Jan Wagner ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, der Freien Akademie der Künste in Hamburg sowie des P.E.N.-Zentrums Deutschland.

Literaturforum Dresden e.V. in Kooperation mit den Museen der Stadt Dresden.

Gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtages beschlossenen Haushaltes. Gefördert von der Landeshauptstadt Dresden, Amt für Kultur- und Denkmalschutz.der Landeshauptstadt Dresden.
Anreise: Linien 1, 2, 3, 4, 7, 12, 62, 75 Pirnaischer Platz
Die Lesung ist barrierefrei zugänglich.

Vor der Lesung: Literarische Alphabete – Lange Nacht am 2. September im Stadtmuseum haben Sie noch die Möglichkeit die Ausstellung ANGELA HAMPEL: DAS KÜNSTLERISCHE WERK in der Städtischen Galerie bis 19 Uhr anzuschauen.

https://galerie-dresden.de/index.php?node=153

Der Eintritt ist freitags frei!
Da die Ausstellung nur noch bis zum 11. September zu sehen ist, sollten Sie die Gelegenheit unbedingt nutzen.

Außerdem gibt es hier in der Buchhandlung LeseZeichen, Priessnitzstr. 56 die Ausstellung
ANGELA HAMPEL – SO SACHEN GETAN
Arbeiten auf Papier zu Künstlerbüchern.
19.8. 2022 – 18.1.2023

Mit besten Empfehlungen,
Jörg Scholz-Nollau

—
Mo-Fr. 10-13 und 15-19 Uhr, Sa. 10-14 UhrBuchhandlung LeseZeichen
Priessnitzstrasse 56
01099 DresdenInh.: Jörg Scholz-NollauTel. 0351-8033914
Fax 0351-8033915
www.buchlesen.de
info@buchlesen.de

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„So Sachen getan“ – Lesung & Ausstellungseröffnung mit Angela Hampel & Roza Domaczyna in der Buchhandlung LeseZeichen

18 Donnerstag Aug 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Musik, Poesie, Projekte

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Eigene Bildsprache & Poesie: Eins der Frau-Tier-Paare von Angela Hampel aus einer früheren Ausstellung. Foto (lv)

Graphik und Gedichte im Zwiegespräch

Eine Lesung und Ausstellungseröffnung mit dem Titel „So Sachen getan“ mit Graphik vom Angela Hampel und Gedichten vom Róza Domascyna gibt es am 19. August, 19.30 Uhr im LeseGarten der Buchhandlung LeseZeichen, Prießnitzstraße 56 in Dresden.

Sie können auch bei Regen kommen!

Bei schwächerem Regen haben wir eine Überdachung. Sollte es starken Regen geben, haben wir die Möglichkeit, um die Ecke in die Kulturschlosserei; Bischofsweg 31 auszuweichen.

Eine große Bereicherung bezieht Angela Hampel aus der Literatur und Sprache. So arbeitete sie schon frühzeitig mit Schriftstellern und insbesondere Lyrikern und Lyrikerinnen zusammen. Es entstanden zahlreiche Künstlerbücher, u.a. mit Elke Erb, Kerstin Hensel, Róža Domašcyna und Michael Wüstefeld. So werden einige Arbeiten aus diesem Bereich ihres Schaffens zu sehen sein.

Es liest Róža Domašcyna.
Dazu musiziert Thomas Friedlaender auf verschiedenen Instrumenten.

Angela Hampel, geboren 1956 in Räckelwitz bei Kamenz, lernte zunächst Forstfacharbeiterin, ehe sie an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste Malerei studierte. Seit 1982 arbeitet sie freischaffend in Dresden. Ab 1987 zeigte sie erste Performances, Installationen und Environments und veröffentlichte in den Literaturzeitschriften Bizarre Städte und Sondeur. 1989 war sie eine der Mitbegründerinnen der Dresdner Sezession 89. Sie schuf 1998 in einem Gemeinschaftsprojekt mit Bonner Kollegen die Plastiken Undine kommt und Undine geht, die heute an der Molenbrücke in Pieschen sowie am Elbufer in Johannstadt stehen. Ihre Malerei, Installationen und Grafiken sind in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland zu finden.

Róža Domašcyna wurde 1951 in Zerna bei Kamenz geboren und lebt heute in Bautzen. Von 1979 bis 1984 studierte sie Ingenieurökonomie des Bergbaus an der Ingenieurschule für Bergbau und Energetik in Laubusch (Senftenberg). Es folgte ein Studium am Literaturinstitut Johannes R. Becher in Leipzig, ehe sie sich als freischaffende Autorin in Bautzen niederließ. Seither hat sie zahlreiche Lyrikbände veröffentlicht, darunter auch Künstlerbücher. In ihren Texten nutzt sie poetische Interferenzen zwischen dem Sorbischen und dem Deutschen; beide Sprachen gehen so eine Verbindung ein, die den von Kito Lorenc vorgeschlagenen Weg der Weiterentwicklung sorbischer Lyrik konsequent beschreitet.

