Premiere „Peter Pan“ eröffnete den Theatersommer der Landesbühnen Sachsen im Theaterzelt in Rathen



Aus dem Geschichtenbuch entsteigt eines Nachts Peter Pan und entführt Wendy und ihren Bruder in seine aufregend fantasievolle Welt voller Abenteuer und Gefahren.

Übermütige Luftsprünge und Abenteuer in
wild-fantasievoller Traumreise besiegen die Schatten

Das Stück „Peter Pan“ lässt kleine und große Zuschauer staunen, lachen und mitfiebern mit den Kindern einer wohlbehüteten Familie auf ihrer Reise nach Nimmerland, wo Kinder niemals erwachsen werden.

Der Sternenhimmel funkelt. Zwei Traumgestalten stecken leise kichernd ihre Köpfe durch den nachtblauen Vorhang zu den zwei schlafenden Kindern Wendy und John und springen schnurstracks in ihr Bett. Sie toben vergnügt umher und reisen in die fantastische Welt von „Peter Pan“ nach Nimmerland, wo sie jede Menge Abenteuer erleben und Gefahren bestehen. Die zauberhafte Geschichte über jenen Ort, wo Kinder niemals erwachsen werden, inszeniert von Manuel Schöbel nach Motiven des Kinderbuchklassikers von James Matthew Barrie hatte am vergangenen Sonnabend Premiere und eröffnete gleichzeitig den Theatersommer der Landesbühnen Sachsen im Theaterzelt von André Sarrasani vor imposanter Felsenkulisse im Kurort Rathen.

In einer Mischung aus Schauspiel, Schatten- und Figurentheater, begleitet von mal heiteren, verträumten Gitarrenliedern und mal wild urwüchsigen Trommelklängen kam das Stück „Peter Pan“ als Theatervergnügen für die ganze Familie auf die Bühne (Musik und Liedtexte: Alexander Wulke, Ausstattung: Stefan Weil). Mit märchenhaften Kostümen und witzig-fantasievoll erzählt mit wenigen Requisiten, entführt die Aufführung an schöne und gruslige Traumorte. Wendy (aufgeweckt-selbstbewusst: Tammy Girke) wiegt nicht nur ihre Puppe im Arm, sondern ist ebenso abenteuerlustig wie ihr Bruder John (Justin V. John) und sie kämpfen auch mal mit Kochlöffel und Regenschirm wild gegeneinander. Für ihren gestrengen Vater (Alexander Wulke) im blauen Gehrock ist Peter Pan daher wie ein Gespenst und Unruhegeist, der die Kinder verdirbt. Amüsant wie er als Piratenanführer Käpt`n Hook mit Eisenhaken-Hand in der Traumwelt Peter und seine Freunde, die verlorenen, frei umherstreifenden Kinder, verfolgt und gefangen nehmen will, die jedoch immer wieder entwischen.

Mit der geheimnisvollen Fee Glitzerklang (lustig-anmutig: Julia Rani) fliegen Peter Pan, Wendy und John in übermütigen Luftsprüngen hoch über der Bühne mit einer Seilvorrichtung (Flug-Choreografie: Sarrasani Entertainment GmbH). Im zweiten Teil gewinnt die Aufführung noch mehr an Fahrt und Spannung, sorgt der naiv-tolpatschige Kampf der Piraten samt Kanone und allerlei fiesen Tricks gegen Peter Pan und die Kinder unter der Parole „Hackfleisch“ gegen „Pudding“ für viel Spaß bei kleinen und großen Zuschauern. Wenn der Pirat Smee mit Augenklappe, Fernrohr und französisch säuselnd (schlau-gewitzt: Moritz Gabriel) dem hart gesottenen Käpt`n Hook Paroli bietet. Schön skurril auch das verfressene Krokodil, das einen Wecker verschluckt hat und laut tickend, immer  wieder auftaucht und auf Beute lauert.  

Peter Pan (Felix Lydike) in Fransenhosen und Wuschelhaar ist ein Luftikus, ein unbeschwert und sorglos in den Tag lebender Junge, der vor nichts Angst hat, sich von der Welt der Erwachsenen und ihren Regeln fernhält, die ihn langweilen. Er staunt über den Kuss, der von Wendy zu ihm fliegt wie ein kostbarer Vogel, doch als sie wieder nachhause will, hält er sie nicht auf. Sie bringt den verlorenen, unartigen Kindern (gespielt von Studierenden der Theaterakademie Sachsen) Manieren bei und erzählt ihnen vor dem Zubettgehen die Geschichte von Aschenbrödel wie ihre Mutter (sanft-liebevoll: Sandra Maria Huimann).
 
Durch seinen Leichtsinn verliert Peter Pan beinah seine geliebte Fee Glitzerklang. Doch Feen sterben nicht, wenn man an sie glaubt. Durch den herzlichen Applaus des Publikums erwacht sie wieder zum Leben und schwirrt lächelnd und glucksend davon. Und Peter Pan bleibt das ewige, ungebändigte Kind, das uns Erwachsene daran erinnert, das Träumen nicht zu verlernen.

Text + Foto (1) lv

Weitere Termine: http://www.landesbuehnen-sachsen.de

Sommertheater im Zelt vor imposanter Felsenkulisse im Kurort Rathen in der Sächsischen Schweiz. Noch beschaulicher und weniger überlaufen als sonst, lockt Kultur- und Landschaftsgenuss gleichzeitig.

Premiere Operetten-Abend „Dinner for Five“ in den Landesbühnen Sachsen

Im Rausch und vor dem Spiegel des Lebens

Dinner for Five, ein Operetten-Pasticcio hat am 12. Juni, 19.30 Uhr Premiere in den Landesbühnen Sachsen in Radebeul.

Bereits 17.30 Uhr eröffnet die Ausstellung des Ausstattungsleiters der Landesbühnen, Stefan Wiel: „Welttheater Theaterwelt“.

Drei Damen und zwei Herren haben sich zu einem festlichen Dinner verabredet – voller Sehnsüchte und Hoffnungen natürlich, vor allem das jeweils andere Geschlecht betreffend.

