Erstes OpenAir-Festival „Karierte Katze“ im Palaisgarten in Dresden


Klein, keck, aufgeweckt & spielfreudig: Schwarz-weiß kariert und eigensinnig wie die Katzentiere und so bunt wie das Leben – so soll es zugehen beim ersten Open Air Kulturfestival „Karierte Katze“ im Palaisgarten in Dresden. Der Initiator, Künstler und Galerist Holger John und weitere Kreative veranstalten das Mitmachfest für alle vom 26. bis 28. Juli.

Ein buntes Fest der Fantasie ohne Katzenjammer

Drei Tage Katzenalarm mit fröhlich kulturreichem Feiern und vielen kreativen Angeboten für alle locken beim ersten Open Air Kulturfestival „Karierte Katze“ im Palaisgarten am Japanischen Palais in Dresden.

Noch klein, keck und lustig anzschauen sind die schwarz-weiß gefleckten Wesen. Einige stehen schon mit stolz aufgerichtetem Schwanz, gezwirbelten Schnurrbarthaaren und magischen Augen, andere lümmeln genießerisch auf dem Rücken oder Bauch liegend mit spielfreudig ausgestreckten Pfoten. Die wundervollen Wesen hocken, apart und liebevoll gezeichnet und in Karton geschnitten, ausgeh- und einsatzbereit auf dem Ledersessel in der Galerie Holger John in der Rähnitzgasse 17. Sie stehen im Mittelpunkt beim ersten Open Air Kulturfestival „Karierte Katze“ vom 26. bis 28. Juli im Garten des Japanischen Palais in Dresden. „Drei Tage Katzenalarm – schwarzweiß kariert – so bunt wie das Leben“, so der Untertitel sorgen dann für fröhlich kulturreiches Feiern im Grünen, mit fantastischem Blick auf die Altstadtkulisse.

„Dies ist das erste Festival in Schwarz-Weiß, doch ohne Farben vertrocknen wir, das Color der Vielfältigkeit belebt den Platz“, sagt der Initiator und künstlerische Leiter Holger John. Zusammen mit zwei weiteren Kreativen und Katzenliebhabern, Markus Richter und Johannes Richter, bringt er die „Karierte Katze“ zum Laufen. Abends werden die Bäume und das Palais farbig illuminiert. „Es geht daraum, ein Format der Fantasie zu entwickeln, etwas Eigenes, Neues, Frisches. Dresden ist ja eine Kulturstadt. Da sollte die Kultur ganz oben stehen“, sagt der umtriebige Künstler und Galerist John. „Es ist ein Mitmachfestival, nicht nur um zu konsumieren oder schlecken. Wir verschenken das Glück und laden alle ein, mitzutun und ihre künstlerische Ader zu entdecken.“

Es werden alle Altersgruppen angesprochen, Einheimische ebenso wie Touristen. Die Katze als kariertes Symboltier sei auch besonders eigensinnig, selbstständig, verführerisch und erotisch. Ebenso vielfältig, geradezu unwiderstehlich will sie sich zum Festival in den Palaisgarten einschleichen. Das Open Air hält drei Tage lang Musik, Tanz und Spiele bereit, außerdem ein großes Picknick auf der Palaiswiese, zu dem jeder Besucher Speis und Trank mitbringen und seinen Müll umweltschonend entsorgen kann. Die Palette reicht von Retro, Klassik, Jazz bis zu Hip Hop und Elektromusik. Alles sei erlaubt, nur kein Katzenjammer, davon gebe es schon genug in der Welt. Von jung bis alt können alle zu Stift, Pinsel und Farben greifen und karierte Katzen, Träume und Visionen für die Zukunft malen, die dann in einer großen Open Air-Bildergalerie am Sonntag  ausgestellt werden. “Künstler werden oft wie bunte Hunde gesehen, die aber in keine Schublade passen. Doch die bunten Hunde braucht die Gesellschaft, denn die Buntheit macht das Leben aus“, sagt John schmunzelnd, „die auch ein Spiegelbild unserer selbst ist und auch das Lächeln über die teils seltsam eingeübten Hundedressuren.“  Holger John ist selbst ein leidenschaftlicher Lustgärtner und Veranstalter einiger rauschender Feste, wie dem Titanic-Filmball im Kraftwerk Mitte, dem Venezianischen Maskenball im Schlosspark Pillnitz, einem „Festmahl der Kunst“ im Palais im Großen Garten und einem „Imaginären Museum“ zur Museums Sommernacht, und sagt: „Dresden hat ja eine große Tradition mit Feiern und es ist ein Lustgarten am Palais. Wir schauen zurück auf ein europäisches Lebensgefühl in dieser Stadt und holen es nachhause.“ Erlebbar wird dieses mit den Akteuen des Elbvenezianischen Carneval in Dresden, die opulente Lebensfreude verkörpern und Lustwandeln im Palaisgarten und nächstes Jahr geht es weiter mit einem eigenen großen Carnevals-Fest.

Den feurigen Schlusspunkt setzt am Sonntag abend die rumänische Balkanbrass-Blaskapelle „Fanfara Kalaschnikov“ mit Originalmusik aus dem Kultfilm „Schwarze Katze, weißer Kater“. „Unsere Katze ist noch ganz klein und mürrisch, sie muss gut gepflegt werden und da kann jeder mithelfen, sie gut zu erziehen“, so John. „Wer weiß, dann kann daraus noch eine elegante, schöne Tigerkatze werden.“ Katzen haben bekanntlich sieben Leben und solange soll es dieses Kulturfestival mindestens geben. Den Eintrittspreis können die Besucher selbst bestimmen und damit das Festival unterstützen. Das komplette Festivalprogramm steht ab 19. Juli auf der Webseite und dort sind auch Katzenkarten erhältlich unter www.kariertekatze.de

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Geballte Farb- und Formlust

Die derzeitige Ausstellung „Madonnen & Medusen“ versammelt Arbeiten von 25 Künstlerinnen und ist noch bis 21. Juli zu sehen in der Galerie Holger John in der Rähnitzgasse 17 in Dresden.


Frau & Faun und noch ein Paar von der Malerin Angela Hampel.