Text: Jörg Scholz-Nollau

— Mo-Fr. 10-13 und 15-19 Uhr, Sa. 10-14 Uhr Buchhandlung LeseZeichen Priessnitzstrasse 56 01099 Dresden Inh.: Jörg Scholz-Nollau Tel. 0351-8033914 Fax 0351-8033915 www.buchlesen.de info@buchlesen.de

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Ausstellungseröffnung „Gezeichnet. Die Jahrhundertflut von 2002“ mit Grafiken von Chris Löhmann in der Werkstatt 26 in Königstein

13 Samstag Aug 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Musik, Poesie, Projekte, Unterwegs, Zwischenmenschliches

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Bilder wie Erinnerungslandschaften: Welche Spuren die Flut in der Landschaft und im Leben der Menschen hinterlassen hat, dem gehen die wandgreifenden Arbeiten von Chris Löhmann in einer Ausstellung in der Werkstatt 26 in Königstein nach.


Freuen sich auf viele interessierte BesucherInnen auch zum gemeinsamem Erzählen und Erinnern: Christin Pietzko, die Kuratorin der Ausstellung mit Töchterchen Antonia und Künstler Chris Löhmann.

Raum für Erinnerungslandschaften

Die Ausstellung „Gezeichnet“ von Chris Löhmann zur Flut 2002 geht den Spuren für Landschaft und Menschen nach. Eröffnet wird sie am 14. August, 15 Uhr in der Werkstatt 26, Pirnaer Straße 26, in Königstein.

Ein idyllischer Anblick. Der Marktplatz mit hellen, schmucken Häusern und ein Kirchturm, fast so hoch wie die Felslandschaft. Ringsum wogendes Grün. Bei genauerem Hinsehen sieht man dunkle Flächen in den Gassen, die bis zu den Fenstern reichen und alles umschließen. Es sieht aus als ob die Häuser Augen haben und zusehen. Ein Mann steht mit zwei Eimern vor dem halb versunkenen Ort, ein anderer kippt Wasser aus im Titelbild „Gezeichnet. Die Jahrhundertflut von 2002“ in Sachsen.

Unter diesem Titel sind Grafiken von Chris Löhmann, ausgehend von Archivmaterial, in einer Ausstellung in den Räumen der Werkstatt 26 in Königstein zu sehen. Die Eröffnung ist am 14. August um 15 Uhr. Mit Musik von Arystan und Kaffee und Kuchen für die Besucher. Gezeichnet sind nicht nur Landschaft und Menschen in den Bildern. Welche Spuren das Hochwasser bei ihnen hinterlassen hat und wie sich das Leben der Bewohner seitdem verändert hat, dem gehen die Arbeiten des Künstlers ebenfalls nach. Chris Löhmann wird wandgreifende Tuschezeichnungen zeigen, die zum Erzählen und gemeinsamen Erinnern einladen. Die ersten Bilder sind gerade fertig. Ein altes Eckgebäude auf der Bahnhofstraße, neben der Hauswand steht das Wort „Hoch“ in schwarz über das Bild rinnender Farbe. Unten am Bildrand, halb im Dunklen, prangt eine Reihe Orden symbolisch für die Lebensretter und vielfachen Heldentaten, die oft unsichtbar bleiben. Gegenüber sieht man auf einem Hausdach zwei Gestalten, die auf die Reste eines ehemaligen Cafés und den halb verdeckten Namen des Inhabers schauen. Umgeben von meterweise steigendem Wasser. „Mit der Flut ist ja auch Architektur und ein Stück Geschichte untergegangen“, sagt Chris Löhmann zu seinen Arbeiten. In ihnen finde auch eine Kommunikation zwischen Vergangenem und Gegenwärtigem statt.

Die Wände im Ausstellungsraum werden mit Zeichenpapierrollen behangen. Mit Tusche und Pinsel zeichnet der vor allem graphisch arbeitende Künstler frei aus dem Kopf, ohne Skizzen oder Projektor, auf die großen Papierflächen. Fotos von der Flut hat er auf dem Handy und er hat mit Augenzeugen gesprochen, während er die Plakate für die Ausstellung in Schaufenster und an Ladentüren klebte. „Die Leute haben reagiert und ihre Geschichte erzählt, manche ältere sichtlich berührt“, so Löhmann. Er sah als 14-Jähriger die Bilder von der Flut aus der Ferne. Nach einer Ausbildung als gestaltungstechnischer Assistent in Freital studierte Chris Löhmann von 2013 bis 2022 an der Dresdner Kunsthochschule Malerei und Grafik bei Prof. Bömmels. Die Bewohner waren schockiert und fassungslos angesichts der Wassermassen. Doch sie haben auch eine Art Wir-Gefühl, Solidarität, Hilfe und Aufbruchstimmung erlebt, erzählten ihm Menschen aus der Flut-Zeit.

