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Kategorien-Archiv: Poesie

Unterwegs: Eröffnung des ersten Kultursommer Bärenstein mit Musik, Malangeboten & Bär

09 Dienstag Aug 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Musik, Poesie, Projekte, Unterwegs

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Der Bär ist los! in Bärenstein: Mit fröhlicher Musik, Malangeboten, Spaß und Interaktion mit den Bären wurde der erste Kultursommer in Bärenstein am Sonnabend eröffnet. Täglich locken hier kreative Mitmach-Angebote für kleine und große Besucher und eine offene Bühne. Das Kulturfest dauert bis 27. August.

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Ländliche Idylle, gemeinsam kreativ sein & genießen (im Foto von li nach re.): Der Jazzmusiker und Initiator des Kultursommer Bärenstein, Hartmut Dorschner vor seinem Haus in Bärenstein, Thomas Linde, Bildhauer und Fotograf, Andrea Dorschner, Schwester des Gastgebers und Harfenistin und die Kinder Elias und Lio.

Bärischer Frohsinn in Bärenstein

Bunte Maltische rund um die offene Bühne, fröhliche Musik und erste Ideen für den Wunschbaum eröffneten am Sonnabend den Kultursommer Bärenstein.

Umringt von Musikern und Künstlerinnen steht ein brauner Bär auf der kleinen Bühne auf dem Marktplatz in Bärenstein. Darüber spannt sich ein weißes Sonnensegel. Davor stehen weiß gedeckte Tische mit bunt schwebenden Luftballons mit Bären-Logo. Rund 20 Zuschauer haben sich vor der Bühne versammelt an diesem sonnigen Sonnabendnachmittag zur Eröffnung des Kultursommer Bärenstein. Mehrere Kinder, junge und ältere Leute, Einheimische und Freunde der Künstler bunt gemischt. Hartmut Dorschner, Musiker und Vorstandsmitglied im Kult-ur-art e.V. Bärenstein, der das Projekt initiiert hat und der Bär, dem Michael Melerski Gestalt verleiht, begrüßen die Besucher auf deutsch und bärisch und stellen das Programm vor. Ein junges Mädchen agiert als Übersetzerin der tiefen Brummlaute, die Neugier und Schmunzeln hervorrufen.

Bärischer Frohsinn breitet sich aus in Bärenstein. Malangebote für Kinder, Puppenspiel, Filme für klein und groß, Konzerte, Lesungen und eine Schreibwerkstatt locken in den kommenden drei Wochen. Alle Veranstaltungen sind kostenfrei (auf Spendenbasis). Der Kultursommer Bärenstein wird gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Dienstags, von 16 bis 18 Uhr bietet die Künstlerin Alexandra Wegbahn Siebdruck zum Mitmachen an. Sie hat das lustige bärige Logo des Kultursommers entworfen, das auf mitgebrachte T-Shirts und Beutel gedruckt werden kann. Unter dem Motto „Der Bär in mir – Malen mit Kindern“ (8. und 15.8., 9 – 12 Uhr, vor der Großen Bühne) laden die Künstlerinnen Alexandra Wegbahn und Manuela Henschke die Kinder des Ortes ein, sich selbst mit Hilfe der Körperumrisse auf großen Papierbögen zu malen. In der Papierwerkstatt, die dienstags bis freitags von 10 bis 14 Uhr öffnet, kann man außerdem Papier schöpfen, prägen, drucken und kleine Wesen bauen. Lisann aus Guben, die gerade hier zu Besuch ist, nutzte die Gelegenheit und bemalte einige farbenfrohe Bärenanstecker und –magnete und verschenkte sie.

In der Schreibwerkstatt mit Iris Stauch, vom 10. bis 12.8., 10 bis 15 Uhr in der Bärensteinschänke, werden sich die Teilnehmer spielerisch vom Ort, von historischen Ereignissen aus Bärenstein, überlieferten Sagen und Geschichten zu eigenen Texten anregen lassen und kann man sich in die Stille vertiefen, eine Auszeit vom Alltag nehmen. Eine Lesung der entstandenen Geschichten gibt es am 12.8., 17 Uhr.

„Im Sommer ist sonst nichts los hier. Vielleicht zieht das Kulturprogramm mehr Touristen nach Bärenstein“, sagt Einwohnerin Marianne Kaden. „Damit wird auch ein Zugang zu Kunst ermöglicht für Leute, die weniger im Portemonnaie haben“, ergänzt ihr Mann Gerolf Kaden. Er war über 30 Jahre Vorsitzender der Kirchgemeinde Bärenstein und engagiert sich weiterhin. Drei Veranstaltungen werden in der Kirche stattfinden. Darunter eine Lesung mit poetischen Texten von Marit Heuß aus Leipzig am 19.8., 17 Uhr und 20 Uhr ein Konzert mit der Harfenistin Andrea Dorschner, Günter Heinz an der Posaune und Ray Kaczinski am Schlagzeug.

