BilderAlbum & Neue KatzenLyrik

Abschied von Lina

Vor der blauen Box
im Flur sitzt Jade
die Schatzhüterin umfasst
das kleine weiss schwarze Fellknäul
mit ihren Pfoten als könne sie
es halten ihr Blick fleht
du standest immer in ihrem Schatten

in der Nacht ein helles Mondsegel
glitt am Himmel entlang
tauchte auf und verschwand
in den Wolken
schwankend Auf und Abgang
lichtvoller Tag die Lebensgeister kehrten
noch einmal zurück
morgens am Futterteller
kämpftest du mit der Fülle
hungrig flackerte neuer Antrieb
Seite an Seite sich anstachelnd
endlich wieder beide Katzentiere

ich zwischen den Fellen
weich warme eingeschworene Gemeinschaft
brach auf wir gingen das erste Mal hinaus
in die Welt draußen
du miautest aufgeregt beunruhigt
verkrochst dich unter einer Bank und
hinter den Aschentonnen
alles neu nah über dir
Bäume Wolken Wind
der Futterteller glänzte in der Sonne

Du liefst ein Stück über die Wiese
vorbei an den ersten Schneeglöckchen
und Gänseblumen bis zur Gartenmauer
ruhtest aus im Gras und frischer Erde
die Sonne strahlte du sahst hinauf zu
schwirrenden Wesen unter dem blauen
Kastendeckel hervor
ein anderes Katzentier schlich von hinten
heran aß von deinem Futterteller
du bliebst ungerührt nah bei mir
legtest deinen Kopf dein weiches Wesen
in meine Hand bis zur weißen Schwanzspitze

das Versprechen dich Jade wieder
zurückzubringen konnte ich
nicht halten
ich würde dir beim Sterben zusehen
sagte die Tierärztin es half alles nichts
mein wundervolles Fellknäul hab dich
gehalten nun kann nichts mehr dich
aufhalten hoch über den Sternen
mir bleiben am Grund der blauen Kiste
Muscheln und Seesterne
ungewohnt still jetzt
finden ich und Jade
uns neu

17.2.2024

Wunderwesen
(Für Lina & Jade)

Weissfellig gemischt mit Schwarz
schmal geworden sitzt du vor mir
am halbvollen Futterteller
in der wunderweissen Winternacht
hast du dich noch über ihn
hergemacht
die getigerte saß am Fenster
und bewachte die weiße Pracht
am nächsten Tag fielen die Flocken
vom Himmel direkt auf eure Nasen
und aufs Fell
ihr versuchtet sie zu fangen
habt sie gekostet
immer in Bewegung nichts war zu schnell
nun geht alles langsam

die weißen Pfoten elegant lang
nebeneinander gelegt wartest du
mit mir und der getigerten nun
auf ein Wunder
keck aufgeweckt flink
kein Schrank war dir zu hoch
den Balkonsturz heil überstanden
ein Gaumenriss ein paar Schrammen

letzten Freitag die Schockdiagnose
die roten Blutkörperchen in dir sind rar
nicht mehr genug Sauerstoff
alles fällt schwer
du krallst dich ans Leben
an die Kuschelhöhle aus der ich dich hole
zu den Injektionen bei der Tierärztin

verschlingt astronomische Summen
für ein Fünkchen Hoffnung
Zitterpartie jedesmal
kommst du wieder mit nach Hause
morgen noch einmal zur Blutabnahme
vielleicht ein letztes Mal
du sitzt ein mageres Fellknäul
vor mir angefüllt mit Staunen und Liebe
am Boden es schmerzt dein Fell bald
nicht mehr zu streicheln
du schnurrst als wäre es für immer

ich will dir so gern noch den Frühling
zeigen die ersten Schneeglöckchen
auf der Wiese hinterm Haus

LV
15.2.2024

Lina

Eine schwarze Schnur
mit weißer Spitze
ragt aus der Höhle
drin sitzt ein schwarz weißes
Fellknäul leise schnurrend
aus der Ecke vom vollen Schreibtisch
am Fenster ihrem Versteck
ließ sie sich
schwer weg bewegen
die Balkontür zur Küche steht weit offen
die frische Luft macht mehr
Appetit als Tabletten

nur winzige Happen
doch sie isst wieder
Lina und Jade strecken
sich aus auf meiner Picknickdecke
ich lege mich auf den harten Boden
nah bei ihnen
betrachte die Welt aus Katzenperspektive

schmecke die Luft
wie sie
werfe einen Blick ins Lichtzimmer
Südseite wo die Sonnenstrahlen
allein mit den Möbeln spielen
die roten Tulpen stehen wie eine Eins
das Brathähnchen das meine schwarzfellige
Lola liebte
alles kann warten
außer Lina

LV
10.2.2024

Was bleibt
(Für Lina)

Ein letztes Streicheln
der Wind strich über dein Fell
ein Bach rauschte leise
neben der Wiese in der frischen Erde
rot sonnenfarbene Primel für dich und Lola
im Gras schimmerten Muscheln
erdfarben und perlmutt
sie liegen bei der Kerze
ein paar Kratzspuren am Regal
weiße und dunkle Haare
auf Kissen
ein kleines Fellbüschel
das ich in der Hand hielt
als ich dich zu fangen versuchte
du wehrtest dich mit Leibeskräften
gegen die Tabletten

ein kleines zartes Fellbündel
ich trug hielt wusch dich
hielt dich im Arm
sonst sprangst du immer weg
ließest dich kurz streicheln
manchmal auch das seidenweiche weiße Bauchfell
schnurrtest um so lauter
liebtest Pflanzen und den Geruch
von meinen Schuhen
hast mir vorm Sofa aus
beim Schreiben zugesehen
und vor dich hin gesehen
still und tretelnd die Decke
mit den Pfoten
wolltest mit mir und Jade weiter gehen

nun träumst du hoch bei den Sternen
gestern Abend sahen wir zu dir
in den nachtblauen Himmel

LV
22.2.2024

Texte + Fotos: Lilli Vostry

Gedicht-Lesung mit Musik: „Augenblicke & Mee(h)r“ mit Lilli Vostry und Gabriel Jagieniak im Einnehmerhaus Freital


Fangespiel mit Buchstaben & Klangzauber: Lilli Vostry und Gabriel Jagieniak bei ihrer Gedicht-Lesung im vergangenen Jahr im Einnehmerhaus Freital.

Die Würze der Worte

Mit ihrer neuen Gedicht-Lesung mit Musik „Augenblicke und Mee(h)r“ sind die Autorin Lilli Vostry und Gabriel Jagieniak am Akkordeon am24. Februar, 17 Uhr im Einnehmerhaus des Kunstvereins Freital zu Gast.