„Die Grafiken sind wie Erinnerungslandschaften, welche die vorhandene Architektur aufgreifen, so dass die Leute sich erinnern und gesehen werden, auch wenn es 20 Jahre her ist“, sagt Christin Pietzko, Kuratorin der Ausstellung. Es sei keine Schau, die Flutbilder dokumentarisch zeigt, sondern mit der Sprache der Kunst einen Raum und die Möglichkeit geben möchte, dass sich Menschen öffnen und berühren lassen. „Wir haben das Hochwasser nicht erlebt, aber leben mit den Spuren“, so Christin Pietzko.

„Als wir im noch sehr kalten Frühling hierher zogen,  habe ich mich sehr gewundert. Die Stadt wirkte geradezu geisterhaft. Dazu die vielen leeren Geschäfte, verwaiste Architektur“, erzählt sie. Betroffen stand sie vor einem Haus am Markt mit der Hochwassermarke vom 16.8.2002 von 11,85 Meter. Sie sah und lernte aber bald auch engagierte Menschen kennen, die sich für ein lebendiges Stadtleben einsetzen, beispielsweise im Verein Weltbewusst e.V., dem Trägerverein der Werkstatt 26. Einem sozialen Projektort mit Coworking Space. Dort ergab sich auch das Kunstprojekt zur Flut, das über das Förderprogramm Simul und das Sächsische Staatsministerium für Regionalentwicklung finanziert wird.

„Wir wurden mit offenen Armen empfangen und sind inzwischen sehr glücklich hier.“ Letztes Jahr im Frühjahr zogen sie und Chris Löhmann zusammen von Dresden nach Königstein, wo sie mit ihren drei kleinen Kindern im alten Postamt im Erdgeschoss einen neuen und erschwinglichen Wohn- und Schaffensort gefunden haben. Die obere Etage des dreistöckigen Gebäudes gegenüber vom Bahnhof steht noch leer. Am Haus hat Chris Löhmann schon einen Garten angelegt, in dem die ersten Tomaten reifen. Ein kleiner roter Kater streift umher. Gemütliche Wohnräume mit viel Platz zum Spielen für die Kinder und das Atelier in der früheren Paketstation füllen sich mit neuen Ideen und Lust am Gestalten für sich selbst und andere.

Als nächstes darf Chris Löhmann einen Bücherschrank auf dem Marktplatz in Königstein bemalen. Den Auftrag erhielt er vom Lichtspiele e.V. – ein weiterer engagierter Verein der Stadt, der das alte Kino betreibt und jedes Jahr im Sommer ein Filmfest-Open-Air auf dem Marktplatz organisiert. „Wir sind sehr dankbar, in Königstein wohnen zu dürfen  und wollen der Stadt auf unsere Weise etwas zurückgeben. Man sieht, es gibt hier Menschen, die sich einbringen wollen für ihren Ort und wir hoffen wie der Bürgermeister, dass noch mehr junge Leute hierher ziehen“, sagt Christin Pietzko. Ebenso gespannt sind die beiden, wie die Ausstellung in Königstein ankommt bei denjenigen, die das Hochwasser erlebt haben und sie freuen sich auch auf persönliche Erzählungen und Erinnerungen der Besucher. ‚

Text + Fotos (lv)

Ausstellungszeitraum:
14.8. – 11.9.2022
Mo., Do., Fr von 9 – 12 Uhr und nach Vereinbarung
sowie 28.8. und 11.9. 15 – 17 Uhr mit Chris Löhmann


Ein Ort mit viel Grün, Flair und schönen, alten Häusern, die auf neue Bewohner und Nutzer warten, ist Königstein in der Sächsischen Schweiz: das Künstlerpaar vor einem Eckhaus auf der Bahnhofstraße, wo immer noch großer Leerstand herrscht und die sprichwörtliche „tote Hose“ in einem der Schaufenster liegt. In einer originellen Aktion von jungen Leuten und Geschäftsinhabern erzählen in den Ladenschaufenstern hängende historische Fotos vom früheren, lebendigen Geschäfts- und Straßenleben im Ort und sind Ideen und Vorschläge für die Zukunft gefragt.


Haus am Markt mit Hochwassermarke: Am 16.8.2002 stand hier das Wasser bei 11,85 Meter.


Kreativer Projekt- und Ausstellungsraum: Hier wird diesen Sonntag, um 15 Unr die Ausstellung von Chris Löhmann eröffnet. In Erinnerung an die Flut wird Lilli Vostry, Autorin und meinwortgarten-Inhaberin hier aus ihrem Gedicht-Zyklus „Am Fluss“ zur Ausstellungseröffnung lesen.