OpenAir Kabarett-Sommer mit dem Stück „Die Erde hat eine Scheibe“ der Herkuleskeule Dresden


Sommerlich heiter bis wolkig und gewittrig: Die drei „Gartenfreunde“ und Kabarettisten der Dresdner Herkuleskeule Philipp Schaller, Birgit Schaller und Alexander Pluquett betrachten die Wetterlage im Kleingarten und auf der Welt von der Hollywoodschaukel aus in ihrem ersten Open Air Sommer-Kabarettprogramm. Foto: Robert Jentzsch

Kleingärten für alle, um den Weltfrieden zu retten!

Im ersten Open Air Sommer-Kabarettprogramm „Die Erde hat eine Scheibe“ der Dresdner Herkuleskeule spielen und singen die drei Kabarettisten Birgit Schaller, Alexander Pluquett und Birgit Schaller, begleitet von den Musikern Jens Wagner und Volker Fiebig, im „njumii, dem Veranstaltungszentrum der Handwerkskammer Dresden, derzeit mit viel bodenständigem Humor, Herz und Geist über Gartenfreuden und Umweltsorgen, Kleinkriege und Flächenbrände in der Welt.

Aus wolkenreichem Himmel schauen die zwei pausbäckigen Engel aus Raffaels Bild „Sixtinische Madonna“ neugierig über den Gartenzaun. Eine Hollywoodschaukel, Holzstühle neben einem verkümmerten Bäumchen mit einem letzten roten Apfel und Bierkästen vervollständigen die Kleingartenidylle. Das Vogelgezwitscher kommt vom Band. Der Handwerkskammerpräsident hat einen Dachschaden und ist damit nicht der einzige, weiß aber immerhin, was dagegen zu tun ist. Humor und Handwerk passen sehr gut zusammen, wie sich herausstellt im Programm „Die Erde hat eine Scheibe“ – eine kabarettistische Sommerfrische der Dresdner Herkuleskeule (Buch: Philipp Schaller; Regie: Matthias Nagatis), das am Mittwochabend Premiere im „njumii“, dem Veranstaltungszentrum der Handwerkskammer Dresden feierte.

Es ist das erste Open Air der Humoristen im Innenhof des nagelneuen Ausbildungszentrums der Handwerkskammer Dresden Am Lagerplatz 8 im Industriegelände. Dort bringen die drei Kabarettisten Birgit Schaller, Alexander Pluquett und Philipp Schaller gemeinsam mit den Musikern Jens Wagner und Volker Fiebig den Sommer auf die Bühne und lassen sich dabei von heraufziehenden Gewitterwolken nicht verdrießen. In einer Mischung aus neuen Nummern und Dauerbrennern, den besten Szenen und Liedern der letzten Jahre spielten und sangen sie vor vollen Rängen mit viel bodenständigem Humor, Herz und Geist über Gartenfreuden und Umweltsorgen, Erderwärmung, erhitzte politische Debatten und Schaumschlägerei, Kleinkriege und Flächenbrände in der Welt. Da biegen „Unkraut-Udo“ und „Sensen-Jens“ um die Ecke. Das Publikum wird als „Gartenfreunde“, „Kultur-Dummys“ und  „Testzuschauer“ begrüßt. Echte Zuschauer seien wirklich eine Plage heute, lästern die Kabarettisten, sie beschweren sich, wenn es ihnen zu politisch wird, zu links oder rechts oder reden laut rein. Philipp Schaller fühlt sich gar gestört von ihnen, kann sich nicht konzentrieren und Pluquett gibt dem Publikum den Rat: „Tun Sie einfach so, als wäre er gar nicht da. Der Olaf Scholz kriegt das auch hin!“

Kaum war der Eröffnungssong „Lass die Sonne in dein Herz…“ verklungen, schlugen die Wogen schon hoch und wurde auf der Kleingarten-Bühne hitzig, absurd wortakrobatisch und erhellend gestritten querbeet durch alle Parteien hinweg über Klimaretter, Sprachretter, Volksretter und ob eine Zucchini auf den Grill gehört? Da erkärt Pluquett mit Strohhut Schaller in orangenem T-Shirt stolz seinen neuen „Solar-Grill“, hält er den Stab in die Luft zunehmend von Hunger geplagt und ereifert sich über die „grüne Logik“, die keine Insolvenzen kennt, aber immer höhere Energiepreise und Abgabenlasten und sinkende Wachstumsraten. Es geht um „Kaffee, Freunde und Bestattung to go“, alles wird immer schneller in der digitalen Welt und doch bleibt immer weniger Zeit, beispielsweise im Garten zu entspannen und zu genießen. Es geht um Wahrheit und Fake News, die man kaum noch unterscheiden kann, das Recht auch als Nichtbetroffener über Probleme mitzureden und Emphatie zu zeigen ebenso wie das Eintreten für Frieden und gegen „kriegstaugliche Schulen. Die sind ja noch nicht mal bildungstüchtig!“, sagt Philipp Schaller und bekommt viel Beifall der Zuschauer. Er weiß auch, wie man den Weltfrieden retten kann: „Groß denken und klein anfangen. Erster Schritt: die Länder werden abgeschafft und jeder bekommt eine Parzelle zugewiesen, das wären bei derzeit 25 Kriegen geteilt durch 200 Länder ein Achtel Krieg pro Land und acht Milliarden Kleingärten!“ Birgit Schaller erzählt und singt mit viel Ironie und warm-kraftvoller Stinme über die Gier nach immer mehr, den Ursprung vom Überfluss und wie man den fatalen Kreislauf durchbrechen kann, indem man der eigenen, gefühlten Wahrheit vertraut.

Die drei Kabarettisten schaffen das Kunststück, heikle und komplizierte Themen so zu verpacken, dass sie weder zu leicht, noch zu schwer, nicht einseitig, aber doch mit Haltung, locker, originell, ernsthaft und unterhaltsam auf die Bühne kamen, zum Lachen, Reiben und Nachdenken anregen. Zuletzt halten sie entgegen aller Widrigkeiten sonnengelbe Smileys hoch und geben den Zuschauern ein Loblied auf das Lachen, „das Schönste auf der Welt“ mit auf den Weg. Das Laune, froh und gelassen macht, auch ermutigt und das man sich nicht von Ideologen und Moralaposteln nehmen lassen darf. Reichlich Beifall gab es für diesen sommerlich heiteren Kabarettabend mit Leichtigkeit und Tiefsinn.

