
„Das Herz nach außen tragen.“ Das spiegeln die Malerei und Zeichnungen von Gudrun Trendafilov reizvoll und verlockend, sinnlich, kraftvoll und verletzlich.



Wo Träume fantasiereich flüstern
Um Verbundensein zwischen Mensch, Natur und allen Lebewesen und die Suche nach Glück, Balance und Geborgenheit geht es in der Ausstellung „Stille Post“ mit Arbeiten aus 40 Schaffensjahren von Gudrun Trebdafilov derzeit auf Schloss Burgk in Freital.
Zwischen zwei Gesichtern mit langen Haarzöpfen geht eine schwarze, gelbäugige Katze in der Mitte vor tiefblauem Himmel hin und her, als würde sie eine Botschaft übermitteln. Es ist das Titelbild der Ausstellung „Stille Post“ mit Malerei, Collagen und Zeichnungen von Gudrun Trendafilov auf Schloss Burgk in Freital (noch bis 28. Juni zu sehen).
Der Ausstellungstitel Stille Post bezieht sich auf ein beliebtes Kinderspiel, bei dem man dem anderen ein Wort ins Ohr flüstert, der sagt es weiter und der Letzte in der Runde sagt laut, was er gehört hat. Je nach der Länge und Schwere des Begriffes kommt er klar und vollständig an oder abgewandelt, nur halb verstanden oder völlig anders. Wie sehr können wir unseren Sinnen noch trauen in dieser lauten, schnelllebigen Gegenwart? Fragt die Künstlerin mit ihren Bildern, die einladen zum Flüstern, Lauschen und Zuhören, damit die leisen Töne nicht verloren gehen. Ihre Figuren begegnen einem oft mit versunkenem Blick, sie hören in sich hinein, halten Zwiesprache mit sich selbst. Ihre vieldeutige Bilderwelt ist reizvoll und spannend in der Schwebe zwischen Traum, Fantasie und Wirklichkeit in vorwiegend leuchtend warmen, erdigen, blauen und zarten Farbtönen gehalten.
Da geht es um das Verbundensein zwischen Mensch, Natur und allen Lebewesen und die Suche nach Balance, Glück und Geborgenheit, um Innehalten, Hingabe und Weitergabe des Empfangenen. Die Ausstellung versammelt eine Auswahl von rund 60 Arbeiten aus 40 Schaffensjahren von Gudrun Trendafilov, die in Dresden lebt und arbeitet und zu den herausragenden zeitgenössischen Künstlerinnen hierzulande gehört. Sie wurde 1958 inm erzgebirgischen Bernsbach geboren und kam mit 18 Jahren nach Dresden, um an der hiesigen Kunsthochschule zu studieren. Bei Professor Gerhard Kettner studierte sie Malerei und Grafik. Seit 1981 ist sie als freischaffende Künstlerin in Dresden tätig. Zu sehen sind im Schloss Burgk in Freital bekannte und frühe, noch nie gezeigte Arbeiten von ihr. „Dies ist die erste museale Einzelausstellung von Gudrun Trendafilov in Deutschland. Bisher hatte sie lediglich Ausstellungsbeteiligungen“, sagt Kristin Gäbler, Leiterin der Städtischen Sammlungen Freital im Schloss Burgk. Die Bilder mit ihrer unverkennbaren Handschrift geben außerdem einen Einblick in das wandlungsreiche Schaffen und den Werdegang der Zeichnerin umd Malerin.
Zu sehen sind Arbeiten von Gudrun Trendafilov aus der Städtischen Galerie Dresden, von privaten Leihgebern und aus dem Besitz der Künstlerin. Darunter ein frühes Bild „Familie“ von 1984, expressiv figürlich in Rosé- und Grautönen zeigt es ein junges Paar, während sie das Baby stillt. In ähnlicher Farbgebung und aus dem selben Jahr stammt das Bild „Karneval“, mit einer Frau im enganliegenen Trägerkleid und schwarzen Hut, umgeben von kostümierten Gestalten. Immer wieder tauchen in ihren Bildern Köpfe und Gesichter auf, oft mit Blüten, Früchten, wippenden Zöpfen, wogendem oder aufgetürmtem Haar, das manchmal zum Vogelnest wird. Frauenakte in wenigen, markanten Linien und Paare, die sich halten, anlehnen, innig, kraftvoll und verletzlich. Frauen mit Tieren, Vogel in der Hand, Eule auf der Schulter oder keck ungebändigten Katzen an ihrer Seite. Ein großformatiges Bild zeigt drei nackte, goldenschimmernde Grazien am Meer vor zwei Äpfeln sitzend, sinnlich und verlockend. Zwei Frauen halten und wärmen sich in einen grauen Mantel gehüllt.
Eine wunderbar aus der Bewegung gezeichnete, kraftvolle wie tanzende „Kassandra“, ihrem inneren Ruf folgend, mit erhobenen Händen und um ihren Körper sanft fließendem Haarschwung zeigt eine Tusche- und Kreidezeichnung auf Seidenpapier von 2015, eine Leihgabe der Künstlerin. Eindrucksvoll und berührend auch ihre Selbstbildnisse, in denen sich Licht und Schatten mischen. „Das eigene Herz nach außen tragen“, darum geht es Gudrun Trendafilov. „Ich male und zeichne, um Formen zu finden für das, was mich im Innersten umtreibt, die Liebe, Träume, Wut und Melancholie“, sagt sie über ihr Schaffen. „Die Zeichnung ist für mich das direkteste Mittel, Emotionen in künstlerische Form zu bringen.“ Zur Ausstellung „Stille Post“ ist ein Katalog erschienen.
Text + Fotos (lv)
Geöffnet: Di bis Fr 12 bis 16 Uhr, Sa, So und Feiertag 10 bis 17 Uhr