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BilderAlbum: Neue Gedichte vom Meer

11 Donnerstag Aug 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Poesie

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Wiedersehen am Meer

Ich wär so so gern
mit dir hier
ich war und bin
viel allein

das Meer flüstert
mir all seine Geheimnisse zu
auch vom Ich und Du
Ebbe und Flut
Gehen und Bleiben
zu zweit
Alleinsein

die Wellen rauschen
kräuseln kringeln sich
vor Lachen scheint mir
meine Sehnsucht
treibt fort
zu dir

LV
8.7.2022

Beflügelt

Kaum angekommen
hör ich sie rufen
kichern prusten
wo warst du so lange

ihre Schreie hallen
in mir nach
sie teilen meine Sehnsucht
ich mit ihnen mein Brot

nimmersatte weiße Segler
über dem Meer
ihre schwarzen Köpfe
seh ich zum ersten Mal

bleibt ihr so oder wandelt ihr
euch noch
abends wieder weiße Schwingen
und endloses Rufen nah über mir

was wollt ihr mir sagen
immer unterwegs
nie satt
aber beflügelt

LV
9.7.2022

Gestrandet

Auf dem Weg zum Möwenstrand
in einer Einfahrt nahe der Promenade
lag leblos eine Taube
grün violett schimmernd ihr Gefieder
in der Sonne
die Federn zerzaust vom Wind

ich schaffe es nicht sie aufzuheben
lasse sie liegen‘
wie viele vor mir
haben die Taube schon gesehen
übersehen
an diesem Sommertag

gerade flog sie noch
tippelte auf der Promenade
endlos auf und ab
und am Stand nach etwas Essbarem

fütterte gestern Abend noch
eine Schar Möwen und Tauben
sie schwirrten und tanzten in der Luft
zu Ravels Bolero und Tangoklängen
die von der Konzertmuschel herüber wehten
vielleicht warst du eine von den Tauben dort

das Meer wogt dunkel taubenblau
fliege über Wellenberge und -täler
mit den Möwen
der Himmel voller weißer Federn
und Flügel
aus einem Baum auf der Promenade
lautstarkes Gurren
alles kehrt wieder

LV
11.7.2022

Unverdrossen

Der Stand leerte sich schon
Leere im Magen
und das Meer gibt nichts her
etwas Schling wickelte sich
beim Schwimmen um meine Hände
doch das mögen die Möwen offenbar nicht

plötzlich steht eine große graubraun
gesprenkelte Möwe vor mir
hungrig und seelenruhig wartend
doch meine Tasche ist leer
alles schon verfüttert mein Herz übervoll
hungrig wie sie um uns herum
Sandwüste
Wellenlinien ziehen sich entlang
und Fußabdrücke

ich sammle weiße Muscheln
sie sind fester als sonst und ein paar
bunt gemusterte
die Möwe pickt mit dem Schnabel dran
nichts zu holen

schaut sich nach allen Seiten um
und auf meine Tasche
ein Papierfetzen von der Keksverpackung
fliegt heraus sie tippelt hinterher
lässt das wertlose Papier weiterfliegen
ich ruf ihr zu: Flieg, flieg zu den anderen
Möwen! Dann bist du wenigstens nicht allein

die anderen Möwen sitzen in der Abendsonne
im Sand
die große graue Möwe schüttelt kurz die Federn
sieht mich aus dunkeln Augen
mit leicht schrägem Kopf aufmerksam an
rührt sich nicht vom Fleck
bewacht meine Tasche als wär noch was drin
versteckt

ich steh auf sie tippelt hinterher
werf die leeren Packungen in die Tonne
die Möwe pickt Ungetüme von Blättern
robust für dürre Zeiten gemacht
da fällt nichts ab

mir verschwimmt alles
vor den Augen
alles Schöne verflogen
nichts hält mich mehr
als ein Versprechen
morgen komm ich wieder her
mit voller Futtertasche
seh mich noch mal um
im Gehen

die große graue Möwe steht immer noch
unbeirrt und unverdrossen da
mit Blick aus Meer

LV
11.7.2022

Urkraft des Meeres

Der Himmel wolkenlos
weit wie das Meer
nichts hält mich mehr

lasse mich fallen
die Wellen fallen über mich her
unbändig tosende wilde Zärtlichkeit
ergreift mich lasse mich treiben
von der Urkraft des Meeres

von der brodelnden erhabenen
weißen Gischt die nie erlischt
halte nicht mehr gegen

gebe mich dem Wellenspiel hin
das kein Geradeaus kein Ziel
nur Hin und Her Bewegung kennt

alle Schwere aufgelöst
nichts mehr wollen
nur noch sein

ein und auftauchen
aus ungestümen aufbrausenden
und diamantglänzenden Wellenkämmen

und als Perlschaum den Strand säumen
hin zur Urkraft
das Meer setzt allem seine Krone auf

LV
12.7.2022

von heringsdorf und ückeritz steilküste. scholle
seebrücke ich.
und möwen am strand.
koserow. atelier onh. plakat ausst.

weißes haus mit turm ahlbeck. rotes haus. brunnen und blumen.
pferdekutsche. weiße pferde.
fischrestaurant. vogel auf scheibe sitzt.