Spritzig, frisch, verwegen sind sie, erquicken, entzücken, beglücken, scheuchen wie Hummeln den müden Geist auf und tauchen tief ein in den Honig des Lebens…, heißt es im Gedicht „Worte/Flüssige Nahrung“ über die „süß saftige, nie versiegende Würze der Worte“. Sie werden zu bilderreicher Poesie, begleitet von Klängen in allen Farben des Lebens in der neuen Gedicht-Lesung mit Musik „Augenblicke und Mee(h)r“, mit der Lilli Vostry, Autorin und Lyrikerin und der Musiker Gabriel Jagieniak (Akkordeon und Obertongesang) aus Dresden am 24. Februar, 17 Uhr im Einnehmerhaus des Kunstvereins Freital, Dresdner Straße 2, zu Gast sind. Der Eintritt ist frei, Spenden für den Kunstverein sind willkommen.

In den Gedichten geht es um Natur und Zwischenmenschliches, um die Veränderungen und Wandlungen im Leben, Abschiede und besondere Augenblicke. Sie erzählen vom Farbfluss, von Meerfarben, Möwen, Lichtspiegelungen, Augenlicht und Augenschatten, Fangespiel mit Buchstaben, ungestümen Katzen und einem seltsamen Hörnertier.  

Lilli Vostry lebt und arbeitet als freie Journalistin, auch für die SZ, in Dresden
und schreibt seit zehn Jahren Lyrik. Sie hat bereits vier BilderGedichtKalender mit verschiedenen Künstlern im Zeitraum von 2013 bis `016 veröffentlicht.

Gabriel Jagieniak (soundcloud.com/gabriel-jagieniak) bewegt mit seinem virtuosen Akkordeonspiel, mit und ohne Gesang, bekannten Melodien und eigenen Kompositionen, auf humorvolle Weise frei vorgetragen, immer wieder das Publikum.

Kostprobe:

Worte/Flüssige Nahrung

Wenn sie hervor quellen
schwellen schwelen
hinaus schweben
scharf zärtlicher Zungenschlag
auf oder abwärts schnellen zerschellen
an Vor oder Einwänden
erhellen verfinstern verschütten
oder aufbrechen
sprudeln wie ein Wasserfall
spritzig frisch verwegen
erquicken entzücken beglücken
wie Hummeln den müden Geist
aufscheuchen tief in den Honig
des Lebens eintauchen
hält sie nichts auf
süß saftige nie versiegende
Würze der Worte

LV
5.2.2024

Ausstellung „Land in Sicht“ von Mandy Friedrich in der Villa Eschebach in Dresden


Weite Himmel & Landschaften: „Der Frühlingsschrei/Die Flügel der Menschen“ heißt dieses Schlüsselbild in der derzeitigen Ausstellung von Mandy Friedrich in Dresden.

Aufbruch der Farben und Schönheit in eine neue Welt

Natur, Menschen, Tiere und Orte in wechselndem Licht, zarten und kraftvollen Farbtönen zeigt die Dresdner Malerin Mandy Friedrich in ihrer Ausstellung „Land in Sicht“ in der Villa Eschebach der Volksbank Dresden. Fast jedes Bild erzählt eine Geschichte.

Wolkenreich bewegte, weite Himmel und Landschaften, ferne Trauminseln und flirrendes Wellenspiel am Meer leuchten auf den zumeist großformatigen Leinwänden. Natur, Menschen, Orte in wechselndem Licht und die Schönheit alles Lebendigen, ohne die Schatten zu übersehen, erblühen, strahlen und schwingen zusammen in warmen, kräftigen und zarten Farbtönen in der Ausstellung „Land in Sicht“ mit Malerei von Mandy Friedrich, einer modernen Vertreterin der Dresdner Schule des Expressionismus, in der Villa Eschebach der Volksbank in Dresden (noch bis 28. März zu sehen).

Ein Fest der Farben und der Lebensfreude in trister Jahreszeit wird den Besuchern derzeit auf drei Etagen im Bankgebäude am Albertplatz bereitet. Zu sehen sind 44 Bilder, Landschaften und Porträts, aus dem Zeitraum von 2005 bis 2023. Sie erzählen vom Unterwegssein und Ankommen, von Aufbruch, Hoffnung und Herzflug. Ein Mädchen im hellen Kleid, Hut und Umhängetasche steht nah am Wasser im Titelbild der Ausstellung. Ein Boot fährt von einer wunderschönen Landschaft zu ihr herüber ans Ufer. „Ich hörte ein Lied von Rio Reiser ,Land in Sicht` singt der Wind in mein Herz`, das mich sehr bewegt hat beim Malen“, erzählt Mandy Friedrich. Das fand sie passend als Motto für ihre Ausstellung. Malerei und Musik gehören für sie zusammen, der Rhythmus der Farben und Töne. Sie gründete eine eigene Band „Krapplack“.

Mandy Friedrich mag außerdem, in der Erde zu wühlen und im Garten zu sein. So urwüchsig, voll kraftvoller Farbigkeit, pastos, aufgeraut und lasierend mit Spachtel und Pinsel aufgetragen sind auch ihre Bilder. Blühende Gärten und Bäume, inmitten weißer Magnolien eine schwarze Amsel. Dünenland und Kohl im Abendlicht. „Es ist wie eine neue Welt, die sich eröffnet neben unserer, die ich in meinen Bildern zeige, ohne die Missstände und Krisen auszublenden“, sagt die Malerin. „Man kämpft mit Schönheit dagegen an, damit das Leben lebenswert bleibt.“ Die 47-jährige Künstlerin ist in Meerane geboren, in Glauchau aufgewachsen und lebt seit mehr als 20 Jahren in Dresden. Sie ist gelernte Foristin und studierte Malerei und Grafik an der hiesigen Kunsthochschule von 1999 bis 2005 bei Siegfried Klotz, Elke Hopfe und als Meisterschülerin bei Ralf Kerbach. Seit 2007 arbeitet sie freischaffend als Künstlerin.