„Wir freuen uns auch auf das neue Bärensteinorchester“, so Kaden, der selbst gern musiziert an der Ziehharmonika oder mit der „Nasenflöte“. Anregungen für den Wunschbaum für Bärenstein haben er und seine Frau gleich mehrere: „Der ehemalige Gasthof ,Stadt Bärenstein’ mit Festsaal steht schon seit den 90er Jahren leer. Die Bank an der Linde auf dem Markt zerfällt fast. Schön wäre außerdem, wenn das Schloss, wenigstens ein Teil, wieder öffentlich zugänglich wäre auch für kulturelle Nutzung.“

„Dort haben wir kurz nach der Wende mal Silvester gefeiert und ein Café gab es auch, bevor das Schloss verkauft wurde. Seither steht es leer“, sagt Marianne Kaden. Der jetzige Schlosseigentümer Dr. Thaler aus München habe beim Kauf die Auflage erhalten, das Schloss auch für die Öffentlichkeit zu erhalten. Dort haben Hartmut Dorschner und Max Löb sogar schon einmal eine Stunde heimlich auf einer Party gespielt. „Dann kam Herr Thaler und sagte, dass wir qualitativ hochwertig spielen und schickte uns hinaus“, erzählt Dorschner.

Als Bär ist Michael Melerski täglich in Bärenstein unterwegs. „Die Figur ist ein Element, um an die Leute heranzukommen. Es geht mir um das Interaktive und um Kommunikation, um die Tradition, den Hintergrund, Ursprung und die Identifikation der Bewohner mit ihrem Ort. Dort hole ich sie ab“, sagt Melerski. Im Bärenfell will er an Wohnungstüren klingeln, beim Frisör sich auch mal hinsetzen und in den Konsum gehen. Wer mag, kann sich mit dem Bären fotografieren lassen zur Erinnerung.

„Ich habe den Eindruck, dass die Einheimischen das Angebot gut annahmen, auch die Einlage mit dem Bären, der mit den Besuchern interagierte. Das war witzig und surreal. Auch die Impromusik hat Spaß gemacht“, sagt Thomas Linde, Bildhauer und Fotograf, der das Projekt fotografisch begleitet. „Mir gefällt, dass mit dem Kultursommer etwas Innovatives in die Region kommt, auch als Impulsgeber und Anfang für weitere Projekte.“ Die Bühne auf dem Markt in Bärenstein steht täglich von 18 bis 21 Uhr offen und kann von Künstlern und Besuchern einzeln und gemischt bespielt werden in aller Bandbreite von  Musik, Tanz, Texte bis Theater.

Text + Fotos (lv)

Weitere Infos unter http://www.www.kult-ur-art.eu

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Gedicht-Zyklus „Am Fluss“ anlässlich 20. Jahrestag der Jahrhundertflut in Sachsen

Hervorgehoben

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Poesie

≈ Ein Kommentar


Vom Leben am Fluss: Auf der Suche nach Hochwasser-Bildern von 2002 und 2013, die ich selbst in Dresden miterlebte, fand ich diese Aufnahmen von einer Open Air-Inszenierung an der Elbe. Ist es Undine, die aus dem Wasser steigt und von einem Leben in Liebe und Harmonie mit einem Menschen träumt? Fotos (lv)

Am Fluss

Blaue Inseln
kreiseln im Wolkenmeer
auf und ab tauchende Schwalben

über allen Wassern
führt mein Weg
zu Dir

der Fluss verschiebt
die Grenzen
hinter den Sandsackwällen

findet alles
Zeit

L.V.
4.6.2013

Überfließen

II
Der Fluss steigt
an Land
fließt über
vor Glück

breitet sein nasses Kleid
auf der Wiese zum Trocknen
mitten im Entengeschnatter
aufgeschreckter Menschen

schaukeln Stämme mit Raben
im Wasser
auf den Bänken im Fluss
sitzt keiner

Laternen und Verkehrsschilder
nur noch Zier
bis der Fluss ermattet
zurückkehrt in sein
Bett

L.V.
4.6.2013

Nach dem Regen

III
Los lassen
wir hinter uns

den grauen Glanz
der Regentage

zurückgeworfen
ins Licht

federleichte Laken
am Himmel

verwehen im
nächsten Moment

Lassen wir uns nicht mehr
zurück im rinnenden
Rauschen

L.V.
5.6.2013

Begegnung

IV
Wir stehen am Fluss
versperrt der Weg
am Ufer

Sehen uns an
kein Blick ertrinkt
im andern
segeln umeinander

Jeder auf seiner Insel
gehst du weiter
fließen wir uns
entgegen

L.V.
5.6.2013

Gebändigt

V
Unter mir
der tosende Strom
aufgewühlt
unterm Brückenbogen

aufgebrochen
zu anderen Ufern
bricht sich Bahn
in der Erinnerung

gebändigt
besänftigt
im Nachhall
verebbter Glut

L.V.
9.6.2013

Flussmelodie

VI
Mit dem uferlichten Tag
fängt der Flug der Schwalben

mein Sehnen nicht auf

flüstert der Fluss
sein Lied
trocknet ein Klavier
tonlos am Straßenrand

L.V.
17.6.2013

Wolkenmeer

VII
Auf blau strahlendem Parkett
drehen sich die Wolkentänzer
schließen Wetten ab
mit dem Fluss

wie nah sie noch
heranrücken können
mit vollen Segeln
im Baurausch

Goldgräber am noch schlamm
verklebten Ufer hängen
Lamettagrasbüschel
Mülltütenfetzen in den Bäumen
am Wasser ein verlorener Regenschirm

ein staubiges Sofa mit
Blick auf den glänzenden Wasserspiegel
sonst alles wie immer
in der Abenddämmerung versinkt
die goldene Kugel im Strom