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Unterwegs: Planwagentour der Theatergruppe „Spielbrett“ führt in die Sächsische Schweiz


Mit Pferdewagen, Drahteseln und dem neuen Sommertheater-Stück, Shakespeares „Sturm“ im Gepäck zieht die Dresdner Theatergruppe „Spielbrett“ als fahrende Schauspielertruppe wieder über Land auf ihrer diesjährigen Planwagentour, die weit und breit einzigartig ist. Fotos (4): Tanja Grünert

Mit Pferdewagen und Spielleidenschaft unterwegs wie zu Shakespeares Zeiten

Die Theatergruppe „Spielbrett“ aus Dresden geht wieder auf Planwagentour in die Sächsische Schweiz vom 29. bis 27. Juli.

Der Planwagen ist vollbeladen mit Requisiten, die helle Leinenplane bemalt mit der Route und die zwei Pferde ziehen den Karren im Schritttempo. Dahinter radeln die Darsteller in bunten Sachen auf Drahteseln mit Satteltaschen und Rucksäcken hinterher, hinaus aus der Großstadt, über Dorfstraßen und auf weiter Flur. Die Gruppe „Spielbrett“ geht bald wieder auf ihre traditionelle, einwöchige Planwagentour durch die Sächsische Schweiz vom 20. bis 27. Juli. Im Gepäck für das Sommertheater hat sie dieses Jahr „Shakespeares Sturm“.

„Ein Sturm, eine Insel, eine gestrandete Regierung und ein gestürzter Herzog als Herrscher über das Eiland“, so kündigt die Gruppe das Stück an. In dem nicht ganz zufällig die Helden und Heldinnen sich in einem Labyrinth aus Magie, Gewalt, Intrigen, aber auch Liebe wiederfinden. Luftgeister kommentieren das Geschehen mit aktuellen Bezügen. „Eine fahrende Schauspielertruppe, die durch die Lande zieht wie zu Shakespeares Zeiten und das schon seit vielen Jahren, das ist deutschland- und europaweit einmalig“, weiß der Schauspieler, Regisseur und künstlerische Leiter von „Spielbrett“ seit der Gründung 1985, Ulrich Schwarz. Dem man seine 77 Jahre nicht ansieht und der noch längst nicht ans Aufhören denkt. Dazu mache es ihm zu viel Spaß. Sie zeigen urwüchsiges, sinnlich, poetisches, unterhaltsames und intelligentes Volkstheater mit großer Leidenschaft, Spielfreude und Humor an verschiedenen Orten. Insgesamt acht Vorstellungen stehen auf dem Programm.

Der Start mit dem Planwagen vom Pferdehof Schmidt aus Loschwitz ist am 20. Juli, um 10 Uhr am Blauen Wunder. Erster Spielort dann abends, 20 Uhr im Schlosspark Graupa vor einer uralten Eiche. Weiter geht`s über Schloss Weesenstein, Struppen, Gohrisch am Dorfteich, Königstein am romantischen Malerwinkel, Bad Schandau, Hohnstein bis nach Dürröhrsdorf-Dittersbach als letzter Tourstation.

„Die Spieler ziehen in Kostümen und mit Musik, Akkordeon und Gitarre, lautstark jeweils in den Ort ein und werben für die Vorstellungen. Bei der Planwagentour geht es um den Schauwert, aber auch um Langsamkeit und Genießen für Akteure wie Zuschauer“, so Ulrich Schwarz. Sie fallen überall auf. „Mindestens 50 Prozent der Leute fühlen sich durch den Planwagen angezogen.“ Als Spielkulisse dient ein Bühnengestell, an dem bemalte Bühnenbilder und manchmal auch Türen hineingehängt werden. Bekannte Künstler gingen mit „Spielbrett“ auf Planwagentour ihre ersten Schritte, so Regisseur Schwarz, wie der inzwischen verstorbene Schauspieler und Kabarettist Olaf Böhme als „Falstaff“ oder die Sängerin und Liedkabarettistin Anna Mateur. Elf Spieler in Doppelbesetzung sind derzeit dabei im Alter von 20 Jahren bis Anfang 70. Sie arbeiten als Lehrer, Ärztin oder in der IT-Branche. Ein Koch fährt auch mit, der für Speis und Trank sorgt. Beim Frühstück und abends nach der Vorstellung sitzen die Spieler an einer großen Tafel zusammen, wird gequatscht und gefeiert. Die Planwagentour wird privat finanziert. Übernachtet wird unterwegs in Turnhallen und Schulräumen in Schlafsäcken.

„Die Planwagentour ist noch nie gefördert worden weder von der Stadt Dresden noch vom Land Sachsen. Obwohl wir doch in Sachsen bleiben und Kultur in den ländlichen Raum bringen“, so Ulrich Schwarz. Er als künstlerischer Leiter und die Organisatoren der Tour bekommen ein Honorar. Und die Gruppe „Spielbrett“ erhalte eine geringe Förderung von der Stadt pro neue Inszenierung. Die Planwagentour wechselt jährlich, neben der Sächsischen Schweiz führt sie auch ins Osterzgebirge und nächstes Jahr wieder an die Märkischen Seen mit immer anderen Shakespeare-Stücken. „Meist kommen um die 100 Besucher pro Vorstellung. Letztes Jahr am Schloss Lauenstein waren es sogar 200 Zuschauer“, so Schwarz. Nächstes Jahr im Herbst feiert die mehrfach preisgekrönte Gruppe „Spielbrett“ ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum mit einem Theaterfestival unter dem Motto „Danke Volk!“ im Theaterhaus Rudi in Dresden.

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http://www.spielbrett.info

BilderAlbum: Konzert mit dem BärensteinOrchester beim zweiten Musiksommer Bärenstein


Bühne frei für Klangreichtum: das BärensteinOrchester mit seinem Leiter Hartmut Dorschner beim Konzert im Kunsthaus Bärenstein.

Eine fröhlich mitreißende Klang-Lawine

Mit einem bunt gefächerten, herrlich unkonventionellen und abwechslungsreichen Abschlusskonzert nach einwöchigem Musik-Workshop begeisterte das BärensteinOrchester beim zweiten Musiksommer Bärenstein.