Ihre expressive Malweise steht unverkennbar in der Tradition der Dresdner Brücke-Künstler und dem Berliner Impressionisten Max Liebermann. Außerdem schätzt sie die Maler Vincent van Gogh und Chaim Soutine schon immer mit ihrer tiefen Erdverbundenheit. Ländliche Szenen tauchen auch in den Bildern von Mandy Friedrich oft auf: Große Heuernte. Ein Hirte mit seinen Schafen und der eine Apfelbaum mit lockenden Früchten. Ein schiefes Haus im Schnee. Ein Mädchen mit Fellkappe und Anorak sitzt auf einem weißen Pferd und streckt die Arme übermütig in den Himmel im Bild „Frühlingsschrei/Die Flügel der Menschen“. Ein Junge hält eine welke Sonnenblume in der Hand auf einem Feld. „Sag mir wo die Blumen sind“ heißt der Bildtitel. Eine Tänzerin dreht sich im roten Kleid. Eine Frau mit schwarz wehendem Haar sitzt schwebend unter einem Blütenbaum im Gemälde „Margaritas Traum“. Sie ist eine armenische Musikerin, die ihr Modell stand und zu ihrer Ausstellungseröffnung musizierte.

In einem Bild hält sie als “Schwarzer Engel“ eine Taube und einen Totenschädel wie eine Waage in den Händen vor rotglühender Landschaft. Die Malerin ist als „Taubenhüterin“ mit breitkrempigem, schwarzem Hut in einem Selbstbildnis zu sehen. Ein weißer Tierschädel mit dunklen Augen, roten Blüten und Flügeln spiegelt berührend Schönheit und Vergänglichkeit. Nahegeht auch das dreiteilige Bild „Wie im Himmel/Kinder der Vergangenheit“, das Mädchen bergabwärts in sonniger Landschaft auf ihrer Reise ins Riesengebirge zeigt. Es entstand nach dem Tagebuch mit Fotos und Aufzeichnungen einer Mädchenklasse aus Lausa bei Dresden im Juni 1928, das ein Freund der Malerin viele Jahre später im Müll fand. Sie gingen ihren Spuren nach. Daraus entstand ein spannendes wie ergreifendes Zeitdokument in einem Projekt von Lutz Jacobasch mit Malerei von Mandy Friedrich, Texten von Matthias Zwarg und den Mädchen. Das Buch ist neben Kunstkatalogen von ihr in der Ausstellung in der Villa Eschebach erhältlich.

Text + Fotos (lv)

http://www.mandy-friedrich.de


Mandy Friedrich vor ihrem Selbstbildnis „Taubenhüterin“.


„Sibirischer Frühling“.                          „Sag mir wo die Blumen sind“


„Der eine Apfelbaum“

„Heuernte“

„Schwarzer Engel“

„Herzflug“. Selbstporträt der Malerin.      „In der Kapelle/Monsieur Abdi“.


„Birke am Feldrand/Dörfel“.                 „Der Künstler Lutz Fleischer“.


Fest der Farben & Lebensfreude: meinwortgarten-Inhaberin Lilli Vostry und Mandy Friedrich zur Ausstellungseröffnung in der Villa Eschebach.


„Wie im Himmel/Kinder der Vergangenheit“. Das dreiteilige Wandbild ist Teil eines gleichnamigen Buchprojekts der Künstlerin.

Schönes bleibt: Bilder & Poesie zum zehnten Jahresgedenken an meine Mutter

Bilderschatz
(Für meine Mutter)

Halb im Dunkeln Verborgenen
stehen sie
gehe täglich an ihnen vorbei
streife streichle mit Augen und Händen
über die Bilder die wohlverwahrten
das Mädchen mit den Kasperpuppen
in fröhlichen Farben
die leben wie sie
in ihrer Fantasie
das Kind an Mutters Wange
Puppenstubenidylle hatten
wir nie

im Lichtgehäuse der Träume
rüttle ich an morschen Türen
hinter denen keiner mehr aufmacht
in der Nacht
wische den Staub vom Glas
und den Bilderrahmen
hinter denen die Erinnerungen
aus dem Niemandsland gerissen
aus gesichtslosen Schatten
vielfarbig aufleuchten

Text + Fotos: Lilli Vostry
24.1.2024

Bilder: Inge Vostry-Tsafack

Seltene alte Bäume & ein Kleinod der Gartenkultur hütet der Verein Park und Schlossterrassen Nöthnitz

Die Parkhüter von Schloss Nöthnitz

Für den Erhalt und die Pflege des alten Baumbestandes und Erlebbarkeit der historischen Gartenanlage setzt sich ein neuer Verein zusammen mit dem Schlosseigentümer ein.

Hohe stattliche Bäume, durch deren kahles Geäst ab und zu die Sonne scheint, stehen im terrassenartig angelegten Park von Schloss Nöthnitz. Durchzogen von still verlassenen Wegen und dicht bewachsen mit Gehölzen träumt er vor sich hin. Stellenweise zu sehen kahle Flächen und Baumstümpfe, die in den grauen Winterhimmel ragen. Ein uriges Unikum erhebt sich weiter hinten im Schlosspark. „Es ist eine der ältesten nordamerikanischen Roteichen, die vor 1820 in diesem Park gepflanzt wurde“, sagt Schlosseigentümer Jan Horsky. Mehr als 200 Jahre alt ist sie inzwischen und vom Stammumfang sogar die größte Roteiche in Deutschland und Mitteleuropa. Das bestätigten ihm Experten aus dem Forstbotanischen Garten in Tharandt. Wie der Baum hierher kam, ist nicht überliefert. Ein kleines Holzhaus steht auf einer Wiese unter hohen Nadelbäumen, Thujen und Eiben. Errichtet wurde es vor 1880 und stand ehemals auf dem Lindenhügel, so Horsky. Außerdem stehen hier noch sehr alte Buchen, Lärchen, Linden und Rhododendron.

Ein Teil des aktuellen Baumbestandes stamme noch aus der Zeit von Julius Bernhard Könneritz, dem einstigen Rittergutsbesitzer. Er war ab 1820 in Nöthnitz auf dem landwirtschaftlichen Hof. Schloss Nöthnitz und sein Park haben eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Dem Erhalt und der Pflege des denkmalgeschützten Areals nimmt sich nun der Verein „Park und Schlossterrassen Nöthnitz“ an, der im August 2023 gegründet wurde. Inzwischen hat er elf Mitglieder im Alter von Mitte 40 bis 70 Jahren, die größtenteils in Bannewitz wohnen. „Der historische Park ist ein Kleinod, das in seiner ehemaligen geschlossenen Gestaltung, Gartenkultur und Landschaftspflege wiederhergestellt und durch Sanierung für die Öffentlichkeit wieder zugänglich und nutzbar werden soll“, sagt Harald Israel, Altnöthnitzer und Kassenwart im Parkverein. Dies ist in der Vereinssatzung verankert. Er kennt den Schlosspark von kleinauf. Als Junge spielte er auf dem Fußballplatz im Gelände, als dieses noch von der Ingenieurschule für Zierpflanzenwirtschaft als Ausbildungsstätte genutzt wurde. Von 1947 bis 1990 war diese im Schloss Nöthnitz ansässig und zog dann um nach Pillnitz. „Dort, wo die alte Roteiche steht, gab es auch einen Volleyballplatz für die Studenten. Das wäre heute aus Natur- und Denkmalschutzgründen nicht mehr denkbar“, so Horsky. Der Schlosspark hatte sogar ein Freiluftkino in den 50er Jahren und das Holzhaus wurde vor dem Krieg damals für Puppenspiel für die Kinder aus dem Ort genutzt, weiß er.