Abschied

Schöne Zeit am Meer
Pferdegetrappel vorm Bahnhof
Autos rollen hinterher
Möwenrufe freudig
nimm`s nicht so schwer
Meer ist immer da
kommst wieder her

und doch je mehr ich mich entfern
um so mehr fehlt mir das Meer
und ihr weißen Segler und Seelengefährten

LV
17.7.2022

fotos von möwen und mir in gelbem shirt.

Texte + Fotos: Lilli Vostry

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Unterwegs: Eröffnung des ersten Kultursommer Bärenstein mit Musik, Malangeboten & Bär

09 Dienstag Aug 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Musik, Poesie, Projekte, Unterwegs

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Der Bär ist los! in Bärenstein: Mit fröhlicher Musik, Malangeboten, Spaß und Interaktion mit den Bären wurde der erste Kultursommer in Bärenstein am Sonnabend eröffnet. Täglich locken hier kreative Mitmach-Angebote für kleine und große Besucher und eine offene Bühne. Das Kulturfest dauert bis 27. August.

,
Ländliche Idylle, gemeinsam kreativ sein & genießen (im Foto von li nach re.): Der Jazzmusiker und Initiator des Kultursommer Bärenstein, Hartmut Dorschner vor seinem Haus in Bärenstein, Thomas Linde, Bildhauer und Fotograf, Andrea Dorschner, Schwester des Gastgebers und Harfenistin und die Kinder Elias und Lio.

Bärischer Frohsinn in Bärenstein

Bunte Maltische rund um die offene Bühne, fröhliche Musik und erste Ideen für den Wunschbaum eröffneten am Sonnabend den Kultursommer Bärenstein.

Umringt von Musikern und Künstlerinnen steht ein brauner Bär auf der kleinen Bühne auf dem Marktplatz in Bärenstein. Darüber spannt sich ein weißes Sonnensegel. Davor stehen weiß gedeckte Tische mit bunt schwebenden Luftballons mit Bären-Logo. Rund 20 Zuschauer haben sich vor der Bühne versammelt an diesem sonnigen Sonnabendnachmittag zur Eröffnung des Kultursommer Bärenstein. Mehrere Kinder, junge und ältere Leute, Einheimische und Freunde der Künstler bunt gemischt. Hartmut Dorschner, Musiker und Vorstandsmitglied im Kult-ur-art e.V. Bärenstein, der das Projekt initiiert hat und der Bär, dem Michael Melerski Gestalt verleiht, begrüßen die Besucher auf deutsch und bärisch und stellen das Programm vor. Ein junges Mädchen agiert als Übersetzerin der tiefen Brummlaute, die Neugier und Schmunzeln hervorrufen.

Bärischer Frohsinn breitet sich aus in Bärenstein. Malangebote für Kinder, Puppenspiel, Filme für klein und groß, Konzerte, Lesungen und eine Schreibwerkstatt locken in den kommenden drei Wochen. Alle Veranstaltungen sind kostenfrei (auf Spendenbasis). Der Kultursommer Bärenstein wird gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Dienstags, von 16 bis 18 Uhr bietet die Künstlerin Alexandra Wegbahn Siebdruck zum Mitmachen an. Sie hat das lustige bärige Logo des Kultursommers entworfen, das auf mitgebrachte T-Shirts und Beutel gedruckt werden kann. Unter dem Motto „Der Bär in mir – Malen mit Kindern“ (8. und 15.8., 9 – 12 Uhr, vor der Großen Bühne) laden die Künstlerinnen Alexandra Wegbahn und Manuela Henschke die Kinder des Ortes ein, sich selbst mit Hilfe der Körperumrisse auf großen Papierbögen zu malen. In der Papierwerkstatt, die dienstags bis freitags von 10 bis 14 Uhr öffnet, kann man außerdem Papier schöpfen, prägen, drucken und kleine Wesen bauen. Lisann aus Guben, die gerade hier zu Besuch ist, nutzte die Gelegenheit und bemalte einige farbenfrohe Bärenanstecker und –magnete und verschenkte sie.

In der Schreibwerkstatt mit Iris Stauch, vom 10. bis 12.8., 10 bis 15 Uhr in der Bärensteinschänke, werden sich die Teilnehmer spielerisch vom Ort, von historischen Ereignissen aus Bärenstein, überlieferten Sagen und Geschichten zu eigenen Texten anregen lassen und kann man sich in die Stille vertiefen, eine Auszeit vom Alltag nehmen. Eine Lesung der entstandenen Geschichten gibt es am 12.8., 17 Uhr.