Auf ein Handzeichen hin setzt die fröhliche Klang-Lawine ein. Die Töne schwirren in allen Farben durch den Raum und brechen wieder ab. Auf und ab, hoch, tief, hell, laut, leise, schräg, wild und sanft. Jeder der Musizierenden in der Runde darf mal Dirigent sein beim großartigen, herrlich unkonventionellen und abwechslungsreichen Abschlusskonzert mit dem BärensteinOrchester Ende Juni im Rahmen des zweiten Musiksommer Bärenstein, der gefördert wird von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Das BärensteinOrchester ist mittlerweile schon so etwas wie das Markenzeichen des Musikfestivals in dem kleinen Ort im Osterzgebirge.

Diesmal drehte sich alles um Rhythmus in dem einwöchigen Musik-Workshop mit dem Dozenten und Schlagzeuger Matthias Macht und dem Jazzmusiker und Leiter des Musiksommer Bärenstein Hartmut Dorschner. Vor dem Mikro stehen nacheinander die Teilnehmer. Junge und etwas ältere, schon erfahrene Musiker, reihum. Sie heben bemalte und beschriftete Karten mit Symbolen und Titeln der selbst erdachten Musikstücke und Songs hoch und die anderen spielen und improvisieren diese mit viel Spaß und Einfällen zusammen im Orchester. Zehn Musikanten haben sich dazu versammelt im Veranstaltungsraum im Obergeschoß vom Kunsthaus Bärenstein, zugleich Wohn- und Schaffensort von Hartmut Dorschner. Die Töne hüpften, sprangen, schwebten umher. Mal klang es wie ein Frosch, der lustig im Teich quakte, mal nach Jazz, Swing und Reggae, mal urwüchsig erdig und geheimnisvoll mit der erzählten Mär von einem Waldweiblein aus dem Erzgebirge. Frei aus dem Bauch und fabulierfreudig tönte und erzählte der Geschichtenerzähler Michael Cech aus Dresden solo und zusammen mit dem BärensteinOrchester. Die Musiker bewegten sich auch samt Instrumenten durch den Raum, als ob sie ihre Töne wieder einfangen wollten. Schön zu erleben das Zusammenspiel und die Klangvielfalt von Trompete, Saxofon, Akkordeon, E-Piano, Schlagzeug, kleinen Trommeln bis zu E-Gitarren. Die jüngste Zuhörerin saß mit Kopfhörern auf dem Schoß von Papa und Mama abwechselnd, vergnügt lauschend und hin und wieder jauchzend einstimmend in das Konzert. Abschließend war auch ein Lied, „Skandal im Bielatal“ gegen die geplante Ansiedlung einer Lithium-Fabrik und damit einhergehender Naturzerstörung in der Umgebung von Bärenstein zu hören. Viel Beifall gab es von den begeisterten Zuhörern nach einer Stunde für dieses bunt gefächerte, klangfreudige Konzert mit dem BärensteinOrchester, dem man weiteren Zulauf und Auftrittsorte wünscht.
Der Musiksommer Bärenstein dauert noch bis 8. September.

Das Programm steht unter http://www.kult-ur-art.eu

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Eröffnungskonzert auf dem Milchschafhof beim Musiksommer Bärenstein 2024


Fülle an Klängen mitten in der Natur: Mit Heugeruch in der Nase und angeregt von der ländlichen Atmosphäre spielten und begeisterten die Jazzmusiker Hartmut Dorschner und Matthias Macht vor vollen Rängen beim Eröffnungskonzert des zweiten Musiksommers Bärenstein auf dem Milchschafhof dort am Sonntagnachmittag.

Urwüchsiges Spiel mit Hammer, Schlagzeug und Saxofon

Ein Musikerlebnis inmitten der Natur und angeregt davon war das Eröffnungskonzert mit Hartmut Dorschner und Matthias Macht auf dem Milchschafhof beim zweiten Musiksommer Bärenstein am Sonntagnachmittag.

Die Tür zum Milchschafstall in Bärenstein stand weit offen. Dort nisten gerade Schwalben mit ihren Jungen, einige schwirrten übermütig ein und aus. Um sie nicht mit lauten Schlagzeugklängen zu stören, spielten die Musiker Matthias Macht und Hartmut Dorschner am Saxofon vor dem Stallgebäude. Mit Heugeruch in der Nase, umgeben von hohen Bäumen unter strahlend blauem Himmel lauschten ihnen 67 Besucher, kleine und große, auf Bänken und Stühlen auf der Wiese beim Eröffnungskonzert des bereits zweiten Musiksommer Bärenstein am Sonntagabend. Dieser wird gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und ist für die Besucher eintrittfrei. Die zwei Eseldamen „Lucie“, zehn Jahre und „Charlott“, 20 Jahre, im Freigehege in der Nähe lauschten andächtig den ungewohnten Klängen und spitzten die Ohren, ein Stück weiter saßen und grasten die Schafe seelenruhig auf der Weide unter einem Baum. Die Musiker ließen sich bei ihrem anderthalbstündigen Konzert von der ländlichen Atmosphäre anregen.

Zu hören waren urwüchsige, erdige, hämmernde, klirrende, knarrende und fröhlich unbeschwerte Klänge. „Wir spielen improvisierte Musik, die im Moment entsteht, nicht vorher geübt“, sagte Hartmut Dorschner, Jazzmusiker und Initiator des Musiksommer Bärenstein im feierlich roten Anzug. Er spielte abwechselnd kraftvoll, treibende und ruhige, versunkene, hohe, tiefe, kurze und langgezogene, wild umherwirbelnde und harmonische Klänge auf dem Altsaxofon und einem kleineren, hell tönenden Saxofon. Schlagzeuger Matthias Macht, in geblümten Hemd und kurzen Hosen, begleitete ihn mit mal leisen, tastenden und energiegeladen gesteigerten Klängen. Er bezog auch die Umgebung ins Spiel ein, mit den Trommelstäben und einem Hammer klopfte er wie ein Steinmetz auf das Gehäuse und selbst die vom Baum herabhängenden Blätter vor seinem Gesicht hob er sacht raschelnd an und bewegte lustig seinen Kopf aus den Zweigen hervor. Die beiden regten sich spielfreudig zu immer neuen, fantasiereich und witzig-versponnenen Klangkreationen an und gaben sich gegenseitig Impulse. Mal spielte Dorschner die Erkennungsmelodie der Olsenbande an unter den schmunzelnden Zuhörern. Mal „stritt“ er sich mit Macht, wer denn nun den letzten Ton hat und standen sich beide mit Hammer, Schlagzeug und Saxofon angriffsfreudig gegenüber. Mal quietschte und prustete Dorschner ins Saxofon als wollte er einen Luftballon aufblasen bis er fast platzte zum Gaudi der Kinder,