Ein Parksymposium mit Führungen und Vorträgen organisierte Jan Horsky bereits 2022. „Unser Verein kümmert sich außerdem darum, Fördermittel zu generieren für Sicherungs- und Pflegemaßnahmen der Parkanlagen und wir sehen uns bei der Umsetzung als Vermittler zwischen dem Schlosseigentümer, der Denkmalschutzbehörde und der Gemeinde Bannewitz“, sagt Harald Israel. Die Historie von Schloss und Park Nöthnitz und seine neue kulturelle Nutzung fasziniert auch Michael Melerski, Vorsitzender des Parkvereins. Er ist als freischaffender Künstler in Dresden tätig und kennt den Schlosspark von den Gottesdiensten der Kichgemeinde Leubnitz, die er im Sommer mit vorbereitet hat. Am Standort der ehemaligen Orangerie, dem verfallenen, früheren Wohnhaus des Parkgärtners und dem angrenzenden Grundstück, das seit Jahrzehnten nicht mehr zum Schlosspark gehört, will ein Dresdner Investor drei Eigentumswohnungen errichten.

Die Entwicklung der alten Bausubstanz im Schlosspark begrüßt Horsky. „Aber den geplanten Anbau neuer Dachgauben an der Orangerie sehe ich skeptisch, da sie der historischen Sichtachse zum Schloss entgegen stehen würden“, sagt er. Der Schlosspark werde auch aus privaten Mitteln seiner Familie gepflegt wie Gras mähen, Bäume beschneiden, Nachpflanzungen und Wege erhalten. Als nächstes wird eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem Parklverein und dem Schlosseigentümer abgeschlossen. Derzeit wird zudem eine Masterarbeit zum Thema „Schlosspark Nöthnitz – Weiterentwicklung“ von einer Studentin an der TU Dresden, Institut für Landschaftsarchitektur geschrieben. „Ende März wird sie fertig vorliegen. Wenn man sich intensiv damit beschäftigt und daraus eine Herzensangelegenheit wird, möchte man auch weiter dranbleiben“, sagt Aline Adam über diese besondere historische Parkanlage vor den Toren Dresdens. Neue Aktive, die sich an der Pflege des Schlossparks beteiligen möchten und weitere Mitglieder sind dem Verein „Park und Schlossterrassen Nöthnitz“ immer willkommen.

Text + Fotos (lv)

Kontakt: parkvereinnoethnitz@t-online.de
Anschrift: Park und Schlossterrassen Nöthnitz e.V., Am Schloss 2, 01728 Bannewitz

Premiere „Match me if you can“ – eine Datingkomödie in der Comödie Dresden


Erstes Date mit der Traumfrau und dem Traummann aus dem Internet. Da sind Überraschungen und manch pikantes Geheimnis aus dem echten Leben vorprogrammiert. Foto; Robert Jentzsch

Turbulentes digitales Doppel-Spiel um Lust und Liebe

Nichts ist wie es auf den ersten Blick scheint in der haarsträubend komischen Datingkomödie „Match me if you can“ in der Comödie Dresden.

Bei Lisa und Martin hat es online gefunkt, so dass sie sich endlich im realen Leben treffen wollen. Die Vorfreude und Spannung steigen. Doch das Kribbeln im Bauch endet im Desaster, da beide ihre Profilfotos derart geschönt haben, dass sie einander nicht erkennen und das erste Date ganz anders verläuft als erwartet. Vom Flirten und Anbandeln im digitalen Zeitalter erzählt die turbulente Datingkomödie „Match me if you can“ von Nina Hartmann und Gregor Barcal, die am Freitagabend Premiere in der Comödie Dresden hatte.

Eine urige Kneipe, die „Alte Laube“ mit kuriosen Sammelstücken an den grünen Wänden und Flimmerlampe wirkt schon fast antiquiert als Begegnungsort. Zwei Gitarren an der Wand spielen automatisch, wenn man näherkommt, Schlager und fordern auf: „Tanze Samba mit mir…“ und schmachten: „Du bist so heiß wie ein Vulkan“, so dass man unweigerlich mitwippt und je öfter es angeht und man alleine ist, sich genervt wegdreht.

Lisa (verwöhnt-abenteuerlustig: Britta Boehlke) sitzt in pinkfarbenem Overall, Pumps und orangener Plastikhandtasche auf einem rustikalen Holzhocker am Tisch und wartet auf ihr Date. Ein supersexy Typ, 1,93 Meter groß, mit dem sie seit einigen Wochen heiß chattet, schwärmt sie am Handy ihrer Freundin vor. Doch er lässt auf sich warten. Den Mann, der stattdessen hereinkommt, mittelgroß, kräftig, graumelliertes Haar und Brille, ignoriert sie. Als er sie sieht, fühlt er sich wie vom Blitz getroffen und möchte am liebsten umkehren. Und schickt Lisa eine Absage per SMS sein bester Freund wäre gerade betrogen worden von seiner Freundin und er müsse ihn jetzt trösten. Sie liest es und ist sauer, dass Martin (als schüchterner Möchtegern-Verführer: Alexander Wipprecht) sie versetzt hat.

Er gibt sich ihr nicht zu erkennen und so beginnt ein haarsträubend komisches Doppel-Spiel, bei dem beide Datingpartner sich gegenseitig auf den Leim gehen, immer neue Überraschungen, Missverständnisse und manch pikantes Geheimnis aus dem echten Leben ans Licht kommen in dieser Komödie unter Regie von Katja Wolff. Ungeschönt, ungeniert, offen und direkt von Anfang an lassen Lisa und Martin dabei, zunächst ahnunglos und dann noch mal auf Reset zurückspulend, allen Frust, Wünsche und Sehnsüchte über den gesuchten Traumpartner heraus.