L.V.
18.6.2013

Steinwüste

VIII – Fortsetzung des Gedicht-Zyklus „Am Fluss“ *

Von allen verlassen überdauerten
sie noch das alte Jahr
nun reißt ein gefräßiger Greifarm
die letzten Reste
der alten Speicherhallen am Hafen
aus dunklen Dämmerträumen
erbarmt sich ihrer die seit hundert Jahren
dort standen nicht einfallen wollten

die ihnen neues Leben einverleiben wollten
standen allein
letzten Sommer flatterten noch grünweiße Jalousien
vor einem der Fenster nebenan am City Beach
wurde nächtelang gefeiert
nun starren Fensterrahmen ins Leere
in den Dachnischen der Hallen brüten keine Vögel mehr
der Greifarm gräbt tief ins Innere
zurück bleibt eine Steinwüste
bizarr aufgerichtete Innereien
der Geruch von Holzgebälk Staub und Ziegelsteinen

mittendrin ein mächtiger alter Baum
mit schwarzem Geäst sieht alles mit an
wird er bleiben im Baugewirr graublaue Wasserlachen
ausgerissene Grünsprösslinge winden sich aus Schuttbergen
empor dazwischen ein Stück himmelblauer Zaunsrest
der Bücherscheune hebe es auf mit ein paar Steinen

eine weiß blättrige Gestalt Göttin des Zerfalls
oder Zufalls des nie ganz vertreibbaren Schönen
erhebt sich von einem gelben Steinsrest der früheren Speicher
aus den Trümmern schauen zwei metallene Wächter
wiegen ihre rostigen Baggerschaufelköpfe

L.V.
16.1.2019

* Die Texte I – VII entstanden während des zweiten großen Hochwassers an der Elbe in Dresden im Juni 2013, das erste war im August 2002 und ich wurde aus meiner damaligen Wohnung in der Leipziger Straße ca. 14 Tage evakuiert.
Text VII entstand am 16.1.2019, abends, nach dem Abriss der letzten Speicherhalle in Elbnähe, an der Leipziger Straße. An Stelle der alten Hallen wird das Großbauprojekt Hafencity (Investor USD – Unser Schönes Dresden) mit mehrstöckigen Wohn- und Geschäftshäusern vorbereitet. Die ersten Neubauten stehen schon. Fragen des Hochwasserschutzes im Überschwemmungsgebiet der Elbe sind bis heute nicht ausreichend geklärt. (lv)

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SommerLesung: poesie.premiere3 im Garten der Buchhandlung LeseZeichen

07 Donnerstag Jul 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Musik, Poesie, Projekte

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Herzliche Einladung zur Sommerlesung im Garten!
(auch bei Regen – Überdachung ist vorhanden)
Am Freitag, 8. Juli 2022, 19.30 Uhr

poesie.premiere³: Beck | Sielaff | Wilden

Neue Gedichte mit Patrick Wilden, Volker Sielaff, Patrick Beck und Fouad EL-Auwad

Drei Dresdner Schriftsteller haben je einen neuen Gedichtband veröffentlicht – ganz zufällig erscheinen alle drei Bücher im Frühjahr /Sommer 2022:

Patrick Wilden: Schreibers Ort
Volker Sielaff: Poesiealbum 366
Patrick Beck (gemeinsam mit Fouad EL-Auwad): Die unsichtbaren Dinge werden von der Zeit trainiert (arabisch/deutsch)

Musik: Cornelia Vranceanu (Klavier) und Oliver Clauß (Saxophon)

Im LeseGarten der Buchhandlung LeseZeichen, Prießnitzstraße 56.

Eintritt frei

Der blasse Tagesmond
bestaunt die Pflaumenblüten
von allen Seiten!

(Patrick Beck)

Der letzte Zug zur Grenze ist durchgerauscht

der Ostwind dreht
das Federvieh träumt
auf den Bäumen des Friedhofs
es ist zu dunkel
um hinter dem Fluß die Musik noch zu sehen

(Patrick Wilden)

Nature Writing

und danach, and after, eine Zeile bei Gary Snyder.
Danach heißt: nach dem Knall, dem Anthropozän.
Auf atme dann die Welt, ohne uns. (Hypothese.)
Wir machen Pause, werden weicher: keimen und grünen.

(Volker Sielaff)

https://literaturnetz-dresden.de/veranstaltungen/poesie-premiere³-beck-sielaff-wilden/

Ihr
Jörg Scholz-Nollau

-- 
Mo-Fr. 10-13 und 15-19 Uhr, Sa. 10-14 Uhr

Buchhandlung LeseZeichen
Priessnitzstrasse 56
01099 Dresden

Inh.: Jörg Scholz-Nollau

Tel. 0351-8033914
Fax 0351-8033915
www.buchlesen.de
info@buchlesen.de

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BilderAlbum: Gedicht-Lesung mit Musik „Vom Zauber endloser Anfänge“ vor zauberhafter Kulisse am Melli Beese-Haus in Laubegast

25 Samstag Jun 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Kultur, Lebensart, Musik, Poesie, Projekte, Zwischenmenschliches

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Ein schöner Ort für Kunst & Poesie: Der Künstler Eckhard Kempin vor seinem Atelier im Melli Beese-Haus und die freie Autorin & meinwortgarten-Inhaberin Lilli Vostry.