„Wir finden es gut, dass das kulturelle Leben hier etwas bereichert wird und erfreuen uns selber an der Musik“, sagt Falk Bräuer, der Betreiber vom Milchschafhof Bärenstein. Das Konzert auf dem Hof sei schon eine kleine Tradition und mehr Besucher als letztes Jahr, zur Hälfte Einheimische und neue Zuhörer, dagewesen. Außerdem war der Hofladen geöffnet, in dem es Schafskäse und Wollprodukte gibt. Sonst hat er freitags und sonnabend von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Falk Bräuer und seine Frau haben ihren Milchschafhof seit 17 Jahren, zu dem eine Herde weißer und schwarzer ostfriesischer Milchschafe gehört. Nach dem Konzert gaben die Tiere auf dem Hof wieder den Ton an, zuvorderst hingebungsvolle Hahnschreie. Das Musikerlebnis inmitten der Natur bekam reichlich Applaus von den Besuchern.

Text (lv)
Fotos: (ad, lv)

Musiksommer Bärenstein 2024: Eröffnungskonzert mit Jazz im Milchschafhof


Freude am Improvisieren & gemeinsam musizieren: der Jazzmusiker und Leiter des BärensteinOrchesters Hartmut Dorschner und Musikschülerin Katrin Staake.

Beim gemeinsamen Musizieren den
eigenen Lebens-Rhythmus finden

Der Musiksommer Bärenstein lockt zum zweiten Mal mit klangreichem Programm und einer Werkstatt zum Mitmusizieren im BärensteinOrchester. Das Eröffnungskonzert mit Hartmut Dorschner und Matthias Macht ist am Sonntag, dem 23. Juni, 16 Uhr in besonderer Atmosphäre im Milchschafhof in Bärenstein zu erleben.

Das Saxophon liegt auf dem Tisch am Fenster. Hartmut Dorschner setzt sich zunächst ans Klavier und begleitet seine Musikschülerin. Katrin Staake spielt Tenorsaxophon. Tiefe, warme, fröhliche und leise, vom Atem getragene Klänge erfüllen den Raum. Dann greift auch er zum Saxophon, lässt die Töne nur so sprudeln und sie gehen aufeinander ein, fließen zusammen. Es ist eine spontane Improvisation in ihrer Wohnung im Dresdner Hechtviertel und ein kleiner Vorgeschmack auf die Werkstatt unter dem Motto „Rhythmus“ mit dem Bärenstein-Orchester.

Diese startet am kommenden Montag innerhalb des Musiksommer Bärenstein 2024 in dem kleinen Ort im Osterzgebirge. Rund acht Teilnehmer, der jüngste ist 13 Jahre alt bis Mitte fünfzig, treffen sich dann täglich von 10 bis 13 Uhr und von 16 bis 18 Uhr eine Woche lang zum gemeinsamen Musizieren mit den Jazzmusikern Hartmut Dorschner und Matthias Macht im Kunsthaus Bärenstein. Mit krönendem Abschlusskonzert mit dem BärensteinOrchester dann am 29. Juni, um 19 Uhr. Wenn jemand spontan Lust hat, noch dazu zu kommen zu dem Musik-Workshop, sei das möglich und dieser ist offen für jung bis alt.

„Es geht um die Begegnung auf musikalischer und sozialer Ebene und die Freude steht dabei im Vordergrund“, sagt Hartmut Dorschner, Workshopleiter, Dirigent des BärensteinOrchesters und Initiator des Musikersommer Bärenstein. „Rhythmus ist das Pulsieren in der Zeit, und die Töne sind die Farben“, erklärt Dorschner. „Wenn der Rhytmus anfängt lebendig zu werden, weil man sich erst einmal müht, ihn zu halten, dann stabil wird und steht, dann blüht er auf.“ „Und es kommen viele Farben und Möglichkeiten zum Vorschein“, ergänzt Katrin Staake. Über dem Klavier hängen ihre expressiv farbigen Bilder, Blütenformen und Wasserspiegelungen. Sie ist das erste Mal bei der Werkstatt im Musiksommer Bärenstein dabei. Seit zweieinhalb Jahren nimmt sie Saxophonunterricht bei Hartmut Dorschner. „Musik hat viel mit dem Leben zu tun, dem Lebens-Rhythmus“, sagt sie. Es sei auch ein Unterschied, ob man selber spiele und tanze, die Musik spürt im Körper oder nur zuhöre. „Es ist interessant, man lernt sich selber kennen und kann den Rhythmus in sich finden“, so Katrin Staake. „In dem Workshop bekomme ich das gebündelt und es ist eine andere Möglichkeit sich auszudrücken.“ „Noten heißen Note, weil man die ja nur zur Not nimmt“, sagt Hartmut Dorschner schmunzelnd. Er hat Jazzsaxophon und Komposition an der Dresdner Musikhochschule studiert und lebt und arbeitet als freischaffender Musiker in Bärenstein. „Die Kunst ist es, Schräges und Wohlklingendes zu verbinden, aus dem die Kontraste und interessante Musik herauskommen.“

Ein klangreiches Programm an besonderen Spielorten lockt nun zum zweiten Mal beim Musiksommer Bärenstein unter dem Motto „Hört auf!“, veranstaltet vom „kult-ur-art“ Kunstverein zu Bärenstein e.V. vom 23. Juni bis 8. September. Angelehnt an den Bergarbeitergruß „Glück auf“ und im Sinne von Aufhorchen. „Der Musiksommer hat sich positiv entwickelt. Es kommen immer 30 bis 40 Besucher zu den Konzerten“, sagt Hartmut Dorschner. Ingesamt kamen rund 500 Besucherr letztes Jahr. Es sei erfreulich, wenn die Region weiter kulturell belebt und auch touristisch noch anziehender wird. Der Musiksommer Bärenstein wird von der Kulturstitung des Freistaates Sachsen aus dem Projektefond zur Kunstförderung im ländlichen Raum mit 5 000 Euro wieder gefördert. Alle Veranstaltungen und der Musikworkshop sind für die Teilnehmer und Besucher eintrittfrei.