Er hört mit, wie sie auf ihn schimpft und tausend Gründe erfindet, warum er nicht zu ihrem Date kommen kann. Martin verteidigt ihn und tischt ihr eine Lüge nach der anderen auf, die darin gipfeln, das sei gar nicht sein Handy sondern von seinem besten Freund. Beide bieten sich kräftig Paroli, wie bei einem Boxwettkampf fliegen Vorwürfe, Ausflüchte, Spottgelächter und klare Ansagen hin und her, statt romantischem Rendez-vous und verführerischen Blicken mit Mister Knister und Missis Twister. Er ist auch charmant und ehrlich und sie nicht so tiefgründig und cool wie sie tut, wenn sie Männer auf Tinder wegwischt im Handumdrehen. Ein Schock für sie ist, als sich herausstellt, wer der „osterzgebirgische Wildhengst“, ihr neuester Kandidat im Chat in Wirklichkeit ist. Ein lustvolles Sahnehäubchen auf dem vermasselten Date sind die Gesangs- und Tanzeinlagen, darunter ein Ohrwurm aus der Rocky Horror Show und der Lovesong Je`taime im Schummerlicht. Viel Beifall vom Publikum, das auf heitere Weise vor den Tücken des digitalen Datings gewarnt wird.

Text (lv)

http://www.comoedie-dresden.de

Ausstellung „Schamotte-Skulptur“ im Einnehmerhaus Freital

Fantastische Figurenwelten

Ausdrucksreich, grazil und kraftvoll geformte Arbeiten aus sprödem Material zeigen neun Künstlerinnen zurzeit in der Ausstellung „Schamotte-Skulptur“ im Einnehmerhaus Freital.

Vielgestaltig schauen sie in die Welt. Geformt und gebrannt in Schamottestein, formreich und farbig bemalt, sorgen die mit viel Liebe, Witz, Fantasie und Feingefühl gestalteten Arbeiten von neun Künstlerinnen für Freude, Staunen, Schmunzeln und Denkanstöße in der Ausstellung „Schamotte-Skulptur“. Eröffnet wurde diese am vergangenen Sonnabend beim Kunstverein im Einnehmerhaus Freital, Dresdner Straße 2, zum zehnjährigen Jubiläum des Symposiums für Künstlerinnen im Schamottewerk Radeburg. Die Künstlerinnen zeigen eine Auswahl ihrer dort entstandenen Werke, alles Unikate. Mit dabei sind Katrin Jähne, Sophie Altmann, Christa Donner, Karin Heyne, Gabriele Reinemer, Eva Bröer, Angela Hampel, Theresa Wenzel und Maria Luise Faber.

Zu sehen sind figürliche und abstrakte Arbeiten, angeregt von der Mensch- und Tierwelt und der Natur in ihren vielen Erscheinungsformen. Sie stehen, sitzen und liegen auf weißen Stelen und ziegelfarbenen Schamotteplatten. Darunter eine sitzende Frauenfigur mit grazilem Kopf, zusammengefügten Körperteilen und sichtbaren Hohlräumen. „Schamottestein ist ein sehr grober Ton. Die weiche Masse kommt frisch aus der Strangpresse. Danach kann man dünne oder dicke Schamotteplatten als Unterlage verwenden, Teile heraus schneiden, zusammenbauen und mit den Händen und Werkzeug die Skulpturen bearbeiten“, sagt Karin Heyne, die rührige Initiatorin des Künstlerinnen-Symposiums zu diesem besonderen Material. Zu ihrer anmutig kraftvollen Frauenfigur gesellt sich eine Eule, die neugierig und schelmisch mit weißem Gesicht und dunkel glänzenden Augen in den Raum schaut. Da hockt außerdem eine gelbäugige Katze, neben ihr eine kleine Liegende, hüllenlos beim Sonnenbad und ragt ein dunkler, kantiger Kopf mit Stegen und Verstrebungen. Der ist das älteste Stück in der Ausstellung und ebenfalls von Karin Heyne.

Die Glasur, Engobe genannt, entsteht mit dem Brand. „Durch den Holzbrand im Lehmofen überzog sie wie ein Ascheanflug den Kopf“, erzählt sie. Das Kunstprojekt bestehe eigentlich schon seit mehr als zwölf Jahren. „Wir brauchten Lehm und fragten herum, auch im Schamottewerk Radeburg. Doch stattdessen bekamen wir dort eine PKW-Ladung ungebrannter Schamotteplatten, begannen damit zu arbeiten und fanden Gefallen daran“, so Karin Heyne. Seit 1993 leitete sie die Sommerworkshops zum Bau von Lehmöfen zum Brennen von Keramik bei Moritzburg. Außerdem ist sie seit vielen Jahren Kursleiterin der Keramikkurse in der Kreativen Werkstatt in Dresden. Jedes Jahr im September trifft sich eine Gruppe von Künstlerinnen seither im Schamottewerk Radeburg, wo sie in einer Lagerhalle eine Woche lang gemeinsam arbeiten und experimentieren mit dem Material.Vier der Künstlerinnen in der Ausstellung sind von Anfang an dabei, darunter Christa Donner und Gabriele Reinemer. Später kamen weitere gestandene Künstlerinnen wie Angela Hampel und jüngere wie Sophie Altmann dazu. „Jede Handschrift ist eine Anregung. Denn jede Künstlerin arbeitet anders“, so Karin Heyne. Davon erzählt ausdrucksreich die Ausstellung. Da treffen verschiedene Farbtöne von hell, sandig, leuchtend orange und erdig aufeinander, fasziniert und beeindruckt der Kontrast von spröder, rauer Oberfläche und Zartheit der Form von Körpern und Gesichtern, die kraftvoll und verletzlich wirken.

Manche Skulpturen sind außerdem bemalt mit Gips und Farbe. Eine Frauenbüste mit Stachelhaar, weißem Tuch und Herz in der Hand und einen Kopf mit gitterähnlicher Kleidung, neben einem sich putzenden Kätzchen aus Schamotte, zeigt Christa Donner. Berührend auch die Installation mit zwei roten Herzen voll schwarzer Kerben und an Schnüren hängenden, spitzen Teilen wie Patronenhülsen und davor ruhenden Clownsgesichtern mit schwarz-weißen Schachbrettkappen, die von Angela Hampel stammen. Ein erdbraunes Gesicht ohne Narrenkappe von ihr liegt mit schwarz offenem Mund auf verbranntem Boden, umzingelt von Schlangen und Würmern. Ein sitzender, weißer Frauenakt mit verschränkten Beinen sitzt vorm Fenster in der Wintersonne und ein Stück weiter eine knieende Figur in dunklem Gewand, beide von Katrin Jähne. Wild und sanft nah beeinander die Affen und der Schafskopf von Theresa Wenzel und ihr rätselhafter Fisch auf zwei Füßen im Flur. Abstrakte Skulpturen, darunter ein „Gewächs“, das wie ein Schiff mit herausschauenden Köpfen wirkt, eine „Wabe“ und „Zwei“ in Gestalt von Puzzleteilen nebeneinander, hat Eva Bröer aus Tharandt mitgebracht und formspielende Gefäße Sophie Altmann.

