Ausst.RadebeulAltkö 431Tangolehrer Jens Klant und seine Tanzpartnrin Dorothea Schipp geben ihre Leidenschaft für den argentinischen Tango weiter.Ausst.RadebeulAltkö 398Ausst.RadebeulAltkö 509

 Dresden gilt als ostdeutsche Tango-Hochburg. Seit nunmehr 14 Jahren ist Jens Klant mit seinem Studio 24 – Tango Argentino dabei.

Tango ist Sehnsucht, Verführung, Leidenschaft. All das schwingt in den originalen, betörenden Aufnahmen mit, zu denen die Tanzenden sich langsam und hingebungsvoll übers Parkett bewegen. „Lasst mal mehr Abstand. Die Nähe kommt von ganz allein“, sagt Tanzlehrer Jens Klant zu den Männern.

Der leidenschaftlichste aller Tänze, das wird schnell klar, erfordert vor allem Geduld und Fingerspitzengefühl. Etwa wenn der Tangotänzer seine Partnerin zuerst mit Schwung und Grazie um ihre eigene Achse dreht und dann sanft in Schrittrichtung absetzt. „Anheben, um sie herumgehen. Genau auf den Drehpunkt der Frau, auf den Boden konzentrieren. Absetzen“, erklärt und zeigt Jens Klant die Bewegungsabfolge der doppelten Colgadas, der schwierigsten Tanzfigur beim Tango.

Ein halbes Dutzend Paare jungen und mittleren Alters steht mit ihm auf der Tanzfläche im Dresdner Studio 24. Sie üben schönes, weiches Gehen und erfahren, wie man eine kraftvolle und zugleich geschmeidige Körperhaltung bekommt. Bis zu jenem wunderbaren Moment, in dem nicht mehr der Kopf bestimmt, wo es langgeht, stattdessen der Körper auf einmal federleicht ist und Schritte und Bewegungen wie von selbst aus ihm herausfließen. Seine Tanzschule für argentinischen Tango hat Klant in einem ehemaligen Fabrikraum im Hinterhof der Großenhainer Straße 29 eingerichtet. Ein heller gemütlicher Raum mit Säulen, Kugellampen und großem Wandspiegel. Am Rand der Tanzfläche stehen schwarze Stühle und Tische mit Kerzen, Sofas und ein Tresen.
Hier treffen sich an mehreren Abenden in der Woche Anfänger und Fortgeschrittene zu Tangokursen und Freitag abends ab 21.30 Uhr zu Milongas, den offenen Tanzabenden. Dann ist der Raum in warmes rotes Licht getaucht. Man kann den anderen Tanzenden zuschauen, miteinander tanzen und unterhalten.

Als eine der ersten Tango-Adressen in Dresden eröffnete das Studio 24 im Jahr 2002, kurz nachdem die Tanzschule Tres Tangos auf der anderen Elbseite in Striesen startete. Damals sei die Dresdner Tangoszene mit rund 500 Leuten überschaubar klein gewesen. Mittlerweile ist sie auf rund 2 000 regelmäßig Tanzende angewachsen und größer als die Salsa-Szene. „Nach Berlin ist Dresden die zweitgrößte Tango-Stadt in Ostdeutschland. Man kann hier jeden Tag woanders Tango tanzen“, sagt Jens Klant. Inzwischen gebe es hier bereits acht feste Adressen für Liebhaber dieses Tanzes. Vielleicht sei es auch die immer etwas schwermütige Art des Tango, die der Mentalität der Dresdner entgegenkomme, vermutet er.

„Das Schöne am Tango ist die Vielfalt der Bewegungen, die er zulässt. Daher wird diese Musik nie langweilig“, erklärt Klant. Dieser Tanz sei immer wieder neu und anders auch im Erleben, weil jeder Partner ganz individuell reagiert. „Doch wenn man das Prinzip einmal verstanden hat, kann man sich darauf einstellen“, so Klant. Er selbst kam über den Rock`n`Roll zum Tango. Tanzbegeistert war er, 1971 in Chemnitz geboren, schon immer. Seit 1998 lebt Jens Klant in Dresden und arbeitet als Lehrer an einer Förderschule. In seiner Freizeit lebt er seine Passion mit der Tangoschule aus. Im Sommer 2013 feierte diese ihr zehnjähriges Bestehen. Locker und sportlich gekleidet, in Jeans, Kapuzenshirt und Turnschuhen, entspricht er dabei gar nicht dem klassischen Bild eines Tangotänzers.

„Die Leidenschaft entsteht nicht unbedingt durch schwarze Kleidung, gegeltes Haar und Rose im Mund. Sie entsteht vielmehr mit der Verbindung des Paars beim Tanzen“, sagt Jens Klant. Seine erste Begegnung mit dem Tango war 1999 zufällig im Gare de la Lune. Ihm gefiel die Atmosphäre der wechselnden Tanzpaare, so dass immer andere Bilder entstanden. Jedes Paar tanzte nach eigener Art und nach eigenem Gefühl. „Wir sind in dieser Hinsicht flexibel und nutzen das ganze Spektrum an Tänzen und Musik von den Anfängen des Tangos vor einhundert Jahren in Buenos Aires bis zur Gegenwart“, so Jens Klant. Seit 2012 tanzt und unterrichtet er zusammen mit Dorothea Schipp. Auf Anfragen treten sie auch gemeinsam in Show-Aufführungen auf. Kurz und knapp und oft in humorvoller Weise stelle er die Bewegungsabläufe vor und gehe gut auf die Tanzschüler ein, sagt sie über Jens Klant. Rund einhundert Tangoschüler, vom Studenten bis zum 75-Jährigen, besuchen zurzeit sein Tanzstudio. Tango kennt keine Altersgrenzen.

(der Beitrag erschien im April 2013 in der SZ, Dresden-Kultur anlässlich des 3. Dresdner Tangofestes)

Text + Fotos (lv)

Weitere Infos zu Tango-Kursen unter http://www.24tangos.de
Kontakt: Jens Klant/studio 24, Großenhainer Str. 29, HH, 01097 Dresden
Tel: (0351)856 72 09, Handy: 0172 – 362 24 55
e-mail: kontakt@24tangos.de

 

 

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