Das Eröffnungskonzert mit Hartmut Dorschner am Saxophon und Matthias Macht am Schlagzeug ist an diesem Sonntag, dem 23. Juni, 16 Uhr im Milchschafhof Bärenstein zu erleben. Dann wandelt sich der Stall zum Konzertsaal, die Besucher sitzen auf Heu und Bänken und die Schafe und Esel stehen dahinter auf der Weide und begleiten das Konzert mit. Da das Konzert letztes Jahr so gut ankam, gibt es nun eine Neuauflage mit ländlicher Atmosphäre. Erstmals beim Musiksommer gibt es ein Puppenspiel, „Alice im Wunderland“ mit dem Theater Phoebus am 24. August, 16 Uhr auf dem Markt in Bärenstein.

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Konzerte

So., 23.6., 16 Uhr, Milchschafhof Bärenstein: Matthias Macht und Hartmut Dorschner
Sa., 29.6., 19 Uhr, Kunsthaus Bärenstein: BärensteinOrchester
Fr, 19.7., 9.8. und 16.8., 17 Uhr, Kirche Bärenstein: Orgelsommer mit Agnes Ponizil
Sa., 24.8., 16 Uhr, Markt Bärenstein: Theater Phoebus, Puppenspiel „Alice im Wunderland“
Sa., 31.8., 17 Uhr, Kirchgasse 10: Mario Nitschke, Ausstellungseröffnung
mit Musik von Agnes Ponizil und Hartmut Dorschner
So., 1.9., 16 Uhr, Kunsthaus Bärenstein:  A. Dorschner, Harfe, G. Heinz, Posaune und E. Bier, Schlagzeug
So., 8.9., 16 Uhr, Kunsthaus Bärenstein: Jazz ohne Stress mit K. Flath-Fischner, Saxophon und  U. Fehlberg, Gesang, Piano

Atelierbesuch bei Christiane Latendorf in Freital


Farbenfrohes Bilderreich: die Künstlerin Christiane Latendorf in ihrem neuen Atelier in Freital.

Wunderreiche Bilderwelt zum Träumen und Fliegen

Die Malerin und Grafikerin Christiane Latendorf musste nach 20 Jahren ihr Atelier im Dresdner Stadtzentrum verlassen und wagte den Neuanfang in einem neuen Raum in Freital-Wurgwitz.

Ihr farbenfrohes Bilderreich ist riesig, der Platz leider begrenzt. Einige Werke stehen aufgereiht schon im Treppenhaus. Kleinere und große Formate, in denen Menschen, Tiere und Natur sich farb- und zeichenreich verbinden. Eine Frau mit Tauben, Nachtvögel, Stier und Schäfchen, Katzen und  ein dunkles Tier mit einer Schlange im Maul. Dazwischen Köpfe und Gesichter in urwüchsigen Landschaften, über denen rote Vögel kreisen und ein verletztes Tier zappelt in einem himmelblau erhobenen Arm. „Ganzheit gefragt“ steht als Bildtitel auf der Rückseite einer Leinwand. Die Ateliertür steht offen. Ein Raum voller Bilder empfängt die Besucher in dem Gebäude, im Hof der Autogalerie Börner auf der Kesselsdorfer Straße 6 in Freital-Wurgwitz.

„Es ist ja auch hauptsächlich zum Malen gedacht und hier habe ich die Ruhe dafür“, sagt die Künstlerin Christine Latendorf. Vorn steht ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen und ein paar Grünpflanzen unter den Fenstern mit Dachschrägen. Sie schaut ins Grüne. Hinter den Bäumen fließt ein kleiner Bach, die Wiederitz entlang. Neben den großen Öbildern steht ihre Staffelei am Fenster. Ein Großteil ihrer Bilder ist bei einer Dresdner Firma auf dem Dachboden eingelagert. „Ich bin froh, dass ich diesen Raum zum Malen gefunden habe. Es war schwer etwas zu finden und es ist ein Neuanfang“, sagt Christiane Latendorf. Ihr Treffpunkt mit Besuchsraum ist in ihrem Atelier in der alten Schuhfabrik auf der Gartenstraße 72a in Radebeul. Dort bietet sie auch Scherenschnitt-Kurse an und außerdem im Kultur- und Beratungshaus für Frauen „sowieso“ in Dresden.

Seit Juni 2022 hat Christiane Latendor ihr neues Atelier in Freital-Wurgwitz, den Raum fand sie über ebay. Der Umzug aus ihrem schönen, großen Atelier im ehemaligen Robotron-Hochhaus an der Lingnerallee 3 im Dresdner Stadtzentrum fiel ihr schwer. Dort war sie 20 Jahre lang. Zusammen mit anderen Kreativen und sozialen Vereinen. Und der Weg nicht weit für Besucher und Kunstinteressenten. „Es war eine nette Bürogememeinschaft, man kannte die Leute alle und dann ging das alles auseinander“, bedauert sie. Kurz vor Weihnachten 2021 wurde ihnen gekündigt vom Eigentümer wegen bevorstehender Sanierung. Passiert ist bis heute nichts. Ihr Hauptsitz, an dem sie wohnt und arbeitet, ist Dresden. Christiane Latendorf studierte Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden und ist seit ihrem Diplom 1997 als freischaffende Künstlerin tätig. „Wenn man malen will, findet man überall Platz, unterwegs und im Wald“, sagt sie. „Wenn ich male, bin ich glücklich.“ Ihr Skizzenbuch und Stifte hat sie immer dabei. Und sie malt alles, was ihr begegnet. Träume, Eindrücke aus dem Leben und Erinnerungen. „Bilder zum Leben“ heißt der Kalender für 2024 mit ihren neuen Arbeiten und zugleich ihr Anker.

Christiane Latendorf ist eine Bildermagierin, die mit Pinsel, Stiften und Scheren wundersame Welten zwischen Traum und Wirklichkeit erschafft. In denen es fantasiereich, vielschichtig zugeht und immer ein Rest Geheimnis bleibt. “Die weiße Fläche ist mir heilig, da taucht etwas auf, das male ich. Da bin ich ehrlich, egal was das Bild spricht“, sagt die Künstlerin. „Am nächsten Tag sehe ich, ob es so bleiben kann und es riecht dann einfach gut, wunderschön nach Blumen und vielen Farben“, lächelt sie. Manche Bilder malt sie auch über viele Jahre weiter.