Immer wieder überraschend: Musiker Gabriel Jagieniak spielte neben dem Libertango von Astor Piazolla am Anfang der Gedicht-Lesung etliche andere Stücke und eigene Lieder, inspiriert von der wundervollen Umgebung des Gartens. Fotos (8): JN

Musik und Poesie vor zauberhafter Kulisse

Am Eingangstor ein großer Strauß Sommerblumen. Die Hausherrin hatte an alles gedacht. Auf der Veranda standen erfrischende Getränke und selbstgebackener Rhabarber-Erdbeer-Kuchen von mir, von dem fast nichts übrigblieb… Genuss für Gaumen, Auge und Ohr gab es reichlich für die BesucherInnen, die zur Gedicht-Lesung „Vom Zauber endloser Anfänge“ mit frühen und neuen Texten von mir, begleitet von Gabriel Jagieniak mit Akkordeon und Stimme, am Donnerstagabend ins Melli Beese-Haus in Dresden-Laubegast kamen. Schade für diejenigen, die es nicht dorthin schafften!

Es war eine wunderschöne Gedicht-Lesung. meine erste im Freien, mitten im Grünen, zusammen mit dem Musiker Gabriel Jagieniak und seinem mitlauschenden Hund Gulliver, in lockerer Runde, mit aufmerksamen ZuhörerInnen, angeregten Gesprächen zwischendurch und lebendig, intuitiv, beschwingt und mitreißend musikalisch umrahmt teils mit Beteiligung des Publikums. Die eine indianische Melodie über das Licht inmitten hoher Berge summe ich immer noch, he jei jo…

So kann es gerne weitergehen. Herzlichen Dank der Gastgeberin vom Melli Beese-Haus, Silvia Tröster und ihrem Mann und dem Künstler Eckhard Kempin, der uns zur Lesung einlud.

Text + Fotos  (11) (lv)

Fotos (2): Teodosius


Musizierfreudig: Mancher Zuhörer griff selbst zur Gitarre zwischendurch und es wurde auch zusammen mit Gabriel Jagieniak musiziert und gesungen. Von osteuropäischen Weisen bis zum Gundermann-Lied „Immer wieder wächst das Gras“.


Charmant: der Künstler Eckhard Kempin freut sich über den Besuch von Janett Noack, Galeristin von Kunst & Eros in Dresden. Bezaubernd: Kleine Fee im Garten.


Janett Noack mit Tochter Klara.


Viel zu entdecken im Garten. Besonders viel Freude bereitete das Himbeeren pflücken. Von den Sträuchern naschte einst schon Melli Beese, die erste deutsche Motorfliegerin, als Kind.

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Beflügelnder Ort: Das Melli Beese-Haus in Laubegast strahlt in frischem Glanz mitten in einem wundervollen, urwüchsigen Garten

21 Dienstag Jun 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Kultur, Lebensart, Musik, Poesie, Projekte, Zwischenmenschliches

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Kunstreicher Ort mit malerischem Ausblick ins Grüne: Silvia Tröster, die neue Besitzerin, rettete und sanierte das Melli Beese-Haus in Dresden-Laubegast. Hier im Gespräch mit dem Künstler Eckhard Kempin, der im Haus einen neuen Ort zum  Wohnen und Malen gefunden hat. Für beide ein Glücksfall.

Glücklich im Garten mit Fingerhut und Königskerzen

Die Schweizerin Silvia Tröster rettete das Melli-Beese-Haus und seinen urwüchsigen Garten mit alten Obstbäumen und seltenen Pflanzen in Dresden-Laubegast.

Die rostige Wasserpumpe steht immer noch im Garten vor dem Melli-Beese-Haus in Laubegast. Sie gehört dorthin wie all die hohen, alten Bäume, die die Zeiten  überdauert und ihre Spuren hinterlassen haben. Hinter dem schmiedeeisernen Metalltor empfängt den Besucher eine blühende Oase. Ein Spalier mit roten Rosen und lila Rhododendronbüschen und vielen weiteren, seltenen Gewächsen. Ein helles Sonnensegel spannt sich schattenspendend über der Wiese. Ein Tisch und Stühle stehen dort. Ein paar Spritzer vom Rasensprüher dringen erfrischend herüber.