Was aber, wenn bei dieser Zusammenkunft der Alkohol etwas zu reichlich fließt, die Gefühle sich zunehmend verwirren und hinter den ursprünglich zur Schau getragenen Gesichtern plötzlich ganz andere zum Vorschein kommen?

So sieht sich jede und jeder an diesem Abend – im Rausch wie in der Katerstimmung danach – vor dem Spiegel seines Lebens stehen, allein mit der Frage nach dem wahren eigenen Ich …

Doch ein Operettenabend wäre kein solcher, würden nicht alle Frustrationen, unerfüllten Wünsche oder enttäuschen Gefühle alsbald mit einem Glas Champagner wieder herunter gespült: „Da Capo“ heißt es zum Schluss dieses unterhaltsamen musikalischen Pasticcios, in dem für Sie Melodien erklingen von Jacques Offenbach, Johann Strauß (Sohn), Carl Millöcker, Franz Lehár, Robert Stolz, Eduard Künneke und Joseph Beer, sowie George Gershwin, Kurt Weill und Stephen Sondheim.

Konzept und Spielfassung von Ronny Scholz
Musikalische Leitung: Hans-Peter Preu
Inszenierung: Tristan Braun
Bühne: Stefan Wiel
Kostüme: Irina Steiner
Choreografie:  Till Nau
Dramaturgie Gisela Zürner
Musikalische Einstudierung Thomas Gläser, Anja Greve, Thomas Tuchscheerer

Sängerinnen und Sänger: Stephanie Krone- Sopran, Sopran Anna Erxleben –Sopran,  Ylva Gruen –  Mezzo-Sopran,  Aljaz Vesel –Tenor,  Jonas Atwood – Bass

Klavier:  Hans-Peter Preu

 Text: Petra Grubitzsch/LB

Kasse der Landesbühnen Sachsen, 0145 Radebeul, Meißner Str. 152, Tel. 0351/8954214

kasse@landesbuehnen-sachsen.de

www.landesbuehnen-sachsen.de

Besuch der Schlossmuseen & Dresdner Parkeisenbahn ohne Testpflicht

 
 
 

Schlossmuseen in Dresden und Dresdner Parkeisenbahn: Testpflicht bei Besuch entfällt

Für den Besuch der Schlossmuseen der Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH (SBG) entfällt ab einschließlich heute, Freitag, 11. Juni 2021 die Testpflicht. Die Stadt Dresden gab am Vortag bekannt, dass die Inzidenzzahlen seit mehr als 14 Tagen unter der Marke von 35 liegen, die Testpflicht für Museen daher entfallen kann.

Beim Besuch der Museen im Schloss & Park Pillnitz, in der Festung Xperience (Festung Dresden) und auch bei einer Fahrt mit der Dresdner Parkeisenbahn ist ab heute keine vorherige Testung mehr notwendig.

Tickets können weiterhin online vorgebucht werden unter: https://shop.schloesserland-sachsen.de/

 

Text:

Uli Kretzschmar
Pressesprecher Press Release
Fachteamleitung Presse & Kommunikation Subject Responsible

 

 

 

Die Schauspielerin Sandra Maria Huimann inszeniert „Alice im Wunderland“ an den Landesbühnen Sachsen


Spagat zwischen wundersamer und wahrhaftiger Welt: Die Schauspielerin und Regisseurin Sandra Maria Huimann zeigt ihre vierte Regiearbeit „Alice im Wunderland“.
Hier zwei Ausschnitte von den Proben im April in den Landesbühnen.

Ein verrücktes Spiel zwischen Vergessen und Erinnern

Die Inszenierung „Alice im Wunderland“ nach dem bekannten Kinderbuch von Lewis Carroll in einer Bühnenfassung von Roland Schimmelpfennig entführt die Zuschauer in die wundersame Welt von Alice, die an Alzheimer Demenz erkrankt ist. Die Stream-Premiere ist am 11. Juni, 20 Uhr auf http://www.dringeblieben.de zu sehen. Premiere hat das Stück der Landesbühnen Sachsen in Kooperation mit dem Societaetstheater dann dort im Oktober.

Eine Frau in weißem Nachthemd, Hausschuhen und grauem Haar steht mitten auf der Bühne und sieht sich verwundert um. Seltsame Gestalten laufen mit rudernden
Armbewegungen um sie herum und wollen mit ihr im „Tränenteich“ schwimmen. Ein Mädchen in rot geblümtem Kleid, das aussieht wie sie selbst in jungen Jahren, klatscht mit ihr in die Hände zum Lied „Alle meine Entchen“.

Wundersame Dinge gehen vor sich. Das weiße Kaninchen hält sie für sein Hausmädchen. „Ich hol ihm besser seinen Fächer und seine Handschuhe. Wenn es wüsste, wer ich wirklich bin. Aber wer bin ich wirklich?!“, fragt sich die alte Alice. Ihr Sohn hat nie Zeit und das Kaninchen läuft immer weg. Irgendwann weiß die alte Frau nicht mehr, wer hier verrückter ist: der Hutmacher oder sie. Der ist auch noch Ärztin und will Alice helfen, genauso wie Dideldum und Dideldei, zwei Pflegekräfte.

Anrührend komisch, skurril, traurig, nachdenklich und sprachspielerisch philosophisch
entführt das Stück „Alice im Wunderland“, inszeniert als Märchen für Erwachsene nach dem berühmten Kinderbuch von Lewis Carroll in einer Bühnenfassung von Roland Schimmelpfennig, in eine besondere Welt. Einen ersten Vorgeschmack gab es bei einem Probenbesuch in den Landesbühnen Sachsen in Radebeul. Die Inszenierung in Kooperation mit dem Societaetstheater Dresden sollte dort eigentlich am 13. Mai, um 20 Uhr Premiere haben, musste dann aber wegen des verlängerten Lockdowns coronabedingt abgesagt werden.

Nun soll das Stück zur neuen Spielzeit im Oktober im Societaetstheater zu sehen sein.
Die Stream-Premiere ist bereits morgen, am 11. Juni,  20 Uhr im Internet zu sehen (siehe Link unter dem Beitrag).