Ein Bild zeigt den Mensch als Vogel. „Manchmal fliegen wir, fühlt sich alles leicht an und manchmal schwer.“ Oft tauchen Vögel, Tauben, Raben und Krähen auf den Leinwänden auf. Christiane Latendorf hat schon einige kranke Vögel gefunden, die sie gesund pflegt und wieder freilässt. Die Krähe „Mary“, die durch einen offenen Bruch flugunfähig ist, lebt schon 18 Jahre bei ihr zuhause. Ein großformatiges Bild zeigt Kinder im Wald, beschützt von einem roten Stier und einem Vogel. Es heißt „Die verschollenen Kinder“ und erinnert an deren Schicksal im Ukraine-Krieg. „Die Nachricht hat mich berührt. Ich hoffe, dass sie noch leben und wiederkommen. Man darf die Hoffnung nicht aufgeben“, sagt Christiane Latendorf.

Mit fünf Malkursen in der Woche in Schulen und sozialen Einrichtungen in Dresden, Dippoldiswalde und Panschwitz-Kuckau ist sie sehr beschäftigt. Unter ihnen sind auch Schüler aus der Ukraine. „Da fehlt die Häfte der Familie und sie reden nicht über den Krieg und die schlimmen Erlebnisse. Sie malen das Gute und Schöne, woran sie sich erinnern. Es sind friedliche Bilder“, erzählt die Malerin. Sie sprechen auch über die Bilder. „Kunst öffnet Menschen auch“, erlebt Christiane Latendorf.

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Fotos folgen demnächst

http://www.christiane-latendorf.de

Sommertheater: Premiere „Das Spiel von Liebe und Zufall“ nach Marivaux im Innenhof des Japanischen Palais

Das Spiel von Liebe und Zufall
Komödie von Pierre Carlet de Marivaux
in einer Fassung von Lily Sykes. Foto: Sebastian Hoppe

Leidenschaftliches Versteckspiel der Gefühle

Mit viel Komik, Spielfreude und Doppelsinn kommt das diesjährige Sommertheater-Stück „Das Spiel von Liebe und Zufall“ nach der Komödie von Pierre Carlet de Marivaux des Staatsschauspiels Dresden Open Air im Innenhof des Japanischen Palais auf die Bühne. Noch bis 30.6. zu erleben!

„This is not a Love Song!“, singt die junge Frau gleich zu Beginn mit rauer, lasziver und jazzig kraftvoller Stimme. Sie trägt eine große schwarze Schleife im Haar, kurze Hosen und Feinstrumpfhosen und Sonnenbrille. Wen wundert`s! Silvia (selbstbewusst: Sarah Schmidt) soll gegen den Willen ihrer Mutter Madame Orgon (Nadja Stübiger) mit dem jungen Edelmann Dorante verheiratet werden. Die schrill und extravagant wie eine Diva in dunklem Rüschenkleid und weißer Hochfrisur umherwirbelnde alte Dame hat mit mal salbungsvoller, mal tiefer, dunkler Stimme geschäftstüchtig ihre eigenen Pläne und möchte ihr marodes Unternehmen durch die Heirat sanieren und in feine Kreise aufsteigen. Doch Silvia, ihre Tochter mit der großen, braven schwarzen Schleife denkt gar nicht daran. Ihre Karriere als Sängerin ist gerade erfolgreich angelaufen und sie ist gern Single. Ihr Bruder Mario ist ein etwas einfältiger, aber auch durchtriebener Scherzbold und Muttersöhnchen, dafür mit eigenen Marotten (herrlich komödiantisch: Viktor Tremmel). Er hat auch ein Auge auf Lisette geworfen, ist aber chancenlos. Lisette (keck und vorlaut: Leonie Hämer), die persönliche Assistentin von Silvia mit der rötlichen Wuschelmähne, die an eine Fellkappe erinnert, weißer Bluse, Weste und schwarzen Pluderhosen, hätte hingegen nichts gegen eine Heirat, sie träumt von Liebe und Glück am besten mit einem wohlhabenden Mann.

Der taucht auch auf in Gestalt von Dorante  (sanft und edelmütig: Jakob Fließ), der jedoch seine Kleider tauscht mit Arlequin, seinem Butler (cool, derb und großspurig, draufgängerisch: Oliver Simon), da auch Dorante eine arrangierte Ehe missfällt und um seine zukünftige Braut heimlich auf die Probe zu stellen. Das Gleiche hat auch Silvia im Sinn, die mit Lisette die Kleider und Rollen tauscht. Das führt zu einem herzergreifend komischen wie dramatischen Verwirrspiel der Gefühle mit allen Höhen und Tiefen, um herauszufinden, für wen das Herz abseits aller Maskerade und sozialem Status denn nun wirklich schlägt, in der diesjährigen Sommertheater-Inszenierung des Staatsschauspiels Dresden „Das Spiel von Liebe und Zufall“. Die bekannte Komödie von Pierre Carlet de Marivaux ist in einer Fassung und unter Regie von Lily Sykes derzeit als Open Air-Aufführung im Innenhof des Japanischen Palais in Dresden zu erleben.

Die sechs Schauspielerinnen und Schauspieler agieren allesamt mit viel Komik, Leidenschaft und Spielfreude in diesem anfangs etwas zäh über Liebe und Ehe dialogisierenden, im zweiten Teil dann spannenderen und aberwitzigen Verkleidungs- und Kuppelspiel, mit galant eingestreuten, französischen Worten aus dem Mutterland der Liebe und Wortwechseln in Alltagssprache, manchmal sehr salopp und in breitem Sächsisch, begleitet von einer Band mit vier Musikern mit bekannten Rock- und Popklassikern, eigenwillig und witzig vorgetragen von den Darstellern. Eine Kleiderstange, Grünpflanzen und Lampenschirme genügen, mit denen man sich flugs in Schale wirft, jemand anders wird oder sich versteckt und tarnt, um die anderen Mitspieler zu beobachten und im entsprechenden Moment einzugreifen, um das Gefühlsfeuer weiter zu entfachen bis der Schwindel auffliegt, Wut, Enttäuschung, Ängste und Sehnsüchte sich breitmachen und die sich zueinander hingezogen fühlenden und passenden Paare am Ende doch noch finden. Als Kulisse und Spielfläche dient eine große Holzwand mit Empore, in rotes und nachtblaues Licht getaucht und Holzboden davor, mit Fenstern und auf und zu fliegenden Türen, gegen die die Darsteller reihum rennen, vor den Kopf gestoßen werden, sich daran stoßen wie an den Etiketten und einen Weg heraus suchen. Reichlich Beifall gab es vom Publikum für einen vergnüglichen Theaterabend mit einigen nachdenklichen Momenten, wie man den wahren Wert eines Menschen hinter der Fassade erkennt und was das mit Liebe und Zufall oder tieferem Sinn zu tun hat.