Es hat sich viel getan am Haus und im Garten, seit Silvia Tröster das Geburtshaus von Melli Beese auf der Österreicher Straße 84 im Jahr 2016 zusammen mit ihrem Lebensgefährten und zwei Freunden erworben und mit privaten Mitteln saniert hat. Erbaut wurde dieses Ende des 19. Jahrhunderts. Hier hat Hedwig Amelie Beese, 1886 geboren und später die erste deutsche Motorfliegerin, ihre Kindheit verbracht. In dem weiträumigen, urwüchsigen Garten naschte sie als Kind bestimmt schon von den vielen Himbeeren, pflückte Äpfel von den Bäumen, lag im Gras und schaute träumend in den Himmel. 1911 erhielt Melli Beese als erste Frau in Deutschland den Pilotenschein. „1898 sind Beeses dann nach Striesen gezogen. Im Garten wollte der Vater seine Fabrik, einen Steinmetzbetrieb und Tiegelgießerei, im Bereich des Gartens erweitern, aber die Stadt lehnte ab. Zum Glück“, weiß Silvia Tröster.

1998 sollten 23 Reihenhäuser auf dem Grundstück gebaut werden. Doch auch dies scheiterte. Viele Jahre gehörte das Grundstück einer Erbengemeinschaft, die sich nicht einigen konnte, was mit dem Haus passieren soll. Zehn Jahre stand das Gebäude leer und verfiel immer mehr, bevor Silvia Tröster es 2011 entdeckte. Sie ist gebürtige Schweizerin, studierte in Basel Geschichte und Sprachen und zog 1993 nach Dresden. Sie mag diese Stadt und ihre Historie, doch vor allem die besondere menschliche Lebensqualität, sagt sie. Erstmals besuchte sie die Elbestadt und Herrnhut in der Lausitz als junges Mädchen mit 16 Jahren in den 1970er Jahren und erinnert sich gern an diese Zeit. Seit 1995 wohnt sie in Laubegast. „Wir haben etwas Altes zum Sanieren mit Gestaltungsmöglichkeiten gesucht, am liebsten in Laubegast. Im Denkmalsschutzamt wurde uns dieses Haus genannt. Als ich es das erste Mal sah, ging mir schon das Herz auf“, erzählt Silvia Tröster, die mit ihrem eigenen Touristikbüro Stadt- und Kunstführungen in Dresden anbietet.

Um das denkmalgeschütze alte Gebäude originalgetreu zu sanieren und den wundervollen Garten zu erhalten, hat sie ihre Eigentumswohnung verkauft und ihr Lebenspartner sein Haus. Die alten Holzrahmenfenster, Holztüren und Klinken wurden aufgearbeitet, eine völlig zugekleisterte Stuckdecke samt Deckenmalerei in einem Raum von Silvia Tröster allein wieder freigelegt und restauriert, die blau weißen Villeroy & Bochkacheln erhalten und veraltete Wasser- und Gasanschlüsse im Haus erneuert. Das – welch ein Zufall – im Schweizer Stil erbaute, nun wieder frisch weiß strahlende Gebäude mit filigranen Holzverzierungen und hellgrünen Fensterläden steht umgeben von einer Teneriffa-Kiefer, Mittelmeer-Zypressen und einem Gingkobaum. „Der Alteigentümer und Vater der Erben hatte ein gutes Händchen für den Garten. Er ließ sich Setzlinge von Reisenden mitbringen. Ihn habe ich leider nicht mehr kennengelernt“, bedauert Silvia Tröster. Diese Mischung aus kultivierten Gewächsen und Wildblumen hegt, pflegt und vermehrt sie nun mit Hingabe weiter. Alte Apfel-, Kirsch-, Pflaumen- und Nussbäume stehen im Garten. Alte Obstsorten wie „Berner Rose“, „Kaiserapfel“ und „Danziger Kantapfel“ mit feinem Aroma lassen ihre Augen leuchten. „Wir lassen den Garten naturnah und pflanzen nur insekten- und vogelfreundliche Sorten“, sagt Silvia Tröster. Gemäht wird das Gras erst wenn es hoch steht, zwei Mal im Jahr, Anfang Juni und im Oktober mit Sense und Balkenmäher. Ein alter Brunnen noch vom Hausgründer wird mit Elektropumpe genutzt. Äste mit Windbruch bleiben liegen in einer „Feenecke“ als Unterschlupf für Igel im Winter.

„Wir sehen den Klimawandel und möchten unseren Garten nachhaltig gestalten und erhalten als eine grüne Oase in der Großstadt“, sagt Silvia Tröster. Durch die hohen Bäume bleibt Feuchtigkeit im Boden, während vier junge Lärchen schon verdurstet sind. „Dafür sprossen plötzlich Königskerzen, Fingerhut und Lichtnelken reichlich, die sich selbst ernähren und man nicht zu gießen braucht. Die ersten Himbeeren sind schon  reif, die wunderbar schmecken“, freut sich Silvia Tröster. „Wir wollen dieses besondere Haus und den Garten auch für Besucher öffnen zu kulturellen Anlässen.“ Im Anbau des Melli-Beese-Hauses mit Holzveranda und malerischem Ausblick in den Garten wohnt der Künstler Eckhard Kempin, der sein Atelier im Erdgeschoss hat und 80-jährig immer noch vital und produktiv ist, malt und Ausstellungen und Lesungen im Haus organisiert. Am Gartentor hängt ein Aushang mit den Veranstaltungen.