Regie führt Sandra Maria Huimann. Die gebürtige Wienerin absolvierte das dortige Konservatorium für Schauspiel und schloss mit dem Bachelor ab. Seit 2009 ist Sandra Maria Huimann als Schauspielerin im Ensemble der Landesbühnen Sachsen engagiert und wohnt in Dresden. „Alice im Wunderland“ ist ihre vierte Regiearbeit. „Das Publikum erlebt die Geschichte aus der Perspektive von Alice, die an Alzheimer Demenz erkrankt ist. Wir versuchen ihre Wahrnehmung zu ergründen“, sagt Sandra Maria Huimann. Das geschieht in sehr körperorientiertem Spiel. Da die Darsteller, die bei den Proben Masken tragen, sich nicht anfassen dürfen wegen Corona, treten sie in Beziehung vor allem über Sprache, Körper und Rhythmus. Mir dieser Form sei sie glücklich.

„Denn es geht in dieser Geschichte ja viel um sich wiederholende Zeit und verloren gehendes Körpergefühl. Irgendwann gelangen betroffene Menschen an einen Punkt, wo sie den Bezug zur Außenwelt verlieren“, erklärt sie. „Es geht viel um Erinnerung und eine Neubewertung der Situation aus dem Wissen, das Alice gerade hat.“ Das Stück entführe aber in keine bunte Fantasiewelt. Als Kulisse dient ein weißer Raum, in einem Pflegeheim für an Alzheimer Erkrankte, der sich mittels Licht und Projektion verwandelt. Alle Figuren haben eine reale und eine Wunderland-Figur.

Zur Vorbereitung auf das Stück nahm Sandra Maria Huimann teil an einem online Kurs für Angehörige von Menschen, die mit Demenz leben mit Eva Helms, Leiterin des Infopunkts Demenzpflege im Familienzentrum Radebeul. “Ich hab versucht mir alles anzueignen, was es über diese Krankheit gibt, was Pflegepersonal und Angehörige erleben, um die einzelnen Perspektiven zu verstehen“, so die Regisseurin. Auch die Darsteller machten mit bei dem Kurs. Zusammen mit fünf Schauspielern der Landesbühnen – Anke Teickner als Alice Alzheimer, Luca Lehnert als Mädchen Alice, Michael Heuser als Patient X, Michael Berndt-Cananá als Pfleger 1 und Grian Duesberg als Pfleger 2 – stehen zwei Gäste aus der freien Szene auf der Bühne. Sabine Köhler als Hutmacher und Tobias Herzz-Hallbauer spielt Alices Sohn und hat die Musik für die Inszenierung komponiert. „Menschen mit Demenz haben ein großes Empfinden für Emotionen und Stimmungen und merken an der Stimme, dass jemand da ist, der es gut mit ihnen meint. Wenn man sich auf ihre Welt einlässt und darauf eingeht, dann kann man die Verbindung zu ihnen aufrechterhalten“, weiß Sandra Maria-Huimann.

Sie liebt ihren Beruf als Schauspielerin und führt gern Regie: „Ich finde es großartig, die Position des anderen einzunehmen und es ergänzt und bereichert sich beides. Als Regisseurin muss ich den roten Faden zusammenhalten, innerhalb dessen gibt es viele Möglichkeiten und wir finden einen Konsens, mit dem alle zufrieden sind.“ Sie selbst ist als „Aschenbrödel“ vor der Moritzburger Schlosskulisse wieder ab 3. Juli zu sehen, im Stück „Jedermann“ spielt sie die „Buhlschaft“ im Hof der Albrechtsburg Meißen und in der Liebeskomödie „Zuhause bin ich Darling“ im September in den Landesbühnen Sachsen.

Außerdem ist Sandra Maria Huimann die Frontfrau und Sängerin der Band „Machine de Beauvoir“, in der elektronische, sehr extravagante Musik und eigene Songs sowie Liedtexte großer Dichter und Denker von Brecht, Kafka und Oskar Wilde aufeinander treffen. Sie genießt die Momente im Wunderland auf der Bühne, sucht in jeder Rolle nach Wahrhaftigkeit wie auch im eigenen Leben. Ihr Motto dabei: Voller Neugier und einem Blick darauf, andere Wahrnehmungen und Geschichten genauso zu respektieren und zu verstehen. 

Text + Fotos (3) (lv)



Stream – Premiere „Alice im Wunderland“, Märchen für Erwachsene nach Lewis Carroll von Roland Schimmelpfennig: 11. Juni, 20 Uhr                                                                                             

Weitere Aufführungen: 19.6., 19.00 Uhr und 25.6.19.00 Uhr  als Stream und dann im Oktober folgt die Premiere im Societaetstheater Dresden

Wo: auf der Plattform dringeblieben.de; Veranstaltungslink: https://dringeblieben.de/videos/premiere-alice-im-wunderland 

Kooperation mit dem Societaetstheater Dresden

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„Dresden. Die zweite Zeit“ – Lesung mit dem neuen Stadtschreiber Kurt Drawert

Spurensuche – Die Schönheit und die Wunden dieser Stadt

Für Kurzentschlossene gibt es heute, am 10. Juni, 19 Uhr eine Lesung mit Kurt Drawert, dem neuen Stadtschreiber in Dresden eine Lesung aus seinem autobiografischen Roman „Dresden. Die zweite Zeit“ im Stadtmuseum, Wilsdruffer Straße 2.

Fünfzig Jahre sind vergangen, seit er als Kind mit seiner Familie nach Dresden gezogen ist, das er 1985 wieder verlassen hat. Nun kehrt Kurt Drawert als Stadtschreiber nach Dresden zurück, wo die Mutter lebt, eine Stadt, die ihm vertraut und doch ganz unvertraut ist. Er ist auf der Suche nach etwas, von dem nur er weiß, dass es ihm fehlt. Die Schönheit und die Wunden dieser Stadt, die Risse in der Familie und in der eigenen Biografie, das schwierige Verhältnis zum Vater und den Brüdern, die politisch aufgeladene Stimmung in Dresden, die offenen Fragen nach Tätern und Opfern, in der großen wie in der persönlichen Geschichte, und die Suche nach einer Sprache dafür, sind Themen und Motive in diesem dichten, autobiografischen Roman.