„Im Sommer ist sonst nichts los hier. Vielleicht zieht das Kulturprogramm mehr Touristen nach Bärenstein“, sagt Einwohnerin Marianne Kaden. „Damit wird auch ein Zugang zu Kunst ermöglicht für Leute, die weniger im Portemonnaie haben“, ergänzt ihr Mann Gerolf Kaden. Er war über 30 Jahre Vorsitzender der Kirchgemeinde Bärenstein und engagiert sich weiterhin. Drei Veranstaltungen werden in der Kirche stattfinden. Darunter eine Lesung mit poetischen Texten von Marit Heuß aus Leipzig am 19.8., 17 Uhr und 20 Uhr ein Konzert mit der Harfenistin Andrea Dorschner, Günter Heinz an der Posaune und Ray Kaczinski am Schlagzeug.

„Wir freuen uns auch auf das neue Bärensteinorchester“, so Kaden, der selbst gern musiziert an der Ziehharmonika oder mit der „Nasenflöte“. Anregungen für den Wunschbaum für Bärenstein haben er und seine Frau gleich mehrere: „Der ehemalige Gasthof ,Stadt Bärenstein’ mit Festsaal steht schon seit den 90er Jahren leer. Die Bank an der Linde auf dem Markt zerfällt fast. Schön wäre außerdem, wenn das Schloss, wenigstens ein Teil, wieder öffentlich zugänglich wäre auch für kulturelle Nutzung.“

„Dort haben wir kurz nach der Wende mal Silvester gefeiert und ein Café gab es auch, bevor das Schloss verkauft wurde. Seither steht es leer“, sagt Marianne Kaden. Der jetzige Schlosseigentümer Dr. Thaler aus München habe beim Kauf die Auflage erhalten, das Schloss auch für die Öffentlichkeit zu erhalten. Dort haben Hartmut Dorschner und Max Löb sogar schon einmal eine Stunde heimlich auf einer Party gespielt. „Dann kam Herr Thaler und sagte, dass wir qualitativ hochwertig spielen und schickte uns hinaus“, erzählt Dorschner.

Als Bär ist Michael Melerski täglich in Bärenstein unterwegs. „Die Figur ist ein Element, um an die Leute heranzukommen. Es geht mir um das Interaktive und um Kommunikation, um die Tradition, den Hintergrund, Ursprung und die Identifikation der Bewohner mit ihrem Ort. Dort hole ich sie ab“, sagt Melerski. Im Bärenfell will er an Wohnungstüren klingeln, beim Frisör sich auch mal hinsetzen und in den Konsum gehen. Wer mag, kann sich mit dem Bären fotografieren lassen zur Erinnerung.

„Ich habe den Eindruck, dass die Einheimischen das Angebot gut annahmen, auch die Einlage mit dem Bären, der mit den Besuchern interagierte. Das war witzig und surreal. Auch die Impromusik hat Spaß gemacht“, sagt Thomas Linde, Bildhauer und Fotograf, der das Projekt fotografisch begleitet. „Mir gefällt, dass mit dem Kultursommer etwas Innovatives in die Region kommt, auch als Impulsgeber und Anfang für weitere Projekte.“ Die Bühne auf dem Markt in Bärenstein steht täglich von 18 bis 21 Uhr offen und kann von Künstlern und Besuchern einzeln und gemischt bespielt werden in aller Bandbreite von  Musik, Tanz, Texte bis Theater.

Text + Fotos (lv)

Weitere Infos unter http://www.www.kult-ur-art.eu

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Gedicht-Zyklus „Am Fluss“ anlässlich 20. Jahrestag der Jahrhundertflut in Sachsen

Hervorgehoben

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Poesie

≈ Ein Kommentar


Vom Leben am Fluss: Auf der Suche nach Hochwasser-Bildern von 2002 und 2013, die ich selbst in Dresden miterlebte, fand ich diese Aufnahmen von einer Open Air-Inszenierung an der Elbe. Ist es Undine, die aus dem Wasser steigt und von einem Leben in Liebe und Harmonie mit einem Menschen träumt? Fotos (lv)

Am Fluss

Blaue Inseln
kreiseln im Wolkenmeer
auf und ab tauchende Schwalben

über allen Wassern
führt mein Weg
zu Dir

der Fluss verschiebt
die Grenzen
hinter den Sandsackwällen

findet alles
Zeit

L.V.
4.6.2013

Überfließen

II
Der Fluss steigt
an Land
fließt über
vor Glück

breitet sein nasses Kleid
auf der Wiese zum Trocknen
mitten im Entengeschnatter
aufgeschreckter Menschen

schaukeln Stämme mit Raben
im Wasser
auf den Bänken im Fluss
sitzt keiner

Laternen und Verkehrsschilder
nur noch Zier
bis der Fluss ermattet
zurückkehrt in sein
Bett