Am 23. Juni, 19.30 Uhr gibt es eine Gedicht-Lesung: „Vom Zauber endloser Anfänge“ mit Lilli Vostry, freie Autorin und dem Musiker Gabriel Jagieniak mit Akkordeon und Stimme im Melli Beese-Haus, Österreicher Straße 84 (gegenüber der Schiffswerft) in Dresden-Laubegast.

Text + Fotos (lv)


Ein schöner Ort zum Malen, Wohnen und Kultur genießen: der Eingang zum Atelier von Eckhard Kempin, der hier auch zu Ausstellungen und Lesungen einlädt.

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Wort & KlangZauber: Gedicht-Lesung „Vom Zauber endloser Anfänge“ mit Lilli Vostry & Musiker Gabriel Jagieniak im Melli Beese-Haus in Laubegast

Hervorgehoben

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Musik, Poesie, Projekte, Zwischenmenschliches

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Herzlich willkommen zu meiner nächsten Gedicht-Lesung „Vom Zauber endloser Anfänge“ im Melli Beese-Haus, im Atelier von Eckhard Kempin, Österreicher Straße 84 in Dresden-Laubegast. Ein wunderschöner Leseort mit zauberhaftem Garten.

Natur, Kunst, Musik & Poesie in zauberhafter Umgebung

Zu erleben bei der Gedicht-Lesung „Vom Zauber endloser Anfänge“ mit Lilli Vostry, freie Autorin und Musiker Gabriel Jagieniak mit Akkordeon und Stimme am 23. Juni, 19.30 Uhr im Melli Beese-Haus, im Atelier von Eckhard Kempin, Österreicher Straße 84 (gegenüber der Schiffswerft) in Dresden-Laubegast.

Der Zauber endloser Anfänge geht weiter. Diesmal sind wir mit unserer Gedicht-Lesung mit Musik in einem Haus mit besonders bewegender Geschichte zu Gast. Im Melli Beese-Haus, dem Geburtshaus der ersten deutschen Motorfliegerin, in Dresden-Laubegast. Eine Gedenktafel mit ihrem Bildnis an der Gartenmauer am Eingang erinnert an die berühmte Bewohnerin. Umgeben ist das Haus von einem wundervollen, urwüchsigen Garten mit hohen alten Bäumen, blühenden Sträuchern, Blumen und seltenen Pflanzen. Ein beflügelnder Ort wie geschaffen für Kunst, Musik und Poesie, begleitet von Vogelgezwitscher. Das von seinen neuen Besitzern liebevoll, detailgetreu sanierte, denkmalgeschützte Haus lädt ein zum Träumen, Innehalten und Verweilen. Die Besitzer öffnen die Türen gern für Besucher zu kulturellen Anlässen wie Ausstellungen, Lesungen und Musikabenden. Diese finden statt im Atelier- und Ausstellungsraum des Künstlers Eckhard Kempin, der hier seit der Sanierung des Gebäudes wohnt. Durch ihn wurde ich auf diesen besonderen Ort und seinen zauberhaften, naturnah belassenen Garten aufmerksam.

Um so größer die Freude, nun hier meine Gedichte, begleitet von Musiker Gabriel Jagieniak mit Akkordeon und Stimme, wieder lesen zu können. Zu hören sind ältere und neue Texte, darunter aus den bereits vier veröffentlichten GedichtBilderKalendern, die zwischen 2010 und 2022 entstanden.

Meine Wortgebilde sehe ich wie Wolken, die beständig ihre Form ändern,
in offener Weite die Fantasie anregen und in denen man immer etwas Neues entdecken kann. Die mal unbeschwert, mal bewölkt, von den Wandlungen im Leben, von Licht und Schatten, dem Zauber des Augenblicks und Neuanfangs erzählen.

Gabriel Jagieniak (soundcloud.com/gabriel-jagieniak) bewegt mit seinem virtuosen Akkordeonspiel, mit und ohne Gesang und eigenen Kompositionen, auf humorvolle Weise frei vorgetragen, immer wieder das Publikum.

Kommt, schaut, lauscht und genießt.

Wir freuen uns auf Euer Kommen!

Herzliche Grüße
Lilli Vostry und Gabriel Jagieniak

Hier vorab eines meiner neuen Gedichte zur Einstimmung auf die Lesung im Melli-Beese-Haus:

Nahe bei Dir

Ich saß in einem Garten
ganz in deiner Nähe
und dachte wie es wäre
wenn wir uns noch einmal
alles erzählen
wie es begann
dein und mein Leben
wir uns aus den Augen verloren
doch nicht aus dem Sinn

ein Wasserstrahl flüstert
in einem Brunnen
sitzt du manchmal
auf einer der Bänke
beschirmt von hohen Bäumen
verblüht schon die  Rhododendron
die Blumen aus Kindertagen

locken vor mir weiße Blütensterne
der Duft von Holunder in der Luft
greife nach den hoch hängenden
Blütendolden
und vergesse einen Moment
die unsichtbare Grenze
zwischen uns

LV
2.6.2022

Text + Fotos (lv)

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Ausstellung „Angela Hampel – Das künstlerische Werk“ in der Städtischen Galerie im Landhaus Dresden

09 Donnerstag Jun 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Bildende Kunst, Lebensart, Musik, Poesie

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Steigende und stürzende Figuren auf Papierbahnen, eine frühe Arbeit von Angela Hampel im Treppenhaus vom Landhaus Dresden, in dem sich die Städtische Galerie befindet.