Mit Witz und Feingefühl, mit einem Gespür für die einschneidenden Augenblicke und prägenden Konflikte im Familienleben, einem scharfen Blick für das Detail, mit bissig-analytischem Verstand, unvergesslichen Erinnerungsbildern und großer Sprachkraft erzählt Kurt Drawert von Verwerfungen und Sehnsucht, Wünschen und Brüchen im eigenen Leben und ihrer Verortung in dieser Stadt.


Eine Kooperation der Literarischen Arena e.V., der Evangelischen Akademie Sachsen und der Museen der Stadt Dresden

Mit besten Empfehlungen,
Jörg Scholz-Nollau

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Mo-Fr. 10-13 und 15-19 Uhr, Sa. 10-14 Uhr

Buchhandlung LeseZeichen
Priessnitzstrasse 56
01099 Dresden

Inh.: Jörg Scholz-Nollau

Tel. 0351-8033914
Fax 0351-8033915
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Moritz Gabriel ist Schauspieler an den Landesbühnen Sachsen und streamt als Rollenspieler im digitalen Raum


Spaß am Rollenspiel & Geschichtenerzählen: Schauspieler Moritz Gabriel. Foto (lv)

Eintauchen in fantastische Welten

Wenn er nicht auf der Bühne steht, experimentiert Moritz Gabriel gern mit Rollenspielen & Storytelling, allein und mit Freunden, und stellt seine Geschichten ins Internet.

Ein Brot schwebt durch die Luft in einem leeren Lokal mit loderndem Kaminfeuer. Ein bärtiger Mann eilt durch mittelalterliche Gassen, springt über Marktstände und sucht in jedem Winkel. Nicht nach Gästen, sondern Hexen mit spitzen Hüten und fliegenden Besen wie sich herausstellt. Die Spieler verteilen ihre Rollen, Jäger und Hexen, und das witzig-abenteuerliche Versteck- und Findespiel geht in die nächste Runde. In diesem live gestreamten online Videospiel geht es den Teilnehmern neben dem Spaß und der Spannung am Gewinnen oder Verlieren vor allem um das gemeinsame  Erlebnis. Zuschauer können am Bildschirm an ihrer Interaktion teilhaben.

Rollenspiele und Storytelling, bei denen man in fantastische Welten eintauchen kann, erfreuen sich wachsender Beliebtheit in allen Altersklassen. “Als Rollenspieler wollte ich schon länger Geschichten streamen. Ich glaube, dass diese Form vielen Menschen helfen kann, weil es die Kreativität anregt, die Fähigkeit zu kommunizieren und es macht unglaublich viel Spaß“, sagt Moritz Gabriel (39).

Seit der Spielzeit 2013/2014 ist er als Schauspieler fest engagiert in den Landesbühnen Sachsen in Radebeul und wohnt in Dresden. Während des coronabedingten Lockdown hatte er weniger Proben und mehr Zeit für sein liebstes Hobby. Seit seinem zwölften Lebensjahr faszinieren ihn Rollenspiele, aber noch mehr Storytelling, das Geschichten erzählen als ein Teil davon. Letzteres interessiere ihn auch am meisten am Theater. Begonnen bei Comics, über Computer- und Brettspiele bis zu Lego mag er Spiele aller Art. „Aber ich spiele nicht um Geld.“

„Man kann in andere Rollen schlüpfen, seine Schüchternheit überwinden, schlauer, selbstbewusster, stärker oder dümmer sein als man selber und sich im geschütztem Rahmen des Spiels mit Emotionen auseinandersetzen“, gefällt Moritz Gabriel an Rollenspielen und am Spiel auf der Bühne. Etwa zu spielen, dass man den Vater verloren hat und auf einen Rachefeldzug zu gehen, den man nicht unbedingt persönlich erleben will, aber diese Kraft mal zu spüren. Junge Liebhaberrollen und romantische Helden wie Romeo mag er weniger, so Moritz Gabriel. “Mich interessiert keine Figur auf der Bühne, die nur fühlt und nicht denkt.“

Seine Traumrolle ist Leonce aus Büchners Trauerspiel „Leonce und Lena“. “Eine Figur, die alles durchschaut, aber nicht anders handeln kann aufgrund ihres Charakters und scheitert, das ist viel tragischer und interessiert mich mehr.“ Den Leonce spielte Moritz Gabriel am Theaterhaus Stuttgart und Werschinin aus Tschechows „Drei Schwestern“ bereits im Theaterjugendclub in Konstanz im Süden Deutschlands. Dort wurde er 1982 geboren. Sein Vater lehrte als Logiker und Sprachwissenschaftler und war Leiter der Fakultät an der Universität in Jena. Als Kind war für Moritz Gabriel Deutschland ein Land, das er nicht in Osten und Westen teilte, sondern das sich in vier Himmelsrichtungen erstreckt. So sieht er es bis heute.

Eigentlich wollte er Physiker werden, Astrophysik findet er spannend. Doch dann entschied er sich doch für Schauspiel, weil das Spiel mit Sprache und Bewegung ihn reizt. Seit seiner Jugend tanzt er bei Gelegenheit außerdem gern Rock`n`Roll, Swing Balboa und Tango Argentino. Er studierte an der Folkwanghochschule in Essen Schauspiel und schloss mit dem Diplom ab. Danach arbeitete Gabriel bis 2010 in der freien Theaterszene und war von 2010 bis `012 am Theater der jungen Welt in Leipzig engagiert. Das Live-Rollenspiel schöpft aus dem Improtheater und es gibt viele Darstellungsformen. Die klassische Variante geht einfach: Zuhause gemeinsam am Tisch sitzen und eine Geschichte erzählen und spielen.