L.V.
4.6.2013

Nach dem Regen

III
Los lassen
wir hinter uns

den grauen Glanz
der Regentage

zurückgeworfen
ins Licht

federleichte Laken
am Himmel

verwehen im
nächsten Moment

Lassen wir uns nicht mehr
zurück im rinnenden
Rauschen

L.V.
5.6.2013

Begegnung

IV
Wir stehen am Fluss
versperrt der Weg
am Ufer

Sehen uns an
kein Blick ertrinkt
im andern
segeln umeinander

Jeder auf seiner Insel
gehst du weiter
fließen wir uns
entgegen

L.V.
5.6.2013

Gebändigt

V
Unter mir
der tosende Strom
aufgewühlt
unterm Brückenbogen

aufgebrochen
zu anderen Ufern
bricht sich Bahn
in der Erinnerung

gebändigt
besänftigt
im Nachhall
verebbter Glut

L.V.
9.6.2013

Flussmelodie

VI
Mit dem uferlichten Tag
fängt der Flug der Schwalben

mein Sehnen nicht auf

flüstert der Fluss
sein Lied
trocknet ein Klavier
tonlos am Straßenrand

L.V.
17.6.2013

Wolkenmeer

VII
Auf blau strahlendem Parkett
drehen sich die Wolkentänzer
schließen Wetten ab
mit dem Fluss

wie nah sie noch
heranrücken können
mit vollen Segeln
im Baurausch

Goldgräber am noch schlamm
verklebten Ufer hängen
Lamettagrasbüschel
Mülltütenfetzen in den Bäumen
am Wasser ein verlorener Regenschirm

ein staubiges Sofa mit
Blick auf den glänzenden Wasserspiegel
sonst alles wie immer
in der Abenddämmerung versinkt
die goldene Kugel im Strom

L.V.
18.6.2013

Steinwüste

VIII – Fortsetzung des Gedicht-Zyklus „Am Fluss“ *

Von allen verlassen überdauerten
sie noch das alte Jahr
nun reißt ein gefräßiger Greifarm
die letzten Reste
der alten Speicherhallen am Hafen
aus dunklen Dämmerträumen
erbarmt sich ihrer die seit hundert Jahren
dort standen nicht einfallen wollten

die ihnen neues Leben einverleiben wollten
standen allein
letzten Sommer flatterten noch grünweiße Jalousien
vor einem der Fenster nebenan am City Beach
wurde nächtelang gefeiert
nun starren Fensterrahmen ins Leere
in den Dachnischen der Hallen brüten keine Vögel mehr
der Greifarm gräbt tief ins Innere
zurück bleibt eine Steinwüste
bizarr aufgerichtete Innereien
der Geruch von Holzgebälk Staub und Ziegelsteinen

mittendrin ein mächtiger alter Baum
mit schwarzem Geäst sieht alles mit an
wird er bleiben im Baugewirr graublaue Wasserlachen
ausgerissene Grünsprösslinge winden sich aus Schuttbergen
empor dazwischen ein Stück himmelblauer Zaunsrest
der Bücherscheune hebe es auf mit ein paar Steinen

eine weiß blättrige Gestalt Göttin des Zerfalls
oder Zufalls des nie ganz vertreibbaren Schönen
erhebt sich von einem gelben Steinsrest der früheren Speicher
aus den Trümmern schauen zwei metallene Wächter
wiegen ihre rostigen Baggerschaufelköpfe

L.V.
16.1.2019

* Die Texte I – VII entstanden während des zweiten großen Hochwassers an der Elbe in Dresden im Juni 2013, das erste war im August 2002 und ich wurde aus meiner damaligen Wohnung in der Leipziger Straße ca. 14 Tage evakuiert.
Text VII entstand am 16.1.2019, abends, nach dem Abriss der letzten Speicherhalle in Elbnähe, an der Leipziger Straße. An Stelle der alten Hallen wird das Großbauprojekt Hafencity (Investor USD – Unser Schönes Dresden) mit mehrstöckigen Wohn- und Geschäftshäusern vorbereitet. Die ersten Neubauten stehen schon. Fragen des Hochwasserschutzes im Überschwemmungsgebiet der Elbe sind bis heute nicht ausreichend geklärt. (lv)

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SommerLesung: poesie.premiere3 im Garten der Buchhandlung LeseZeichen

07 Donnerstag Jul 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Musik, Poesie, Projekte

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Herzliche Einladung zur Sommerlesung im Garten!
(auch bei Regen – Überdachung ist vorhanden)
Am Freitag, 8. Juli 2022, 19.30 Uhr

poesie.premiere³: Beck | Sielaff | Wilden

Neue Gedichte mit Patrick Wilden, Volker Sielaff, Patrick Beck und Fouad EL-Auwad

Drei Dresdner Schriftsteller haben je einen neuen Gedichtband veröffentlicht – ganz zufällig erscheinen alle drei Bücher im Frühjahr /Sommer 2022:

Patrick Wilden: Schreibers Ort
Volker Sielaff: Poesiealbum 366
Patrick Beck (gemeinsam mit Fouad EL-Auwad): Die unsichtbaren Dinge werden von der Zeit trainiert (arabisch/deutsch)

Musik: Cornelia Vranceanu (Klavier) und Oliver Clauß (Saxophon)

Im LeseGarten der Buchhandlung LeseZeichen, Prießnitzstraße 56.

Eintritt frei

Der blasse Tagesmond
bestaunt die Pflaumenblüten
von allen Seiten!