Eine Ziegelzeile aus Buchstaben und Ornamenten von Maria Luise Faber steht neben archaisch, zeichenreich bemalten Figuren und Objekten der Radebeuler Künstlerin Gabriele Reinemer im hinteren Raum. Anziehend und abwehrend, bedrohlich zugleich wirken ihre mit Nägeln bestückten Bauwerke, Sonne und Mondsichel bewehrt mit Schutzschilden und die dolchartigen kleinen Körper. „Es hat sich eine gute Zusammenarbeit zwischen den Schamottewerkern und den Künstlerinnen entwickelt, die beim Abschlusstreffen ein Essen für sie zubereiten und sich mit einem Werk aus der Gruppe bei ihnen bedanken. Wir hoffen, dass diese Möglichkeit des Kunstsymposiums noch lange erhalten bleibt“, sagt Karin Heyne. Es finden auch zwei Workshops zu figürlichem Gestalten mit Ton mit Christa Donner am 25.1. und 1.2., von 10 bis 12.30 Uhr im Einnehmerhaus statt. Interessierte können sich über den Kunstverein dort namelden. Die Ausstellung
“Schamotte-Skulptur“ ist noch bis 9. März zu sehen.

Text + Fotos (lv)

Öffnungszeiten: Do und Sa 10 – 17 Uhr, Fr und So 14 – 17 Uhr

http://www.kunstvereinfreital.de


Vielgestaltige Skulpturen & reger Austausch: die Künstlerinnen Eva Bröer und Karin Heyne im Gespräch mit Bettina Liepe, Vorsitzende des Kunstvereins im Einnehmerhaus Freital.

Premiere „Maria Stuart“ – Trauerspiel von Friedrich Schiller in den Landesbühnen Sachsen


Zwischen Übermut und Verzweiflung: „Maria Stuart“, gespielt von Karoline Günst, ist Hoffnungsträgerin und tragische Figur zugleich im Spiel um Macht und Wahrhaftigkeit. Fotos: René Jungnickel

Von der Liebe zur Macht und der Ohnmacht des Herzens

Ein Wechselbad der Gefühle über Gefangen- und Freisein, Recht und Willkür, Begehrtsein und Aufbegehren durchlebt und -leidet das Publikum in der Inszenierung des Trauerspiels „Maria Stuart“ von Friedrich Schiller in den Landesbühnen Sachsen in Radebeul.

Gleich zu Beginn bricht das Gerangel um die Macht los, werden auf der dunklen Bühne Podeste lautstark umgeworfen, herrscht Aufruhr. Besorgt und unruhig steht eine ältere Frau in grauem Kleid dabei. Alles andere als gastfreundlich war der Empfang für die Hilfe suchende Maria Stuart und ihre Amme, die in England Zuflucht suchten bei Königin Elisabeth, einer Verwandten Marias. Nach der Flucht aus ihrer Heimat, wo die schottische Königin einer Mitschuld an der Ermordung ihres Ehemanns bezichtigt wird, wird sie jedoch festgenommen und eingesperrt. All ihr Bitten und Flehen auf Befreiung und Gnade bleibt unerhört. Immer zwischen Hoffen und Bangen, Wut, Schmerz und Verzweiflung hin und her gerissen, durchlebt und leidet das Publikum ein Wechselbad der Gefühle mit der Titelheldin „Maria Stuart“ in dem Trauerspiel von Friedrich Schiller, das am vergangenen Sonnabend Premiere hatte in den Landesbühnen Sachsen in Radebeul.

Aus einem übergroßen, aufklappbaren Reisekoffer, ihrem Gefängnis mit karger Einrichtung, tritt Maria Stuart (stolz, unverzagt und kraftvoll: Karoline Günst) heraus und setzt sich obendrauf, rebellisch, fast übermütig und fragt, ob sie schon verurteilt ist. Ihre Amme (gütig und großherzig: Anke Teickner) beruhigt und tröstet sie und trägt eine Geige mit sich, als wiege sie ein Kind. Die wird Maria später spielen, in Momenten der Liebe und größter Bedrängnis. Drei Musiker (Berthold Bauer, Kevin Knödler und Simeon Hudlet) begleiten außerdem das Geschehen und lockern es abwechslungsreich auf mit Trompete, Kontrabass und Gitarre, mal leise, wehmütig, mal rockig, bluesig und feurig wie Flamencoklänge. Wenn Maria Stuart aufbegehrt und ungeduldig auf und ab gehend auf Königin Elisabeth wartet. Das ist lang, zäh und erfordert viel Zuhör- und Durchhaltevermögen auch von den Zuschauern, bis die Handlung an Spannung gewinnt und die Geschichte einen packt und ergreift. Es wird viel geredet, palavert und gestritten in langen, wortreichen Mono- und Dialogen in dieser dreistündigen Inszenierung unter Regie von Landesbühnenintendant Manuel Schöbel. Maria glaubt an das Gute, Wahre und Schöne bis zuletzt. Doch als lebensfrohe wie gläubige Katholikin ist sie der protestantischen Königin Elisabeth (kühl kalkulierend: Julia Vincze) suspekt. Da die Stuart auch noch selbst den englischen Thron beansprucht, stellt sie eine Gefahr dar für Elisabeth. Ihre Gefolgsleute unternehmen alles für ihren Machterhalt und verfolgen eigene Interessen, die einen mit Intrigen, andere diplomatisch, sachlich oder versuchen Elisabeth von den Vorteilen einer Ehe zu überzeugen.