„Ein Spielleiter legt die Welt und Nichtspielercharaktere, Milieu, Zeit und Genre fest, in der die Protagonisten sich bewegen. Das reicht von Mittelalter, Fantasy, Sience Fiction bis Krimi“, erklärt Gabriel. Moritz Gabriel ist online sein eigener Spieler und Spielleiter und bevorzugt das Genre des Cyperpunk. Beim Storytelling interessieren ihn frei nach George Orwell Szenarien in der nahen Zukunft, Dystopien, die überspitzt eine unterdrückende Gesellschaft zeigen und wie man selber als machtlose Figur überlebt. Im Wohnzimmer baut er Kamera und Mikro auf und streamt seine Rollenspiele und Geschichten live im digitalen Raum. Zu sehen sind sie auf seinem eigenen Kanal im Internet (www.twitch.tv). Dort spielt Moritz Gabriel als theMelrakki, das isländische Wort für Polarfuchs. Er war schon dort und Füchse sind sein Totem-Krafttier, da sie neugierig, sehr vorsichtig, aber auch clever, nicht domestiziert, durchtrieben und sehr individuell seien. Anregungen für die Rollenspiele findet er auf der Plattform „Roll 20“ im Netz, wo man auch Bilder hochladen und Würfel-Würfe rollen kann, mit denen bestimmte Details für den Handlungsverlauf festgelegt werden. Als Hilfsmittel und zur Inspiration nutzt Gabriel auch gern „Ironsworn“, ein Regelwerk aus einer mittelalterlichen Welt und einem Storytelling-Tool als ergiebiges „Geschichtenerzählhandwerker-Köfferchen“.

Seine Lieblingstheaterform ist „Teppichtheater“, das früher auf  Marktplätzen ausgebreitet wurde zum Geschichtenerzählen. Dazu passen auch die erste Regiearbeit von Moritz Gabriel an den Landesbühnen: das Stück „Salzwasser“ in der Tradition von irischem Kneipentheater und die „Geschichte einer Tigerin“ von Dario Fo, gespielt von Gabriel mit intensivem Erzähl- und Körpertheater im Überlebenskampf eines verletzten Soldaten in der Wildnis. Derzeit laufen die Proben für die Inszenierung „Peter Pan“, wo Moritz Gabriel die Rolle des gewitzt-schlauen Piraten „Smee“ spielt. Die Premiere ist am 4. und 5.Juni im Theatersommerzelt der Landesbühnen in Rathen. Außerdem kommt das nächste Stück unter seiner Regie mit dem Titel „Atmen“ von Mc Millen über ein modernes Paar im Zwiespalt seiner Wünsche und Lebensvorstellungen im Herbst in den Landesbühnen in Radebeul heraus. 

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Ausstellung „Wir in Radebeul und Umgebung“ mit Arbeiten von Künstlerschülern von Mechthild Mansel im Bergverwalterhaus von Hoflößnitz in Radebeul


Seltener Anblick: ein Fuchs im Weinberg.
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Ein farben- und facettenreicher Bilderbogen: Museumsleiter Frank Andert vor Arbeiten von Malschülern von Mechthild Mansel in der Ausstellung im ehemaligen Kavaliershaus.

Beliebte Blicke auf die Lößnitzlandschaft
und unbekannte Ecken

Wieder geöffnet hat eine Ausstellung von Künstlerschülern der Malerin Mechthild Mansel im Areal von Hoflößnitz. Ein neuer Malkurs startete am Mittwoch  in der VHS Radebeul.

Ein ungewöhnlicher Anblick, der auch ein schönes und seltenes Malmotiv wäre: Mitten im Weinberg lief ein junger Fuchs umher, musterte neugierig die Spaziergänger auf der Steintreppe und saß seelenruhig hinter einem Rebstock im Gras. Offensichtlich gefiel dem Fuchs die Aussicht und die reifenden Trauben ebenso wie den reichlich Besuchern oben auf der Weinterrasse vom Museum Hoflößnitz am Sonntagnachmittag bei herrlichem Sommerwetter. Der Weinausschank dort hat wieder geöffnet.

Wieder zu besichtigen ist außerdem die Sonderausstellung „Wir in Radebeul und Umgebung“ mit Arbeiten von Künstlerschülern der Malerin und Grafikerin Mechthild Mansel im ehemaligen Kavaliershaus und Bergverwalterhaus des Hoflößnitz am Knohllweg 37 nach langer coronabedingter Kunstpause für Individualbesucher. Zu sehen sind 38 Arbeiten von zehn langjährigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Kurse von Mechthild Mansel an der Radebeuler Volkshochschule. Der erste und letzte Malkurs mit ihr in diesem Jahr vor den Sommerferien startete dort diesen Mittwoch mit sechs Abenden Malen/Zeichnen im Freien, Pleinair und Schlechtwettervariante im Saal.

Auf einer Staffelei im Foyer vom Kavaliershaus steht das Plakat mit je einem Werk aus der Ausstellung. Ein farben- und facettenreicher Bilderbogen in verschiedenen künstlerischen Techniken erfreut das Auge. Darunter sowohl beliebte Motive der Elbe- und Lößnitzlandschaft als auch Blicke auf unbekannte Ecken und Sehenswürdigkeiten aus besonderer Perspektive eingefangen. Mechthild Mansel geht seit einigen Jahren mit ihren VHS-Kursteilnehmern im Areal der Hoflößnitz nahe der Weinberge und den zahlreichen Motiven ringsum malen. „Das wäre ein passender Ort für die Bilder meiner ambitionierten, fortgeschrittenen `Hobby-Maler`“, dachte sie sich. 

Aus den Mappen der Malschüler wählte Frank Andert, Museumsleiter im Hoflößnitz seit 2015, Bilder für eine „Best of“-Kollektion aus und hängte diese auch selbst. Einige Blätter, die sie besonders mögen, nahmen sie sogar von ihren eigenen Wänden. Seit fünf Jahren veranstaltet er Kunstausstellungen im Kavaliershaus. „Mit wenig Platz und Rahmen. Ich staune jedes Mal selbst, wie es zur Geltung kommt“, so Andert. Passend zu Farbe und Stimmung hängen in einem Raum auf gediegen schilfgrünen Wänden Ansichten der Weinberge im Spätherbst und Frühling neben kleinen Zeichnungen, Skizzen und Aquarellen in einer Tischvitrine und im Kontrast dazu im weißen Nebenraum und Foyer leuchtendfarbige Acrylbilder und Mischtechniken.