(Patrick Beck)

Der letzte Zug zur Grenze ist durchgerauscht

der Ostwind dreht
das Federvieh träumt
auf den Bäumen des Friedhofs
es ist zu dunkel
um hinter dem Fluß die Musik noch zu sehen

(Patrick Wilden)

Nature Writing

und danach, and after, eine Zeile bei Gary Snyder.
Danach heißt: nach dem Knall, dem Anthropozän.
Auf atme dann die Welt, ohne uns. (Hypothese.)
Wir machen Pause, werden weicher: keimen und grünen.

(Volker Sielaff)

https://literaturnetz-dresden.de/veranstaltungen/poesie-premiere³-beck-sielaff-wilden/

Ihr
Jörg Scholz-Nollau

-- 
Mo-Fr. 10-13 und 15-19 Uhr, Sa. 10-14 Uhr

Buchhandlung LeseZeichen
Priessnitzstrasse 56
01099 Dresden

Inh.: Jörg Scholz-Nollau

Tel. 0351-8033914
Fax 0351-8033915
www.buchlesen.de
info@buchlesen.de

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BilderAlbum: Gedicht-Lesung mit Musik „Vom Zauber endloser Anfänge“ vor zauberhafter Kulisse am Melli Beese-Haus in Laubegast

25 Samstag Jun 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Kultur, Lebensart, Musik, Poesie, Projekte, Zwischenmenschliches

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Ein schöner Ort für Kunst & Poesie: Der Künstler Eckhard Kempin vor seinem Atelier im Melli Beese-Haus und die freie Autorin & meinwortgarten-Inhaberin Lilli Vostry.



Immer wieder überraschend: Musiker Gabriel Jagieniak spielte neben dem Libertango von Astor Piazolla am Anfang der Gedicht-Lesung etliche andere Stücke und eigene Lieder, inspiriert von der wundervollen Umgebung des Gartens. Fotos (8): JN

Musik und Poesie vor zauberhafter Kulisse

Am Eingangstor ein großer Strauß Sommerblumen. Die Hausherrin hatte an alles gedacht. Auf der Veranda standen erfrischende Getränke und selbstgebackener Rhabarber-Erdbeer-Kuchen von mir, von dem fast nichts übrigblieb… Genuss für Gaumen, Auge und Ohr gab es reichlich für die BesucherInnen, die zur Gedicht-Lesung „Vom Zauber endloser Anfänge“ mit frühen und neuen Texten von mir, begleitet von Gabriel Jagieniak mit Akkordeon und Stimme, am Donnerstagabend ins Melli Beese-Haus in Dresden-Laubegast kamen. Schade für diejenigen, die es nicht dorthin schafften!

Es war eine wunderschöne Gedicht-Lesung. meine erste im Freien, mitten im Grünen, zusammen mit dem Musiker Gabriel Jagieniak und seinem mitlauschenden Hund Gulliver, in lockerer Runde, mit aufmerksamen ZuhörerInnen, angeregten Gesprächen zwischendurch und lebendig, intuitiv, beschwingt und mitreißend musikalisch umrahmt teils mit Beteiligung des Publikums. Die eine indianische Melodie über das Licht inmitten hoher Berge summe ich immer noch, he jei jo…

So kann es gerne weitergehen. Herzlichen Dank der Gastgeberin vom Melli Beese-Haus, Silvia Tröster und ihrem Mann und dem Künstler Eckhard Kempin, der uns zur Lesung einlud.

Text + Fotos  (11) (lv)

Fotos (2): Teodosius


Musizierfreudig: Mancher Zuhörer griff selbst zur Gitarre zwischendurch und es wurde auch zusammen mit Gabriel Jagieniak musiziert und gesungen. Von osteuropäischen Weisen bis zum Gundermann-Lied „Immer wieder wächst das Gras“.


Charmant: der Künstler Eckhard Kempin freut sich über den Besuch von Janett Noack, Galeristin von Kunst & Eros in Dresden. Bezaubernd: Kleine Fee im Garten.


Janett Noack mit Tochter Klara.


Viel zu entdecken im Garten. Besonders viel Freude bereitete das Himbeeren pflücken. Von den Sträuchern naschte einst schon Melli Beese, die erste deutsche Motorfliegerin, als Kind.

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Ich bin als Freie Journalistin (Wort/Foto) seit 1992 in Dresden tätig. Schreibe für Tageszeitungen und Monatsmagazine vor allem Beiträge über Bildende Kunst, Theater, soziale Projekte und Zwischenmenschliches. Außerdem Lyrik und Kurzprosa. Bisher vier BilderGedichtKalender zusammen mit Künstlern veröffentlicht. Fernstudium Literarisches Schreiben im Herbst 2022 erfolgreich abgeschlossen, Schriftstellerdiplom. Kindheitstraum erfüllt. Fotografiere gern Menschen, Landschaften, besondere Momente.

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