Das geschieht eindrucksvoll in mal hartnäckigen, trockenen bis witzig-absurden Wortgefechten der Kontrahenten um Elisabeth und Maria, die sich gegenseitig überbieten mit aufgeblasenem Gerede ins Mikro. Die Bühne ist in stimmungsvolles Licht getaucht von nachtblau, tiefrot bis lichtvoll, frühlings- und hoffnungsgrün. Haften bleiben vor allem diese bilderstarken, prägnanten Szenen. Wenn Maria plötzlich ihr Gefängnis einen Moment im Freudentaumel verlässt und neu erblüht. Wenn die Gefolgsleute einen Kreis um Königin Elisabeth bilden, sie schützen und zugleich abschirmen von der Welt draußen, der Wirklichkeit. Allen voran ihr machtgierig, eitler und heuchlerischer Berater, Baron von Burleigh (Alexander Wulke). Er führt einen erbitterten Disput mit Maria Stuart über Recht und Gesetz. Einen Moment später fegt er die Gesetzakte mit dem Schwert vom Pult, trinkt aus einem Zinnbecher, reicht ihr auch einen vermeintlich höflich und schleudert seinen Becher wütend in ihre Richtung. Unerschrocken, besonnen und sachlich versucht Amias Paulet, Ritter und Hüter der Maria (Matthias Avemarg) Unheil von ihr abzuwenden und zu schlichten. Mortimer, sein Neffe (Maximilian Bendl) will hitzköpfig und stur hingegen Maria Stuart gewaltsam befreien. Galant und listig verspricht er bei einer Teestunde mit Elisabeth, die Sache mit der Stuart zu regeln. Dabei hat er ein Attentat auf Elisabeth vor. Robert Dudley, Graf von Leicester (innerlich zerrissen: Moritz Gabriel) warnte ihn davor und verrät ihn.

Leicester, der ehrgeizig-aufstrebende Geliebte der Königin Elisabeth und Ex-Liebhaber von Maria Stuart, will sie retten und spielt mit dem Feuer. Mal trifft er sich heimlich mit Maria, die Geige in der Mitte, nah beieinander, mal steht er im Prunkgemach der Königin und verführt sie. Dann löst Elisabeth ihre kunstvolle Haarkrone, ihr langes, rotes Haar fällt offen herab auf ihr weißes, tief ausgeschnittenes Kleid. Solche Momente, wo sie einfach nur Frau sein kann und dies genießt, sind selten. Sie ist Herrscherin eines Landes, was ihr Herz will und ihre Sorgen, interessieren keinen. Doch sie regiert gern. Schlau und mit scharfer Zunge und Verstand, auch mit Ironie, bietet sie den Männern in Anzügen um sie herum Paroli. In ihrer orangenen, schicken Kostümjacke, die sie lässig und selbstbewusst an- und auszieht, kurz innehält und loslegt zur nächsten Runde im Macht-Spiel, wirkt diese Elisabeth von Julia Vincze wie eine moderne Karrierefrau, entschlossen und energisch.

Spannend die Szene, als die zwei Frauen und Rivalinnen sich dann endlich gegenüberstehen als dramatischer Höhepunkt in Schillers Stück. Denn im echten Leben sind die beiden Königinnen sich nie begegnet. Elisabeth staunt, dass sie keine gramgebeugte Frau vorfindet, sondern Maria Stuart ihr stolz, schön, klug und aufbegehrend gegenübertritt. Sie steht mal zwischen den Pfeilern einer Regalwand, in der Hocke, richtet sich wieder auf und steckt ihren Kopf durch ein Dreieck in der Wand. Geht hindurch und steht in ihrem schwarzen, weiß durchlässigen Kleid im Licht mit dem Rücken zur Wand. Elisabeth in Kostümjacke, Hosen und Stiefeln kommt gerade von der Jagd, sieht neugierig, ergriffen und wütend zugleich auf ihre Gegnerin, die kein bisschen unterwürfig ist und sie herausfordert. Es gibt keine Versöhnung!, ruft die Stuart ihr entgegen. All ihr Zorn und Leidenschaft über die lange Gefangenschaft und Unrecht brechen aus ihr heraus. Maria glaubte, dass sie sich wie zwei Königinnen auf Augenhöhe begegnen könnten. Doch zu viel ist schon geschehen und beide Frauen können nicht an sich halten, keine der anderen trauen oder um Schutz bitten. Das ist die Tragik dieser Geschichte und visionäre Botschaft des Stücks, dass dies eines Tages doch möglich wird, dass zuerst die Herzen und Mitgefühl sprechen statt Gewalt, Gegensätze und Feindseligkeiten.

Es sind zwei starke und verletzliche Frauen in einem ungleichen Kampf, die eine frei, die andere gefangen, im Bannkreis der Macht. Der Preis dafür ist hoch. Maria Stuart bezahlt mit ihrem Leben. Elisabeth unterzeichnet widerwillig das Todesurteil im Zwiespalt aus gekränkter weiblicher Eitelkeit, Eifersucht und Angst um ihre Macht, wird aber zeit ihres Lebens von Zweifeln geplagt ob es die richtige Entscheidung war und sie steht am Ende allein da. „Maria Stuart“ ist ein zeitlos spannendes Stück über Macht und Ohnmacht, Recht und Unrecht, Freiheit, Willkür und Wahrhaftigkeit und Umgang mit dem politischen Gegner. Davon erzählt die anspruchsvolle, bewegende, aber in der Intensität von Bildern und Spiel nicht durchweg schlüssige, ambivalente und durchaus streitbare Aufführung in den Landesbühnen. Viel Beifall bekamen vor allem die beiden Königinnen zur Premiere.

Text (lv)

Nächste Vorstellung: So., 21.1., 19 Uhr in den Landesbühnen Sachsen in Radebeul.

http://www.landesbuehnen-sachsen.de


Glanz und Schatten der Macht: Königin Elisabeth (Julia Vincze) und ein vermeintlicher Vertrauter, Mortimer (Maximilian Bendl), der ein Attentat gegen sie plant, um Maria Stuart zu befreien.

Ausstellung „rempe & nagel“ mit Malerei und Zeichnungen in der Stadtgalerie Radebeul


Landschaften in starken Kontrasten und stillem Zwiegespräch: Der Radebeuler Stadtgalerist Alexander Lange und eine Ausstellungsbesucherin.

Landschaften im Wirbel der Zeit

Farb- und zeichenreiche Malerei und Zeichnungen über das Verhältnis von Mensch und Natur zeigt die Ausstellung „rempe & nagel“ in der Stadtgalerie Radebeul.

Weithin weiße, karge Flächen, auf denen in schwarzen Linien umrissen, geisterhaft und geheimnisvoll sich Mensch- und Naturwesen umkreisen, treffen auf farbflirrende, großformatige Waldbilder. Landschaften in starken Kontrasten zueinander zeigt die Ausstellung „rempe & nagel“ mit Malerei und Zeichnungen von Anita Rempe und Maja Nagel in der Stadtgalerie Radebeul, die nach der Weihnachtspause nun wieder offensteht für Besucher. So kurz und bündig der Ausstellungstitel, so eigenständig, konträr, farb- und zeichenreich und doch auch aufeinander Bezug nehmend wirken auch die Arbeiten der beiden Künstlerinnen. „Sie kennen sich schon viele Jahre und stellen hier zum ersten Mal gemeinsam aus. Die sehr unterschiedlichen Handschriften, das stark Farbige und die reduzierte Figur, sind der Reiz dieser Doppelausstellung“, sagt Stadtgalerist Alexander Lange.