In jedem Raum hat Frank Andert eine Lieblingsarbeit. Dazu gehört das Aquarell „Über den Jakobstein“ von Ilona Lange, mit Blick von oben von der Sternwarte aus in impressionistisch sommerlichen Farbtönen. Unterhalb davon wohnt er. Besonders ans Herz gewachsen sei ihm das Bild der „Villa Bilz“ von Uwe Buchholz. „Mir gefällt der Lichteinfall auf der Fassade und man merkt den genau zeichnerischen Blick des Architekten“, so Andert. Vor zehn Jahren besuchte er im inzwischen restaurierten Wohnhaus die damals über 80jährige, letzte lebende Enkelin von Friedrich Eduard Bilz. Die vielseitigste Ausstellungsteilnehmerin ist Barbara Franz mit ihren markanten Zeichnungen mit Bleistift, Tusche und Radierungen von alten Dorfkernen, Schloss Wackerbarth, dem Leuchtturm in Moritzburg und Sonnenuntergang mit dunklem Boot am Frauenteich. Sonnig farbflirrende Bilder mit „Seeschwalben über der Elbe“ und einer „Wiese im Sommerwind“ von Carolett Kaslowski versetzen in beschwingte Stimmung.

Da es nun mehr Nahtourismus gebe als eine gute Nebenwirkung von Corona, könne auch die kulturelle Vielfalt wieder belebt werden, so Frank Andert. Die Ausstellung will die Besucher auch anregen zum spazieren und wandern in der näheren Umgebung Radebeuls und vielleicht auch mal Zeichenblock und Stift zu nehmen und in der Natur Erlebtes festzuhalten. Die Ausstellung im Kavalierhäuschen von Hoflößnitz ist bis 18. Juli verlängert. 

Text + Fotos (lv)

Geöffnet:  Di bis So von 10 – 18 Uhr

http://www.hofloessnitz.de


Ein Ort zum Genießen & traumhafte Aussicht nahe der Weinberge: Das Areal vom Weinbaumuseum Hoflößnitz in Radebeul.

„Wiese im Sommerwind“ von Carolett Kaslowski und „Serkowitzer Pappel“ von
Anne-Kristin Römer-Buchholz

Eins der Lieblingsbilder von Museumsleiter Frank Andert: die „Bilz-Villa“ von
Uwe Buchholz.

„Heimatbilder“, ein Tanzabend der Tanzcompagnie der Landesbühnen Sachsen

Suche nach Heimat                                                                                                 

Premiere ist im König Albert Theater Bad Elster am 4. Juni, 18 Uhr. Premiere in Radebeul in den Landesbühnen Sachsen am 6. Juni, 15 Uhr.

                                                                                                              
Was ist sie diese Heimat? Und wo kann man sie finden? Ist sie ein Ort? Ein Land? Oder ist sie mitten in uns drinnen? Kann sie alles sein, wo wir Geborgenheit finden?

Die Tänzer*innen der Tanzcompagnie machen sich auf die Suche nach dieser, ihrer Heimat. Selbst sind sie es gewohnt, unterwegs zu sein und suchen die Heimat in unserer und ihrer Mitte. Jeder und jede findet sie woanders und an einem anderen Ort. Mal ist die Heimat der eigene Körper oder die eigene Geschichte. Mal bindet sie sich an Dinge, die man bei sich trägt, mal sind es die gebliebenen Erinnerungen an die eigene Familie. Die Heimat ist dabei nicht immer nur privat, sondern wird zum gesellschaftlichen Spannungsfeld, wenn sie jemandem aufgrund des Aussehens plötzlich aberkannt werden soll.

Wie 11 Puzzleteile fügen sich die tänzerischen Soli ineinander und ergeben zusammen ein reiches Bild von dieser Heimat und was sie alles sein kann …

Choreografie und Tanz: Camilla Bizzi, Rodrigo Opazo Castro, Aurora Fradella, Ema Jankovic, Alena Krivileva, Tuan Ly, Pablo Ramon, Christian Senatore, Adam Sojka, Simon Wolant, Gianmarco  Zani

Mitarbeit Choreografie: Wagner Moreira
Ausstattung: Stefan Wiel
Dramaturgie: Elisabeth Guzy
Assistenz/ Inspizienz: Karolina Dieter

CHOREOGRAFIE: Tänzer*innen der Tanzcompagnie der Landesbühnen Sachsen

Text: Petra Grubitzsch, Pressereferentin

Kasse : Tel. 0351/8954 214; Fax. 0351/ 8954 213; http://www.landesbuehnen-sachsen.de 

Landesbühnen Sachsen GmbH, Meißner Str. 152,  01445 Radebeul, Tel. 0351/8954-0.

Internet-Lesung: „Tango ohne Argentinien“

Das Literaturforum Dresden e.V. lädt Freunde der Künste herzlich ein zur nächsten Internetlesung:

Ab Donnerstag, 3. Juni 2021, 19.00 Uhr
Literarische Alphabete
Klaus Johannes Thies liest aus „Tango ohne Argentinien“

Das Video: https://youtu.be/H4wpVA7Z3iw Klaus Johannes Thies fasst sich kurz und schweift doch gern ab. „Die Überraschung ist seine Stärke, der Moment, in dem etwas umzukippen droht“, sagt Michael Krüger über seine Kurzgeschichten. Selten sind diese länger als eine halbe Seite, und doch hat alles Platz in diesen Anti-Erzählungen: Parkuhren, Elefanten, die Musik von Fleetwood Mac oder andere „Lieblingssachen“, so der Titel einer seiner schönsten „Shorts“.

Mit Volker Sielaff spricht er über seine Orte, sein Schreiben und warum er nicht Busfahrer geworden ist. Und liest aus seinem neuen Buch „Tango ohne Argentinien“, erschienen 2020 im Verlag Edition Azur.

Gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Landeshauptstadt Dresden und dem Amt für Kultur- und Denkmalschutz.