Text (lv)

Nächste Aufführungen: 23.6., 19 Uhr; 26.6., 27.6., 28.6., 29.6., 20 Uhr und 30.6., 19 Uhr

http://www.staatsschauspiel-dresden.de

Ausstellung „Passion“ mit Malerei von Gerda Lepke & Plastik von Wieland Förster in der Galerie Himmel

LANGE NACHT DER GALERIEN & MUSEEN IM BAROCKVIERTEL am DONNERSTAG, 20.6.2024, 18-24 Uhr

Ausstellung | Seit 15. Juni – 24. August 2024

GERDA LEPKE | WIELAND FÖRSTER – PASSION

Die Ausstellung »Passion« zeigt Werke aus 50 Jahren Schaffenszeit der Malerin Gerda Lepke und des Bildhauers Wieland Förster.

Leidenschaftliches Ringen um die Figur kennzeichnet die Malerei von Gerda Lepke (*1939) ebenso wie die Plastik von Wieland Förster (*1930). Zwei herausragende Künstler, die ihre eindringlichen Menschenbilder mit einer unverkennbaren Bildsprache entwickelten.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht ein Hauptwerk Wieland Försters, gleichzeitig Ikone der europäischen Bildhauerei nach 1945 überhaupt: die »Große Neeberger Figur« (1971-1974). Die Ausstellung zeigt neben der über 3 Meter hohen Bronzefigur zehn weitere Plastiken Wieland Försters sowie Ölgemälde und Aquarelle von Gerda Lepke, von denen wesentliche Werke in den 1970er und 1980er Jahren entstanden.

Im Kabinett präsentiert die Galerie Himmel zeitgleich Farbholzschnitte des Dresdner Malers Klaus Drechsler (*1940). In der Malerei von Klaus Drechsler klingen leise Töne an. Dreh- und Angelpunkt ist die Vanitas, der Kreislauf von Werden und Vergehen, von Schönheit und Hinfälligkeit. Gedeckte, sanft aufleuchtende Farben bestimmen das kostbare Kolorit. Farbreich und doch gedämpft, mit sanften Übergängen von Licht und Schatten, entsteht ein stiller Klang, der von einer tiefen Achtung gegenüber dem Bildgegenstand zeugt.
Zur Eröffnung der Ausstellung »Gerda Lepke | Wieland Förster – Passion« am Freitag, dem 14. Juni 2024, um 19 Uhr, sind Interessierte herzlich eingeladen.

 

Text + Foto: Anja Himmel, Michael Böhlitz & Carsten Rohner

GALERIE HIMMEL
Obergraben 8
01097 Dresden

0351-4843578
0172-9782555

email@galerie-himmel.de
www.galerie-himmel.de

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Aktuelle Ausstellung mit Malerei von Gerda Lepke und Plastik von Wieland Förster:

Lange Nacht der Galerien & Museen im Dresdner Barockviertel

Moderne Kunst hautnah zu erleben

Die Galerien und Museen im Barockviertel haben sich zusammengeschlossen und laden am 20. Juni zur Langen Nacht der Galerien und Museen in die Innere Neustadt  ein. Nun schon zum 17. Mal können kunstinteressierte Dresdner und die Besucher unserer Stadt an diesem Abend nicht nur eines der größten Ausstellungshäuser Dresdens, das Japanische Palais, zur schon fast legendären MUPP ART NIGHT besuchen und die neueste Exposition der SENCKENBERG Naturhistorischen Sammlungen erleben sowie im Blockhaus erstmals auch die Räume des ADA, des Archivs der Avantgarden, sondern vor allem auch spannende Ausstellungen in den zahlreichen Galerien im und rund um das Barockviertel.

Die Galerienlandschaft im historischen Barockviertel hat sich in den letzten Jahren zu einem Hotspot zeitgenössische Kunst etabliert. So gibt das klassische barocke Ambiente den Rahmen für moderne Kunst.  Neben etablierten Galerien, die das Viertel seit Langem mit ihren Ausstellungen zu Fotografie, Kunst und Architektur bereichern, haben sich in den letzten Jahren auch junge Galerien im Quartier zwischen Goldenem Reiter und Albertplatz angesiedelt, u.a. wird auch der Ausstellungsraum der Absolventen der HfBK, die GALERIE STEPHANIE KELLY, mit dabei sein, ebenso wie das fotoforum dresden, der Künstlerbund und der Dresdner Kunstverein. Diese sorgen für eine lebendige Szene mit einer Vielfalt an künstlerischen Positionen. Malerei, Skulptur und Installation von jungen, aufstrebenden Künstlern wird also genauso eine Plattform geboten wie bereits etablierter Kunst auf Museumsniveau.Die unmittelbare Nähe zum historischen Stadtkern auf der Altstädter Seite und der unkonventionellen Dresdner Neustadt stärken die kreative Atmosphäre und das besondere Flair des Viertels. 

Der Barockviertel e.V. begleitet die Veranstaltung auch in diesem Jahr und hat Geschäftsleute des Quartiers gewonnen, on top Dresdner KünstlerInnen für diese eine Nacht in den „ONE NIGHT GALLERIES“ Raum zur Verfügung zu stellen und mit der Präsentation ihrer Arbeiten das Event zu bereichern.

Damit können wir in diesem Jahr von mehr als ein Viertel hundert KUNST-RÄUMEN sprechen, die zur LANGEN NACHT erlebbar sind – ein echtes Highlight!

Und natürlich erwarten zu den Vernissagen und Ausstellungen in den Galerien und Museen die Besucher coole Sounds, Künstlergespräche, Führungen, Installationen, und Performances sowie zum Ausklang der Nacht leckere Drinks zum Midnight Art Together in der HERZ american bar inmitten der Inneren Neustadt.

Evelyn Dangrieß
i.A. Org.-Team LNDG
C/o barockviertel.de/langenacht

Mehr unter http://www.barockviertel.de/langenacht