Verbindend sei nicht nur ihre künstlerische Arbeit auf Papier und Leinwand, sondern ebenfalls von ihnen gezeichnete und produzierte Animationsfilme. Maja Nagel zeigt ausschließlich Arbeiten in Kohle und Graphit, vorwiegend in schwarz-weiß und Grautönen auf Papier. In knapp prägnanter Formsprache, offen und vieldeutig, mal düster, bedrohlich, einschneidend, mal ironisch, kraftvoll und märchenhaft poetisch stellt Maja Nagel das Verhältnis zwischen Mensch und Natur dar. Ihr zentrales Thema sind das allmähliche Verschwinden von Heimat und Identität in der vom Braunkohlebergbau geschundenen Lausitz in der Nähe ihrer Geburtsstadt Bautzen, die Auswirkungen und das Besinnen auf die Wurzeln. Ihre Bilder geben einen beeindruckenden wie erschreckenden Einblick in eine abgebaggerte, uralte Kulturlandschaft.

Das betrifft besonders zahlreiche Siedlungsgebiete der Sorben. Ein paar Grasbüschel, dunkle Vögel, eine wie Rauch aufsteigende Figur auf einem Baumstumpf und ein Bagger umlagern sich im Titelbild der Ausstellung „schaustellen“ von Maja Nagel. Eine Frau reitet auf einem schweren Stein und hält sich an ihm fest, über ihr ein Greifarm oder Schlinge, in einer Kohlezeichnung von 2022 mit dem Titel „…aufsitzen“. Aussagereich schon die Bildtitel wie „schnell weg“, „immer im wirbel“, „zeitschläge“ und „staubschöne“ aus der Zeichnungserie „na kromje/an der kante“ der sorbischen Künstlerin. Zwei Frauen in sorbischer Tracht, mit weit schwingenden Röcken, Hauben und Rucksäcken auf dem Rücken laufen unter einer schwarzen Sonne durch öde Landschaft. Eine Sorbin steht mit wehenden Bändern in der Erde, die wie schwarze Flügel ihre Schatten hinterlassen.

Eine Frau sucht zwei schwarze Knäuel in den Händen zu entwirren in einer ihrer neuesten Kohlezeichungen von 2023 mit dem Bildtitel „drüberdrunter“. Ein weißer „Engel“ mit schwarz umrandeten Flügeln hängt gleich neben dem Galerieeingang. Maja Nagel hat in Dresden an der Kunsthochschule Malerei und Grafik studiert, hat längere Zeit in Berlin, Dresden und Strehla gelebt und lebt und arbeitet inzwischen auf einem ehemaligen Bauernhof in Eula bei Nossen. Beim Käthe-Kollwitz-Haus in Moritzburg betreut sie seit langem die Grafikwerkstatt. Anita Rempes Ölbilder sind oft expressiv farbig, konkret und abstrahiert. Manchmal schemenhaft wie aus dem Zugfenster fällt der Blick auf rasch vorüberziehende Landschaften, Bäume und Waldlichtungen. Mit Bildtiteln wie „Grüne Fluchtlandschaft“, „Vivaldi“, „Zusammenbruch“, „Ina geht“ und „Waldes-Techno-Mann“.

Ihre Porträts ähneln ausdrucksreichen Gesichts-Landschaften. Die Bilder von Anita Rempe erzählen von Zeit, die fließt, verrinnt oder innehält im Moment. Sie wurde 1965 in Magdeburg geboren, ist studierte Gebrauchsgrafikerin und Illustratorin und arbeitete als freie Trickfilmzeichnerin für TV- und Filmproduktionen. Als Kunsttherapeutin ist Anita Rempe auch in Radebeul tätig. Sie wohnt und arbeitet im Fischerdorf Gauernitz an der Elbe. Ihre Malerei und Maja Nagels Zeichnungen verbindet, das Kostbare, die Urkraft und Fragilität der Natur, nicht aus dem Blick zu verlieren. Die Ausstellung ist noch bis 21. Januar zu sehen.

Text + Fotos (lv)

Geöffnet: Di, Mo, Do 14 bis 18 Uhr, So 13 bis 17 Uhr


„Ina geht“, Ölbild von Anita Kempe

Ausstellungs-Eröffnung: „Schamotte-Skulptur“ anlässlich 10 Jahre Symposium für Künstlerinnen im Schamottewerk Radeburg, im Einnehmerhaus Freital


„Sitzende“ von Karin Heyne, der Initiatorin des Künstlerinnen-Symposiums im Schamottewerk Radeburg. Von ihr stammen auch die Eule, die Katze mit den gelben Augen und die kleine Liegende.


Neugierig, aufgeweckt und schelmisch: Zur Eule gesellen sich Affen, ein Schafskopf und ein Fisch mit Füßen, die Theresa Wenzel gestaltete.

Fantastische Figurenwelten

Geformt und gebrannt in Schamottestein, formreich und bemalt, figürlich und abstrakt, sorgen die mit viel Liebe, Witz, Fantasie und Feingefühl gestalteten Arbeiten von neun Künstlerinnen für Freude, Staunen, Schmunzeln und Denkanstöße in der Ausstellung „Schamotte-Skulptur“. Zum zehnjährigen Jubiläum des Symposiums für Künstlerinnen im Schamottewerk Radeburg sind sie zu Gast im Einnehmerhaus, Dresdner Straße 2, in Freital.

Die Eröffnung ist am Sonnabend, dem 13. Januar, 15 Uhr. Die Laudatio hält Karin Weber, Musik: Roger Tietke, Saxophon.

Mit dabei sind die Künstlerinnen Katrin Jähne, Sophie Altmann, Christa Donner, Karin Heyne, Gabriele Reinemer, Eva Bröer, Angela Hampel, Theresa Wenzel und Maria Luise Faber.

Text + Fotos (lv)

Mehr Text zur Ausstellung folgt.


Frau mit Herz von Christa Donner.       Kopf von Karin Heyne.
Installation mit Herzen und liegenden Clowns von Angela Hampel. Ruhender Kopf von Angela Hampel.


Sitzende weiblicher Akt und Knieende von Katrin Jähne.Archaische, zeichenreiche, bemalte Objekte von Gabriele Reinemer.
„Gewächs“ nennt Eva Bröer ihr Objekt, das auch an ein Schiff mit herausschauenden Köpfen erinnert. Außerdem zeigt sie eine „Wabe“ und „Zwei“ in Gestalt von Puzzleteilen.


Die Gefäße vorn stammen von Sophie Altmann.