Text: Patrick Beck

Leipzig liest extra: Signale der Hoffnung für lebendigen Austausch zur Buchmesse im Frühjahr 2022

Ein starkes Zeichen für das Buch:
Leipziger Buchmesse mit Leipzig liest extra erfolgreich zurück

400 Veranstaltungen, davon 100 mit Publikum

Vier Tage brachte die Sonderausgabe von Europas größtem Lesefest Leipzig liest die Freude am gemeinsamen Lesen, Lesen lassen, persönlichen Begegnungen und intensiven Debatten zurück in die Messestadt und per Livestream zu den deutschsprachigen Lesefans im Netz. Von mehr als 400 Veranstaltungen an rund 80 Orten des Leipziger Stadtgebietes sendeten vom 27. bis 30. Mai Autor:innen, Übersetzer:innen, Verlage, Medien und Partner Signale der Hoffnung auf eine Rückkehr zum intensiven persönlichen Austausch auf der Leipziger Buchmesse vom 17. bis 20. März 2022. Einen Vorgeschmack darauf gaben rund 100 Veranstaltungen, die zum Lesefest ihre Tore für Publikum öffneten und nach langer Zeit damit erstmals den direkten Austausch ermöglichten.

„Leipzig liest extra hat gezeigt, dass Literatur auch in herausfordernden Zeiten in ihrer ganzen Kraft leuchten kann“, erklärt Martin Buhl-Wagner, Geschäftsführer der Leipziger Messe. „Mit unserem Konzept haben wir Sichtbarkeit für die Literatur hergestellt und mit persönlichen Begegnungen den Austausch gefördert. Leipzig liest hat damit einmal mehr seine Bedeutung als größtes Lesefest Europas unterstrichen.“ Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse ergänzt: „Wir haben mit Leipzig liest extra nach 15 Monaten Pandemie Türen in die Freiheit aufgestoßen. Leipzig wird immer von einer besonderen Stimmung getragen, aber in diesem Jahr sind die Autor:innen und Besucher:innen vor Euphorie über ein Wiedersehen geradezu durch die Räumlichkeiten der Veranstaltungsorte geschwebt. Die Literatur hat endlich wieder ihre verdiente Bühne bekommen – und dafür danke ich vor allem unseren Partnern, den Verlagen, Autor:innen, Medien und Veranstaltungsorten.“

Diese Freude der Buchbranche kann auch Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, bestätigen: „Leipzig hat in den vergangenen Tagen viel Lesefreude und Optimismus versprüht. Dass das Lesefest Leipzig liest extra teils sogar mit Publikum stattgefunden hat, ist ein Hoffnungsschimmer. Das Interesse am Lesen ist gerade in der Pandemie groß. Wir brauchen aber das öffentliche Gespräch, um Menschen mit unseren Büchern zu erreichen. Verlage und Buchhandlungen gehen nach einem herausfordernden Pandemiejahr selbstbewusst und mit Tatendrang in die kommenden Monate.“

Politik: Öffentlichkeit für die Vielfalt der Meinungen

Auf die Stärke des Wortes wies auch Ministerpräsident Michael Kretzschmer bei der Eröffnung von Leipzig liest extra hin. „Das persönliche Gespräch ist nicht zu ersetzen. In den letzten Monaten sind so viele Gewissheiten und Lebensentwürfe ins Wanken geraten. Wir müssen darüber sprechen, was passiert ist, dann werden wir auch wieder zusammenkommen. Die Vielfalt der Meinungen, der Verlage und der Messen, aber auch der Plattformen und der Vertriebswege in Deutschland sind dafür wichtig. Die Leipziger Buchmesse in Präsenz wird bleiben.“ Angesprochen auf die vielen digitalen Angebote in der Corona-Zeit, betonte der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung: „Es braucht die Messe, nicht nur aus finanziellen Interessen, sondern weil wir uns hier begegnen, miteinander ins Gespräch kommen und die dringenden Fragen der Gesellschaft verhandeln können.“ Diese Bedeutung betonte auch Dr. Skadi Jennicke, Bürgermeisterin und Beigeordnete für Kultur der Stadt Leipzig: „Das Lesefest Leipzig liest extra fühlte sich für uns alle an wie ein ‚Willkommen im Leben!‘. Es ist ein solches Geschenk, diesen ‚Moment des Aufbruchs‘ zu erleben. Mit der Verleihung des Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung an Johny Pitts und László Földényi ist endlich der Diskursraum für das Ringen um so dringende Fragen und Antworten der Gesellschaft wieder eröffnet.“

Internationale Stimmen bei Leipzig liest extra

Nicht nur deutschsprachige Stimmen waren bei Leipzig liest extra zu hören, auch internationale Autor:innen präsentierten aktuelle Werke. Portugal gab einen Vorgeschmack auf den Gastlandauftritt im nächsten Jahr. „Wir sind unserem Motto ‚Unerwartete Begegnungen des Verschiedenartigen‘ gerecht geworden. In unseren Veranstaltungen haben wir spannende Themen und Bücher sowie eine überraschende Vielstimmigkeit an Autor:innen aus mehreren Nationen präsentiert – aus Portugal und dem portugiesisch-sprachigen Afrika. Alle verbunden durch die gemeinsame Sprache“, freut sich Patrícia Severino, die Kuratorin des Portugal-Programms.
 
Mit einem Programm zum Jahresthema „Archipel Jugoslawien – Von 1991 bis heute“ bildete „Common Ground. Literatur aus Südosteuropa“ eine wichtige Säule des Lesefestes. „Wir konnten zeigen, welche Spuren der Zerfall Jugoslawiens in den Literaturen Südosteuropas hinterlassen hat und, dass ein Dialog über die Gräben, die die Kriege hinterlassen haben, möglich ist“, so Hana Stojiæ, Kuratorin des literarischen Programms von „Common Ground“, der Schwerpunktregion der Leipziger Buchmesse 2020-2022.