Geigenklänge & Klopfzeichen. Hinreißend klangfunkelnd spielte der Musiker Florian Meyer zur Ausstellungseröffnung von Angela Hampel.
Wie die Bilder entstehen: Mit Worten wie Farben malend, sinnend, suchend und wild fabulierend, las Josephine Hoppe Texte von Angela Hampel (li. im Bild).
Auskunft über ihr reichhaltiges Schaffen gibt ein Porträtfilm über die Künstlerin in der Ausstellung.

„Selbst“

„Die Königin von Saba“

Lust an Reibung

Bilder voller Farbkraft, wilde, weise und zornige Weiblichkeit, abgründige Schönheit, Mensch- und Tierpaare innig und blutig. Clowns und Tod im Boot. Schwebende, stürzende, biegsame Figuren, die sich an jede Lebenslage anpassen. Ausdrucks- und emotionsreiche Malerei, Zeichnungen, Grafik und Installationen aus den 80er Jahren bis zur Gegenwart zeigt derzeit die Ausstellung „Angela Hampel – Das künstlerische Werk“ der international geschätzten Künstlerin erstmals in einer Einzelausstellung in der Städtischen Galerie Dresden im Stadtmuseum. Zu sehen bis 11.9.2022.

Mehr zur Ausstellung demnächst.

Text + Fotos (lv)

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Lesung mit dem Dichter Andreas Reimann im Landhaus Dresden

08 Mittwoch Jun 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Literatur, Poesie

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Verse aus einer anderen Zeit und eine Werkausgabe zu Lebzeiten

Der Dichter Andreas Reimann liest in der Reihe „Literarische Alphabete  – Lesungen im Landhaus“ am 9. Juni, 19.30 Uhr im Café im Stadtmuseum Dresden, Wilsdruffer Straße 2.

Auch wer den Dichter Andreas Reimann nicht kennt, hat bestimmt schon Lieder von ihm gehört. Als Texter von Popgruppen, Liedermachern und Chansonsängern hielt der 1946 in Leipzig geborene Sohn eines Grafiker-Ehepaares sich in den späten 80er Jahren über Wasser. Für Lift und Stephan Krawczyk hat er unter anderem gedichtet. Sein heute hoch geschätztes Werk ist nicht zuletzt aus einer brüchigen Biografie erwachsen: als 1953 der Vater in den Westen ging, 1954 die Mutter sich das Leben nahm, kam er in einer Kinderheim, später wuchs er bei der Großmutter in Leipzig auf. Die weiteren Wegmarken: Schriftsetzerlehre, Literaturstudium, Exmatrikulation, zwei Jahre Haft wegen »staatsfeindlicher Hetze«. Nach seiner Entlassung 1970 Transportarbeiter, Brauereigehilfe, Lohnbuchhalter. Aber das sind nur die äußeren Fakten.
Zwei Gedichtbände durften von Andreas Reimann in der DDR erscheinen, dann durfte er bis 1989 nicht mehr veröffentlichen. Aber er schrieb trotzdem weiter über das Land, an dem er litt. Viele Bücher von ihm erschienen nach 1989, die Liste ist lang. Peter Geist schrieb über Reimanns Poesie: »Er weiß die Bennschen Wallungswerte in Klangmagie und harten Fügungen ebenso für sich zu nutzen wie die Möglichkeiten der Bildparadoxa. Der dialektische Sprachwitz Brechts scheint durch.«

Nun wird der Dichter mit einer Werkausgabe zu Lebzeiten geehrt, die ersten 5 Bände sind in der Connewitzer Verlagsbuchhandlung erschienen. Im Gespräch mit Patrick Beck gibt er Auskunft über sein Werk und liest Gedichte aus seinem umfangreichen Œuvre.

Literaturforum Dresden e.V. in Kooperation mit den Museen der Stadt Dresden.
Gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtages beschlossenen Haushaltes. Gefördert von der Landeshauptstadt Dresden, Amt für Kultur- und Denkmalschutz der Landeshauptstadt Dresden.

Mit besten Empfehlungen,
Jörg Scholz-Nollau

-- 
Mo-Fr. 10-13 und 15-19 Uhr, Sa. 10-14 Uhr

Buchhandlung LeseZeichen
Priessnitzstrasse 56
01099 Dresden

Inh.: Jörg Scholz-Nollau

Tel. 0351-8033914
Fax 0351-8033915
www.buchlesen.de
info@buchlesen.de

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Neue Lyrik: Flieg Taube flieg & Der Junge mit den Tauben

08 Sonntag Mai 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Fotografie, Lebensart, Poesie

≈ Ein Kommentar

Flieg Taube flieg
bring den Menschen
überall auf der Welt
Freude Farben die aus dem Rauch
aufsteigen
Schenk ihnen das Himmelblau
zurück
Lass sie mit deinen Schwingen
fliegen
und den Frieden siegen

