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Foto: Robert Jentzsch

Ein humorvoller Hochzeits(alb)traum

Ein Muss für alle frisch Verlobten, Langzeit-Singles und Ehe-Insassen ist diese Inszenierung in der Comödie Dresden.

Eigentlich müsste sie im siebten Himmel schweben. Denn die lebenslustige Karrierefrau Gaby wird gleich ihren Traummann heiraten. Doch seit letzter Nacht ist er spurlos verschwunden und sie weiß nicht, mit wem sie diese verbracht hat. Damit ist für reichlich Herzkribbeln, Aufregung und Spannung gesorgt in der Musicalkomödie  „Höchste Zeit!“ (Buch: Tilman von Blomberg, Liedtexte: Carsten Gerlitz). Die Premiere war am Freitag abend in der Comödie Dresden.

Buchstäblich berauscht stolpert die Braut in spe im schwarzen Minikleid (reichlich gefühlsverwirrt: Charlotte Heinke)aus dem Bad. Sie befindet sich in der Hotelsuite eines Grand Hotels. Dem einzigen Ort, an dem man noch an Märchen glaubt, erklingt süffisant eine Männerstimme aus einem sprechenden, grünflimmernden Spiegel, um wie ein froschverzauberter Traumprinz (Viktor Neumann) kühl-ungerührte und ungenierte Kommentare zu den Liebesturbulenzen abzugeben.

Mit Blick auf eine handsignierte CD von Howard Carpendale steigt ein beunruhigender Verdacht in der Braut auf. Während die drei Freundinnen als Brautjungfern in Feierlaune anschwirren und weder mit gut gemeinten Ratschlägen noch giftigen Seitenhieben rund um Liebesromantik und -alltag, Ehe und Treue und ihre Schattenseiten sparen, hat die Braut Zeit sich klar zu werden, was sie eigentlich will. Ihr Motto heißt: „Im Herzen treu, im Leben frei.“

Mit viel Witz und Power, Lust und Wut singt, spielt und tanzt das Damen-Quartett in der Fortsetzung des Musicals „Heiße Zeiten“ unter Regie von Katja Wolff nun wieder samt verrückt spielender Hormone und Gefühle. Die vier sehr verschiedenen Damen lästern, lachen, leiden, streiten, trösten und machen sich gegenseitig Mut und nehmen zu bekannten, umgeschriebenen Popsongs das Ideal von ewiger Liebe und Zweisamkeit humorvoll auf die Schippe. Da ist die vornehme, nach außen forsche und abgeklärte Ehefrau (Heike Jonca), die ihre „Scheidung als vorzeitige Haftentlassung“ betrachtet und wieder frei sein will. Und der Braut einpaukt: „Den Richtigen gibt es nicht, sondern nur den am wenigsten Falschen!“ Da ist die junge Mutter (Wiebke Wötzel), die sehnlichst heiraten will und derart hohe Ansprüche an ihren Freund stellt, dass er sich nicht traut sie zu fragen. Und die üppig-quirlige Hausfrau Doris (Angelika Mann), die ihr Herz auf der Zunge trägt und mit hinreißend bluesig-rockiger Stimme bekennt: „Ich will mehr!“ – als nur für Mann und Haushalt da zu sein.

Das Publikum hat sichtlich Spaß und durchlebt mit der Braut alle Höhen und Tiefen dieses Hochzeits(alb)traums. Wenn die Geschichte auch streckenweise sehr überdreht und widersprüchlich hinsichtlich der Wünsche und Realität der Frauen daherkommt und mehr auf Gags abzielt, bleibt es zumindest amüsant, unterhaltsam und spannend bis zum Schluss. Herzlicher Beifall.

Nächste Vorstellungen: 24. – 28.5. und 31.5., 1. – 11.6, 19.30 Uhr; 12. und 19.6., 15 Uhr und 14. – 18.6., 19.30 Uhr

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