Deutschsprachige Literaturentdeckungen

Zum 17. Mal wurde der Preis der Leipziger Buchmesse vergebe  – digital im feierlichen Rahmen in der KONGRESSHALLE am Zoo Leipzig. Den Preis erhielten Iris Hanika (Belletristik), Heike Behrend (Sachbuch/Essayistik) und Timea Tankó (Übersetzung). „Der Preis ist für mich daher so besonders, da er dazu einlädt, sich mit Werken aus drei Kategorien zu beschäftigen: Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung“, so Juryvorsitzender Jens Bisky. „Sie bilden das Grundgerüst der Gegenwartsliteratur und zeigen damit die ganze Bandbreite. Wer bei Gegenwartsliteratur nur an Romane denkt, da bin ich mir sicher, der hat etwas verpasst.“  

Mit umfangreichen Programmen präsentierten die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ein wahres Literaturfeuerwerk. MDR-Programmdirektorin Jana Brandt: „Es war uns eine Herzensangelegenheit, Leipzig liest extra mit unserem umfangreichen Programm im ARD-Forum zu unterstützen und damit unsere Verbundenheit zur Buchmesse zu zeigen und natürlich den Autorinnen und Autoren zumindest eine digitale Bühne zu bieten. Diese Partnerschaften sind für uns Teil unseres gesellschaftlichen Gesamtauftrages. Wir haben uns sehr gefreut, dass uns die gesamte ARD-Familie mit ihren Kulturjournalist:innen unterstützt hat, um hier ein Gemeinschaftsprogramm auf die Beine zu stellen. Dieses Angebot bleibt auch noch für ein Jahr in der ARD-Mediathek und in der ARD-Audiothek erhalten.“

Das Blaue Sofa wechselte diesmal seinen Stammplatz aus der Glashalle in die KONGRESSHALLE am Zoo Leipzig und sendete von dort ihr Programm: „Drei Buchmessen – in Leipzig und Frankfurt – sind ausgefallen – das Blaue Sofa war immer präsent und hat zahlreiche Autor:innen präsentiert“, so Christiane Munsberg von Bertelsmann. „Obwohl Vorbereitungen und Kommunikation durch immer neue Corona-Verordnungen komplexer und umfangreicher wurden, sind wir jetzt sehr stolz auf das, was wir in den letzten vier Tagen geschafft haben: Wir haben über 50 Autor:innen in Livestreams, TV und Hörfunk eine Bühne mit großer Reichweite geboten. Die Begegnungen und Gespräche haben uns viel Spaß gemacht, jetzt fehlt am Blauen Sofa nur noch das Publikum, das wir im März 2022 hoffentlich wieder auf dem Messegelände begrüßen können.“

Überraschende Eindrücke bot das Programm der Kurt Wolff Stiftung. In der Schaubühne Lindenfels sowie dem Haus des Buches traten vier Tage lang unabhängige Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auf. „Ich bin sehr glücklich darüber, dass Leipzig liest extra stattfinden konnte und, dass es mit unseren Veranstaltungen möglich war, zu mehr Sichtbarkeit für die Bücher unabhängiger Verlage beizutragen“, so Britta Jürgs, Vorstandsvorsitzende Kurt Wolff Stiftung. „Sowohl für die Autor:innen als auch für das Publikum vor Ort waren diese Lesungen und Gespräche äußerst inspirierend und wurden begeistert aufgenommen, auch die Live-Streams bekamen eine tolle Resonanz. Wir freuen uns sehr über diesen schönen Erfolg der Unabhängigen.“  

Phantastische Einblicke bot der Literaturpreis Seraph, der gemeinsam von der Leipziger Buchmesse und der Phantastischen Akademie vergeben wird. Mit großer digitaler Teilnahme der Community wurden drei Autor:innen gewürdigt, die zum Teil beim großen Leseabend dem Publikum ihre neuesten Werke präsentierten. „Dank des Lesefestes war es uns möglich, unseren Preis trotz der Pandemie-Beschränkungen in dem großartigen Ambiente der KONGRESSHALLE am Zoo Leipzig zu verleihen und per Live-Stream zu übertragen“, so die Vorsitzende  der Phantastischen Akademie Natalja Schmidt. „Die Atmosphäre im Großen Saal war überaus festlich und damit der perfekte Rahmen für unser zehnjähriges Jubiläum“, ergänzt Stellvertreter Oliver Graute.

Die Branche trifft sich digital: Leipziger Autorenrunde

Unter dem Titel „Das digitale Wir“ fand die Leipziger Autorenrunde erstmals im digitalen Raum statt. 17 Referent:innen luden nach kurzen Impulsvorträgen zu spannenden Vorträgen ein. Die Keynote hielt Autorin und Verlegerin Zoe Beck.

Leipziger  Orte empfangen begeistertes Publikum

Insgesamt 80 Leipziger Orte waren Heimat für Leipzig liest extra und empfingen teilweise begeisterte Literaturfans, darunter auch die Schaubühne Lindenfels. „Dieses Echo Tschechien 2021 der digital-analogen Lesungen wird lange nachhallen – und das nicht nur wegen der Reichweite“, so René Reinhardt, künstlerischer Leiter der Schaubühne Lindenfels. „Das Phänomen Buch hat sich wieder einmal als rettende Insel und Zeitenfähre bewährt, auch weil es unvergesslich bleibt, dieses Gefühl mit den Menschen zu teilen, die diese Bücher schreiben und gestalten. Dieses Echo, das aus dem Privileg der Nähe entsteht, wollen wir bald wieder mit Vielen teilen. Auf ein Wiedersehen zu Leipzig liest 2022.“

Auf die kommende Leipziger Buchmesse müssen Literaturfans diesmal nur knapp zehn Monate warten. Sie findet vom 17. bis 20. März 2022 statt.

Über Leipzig liest extra
2021 musste die Leipziger Buchmesse aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden. Um dennoch Autoren und Leser zusammen zu bringen, veranstaltete die Leipziger Buchmesse in diesem Jahr ein Leipzig liest extra – mit rund 400 Veranstaltungen im Leipziger Stadtgebiet, Preisverleihungen und digitalen Begegnungen. Ausgewählte Veranstaltungen wurden zusätzlich auf der Website der Leipziger Buchmesse gestreamt und so einem breiten Publikum zugänglich gemacht. #Leipzigliestextra #lbm21
 
Text: Julia Lücke
Pressesprecherin Leipziger Buchmesse
              

Leipziger Buchmesse im Internet:
www.leipziger-buchmesse.de
www.preis-der-leipziger-buchmesse.de
blog.leipziger-buchmesse.de/Buecherleben
 
Benjamin Friedrich erzählt über die Gründung von Katapult im Biergarten Ilses
Erika. Foto: Tom Schulze

Christoph Hein stellt seinen neuen Roman „Guldenberg“ im Rahmen des Leizpig Liest Abend vor. Die Veranstaltung am Sonnabend in der Kongresshalle am Zoo Leipzig war ausverkauft. Foto: Jens Schlüter