LV
7.5.2022

Der Junge mit den Tauben

Er stand eine Zeitlang
wie ein Schatten
stumm beobachtend
hinter mir
mit verächtlicher oder gleichgültiger
Miene schien mir
als ich die Tauben fütterte

gleich wirft er einen Stein nach ihnen
verscheucht sie selbst hungrig
doch der Junge fragt in gebrochenem
Deutsch ob er die Tauben
mitfüttern darf

ich gebe ihm ein halbes Brötchen
es ist schon hart meine Knöchel blutig
als ich es durchbreche
vorsichtig gibt der Junge den Tauben die
Krumen
ich hab ihn nicht wiedergesehen

ich denke an die Menschen in Mariupol und
die anderen zerstörten ukrainischen Städte
in den Bildern liefen Tauben neben Wracks
von Panzern
Vögel sangen in den Bäumen zwischen
Häusertrümmern

Glasscherben liegen am steinigen Flussufer
wo die Wasservögel landen
Hundegebell Lachen fremde Sprachlaute
Grillgeruch und Flügelschlagen sich mischen

Tauben und Sperlinge schwirrend die
Brotkrumen aufpicken Kinder mittendurch
rennen mit Eis in den Händen
ein Junge tritt mit den Füßen
nach den Tauben
ein Mädchen tritt über die Krumen

die Tauben fliegen auf
über dem Wasser
in dem sich weiß gefiederte Wolken
spiegeln und der leere Steinstrand
im Abendlicht glänzend
zurückbleibt

LV
7.5.2022

Texte + Fotos: Lilli Vostry

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Lyrik-Anthologie „Weltbetrachter“

23 Samstag Apr 2022

Posted by Lilli Vostry in Aktuelles, Lebensart, Poesie

≈ Hinterlasse einen Kommentar

Nichts ist wie es bleibt

Reichhaltig reizvolle Blicke auf die Gegenwart und das Menschsein in allen Facetten versammelt der Gedichtband „Weltbetrachter – Eine Anthologie aus Sachsen“ mit Lyrik von rund 100 sächsischen Autorinnen und Autoren. Ein ausdrucksvoller Spiegel der Zeit und eine Empfehlung zum heutigen Welttag des Buches.

Ein herausgerissenes Notizblatt mit noch freien Linien und Kästchen, angefüllt mit Zeichensymbolen wie Auge, Fußspuren, Rabe, ein aufgeklapptes Buch wie ein Zelt, aus dem Hände wie Flügel wachsen oder ein Schiff auf dem Meer, schmückt den Umschlag. Sie spielen mit der Fantasie des Betrachters und verwandeln sich in wortspielreiche Lyrik. Über 150 Gedichte von rund 100 sächsischen Autorinnen und Autoren versammelt das Buch „Weltbetrachter – Neue Lyrik. Eine Anthologie aus Sachsen“, herausgegeben von Róza Domascyna und Axel Helbig vom Sächsischen Literaturrat e.V. (267 S., 2020, poetenladen, Leipzig).

Darin finden sich vielfältige Blicke auf die Welt, ebenso viele Betrachtungs- und Ausdrucksweisen, unterschiedlich in ihrer Intensität, Tiefe und Sprachkraft. Eine große Bandbreite an lyrischen Spielarten und Inhalten, über Leben, Liebe, Tod und Menschsein, Natur und Sprache in allen Facetten, enthält dieser Gedichtband von klassisch gereimt bis experimentell. Prosagedichte in Sätzen, freie Verse mit eigenen Wortschöpfungen, konsequent kleingeschrieben, nüchtern sachlich, konkret oder assoziativ. Sie sind leise, sanft, zärtlich, rau oder zornig im Ton. Karg oder üppig, lustvoll, spöttisch, sinnlich oder melancholisch, bitter und komisch in ihrer Weltbetrachtung.

Die Herausgeber haben eine Auswahl aus 1 500 eingesandten Gedichten getroffen,  aus denen sich ein Spiegel der Zeit geformt hat, heißt es im Vorwort. Die Texte stehen in Kapiteln thematisch geordnet unter Überschriften wie „Flach in der Schrift liegt das Gedicht in dir“, „Nichts ist wie es bleibt“ und „Allein die Purpurfarbe weicht nicht aus“.
Das Schöne und Reizvolle an solch einer Lyriksammlung ist, man kann sich an einer zufällig aufgeschlagenen Seite von den Gedichten überraschen lassen, bleibt daran hängen, liest sich fest oder blättert weiter. Taucht in immer neue, andere Stimmungen und Welten ein, die einen verzaubern, erstaunen, rätseln, träumen und nachsinnen lassen.

Text + Foto (lv)

Mehr Text zum Gedichtband folgt.

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Lilli Vostry

Ich bin als Freie Journalistin (Wort/Foto) seit 1992 in Dresden tätig. Schreibe für Tageszeitungen und Monatsmagazine vor allem Beiträge über Bildende Kunst, Theater, soziale Projekte und Zwischenmenschliches. Außerdem Lyrik und Kurzprosa. Bisher vier BilderGedichtKalender zusammen mit Künstlern veröffentlicht. Fernstudium Literarisches Schreiben im Herbst 2022 erfolgreich abgeschlossen, Schriftstellerdiplom. Kindheitstraum erfüllt. Fotografiere gern Menschen, Landschaften, besondere Momente.

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